23 Uhr – Krippenplan vertagt

- „Wir haben einen Luftballon in desolatem Zustand.“ Bürgermeister Tassilo von Bary
Stormarner Tageblatt vom 1. Oktober 2010
Sozialausschuss-Sitzung zu vorgerückter Stunde abgebrochen / Brummkreisel-Neubau beschlossen
Bad Oldesloe
Und plötzlich war Schluss. Kurz vor 23 Uhr beendete Vorsitzende Angela Fehrmann (CDU) die Sozialausschuss-Sitzung. Stundenlang hatten die Vertreter etlicher Kindergärten ausgeharrt, dann wurden sie unverrichteter Dinge nach Hause geschickt. „Ihr“ Tagesordnungspunkt, Ausbau der Krippenplätze, wurde nicht behandelt.
Einiges war zuvor aber doch auf den Weg gebracht. Zwei Krippengruppen am Ehmkenberg – einstimmig wurde beschlossen, sie zu bauen. Kostenpunkt knapp 280 000 Euro, abzüglich Fördermittel bleiben für die Stadt noch gute 80 000 Euro.
Kontrovers wurde die Diskussion beim Thema Brummkreisel. Obwohl noch überhaupt nicht absehbar ist, wann Volkshochschule und Musikschule aus der Villa an der Königstraße ausziehen – dann müsste auch der Lebenshilfe Kindergarten raus, damit das Gebäude verkauft werden kann – wird ein 2,25 Millionen Euro Neubau neben dem Schwimmbad vorangetrieben.
Die aktuelle Planung von Architekt Jan Kobarg stößt besonders der SPD sauer auf. Für 372 000 Euro ist im Obergeschoss eine Hortgruppe vorgesehen. Da es keinen Aufzug gibt, ist sie nicht barrierefrei zu erreichen. Brandschutzfragen sind ebenfalls noch offen. Seitens der Sozialdemokraten wird angezweifelt, ob es für eine Hortgruppe fernab einer Schule überhaupt Bedarf gibt. Deshalb sollte darauf verzichtet werden. Die 30 000 Euro jährliche Betriebskosten für 15 Kinder sollten lieber den Schulen für die Ganztagsbetreuung zur Verfügung gestellt werden.
Architekt Kobarg machte eine andere Rechnung auf. Wenn auf den Hort verzichtet werde, müssten Personalräume im Erdgeschoss untergebracht werden. Die zusätzlich benötigte Grundfläche gehe zu Lasten der Spielfläche, die ohnehin äußerst knapp sei. Wegen aufwändiger Gründung und mehr Dachfläche würden keine Baukosten gespart. „Das ist ein Nullsummenspiel“, versicherte er. CDU, FDP und Grüne konnten sich mit dem SPD-Antrag nicht anfreunden, also wird der Kindergarten wie geplant gebaut.
Noch strittiger ist der „neue“ Luftballon. Dessen Baracke an der Lübecker Straße droht zusammenzubrechen. Es muss dringend Ersatz her. Der CDU-FDP-Mehrheit schwebt vor, der Einrichtung leere Räume in der Klaus-Groth-Schule zu geben. Auch dort könnte dann ein Hort geschaffen werden. Der Trägerverein des Luftballon lehnt die Pläne kategorisch ab – die Horteltern würden die Struktur sprengen, weil ihnen die Identifikation mit dem Verein und der ehrenamtlich zu leistenden Arbeit fehle. Stattdessen favorisiert der Verein einen Neubau am Redder. Der würde, nach der Kalkulation von Planer Dieter Lentz, nicht teurer als der Umbau an der KGS. Egal, das Thema stand überhaupt nicht zur Debatte.
Stattdessen wurde die Frage beraten, ob eine Hortgruppe benötigt wird und wenn ja, wie sie organisiert sein soll. KGS-Rektorin Hildegard Pontow legte dar, dass es sehr wohl einen Bedarf an Betreuung gebe. Den Schulen fehle die benötigte Verlässlichkeit. Alternativ gebe es den Verein „Feste Grundschulzeiten“ (FGZ) oder Horte – den Eltern sei das in der Regel egal.
Daraus entwickelte sich eine Diskussion, dass eigentlich ein Hortkonzept für alle Schulen benötigt wird – das soll die Verwaltung erstellen. Als Kompromiss entwickelte Gudrun Möllnitz (CDU) den Vorschlag, aus dem im Luftballon geplanten Hort- eine Krippe zu machen. Vor einem endgültigen Beschluss müssen aber die Kosten neu berechnet werden.
Andreas Olbertz
Jugendtreff zu teuer
Stormarner Tageblatt vom 1. Oktzober 2010
Initiative vom Kinder- und Jugendbeirat wieder abgeschmettert
bad Oldesloe
Und da wundert sich noch jemand, dass sich niemand im Kinder- und Jugendbeirat (KJBR) engagieren möchte? Das Thema „Einrichtung eines öffentlichen Jugendtreffs“ entwickelt sich mehr und mehr zum Pingpong-Ball zwischen Politik und Verwaltung mit KJBR. Der Ball wird hin und her gespielt, manchmal gibt es Tränen, aber die Umsetzung ist nach der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses in weiter Ferne.
Alle sind für den vom Jugendbeirat gewünschten Treffpunkt. In der Praxis scheitert es aber an den nötigen Beschlüssen. Ursprünglich hatte der Beirat vorgeschlagen, den Treffpunkt auf dem Spielplatz neben der Loge, schräg gegenüber der Juze einzurichten. Doch dieser Standortvorschlag wurde von CDU und FDP im März zerrieben: Nicht einsehbar genug, Lärmbelästigung für die Anlieger. Schon damals stand das Kostenbarometer auf 40 000 Euro. An die Verwaltung erging der Auftrag, neue Vorschläge zu unterbreiten.
Anfang Juni dann der nächste Streich. Es hatte verschiedene Ortstermine und Besichtigungen gegeben, aber alles ohne Erfolg. Verwaltung blieb beim alten Vorschlag. In der Sitzung präsentierte Gudrun Möllnitz einen Vorschlag der CDU: Auf der gegenüberliegenden Straßenseite könnte ein Teil des Parkplatzes zum Jugendtreff werden. Zustimmung von der FDP, die Verwaltung soll die Kosten ermitteln. Das Ergebnis war jetzt auf der Tagesordnung. Aktueller Pegelstand: 55 000 Euro.
Angesichts dieser Summe platzte Anita Klahn (FDP) der Kragen: „Das kann doch wohl nicht wahr sein. Ich bin nicht bereit, das auszugeben.“ In alten Protokollen des KJBR hatte sie gelesen, dass die Jugendlichen lediglich Sitzgelegenheiten, Basketballkorb, ein Sonnensegel und einen Grillplatz auf der Wiese neben dem Hallenbad wollten. „Sowas kann doch nicht mehr als 5000 Euro kosten“, wetterte sie. Die bisherige Beiratsvorsitzende Aurora Kastrati konterte: „Es ist nicht von unserer Seite mehr geworden. Vom Ausschuss wurden immer wieder Standortvorschläge verworfen.“ Thomas Sobczak aus dem Rathaus konkretisierte: „Es wurde ein Standort ins Auge gefasst, der ein Parkplatz ist. Da lassen sich die Wünsche der Jugendlichen nicht mehr so einfach umsetzen.“ Von den juristischen Unwägbarkeiten, weil die Stellplätze zur Baugenehmigung der Stormarnhalle gehören, ganz zu schweigen. Jugendpflegerin Karin Heinzen legte dar, dass die Grünfläche neben der Schwimmhalle verworfen werden musste, weil sie strengen Naturschutzauflagen unterliegt.
Halina Waltz plädierte für die SPD dafür, wieder zum Ausgangsstandort neben der Loge zurückzukehren, was aber von CDU und FDP prompt abgelehnt wurde. „Alles auf Null“, gab Gudrun Möllnitz als Devise aus: „Das muss Verwaltung noch mal mit dem KJBR angehen“, wurde von Schwarz-Gelb mehrheitlich beschlossen.
Andreas Olbertz
Der neue Jugendbeirat

Stormarner Tageblatt vom 1. Oktober 2010
Bad Oldesloe
In ihr Amt eingeführt wurden auch die sech neuen Mitglieder des Jugenbeirats, der eigentlich aus neun Kindern und Jugendlichen bestehen sollte. Da sich aber nicht mehr Nachwuchspolitiker zur Wahl gestellt hatten, wurde diese nicht durchgeführt.
Die sechs Bewerber Gazmend Bislimi (16), Zegir Bislimi (17), Altin Kastrati (16), Etnik Kastrati (12), Katharina Voß (14) und Uliana Zukova (16) wurden daher von der Stadtverordnetenversammlung Bad Oldesloe als neue Jugendbeiratsmitglieder bestätigt.
st
Die Bibliothek der Zukunft
Lübecker Nachrichten vom 1. Oktober 2010
Bad Oldesloe - Selbst ist der Leser in der Bad Oldesloer Stadtbibliothek. Der Bildungs- und Kulturausschuss beschloss einstimmig die Einführung des RFID-Systems.
Noch vor kurzem waren die vier Buchstaben „RFID“ das Reizwort schlechthin in Bad Oldesloe. So etwas brauche man nicht in der Bücherei. Mit der „RFID“-Technik können Leser die ausgeliehenen Bücher oder CDs selbst scannen und auch abgeben und auslesen lassen.
Mittlerweile haben die Politiker gemerkt, dass es so ganz ohne neue Technik in Bad Oldesloe nicht mehr geht. Kaum einer kann sich noch an die Zeiten erinnern, in denen Büros ohne Computer und Geschäftsleute ohne Handys auskamen. Nun sollen in der Bibliothek Terminals eingeführt werden, die eine Bücher-Selbstausleihe ermöglichen.
Das System wurde in der ersten Phase „positiv auf den Weg gebracht“, sagt Hauptamtsleiter Malte Schaarmann. Für rund 70 000 Euro sollen alle rund 40 000 Medieneinheiten mit RFID-Etiketten versehen werden – mit kleinen Computerchips mit Antenne, die von einem Lesegerät gescannt werden können. „Man scannt die Chips durch und hat die Daten sofort auf dem Rechner“, sagt Bürgermeister Tassilo von Bary (parteilos). Wenn jemand diesen Schritt nicht ordnungsgemäß ausführt, „geht der Alarm los“, so von Bary. Denn ein „Gate“, eine Schleuse, sichert den Bestand.
„Mir hat das sehr gut gefallen“, sagt Maria Herrmann (SPD), die sich gemeinsam mit anderen Politikern und Verwaltungsmitarbeitern ein solches System in einer Hamburger Bibliothek anschaute. Herrmann „Ich habe erlebt, dass es hervorragend funktioniert.“ Vorbei wären damit die Zeiten, in denen jede CD zum Scannen aus der Hülle genommen werden muss. Ein ganzer Stapel Bücher und CDs werden mit RFID auf einen Schlag erkannt.
Die neue Technik geht nicht nur schneller. Sie entlastet auch die Mitarbeiter. Zum einen haben die dann endlich mehr Zeit für ihre eigentlichen Arbeiten. „Sie sind ja nicht als Kassiererin eingestellt“, so von Bary. Zum anderen belaste das jetzige System Nackenmuskeln und Handgelenke.
Der eigentliche Grund für den Einstieg in die Bibliothek der Zukunft ist in Bad Oldesloe jedoch der enorme Anstieg der Ausleihzahlen. Die haben sich seit 1997 von 151 000 auf jetzt 316 000 mehr als verdoppelt. Um das zu wuppen, müssten ansonsten mehr Personal eingestellt oder aber die Öffnungszeiten drastisch reduziert werden. Schon in dieser Woche wurde an einem Nachmittag krankheitsbedingt geschlossen. Am Sonnabend bleibt die Oldesloer Stadtbibliothek aus dem selben Grund zu.
RFID steht für „radio-frequency identification“ und bedeutet übersetzt so viel wie „Identifizierung mit Hilfe elektromagnetischer Wellen“. Die ersten RFID-Anwendungen gab es bereits Ende des Zweiten Weltkrieges. Ein Sekundärradar diente zur Freund- Feind-Erkennung, Flugzeuge und Panzer waren mit Transponder und Leseeinheiten ausgestattet. Erste einfache Vorläufer der RFID-Technik kamen in den 70er Jahren als elektronische Warensicherungssysteme auf den Markt. In allen seit dem 1. November 2005 ausgestellten deutschen Reisepässen sind RFID-Chips enthalten.
Geplant ist in Bad Oldesloe nächstes Jahr nur die Einführung der Selbstausleih-Terminals. Erst später wird geprüft, ob es auch Rückgabeterminals geben wird – oder ob man damit ungewollt eine weitgehend mitarbeiterfreie Bibliothek schafft.
Von Susanna Fofana
Stolpern bewegt das Herz
Stormarner Tageblatt vom 29. Septemebr 2010
Ein Stein gegen das Vergessen / Gunter Demnig verlegte Quader für Oldesloer Hans Wöltje
Bad Oldesloe
Jetzt hat also auch Bad Oldesloe seinen Stolperstein. Gestern wurde die zehn mal zehn Zentimeter große Messingplatte zu Ehren von Hans Wöltje direkt vor dem Eingang der Volksbank-Filiale in der Hindenburgstraße von Gunter Demnig verlegt. Das Interesse war groß, rund 80 Bürger waren dabei. Bad Oldesloe ist die 590. Gemeinde, die einen Stolperstein besitzt. Insgesamt sind es inzwischen weit über 26 000 Gedenktafeln, die Projektgründer Gunter Demnig bisher in zehn Ländern Europas, von Norwegen bis Ungarn, verlegt hat.
Hans Wöltje war Oldesloer, Schüler der Theodor-Mommsen-Schule, Bibelforscher und ein Zeuge Jehovas. Und deshalb war er den Nazis auch ein Dorn im Auge. „Er wurde diskriminiert und ausgegrenzt, hat aber der Gesinnung der Nationalsozialisten widerstanden – bis in den Tod“, sagte Dr. Johannes Spallek, der sich intensiv mit der Lebensgeschichte des 1937 im Konzentrationslager Dachau ermordeten jungen Oldesloers beschäftigt hat. Die Verlegung von Stolpersteinen sei eine Erinnerungskultur im besten Sinne. „So ein Stolperstein ist eine wunderbare Form von kollektiver Erinnerung, denn man muss sich vor ihm verbeugen, wenn man den Text lesen will“, so der Kreiskulturreferent. So eine Steinlegung sei auch für ihn immer wieder ein großer Moment, auch nach 18 Jahren noch, meinte Gunter Demnig. Da Hans Wöltje zur Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas gehörte, von denen rund 1500 Glaubensbrüder von den Nazis ermordet wurden, wird die Oldesloer Gemeinde Patenschaft und Kosten für die Verlegung des Gedenksteines übernehmen. Es sei eine hervorragende Aktion, dass man jetzt vor dem ehemaligen Wohnhaus von Hans Wöltje „stolpern“ könne, sagte Jörn Puttkammer, Regional-Beauftragter der NS-Opfer-Gruppe der Zeugen Jehovas. „Man stolpert zwar nicht mit den Füßen, aber mit dem Kopf und dem Herzen.“
Susanne Rohde
Bürgermeister: Es wird keine Langeweile geben

Stormarner Tageblatt vom 29. September 2010
Tassilo von Bary tritt am 1. Oktober seine zweite Amtsperiode in Bad Oldesloe an
Bad Oldesloe
Gewählt worden war er bereits am 27. Juni, die offizielle Ernennung und Vereidigung fand jetzt in der Stadtverordnetenversammlung statt: Tassilo von Bary tritt damit am 1. Oktober seine zweite sechsjährige Amtszeit als Bürgermeister der Stadt Bad Oldesloe an. Bürgerworthalter Rainer Fehrmann und der erste stellvertretende Bürgermeister, Horst Möller (CDU), nahmen in der Festhalle den Amtseid ab und übergaben die Ernennungsurkunde.
Tassilo von Bary: „Es gibt sehr viel zu tun, und es wird sicher keine leichte Zeit. Unsere Großprojekte werden uns noch einige graue Haare wachsen lassen.“ Es werde bestimmt „keine Langeweile aufkommen“.
Ein wenig Ärger gab es nochmals rund um das Thema Stolperstein. Bürgerworthalter Rainer Fehrmann (CDU) hatte einen Brief seiner Amtskollegin aus Bad Segeberg beantwortet. Die hatte sich über den Streit um die Verlegung des Stolpersteins in der Stormarner Kreisstadt verwundert gezeigt. Maria Herrmann (SPD): „Ich möchte, dass der Bürgerworthalter uns in Zukunft solche Briefe vorlegt, bevor er sie im Namen der Stadt verschickt.“ Das wiederum möchte Rainer Fehrmann auch in Zukunft nicht tun müssen: „Es war ein Brief an den Bürgerworthalter und als solcher habe ich ihn beantwortet. Sie können jederzeit Akteneinsicht in meinen Schriftverkehr erhalten.“
P. Niemeier
Zweite Amtszeit: Tassilo von Bary als Bürgermeister vereidigt

- Horst Möller, Fraktionsvorsitzender der CDU, liest Tassiolo von Bary die Ernennungsurkunde vor. Bürgerworthalter Rainer Fehrmann (li.) spricht den Eid vor.Foto: Kerstin Kuhlmann-Schultz
Lübecker Nachrichten vom 29. September 2010
Bad Oldesloe – Jetzt ist er vereidigt: Bad Oldesloes Bürgermeister Tassilo von Bary (parteilos) leistete am Montagabend seinen Amtsschwur. Somit agiert der Verwaltungschef weitere sechs Jahre in der Kreisstadt. Es ist seine zweite Amtszeit, die am Freitag, 1. Oktober, offiziell beginnt. Der Bürgermeister wurde bei der Stichwahl am 27. Juni mit 56,5 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen gewählt. Das Innenministerium des Landes hatte keine Bedenken wegen der Gültigkeit der Wahl.
Der beim ersten Wahlgang weit abgeschlagene parteilose Kandidat Klaus Schädel aus Großhansdorf hatte wegen angeblicher Manipulation Widerspruch gegen die Wahl eingelegt, jedoch eine wichtige Frist verstreichen lassen. Somit ist sein Widerspruch hinfällig. Nach Bad Oldesloe hatte sich Schädel auch in Rendsburg als Bürgermeister beworben – am 12. September war Wahl, Schädel hatte erneut keinen Erfolg.
„Ich möchte mich bei den Oldesloern bedanken, dass sie mich zum Bürgermeister wiedergewählt haben. Hier ist es nicht so einfach, eine zweite Amtszeit zu erreichen“, erklärte Tassilo von Bary, der sich auf die kommenden sechs Jahre freut. „Die werden spannend und werden viel Arbeit kosten. Es stehen jede Menge Projekte an. Ich wünsche uns das nötige Quäntchen Glück.“
Und das nötige Quäntchen Geld, um die vielen Projekte zu verwirklichen, die in Bad Oldesloe anstehen. Denn, wie schrieb es Heinz Drenkberg (CDU), den Stadtverordneten ins Stammbuch: „Wir müssen uns in Zukunft darauf vorbereiten, welche Kosten auf uns zukommen.“ Damit meinte er nicht nur die überplanmäßigen Ausgaben, die jetzt von den Stadtverordneten abgesegnet werden sollten. Es war auch ein Hinweis zu den Planungen für das Hallenbad und das Kultur- und Bildungszentrum. Der Politiker forderte auf, zu überprüfen, ob „Kostenvoranschläge realistisch sind“.
Die Stadtverordneten beschlossen – „es geht ja beim Geldausgeben sehr schnell“, bemerkte Bürgerworthalter Rainer Fehrmann (CDU) – 33 000 Euro für das Mensaprovisorium nachzuschießen. Auch 69 900 Euro Mehrkosten für den Bauhof wurden locker gemacht – „bedingt durch den strengen Winter, über den wir auch gestolpert sind“, so Drenkberg. Zusätzlich genehmigten die Politiker noch Haushaltsüberschreitungen von 65 400 Euro.
Von K. Kuhlmann-Schultz
Stormarner Wochenschau
Stormarner Tageblatt vom 25. September 2010
KuB, Kostenfrust und Knalleffekt
LOBBYARBEIT Im Hauptausschuss wollte FDP-Fraktions-Chef Karl Reinhold Wurch wissen, ob die Verwaltung in Sachen KuB-Fördermittel auch schon mal bei Ministern und Staatssekretären vorstellig geworden wäre – wegen der Wichtigkeit des Projekts. Lange Gesichter. Nö, ist man nicht, nur auf der Sachbearbeiter-Ebene und selbst der, das wurde in der Sitzung klar, liegt nicht mal ein konkreter Antrag vor. Da meldete sich Architekt Gregor Sunder-Plassmann zu Wort. Er habe kürzlich am Rande einer Preisverleihung die Möglichkeit gehabt, mit Ministerpräsident Peter Harry Carstensen zu sprechen. Was es denn an neuen Projekten gebe?, habe der MP ihn gefragt. Da habe er ihm natürlich vom KuB erzählt. Carstensen soll geantwortet haben: „Machen Sie mal eine gute Architektur, dann klappt das auch.“ Wenn das wirklich so einfach sein sollte, werden sich in Oldesloe sicher alle freuen.
ALARM Erst waren alle total begeistert, aber vier Wochen später und zwei Millionen Euro teurer macht sich unter den Hauptausschuss-Mitgliedern Frustration breit. Zumal die jüngste Preissteigerung bei der Schwimmbadsanierung nicht die letzte bleiben wird, so viel steht schon fest, nachdem auch dort Asbest gefunden worden ist. Vor allem, weil Planerin Annette Esselmann bei der vorherigen Sitzung so euphorisch und überzeugt war, mit dem gesetzten Kostenrahmen auszukommen. Karl Reinhold Wurch war mächtig verärgert: „Wenn ich meinen Mandanten das so erzähle und den Prozess dann verliere, habe ich ein Problem.“ Doch da gab es Kontra von Uwe Rädisch (CDU): „Ne, dann gehst du in Revision.“
RABENSCHWARZ: Es gibt Dinge, die ändern sich wohl nie. Bei den Bargteheider Krähen scheint das der Fall zu sein. Seit Jahrzehnten fühlen sich die schlauen Vögel in „Stormarns lebendiger Stadt“ wie die Made im Speck. Gleichwohl führen sie sich auf wie die Vandalen, „schießen“ im Flug aus allen Rohren und scheren sich nicht die Bohne um Ruhezonen oder Lärmschutz. Das bringt das „Bodenpersonal“ in regelmäßigen Abständen gehörig auf die Palme und eine Flut an Beschwerden im Rathaus mit sich. Nach der „Vertreibung aus dem Paradies“ (Markt und Utspann 2007) ist der Bahnhof der neueste „Krähen-Krisenherd“ der Stadt. Dort will man die insgesamt 200 Störenfriede aber auch nicht haben und tüftelt bereits an einem neuen „Hausverbot“. Die Vergrämung könnte mit einer erneuten Baumkronen-Beschneidung, mit schwereren Geschützen in Form einer täglich zum Einsatz kommenden Schreckschusspistole oder gleich beidem in die Tat umgesetzt werden. Stellt sich die Frage, welche Bäume sie demnächst „besetzen“, um ihre „Kot-Bomben“ auf Bargteheider herniedergehen zu lassen. Wohl oder übel muss man mit den Krähen leben – mit anderen Unholden muss man es ja auch – mit solchen, die ihren Müll unverhohlen in die Gegend schmeißen, die ihren Hund überall, nur nicht vor der eigenen Haustür hinmachen lassen, ohne die Hinterlassenschaft zu entsorgen, die sich aufführen, als wären sie auf einer einsamen Insel. Da wünschte man sich auch schon mal eine Vergrämungsaktion, wie unsere Karikatur zeigt.
A. Olbertz; V. Stolten
Stadtmarketing: Sie soll den Posten kriegen

Stormarner Tageblatt vom 24. September 2010
Bad Oldesloe
Braucht die Kreisstadt einen eigenen Marketing-Beauftragten? Lange und breit wurde in Bad Oldesloe über diese Frage diskutiert. Als Bürgermeister Tassilo von Bary Ende August dann den Stadtverordneten die favorisierte Bewerberin für die Stabsstelle Stadtmarketing vorstellen wollte, steckte diese auf der Strecke zwischen Hamburg und der Stormarnhalle fest – und kam zu spät zur Sitzung. Die zum 1. September geplante Besetzung der Stelle mit der 34-jährigen Ina Weber musste noch einmal aufgeschoben werden, da die Abgeordneten nicht ohne Personenkenntnis abstimmen wollten.
Jetzt hatten von Bary und Weber in der jüngsten Hauptausschusssitzung eine neue Chance. Abgestimmt wird aber erst in der Stadtverordnetenversammlung am kommenden Montag, 27. September.
Ina Weber stammt ursprünglich aus der VW-Stadt Wolfsburg. Nach der Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin absolvierte sie an der Universität Lüneburg erfolgreich das Magisterstudium der Angewandten Kulturwissenschaften mit den Schwerpunkten Betriebswirtschaftslehre, Kommunikationswissenschaften und Tourismusmanagement. Ein Erasmussemester brachte sie an die Universidad de Deusto in Bilbao, was ihr gute Spanisch- und Englisch-Kenntnisse bescherte. Ihre Magisterarbeit schrieb Ina Weber zum Thema „Kultur als Magnet des Städtetourismus“ – eine hervorragende Grundlage für den Stadtmarketing-Job in Bad Oldesloe. Nach ihrem Studium arbeitete sie zunächst fast zwei Jahre für Ducati Motor Deutschland im Projekt- und Marketingbereich, bevor sie Projekt-Managerin bei der Internet-Agentur Neteye wurde.
Klar ist: Wenn die Stadtverordneten ihre Einsetzung am Montag befürworten sollten, wird die junge Frau ein Amt in Oldesloes Rathaus bekleiden, an das die Stadt viele Hoffnungen knüpft. Ina Weber wird als Stadtmarketing-Beauftragte dafür Sorge tragen, dass Bad Oldesloe sich weiter zu einer starken Marke über die Kreisgrenzen hinaus auswächst.
psk
„Salinenwohnpark könnte auch zweigeschossig gebaut werden“

