90 Jahre Frauenwahlrecht

Die Forderung nach dem Wahlrecht für Frauen wurde schon im 18 Jahrhundert laut. Aber so schnell gaben die Männer ihre Domäne nicht Preis. Mit Ignorierung, Lächerlichmachen und Verhaftungen wahrten sie ihre Vormachtstellung.
„Her mit dem Frauenwahlrecht“ rief Rosa Luxemburg 1912, und auch Anita Auspurg, Hedwig Dohm und Clara Zetkin kämpften für dieses Recht.
Erst 1917 bringt der Sozialdemokrat Eduard Bernstein einen entsprechenden Gesetzesentwurf in den Reichstag ein. Am 12. November 1918 war es so weit: Alle Frauen über 20 Jahre bekamen das Wahlrecht. Als am 19. Januar 1919 in Weimar die Wahl zur Nationalversammlung stattfand, kandidierten 300 Frauen. Was für ein Triumph! Gewählt wurden dann 41 Frauen, bei insgesamt 423 Sitzen.
Soviel zur Geschichte.
Und heute? Danken wir unseren Groß- und Urgroßmüttern für ihren Kampf?
Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2008 betrug 45,3%. Von 19.377 Wahlberechtigten haben also nur 8759 gewählt. Ich kenne die Gründe der Nichtwähler für ihre Verweigerung nicht: Politikverdrossenheit, „Meine-einzelne-Stimme-hat-eh-keinen-Einfluss“ oder Desinteresse. Aber ich frage mich schon, ob meine Legitimation als Stadtverordnete nicht zu gering ist, wenn mehr als die Hälfte der Oldesloer nicht gewählt haben.
Im Juni sind wir aufgefordert das EU-Parlament zu wählen. Die Wahlbeteiligung in 2003 betrug weniger als 45%.
Wenn wir Einfluss auf die Europapolitik nehmen wollen, und da werden Grundsatzentscheidungen getroffen, die uns unmittelbar betreffen, dann müssen wir zur Wahl gehen. Es geht um gemeinsamen Umweltschutz, Klimaschutz, Handelsabkommen u.s.w.. Es geht aber auch um EU-Gelder für Wirtschaftsförderung in Schleswig-Holstein und um die finanzielle Unterstützung von 21 Aktivregionen. Eine davon fördert zum Beispiel das Projekt „Klasse musiziert“ in der Stadtschule.
Man sieht also, die EU reicht bis nach Oldesloe. Deshalb ist es um so wichtiger mitzubestimmen, wer in Brüssel für unser Land/Bundesland eintritt.
Und um auf den Anfang zurückzukommen: Sorgen wir dafür, dass der Kampf nicht umsonst war. Auf geht’s, es ist Damenwahl!!!
Birgit Weißmann