Stormarner Tageblatt vom 23. September 2010
In der Frage der umstrittenen Innenstadtverdichtung in Bad Oldesloe zeichnet sich eine Kompromisslösung ab
Bad Oldesloe
Der Bebauungsplan für die Fläche zwischen Königstraße, Salinenstraße, Kleine Salinenstraße und Hamburger Straße ist in Arbeit. Die Grundstücke sind vom Investor bereits gekauft worden. Auch stadtplanerisch wäre das Projekt Salinenwohnpark ein Schritt in Richtung Innenstadtverdichtung, genau so, wie es das integrierte Stadtentwicklungskonzept (Isek) fordert. Und sogar der Bedarf an hochwertigen, komfortablen und womöglich behindertengerecht gebauten Eigentumswohnungen in der Innenstadt gilt für die kommenden Jahrzehnte gesichert. Andererseits gibt es – zumeist von den Anwohnern rundherum – auch jede Menge Vorbehalte gegen den geplanten Wohnpark. Für den Projektentwickler Markus Stolte, der auf dem 32 000 Quadratmeter großen Gelände Wohnungen bauen will und nach eigenen Angaben bereits eine Million in sein Projekt investiert hat, war das Grund genug für weiteren Gesprächsbedarf. Er kontaktierte die Parteien. Dr. Hartmut Jokisch: „Wir Grünen wollten mit ihm aber nicht im Hinterzimmer, sondern viel lieber öffentlich über das Thema sprechen.“
So lud man alle Beteiligten und Interessierten zum Grünschnack der Oldesloer Grünen ins Restaurant „Variable“ ein. Und obwohl die Emotionen hier nicht mehr so hoch kochten wie bei den ersten Gesprächsrunden, änderte sich zunächst nichts Grundlegendes: Weder die Bemühungen von Stadtplaner Dipl.-Ing. Karsten Schwormstede, der nochmals die Vorteile der Innenstadtverdichtung erläuterte, noch die stolz präsentierten Fotomontagen mit alten und neuen Gebäuden in trauter Nachbarschaft konnten die Zuhörer überzeugen. Die Bedenken sitzen tief, dass die neuen Häuser, so nah am eigenen Grundstück zu hoch werden könnten – kurz: die Bebauung zu dicht, das Ganze zu teuer, der eigene Garten am Ende doch zu schattig. Da tröstet manchen Grundeigentümer nicht die Möglichkeit, ein weiteres Haus zu bauen und so den Grundstückswert zu steigern.
Dann zeigte sich Investor Markus Stolte, der mit Oldesloer Partnern zunächst dreigeschossige Stadtvillen (15 mal 15 Meter) mit je zwei Wohnungen pro Geschoss hatte bauen wollen, im Lauf des Abends kompromissbereit: „Natürlich muss der Salinenwohnpark wirtschaftlich sein. Doch auch bei zwei Vollgeschossen plus Staffelgeschoss wäre der Einbau von Aufzügen und die Errichtung einer Tiefgarage noch machbar.“ Darunter aber wollte er, der überzeugt von der Impulswirkung seines Projekts sei, dann aber nicht mehr gehen. Auf die Frage, wann denn die ersten Gebäude fertig gestellt sein könnten, sagte der Unternehmer: „Falls der B-Plan bis Ende des Jahres steht, dann bereits im Herbst 2011.“
Die letzte Entscheidung über den neuen Wohnpark im Herzen der Kreisstadt werden die Politiker zu treffen haben. Erste Signale nach der Veranstaltung gingen in die positive Richtung für die nun abgespeckte Version des Projekts.
Anette Kröning
Niemand wollte den Stolperstein canceln
Stormarner Tageblatt vom 22. September 2010
Urplötzlich große Einigkeit im Hauptausschuss
Andreas Olbertz
Bad Oldesloe
Niemand hat die Absicht, die Stolperstein-Verlegung zu canceln. Nein! Wie hatte man nach der Sitzung des Sozialausschusses und den anschließenden Aussagen des amtierenden Bürgermeisters nur auf diesen Gedanken kommen können? Es sei lediglich um das Verfahren gegangen, in die inhaltliche Diskussion sei ja nie eingestiegen worden, beeilten sich CDU und FDP jetzt im Hauptausschuss zu beteuern. Birgit Reichardt-Mewes (CDU) sah es sogar positiv: „Freuen wir uns doch für Herr Wöltje, dass er dadurch viel bekannter geworden ist.“ Aber vielleicht ist genau das von Anfang an der Fehler gewesen. Es ging gar nicht um die Sache, sondern ausschließlich um verletzte Politiker-Eitelkeit, um Macht und vermutlich sogar um die Chance, der Stadtarchivarin gehörig die Beine weggrätschen zu können – das wurde genüsslich genutzt. Dass sich ein aufrechtes und unschuldiges Opfer der Nazi-Gewaltherrschaft nicht für solche Spielchen zwischen Ehrenamt und Verwaltung eignet, ist einigen wohl erst aufgegangen, als ein öffentlicher Sturm der Entrüstung los brach. Aber immerhin.
Im Hauptausschuss hat Bürgermeister von Bary eingestanden, dass er das Thema unterschätzt habe, und da ja sowieso alle schon immer dafür waren, musste gar nicht groß diskutiert werden. CDU und FDP haben noch mal schnell ihre Hände in Unschuld gewaschen, der Verwaltungs-Chef bekam mit auf den Weg, für einen „würdigen Rahmen“ am 28. September ab 15 Uhr vor der Volksbank in der Hindenburgstraße zu sorgen.
Jetzt auch im Schwimmbad Asbest
Stormarner Tageblatt vom 22. September 2010
Umbau wird zwei Millionen Euro teurer – eventuelle Schadstoffsanierung noch nicht mit eingerechnet
Bad Oldesloe
Das waren zwei richtige Schläge ins Kontor bei der Sitzung des Hauptausschusses: Der Umbau des Amtsgerichts zum Kultur- und Bildungszentrum verteuert sich um 1,78 Millionen (wir berichteten), die Sanierung des Hallenbads wird gar zwei Millionen Euro teurer. Und da ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Das trieb den Politikern im Hauptausschuss die Zornesröte ins Gesicht – alle waren sich einig. „Als Privatperson würde ich sagen: Einstampfen und neu planen“, machte Vorsitzender Hagen von Massenbach beispielhaft seinem Unmut Luft: „Das kann ich nicht nachvollziehen.“ Vor allem, weil beim Schwimmbad zwischen der Zusicherung, dass 3,8 Millionen Euro ausreichen und der Kostensteigerung nur vier Wochen liegen.
In der Diskussion mit den Planern Gregor Sunder-Plassmann (KuB) und Annette Esselmann (Hallenbad) stellte sich dann heraus, dass Politik aufgrund einer sehr frühen, groben und offensichtlich knappen Schätzung grünes Licht gegeben hat. „Es gehört nicht zum Verfahren“, rechtfertigte sich Ingenieurin Esselmann. Gregor Sunder-Plassmann äußerte sich ähnlich: „Wir sind beim Amtsgericht von einem funktionierenden Verwaltungsgebäude ausgegangen.“ Uwe Rädisch (CDU) war kurz davor, verbal zu explodieren: „Es hätte doch jedem klar sein müssen, dass wir heute nicht mehr mit den Steckdosen von 1960 auskommen. Das ist ein 50 Jahre altes Gebäude!“ Dass Architekt Sunder-Plassmann zuvor Sparvorschläge durch Kürzungen bei den Räumen und der Technik aufgezeigt hatte, überzeugte ihn nicht. „Das führt zu Nutzungseinschränkungen“, polterte Rädisch.
Die KuB-Planung kann weiter mit den Nutzern abgestimmt und vorangetrieben werden. Zur Sitzung am 15. November sollen die fertigen Unterlagen vorliegen. Damit können dann in Kiel die Fördermittel beantragt werden. Bislang, auch das wurde in der Sitzung deutlich, hat Kiel noch gar nichts vorliegen, konnte also auch noch nicht entscheiden.
Ganz anders stellt sich die Situation beim Hallenbad dar. Stadtwerke-Chef Jürgen Fahl hatte auf einen schnellen Beschluss gedrängt. Dem Wunsch wären die Politiker auch beinahe gefolgt. Aber dann rutsche Annette Esselmann heraus, dass Asbest gefunden worden sei und sie noch nicht abschätzen könne, wie sich das auf die Kosten auswirke. Da war der Ofen aus: Alle Hauptausschussmitglieder waren sich einige, vorerst nichts zu beschließen, solange keine konkreten Kosten für den Bad-Umbau auf dem Tisch liegen.
Andreas Olbertz
Ina Weber: Das neue Gesicht im Rathaus?

- Ina Weber hat unter anderem bei der Tourismus Hamburg GmbH gearbeitet. Foto: KKS
Lübecker Nachrichten vom 22. September 2010
BAD OLDESLOE – Eigentlich sollte die Stelle der Stabsstelle Stadtmarketing in Bad Oldesloe schon zum 1. September besetzt werden, doch daraus wurde nichts – Abstimmungsschwierigkeiten. Eine Kandidatin, die sich schon im nichtöffentlichen Teil der jüngsten Stadtvertretersitzung vorstellen sollte, bekam jetzt eine zweite Gelegenheit im Hauptausschuss. Auf der Stadtverordnetenversammlung am Montag, 27. September, entscheiden die Stadtverordneten im nichtöffentlichen
Teil, ob Ina Weber den Job bekommt oder nicht. Bis dahin heißt es abwarten. Nur so viel ist bisher bekannt: Die gebürtige Wolfsburgerin hat an der Universität Lüneburg angewandte Kulturwissenschaften mit den Schwerpunkten Marketing, Sprache und Kommunikation sowie Tourismusmanagement studiert. Ihre Magisterarbeit trägt den Titel: Kultur als Magnet des Städtetourismus.
Sollte Ina Weber die Zustimmung der Politiker finden, soll sie die „Stimme des Marketings“ werden und die Betreuung des Stadtmarketing-Prozesses übernehmen, das Markenprofil „Bad Oldesloe“ schärfen, den Aufbau und die Fortentwicklung des Marketing-Konzeptes übernehmen, Werbungs- und Kommunikationsmaßnahmen kreieren sowie Sonderprojekte entwickeln. kks
Sind das Oldesloes Luftschlösser?

- Neuester Stand: Das Kultur- und Bildungszentrum kostet jetzt 7,5 Millionen Euro. Foto: SUNDER-PLASSMANN
Lübecker Nachrichten vom 22. September 2010
Bad Oldesloe - Der Bau des Oldesloer Kultur- und Bildungszentrums sowie die Sanierung des Hallenbades werden teurer als geplant. Hilft eine Streichliste oder kippen die Projekte?
Kostenexplosionen: Mehrkosten von 1,78 Millionen Euro allein für das geplante Kultur- und Bildungszentrum (KuB), also statt 5,7 nun fast 7,5 Millionen Euro. Und fast eine Verdoppelung der Kosten bei der Sanierung des Hallenbades – statt 3,8 Millionen nunmehr 6,5 Millionen Euro. Das löste mehr als Schnapp-Atmung bei den Mitgliedern des Oldesloer Hauptausschusses aus.
Alte Gebäude sind teuer im Unterhalt und noch teurer in der Sanierung – wer sich mit Immobilien beschäftig, kennt diese Weisheit. Für die Oldesloer Verwaltung, die Politiker und selbst das Architektenbüro kam es aber offenbar völlig überraschend, dass beim ehemaligen Amtsgericht die elektrischen Leitungen und auch die Heizungsanlage komplett erneuert werden müssen. Oder wie es der Architekt erklärte: Das Amtsgericht ist „technisch komplett abgängig“.
Das führt zu erheblichen Mehrkosten. Es folgt als Konsequenz: Einsparpotentiale suchen, die sich im Rahmen von 1,7 Millionen Euro bewegen, um auf die Summe zu kommen, die zu Beginn der Planungen im Raum stand: 5,7 Millionen Euro. Damit hat sich schon die Arbeitsgruppe KuB beschäftigt – die Einsparungen sind möglich, wenn auf bestimmte Elemente verzichtet wird.
„Die Kostensteigerungen im technischen Bereich erstaunen mich“, so ein aufgebrachter Karl-Reinhold Wurch (FDP). „Es überrascht mich, dass diese Mehrkosten für die technische Ausstattung jetzt auf den Tisch kommen. Das muss doch bekannt gewesen sein“. Wilfried Janson von den Grünen unterstrich, „das war doch völlig klar vorher. Es war bekannt, dass die Stromanschlüsse und die Heizungsanlage nicht ausreichend sind“. Janson vielleicht, anscheinend weniger der Verwaltung und dem Architekten. „Wir hatten ein funktionierendes Verwaltungsgebäude dort“, so Architekt Gregor Sunder-Plassmann.
Uwe Rädisch (CDU) trieb es die „Zornesröte“ ins Gesicht. Das „ist doch eine Milchmädchenrechnung“, zum gleichen Preis jetzt ein eingeschränktes Angebot zu bekommen. „Hätten Sie nicht die Verwaltung darauf hinweisen müssen“, wandte sich Rädisch an Sunder-Plassmann. „Wir reden nicht erst seit vorgestern über dieses Projekt.“
Für den Christdemokraten entwickelt sich das KuB mittlerweile zu einem „Luftschloss“. Zumal es noch „kein Signal aus Kiel gibt“, wie Bürgermeister Tassilo von Bary (parteilos) bestätigte, ob und in welcher Höhe das Kultur- und Bildungszentrum mit Fördergeld unterstützt wird. Wieder „müssen wir einen Antrag stellen für das nächste Jahr“, erklärte von Bary.
„Ich dachte, da brennen die Drähte“, wunderte sich Hagen von Massenbach (SPD). Und Wurch wollte, dass Druck gemacht wird: Weg von der Sachbearbeiterebene, auf der bisher über das KuB in Kiel gesprochen wurde. „Kann sich die Verwaltung vorstellen, ein paar Etagen höher zu gehen?“ Kann sie durchaus.
Aber was, wenn keine Fördermittel fließen, der „worst case“, wie Uwe Rädisch es formuliert. „Ist die Verwaltung darauf vorbereitet, dass Kiel uns die Mittel nicht zur Verfügung stellt?“ Ist sie. Das ehemalige Amtsgericht kann auch in mehreren Schritten ausgebaut werden. Die Frage bleibt aber im Raum stehen: Woher das Geld nehmen? So steht das Leuchtturmprojekt der Stadt bei der kommenden Hauptausschusssitzung wieder auf der Tagesordnung – mit den dann noch einmal geprüften Einsparmöglichkeiten.
Von K. Kuhlmann-Schultz
„Das sprengt den Rahmen“
BAD OLDESLOE – Das vermutlich zweite Luftschloss, wie der Oldesloer Politiker Uwe Rädisch (CDU) es schon beim Kulturund Bildungszentrum vermutet, ist die Sanierung des Bad Oldesloer Hallenbades.
Hier kommtes zu einer gigantischen Kostenexplosion. Im ersten Planungsentwurf, den die Architektin Annette Esselmann vom Planungsbüro Rohling im August vorstellte, war noch von 3,9 Millionen Euro die Rede – die absolute Schmerzgrenze der Stadt. Jetzt sind es 6,5 Millionen. „Das sprengt den Rahmen, ich fühle mich nicht Ernst genommen. Das können wir uns so nicht leisten. Wo kommt die Explosion her“, war der Vorsitzende des Hauptausschusses, Hagen von Massenbach (SPD), entsetzt.
Es scheint zu sein, wie beim KuB: Erst im Laufe der Planungen wurde genauer hingeschaut, tauchen Probleme auf, die einen finanziellen Mehraufwand zur Folge haben. sprachlos.“ Esselmann hatFür Karl-Reinhold Wurch (FDP) ist klar: „Sie müssten sich hierherstellen und sagen mea culpa (meine Schuld)“, wandte er sich an die Architektin. „Ich bin durchaus Verständnis für die Befindlichkeiten der Politiker, aber „uns wurden Zahlen gegeben, darauf haben wir das Konzept aufgebaut. Wir kannten die Substanz nicht und sind auch immer noch nicht am Ende der Fahnenstange, was das Wissen angeht“. Letztlich würden immer noch Überraschungen drinstecken. Aktuell wird auf eine Schadstoffanalyse gewartet – das Stichwort lautet vielleicht sogar Asbest. Also gilt auch für das Hallenbad: Die Planungen eindampfen, eine Streichliste machen. Die Stadtpolitiker müssen entscheiden, ob auf einzelne Maßnahmen komplett verzichtet werden soll. Bei allen Einschnitten, Jürgen Fahl, Geschäftsführer der Stadtwerke, die das Hallenbad betreiben, unterstrich auf der Sitzung, dass auf die Sanierung der Gebäudehülle, der Umkleiden, Duschen, Sanitär- und Personalbereiche sowie der vorhandenen technischen Ausrüstung nicht verzichtet werden kann. Dann blieben, mit Verschönerungsmaßnahmen, immer noch 4,6 Millionen Euro – für mehr Attraktivität im Hallenbad.
Die Aufregung ihrer Kollegen – sowohl beim Hallenbad als auch beim ehemaligen Amtsgericht – versteht Birgit Reichardt- Mewes (CDU) indes nicht. „Was erwarten wir? Das Ding ist Schrott, das wussten wir vorher. Wir können nicht alles auf die Planer schieben, wir haben einen eigenen Kopf.“ Als Vorsitzende des Finanzausschusses will sie „finale Zahlen“ haben. Und deshalb landet dieses
Thema auch wieder im Ausschuss.
Von K. Kuhlmann-Schultz
Stormarner Wochenschau
Stormarner Tageblatt vom 18. September 2010
Alles dreht sich ums liebe Geld
AUSGEMALT Einige hundert Besucher nutzten den Tag des offenen Denkmals, um die frisch restaurierten Hablik-Malereien in der Storm-Schule zu bewundern. Ohne Zweifel: Ein erfolgreicher Tag. Aber wenn sich der amtierende Bürgermeister Horst Möller hinstellt und erzählt, die Stadt habe die wertvolle Kunst „fast kostenneutral“ bekommen, kann man ihm nur raten, dochmal die Aufstellung des Architekten zu lesen. Frank van Vely hatte im Bauausschuss Mehrkosten von 110000 Euro im Zusammenhang mit Hablik dokumentiert. „Fast kostenneutral“ für eine Nullverbesserung der Raumnot im Schulzentrum.
AUSGERECHNET Da scheinen ja echte Könner am Werk zu sein: Die provisorische Mensa an der Stadtschule wird teurer, beim KuB steigen die Kosten um 1,7 Millionen, beim Schwimmbad sind es sogar fast zwei und beim angeblich so günstigen PPP Verfahren für den neuen Bauhof liegt die Kalkulation auch eine Million über den bisherigen Kosten. Nun könnte man sagen: Unserer Verwaltung fehlt es da halt etwas an Erfahrung, so einen Bauhof oder ein KuB hat man schließlich nicht alle Tage an der Hacke. Absolut richtig. Aber aus genau diesem Grund werden ja ständig teure Berater verpflichtet. Das muss man sich mal auf de Zunge zergehen lassen: Offensichtlich wurde fleißig geplant und geschätzt, aber erst kürzlich hat sich mal jemand das Amtsgericht wirklich angeguckt und prompt festgestellt: Das ist ja alles rott und nicht mehr zeitgemäß. Dann steigen die Kosten mal eben von 900000 auf 2,6 Mio. Wir ham’s ja.
AUSGEZAHLT Die Kostensteigerung beim KuB ist eine Sache, eine ganz andere ist das Verhalten der Landesbehörden. Der Umbau soll ein Leuchtturmprojekt werden, das hat man in Kiel auch so gesehen und deshalb den Ankauf des Gerichts gefördert, das Beteiligungsverfahren gefördert, den Architektenwettbewerb gefördert, die nächste Planungsphase gefördert ...Doch langsam wäre es schön, wenn mal die Karten auf den Tisch kämen: Wird hier nur Geld für schöne, aber unbezahlbare Ideen verbrannt, oder gibt es für die Umsetzung auch nennenswerte Zuschüsse? Es liegen „keine weitergehenden Informationen vor“, heißt es in der Sitzungsvorlage. In der Stadt regiert Prinzip Hoffnung, denn keine Info heißt auch, dass Kiel noch nicht nein gesagt hat. Aber ob das mehr ist als ein dünner Strohhalm, darf angesichts der desolaten Kieler Haushaltslage, bezweifelt werden.
AUSBALDOWERT Da staunten die Bauausschuss-Mitglieder nicht schlecht, als Anlieger der Sehmsdorfer Straße erzählten, sie hätten für ein Antwortschreiben des Bürgermeisters 30 Euro zahlen müssen. DerTeufel steckt wie so häufig im Detail. Nicht die Antwort an sich hat Geld gekostet, sondern die Tatsache, dass es sich dabei um einen hochoffiziellen Bescheid handelt. Eine Einigung ohne Bescheid wäre den Betroffenen zwar lieber gewesen, aber sei’s drum. Ein mal beschritten, geht das Ganze seinen formaljuristischen Gang: Die Anlieger werden vermutlich vor Gericht ziehen. Unser Karikaturist Götz Wiedenroth sieht in der Aktion Potenzial für die Zukunft. Vielleicht wird aus der bürgermeisterlichen Sammelbüchse ja die neue sprudelnde Quelle zur Sanierung der städtischen Finanzen.
Andreas Olbertz
1,78 Millionen mehr – KuB wird teurer
Stormarner Tageblatt vom 17. September 2010
Gesamtkosten mittlerweile bei 7,5 Millionen, Kiel äußert sich nicht zu Förderung
Bad Oldesloe
Vier Millionen Euro hatte die Stadt mal als Richtschnur für den Umbau des Amtsgerichts zum Kultur- und Bildungszentrum vorgegeben. Mit 5,75 Millionen war das Büro Sunder-Plassmann gestartet. Aktuell steht das Kostenbarometer 1,78 Millionen darüber – und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange.
Hauptkostentreiber ist das Amtsgerichtsgebäude selber. Von wegen „Pinselstrich-Sanierung“: Heizung und Heizkörper müssen komplett ersetzt werden. Die Elektrik stammt aus einer Zeit, als es in jedem Zimmer nur eine Schreibtischlampe gab – auch die muss komplett erneuert werden. Logisch ist, dass dann auch Putz und Estrich neu gemacht werden müssen. Eine Lüftungsanlage, Brandmeldesysteme und vieles mehr lassen die Kosten allein für diesen Baukomplex von ursprünglich 900 000 auf 2,6 Millionen Euro explodieren. Das ist ein Schlag ins Kontor.
Natürlich gibt es auch Sparvorschläge: Die Eingangshalle könnte niedriger werden und auf das frei schwebende Atelier verzichtet werden (je 275 000 Euro). Der Anbau für die Oldesloer Bühne könnte auch fallen gelassen werden (725 000) Euro. Einsparungen bei der Technik könnten bis zu 450 000 Euro bringen. Zu allem Überfluss gibt es bislang keinerlei Aussagen über Fördermittel aus Kiel. Heute wird sich der KuB-Arbeitskreis mit den Sparvorschlägen befassen, am Montag berät der Hauptausschuss zu dem Thema.
Langsam wird es eng. Ralf Denert von der Oldesloer Bühnet: „Wir brauchen ein Dach über dem Kopf, sonst hat die Bühne keine Zukunft. Wir können nicht noch länger in Runden diskutieren und Gefahr laufen, am Ende ohne was da zu stehen. Es müssen Entscheidungen her, damit wir Plan B oder C hervorholen können.“
Doch das wird nicht so einfach. „Für klare Antworten ist Kiel zuständig“, betont Hauptausschuss-Vorsitzender Hagen von Massenbach (SPD). Es gebe keine Aussagen bezüglich der Förderung. Von vorschnellen Beschlüssen hält er nichts, denn dann laufe die Stadt Gefahr, keine Fördermittel abzukriegen. Angesichts zahlreicher weiterer teurer Projekte sei das nicht zu verantworten. Das sieht auch CDU-Fraktions-Chef Horst Möller so: „Ohne Kieler Geld werden wir so gut wie nichts machen können.“ Mit dem Amtskollegen von den Grünen, Wilfried Janson, schwimmt er auf einer Welle, dass das schwebende Atelier aus Kostengründen verzichtbar ist. Obwohl dafür just ein Umweltgutachten in Auftrag geben worden ist. „Das Geld hätten wir uns sparen können“, ist Janson überzeugt.
Ob die Stadt mehr leisten kann als eine „megaabgespeckte Grundlösung“ (Janson) ist fraglich. Trotzdem will auch die FDP nicht vom bisherigen Kurs abweichen: „Es kann nie schaden, fertige Pläne in der Schublade zu haben – das nächste Konjunkturprogramm kommt bestimmt.“
Andreas Olbertz
30 Euro für Antwort vom Bürgermeister

Stormarner Tageblatt vom 15. September 2010
Anlieger drohen mit Klage gegen Parkregelung in der Sehmsdorfer Straße
Bad Oldesloe
Das sind ja ganz neue Methoden: Anwohner der Sehmsdorfer Straße hatten sich bei Bürgermeister Tassilo von Bary gegen die neue Parkregelung vor ihren Grundstücken ausgesprochen – und für das Antwortschreiben sollen sie 29,05 Euro an die Stadtkasse entrichten.
Klaus de Lange ist sauer: „Da fehlt mir jedes Demokratieverständnis. Wir haben das Gespräch angeboten und bekommen einen Tritt. Das ist Gutsherrenart.“ Formal ist der Gebührenbescheid wohl korrekt, das zweifelt auch de Lange nicht an: „Aber der Widerspruch war von uns als Ultima Ratio gedacht.“
Inhaltlich geht es um die Parkregelung in der Sehmsdorfer Straße. Früher durften ortsauswärts Autos abgestellt werden. Am 29. Dezember hat die Straßenverkehrsbehörde, also der Bürgermeister, eine Halteverbotszone angeordnet. Am 27. April wurde sie umgesetzt. Seitdem darf nur noch in wenigen eingezeichneten Buchten geparkt werden. 36 Parkplätze sind verloren gegangen. Erwin Dräger: „Ich habe einen Vertrag mit der Stadt, dass ich nur einen Stellplatz auf meinem Grundstück schaffen muss. Das interessiert die nicht mehr.“ Familien mit mehreren Wagen könnten zusehen, wo sie damit abblieben. Erwin Dräger: „Ausgerechnet auf dem Straßenabschnitt, der am besten einzusehen ist, darf nicht mehr geparkt werden.“
Doch das ist für die Bewohner nicht das Hauptärgernis. Es geht ihnen um den Lärm. „Der macht krank“, ist Klaus de Lange überzeugt. Die Lärmbelastung habe massiv zugenommen, denn die Autofahrer müssten jetzt in die Lücken zwischen den parkenden Wagen „hüpfen“. Mit hoher Geschwindigkeit rein, stark bremsen und dann schnell wieder weiter. „Wenn der Trecker mit zwei Anhängern kommt, wackelt das ganze Haus“, klagt de Lange. Im Sommer sei es nicht mehr möglich, die Vorderfenster offen zu haben. „Der Bürgermeister darf gerne mal einen Monat bei uns wohnen, damit er das am eigenen Leib spürt“, bietet Erwin Dräger an.
Der Verwaltungs-Chef argumentiert in seinem Schreiben mit der Verkehrssicherheit und Beinaheunfällen. Das sieht Anlieger Dräger ganz anders: „Früher wurde hier mehr Rücksicht genommen, weil es unübersichtlicher war. Wir hatten keine Unfälle, nicht mal zu Zeiten, als die ganzen Brotlaster aus Meddewade hier noch durch mussten. Aber vor 14 Tagen hat es richtig heftig gekracht – schwerer Unfall mit Personenschaden.“
Eventuell könnte eine Änderung der Radwegeführung die Situation verbessern. Darüber berät der Kreis-Verkehrsausschuss am Mittwoch, 29. September. Doch bis zu einer baulichen Umsetzung werden nach Auskunft von Meike Langenbach, Fachdienst Planung und Verkehr, bestimmt fünf Jahre vergehen. Der städtische Bauausschuss hat sich spontan der Sache angenommen und plant am 28. September einen Ortstermin. „Bis dahin ruht die Angelegenheit“, teilt der amtierende Bürgermeister Horst Möller mit. Vorsitzende Maria Herrmann verspricht: „Dafür werden die Anlieger auch garantiert keinen Gebührenbescheid bekommen.“
Andreas Olbertz
Stadtschule: Mensa-Provisorium wird teurer
Lübecker Nachrichten vom 14. September 2010
VON K. KUHLMANN-SCHULTZ
BAD OLDESLOE – Asbest in der Hausmeisterwohnung der Stadtschule? Diese Frage sorgte am Wochenende in Bad Oldesloe für Aufregung. Der Architekt Jan Hage vom Architekturbüro Hage, Felshart und Griesenberg aus Ahrensburg, der mit dem Umbau der Hausmeisterwohnung in eine provisorische Mensa beauftragt worden ist, spricht jedoch nicht von Asbest, sondern von Faserzement und Mineralwolle, die aber auch krebserregend sein könnten.
Wie auch immer: Knackpunkt sind in erster Linie die Lüftungsrohre aus Faserzement. Die „könnten eventuell gesundheitsschädigend sein“, so Hage. Und deshalb behandele man den Ausbau der Lüftungsrohre im Sanitärbereich in der Hausmeisterwohnung auch entsprechend. Denn die Mineralfasern würden freigesetzt, wenn sie bearbeitet würden, in diesem Fall beim Ausbau. Im Anschluss daran würde mit einem Spezialsauger alles noch einmal abgesaugt und gereinigt. Allein schon aus Arbeitsschutzgründen.
„Die Baustoffe hätten auch verbleiben können“, unterstreicht Hage die Unbedenklichkeit des Materials – wenn es in Ruhe gelassen wird. Aber weil Leitungen demontiert werden müssen, gebe es keine Alternative. Somit würden Fasern freigesetzt. Gleichzeitig werden auch die Dämmplatten an denDecken entfernt. Bei diesem Schritt gebe es wohl keine Gesundheitsbedenken. „Die Decke wurde 2001 eingebaut“, erklärt der Architekt weiter.
Dass der Umbau der Hausmeisterwohnung in eine provisorische Mensa teurer wird als geplant – statt 196 000 kostet er 239 000 Euro, der Finanzausschuss hat gerade die Mehrausgaben abgesegnet –, hänge nicht mit dem besonders vorsichtigen Abbruch des Lüftungssystem zusammen, wie teilweise formuliert worden sei. Nein, „die Maßnahme wurde ausgeweitet“, erklärt Hage. Erst sei den Architekten gesagt worden: „Macht es so knapp wie möglich.“ Später habe es die Anweisung gegeben: „Macht es nachhaltig.“ Und die Räume im oberen Teil des Gebäudes? „Die Klassenräume haben keine Lüftungsanlage wie die Hausmeisterwohnung“, betont Hage. Deshalb schließt er aus, dass oben auch Faserzement verbaut wurde. „Das halte ich für unwahrscheinlich.“
Dass aus einer Minimallösung ein größeres Vorhaben wurde, bestätigt der Leiter des Bauamtes, Frank Duwe. Allerdings gibt er auch zu bedenken, dass von Seiten des Architekten durchaus von der Wahrscheinlichkeit von Asbest in Lüftungsrohren gesprochen worden sei. Die Vorsitzende des Bauausschusses, Maria Herrmann (SPD), hält es jetzt für wichtig, dass die Stoffe untersucht werden. „Man sollte der Sache sensibel nachgehen.“
Stormarner Wochenschau

Stormarner Tageblatt vom 11. September 2010
AUSGESCHLOSSEN: Ist eine Sitzung noch öffentlich, wenn die Eingangstür verschlossen ist? Sind die gefassten Beschlüsse dann überhauptrechtens, wenn die Öffentlichkeit im wahrsten Sinne des Wortes ausgeschlossen worden ist? Eine interessante Frage, die noch zu klären sein wird. Wer an einer Sitzung als Zuhörer oder Betroffener teilnehmen möchte, muss, weil der Haupteingang seit jeher verschlossen ist, durch die Hintertür ins Stadthaus und dann durchs dunkle Stadthaus ins Sitzungszimmer im Obergeschoss. Dabei könnten sich natürlich zwielichtige Gestalten verlaufen und in der Verwaltung theoretisch ihr Unwesen treiben. Deshalb hat Bürgermeister Tassilo von Bary angeordnet, dass abends mit Sitzungsbeginn auch die Hintertür abgeschlossen wird. Wer zu spät kommt, hat also Pech gehabt. Es sei denn, er weiß, dass es einen Klingelknopf gibt. Wenn man da drauf drückt, kommt jemand von der Verwaltung und öffnet die Tür. Ganz abgesehen davon, dass es den Sitzungsablauf massiv stört, muss man wohl mal hinterfragen, wie viele potenzielle Sitzungsteilnehmer schon nach Hause gegangen sind, weil sie vor verschlossener Tür standen.
AUSGEGRENZT: Das wird eine Nagelprobe werden: Wie wichtig ist Oldesloes Politikern Barrierefreiheit wirklich? Yannick Freiling vom Behindertenbeirat hatte im Bauausschuss anlässlich der Beratung über das Konzept des ehemaligen Cafés am Markt die Barrierefreiheit hinterfragt. Weil die zukünftige Markthalle ihre WCs im Keller hat, ist sie eben nicht barrierefrei. Und nun? So viel steht fest: Es wird nicht einfach und auch nicht billig. Aber die Anregung des Architekten, Behinderte könnten doch die Toilette hinter dem benachbarten Italiener nutzen, kann nur ein schlechter Scherz gewesen sein. Als nächstes kommt dann wohl der Vorschlag, Behinderte und Familien mit Kindern irgendwo außerhalb des Sichtfeldes der „normalen“ Gäste zu platzieren.
AUFGEKLÄRT: Bei der Jugend kommt der erhobene Zeigefinger nicht besonders gut an – und Verbote schon gar nicht. Das weiß jeder aus eigener Erfahrung. Schließlich war man ja auch mal jung. Um Erfolg zu haben, ist es ratsam, lieber durch die Hintertür zu kommen, als mit der Tür ins Haus zu fallen. Bargteheide hat das früh erkannt und setzt beispielsweise im Kampf gegen Gewalt und Mobbing an Schulen auf Aufklärung und Ansprechpartner. Seit drei Jahren engagiert sich das Netzwerk „Fair ist cool“ mit Selbstbehauptungskursen, Workshops, Projekttagen und einem in dieser Woche vorgestellten Ideen-Wettbewerb für ein bekömmliches Miteinander ein. An allen weiterbildenden Schulen stehen Sozialpädagogen gehänselten, gemobbten, bedrohten oder geschlagenen Schülern mit Rat und Tat zur Seite – ein Service, der landesweit seinesgleichen sucht, und zur Nachahmung empfohlen ist. Denn das Phänomen Gewalt in jeglicher Form ist kein Bargteheider Problem, sondern ein gesellschaftliches.
Andreas Olbertz
Volker Stolten
Asbestfunde an der Stadtschule

- Frank Duwe, Bauamtsleiter
Stormarner Tageblatt vom 11. September 2010
Kostensteigerung beim Mensa-Provisorium um 33 000 Euro
Bad Oldesloe
Das fängt ja gut an: Kaum haben die Bauarbeiten an der Stadtschule begonnen, um aus der ehemaligen Hausmeisterwohnung eine Übergangs-Mensa zu machen, schon liegen die ersten Kostensteigerungen auf dem Tisch. Die Ausschreibungsergebnisse stehen zwar noch aus, doch die Verwaltung befürchtet, dass sich 33 000 Euro Mehrkosten ergeben.
„Der Fußboden ist raus, die Fassade ist durchbrochen. Das sind dann Sachen, die man erst findet, wenn man los legt“, erklärt Bauamtsleiter Frank Duwe. Damit hatte der Finanzausschuss auch kein Problem – einstimmig wurden die in einer Dringlichkeitsvorlage dargelegten Mehrkosten durchgewunken. Die ansonsten quasi schon üblichen Diskussionen bei Geldern für die Stadtschule blieben diesmal aus.
Ausschlaggebend für die Kostensteigerung sind größtenteils heikle Funde über der abgehängten Decke. Dort sind Mineralfaserdämmstoffe aufgetaucht, „die aufgrund des Baujahrs vermutlich nicht den heutigen Anforderungen an den Kanzerogenitätsindex genügen“. Dieser Index beschreibt, wie krebserregend Partikel dieses Materials sind. Ausschlaggebend ist die Größe von Fasern. In einem Lüftungskanal der Sanitärräume wurde zudem „Faserzement“ gefunden. In dem Fall geht das Bauamt davon aus, dass die Rohre „mit hoher Wahrscheinlichkeit asbesthaltig sind“.
Wenn an einer Stelle eventuell krebserregende Dämmstoffe oder asbestverseuchte Rohre auftauchen, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese Materialien in einem Abwasch auch an anderer Stelle verbaut worden sind. „Diese Sichtweise habe ich noch gar nicht verfolgt“, gesteht Frank Duwe: „Das werden wir im Auge behalten.“ Er geht allerdings davon aus, dass es sich bei den Funden um „stark gebundenen Asbest“ handelt. „Das wird nicht so gefährlich sein“, glaubt Duwe. Faserzement hat einen Asbestanteil von weniger als 20 Prozent und wird von der Fachwelt im Normalzustand und unter normalen Witterungseinflüssen als ungefährlich eingestuft. Es besteht deshalb auch kein Zwang zur Sanierung.
Beim Brechen, Zerschlagen, Schleifen, Fräsen oder bei Abrieb werden allerdings erhebliche Mengen an Fasern frei gesetzt. Eine Bearbeitung mit „oberflächenabtragenden Geräten“ ist sogar ausdrücklich verboten.
Andreas Olbertz
Schmuckstück mit Makel
Stormarner Tageblatt vom 9. September 2010
Denkmalpflege und Stadt Bad Oldesloe sind sich nicht grün in Sachen Wenzel Hablik Kunstwerk
Bad Oldesloe
Albrecht Barthel vom Landesamt für Denkmalpflege strahlt über die frisch restaurierten Kunstwerke von Wenzel Hablik in der Theodor-Storm-Schule (wir berichteten gestern). Doch hinter den Kulissen sieht die Stimmungslage ganz anders aus. Im Bauausschuss ging es beim Thema Hablik jedenfalls hoch her.
Einigen Ausschuss-Mitgliedern stößt sauer auf, dass der Bürgermeister dem Denkmalschutz die Restaurierung des Computerraums genehmigt hat – einen Beschluss habe es dazu nie gegeben. Tassilo von Bary hatte einen Gestattungsvertrag abgeschlossen, der ganz klar regelt, dass die Arbeiten bis 10. September abgeschlossen sein müssen. Darüber hinaus darf der städtische Haushalt nicht belastet werden.
Die neuerlichen Arbeiten sollen aber zu einem Großteil mit Fördermitteln für die „AktivRegion Holsteins Herz“ finanziert werden. Den Antrag soll die Stadt stellen. Zusätzlich müsste der „Eigenanteil“ durch den kommunalen Haushalt vorfinanziert werden, bis die Summe von Sponsoren erstattet wird. Mit der Vorfinanzierung hatten die Ausschussmitglieder keine Probleme, aber die Beantragung der EU-Mittel sahen sie schon kritischer. „Das bindet enorm Personal, das sind auch Kosten“, gab Maria Herrmann (SPD) zu bedenken. Das Landesamt müsse da helfen.
Darüber hinaus plant Albrecht Barthel, das Gebäude an diesem Sonntag – dem „Tag des offenen Denkmals“ – der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dazu erging eine Mail mit umfangreichen Forderungen an die Stadtverwaltung. Zwischenzeitlich hatte sich Bürgermeister Tassilo von Bary genötigt gesehen, dem Vertreter der Denkmalpflege unmissverständlich klar zu machen, dass es für ihn nur einen Ansprechpartner in der Verwaltung gebe. Bauamtsleiter Frank Duwe ist schon genervt: „Albrecht Barthel ist rührig und sehr engagiert, aber es artet aus. Man reicht ihm den kleinen Finger und gleich ist eine ganze Menschengruppe verschwunden.“
Deshalb habe die Verwaltung Barthel klare Grenzen gesetzt: Der Saal im Erdgeschoss steht Sonntag nicht zur Verfügung. „Da sind Fußbodenarbeiten im Gange. Das hätte sonst eine Woche Verzug bedeutet“, erläuterte der Bauamts-Chef. Siegfried Wobig und Dr. Tamara Thiesen missfiel das sichtlich. „Das ist unser Marketinginstrument. Dieses Raumerlebnis werden wir nicht wieder haben“, kritisierte die SPD-Politikerin und verglich die Malereien mit der Architektur des Jüdischen Museums in Berlin.
Dr. Hartmut Jokisch (Grüne) protestierte: „Das kann man auch nächstes Jahr noch zeigen.“ Er will deshalb wissen, welche Kosten für den Denkmaltag anfallen und wer die genehmigt habe.
Andreas Olbertz
Leere Räume in bester Lage

Stormarner Tageblatt vom 8. Septembr 2010
Bad Oldesloe findet noch keine Lösung für die Nutzung des ehemaligen Marktcafés
Bad Oldesloe
Seit Februar steht das Café am Markt leer – und daran wird sich so schnell nichts ändern. Dabei liegt schon lange ein Konzept auf dem Tisch: Oke Käselau möchte aus dem ehemaligen Café eine Markthalle machen – ein Mix aus Bar, Café, Restaurant und Erlebnisgastronomie (wir berichteten).
Im Hauptausschuss war das Konzept befürwortet worden. Zwischenzeitlich hat der Investor es von Profis begutachten lassen. Sowohl Dehoga-Vorsitzender Axel Strehl als auch das Gründerzentrum Stormarn haben dem Businessplan „Tragfähigkeit“ bescheinigt. Gute Voraussetzungen, aber eben nur in der Theorie. In der Praxis geht es um Umbaumaßnahmen, die viel Geld kosten – 230 000 Euro müsste die Stadt in die Immobilie investieren. Im Bauausschuss sollte über einzelne Posten beraten werden, doch das Thema wurde vertagt.
Unstrittig ist, dass knapp 55 000 Euro „sanierungsbedingte Kosten“ anfallen. Diese Arbeiten müssen sein, um den Laden überhaupt in einen vermietbaren Zustand zu bekommen. Frank Fiedler (FDP): „Angesichts der Haushaltssituation habe ich wenig Lust, mehr Geld als die Sanierungskosten in die Hand zu nehmen.“ Er sieht die Gefahr, dass die Stadt in konzeptbedingte Umbaubauten investiert, und dann für den Rückbau zahlen müsse, wenn das Konzept nicht aufgehe. Fiedler: „Im Wesentlichen wird nackter Raum vermietet.“ Das sieht Dr. Hartmut Jokisch (Grüne) ähnlich: „Mauern, Fenster, Türen sind Sache der Stadt. Die Küche muss der Mieter mitbringen.“ Letztere macht in der Kalkulation mehr als 120 000 Euro aus. Da musste Christdemokrat Uwe Rädisch herzlich lachen: „So schlau war ich auch schon mal.“ Er hat für die Gilde einen Pächter der Schützenhalle gesucht, langwierige Verhandlungen führen müssen und dabei festgestellt, dass es nicht so einfach ist. Ein Teil der Kosten könne sicher über eine höhere Pacht refinanziert werden, und wo das nicht möglich sei, müsse die Investition als Marketing angesehen werden. Was wie verbucht werde, könne gerne diskutiert werden. Ist beispielsweise eine zweite Treppe ins Obergeschoss wirklich konzeptbedingt oder werte sie die Immobilie nicht grundsätzlich auf? Muss die Thekenverkleidung wirklich von der Stadt gezahlt werden oder unterliegt sie nicht dem Konzept-Styling. Das könne aber erst diskutiert werden, da war er sich mit Siegfried Wobig (CDU) einig, wenn mindestens ein Vorvertrag mit dem Interessenten abgeschlossen sei. „Sonst ist womöglich alles für die Katz“, so Wobig. So wurde das Thema in den Finanzausschuss delegiert.
Offensichtlich gibt es auch bauliche Probleme, die niemand beachtet hat. Yannick Freyling hinterfragte für den Behindertenbeirat die Barrierefreiheit der künftigen Markthalle. Investor Oke Käselau glaubte, die sei gewährleistet. Er musste sich aber belehren lassen, dass das nicht der Fall ist. Nach den vorliegenden Plänen befänden sich die Toiletten im Keller. Ohne Aufzug für Rollstuhlfahrer nicht erreichbar. Freyling machte darauf aufmerksam, dass das gegen eine Zielvereinbarung mit der Dehoga verstoße. Architekt Reinhard List betonte, dass das Restaurant eine Bestandsgenehmigung habe und nicht barrierefrei sein müsse. Ein ebenerdiges WC nehme mindestens zehn Quadratmeter Restaurantfläche weg. Im Übrigen gebe es beim benachbarten Italiener eine Behindertentoilette. Yannick Freyling: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand zwischen Vorspeise und Hauptgericht einen Gang durch die Innenstadt zur Toilette machen möchte.“
Der Ausschuss beauftragte den Planer, Kosten zu ermitteln. Erst wenn Zahlen auf dem Tisch lägen, könne ein Entschluss gefasst werden. Welche Auswirkungen das auf eventuell parallel laufende Vertragsverhandlungen hat, blieb unbeantwortet.
Andreas Olbertz
Noch keine Entscheidung zur Oldesloer Markthalle
Lübecker Nachrichten vom 8. September 2010
VON K. KUHLMANN-SCHULTZ
BAD OLDESLOE – „Es fehlt einer, der den Knoten durchschlägt“, vermutet Horst Möller, Fraktionschef der Oldesloer CDU, der derzeit als amtierender Bürgermeister die Geschäfte in der Kreisstadt führt. Den Knoten, der ein Weiterkommen bei den Planungen zur Markthalle im ehemaligen Café am Markt zurzeit blockiert. Es müsse eine Entscheidung fallen, „machen wir es oder machen wir es nicht“, so Möller. „Jeder Monat, an dem wir keine Miete bekommen, ist nicht prickelnd.“ Und „der Standort muss belebt werden“. Vermieter für das Café ist die Stadt Bad Oldesloe.
Investor Oke Käselau und sein Architekt Reinhard List haben das Konzept für die Markthalle auf der jüngsten Sitzung des Bau- und Planungsausschuss vorgestellt. Die Mitglieder des Ausschusses, so die Vorsitzende Maria Herrmann (SPD), beschlossen auf der jüngsten Sitzung aber lediglich, dass die Verwaltung einen Entwurfsmietvertrag ausarbeiten und erst danach über die Kosten für den Umbau und die Renovierung gesprochen werden solle. „Das halte ich für unfair, Herr Käselau muss doch wissen, wo wir hin wollen“, bedauerte Herrmann diese Entscheidung.
So werde dieser Entwurfsmietvertrag eine Basis haben, über die „wir nicht diskutiert haben“. Denn die umfangreiche Liste mit den Details zum Bauvorhaben 348 – Umbau Markthalle – „sind wir nicht durchgegangen“. So wurde keine Entscheidung herbeigeführt, ob die Stadt den Kücheneinbau übernimmt, der mit knapp 123 000 Euro zu Buche schlägt. Ein breiter Konsens herrschte aber darüber, dass renovierungs- und saniergsbedingte Kosten natürlich von der Stadt getragen werden sollen.
Ein neuer Aspekt wurde von Marion Janssen vom Beirat für Menschen mit Behinderungen eingebracht: Zwar ist die Markthalle laut Planungen soweit barrierefrei, Janssen vermisst aber eine Behindertentoilette. „Ohne
ein behindertengerechtes Klo geht das gar nicht“, findet Maria Herrmann und stimmt Janssen zu. Und das dürfe auch nicht an den Kosten scheitern. Eh es hier aber um Kosten geht, muss erst einmal geklärt werden, wo die behindertengerechte Toilette eingerichtet werden kann. Eine neue Aufgabe für den Architekten.
Die Mitglieder des Bad Oldesloer Finanzausschusses treffen sich heute Abend um 19 Uhr im Sitzungsraum 2.09 im Verwaltungsgebäude, um über die Markthalle zu befinden.
Kehrtwende beim „Stolperstein“
Stormarner Tageblatt vom 7. September 2010
CDU und SPD über neuen Weg einig: Beratung im Hauptausschuss / Nach Stadtverordneten-Sitzung kann verlegt werden
Bad Oldesloe
Nun also doch: Der amtierende Bürgermeister und CDU-Fraktionsvorsitzende Horst Möller hat sich gestern mit Hagen von Massenbach, Hauptausschuss-Vorsitzender und SPD-Fraktions-Chef, auf ein neues Vorgehen in Sachen Stolperstein geeinigt. „Mein Ansatz war, das Thema irgendwie noch für Bad Oldesloe zu retten. Ein Szenario B musste her. Und das kann nur bedeuten, dass ich mir das Thema ziehe“, erklärt von Massenbach. Er wollte die Beratung auf die Tagesordnung des Hauptausschusses am Montag, 20. September, setzen lassen. Eine Woche später könnten dann die Stadtverordneten darüber abstimmen und der Weg wäre frei, um tags drauf, Dienstag, 28. September, den Stein für Hans Wöltje wie geplant zu verlegen. Hagen von Massenbach: „Für mich ist das die einzig denkbare Lösung.“
Zu dieser Einsicht ist parallel auch Horst Möller gekommen. Er räumt ein: „Vielleicht habe ich in der Sache zu schnell entschieden. Wenn ich erst zwei Nächte darüber geschlafen hätte, wäre ich vielleicht gleich auf den Hauptausschuss gekommen. Ich bin sicher, das werden wir jetzt sachlich, in aller Ruhe und vermutlich auch zügig abhandeln.“ Da passt es gut, dass der Termin beim Kölner Künstler Gunter Demnig noch nicht abgesagt war.
Hagen von Massenbach ist erleichtert: „Das war ein echtes Fotofinish.“
Andreas Olbertz
Debatte
Stormarner Tageblatt vom 7. September 2010
Entsetzen
Zur Berichterstattung über die Absage der Stolperstein- Verlegung erreichten uns folgende Zuschriften: Als ich die Zeitung las, dachte ich: Da hat die Berichterstattung die Situation wohl etwas überspitzt dargestellt. Dann das blanke Entsetzen, als ich die zweite Zeitung aufschlug. Es hätte so still vonstatten gehen können, wie das Leben von Hans Wöltje offenbar gewesen ist und so würdevoll, wie es unser Umgang heute mit dem Schicksal dieser Menschen unter dem Naziregime verdient. Warum ist einigen unserer Politiker das sensible Händchen (oder Mündchen) dafür abhanden gekommen.
Georg Bendrien, Bad Oldesloe
In der jüngsten Sozialausschuss-Sitzung wurde bekannt gegeben, dass am 28. September Bad Oldesloe seinen ersten „Stolperstein“ vor dem ehemaligen Wohnsitz von Hans Wöltje, einem Opfer der Nazi-Gewaltherrschaft, bekommen sollte. Laut Stormarner Tageblatt fühlten sich die anwesenden CDU-Ausschuss-Mitglieder von dem Verwaltungs-Vorschlag überrascht und verhinderten daher die Stolperstein-Anbringung.
Als ehemaliges Sozialausschuss-Mitglied erinnere ich mich: Vor etwa 20 Jahren wollten die damaligen CDU-Ausschuss-Mitglieder verhindern, dass die Erinnerungstafel an die Nazi-Folterungen im Blauen Haus an der Hude an der Hausvorderfront angebracht wird. Sie sollte lieber auf der rückwärtigen Hofseite hängen. Warum wohl? Cäsar Bauer, der Schöpfer dieser Tafel bestätigte mir auf Nachfrage, dass sie sich jedoch durch Argumente überzeugen ließen, was er bei dem aktuellen Stolperstein-Vorgang ebenfalls hoffe. Persönliche Eitelkeiten dürften doch nicht der eigentliche Grund für die Verhinderung von „Stolpersteinen“ sein, um an den Nazi-Terror zu erinnern.
Dieter Schwitzke, Bad Oldesloe
Streit um Stolperstein: CDU knickt ein
Lübecker Nachrichten vom 7. September 2010
Bad Oldesloe - Nachdem der Kulturausschuss über einen Stolperstein für NS-Opfer Hans Wöltje gestolpert war, folgt jetzt die Schadensbegrenzung: Der Gedenkstein wird zum geplanten Termin verlegt.
„Die Stolperei hat wahrscheinlich ein Ende“, verkündete gestern Bad Oldesloes amtierender Bürgermeister Horst Möller – zugleich Fraktionsvorsitzender der CDU. Er habe am Wochenende noch einmal gründlich darüber nachgedacht, wie man die Stolperstein-Verlegung doch noch zu einem guten Ende führen könnte.
Seine Idee: das Thema am 20. September in den Hauptausschuss zu bringen, der dann eine klare Empfehlung für die Stadtverordnetenversammlung am 27. September aussprechen könne. Als er zwecks Absprache den Hauptausschussvorsitzendem Hagen von Massenbach (SPD) anrief, stellte sich heraus, dass der den gleichen Gedanken hatte.
Möller: „Ich habe ihn gebeten, das Thema in den Hauptausschuss zu nehmen, um den Termin zu halten.“ Die Stein-Verlegung war von der Stadtverwaltung mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig für den 28. September vereinbart worden. Der Termin war trotz des Eklats der vergangenen Woche im Kulturausschuss (die LN berichteten) noch nicht abgesagt worden. Das hätte Kulturreferentin Sylvina Zander erst gestern tun müssen. Doch nun sieht es so aus, als ob der Stolperstein-Termin gehalten werden kann.
Im Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss (BSKA) der Stadt hatten sich CDU und FDP darüber beklagt, dass sie nicht vorher von der Verwaltung gefragt worden waren. Sie fühlten sich schlichtweg übergangen. Vorsitzende Angela Fehrmann wollte deshalb den Termin canceln, kannte weder das Projekt „Stolpersteine“ noch Hans Wöltje, über den Kreisarchivar Johannes Spallek eine Fallstudie veröffentlicht hatte. Der Punkt sollte in Ruhe von den Gremien behandelt werden. Dies führte zu einem wahren Proteststurm. Leser fragten, ob die „Provinzler“ überhaupt wissen, dass es eines Jahres Vorlauf bedarf, bis man einen Termin bei Gunter Demnig bekommt?
Noch in der ersten Aufregung hatte Möller wegen des vehementen Protestes der Politiker den Punkt vorerst zurückstellen und den Termin verschieben wollen. Im Moment sitzt er quasi zwischen zwei Stühlen – als Bürgermeister-Vize und CDU-Chef. Deshalb hat er sich für seine Idee auch der Rückendeckung aus seiner Fraktion versichert. „Es gab null Einwände.“ Damit könne man die Angelegenheit „mit nicht ganz so großem Schaden in den Griff bekommen“. Er habe zwar versucht, es als Bürgermeister anzuschieben, aber auch mit dem CDU-Fraktionsvorstand und der BSKA-Vorsitzenden gesprochen.
Es sei „ein sensibles Thema“, sagt Hagen von Massenbach (SPD). Es solle nicht politisch ausgeschlachtet werden. Er sei schon entsetzt über das gewesen, was von der CDU im Ausschuss vorgebracht wurde. Das Thema sei ihm jedoch zu wichtig, als dass es zum Streitpunkt werden solle. Deshalb habe er eingelenkt. Er geht davon aus, dass der Stolperstein nun am 28. September verlegt wird. „Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, das jemand dagegen sein kann. Für mich ist das ein Selbstgänger.“
Von Susanna Fofana
Kein Geld für Bedürftige – Zuschuss für Betreiber
Stormarner Tageblatt vom 7. September 2010
Änderung der Förderrichtlinien bei Mensaverpflegung von CDU und FDP vorerst abgelehnt
Bad Oldesloe
Der Beschluss war gut gemeint, aber leider ist nicht das Gewünschte rausgekommen: Im vergangenen Jahr hatte der Sozialausschuss beschlossen, dass die Kinder von Hartz IV-Empfängern 50 Prozent Zuschuss für Mittagessen in der Mensa bekommen können. Dafür wurden im Haushalt 150 000 Euro bereitgestellt. Theoretisch hätten 650 Anträge gestellt werden können, es kamen aber nur 48. Grade mal 1180,30 Euro wurden für die Essens-Förderung Bedürftiger ausgegeben.
Weil der Förderbeschluss testweise auf das zurückliegende Schuljahr begrenzt war, stand jetzt eine neue Beschlussfassung an. Eindringlich machten die Schulleiter darauf aufmerksam, dass der Rahmen zu eng sei. Vor allem Hildegard Pontow (Klaus-Groth-Schule) warb für eine flexiblere Vergabe des Geldes. Mancher Hartz IV-Empfänger sei selbst mit Zuschuss nicht in der Lage, den Restbetrag zu zahlen. Darüber hinaus gebe es viele Geringverdiener, die für ihre Kinder das Essensgeld nicht aufbringen könnten. „Und der Normalverdiener mit drei Kindern kann es sich auch nicht leisten“, so Pontow.
Ähnlich ist die Situation an der Ida-Ehre-Schule. Schulleiter Andreas Bielke konnte mit konkreten Zahlen aufwarten: 28 Schüler würden mit 3 500 Euro aus dem Schuletat unterstützt, weil sie ansonsten durch das Raster fallen. „In der Regel kennen wir unsere Familien gut. Wir sehen doch, wie die Kinder täglich dünner werden“, warb er für eine flexiblere Neuregelung.
Bei der Gelegenheit wurde öffentlich, dass der Vertrag mit Mensa-Betreiber Menütaxi an der KGS eine Mindestabnahme von 60 Essen vorsieht. Wird die Menge nicht erreicht, zahlt die Stadt 1,30 Euro pro „fehlendem“ Essen – für Mahlzeiten, die es nicht gibt, oder die in der Mülltonne landen, wenn es sie doch geben sollte. An der Grundschule West überweist die Stadt täglich pauschal 25 Euro – ohne echte Gegenleistung.
Entsetzen herrschte bei den Politikern. Anita Klahn (FDP): „Wir haben alle den Verträgen zugestimmt, aber über diese Auswirkungen war ich mir nicht bewusst. Ich möchte für das, was wir bezahlen, eine Gegenleistung.“ Soweit herrschte im Ausschuss noch Konsens. Das Problem ist nur, dass es Verträge gibt, aus denen die Stadt nicht so ohne weitere heraus kommt.
Die Grünen stellten den Antrag, dass auch Wohngeldbezieher berücksichtigt werden sollen. Für die SPD beantragte Birgit Weißmann, den Schulen oder Elternvereinen einen Etat zur Verfügung zu stellen. Doch nach einer halbstündigen Sitzungsunterbrechung hatten sich CDU und FDP anders entschieden. Die Verwaltung wird beauftragt, einen einheitlichen Vertrag mit dem Mensabetreiber auszuhandeln und übergangsweise bei Ausgleichszahlungen im Gegenzug Essenslieferungen zu erwirken. Die Schulen sollen konkrete Zahlen vorlegen. Bis dahin gelten die strengen Vorgaben. Eine Änderung der Förderregeln müsse erst in den Fraktionen beraten werden. Gleichzeitig wurde angedeutet, dass Schulen, die aus ihren Etats fördern, mit Erstattung rechnen können.
Andreas Olbertz
Wird die „Markthalle“ der neue Treffpunkt in Bad Oldesloe?
Lübecker Nachrichten vom 5. September 2010
VON K. KUHLMANN-SCHULTZ
BAD OLDESLOE – Das Café am Markt ist seit langem geschlossen. Seit Februar stehen die Räume in bester Innenstadtlage von Bad Oldesloe leer. Aber seit ein paar Monaten gibt es auch einen neuen Investor: Oke Käselau will dort seine „Markthalle“ eröffnen (die LN berichteten), eine Kombination aus Restaurant, Café und Bar.
Aus der anfänglichen Idee sind jetzt sehr konkrete Pläne geworden, diemorgen im Bau- und Planungsausschuss vorgestellt werden sollen (19 Uhr, Stadthaus, Raum 2.09). Pläne, die den Segen unter anderem vom Kreisvorsitzenden des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, Axel Strehl, haben. „Das ist ein interessantes und gutes Konzept. Herr Käselau hat sich sehr viele Gedanken gemacht. Die Markthalle wäre eine Bereicherung für Bad Oldesloe“, ist Strehl überzeugt, der auch Einblick in den Business- Plan hatte. Er befürwortet die Verwirklichung, ebenso das Gründerzentrum Stormarn.
Die „Markthalle“ also als Bereicherung für die Kreisstadt. Allerdings eine Bereicherung, die erst einmal einiges an Geld kosten wird – auch für die Stadt als Vermieterin der Räume. Diskutiert werden muss unter anderem, ob die Küche von der Vermieterin zu zahlen ist. Die soll – laut Konzept – knapp 123 000 Euro kosten. Die gesamte Maßnahme, inklusive Umbau und Sanierung, soll rund 240 000 Euro kosten.
„Das Konzept ist vielversprechend“, bewertet die Vorsitzende des Ausschusses, Maria Herrmann (SPD), Oke Käselaus Planungen. „Trotzdem müssen wir sehen, dass wir nicht so viel Geld reinbuttern.“ Konzeptbedingten Geldern – wie die Kosten für die Event-Küche – steht Herrmann „kritisch gegenüber“.
Denn was passiert, vorausgesetzt ein Mietvertrag kommt zustande, wenn Käselau mit seiner „Markthalle“ scheitert? Was passiert mit der Küche? „Jeder, der da reingeht, hat doch ein anderes Konzept.“ Sanierungsbedingte Kosten seien für die Politikerin hingegen natürlich kein Thema und müssten bezahlt werden.
Oke Käselau stellt morgen im Verwaltungsgebäude zusammen mit dem Oldesloer Architekten Reinhard List die detaillierten Planungen der „Markthalle“ vor. Für den Fraktionsvorsitzenden der CDU, Horst Möller, ist klar: „Wir sehen das positiv, aber wir befördern das nicht um jeden Preis.“
„Schämt Euch!“

- Löst 68 Jahre nach seinem Tod eine lebhafte Diskussion in Oldesloe aus: NS-Opfer Hans Wöltje.
Lübecker Nachrichten vom 4. September 2010
Wütende Leserreaktionen auf die Oldesloer Stolperstein-Debatte
BAD OLDESLOE – Ein Stolperstein für das einzige Oldesloer NS-Opfer Hans Wöltje wird zum Stolperstein für die Politiker in der Kreisstadt. Weil sie sich übergangen fühlten, lehnten die Mitglieder des Kulturausschusses mehrheitlich das Vorhaben der
Stadtverwaltung ab (die LN berichteten).
Gestern meldeten sich mehrere Leser zu Wort –mit eindeutigem Tenor.
Werner Janssen aus Travenbrück:
Das muss man sich vor Augen führen. Ein Mensch wird verfolgt, eingesperrt, verfrachtet wie ein Stück Vieh und anschließend ermordet! Und das nur um seines Glaubens und seiner Überzeugung willen. Er ist kein Opportunist, hält an seiner Überzeugung fest. Sogar im Tod! An diesen Menschen, den man gerade auch in der heutigen Zeit durchaus als Vorbild nehmen kann, soll nun erinnert werden. Durch einen kleinen Gedenkstein. Leider wurden dabei die sogenannten „Politiker“ der Christlich Demokratischen Union übergangen. Soll heißen: Ihre persönlichen Eitelkeiten wurden nicht berücksichtigt! Schämt Euch! Meine Damen und Herren von der CDU: Sie sollten zurücktreten, denn für diesen Posten sind Sie untauglich! Die Stolpersteine sind eine außerordentliche Möglichkeit, an Vergessenes zu erinnern. Vielen Dank an Frau Zander, die versucht hat, den Oldesloern die Vergangenheit näherzubringen.
Maria Herrmann, SPD-Stadtverordnete aus Bad Oldesloe:
Man kommt aus dem Staunen derzeit nicht mehr heraus. Zuerst vergeigt der Bürgermeister die Besetzung der Stadtmarketingstelle zum 1. September.
Nun der nächste Eklat: Dr. Sylvina Zander teilte im BSKA mit, dass der Künstler Gunter Demnig am 28. September in Oldesloe einen Stolperstein setzen wird. Mit den Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die im Nationalsozialismus ermordet wurden. Über 22 000 Steine sind inzwischen verlegt. Das Projekt ist unumstritten. Das Opfer, um das es hier geht, Hans Wöltje, ist gut erforscht, Fakten liegen vor. Wer erwartet hätte, dass Frau Dr. Zander Dank und Anerkennung erntet, täuschte sich. Die CDU lehnte das Projekt ab. Auch die SPD kritisiert den Alleingang des Bürgermeisters, sprach sich aber für das Vorhaben aus. Bei aller berechtigter Kritik am Verfahren: Eine kleingeistige Ausladung des Künstlers beschädigt die Idee und vor allem das Opfer.
Georg Bendrien aus Bad Oldesloe:
Es hätte so still vonstatten gehen können, wie das Leben von Hans Wöltje offenbar gewesen ist, und so würdevoll, wie es unser Umgang heute mit dem Schicksal dieser Menschen unter dem Naziregime verdient. Warum ist einigen unserer Politiker das sensible Händchen (oder Mündchen) dafür abhanden gekommen?
Über LN-Online erreichten uns folgende Kommentare:
Ratzeburger: Peinlich? Kleinkariert? Oder eine latente politische Gesinnung? Bis zum 28. September sollte doch genug Zeit sein, die formal möglicherweise notwendige Zustimmung des Un-Kulturausschusses einzuholen, wenn man dann will. So leitet man Wasser auf die Mühlen der Ewiggestrigen.
Caro: Sind das vielleicht auch ein paar pseudopolitische Profilneurotiker? In Anlehnung an einen bekannten Comic: Die spinnen, die Oldesloer!
Weilheimer: Da sieht man mal wieder, wie wichtig sich manche Leute nehmen, nur weil sie zufällig im Stadtrat sitzen. Sie sollten von ihrem hohen Ross schnell herunterkommen, meine Damen und Herren!
Stormarner Wochenschau
Stormarner Tageblatt vom 4. September 2010
Viel Lärm – aber wenig Gutes
HEAVY METAL: Klar, der eigene Nachtschlaf ist heilig. Er macht schön und gesund.Wehe, es bringt einen jemand darum! So ist die Wut verständlich, die die Sieker in Anbetracht des horrenden Lärms verspüren, den der Betonbrecher an der Auffahrt zur A1 beim Steinmalmen macht. Nur vier Stunden – von 22 bis 2 Uhr – gibt das Ungetüm Ruhe, dann frisst es weiter die marode Autobahndecke. Dabei ist die noch gar nicht alt, hielt aber zum Schluss stellenweise nur noch Tempo 80 aus. Wer schneller unterwegs war, flog mit seinem Vehikel von Plattenkante zu Plattenkante, immer mit schönem Donnerhall wieder aufsetzend. Und erzeugte so den Beat einer sonst eher sonoren Autobahn- Melodie. Da stellt sich die Frage:
Was wiegt schwerer: Vier Wochen Heavy-Metal oder ein Leben lang Elektro-Sound?
SCHLECHT VORGESTELLT: Da hat Oldesloe sich ja mal wieder von seiner freundlichsten Seite gezeigt. Ewigkeiten wird über Stadtmarketing diskutiert, über Konzepte und Stellen, für Gutachten wird Geld rausgehauen. Dann ist es endlich so weit, eine Bewerberin könnte eingestellt werden, aber Politik schaltet auf bockig. Salopp formuliert: Das ist ein wichtiger Posten, wenn der Bürgermeister die Kandidatin nicht vernünftig vorstellen kann, gibt’s dafür von uns kein Okay. Durchgefallen! Hinzu kommt, dass der Hauptausschuss ausdrücklich das persönliche Erscheinen der Frau verlangt hatte. Nun war der gesagt worden, es reiche vollkommen ,wenn sie etwas später komme. Dummerweise war die Tagesordnung
schneller abgearbeitet als erwartet. Die Bewerberin kam zwar pünktlich, war aber trotzdem zus pät. Und weil der Bürgermeister esn icht nötig hatte, um Sitzungsunterbrechung zu bitten,weil sie bestimmt gleich kommen werde, nahm das Schicksal seinen unheiligen Lauf. Politik hat auf Kosten der
Bewerberin gezeigt, wo der Hammer hängt. Super Außenwirkung in Zeiten, wo sich auch für Verwaltungsjobs nur schwer qualifizierte Bewerber finden. Die Kreisstadt hat schon vermeintlich attraktive Posten mehrfach ausschreiben müssen ...
VERSTOLPERT: Und gleich drauf noch so ein Exempel: Stolperstein? Sind wir nicht zu befragt worden, wollen wir nicht. Punkt aus, Thema durch. Und was dann noch so an Pseudoargumenten kam: Man will den Namen ja wenigstens mal gegoogelt haben, kommt aus der CDU-FDP Ecke. Aha, und wenn er da trotz Dokumentation des Kreisarchivs nicht auftaucht, gibt’s keinen Gedenkstein? Aygün Caglar (CDU) versteigt sich zu der Behauptung: „Das ist alles nicht korrekt. Andere müssten ein halbes Jahr warten, ehe sie ihr Anliegen vortragen dürfen.“ Was natürlich
nicht korrekt ist, denn dafür gibt es schließlich die Fragestunde. Darüber hinaus entscheidet die Vorsitzende über die Tagesordnung – und das ist immer noch seine Parteifreundin Angela Fehrmann. Dass CDU und FDP beteuern, es gehe gar nicht um die Sache, macht es nur noch schlimmer. Dann wird es um so unverständlicher, dass der Termin mit Gunter Demnig abgesagtwurde; Prinzipienreiterei auf Kosten eines Oldesloer Nazi-Opfers, ganz toll. „Herr, lass Hirn vom Himmel regnen“, rief die Grüne Karin Hoffmann spontan. Es geht bei Stolpersteinen schließlich nicht darum, sich zu profilieren, sondern sich im wahrsten Sinne des Wortes vor dem Opfer
und seinem Schicksal in Demut zu verneigen.
Andreas Olbertz
Sara Peschke
Schulleiter für das Oldesloer Gymnasium gewählt: Henning Bergmann soll die TMS führen

Stormarner Tageblatt vom 4. September 2010
Bad Oldesloe
Die traditionsreiche Theodor-Mommsen-Schule braucht einen neuen Rektor. Jetzt hat der Schulleiter-Wahlausschuss getagt, um einen Nachfolger für Dr. Rolf Kuhl vorzuschlagen. Unter zwei Bewerbern hat sich das Gremium einstimmig für Henning Bergmann aus Schönberg entschieden.
Schon eine geraume Zeit vor der Sitzung hatte das Gerücht die Runde gemacht, „die Schule“ habe sich für ihn ausgesprochen – ein Befund nach Aktenlage. Doch spätestens nach der Vorstellungsrunde war alles klar. Eine Diskussion war nicht mehr nötig, zu eindeutig sei die Selbstdarstellung ausgefallen. Die Mitglieder des Schulleiter-Wahlausschusses schwärmen regelrecht von Henning Bergmann. „Natürliche Autorität“, „charismatisch“, „super auftreten“, „dynamisch und lebhaft“, „ruhige Gelassenheit“ und „Durchsetzungsfähig“ fallen als Schlagworte.
Henning Bergmann unterrichtet am Gymnasium Wentorf Musik und Latein. Wegen seines Hobbys Orgelmusik habe er in Lübeck Kirchenmusik studiert, auf Anraten seiner Eltern aber zusätzlich auch Schulmusik – so kam er in den Öffentlichen Dienst. Da ein Lehrfach nicht ausreicht, studierte er noch Latein. Am „Colegio Goethe“, einem Gymnasium in Buenos Aires, absolvierte er Auslandsjahre.
In seiner Freizeit züchtet Henning Bergmann Deutsche Drahthaar Hunde für die Jagd. Er hat über die Vierbeiner ein Fachbuch geschrieben und ist Vorsitzender des Vereins Deutsch Drahthaar in Hamburg.
Seit vielen Jahren engagiert sich Henning Bergmann auch als nebenberuflicher Organist und Kantor an der Sieker Friedenskirche. Er hat sich maßgeblich dafür stark gemacht, dass die Friedenskirche 2006 eine 350 000 Euro teure neue Orgel, die über Spenden finanziert wurde, bekommen hat und organisiert dort Konzerte.
Das Kieler Bildungsministerium muss dem Beschluss noch zustimmen. Dort wird auch entschieden, wann der neue Schulleiter seinen Posten antritt.
Andreas Olbertz
Lesermeinung
Stormarner Tageblatt vom 4. September 2010
Schämt Euch!
Zu: CDU kippt „Stolperstein, Stormarner Tageblatt vom Freitag
Das muss man sich vor Augen führen. Ein Mensch wird verfolgt, eingesperrt, verfrachtet wie ein Stück Vieh und ist anschließend im KZ gestorben! Und das nur um seines Glaubens und seiner Überzeugung willen. Er ist kein Opportunist, hält an seiner Überzeugung fest. Sogar im Tod! An diesen Menschen, den man gerade auch in der heutigen Zeit durchaus als Vorbild nehmen kann, soll nun erinnert werden. Durch einen kleinen Gedenkstein.
Leider wurden dabei die so genannten „Politiker“ der Christlich Demokratischen Union übergangen. Soll heißen, ihre persönlichen Eitelkeiten wurden nicht berücksichtigt!
Meine Damen und Herren von der CDU: Sie sollten zurücktreten, denn für diesen Posten sind Sie untauglich! Die Stolpersteine sind eine außerordentliche Möglichkeit an Vergessenes zu erinnern. Hier wird den Oldesloer Bürgern eine Möglichkeit gegeben, sich die Vergangenheit gegenwärtig zu machen. Vielen Dank an Frau Dr. Zander, die versucht hat, den Oldesloern die Vergangenheit näher zu bringen. Und an den Bürgermeister, der vielleicht auch an einer Überzeugung festgehalten hat.
Werner Janssen,Travenbrück
CDU kippt „Stolperstein“
Stormarner Tageblatt vom 3. September 2010
Eklat im Sozialausschuss: Verlegung kleiner Gedenkplatte abgesagt / Politik fühlt sich übergangen
Bad Oldesloe
Das ist ja wohl gründlich anders gelaufen als geplant. Ganz zum Schluss der Sozialausschuss-Sitzung erschien Stadtarchivarin Dr. Sylvina Zander und teilte mit, dass Bad Oldesloe am 28. September seinen ersten und Stolperstein bekommen soll.
Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt diese Steine mittlerweile europaweit im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus – kleine Quader mit Messingplatte, in die biografische Daten eingraviert werden – vor dem ehemaligen Wohnsitz von Opfern der Nazi-Gewaltherrrschaft. In Bad Oldesloe soll an Hans Wöltje erinnert werden. „Als Andersdenkenden versuchten die Nazis ihn auszugrenzen, zu kriminalisieren und als Mensch zu zerstören“, schreibt Kreisarchivar Dr. Johannes Spallek. Er hat sich bereits 2000 mit dem Fall intensiv beschäftigt. „Es ist ein ganz dramatisches und gut dokumentiertes Schicksal“, so Spalleks Urteil.
Die Zeugen Jehovas hatten den Stolperstein beim Bürgermeister beantragt. Sie übernehmen die Kosten. Die Volksbank, vor deren Gebäude in der Hindenburgstraße der Gedenkstein platziert werden soll, hat keine Einwände. Also gab der Verwaltungs-Chef sein Okay. Dr. Zander vereinbarte einen Ortstermin mit Günter Demnig. Alles schien perfekt, bis die CDU auf den Plan trat.
Sozialausschuss-Vorsitzende Angela Fehrmann brachte ihr „Befremden“ und ausdrücklich auch das des CDU- Fraktionsvorsitzenden zum Ausdruck. „Das kann kein Alleingang der Verwaltung sein“, argumentierte sie: „Wir werden versuchen, es zu canceln.“
Fachbereichsleiter Thomas Sobczak versuchte, das Projekt zu retten: „Wir haben es so eingeschätzt, dass es eine gute und richtige Sache ist.“ Auch Jens-Pieter Friese kritisierte das Verwaltungshandeln, der Vorfall müsse im Hauptausschuss thematisiert werden. „Aber“, so appellierte der Sozialdemokrat, „was ist das für ein Affront, was hätte die Absage für eine Außenwirkung?“ Friese sprach von einer unangemessen Reaktion. „Und was soll ich jetzt machen?“, wollte eine konsternierte Dr. Sylvina Zander wissen. „Ich würde ihnen dringend raten, noch mal mit dem Bürgermeister zu sprechen“, gab Christdemokratin Angela Fehrmann ihr mit auf den Weg.
Amtierender Bürgermeister ist dieser Tage der CDU Fraktions-Chef Horst Möller, und der hat gestern sofort eine Entscheidung gefällt: „Der Termin wird abgesagt. Das Thema kommt noch mal in den Ausschuss und die Stadtverordnetenversammlung.“ Warum das nötig ist, wo doch alle beteuern, es gehe nicht um die Sache, sondern lediglich ums Verfahren, bleibt offen.
Andreas Olbertz
HANS WÖLTJE:
Die Familie hatte ein Fahrradgeschäft, Sohn Hans arbeitete für die Landwirtschaftkammer. Vermutlich traumatisiert von seinen Erlebnissen im ersten Weltkrieg schließt er sich den Ernsten Bibelforschern (Zeugen Jehovas) an. Nachdem er nicht an der Reichstagswahl im November ’33 teilnahm, verlor er seinen Job und kam ins Gefängnis. Weil er angeblich Flugblätter verteilt haben soll, wird er 1938 zu weiteren zwei Jahren Gefängnis verurteil, anschließend kommt er im KZ Sachsenhausen in Schutzhaft. Im Sommer 1940 folgt die Verlegung ins KZ Dachau wo er am 2. Juni 1942 um 6.37 Uhr stirb und eingeäschert wird.
Ausschuss fühlt sich übergangen: Kein Stolperstein für Hans Wöltje
Lübecker Nachrichten vom 3. September 2010
Bad Oldesloe – Ein Stolperstein aus Messing sollte an Bad Oldesloes einziges NS-Opfer erinnern, an Hans Wöltje. Doch der Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss stoppte das Projekt: Die Politiker waren nicht gefragt worden.
22 000 Stolpersteine hat der Kölner Bildhauer Gunter Demnig in 530 Städten verlegt. Sein Anliegen: NS-Opfern, die in Konzentrationslagern zu Nummern degradiert wurden, ihre Namen wiederzugeben – Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen, Zeugen Jehovas, Sozialdemokraten und Kommunisten. Der Termin für die Stein-Verlegung in Bad Oldesloe war mit dem Künstler für den 28. September, 15 Uhr, vereinbart worden. Die Verwaltungsspitze hatte dafür grünes Licht gegeben, die Volksbank Stormarn, vor deren Gebäude in der Hindenburgstraße 49 (Wöltjes letztem Wohnort in Freiheit) die Aktion stattfinden sollte, hatte zugestimmt.
Doch als Oldesloes Kulturreferentin Sylvina Zander im Kulturausschuss über den Termin informierte, empörten sich die Mitglieder darüber, dass sie nicht zu diesem Thema mit Außenwirkung gefragt worden seien. Vorsitzende Angela Fehrmann (CDU): „Uns befremdet dieses Vorgehen sehr.“ Sie hätte sich eine Sitzungsvorlage gewünscht, damit der Ausschuss darüber entscheiden kann. Dies könne nicht im Alleingang der Verwaltung geschehen. „Deshalb werden wir versuchen, die Sache zu canceln.“ Jens-Pieter Friese (SPD) fand es nicht angemessen, so krass darauf zu reagieren. „Egal, was wir denken. Wir sind nicht gefragt worden“, konterte Gudrun Möllnitz (CDU).
„Ich hoffe, dass der Opfer angemessen gedacht wird“, sagt Kreiskulturreferent Johannes Spallek, der eine Fallstudie zu Hans Wöltje verfasst hatte. Wöltje war Buchhalter bei der Landwirtschaftskammer. Weil er nicht zur Wahl ging, wurde er ausgegrenzt, diskriminiert, kriminalisiert und schließlich ermordet. Er starb 1942 im KZ Dachau. Da Wöltje Zeuge Jehovas war, hatte Günter Kieschke, deren Vorsitzender in Bad Oldesloe, 2009 den Stolperstein angeregt, den er auch bezahlen will.
„Es ist ein echter Stolperstein geworden“, sagt der amtierende Bürgermeister Horst Möller (CDU). Das Verfahren sei unglücklich gelaufen, werde jetzt „geheilt.“ Das Thema werde nun in Ruhe vorbereitet und den Kommunalpolitikern am 29. September im Ausschuss und am 27. Oktober in der Stadtverordnetenversammlung vorgestellt.
Bei der Schulspeisung bleibt alles beim Alten
Lübecker Nachrichten vom 3. September 2010
VON SUSANNA FOFANA
BAD OLDESLOE –Welches Kind bekommt welche Zuschüsse zum Mensa Mittagessen? Bisher erhalten nur 48 Kinder, deren Eltern Leistungsempfänger sind und einen Antrag bei der Stadt Bad Oldesloe gestellt haben, die Hälfte des Essensgeldes dazu. An der bisherigen Regelung soll sich vorläufig auch nichts ändern, beschloss der Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss.
Doch das Thema soll ausgiebig beleuchtet werden.
Die Schulleiter streben eine flexiblere Regelung an, einen eigenen Handlungsspielraum. Sie möchten ein Budget, aus dem sie – gemeinsam mit Elternvertretern – gezielt bedürftige Kinder unterstützen können. Dies geschieht schon jetzt – mit Geld der Schule, das eigentlich für andere Aufgaben bestimmt ist. Die Lehrer halten teilweise sogar eine 100-prozentige Unterstützung für notwendig. Doch darüber wollten die Mitglieder im Fachausschuss nicht ohne die Rückendeckung ihrer Fraktionen nachdenken. „In der Regel kennen wir die Familien so gut, dass wir es beurteilen können“, so Andreas Bielke von der Ida-Ehre-Schule (IGS Bad Oldesloe). „Wir wissen sehr wohl, wer Unterstützung braucht“, pflichtet ihm Hildegard Pontow von der Klaus-Groth-Schule bei. An der IGS gehen schon jetzt 3500 Euro in die Schulspeisung – für Kinder, die nicht unter die bisherige Regelung fallen. Teilweise würde es sich um eine reine Umschichtung der Stadtmittel handeln. Denn wenn ein gewisses Kontingent an Essen nicht erreicht wird, zahlt die Stadt den Ausfall ohnehin als Zuschuss an den Betreiber. Dieses Geld soll lieber für Essen ausgegeben werden, waren sich die Politiker einig. Nun warten sie auf aussagekräftige Unterlagen von Stadt und Schulen.
Kein Glück hatte Stadtschulleiterin Sabine Prinz, die eine Lücke von 6700 Euro für die Bezahlung einer Halbtags-Erzieherin am Nachmittag bezuschusst haben
wollte. Die Mittel für die Halbtagsstelle standen der Schule zunächst zur Verfügung, waren dann aber durch eine neue Regelung von der Landesregierung wieder einkassiert worden. Auch der Schulverein war bereits mit 19 000 Euro statt wie im Vorjahr mit 12 000 Euro eingesprungen. Doch die Kommunalpolitiker lehnten den Zuschuss für die Ganztagsschule ab. Sie wollten den fehlenden Förderbetrag des Bildungsministeriums nicht übernehmen. Allerdings erhält die Schule 100 Euro pro Kind und Jahr, das am Betreuungsangebot teilnimmt.
Marketing-Besetzung geplatzt
Stormarner Tageblatt vom 1. September 2010
Keine Zustimmung ohne persönliche Vorstellung
Bad Oldesloe
Kaum war die Stadtverordneten-Sitzung eröffnet, war sie auch schon vorbei – zumindest im öffentlich Teil gab es nichts groß zu diskutieren, zwei Tagesordnungspunkte, schnell abgehakt.
Aber dann! Bürgermeister Tassilo von Bary läuft zum Eingang der Festhalle, fummelt an seinem Handy. Er sucht die Bewerberin für das Stadtmarketing. Doch da ist niemand. „Wir konnten nichts beschließen“, verkündet Bürgerworthalter Rainer Fehrmann anschließend: „Wenn wir es denn hätten behandeln können, hätten wir die Marketingstelle besetzt.“ Dazu kommt es aber nicht mehr. Stattdessen wird die Entscheidung auf den nächsten Hauptausschuss vertagt – damit hat sich ein Dienstantritt zum 1. September definitiv erledigt.
Hintergrund: Die Auswahl eines Bewerbers ist Sache des Bürgermeisters. Aber weil es sich um eine neue Leitungsstelle handelt, müssen die Stadtverordneten der Besetzung zustimmen. Seit der Berufung von Andreas Tomaschewski zum Rechnungsprüfer ist klar, dass so etwas kein Selbstgänger ist. Spätestens nach der Hauptausschuss-Sitzung am 23. August hätte klar sein müssen, dass Politik bei dieser Personalie nicht einfach so die Hand heben wird: Zustimmung war davon abhängig gemacht worden, dass sich die Bewerberin persönlich vorstellt. „Politik hat gezeigt, dass sie nicht alles mit sich machen lässt“, sagt ein Politiker, ein anderer: „Tassilo von Bary konnte nichts über sie sagen. Wenn er sie überzeugend vorgestellt hätte, hätten wir eventuell doch zugestimmt.“ „Er hat sich vermutlich nicht vorbereitet, weil er dachte, sie kommt ja.“ Die Kandidatin kam aber erst, als die Sitzung vorbei war. FDP-Fraktions-Chef Karl-Reinhold Wurch, der den Antrag auf Vertagung stellte, spricht Klartext: „Das ist eine Position, an die wir viele Hoffnungen knüpfen. Da ist es Aufgabe der Verwaltung, sie uns richtig zu präsentieren.“
Bürgermeister Tassilo von Bary war gestern in den Urlaub entschwunden. Stellvertreter Horst Möller betont: „Die Verwaltung arbeitet mit Hochdruck an einer guten Lösung. Das Thema wird wieder im Hauptausschuss auftauchen.“ Vielleicht klappt’s ja nächsten Monat.
Andreas Olbertz
Stormarner Wochenschau
Stormarner Tageblatt vom 28. August 2010
Müll, Bad, Auto – zahlt sich das aus?
BADEN GEGANGEN Guck mal einer an, es geht doch: In großer Harmonie haben die Hauptausschuss-Mitglieder die Umbaupläne für das Hallenbad gebilligt. Erst der Bürgerentscheid, dann der Urheberrechtsstreit – im Laufe der Jahre konnte man schon die Hoffnung verlieren. Aber jetzt scheint endlich alles auf einem guten Weg zu sein. Bleibt nur zu hoffen, dass sich das Ganze auch bezahlen lässt, denn über Geld ist bislang nicht wirklich gesprochen worden. Rückblende: Im April 2008 hatte die CDU gefordert, bei der Sanierung des Bades auf Gastronomie zu verzichten, weil die sich eh nicht rentiere. Ups, das gab einen Aufschrei im Ausschuss, wie denn derartige Bösartigkeiten behauptet werden könnten. Okay, dachte sich damals CDU-Fraktions-Chef Horst Möller: Wenn das so ist, soll es doch eine Bewirtung geben, er zog den Antrag auf Automaten-Café zurück. In den aktuellen Plänen ist entgegen dem damaligen Beschluss nun doch wieder von Automaten die Rede. Und das hat seinen Grund. Die Pächterin, die damals so von der rosigen Entwicklung geschwärmt hatte, betreibt heute ein anderes Restaurant, und der aktuelle Pächter soll gerüchteweise auch schon wieder auf dem Absprung sein und angeblich eine Kneipe übernehmen. Offensichtlich ist da im Schwimmbad kein gastrofreundliches Klima. Schwitzen und essen passt nicht so sonderlich gut zusammen.
ABGEFAHREN Waren das die guten alten Zeiten? Damals, als der Kreis noch Mitgesellschafter der MVA Stapelfeld war? Da konnte man noch Verträge abschließen über deren Konditionen – Preise und Laufzeit – man heute nur den Kopf schütteln kann. Aber warum sollte die Entsorgung nicht etwas teurer sein. Schließlich verdiente man als Kreis daran, und das Geld kam ja nicht nur über die Abfallgebühren, sondern später noch mal über den Verkauf der MVA-Anteile wieder rein. Von den Gebühren in der Müllverbennungsanlage, die heute EEW heißt, konnte Mutter Eon gut leben. Es gab eine jährliche Erhöhung, da die Preise an den Lebenshaltungsindex gekoppelt worden waren. Konkurrenz musste man nicht fürchten, weil die Verträge ja über Jahrzehnte liefen. Wie gut – um nicht zu sagen unverhältnismäßig – die Bedingungen waren, lässt sich daraus erkennen, dass die AWSH vor einigen Monaten den automatischen Kostenanstieg halbieren konnte – auf dem Verhandlungsweg! Beim Bioabfall sieht es nicht besser aus als beim normalen Müll. 150 Euro pro Tonne und das über 20 Jahre, darauf hat sich Stormarn 1995 beim Kompostwerk Bützberg eingelassen. Das selbe Prinzip: Die Anlage wurde von der MVA Stapelfeld gebaut, und man profitierte mit an den Einnahmen. Dass die AWSH beim privaten Kompostwerk Trittau nur 84 Euro je Tonne zahlt, ist ein schwacher Trost. Das Herzogtum Lauenburg entsorgt seinen Biomüll für 40 Euro. Ans Licht kamen die Zahlen, weil eine energetische Verwertung des Bioabfalls geplant ist. Und irgendwie war das den Politikern gar nicht recht.
ANGEHALTEN Wenn die Sommerferien vorbei sind, sind nicht nur die Erstklässler nervös. Auch die Polizei greift dann schneller zur Radarpistole und „schießt“ vor den Schulen allzu fixe Autofahrer ab, die vermutlich vergessen haben, dass Sechsjährige durchaus Rücksicht von den Stärkeren nötig haben. Aber vielleicht trifft es auch manchmal die „Falschen“, und damit will die Polizei dann nicht öffentlich rausrücken, wie unser Karikaturist Görz Wiedenroth mutmaßt.
R. Blase, A. Olbertz
„Künstliches“ Leben im Café

Stormarner Tageblatt vom 28. August 2010
Schluss mit dem Packpapier: Bis zum Umbau zeigt der Primaclub in den Fenstern seine bunten Bilder
Bad Oldesloe
Das Café am Markt ist Geschichte. Dem Pächterpaar war zum Februar gekündigt worden. Seitdem stehen die zentralen Räume direkt am Marktplatz leer. „Viele Bürger sind verärgert und fragen sich, warum die Fenster mit Packpapier zugehängt sein müssen“, bringt Bodo Rahnenführer auf den Punkt, was etliche Menschen denken. Dem umtriebigen Künstler ist es gelungen, das Ärgernis Packpapier aus der Welt zu schaffen. Lange hat er bei der Stadtverwaltung gebohrt, jetzt hat der Leiter des Prima-Clubs endlich die Erlaubnis bekommen, in den Fenstern des leer stehenden Restaurants Bilder von Hobbykünstlern auszustellen.
Neun Maler zeigen ihre Werke. Das Spektrum der gezeigten Techniken und Motive ist groß: Öl, Kreide, Gouache; Tiere, Landschaften, Pop-Art oder bemalte Milchkannen. Jeder Künstler hat ein eigenes Fenster bekommen. Um vom schäbigen Hintergrund etwas abzulenken, stehen die Werke auf Staffeleien vor schwarzem Tüll. Die Clubmitglieder dürfen nur Bilder ausstellen, das Malen in den leeren Räumen ist nicht gestattet, deshalb bleibt der Oldesloer Hof auch weiterhin der „offizielle Clubsitz“.
„Ich möchte die Kunst zu den Menschen bringen“, ist der Anspruch von Bodo Rahnenführer. Er scherzt: „Als Galerist bin ich deshalb natürlich auch bereit, von außen die Scheiben zu putzen.“
Ob er das wirklich muss, wird sich in den nächsten Tagen zeigen, denn unter Umständen rücken schon bald Handwerker an – dann müssten die Hobbykünstler sofort die Fensterfronten wieder räumen. Es gibt einen Interessenten für die Gaststätte.
Die Stadt steht mit Oke Käselau in Verhandlungen, der dort eine Markthalle eröffnen möchte (wir berichteten). Am Montag, 6. September, befasst sich der Bauausschuss mit dem Thema, denn der Umbau des ehemaligen Cafés zur Markthalle würde die Stadt knapp 240 000 Euro kosten. Ob mit Oke Käselau aber wirklich ein Vertrag zustande kommt, ist zurzeit noch völlig offen. Bauamtsleiter Frank Duwe: „Um nachher nicht eventuell mit leeren Händen dazustehen, oder erpressbar zu werden, suchen wir noch weiter nach Interessenten.“
Neue Küchentechnik wird mit gut 120 000 Euro veranschlagt. Laut Sitzungsvorlage belaufen sich die zusätzlichen Sanierungskosten auf 123 000 Euro. Davon sind 68 000 Euro ausschließlich konzeptbedingt. Theoretisch könnte es sein, dass diese Summe bei einem anderen Pächter nicht anfällt. Die Sitzung muss deshalb zeigen, in wieweit die Kommunalpolitiker bereit sind, diese Kosten zu übernehmen. Im Hauptausschuss hatte Bürgermeister Tassilo von Bary seinerzeit angedeutet, die Stadt könne den Umbau bezahlen und dafür eine höhere Pacht verlangen. Diese Variante scheint aber, weil sie mit Risiken behaftet ist, vom Tisch zu sein. Stattdessen wird eine Umsatzbeteiligung favorisiert.
Andreas Olbertz
„Stadt vernachlässigt Radverkehr“

Stormarner Tageblatt vom 28. August 2010
Fahrradclub ADFC pocht auf Umsetzung der Gutachtervorschläge für eine bessere Infrastruktur in Bad Oldesloe
Bad Oldesloe
Verschwenkte Radwege an Einmündungen, schlechte Qualität, unzeitgemäße Abstellanlagen, nicht angepasste Geschwindigkeitsbeschränkungen – „In der Kreisstadt bestehen in der Radverkehrsinfrastruktur noch immer die baulichen Anlagen aus dem vorherigen Jahrhundert“, sagt Reiner Hinsch, Vorsitzender des ADFC Kreisverbands Stormarn. Und wenn saniert werde, dann immer mit deutlichem Vorrang für die motorisierten Verkehr.
Dabei seien die drei Gutachten, die die Stadt zu Klimaschutz, Lärmentwicklung und Verkehrsentwicklung in Auftrag gegeben habe, trotz ihrer unterschiedlichen Zielsetzung zu einem gemeinsamen Ergebnis gekommen: Dass der Radverkehr erheblich stärker gefördert werden müsse.
Die vielen guten Verbesserungs-Vorschläge seien von der Stadtverwaltung „aus unbekanntem Grund aber bisher nicht umgesetzt worden.“ Nicht selten seien die Radwege nicht korrekt beschildert. Die Anbindung des Neubaugebiets Steinfelder Redder erfolgt über die Lübecker Straße, die in weiten Bereichen einen Radweg habe, der die gesetzlich vorgeschriebene Mindestbreite für einen benutzungspflichtigen Radweg deutlich unterschreite und zudem teilweise zugewachsen ist.
Auch in der Grabauer Straße seien auf der gesamten Länge die baulichen Vorschriften für einen Rad- und Gehweg nicht eingehalten. Und die empfohlene Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h in einem Teil der Straße werden nicht umgesetzt.
Auch die Sehmsdorfer Straße biete sehr schwierige Zustände. Stadtauswärts müsse noch immer im laufenden Verkehr die Seite gewechselt werden, um dann auf einem schmalem Pfad weiter zu fahren. Hinzu kommen – nicht nur dort – die Höhen und Tiefen der Grundstückseinfahrten und wenig geradlinige Führungen des Radverkehrs an Straßeneinmündungen. Oder der Kreisverkehr an der B 75 im Westen. Hinsch: „Das Geheimnis, wer denn nun Vorfahrt hat, sollte die zuständige Dienststelle eigentlich lösen. Der ADFC hat schon vor zwei Jahren auf diese Frage hingewiesen.“
Am Bahnhof vermisst der Fahrradclub eine umfassenden und sinnvolle Lösung bei den Abstellmöglichkeiten. „Kein Pendler möchte nach dem verdienten Feierabend ein beschädigtes Fahrrad in einem dunklen Parkhaus vorfinden“, sagt Hinsch. Er ist überzeugt, dass es ein großes Potenzial von Pendlern gibt, die mit dem Auto zum Bahnhof fahren müssen, da keine geeigneten Abstellmöglichkeiten für Fahrräder vorhanden sind. Wenn man das ändere, könnten viele der heute ständig belegten Parkplätze frei sein.
„Warum in der Prioritätenliste erst Pkw-Parkplätze geschaffen werden sollen und erst danach die Verkehrssicherheit für Schüler und den Radverkehr erhöht werden soll, ist sehr fraglich und bedenklich. Den Neubau von Parkplätzen voranzutreiben und für die Radfahrer keine Lösungen anzubieten, kann auch nicht im Sinne von CO²-Einsparungen sein. Es stellt sich die Frage, warum nicht zuerst der Radverkehr deutlich unterstützt und weit danach über Parkplätze nachgedacht wird. Wozu werden Konzepte für erhebliche Steuergelder in Auftrag gegeben, wenn dann nicht nach den klar definierten Vorschlägen gehandelt wird?“, fragt der ADFC-Vorsitzende.
Funktionelle Lösungen für das Bad Oldesloer Hallenbad

- So könnte die Südseite des Bad Oldesloer Hallenbades nach der Sanierung aussehen: mit ebenerdigem und barrierefreiem Eingangsbereich. Zeichnung: PBR

- Hagen von Massenbach (SPD) freut sich über den Bau eines Bewegungsbeckens. Foto: STRUNK

- Sauna ja oder nein? Birgit Reichardt-Mewes (CDU) will erst die Gesamtkosten kennen. Foto: HFR
Lübecker Nachrichten vom 26. August 2010
VON K. KUHLMANN-SCHULTZ
BAD OLDESLOE – Es ist Bewegung in die Planungen zur Sanierung des Bad Oldesloer Hallenbades gekommen. Das Planungsbüro Rohling aus Hamburg hat – nach einer europaweiten Ausschreibung – den Zuschlag bekommen und jetzt die ersten Vorschläge im Hauptausschuss vorgestellt.
In erster Linie geht es dabei um die Sanierung, aber auch um die Attraktivitätssteigerung des Schwimmbades, erklärt Architektin Annette Esselmann. Um das zu erreichen, soll der Haupteingang verlegt, ein Bewegungsbecken von rund 60 Quadratmetern angebaut und eventuell ein Saunabereich eingerichtet werden. Aus dem Gastronomiebereich, der beim derzeitigen Haupteingang untergebracht ist, wird ein „Trockensportraum“, gedacht für „Bodensport“, wie Esselmann betont. Die Gebäudehülle wird saniert, ebenso die Umkleiden, die Technik und die Sanitäranlagen. Der Hauteingang wird ebenerdig und damit barrierefrei.
Unklar ist, ob sich die Besucher des Hallenbades künftig mit „Automatenfutter“ zufrieden geben müssen oder ob sie – etwas stilechter – kleine Knuspereien beim Coffee-Shop erwerben können. „Darüber“, so Esselmann, „wird noch diskutiert“. Und zwar durchaus kontrovers. Hagen von Massenbach, Fraktionschef der SPD, setzt auf den Coffee-Shop, der habe einfach „netteres Flair“. Kostet aber auch 35 000 Euro mehr als die Lösung mit der Automatengastronomie. Und das Geld ist der Knackpunkt. Genaue Zahlen zur Sanierung des Bades fehlen noch, erst im September liegen die auf dem Tisch der Politiker. Bei 3,9 Millionen Euro liegt die Schmerzgrenze der Stadt, teurer darf es nicht werden. „Das haben wir gedeckelt“, erklärt von Massenbach, der glaubt, dass alles im Rahmen bleiben wird. „Da lasse ich mich nicht bange machen.“
Ganz im Gegenteil. Der Vorsitzende des Hauptausschusses begrüßt die Planungen. „Das ist nicht überkandidelt, alles ist auf Oldesloer Niveau, kein Schickimicki“, und lobt damit die klare Linie, den Verzicht auf römische Badenixen. „Das passt zu uns.“ Er setzt sich für die geplante Blockhaussauna ein, die im Außenbereich entstehen könnte – mit einem Kostenaufwand von rund 100 000 Euro.
Bei der CDU herrscht noch Unklarheit darüber, ob ein Saunabereich entstehen soll oder nicht. „Wir sind noch nicht sicher, ob wir es machen“, erklärte Birgit Reichardt-Mewes. Auch wenn die Blockhaussauna eine relativ günstige Lösung wäre. „Wir wollen erst einmal sehen, wie hoch die Gesamtkosten sind.“ Entscheidungsfreudiger sind die CDU-Politiker in Fragen der Verköstigung der Hallenbadbesucher. Die „vernünftige Lösung ist die Automatengastronomie“, erklärt die Politikerin. In der Hallenbad-Gastronomie habe es immer wechselnde Pächter gegeben, mit mäßigem Erfolg. Reichardt-Mewes glaubt, dass es sich auch nicht ändern wird. „Das Bad wird nicht anders laufen als bisher.“ Und frische Pommes gibt es mittlerweile auch aus dem Automaten. Das Fazit der CDU zu den Planungen: „Sie sind durchdacht und klug, und sie sind funktional.“ FDP und Grüne sind ebenfalls von den Entwürfen angetan. Dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Wilfried Janson, ist es egal, ob es zur Einrichtung eines Coffee-Shops oder einer Automatengastronomie kommt. „Ich kann mit beiden Lösungen leben.“ Ihm ist das Energiemanagement viel wichtiger. „Bei der Technik sollte die höchste Energieeffizienzklasse eingebaut werden.“ Das rechne sich langfristig. Im April kommenden Jahres wird das Wasser im Bad abgelassen. Voraussichtlich am 25. Oktober können die Besucher wieder in die Fluten springen.
Neue Ära an der Stadtschule

Stormarner Tageblatt vom 26. August 2010
Vier Klassen im ersten gebunden Jahrgang eingeschult / Provisorische Mensa erst zum Jahresende fertig
Bad Oldesloe
An der Stadtschule hat gestern eine neue Ära begonnen. Die ersten knapp 100 Kinder für den gebunden Ganztagsbetrieb sind eingeschult worden. Und was bedeutet das? Schulleiterin Sabine Prinz bringt es auf eine ganz einfache Formel: „Die Kinder erwartet jeden Tag ein 7,5-Stunden-Programm.“ Der Tag besteht zum Teil aus den klassischen Fächern wie Rechnen, Heimat- und Sachkunde oder Sport. „Das ergänzen wir mit einem sportlichen und musischen Angebot“, so die Rektorin. Judo, psychomotorisches Turnen, Chorstunde mit Henning Münther, Kinder-Atelier mit Ella Klenner oder „Jedem Kind ein Instrument“ mit der Musikschule. Das ganze wird mit den bereits etablierten „freien Lernzeiten“ kombiniert. Mittwochs haben die Kinder die freie Wahl: Tennis, Soccer, Ballett, Zirkus-Artistik sind im Angebot.
Dabei geht es um mehr, als nur eine gesicherte Betreuung für die Kinder. „Konzentrierte Phasen müssen sich abwechseln mit lebendigem Tun oder Kreativität – nur so können die Kinder ihr volles Potenzial entfalten“, erklärt Pädagogin Prinz.
Doch das war gestern alles Nebensache. Erst mal hatten die neuen ABC-Schützen, die von ihren Eltern, Großeltern und Geschwistern auf den Schulhof der Stadtschule begleitet wurden, ihren großen Auftritt. Mit den neuen Schulranzen und gut gefüllten Schultüten überwog die Freude, endlich ein Schulkind zu sein. In manchen Gesichtern spiegelten sich aber auch Skepsis und ein bisschen Angst.
„Für euch werden wir uns ganz besonders anstrengen“, versprach Sabine Prinz bei ihrer Begrüßungsrede. „Ihr seid nämlich diejenigen, die damit beginnen, für Bad Oldesloe und Stormarn eine ganz neue Schulform einzuleiten. Darauf könnt ihr stolz sein“, so die Schulleiterin.
Die nächsten Schuljahre der Kinder werden von Bauarbeiten begleitet werden. Im November soll das Mensa-Provisorium in der ehemaligen Hausmeisterwohnung fertig sein. Die Ausschreibung des großen Schulumbaus ist in Vorbereitung.
A. Olbertz, S. Rohde
Einigkeit bei Badplanung

Stormarner Tageblatt vom 25. August 2010
Einstimmiges Votum des Hauptausschuss: Daumen hoch für Entwürfe zum Schwimmhallen-Umbau
Bad Oldesloe
Was haben die Kommunalpolitiker über die Hallenbad-Sanierung in der Vergangenheit gestritten. Aber jetzt scheint der Knoten geplatzt zu sein. Im Hauptausschuss wurden die aktuellen Pläne vorgestellt – sie treffen auf breite Zustimmung in allen Fraktionen.
Schon die Planungsphase musste europaweit ausgeschrieben werden. Unter zwölf Bewerbern wurde das Büro Rohling ausgewählt. Vergabekriterien waren das Honorar und die Qualität des Planungskonzepts.
Der erste Entwurf sieht vor, den Eingangsbereich nach unten zu verlegen – auf Parkplatz und Beckenniveau. Das macht das Schwimmbad zukünftig für Behinderte barrierefrei erreichbar. Der ehemalige Eingangsbereich und die Räume der bisherigen Gastronomie im Obergeschoss sollen zu „Trockensporträumen“ umgebaut werden. Links neben dem neuen Eingangsbereich soll ein Bewegungs- und Therapiebecken angebaut werden. Selbstverständlich werden auch die Umkleiden und Duschen saniert, Bodenbeläge und Fliesen werden erneuert sowie große Teile der Technik ausgetauscht.
Aus allen Fraktionen kommt Zustimmung. „Ich finde das gut. Das passt zu Oldesloe. Das ist nicht überkandidelt, sondern alles im Rahmen geblieben“, lobt Vorsitzender Hagen von Massenbach (SPD) die Pläne. CDU-Fraktions-Chef Horst Möller signalisiert ebenfalls Zustimmung: „Das hört sich alles sehr ordentlich an, das scheint mir eine realistische Lösung zu sein.“
Obwohl es noch ein frühes Planungsstadium sei, halte er die Pläne „für gelungen“, so Karl-Reinhold Wurch von der FDP. Ihn freut besonders, dass die Baukosten mit 3,9 Millionen Euro festgeschrieben sind. „Nach dem, was die vorgestellt haben, bin ich optimistisch, dass das eingehalten werden kann“, sagt er. Mit Nebenkosten und Gutachten schätzen die Stadtwerke die Gesamtkosten auf 5,21 Millionen Euro.
„Dadurch, dass eine Außensauna gebaut werden soll, entwickelt es sich positiv“, zollt Wilfried Janson, Faktionsvorsitzender der Grünen, den Entwürfen Respekt. Bislang hatte die Mehrheit Saunapläne aus Kostengründen abgelehnt. Die aktuellen Entwürfe sehen eine einfache Blockhaus-Sauna im Außenbereich vor. Mit den Mehrkosten von 100 000 Euro kommen alle Fraktionen klar. Sollte die Sauna ein Flop sein, kann sie im Gegensatz zu irgendwelchen Becken abgebaut und verkauft werden. Wird sie aber ein Renner, könnte sie auch noch günstig erweitert werden.
Einziger „Streitpunkt“ ist die Frage zukünftiger Bewirtung. Fest steht: Innerhalb des Bades wird es zukünftig nichts mehr geben. „Die Badegäste sollen nicht bei 28 Grad Raumtemperatur mit einem Eis durch die Halle laufen“, erklärt Stadtwerke-Chef Jürgen Fahl. Lediglich „Stiefelgäste“ können sich Getränke und kleine Snacks im Eingangsbereich aus Automaten ziehen oder in einem Coffee-Shop kaufen. Letzterer würde allerdings Mehrkosten von 35 000 Euro verursachen. Die Hauptausschussmitglieder konnten sich nicht zu einer Entscheidung durchringen. Automat oder doch kleine Bewirtung – die Frage wird in den Fraktionen diskutiert und dann „auf Zuruf“ entschieden.
Noch ist alles relativ unverbindlich, denn genau Kostenschätzungen liegen bislang nicht vor. Sie sollen Ende September auf den Tisch kommen. Dann wird sich zeigen, ob die Stadt sich den Umbau leisten kann. Wenn alles glatt geht, könnten die Arbeiten im nächsten Frühjahr beginnen. Jürgen Fahl verspricht: „Wir werden versuchen, die Schließzeit so kurz wie möglich zu halten.“ Es laufen bereits Gespräche, ob Schulen oder Vereine beispielsweise ins Bargteheider Bad ausweichen können.
Andreas Olbertz
2247 Kinder eingeschult
Stormarner Tageblatt vom 24. August 2010
Stormarn empfängt diese Woche seine Erstklässler
Bad Oldesloe
An den Stormarner Grundschulen werden in dieser Woche die neuen Erstklässler empfangen. In den letzten Jahren waren die Zahlen stetig zurückgegangen. 2430 Kinder waren es im Jahr 2008, nur noch 2171 im vergangenen Jahr. Die negative Entwicklung ließ die Gesamtzahl der Grundschüler auf aktuell 9175 sinken, der Trend ist aber schon wieder gebrochen. In diesen Tagen werden 2247 Mädchen und Jungen eingeschult, 76 mehr als 2009. Von möglichen Schließungen kleiner Schulen wie Hamberge und Grönwohld ist deshalb keine Rede mehr. „Zurzeit ist überhaupt keine Schule gefährdet“, sagt Schulrätin Katrin Thomas. Die Vorhersagen, dass die Zahlen immer weiter runtergehen, hat der Realität nicht standgehalten.
„Stormarn ist ein attraktiver Kreis und die Neubaugebiete werden anscheinend gut von jungen Familien angenommen“, erklärt sich Katrin Thomas den unerwarteten Anstieg bei den Erstklässlern. Der, wenn er sich fortsetzt, auch Auswirkungen auf die weiterführenden Schulen haben dürfte. Dort geht man bislang von weiter sinkenden Zahlen aus und will Engpässe mit Containern überbrücken. „Die Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Bargteheide, die Friedrich-Junge-Schule in Großhansdorf und das Schulzentrum Bad Oldesloe platzen aus allen Nähten. Die Schulträger wollen aber keine neuen Klassenräume bauen, weil sie in den nächsten Jahren von geringeren Zahlen ausgehen. Das ist aber nicht eindeutig. Bargteheide hat zum Beispiel wieder steigende Geburtenzahlen“, so Kathrin Thomas.
Der Wechsel auf die weiterführenden Schulen gestaltete sich trotz aller Befüchtungen, die es zur Einführung der Gemeinschaftsschulen gab, relativ problemlos. „An einigen Stellen war es schwierig, und es gab auch Widersprüche. Am Ende haben wir aber alles hinbekommen, auch wenn nicht jedes Kind auf seine Wunschschule gehen kann“, so Kathrin Thomas weiter.
Für die ehemaligen Gesamtschulen kein neues Problem: Sie hatten auch in der Vergangenheit wesentlich mehr Anmeldungen als Plätze. Nur Gymnasien und Regionalschulen – die es in Stormarn nicht gibt – müssen alle Kinder annehmen. Gemeinschaftsschulen dürfen Kinder ablehnen.
Noch: Im nächsten Jahr könnte es mit einer Änderung des Schulgesetzes anders werden. Nach dem Entwurf soll den Schulträgern freigestellt werden, Einzugsgebiete zu definieren. Mit der viel gepriesenen freien Schulwahl wäre es dann wieder vorbei. Anderseits hätten die Kinder aus dem Mitgliedsgemeinden der Verbände dann eindeutig Vorrang vor solchen aus anderen Gemeinden oder sogar Kreisen.
Rolf Blase
Lesermeinung
Stormarner Tageblatt vom 24. Januar 2010
Erfolg Steinfelder Redder?
Zu: „Oldesloes letztes Baugebiet“
(Ausgabe 20. August)
Ein Erfolg ist der Steinfelder Redder für den Investor SEG und die Baulobby. Glückwunsch den Bauherrn zum Grundstück im Grünen. Die Gegenrechnung: Verlust eines schützenswerten Teils des Oldesloer Grüngürtels. Hohe Kosten für die Oldesloer Bürgerinnen und Bürger. Eine Milchrechnung stellt an, wer nur die Einnahmen der Stadt sieht. Angefangen von den erheblichen Planungs- und Gutachterkosten über den Ausbau der B 75 und die Ausgleichskosten bis hin zu den geschätzten 600 000 Euro für die neue Brücke über die Eisenbahn zahlen wir alle mit. Weder diese Brücke noch die nötigen Container für mehr Schulkinder bezahlt der Investor. Die Bürgerinitiative musste ihre Niederlage hinnehmen. Dass Leute zum Steinfelder Redder ziehen würden, hat sie nie bezweifelt. Statt Jubelmeldungen sollte es aber eine ehrliche, vollständige Abrechnung geben, was die Stadt einnimmt und aufgrund der aktuellen Grundstückspreise noch einnehmen kann; ob die erhofften Einnahmen zu erzielen sind. In diese Kostenaufstellung gehören alle Ausgaben im Zusammenhang des neuen Baugebiets.
Klaus Klingner,
Bad Oldesloe
Nicht alles wird bis zum Schulbeginn fertig
Stormarner Tageblatt vom 20. August 2010
Theodor-Storm-Schule in Bad Oldesloe wird vier neue Container erst nach den Herbstferien beziehen
Bad Oldesloe
Knapp 2,85 Millionen Euro wurden während der Sommerferien und werden noch an den Oldesloer Schulen investiert. Größter Posten ist mit 1,451 Millionen Euro die Sanierung und Modernisierung von Haus 18 der Theodor-Storm-Schule, die sich noch bis Herbst hinziehen wird. Vorher wird es auch nichts mit den vier Containern, die wohl erst nach den Herbstferien bezogen werden können. „Wir hoffen, dass es vielleicht noch schneller geht“, sagt Bauamtsleiter Frank Duwe. Die Aufstellung am Sportplatz und der Anschluss ans Fernwärmenetz kosten rund 140 000 Euro. Weitere 259 000 Euro waren für die Heizungssanierung am Gymnasium fällig. Sparen konnte man bei den alten Containern der TMS. Zwei sollten getauscht werden, nach einer Begutachtung entschied das Bauamt aber, dass sie noch einmal saniert werden können.
Die Container für die TSS sind als Provisorium für vier Jahre gedacht. Die Miete beträgt 11 000 Euro je Container und Jahr. 10 000 Euro waren für die Renovierung von Klassenräumen im Gymnasium angesetzt. An der IGS, der Klaus-Groth- und der Grundschule West III mussten ebenfalls Klassen-, zum Teil auch Sanitärräume renoviert werden, was sich auf knapp 25 000 Euro summierte. Bodenbeläge, Treppengeländer und Einbauschränke wurden an der Stadtschule erneuert sowie sechs Klassen gestrichen. Kosten: rund 20 000 Euro.
Neue Klassenräume entstehen an der IGS, die jetzt Gemeinschaftsschule ist. Die Fertigstellung des Anbaus, der Platz für vier Klassen bietet, zieht sich allerdings bis in den Winter hin. Die Kosten betragen 720 000 Euro. Weitere 14 000 Euro mussten an der IGS für Brandschutz ausgegeben werden.
Noch gar nicht begonnen wurde mit dem Umbau der Hausmeisterwohnung an der Stadtschule, die zu einer provisorischen Mensa werden soll. „Die Anträge sind gestellt, der Planer ist dran“, sagt Frank Duwe. Er rechnet mit einer Fertigstellung im November, was den Aussagen beim Beschluss im Juli entspricht. Die Kosten liegen bei geschätzten 196 000 Euro. Duwe: „Das Teure ist nicht der Umbau, sondern die Technik für die Mensa.“
Rolf Blase
Der Autohof Oldesloe kommt nicht
Stormarner Tageblatt vom 7. August 2010
Zweifel an der Seriosität der Investoren
Bad Oldesloe
Der geplante Autohof im Gewerbegebiet an der B undestraße 208 wird nicht gebaut. Im Frühjahr hatten sich Investoren bei der Stadt und der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS) gemeldet, die gegenüber von Max Bahr auf bis zu zehn Hektar Tankstelle, Restauration, bewachte Wohnmobilplätze, Reifen- und Reparaturservice, ein Touristen- und Regionalschaufenster, Waschmöglichkeiten für die Trucker und ein Motel bauen wollte.
Im gegenüberliegenden Oldelsoer Stadtteil Rethwischfeld stießen die Pläne auf wenig Gegenliebe. Vorteile sah niemand bei einem Treffen, zu dem Hagen von Massenbach (SPD) geladen hatte. Umso größer waren die Befürchtungen vor weiterer Verkehrsbelastung, Lärm und Kriminalität. Es waren aber nicht nur die Sorgen der Rethwischfelder, sondern vor allem Zweifel an der Seriösität der Investoren, die WAS-Chef Norbert Leinius bewogen, das Projekt sterben zu lassen. Das grundsätzliche Problem, dass es in der Region zu wenige Parkplätze gibt, auf denen Brummifahrer ihre Ruhezeiten einhalten können, besteht weiterhin. Ein in Reinfeld geplanter Autohof kam nicht zu Stande, nachdem der Interessent Aral an BP verkauft worden war.
Neben den Oldesloer Plänen gab es auch immer wieder Überlegungen für das Kreuz Bargteheide/Hammoor. „Das ist sicher der bessere Standort“, räumt WAS-Chef Norbert Leinius ein, der an einen Standort auf der vom Dorf abgewandten Seite der Autobahn denkt.
Rolf Blase
Kämpfen für das „Vorzeigeobjekt“


Stormarner Tageblatt vom 28. Juli 2010
Investor Markus Stolte will sich nicht mit zweigeschossiger Bauweise im Innenbereich König-/Salinenstraße zufrieden geben
Bad Oldesloe
Markus Stolte ist geknickt. Der Diplom Ingenieur möchte den Innenbereich zwischen König- und Salinenstraße bebauen. Darüber wird schon lange im Bauausschuss diskutiert, aber die bisherige Beschlusslage macht den Investor nicht froh. Momentan sieht es danach aus, als ob der zu erstellende Bauplan eine maximal zweigeschossige Bauweise zulassen wird (wir berichteten).
Ursprünglich hatte der Investor in dem Areal eine dreigeschossige Bebauung plus ein Staffelgeschoss vorgesehen. Dafür gibt es aber absolut keine Mehrheit. Stolte sieht ein, dass das wohl etwas hoch gegriffen war und ist zu einem Kompromiss bereit. Er reibt sich frustiert-nachdenklich durch den Drei-Tage-Bart: „Wenn es bei der Beschlusslage bleibt, muss ich den Markt noch mal analysieren, aber ich glaube nicht, dass sich das wirtschaftlich darstellen lässt.“ Die angestrebte Barrierefreiheit lasse sich nur mit einem Fahrstuhl realisieren, für lediglich eine Etage mache der aber keinen Sinn. Auch eine Tiefgarage sei dann wirtschaftlicher Unsinn. Aber grade über Fahrstuhl und Tiefgarage würden Käuferschichten angesprochen, die ihr Einfamilienhaus aufgeben wollen, um dichter in die Stadt zu ziehen. Das reduziere den CO2 Ausstoß. Die zweigeschossige Bauweise sei auch aus energetischer Sicht nicht sinnvoll, weil das Verhältnis von Außenwand und Isolierung zu hoch sei. Heizung mit Biogas oder ein kleines Blockheizkraftwerke sei bei zu kleinteiliger Planung nicht sinnvoll.
„Ich möchte, dass das hier ein Pilotprojekt wird, ein Vorzeigeobjekt“, sagt Markus Stolte: „Und ich dachte, dass auch die Politiker wollen, dass Oldesloe eine attraktive Stadt wird.“
Doch was attraktiv ist, darüber gehen die Meinungen in der Politik weit auseinander. Grade die SPD hatte sich seinerzeit ausdrücklich gegen die hohe Wachstumsprognose im Wohnungsmarktkonzept ausgesprochen. FDP und CDU waren vehement dafür, die Christdemokraten sind es auch immer noch, plädieren für dreigeschossige Bauweise. Aber die Liberalen sehen das ausgerechnet in dem Bereich kritisch, stimmen dagegen, denn dort haben der Fraktionsvorsitzende und seine Familie einige Grundstücke.
Im Gespräch merkt man Markus Stolte seinen Frust deutlich an: „Ein Bebauungsplan regelt doch kein Muss. Er stellt Möglichkeiten dar. Keiner muss dreigeschossig bauen, wenn er nicht will.“ Oldesloe sei eine Stadt und bedürfe auch einer städtischen Bebauung. „Auf den Grundstücken nur zweigeschossig zu bauen wäre unwürdig. Das hätte doch nur Hinterhof-Charakter“, ist Planer Stolte überzeugt.
Ihm schweben vielmehr elegante Mehrfamilienhäuser im gehobenen Standard vor. Kleine zwei- bis drei-Zimmerwohnungen mit jeweils 60 bis 80 Quadratmetern. Ausgehend vom Grundstück Königstraße 21 soll der Innenbereich erschlossen werden. Ein „Piazza“ genannter Wendehammer soll es Müll und Rettungsfahrzeugen ermöglichen, in das Gebiet hinein und wieder heraus zu kommen. Es bestünde auch die Möglichkeit der Anbindung an den Parkplatz der Stadtschule – dieser Variante haben alle Fraktionen eine entschiedene Absage erteilt. „Wir reden hier von schätzungsweise 40 Wohnungen. Das ist doch nicht der Rede wert“, findet Stolte. Manche Beschlüsse seien bei den Anwohnern zwar nicht populär, aber die Politik müsse die Allgemeinheit und die Zukunft der Stadt im Blick haben.
In seinen Unterlagen hat er Fotos vom Innenbereich, auch mit einem Altbau, der dort steht. „Soll das etwa die Zukunft sein“, fragt der Ingenieur spöttisch: „Dieses Haus produziert mehr CO2 als einer der Blocks mit sechs Wohnungen.“
Rund eine Million Euro hat er mit seiner Gesellschaft bereits in die Planungen und vor allem den Ankauf von Grundstücken investiert. Bis zum Endausbau könnte das Projekt ein Volumen von fünf bis sechs Millionen Euro haben. Die Hoffnung, zumindest dreigeschossige Bauweise genehmigt zu bekommen, hat er noch nicht aufgegeben. Der Hamburger will versuchen, mit den Fraktionen ins Gespräch zu kommen. Er hat sich ein Zitat der Bauausschuss-Vorsitzenden Maria Herrmann zum Motto gemacht: „Manche Ideen brauchen Zeit und Niederlagen mobilisieren neue Kräfte.“
Andreas Olbertz
Hupkonzert bei rotem Licht

- Foto: Psk
Stormarner Tageblatt vom 23. Juli 2010
Die Grünphasen einiger Ampeln in der Kreisstadt sind zu kurz / Vor allem Senioren davon betroffen
Bad Oldesloe
Verkehrsampeln sind praktische Erfindungen: Sie sollen der sicheren Steuerung des Straßenverkehrs dienen und allen Verkehrsteilnehmern über ihre Lichtsignale ein bestimmtes Verhalten vorgeben. Doch in manchen Fällen sorgen die rot-gelb-grün leuchtenden Kästen auch für Verdruss. Nicht umsonst schießen immer mehr Kreisverkehre aus dem Boden, nicht grundlos wird die Bedeutung der verschiedenen Lichtphasen in Großstädten wie etwa New York einfach ignoriert.
Auch Bad Oldesloe verfügt über mehrere kritische Ampelkreuzungen, die nicht selten für Unmut sorgen – bei Jung wie Alt. So etwa die Fußgängerüberquerung am Konrad-Adenauer-Ring/Pferdemarkt. Über den Tag verteilte Zeitmessungen der Fußgänger-Grünphasen haben ergeben, dass in rund zwei Dritteln der Fälle das grüne Licht der hinteren Ampel 10 Sekunden leuchtet, vereinzelt – und scheinbar zufällig – gibt es auch längere Phasen von 15 bis 20 Sekunden. Das Problem: Betritt man zu Beginn der kurzen 10-Sekunden-Grünphase die Fahrbahn von der Seite der Senioren–Pflegeeinrichtung „Travedomizil“, so hat man auch bei zügiger Schrittfrequenz kaum eine Chance, die gegenüberliegende Straßenseite vor Aufleuchten des roten Signals zu überqueren.
Ein ähnlich gelagerter Fall ist im Bereich Sülzberg/Bangertstraße anzutreffen: Auch dort reicht die Grünphase nicht für eine komplette Straßenüberquerung aus. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Senioreneinrichtung „Haus am Kurpark“, wie beim „Travedomizil“ sind also auch hier häufig gehschwache Personen betroffen.
Anfang des Jahres 2007 hatte sich deshalb bereits der Seniorenbeirat der Stadt für eine Änderung der Ampelschaltung eingesetzt: „Wir haben das Problem mehrfach in unseren Sitzungen thematisiert und uns dann an den Bürgermeister gewandt“, sagt Hannelore Diercks, die Vorsitzende des Seniorenbeirats. Doch Tassilo von Bary teilte im Februar 2007 mit: „Nach Prüfung durch meine Fachabteilung beträgt die Zeit für die Überquerung der Lichtsignalanlage durch Fußgänger während der Grünphase genau 10 Sekunden. (...) Nach Ende der Fußgängergrünphase erfolgt noch eine sogenannte Räumzeit. Diese beträgt hier 15 Sekunden. “
Eine dementsprechende Verkehrsregelung lässt sich auch in der RiLSA (Richtlinie für Signallichtanlagen) nachlesen: Der Rotbeginn bedeutet nicht, dass sich keine Fußgänger mehr auf der Fahrbahn befinden dürfen, sondern zeigt den Anfang der „Räumzeit“ an. Diese soll sicherstellen, dass die Fußgänger den gesamten Bereich mit einer Geschwindigkeit zwischen 1 und 1,5 m/s überschreiten können. „Das ist ja schön und gut“, sagt Diercks, „doch die Senioren werden durch das Rotlicht unter Druck gesetzt, manche kriegen einen richtigen Schreck.“
Am Konrad-Adenauer-Ring kommen als weitere Faktoren die Rechtsabbieger aus der Segeberger Straße hinzu. Sie haben parallel zu den Fußgängern „Grün“. Da die Fußgängerampel aber bereits nach kürzester Zeit aus Sicht der Autofahrer wieder „Rot“ anzeigt – und die meisten sich der Räumzeit wohl nicht bewusst sind, pochen die Abbieger nicht selten auf ihr vermeintliches Vorfahrtsrecht, fahren rasant und in manchen Fällen sogar die „störenden“ Passanten anhupend in den Ring ein.
„Es hupt eigentlich den ganzen Tag“, bestätigt Katrin Dähn, Pflegedienstleiterin im „Travedomizil“, deren Arbeitsplatz direkt an der Kreuzung liegt. Viele ihrer Einrichtungs-Bewohner sind nicht mehr gut zu Fuß, teilweise schaffen sie es während der Grünphase noch nicht einmal bis auf die Mittelinsel. „Dort kann man ja aber die nächste Grünphase abwarten“, sagt Bürgermeister Tassilo von Bary, für den auch diese Ampelsituation kein Problem darstellt. Der Adenauer-Ring ist allerdings eine stark befahrende Durchgangsstraße und ein mehrminütiges Verweilen in der schmalen Mitte alles andere als lauschig. Von Bary: „Die Lichtsignale des gesamten Rings sind getaktet. Verändert man an einer Phase etwas, müssen alle anderen Ampeln ebenfalls umgestellt werden.“ Jeanette-S. Faasch, Geschäftsführerin des „Travedomizils“: „Die meisten Ampelschaltungen sind einfach zu kurz für Senioren. Neulich saß ich in Bargteheide und konnte beobachten, dass eine Dame mit Rollator nicht einmal bis zur Mitte der Straße kam.“ Jemandem wie ihr helfe auch keine Räumzeit auf dem Papier.
Sara Peschke
Viel Polit-Wind um die kleinen Leute

Stormarner Tageblatt vom 17. Juli 2010
Stormini Extrablatt der Kinderstadt
Eingemischt: Der Geschäftsführer des Kreisjugendrings, Uwe Sommer, ist ein wahrer Strippenzieher. Immer wieder wird er während Stormini auf das heiße Wetter angesprochen. Als dann mal eine Böe über das Gelände weht, verkündet er stolz: „Das mit dem Wind habe ich doch schon mal ganz gut hinbekommen. An der Temperatur arbeite ich noch.“
Aufmarschiert: Mein Gott, was für ein Jahrmarkt der Eitelkeiten. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Franz Thönnes konnte nicht zum VIP-Tag kommen, weil er da mit Kanzlerin Merkel auf wichtiger Mission in Moskau und Peking unterwegs ist. Aber die Kinderstadt wollte er sich nicht entgehen lassen. Deshalb kam er bereits am Montag. Dagegen ist ja im Prinzip nichts einzuwenden, wenn sein Büro nicht schon im Vorwege Pressemitteilungen verschickt und aus der Stippvisite ein großes Medienereignis gemacht hätte. Das hat bei Stormini natürlich allerlei Frotzeleien ausgelöst.
Die Protest-Pressemitteilung der Oldesloer CDU ließ jedenfalls nicht lange auf sich warten. Inhaltlich hat Rainer Fehrmann natürlich recht, aber muss man das anprangern und sich damit als Kleingeist outen? Zumal er tags drauf auch seinen Soloauftritt hatte - er hat ohne Presse mit den Parlamentariern gearbeitet.
Und dann der große VIP-Tag. Kaum war der vorbei hatte der Landtagsabgeordnete Martin Habersaat schon eine Pressemitteilung im Netz, wie toll die SPD-Politiker das alle fanden. Dass er in seiner Aufzählung die stellvertretende Oldesloer Fraktionsvorsitzende vergessen hat, müssen die beiden unter sich ausmachen. Dass auch Linke, Grüne und CDU angetan waren, verschweigt er komplett. Dazu ein Foto von Habersaat und Ahrensburgs Verwaltungs-Chef Michael Sarrach mit Stormini-Bürgermeister Lennart. Der hat auf dem Bild zwar die Augen zu, aber die VIPs kommen gut rüber. Da sieht man, wo die Prioritäten liegen. Wer sie vermisst haben sollte, auch die FDP war dabei. Allerdings nicht unter den Gästen. Thomas Bellizzi machte die Woche über den Stadt-DJ und Event-Manager.
Ausgebüxt: Auch Ahrensburgs neuer Bürgermeister Michael Sarrach gehörte zu den Gästen beim VIP-Tag. Beim ersten Stormini vor zwei Jahren in der Schloss-Stadt war er noch nicht in Amt und Würden.
Kaum war seine Gruppe zur Besichtigung gestartet, irrte er auch schon orientierungslos übers Gelände. „Ich habe den Anschluss verloren, weil ich in ein Gespräch verwickelt worden war“, erklärte er das Missgeschick. „Aber keine Sorge, ich finde schon alleine nach Hause“, stellte er vorsichtshalber klar. Na, dann wird ja alles gut. Guck mal einer an: Zielsicher hat er dann vor dem Abschied noch die Cocktailbar gefunden. Damit kein falscher Eindruck erweckt wird, die Drinks waren schön kühl, fruchtig und lecker, aber selbstverständlich absolut alkoholfrei. Wer auf seine Stormis aufgepasst hatte, konnte sich also bedenkenlos einen zweiten oder dritten genehmigen.
Vorhergesagt: Musiker Christian von Richthofen hat den Storminianern ordentlich zur Eröffnung eingeheizt. Zusammen mit Kindern und ihren Teamern wurde der Stormini-Song gehüpft, geklappert und getrommelt. Drumsticks, leere Selterflaschen und Löffel kamen zum Einsatz. Im anschließenden Interview erklärte der Vollbluttrommler, dass es ihm eigentlich egal sei, wer Weltmeister werde, „Aber eigentlich wäre es unpassend, wenn der Europameister auch Weltmeister wird.“ Damit hatte er genau die Stimmung in der Stormarnhalle getroffen. Die Realität sah dann aber doch etweas anders aus.
Aufgegessen: Da haben wir doch was dazugelernt: „Nein“, erklärte Ansgar vom Kernteam in der Stadtstunde entschieden, „es hat nicht zu wenig Essen gegeben. Es war einfach zu lecker.“ In der Konsequenz bleibt es sich natürlich gleich. Die großen Warmhalteboxen mit Nudeln und Tomatensoße waren leer, bevor alle was auf dem Teller hatten. Da musste also etwas nachgekocht werden.
Spendabel: Da sage noch mal einer, die Jugend würde ihr Geld nur für unnützes Zeug verschwenden. Binnen weniger Tage haben die Storminianer deutlich mehr als 1 000 hart verdiente Stormis gespendet. Um das mal in Relation zu setzen: Die Kinder mussten für zwei Stormis eine Stunde arbeiten, 200 Kinder waren in der Stadt. Ergo hat jeder zweieinhalb Stunden für die gute Sache gearbeitet!
Die Stormis werden jetzt in Euro umgetauscht und an Unicef gespendet. Mit überwältigender Mehrheit hatte sich die Stadtstunde dafür ausgesprochen, drei „Schulklassen in der Kiste“ von dem Geld zu kaufen.
Wenn jeder Stormarner auch so denken und handeln würde ... was könnte damit alles erreicht werden.
Andreas
Stadtverkehr: Bad Oldesloe will den Kreis verklagen
Lübecker Nachrichten vom 11. Juli 2010
Bad Oldesloe – Die Bad Oldesloer Politiker wollen nicht mehr. Ihr wiederholter Versuch, den Stadtverkehr in die Trägerschaft des Kreises zu überführen, ist bisher immer gescheitert. Bei weiterer Ablehnung des Kreises wollen sie nun den Klageweg beschreiten. Dies beschlossen die Stadtverordneten bei ihrer jüngsten Sitzung.
Es geht um Einsparungen von 160 000 Euro, die die Stadtwerke – sie organisieren über die Autokraft für die Stadt den Verkehr – jährlich erzielen würden, wenn sie die Linien 8101 bis 8104 und das Anrufsammeltaxi auf den Kreis übertragen könnte. Das würde den städtischen Haushalt verbessern. Gleichzeitig wollen die Politiker, dass das bisherige Angebot bestehen bleibt. Sie fordert aber auch ein Mitspracherecht bezüglich Planung und Organisation des Stadtverkehrs und würde die finanziellen Auswirkungen, die bei einer Verbesserung der Angebotsqualität entstehen, tragen.
Letztlich geht es um „den Gleichheitsgrundsatz“, wie Oldesloes Bürgermeister Tassilo von Bary (parteilos) erklärt. In anderen Städten, wie beispielsweise Ahrensburg, sei der Kreis ja Träger. „Wieso wird Bad Oldesloe anders behandelt, als andere Städte im Kreis?“, fragt er sich und fügt hinzu: „Die Stadt wird außergewöhnlich belastet“. Die Chancen, vor Gericht zu gewinnen, beziffert der Bürgermeister mit 60:40 für Bad Oldesloe. Gleichwohl werde Bad Oldesloe den Stadtverkehr neu ausschreiben. Denn am 31. Juli 2011 endet der Vertrag mit der Autokraft. Es wird eine Verlängerung mindestens bis Dezember 2011 angestrebt, damit es trotz Klageweg zu keiner Unterbrechung kommt.
Sigrid Kuhlwein (SPD), Vorsitzende des Kreis-Verkehrsausschusses, sieht der Klage gelassen entgegen. „Dann sollen sie das, sollen sie sich einen Anwalt suchen, der das durchbringt.“ Allein an den Erfolg für die Stadt glaubt sie nicht. „Das läuft immer wieder“, blickt die Politikerin auf die vergangenen Jahre und die Vorstöße der Stadt zurück. Dabei habe 1996, so ihre Erinnerung, der damalige Bad Oldesloer Bürgermeister Gerhard Achterberg gesagt: „Das machen wir selbst“. Sein Argument sei gewesen: „Das ist für uns günstiger“.
Vergleiche mit anderen Kommunen, wie beispielsweise Ahrensburg, lässt Kuhlwein nicht gelten. Der Fall sei anders gelagert, weil Ahrensburg schon immer an den HVV-Bereich angeschlossen gewesen sei und anteilig durch Landesmittel finanziert würde. „Da kann man nicht von Gleichbehandlung sprechen, das haben wir auch mehrfach deutlich gemacht“, betont die Sozialdemokratin. Und fügt hinzu: „Wir stärken unserer Verwaltung den Rücken.“ Bereits im März dieses Jahres beschloss der Kreis-Verkehrsausschuss, die Kreisverwaltung in ihrem „juristischen Standpunkt bis hin zur Klageerwiderung zu unterstützen“. Eine zusätzliche freiwillige Aufgabe werde nicht übernommen.
Von K. Kuhlmann-Schultz
Stormarner Wochenschau
Stormarner Tageblatt vom 10. Juli 2010
Das große Fressen ...
ABGEWATSCHT Das nennt man eine satte Klatsche: Da beauftragt der Hauptausschuss extra den Umweltausschuss, eine Stellungnahme bezüglich des Konflikts zwischen offenem Atelier und FFH-Gebiet am zukünftigen KuB abzugeben. Und jetzt kassiert der Hauptausschuss die ablehnende Empfehlung kurzerhand. Ohne Diskussion, einfach so. Juristisch ist daran nichts auszusetzen, es spricht nur Bände, welchen Stellenwert Umweltfragen genießen. Mit Michael Klahn steht ein Liberaler an der Spitze des Umweltausschusses. Und wessen Stimme hat im Hauptausschuss den Ausschlag gegeben? Die von FDP-Mann Wurch. Irgendwie passt das nicht zusammen. Im Bauausschuss wiederum hat Frank Fiedler (FDP) sein Öko-Herz entdeckt und damit gegen die rückwärtige Bebauung an der Salinenstraße argumentiert. Eisvögel und Fledermäuse über der Trave wiegen eben anders als wertvolles Getier in FDP-Gärten.
ABGEZOCKT Irgendwann wird es absurd. 1696 Euro kostet ein Ganztags Krippenplatz in Großhansdorf. Und in die Berechnung der Betriebskosten und Abschreibungen sind die gezahlten Zuschüsse für den Bau der Kita noch nicht mal eingeflossen, so dass die „echten“ Kosten vermutlich eher bei 2000 Euro pro Platz/Monat liegen. Die Eltern sollten maximal 636 Euro im Monat zahlen,wie es im Entwurf hieß (siehe S.17). Nicht gerade ein Pappenstiel, aber weit von den Vollkosten entfernt. Ohne stattliche Zuschüsse aus Steuermitteln könnten sich nur Höchstverdiener die staatlich organisierte Betreuung von Kindern unter drei leisten. Für 2000 Euro würden die aber auch andere Möglichkeiten finden.
ABGEKNABBERT Dass man im Bargteheider „Utspann“ gut essen kann, hat sich rumgesprochen, sogar bis in die „Unterwelt“. Während sich die Restaurantgäste im Erdgeschoss die kulinarischen Köstlichkeiten munden lassen, genießen gefräßige Insekten eine Etage höher das, was ihnen in rauhen Mengen serviert wird: das „Holzmenü à la Gebälk“. Nun sind normale Ameisen nicht gerade wählerisch, allerdings gehört Holz nicht zu den Lieblingsspeisen der „Formica rubra“. Aber in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise müssen halt auch Ameisen sehen, wie sie über die Runden kommen. Da ist das älteste Gebäude Bargteheides ein gefundenes Fressen. Als Nachspeise werden nun die Schäden an Holzbalken und Co. aufgetischt, die mächtig ins Geld gehen und im Zuge der Sanierung bereinigt werden müssen. Die Stadt ist bedient! Allerdings haben die Ameisen die Rechnung ohne die Verwaltung gemacht. Ihr Bärenhunger hat sie, dank Kammerjäger-Mission, endgültig unter die Erde gebracht. Gottlob waren es nur Ameisen und keine eingeschleusten Termiten ...
ABGESETZT „Wer macht denn die Arbeit des Fachbereichsleiters, wenn das Umweltamt aufgeteilt wird?“ Diese Frage wurde im Umweltausschuss gestellt, und es war klar, dass die Antwort nicht lauten konnte: „Der Amtsleiter ist überflüssig.“ Landrat Klaus Plöger drückte es anders aus: „Jeder ist ersetzbar, wenn man es anders organisieren kann.“ Der Fachbereich habe in der Vergangenheit viel mit Themen zu tun gehabt, die mittlerweile keine mehr sind – wie die Abfallwirtschaft. Und dass es zwischen Bauen und Umwelt viele Überschneidungen gibt und bei Vorhaben oft Vertreter beider Ämter kommen, bestätigte nicht nur Tremsbüttels Bürgermeisterin Erika Mosel. Dass zwei Leute ausrücken, so Plöger, könne auch in Zukunft sein. Man habe immerhin schon erreicht, dass sie keine sich widersprechenden Stellungnahmen mehr rausschicken. Das ist ja auch was.
Rolf Blase
Andreas Olbertz
Volker Stolten
Endlich beschlossen

- Kreiselternvertreter Carsten Stock bei der Demo auf dem Markt.
Stormarner Tageblatt vom 9. Juli 2010
Die ehemalige Hausmeisterwohnung wird zur Mensa umgebaut
Bad Oldesloe
Tja, da hatte Bauamts-Chef Frank Duwe mit seiner Schätzung wohl ziemlich daneben gelegen. Von wegen der Umbau der Hausmeisterwohnung zur Übergangsmensa an der Stadtschule für 60 000 Euro. Die jüngsten Berechnungen gehen von knapp 200 000 Euro aus. Und das ganze wird auch nicht zackig über die Bühne gehen, sondern geschlagene dreieinhalb Monate dauern – in anderthalb Monaten soll der Gebundene Ganztagsbetrieb aufgenommen werden.
Der Sozialausschuss hatte das Thema Mensa-Provisorium an den Bauausschuss delegiert. Dessen Mitglieder hatten einmütig für die Hausmeisterwohnung gestimmt. Da hieß es aber noch, die Schätzung des Architekten sei inakzeptabel, 60 000 Euro würden reichen. Zum Finanzausschuss lagen keine konkreteren Zahlen vor, der hat sich also nicht weiter damit befasst.
Während auf dem Marktplatz aufgebrachte Lehrer, Eltern und Kinder demonstrierten, wurde im Stadthaus vermutlich noch an der Vorlage gefeilt. Sie wurde erst kurz vor der Sitzung der Stadtverordneten fertig. Carsten Stock vom Kreiselternverband war das Sprachrohr der Eltern. Sowohl bei der Demo als auch abends bei der Sitzung forderte er: „Wir brauchen keine Notlösung, sondern eine angemessene Übergangslösung für unsere Kinder.“ Er übergab Bürgerworthalter Rainer Fehrmann einen Packen mit gut 300 Unterschriften. Die Eltern plädierten für die Containerlösung, weil diese nur unwesentlich teurer sei, aber schneller realisierbar.
Die SPD sprang auf diesen Zug auf und beantragte eine abgespeckte Containerplanung. Nachdem aber Bürgermeister Tassilo von Bary nicht garantieren konnte, dass das Blech-Provisorium auch pünktlich zum Schuljahresbeginn stehen werde, fand diese Variante keine weiteren Unterstützer mehr.
Der relativ hohe Preis für den Wohnungs-Umbau erklärt sich damit, dass nicht allein die Wohnung, sondern auch eine Garage und Nebenräume zur Mensa werden, sodass am Ende knapp 200 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Ein Teil der Arbeiten soll so ausgeführt werden, dass das Provisorium leicht zu anderen, später benötigten Räumen umgewandelt werden kann. An reinen „Mensa-Kosten“ sollen deshalb lediglich 40 000 Euro anfallen. Am Ende wurde einstimmig für diese Variante gestimmt. Andreas Olbertz
Politiker beschließen Mensa-Lösung für die Stadtschule
Lübecker Nachrichten vom 9. Juli 2010
Bad Oldesloe – „Kinder haben ein Recht darauf, ungestört ihren Weg zu gehen“, formulierte Carsten Stock, Elternvertreter der Stadtschule, gegenüber den Bad Oldesloer Stadtverordneten. Und unterstrich noch einmal die Forderung der Eltern, für die Kinder eine Übergangsmensa in Containern zu errichten. Er übergab an Bürgerworthalter Rainer Fehrmann (CDU) eine Unterschriftenliste, die den Willen der Eltern noch einmal deutlich machte.
Zum Schuljahr 2010/2011 zieht in die Stadtschule der erste Jahrgang der Gebundenen Ganztagsschule ein. Diese 98 Kinder müssen mittags versorgt werden. Seit Wochen wird diskutiert, eine Lösung muss schnell her, damit es nach den Ferien losgehen kann. Containerlösung – daran hätte die SPD gerne festhalten – oder Umbau der Hausmeisterwohnung, für die Eltern ist das keine Frage. Die Kinder sollten nicht in „eine kleine Wohnung gezwängt werden“, so Stock. Sie bräuchten einen Wohlfühlbereich. „Wir hoffen auf eine fraktionsübergreifende Lösung, gehen Sie in sich und denken sie an die Kinder“, appellierte der Elternvertreter an die Politiker.
Die hatten im Vorwege reiflich überlegt. Herausgekommen ist dabei jetzt der Umbau der ehemaligen Hausmeisterwohnung samt Garage und Nebenräumen. 194 Quadratmeter Fläche, so Bürgermeister Tassilo von Bary (parteilos), davon können 107 Quadratmeter als Essenraum genutzt werden. Gegessen werden kann im Dreischicht-Betrieb. Kostenpunkt 196 000 Euro, eine Zahl, die erst am Mittwochnachmittag feststand. Davon sind 47 000 Euro Anschaffungskosten für die Ausstattung. Kein verlorenes Geld, denn die Ausstattungsgegenstände „können in der endgültigen Mensa wieder verwendet werden“, rechnete von Bary vor. Weiterer Vorteil beim Umbau der Hausmeisterwohnung: „Diese Räume können für das Raumprogramm der Ganztagsschule genutzt werden“, wenn das Provisorium beendet ist. Das sei eine nachhaltige Investition und kein Provisorium.
„So geht man vernünftig mit Geldern um“, betonte auch die Vorsitzende des Bildungs-, Schul- und Kulturausschusses der Stadt, Angela Fehrmann (CDU).
Allerdings: Eine Garantie gibt es nicht dafür, dass der Mensabetrieb sofort nach den Sommerferien aufgenommen werden kann. Die gebe es aber auch nicht mit einer Containerlösung, erklärte von Bary. „Das darf doch nicht wahr sein“, kommentierte eine Zuhörerin, und Maria Herrmann (SPD) wollte wissen: „Wo essen die Kinder denn dann?“ Sabine Prinz, Schulleiterin der Stadtschule, prüft derzeit Alternativen. „Wir haben Erfahrungen mit Provisorien“, erklärte sie.
Von K. Kuhlmann-Schultz
Leerer Fördertopf: Der Krippenbau stockt

- Bad Oldesloes bisher einzige Krippe mit zwei Gruppen à zehn Kinderngibt es in der Kita Masurenweg. Hier Kinder aus der blauen Gruppe mit den Erzieherinnen Julia Humpke (li.) und Claudia Junk. Foto: SUSANNA FOFANA
Lübecker Nachrichten vom 8. Juli 2010
Bad Oldesloe – Ist der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz in Gefahr? Der Fördertopf im Kreis Stormarn ist leer. Kommt kein Nachschub, sind die Städte und Gemeinden gefordert, auf eigene Kosten die Plätze für unter Dreijährige zu schaffen. Sonst droht 2013 eine Klagewelle der Eltern.
Bad Oldesloe plant munter den Bau von Krippenplätzen – doch der Fördertopf beim Kreis Stormarn für dieses Jahr ist längst leer. Nun können vorerst nicht einmal die beiden Krippengruppen in der Kindertagesstätte Ehmkenberg gebaut werden, die eigentlich noch im Laufe dieses Jahres fertig werden sollten.
„Die Bundes-Investitionsmittel U 3 sind ausgeschöpft“, bestätigt Wilhelm Hegermann, Leiter des Amtes Jugend, Schule und Kultur beim Kreis. Darüber habe er die Stormarner Städte, Ämter und Gemeinden am 30. März informiert. Insgesamt standen für das „Tag“ (Tagesbetreuungsausbaugesetz) in Stormarn 5,6 Millionen Euro zur Verfügung. Davon sind kreisweit etwas über 670 Plätze entstanden oder noch im Bau.
Niemand weiß, ob vom Bund noch weitere Zuschüsse kommen werden. Dabei naht bereits der Zeitpunkt für den Rechtsanspruch der Familien auf einen Krippenplatz: der 1. August 2013. Angestrebt wird bundesweit ein Versorgungsgrad von 35 Prozent. Doch Fachleute gehen eher von einem Bedarf von 60 Prozent aus. Gibt es nicht genug Plätze, können die Eltern klagen.
Bad Oldesloe hat zwar rund 600 Kinder unter drei Jahren – jedoch bisher erst eine einzige Krippe. Die zwei Gruppen am Masurenweg werden von 20 Jungen und Mädchen unter drei Jahren besucht. Für den Ausbau hatte die Kirche 60 000 Euro aus dem Fördertopf erhalten. Die neuen Gruppen am Moordamm (25 Plätze, Zuschuss 15 500 pro Krippen-Neubau-Platz) ab diesem Sommer waren bereits belegt, noch bevor mit dem Bau überhaupt begonnen wurde.
Durch den Neubau am Moordamm merkt Nicole Kanapin, Kita-Leiterin am Masurenweg, bereits eine Entlastung ihrer Warteliste. Bisher werden ohnehin nur Kinder aufgenommen, deren Eltern arbeiten. Kanapin geht davon aus, dass es in drei Jahren richtig eng wird. Im Kindergartenbereich habe es auch den großen Run auf die Plätze gegeben, als dort der Rechtsanspruch auf einen Platz galt.
Für den Krippenausbau im kirchlichen Kindergarten am Ehmkenberg wird ein Zuschuss in Höhe von 180 000 Euro benötigt. Da der Fördertopf leer ist, liegen die Pläne jetzt vorerst auf Eis. In Planung sind in Bad Oldesloe zudem Krippenplätze im Zusammenhang mit dem Neubau des Brummkreisels. Angebote liegen der Stadt zudem von den Kindergärten Wichtelhausen, St. Vicelin und Luftballon vor. Die Kita Stoppelhopser plant eine Einrichtung für Kinder unter drei Jahren im alten Kurbad. Bei rund 600 Kindern und einer Versorgungsquote von 35 Prozent müsste Bad Oldesloe um die 200 Plätze vorhalten. Rund 65 der Plätze können theoretisch von den 13 Tagesmüttern in der Stadt angeboten werden.
„Der Rechtsanspruch muss erfüllt werden“, bestätigt Thomas Sobczak, Fachbereichsleiter der Stadt. Er hofft, dass Bad Oldesloe durch eine Umverteilung der Landesmittel vielleicht doch noch in diesem Jahr weitere Fördermittel für den Krippenbau abbekommt. So werde geprüft, ob die anderen Kreise bisher nicht abgerufene Fördermittel tatsächlich benötigen oder vielleicht an andere Kreise abtreten.
„Ich bin da ganz entspannt“, sagt Pastor Diethelm Schark, Vorsitzender des Kirchenvorstandes in Bad Oldesloe. Der Kirchenvorstand habe beschlossen, den Bau von Krippenplätzen zu ermöglichen, aber zugleich signalisiert, dass sich die Kirche nicht an den Umbaukosten beteiligen könne. Die Maßnahme sei mit Unterstützung der Stadt beim Kreis schriftlich beantragt worden. Bisher habe er noch keine schriftliche Antwort bekommen. Deshalb geht er davon aus, dass weiterhin versucht werde, eine Förderung möglich zu machen.
Von Susanna Fofana
Mensa-Provisorium für die Stadtschule
Lübecker Nachrichten vom 7. Juli 2010
VON K. KUHLMANN-SCHULTZ
BAD OLDESLOE – Es ist nicht leicht, Gebundene Ganztagsschule zu werden. Diese Erfahrung machen die Lehrer, Eltern und Schüler der Stadtschule in Bad Oldesloe immer wieder. Nach zähem Ringen um die Umwandlung – nach den Sommerferien soll der erste Jahrgang eingeschult werden – fehlt jetzt eine Übergangslösung für die Schülermensa.
Bisher werden die Kinder, die die offene Ganztagsschule besuchen, in mehreren Schichten im Werkraum verpflegt – nur wenige können an Tischen sitzen, viele Kinder lagern ihre Teller auf dem Schoß. Platz für die 98 Kinder, die in den gebundenen Ganztagsbetrieb eingegliedert werden, ist dort überhaupt nicht.
Zu einer Übergangslösung kommt es jetzt durch den Umbau der leerstehenden Hausmeisterwohnung. Darauf einigten sich am Montag die Mitglieder des Bau- und Planungsausschusses der Stadt Bad Oldesloe. Das letzte Wort hierzu hat aber noch die Stadtverordnetenversammlung, die heute eine Entscheidung fällt. Andere Lösungen wurden verworfen. So gab es Planungen, die Kinder in Bussen zur Mensa in die Olivet-Allee zu fahren. Das scheitert unter anderem daran, dass die Autokraft keine Kapazitäten frei hat, um die Kinder zu befördern. Außerdem, so Thomas Sobczak als Fachbereichsleiter der Stadt Bad Oldesloe, „birgt die Gemengelage an der Olivet-Alle viele Risiken“. Auch der Musikraum ebenso wie das Foyer seinen keine Alternativen.
Die etwa 70 Quadratmeter große Hausmeisterwohnung müsste umgebaut werden. Zwischen 190 000 bis 200 000 Euro soll der Umbau kosten. Zum Vergleich: Die angedachte Containerlösung schlägt mit rund 240 000 Euro zu Buche.
Rektorin Sabine Prinz würde es „extrem glücklich machen, wenn es eine Container- Lösung gibt“. Entscheidend sei aber jetzt der Zeitfaktor, und der spreche für die Hausmeisterwohnung.
Eltern protestieren heute auf dem Markt
BAD OLDESLOE – Oldesloes Eltern formieren sich heute um 16 Uhr zum Protest auf dem Marktplatz. Ihr größter Kritikpunkt: In ihren Augen gibt es bisher keine vernünftige Übergangslösung für die noch an der Stadtschule fehlende Mensa für den Ganztagsbetrieb.
Für die Stadtschul-Eltern ist der Umbau der Hausmeisterwohnung keine akzeptable Lösung. „Wir plädieren eher für Container“, sagt Elternsprecher Carsten Stock, dessen Sohn Florian ab dem nächsten Schuljahr ebenfalls als Erstklässler Bad Oldesloes erste gebundene Ganztagsschule besucht.
Er erhofft sich von den Politikern Antworten auf viele Fragen. Doch bis gestern Mittag hatten nur SPD und Grüne ihr Kommen zugesagt. Stock: „Von CDU und FDP habe ich nichts gehört.“
Der Beschluss der Politiker, so Stock, „findet keinen Anklang in der Elternschaft“. Der Umbau der Hausmeister-Wohnung würde bedeuten, dass dort jeden Tag 100 Sechsjährige in drei Schichten zum Essen gehen. Im nächsten Jahr wären es dann bereits 200 Kinder in sechs Schichten. sus
Ausschuss stoppt Höhenflug

- Maria Herrmann, Ausschuss-Vorsitzende: "In der Frage lassen wir uns von Investoren nichts vorschreiben"
Stormarner Tageblatt vom 8. Juli 2010
Begrenzung auf zwei Vollgeschosse im Innenbereich Königstraße/Salinenstraße beschlossen
Bad Oldesloe
Innenverdichtung, also das Bauen in zweiter Reihe, ist ein heißes Thema: Politisch betrachtet sind eigentlich alle dafür. Persönlich gesehen, wenn es ernst wird, will kaum jemand seinen Garten dafür freiwillig her geben. Und Investoren haben sowieso eigene Vorstellungen.
Das Gebiet zwischen Hamburger, König- und Salinenstraße ist dafür ein Beispiel. Investoren haben einen begehrlichen Blick auf die großen Gärten geworfen und planen dort den „Salinen-Wohnpark“. Ein paar Grundstücke in zentraler Lage gehören ihnen schon, aber eben nicht alle, denn es gibt auch massiven Widerstand. Etliche Anlieger wollen keine oder nur deutlich abgespeckte Bebauung. Die Bauausschussmitglieder mussten jetzt entscheiden: Soll dort gebaut werden dürfen und wenn ja, in welchem Umfang?
Frank Fiedler von der FDP hatte eine kleine Umfrage gestartet. Demnach wollen 86,4 Prozent der Anlieger das Quartier als Garten nutzen. Da Mehrfachnennungen möglich waren, sprachen sich auch 45,4 Prozent für eine moderate Bebauung aus – darunter versteht die Mehrheit Ein- oder Zweifamilienhäuser mit anderthalb bis zwei Geschossen. Das ist doch schon mal eine Ansage.
Siegfried Wobig (CDU) hatte andere Vorstellungen: „Wir müssen die Qualität erkennen und adäquate Bebauung empfehlen.“ In den aktuellen Entwürfen sei der Investor immerhin bereits von sich aus um ein Stockwerk auf drei Etagen zurück gegangen. Das sei eine positive Weiterentwicklung.
Hans-Hermann Roden (SPD) war da anderer Ansicht: „Wir wollen keine Innenverdichtung um jeden Preis. Ein B-Plan macht nur bei Akzeptanz Sinn. Deshalb müssen wir über die Festsetzungen trefflich diskutieren.“ Dr. Hartmut Jokisch kritisierte, dass es bislang keine Artenschutzuntersuchung gebe.
Im Januar 2008 hatte der Ausschuss der Planung mit der Auflage zugestimmt, dass eine Umweltuntersuchung mit Erfassung des Baumbestands erfolgt. Das lehnt die Verwaltung jetzt mit Verweis auf das Baugesetz ab. Es sei sinnvoller nach Baufertigstellung „das richtige Gehölz zu pflanzen“.
Ausschussvorsitzende Maria Herrmann (SPD) machte deutlich, dass sich die Stadt vertraglich verpflichtet habe, einen B-Plan aufzustellen – unabhängig von irgendwelchen Festlegungen. Komme der nicht zustande, müsse die Stadt dem Investor die Grundstücke abkaufen.
Die CDU plädierte für drei Geschosse und regte an, ein Modell erstellen zu lassen, um darzulegen, dass selbst diese Höhe doch harmonisch ins Gebiet passe. Die Mehrheit von SPD, Grünen und FDP sprach sich allerdings für eine maximal zweigeschossige Bebauung aus. Wie bereits vor zweieinhalb Jahren, wurde nochmals einstimmig beschlossen, dass die Planungen nicht den Parkplatz der Stadtschule berühren dürfen.
Andreas Olbertz
Wohnen und Hospiz – Pläne für das VHS-Gebäude

Stormarner Tageblatt vom 7. Juli 2010
Almende-Entwickler und Pastor Thieme entwickeln Visionen für zukünftige Nutzung
Bad Oldesloe
Volkshochschule und Musikschule werden über kurz oder lang von der Königstraße weggehen – sie sollen im ehemaligen Amtsgericht eine neue Bleibe bekommen. Und was wird aus dem markanten Gebäude an der Königstraße? Abriss muss nicht sein, es gibt mindestens eine Alternative.
Die Lebenshilfe hatte vor geraumer Zeit Pläne für einen Kindergarten-Neubau in der Schublade. Die haben sich allerdings erledigt, der Brummkreisel wird neben dem Schwimmbad angesiedelt. Ein Kaufangebot eines potenziellen Investors soll ebenfalls schon bei der Stadt liegen. Aber im Hintergrund wird fleißig weiter gesponnen, geplant, gerechnet und vernetzt. Pastor Stephan Thieme ist eine der treibenden Kräfte. Er hat die Vision eines Mehrgenerationen-Wohnhauses entwickelt. „Ich bin ein hartnäckiger Spinner“, sagt er von sich, aber das, was es an Ideen und Zeichnungen bereits gibt, ist alles andere als Spinnerei: Im Zentrum des Hauses ist im Grunde eine große Wohngemeinschaft vorgesehen – die Bewohner haben ihre eigenen Rückzugsbereiche, aber eben auch gemeinsam genutzte Räume wie beispielsweise die große Gemeinschaftswohnküche oder die Dachterrasse. „Je unterschiedlichere Menschen in einer Gemeinschaft zusammen leben, desto wahrscheinlicher ist, dass es funktioniert“, ist Pastor Thieme überzeugt.
Im oberen Bereich könnte ein Hospiz entstehen. Unten ein „Treffpunkt“ mit öffentlichem Café und Beratungsbüros „Das ist von meiner Idee eines zentralen Gemeindehauses über geblieben“, bedauert Thieme, der dort gerne mehr machen würde. Im Untergeschoss könnte eine Jugendwohngruppe einziehen.
Glaube, Liebe, Hoffnung – damit lässt sich so ein Projekt nicht realisieren, deshalb hat er sich Hilfe von einem Profi geholt. Volker Spiel, Projekt- und Finanzberater von Conplan, hat sich der Sache angenommen. Conplan entwickelte beispielsweise Projekte wie die Almende in Ahrensburg, den Aegidienhof und den Werkhof in Lübeck. „Das ist einfach ein tolles Gebäude. Abriss wäre Frevel“, findet Spiel. Er kalkuliert mit einem Kostenvolumen von 2,5 Millionen Euro. Diese Summe soll über eine Wohnungseigentümer-Gemeinschaft zusammen kommen. Spiel kennt die Töpfe und Wege, die es auch jungen Familien ermöglichen, sich an dem Projekt zu beteiligen. Café und Büros werden zu üblichen Preisen vermietet.
Die Mitglieder des Hospizvereins sind sich nicht einig, wie sie die Idee finden. Ein stationäres Hospiz müsste mindestens acht Plätze haben, so ist es vorgeschrieben. Das bedeutet einen enormen Platzbedarf. So sehr sich einige über ein Hospiz freuen würden, könnte das für den Oldesloer Bedarf überdimensioniert sein. Zudem müsste ein Träger gefunden werden, zehn Prozent der Kosten sind nämlich als Eigenanteil aufzubringen. Andere sehen die Zukunft ohnehin eher im ambulanten Bereich. Da gibt es noch eine Menge Gesprächsbedarf.
Heute Abend lädt Stephan Thieme zu einer Gesprächsrunde über die Planung des Wohnbereichs ins Haus der Kirche an der Helene Stöcker Straße ein. Ab 20 Uhr können Interessenten ihre Ideen und Wünsche einbringen.
Andreas Olbertz
Kompromiss: Mensa kommt in leere Wohnung
Stormarner Tageblatt vom 7. Juli 2010
Bad Oldesloe
Na also, es geht doch: Die Stadtschule bekommt ihr Mensa-Provisorium. Im Bauausschuss wurde jetzt eine einvernehmliche Lösung gefunden.
Im Sozialausschuss war kritisiert worden, dass es zur extrem teuren Containerlösung keine Alternativen gab. „330 000 Euro – friss oder stirb, das kann es ja wohl nicht sein“, kritisierte jetzt Torsten Lohse (CDU). Also legte die Verwaltung dar, welche Alternativen geprüft worden waren: An der Olivet-Allee gebe es zwar genügend Platz, aber der tägliche „Wandertag“ sei nicht zumutbar. Ein Bustransport der Kinder sei ebenfalls nicht praktikabel. Der Musikraum habe sich als zu klein herausgestellt, der Umbau des Foyers, „ein Dauerbrenner im Ausschuss“, so Thomas Sobczak, sei nicht praktikabel und obendrein zu teuer. Schulleiterin Sabine Prinz warf noch ein: „Wir haben sogar in Erwägung gezogen, in der Mittagspause der Bücherei deren Räume zu nutzen.“ Das sei aber auf wenig Gegenliebe gestoßen. In den Klassenräumen zu essen, eine Anregung von Tim Höschler (CDU), sei nicht zulässig.
Da blieb nur noch die Hausmeisterwohnung. Thomas Sobczak machte Bedenken geltend: „Ich kann mir ein Durchschleusen von so vielen Kindern da nicht vorstellen.“ Er halte das für eine „Not-Not-Notlösung“. Aber Architekt und Schulleitung hätten versichert, dass es machbar sei. Als Haken stellte sich der Preis heraus. Der Architekt rechnet mit 200 000 Euro Umbaukosten. Sobczak: „Ich halte das für inakzeptabel.“ Bauamtsleiter Frank Duwe ging eher von 60 000 Euro aus.
Da die „Variante Hausmeisterwohnung“ die weitere Planung in keiner Weise beeinflusst, wurde sie einstimmig angenommen. Frank Fiedler (FDP) wollte verhindern, dass der Büchereiparkplatz überhaupt in Überlegungen zum Ganztags-Umbau einbezogen wird. Aber alle anderen Fraktionen waren dagegen, wollten „größtmögliche Offenheit für das Verfahren“, so Vorsitzende Maria Herrmann (SPD).
Andreas Olbertz
Schatten im alten Quartier

- Ortstermin auf dem Gelände des geplanten Salinen-Wohnparks. Anlieger diskutierten vor der Bauausschuss-Sitzung mit Investoren und Politikern. Foto: Kerstin Kuhlmann-Schultz
Lübecker Nachrichten vom 7. Juli 2010
Bad Oldesloe - Der Häuser im geplanten Salinen-Wohnpark müssen schrumpfen: Der Bauausschuss sprach sich für Häuser mit nur zwei Geschossen aus.
Abspecken, abspecken, abspecken: Die Mitglieder des Bau- und Planungsausschusses halten die bisherigen Haus-Planungen für den Salinen-Wohnpark für zu hoch und beschlossen jetzt (mit fünf Ja- und vier Nein-Stimmen), dass die Entwürfe für den B-Plan 108 nur eine zweigeschossige Entwicklung im Innenbereich des Gebietes beinhalten dürfen.
Es war Frank Fiedler (FDP), der sich mit seinem Vorschlag durchsetzte. Er reagiert damit auf die Bedenken der Anwohner, die Sorge um ihre Grundstückswerte und ihre Wohnqualität haben. Bisher hatte die Investorengruppe in ihren Planungen für den Innenbereich zwischen Königstraße, Salinenstraße und Kleine Salinenstraße eine Dreigeschossigkeit plus Staffelgeschoss vorgesehen. Davon müssen sie sich verabschieden. Uwe Rädisch (CDU) – er schlug vor, ein dreidimensionales Modell mit variablen Geschossgrößen zu erstellen – hatte deshalb Bedenken. „Ich befürchte, dass der Investor dann abspringt.“ Was ganz im Sinne der Anwohner wäre, die auch eine „Verschattung“ ihrer Grundstücke im alten Quartier befürchten. Aber nicht im Interesse der Politik, die die Innenstadtverdichtung vorantreiben will. Siegfried Wobig (CDU) möchte daher nicht die Einzelinteressen betrachten, sondern „die gesamte Stadtentwicklung, und wenn es sein muss, gegen die Betroffenen entscheiden, bei allem Verständnis für die Anlieger“.
Die aber „kämpfen um ein gewachsenes Quartier“, so Gerda Gräpel, die ihr Haus in der Variante V1004 überhaupt nicht mehr wiederfinden konnte. Es wurde überplant, da es als „Relikt der Nachkriegszeit“ und als „Fremdkörper“ betrachtet wird. Nach wie vor sehen die Anwohner ihre Interessen nicht berücksichtigt, obwohl sie Eingang ins Abwägungsverfahren gefunden haben. Beispiel: „Warum gibt es kein Artenschutzgutachten?“, fragte Monika Dreesen-Wurch.
Eine artenschutzrechtliche Prüfung wird im Rahmen des weiteren Verfahrens durchgeführt. Und dies wird sich noch hinziehen, ermöglicht aber den Anwohnern, sich weiter zu beteiligen. Denn „wir sind ganz am Anfang“, unterstrich Bauamtsleiter Frank Duwe. „Die Zielsetzung ist, mit dem Entwurf nahe daran zu kommen, was gewollt ist.“ Der B-Plan wird – nachdem die Stadtverordneten die Abwägungen geprüft haben – entworfen, es folgt der Aufstellungsbeschluss mit öffentlicher Auslegung und neuer Beteiligungsmöglichkeit. Dafür gibt es noch eine Bürgerveranstaltung. Erst nach erneuter Abwägung durch die Politik wird der Satzungsbeschluss für den B-Plan 108 beschlossen. Hans-Herrmann Roden (SPD) machte noch einmal deutlich, dass er für eine Innenstadtverdichtung stehe, „aber nicht um jeden Preis“.
Von K. Kuhlmann-Schultz
Stormarner Wochenschau
Stormarner Tageblatt vom 3. Juli 2010
Bloß nicht riechen, essen oder wählen
SCHWEINERLEI: Stecken wir nicht alle in diesem Zwiespalt? Einerseits wollen wir
die globale Erwärmung aufhalten, Pelzträgern vors Schienbein treten und bloß keine grausame Massentierhaltung dulden. Andererseits verlangen wir nach günstigem
Essen, kaufen tierische Produkte zu Dumping-Preise. Aber: Bitte nicht sehen, wo’s herkommt – und vor allem nicht riechen. Davor haben auch die Einwohner der Gemeinde Köthel Angst, sollte tatsächlich der geplante Schweinemastbetrieb seinen Platz am Rande der 350-Seelen- Gemeinde erhalten. Mit einer schnell formierten Bürgerinitiative wehrt man sich. Auch auf der Internetseite der Gemeinde wurde unter anderem gegen die Informationspolitik der Gemeinde ordentlich Dampf abgelassen – mit der Konsequenz, dass kritische Kommentare der Zensur zum Opfer fielen. Nichts riechen, nichts sehen, nichts lesen. Am Ende verweigerten die Gemeindevertreter dem Bauvorhaben tatsächlich ihr Einvernehmen; der Kreis werde die Begründung nun auf Stichhaltigkeit prüfen, heißt es aus dem Bauamt. Da muss der Wind schon massiv aus dem Süden wehen, um die Kötheler Bedenken bis in die Kreisstadt vor sich her zu treiben. Solange die Schicksalsgöttinnen aner noch nicht zugeschlagen haben, wie es unser Karikaturist orakelt, genießen wir lieber ein feines Schweinesteak vom Grill. Denn über Geschmack lässt sich zum Glück nicht streiten.
WANDELEI: Nach dem Essen sollst du ruh’n, oder tausend Schritte tun. Ginge es nach der CDU könnte das bald Wahrheit werden.Nicht etwa für Kinder aus dem Westen, nein, die haben ja schon lange eine Mensa, sondern für die der Stadtschule. Die könnten doch, so die Überlegung von Aygün Caglar, täglich zur Olivet- Allee marschieren, um dort zu essen. Und anschließend wieder zurück. Es gibt ja sonst nichts zu tun. Mit ein bisschen Training klappt das auch im Dauerlauf. Dann deklarieren wir das als Sportstunde und können die Sporthalle mit ein paar mobilen Trennwänden als Klassen-, Ruhe- und Aufenthaltsräume nutzen. Schwupps, hätte sich der millionenteure Umbau erledigt. Eigentlich hätte doch jedem klar sein können, dass höchstwahrscheinlich eine provisorische Mensa benötigt wird. Aber dass so etwas gleich 333000 Euro kostet ... Halleluja. Jetzt muss mal wieder holterdiepolter entschieden werden, dann wird auch noch ein Fragenkatalog dazwischen geschoben, aber in sieben Wochen soll der Ganztagsbetrieb starten. Supi. Zeitdruck und politisches Gerangel – dass dabei eine optimale Lösung gefunden wird, darf bezweifelt werden.
EINERLEI: War noch was? Ach ja, die Oldesloer haben einen Bürgermeister gewählt. Die Oldesloer? Angesichts von mageren 38 Prozent Wahlbeteiligung kann davon keine Rede sein. Satten zwei Dritteln scheint es egal zu sein,wer auf dem Chefsessel im Rathaus sitzt. Rückblickend erinnert der Wahlkampf an einen Werbespot der Sparkassen: Inhaltliche Diskussion, Fehlanzeige. „Wir nehmen die Fähnchen.“
Andreas Olbertz, Sara Peschke
Nein zum Schwebe-Atelier

Stormarner Tageblatt vom 3. Juli 2010
Bad Oldesloe
Es war eine schöne Idee, doch zumindest dem Umweltausschuss sind die ökologischen Bedenken zu groß. Mehrheitlich lehnte der Ausschuss es ab, die Planungen für das offene, über der Trave schwebende Atelier weiter zu verfolgen, es sollen keine zusätzlichen Gutachten erstellt werden.
Für die KuB-Planung ist eigentlich der Hauptausschuss zuständig. Nachdem Nabu und BUND massive Kritik an diesem Gebäudeteil geübt hatten und mit Klage drohten, hatte Architekt Gregor Sunder-Plassmann im Hauptausschuss verschiedene Alternativen vorgestellt. Deren ökologische Bedeutung konnte der Hauptausschuss aber nicht beurteilen und delegierte die Frage an den Umweltausschuss.
Die Ökoabteilung der Politik ließ sich vor Ort alles genau er klären: Welche Bäume müssten weg, wie weit reicht das Atelier über die Trave, wo kommen die Fundamente hin? Planer Plassmann krauchte durchs Unterholz, um alles zu veranschaulichen. Er argumentierte mit der Leuchtturm-Wirkung des Entwurfs und damit, dass die Natur durch die Spange erlebbar werde.
Klaus Graeber, SPD und Nabu, konnte es nicht fassen: „Wir verschandeln die schöne Natur, um schöne Natur erlebbar zu machen.“ Ein Atelier über der Trave halte er nach wie vor für nicht genehmigungsfähig. Aber wenn die Uferlinie eingehalten werde, sei eine Genehmigung denkbar. Ob es sinnvoll sei, ein Atelier im Gestrüpp zu bauen, bezweifelte er.
Dieter Hoffmann meldete für die CDU „ganz viele Bauchschmerzen“ an, aber die Fraktion sehe sich nicht in der Lage, „das zu bewerten“, deshalb sollten die Gutachten beauftragt und abgewartet werden.
Vorsitzender Michael Klahn (FDP) stellte die ultimative Frage: „Wollen wir das wirklich, wenn es genehmigungsfähig wäre?“ Klare Antwort: Nein. Zustimmung von SPD und Grünen, damit war die Mehrheit klar.
Die endgültige Entscheidung fällt am Mittwoch in der Stadtverordnetenversammlung.Andreas Olbertz
Erstklässler ohne Mittagspause?
Lübecker Nachrichten vom 2. Juli 2010
BAD OLDESLOE – Wo sollen die rund 100 Sechsjährigen im ersten Jahrgang der gebundenen Ganztagsschule Stadtschule mittags speisen? Angedacht war, übergangsweise einen Container als Mensa aufzustellen. Doch der Bildungsausschuss entschied sich mit CDU/FDP-Mehrheit dafür, eine günstige Alternative zu suchen. Die Eltern sind empört.
„Nur persönliche Anfeindungen, nichts Sachliches“ – so empfand der Kreis- und Landeselternvertreter Carsten Stock den Sitzungsstil des Oldesloer Fachausschusses. Stock: „Die schießen den Vogel ab.“ DieKinder hätten 80 Minuten Pause, um zu essen und neue Energien für den Unterricht zu sammeln. Diese Erholzeit müssten sie an der Schule verbringen. Man könne nicht von ihnen verlangen, zum essen zu anderen Schulen zu laufen. Auch Vorschläge, die Kinder könnten im Altenheim essen oder in Bussen zu anderen Schulen gefahren werden, lehnt Stock ab. „Wir dürfen nicht zulassen, dass auf Kosten unserer Kinder und deren Recht auf einen optimalen Bildungsweg persönliche Fehden ausgetragen werden.“ Die Eltern wollen die Öffentlichkeit informieren. Treffen ist am Mittwoch, 7. Juli, 16 Uhr, auf dem Markt. Das Thema steht am Montag, 5. Juli, auch auf der Tagesordnung des Bauausschusses (19 Uhr, Stadthaus). sus
Container zu teuer – täglicher Wandertag zur Mensa
Stormarner Tageblatt vom 2. Juli 2010
Bad Oldesloe
Die Stadtschule ist zwar die Schule, die die meisten Essen in Oldesloe ausgibt, aber eine Mensa hat sie nicht. Und nach den Sommerferien sollen noch 100 Esser dazu kommen. Die Verwaltung hatte dem Sozialausschuss einen Vorschlag gemacht. Es sollen mal wieder Container aufgestellt werden. Kostenpunkt 333 000 Euro – in den bisher veranschlagten vier Millionen Umbaukosten sind die nicht enthalten. Auch wenn die Summe Anschaffungen für etwa 70 000 Euro umfasst, die weiter genutzt werden können, verschlug die Summe doch so manchem Politiker die Sprache. „Die Problematik war doch bekannt, da hätte man vielleicht mal früher was sagen können“, ärgert sich Angela Fehrmann (CDU).
Lange wurde diskutiert, aber ein Beschluss zur Sache am Ende doch nicht gefasst. Von Aygün Caglar (CDU) kam der Vorschlag, dass die Stadtschulkinder täglich in Mensa an der Olivet-Allee essen gehen könnten. Anita Klahn (FDP) brachte das Haus am Kurpark ins Gespräch – vielleicht könnte das Altenheim vorübergehend die Verköstigung übernehmen. „Das Ganze ist noch nicht zu Ende gedacht. Es sind keinerlei Alternativen zur Containerlösung aufgezeigt worden“, kritisierte die Vorsitzende Fehrmann: „Ich würde mir auch etwas mehr Flexibilität von der Schule wünschen.“ Kopfschütteln bei der SPD. „An anderer Stelle bewilligen CDU und FDP mal eben Container für 150 000 Euro während einer halbjährigen Umbauphase“, kritisiert Jens-Pieter Friese: „Wenn 100 Kinder zusätzlich essen müssen, geht das nicht mehr im Werkraum.“
Es ging aber nicht nur um Kosten, sondern auch um die grundsätzliche Frage, wo die Mensa hin soll. Würde das Provisorium neben der Bücherei aufgestellt, könnte dort kein Anbau für die Schule entstehen. Umgekehrt: Kommen die Container auf den Schulhof, bedeutet das das Aus für die ursprüngliche unterirdische Mensa-Variante zwischen Alt- und Neubau.
Die Entscheidung wurde in den Bauausschuss delegiert. Der wird sich Montag mit der Thematik befassen. Am Mittwoch könnte dann in der Sondersitzung der Stadtverordneten ein Beschluss gefasst werden. Andreas Olbertz
Sparpotenziale im Wohnbereich

Stormarner Tageblatt vom 30. Juni 2010
Kaum Bürgerbeteiligung bei erstem Infoabend für das städtische Klimaschutzkonzept
Bad Oldesloe
Die Kreisstadt möchte Energie einsparen und weniger CO2 produzieren, um zum Klimaschutz beizutragen. So weit – so gut. Deshalb entschied sich die Stadt, ein Klimaschutzkonzept zu entwickeln, bei dem auch alle Bürger mitwirken sollen. Doch die Oldesloer haben anscheinend andere Sorgen. Das jedenfalls lässt die geringe Resonanz an einer ersten Infoveranstaltung vermuten. Gerade mal ein Dutzend Interessierte kamen ins Bürgerhaus.
Seit Anfang des Jahres arbeiten Nils Scheffler von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) sowie Peter Bielenberg und Nicola Richter von der Energiemanufaktur Nord (EMN) am Klimaschutzkonzept.
Im Mittelpunkt stehen Maßnahmen in den Bereichen Wohnen und Verkehr. Denn diese beiden Segmente machen den Großteil des Energieverbrauchs aus. Bad Oldesloe hat bereits vor vielen Jahren ein Energiemanagement für die städtischen Gebäude eingerichtet und so kräftig Kosten sparen können. „Wir fangen hier nicht bei Null an“, freute sich Nils Scheffler. Neben Facharbeitskreisen und dem Umweltausschuss sollen auch möglichst viele Bürger einbezogen werden.
Laut einer Erhebung sind 44 Prozent aller Einfamilienhäuser in der Kreisstadt älter als 50 Jahre und viele noch unsaniert oder erst teilsaniert. Durch entsprechende Maßnahmen könnten jede Menge Heizkosten und CO2 eingespart werden. Langfristig rechne sich jede Sanierung, auch wenn erst einmal investiert werden müsse. Je schneller und kräftiger die Öl- und Gaspreise steigen, desto schneller haben die Hausbesitzer ihre Kosten wieder raus, im besten Fall nach zehn Jahren. „Wir sind die erste Generation, die sich Gedanken machen muss, ob sie noch die Kosten ihres Energieverbrauchs tragen kann“, mahnte Ingenieurin Richter. Ab zehn Prozent Preissteigerung bei fossilen Energien sind regenerative Energien durchweg günstiger. Da sei es von großem Vorteil, dass inzwischen 30 Prozent des Strombedarfs der Stadt selbst erzeugt werde. „Das ist ein tolles Potenzial, das weiter verbessert werden sollte“, so Nicola Richter.
Allerdings müssten die Bürger noch mehr motiviert werden, Energie zu sparen. „Die Menschen brauchen eine Vision, wie etwa, als Stadt den gesamten Energiebedarf selbst zu decken“, regte Willi Janson von den Grünen an. Mit den beiden Bürgersolaranlagen sei man schon auf dem richtigen Weg, freute sich Peter Bielenberg, der die Vorschläge präsentierte. So solle ein Netzwerk entstehen, um Bürger bei der energetischen Optimierung ihrer Häuser zu unterstützen. Auch eine Klimaschutzstelle wäre sinnvoll. Wichtig sei eine optimale und passgenaue Finanzierung über Kredite.
Nach Fertigstellung des Oldesloer Klimaschutzkonzepts werde bei ein Klimaschutzbeauftragter befristet für zwei Jahre eingestellt werden, versprach Bürgerworthalter Rainer Fehrmann. Ende des Jahres solle zu einer zweiten Bürgerversammlung geladen werden. „Mit einem fertigen Konzept rechnen wir spätestens Anfang des kommenden Jahres“, so Nils Scheffler.
Susanne Rohde-Posern
Kindergeburtstag oder Bonbons

Stormarner Tageblatt vom 29. Juni 2010
Unterschiedliche Analysen des Ergebnisses nach der Oldesloer Bürgermeisterwahl
Bad Oldesloe
Die Würfel sind gefallen. Bürgermeister Tassilo von Bary bleibt weitere sechs Jahre Bürgermeister in der Kreisstadt. 56,5 Prozent der Wähler stimmten für ihn, 43,5 Prozent für seinen Gegenkandidaten Hagen von Massenbach von der SPD. Vermutlich wird diese Abstimmung als „Hamsterwahl“ in die Geschichtsbücher eingehen – der unterlegene Kandidat Klaus Schädel hat sie mit der Begründung angefochten, er habe Informationen vom Ahrensburger Journalisten Harald Dzubilla, dass von Scientologen, Hamster in die Wahlurnen geschmuggelt worden seien. Die kleinen Nager hätten dann auf ihn lautende Stimmzettel aufgefressen. Die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet. „Die Anzeige liegt uns vor“, bestätigte Staatsanwalt Klaus-Dieter Schultz gestern auf Nachfrage: „Ich kann mich aber nicht dazu äußern, da wir das noch nicht abschließend geprüft haben.“
Tassilo von Bary hat es im Alleingang geschafft. Keine der vier Parteien in der Stadtvertretung wollte ihn unterstützen, und er wollte deren Unterstützung nicht. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, freute sich CDU-Fraktions-Chef Horst Möller nach der Stimmauszählung: „Die pragmatische, wenn auch nicht immer einfache Zusammenarbeit werde fortgesetzt.“ Sein Fraktionskollege Siegfried Wobig brachte es auf die einfache Formel: „Alles bleibt beim alten.“ Und auch er klang nicht enttäuscht.
Karl-Reinhold Wurch, Vorsitzender der FDP-Fraktion, sieht das ähnlich: „Wir werden weiter machen wie bisher.“ Hagen von Massenbach habe sich viel Mühe gegeben, so Wurch, „aber mit Wahlkämpfen wie Kindergeburtstagen wird man keinen Erfolg haben. Vielleicht wird die SPD ja jetzt, wo der Wahlkampf vorbei ist, wieder ein zuverlässiger Partner.“
Grünen-Vorsitzender Dr. Hartmut Jokisch, ein ganz aktiver Unterstützer von Hagen von Massenbach, bedauert den Wahlausgang: „Schade, ein Wechsel hätte der Stadt gut getan. Wir werden weiter mit von Bary zusammen arbeiten, ihn aber kritisch begleiten.“
Bürgerworthalter Rainer Fehrmann sieht das Ergebnis ganz staatsmännisch: „Ich wäre mit beiden gut klar gekommen, sie können das beide. Ich habe mich gefreut, dass es ein fairer Wahlkampf war, aber inhaltlich hätte ich mir mehr Pfeffer gewünscht.“
Maria Herrmann, Wahlkampfmanagerin und stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende ist zwiegespalten: „Rational betrachtet sind 43,5 Prozent für uns ein großer Erfolg, aber im Grunde bin ich sehr enttäuscht. Wir haben ein Jahr intensiven Wahlkampf gemacht, dabei Themen angeboten, aber in Oldesloe reicht es, an vier Wochenende Bonbons in der Fußgängerzone zu verteilen, um Bürgermeister werden zu können. Oldesloe hat sich für fantasielosen Stillstand entschieden.“
Andreas Olbertz
Tassilo von Bary macht das Rennen

Stormarner Tageblatt vom 28. Juni 2010
SPD-Herausforderer Hagen von Massenbach hat in der Stichwahl keine Chance gegen den Amtsinhaber
Bad Oldesloe
Tassilo von Bary hat es geschafft. Seit in Schleswig-Holstein Bürgermeister direkt gewählt werden, ist er der erste, der eine Wiederwahl geschafft hat. Mit 56,5 Prozent setzt er sich gestern in der Stichwahl deutlich gegen den Herausforderer und SPD-Fraktionsvorsitzenden Hagen von Massenbach durch, der auf 43,5 Prozent kommt. Die Wahlbeteiligung sinkt gegenüber der Hauptwahl (44,8) nochmals: Nur 7 353 Oldesloer geben eine gültige Stimme ab. Das sind magere 38,3 Prozent.
Die Luft im historischen Rathaussaal ist zum Schneiden. Von draußen kommt der Höllenlärm der Fußballfans. Wie schon bei der Wahlbeteiligung, ist auch das Interesse am Ergebnis deutlich geringer als noch vor 14 Tagen. König Fußball regiert vor der Tür, das interessiert mehr. Erst ganz allmählich füllt sich der Saal, am Ende sind es wohl 150 Oldesloer, die die Entwicklung verfolgen.
Um 18.07 trudelt die erste Schnellmeldung ein: Reitstall Jürgens. 57,5 zu 42,5 Prozent. Damit ist eigentlich alles gesagt. In dem Wahllokal hatte bei der Hauptwahl der CDU/FDP-Kandidat Gerhard Horn deutlich geführt. Abgesehen von Seefeld, wo Amtsinhaber von Bary mit satten 75,5 Prozent das Rennen macht, pendelt es quer durch die Stadt etwa bei 60/40.
Um 18.35 Uhr ist für Maria Herrmann, stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende klar: „Das wird nichts mehr. Gegen Horn hätte er gewonnen.“ Zehn Minuten später glaubt auch Hagen von Massenbach nicht mehr an den Sieg, er bahnt sich einen Weg durch den Saal und gratuliert Tassilo von Bary.
„Ich habe schon damit gerechnet, zu gewinnen, aber dass es am Ende so deutlich wird, hätte ich nicht gedacht“, sagt von Bary. Er geht davon aus, dass er es in der zweiten Amtszeit einfacher haben wird und will seinen Kurs fortsetzen. „Ich bin in einem Alter, wo man sich nicht mehr spontan ändert“, sagt der 57-Jährige. Hagen von Massenbach nahm die Niederlage sportlich: „Das war kein Elfmeterschießen, sondern eine klare Angelegenheit. Nicht so wie im Englandspiel, aber doch deutlich.“ Nur zwei Wahlkreise direkt gewonnen – das reiche nicht.
Andreas Olbertz
Stormarner Wochenschau
Stormarner Tageblatt vom 26. Juni 2010
Hamsterkäufe und andere Tricks
Ausgefressen: Was war das denn? Den Oldesloer Stadtwerken verdanken wir nicht nur, dass es mit Gas, Wasser, Strom flutscht, ohne Stadtwerke kein Schwimmbad und wie wir beim Busverkehr dastünden ... naja. Obendrein beschert uns der Eigenbetrieb alljährlich ordentliche Einnahmen. Jetzt wurde das 100-jährige Bestehen mit einem kleinen Festakt gefeiert. Da sollte man doch meinen, dass es einen großen politischen Aufmarsch gibt. Fehlanzeige! Von den Oldesloer Stadtverordneten ließ sich kaum jemand blicken. Nur drei Hauptausschuss-Mitglieder, Finanzausschuss auch nur mager vertreten. Peinlich, die Delegation aus den Umlandgemeinden war stärker.
Aufgefressen: Klaus Schädel ist bei der ersten Runde der Oldesloer Bürgermeisterwahl mit nur 170 Stimmen ausgeschieden. Wie schon zuvor in Ahrensburg zweifelt er jetzt auch in der Kreisstadt das Wahlergebnis an, vermutet Betrug und schaltet die Staatsanwaltschaft ein. Okay, das ist sein gutes Recht. Schädel ist Privatdetektiv, vielleicht hat er ja tatsächlich was ermittelt und kann stichhaltige Beweise vorlegen. Dem Schreiben an die Staatsanwaltschaft hat er Ausdrucke eines Internet-Blogs beigefügt. Darin behauptet der Autor Harald Dzubilla, Scientologen hätten Hamster in die Wahlurnen geschmuggelt, die dann die Schädel-Stimmen verputzt hätten. Köstlich. Die Gesichter des Wahlvorstands hätte ich sehen wollen: Die Kippen die Urne aus und dann kullert da ein vollgefressener Hamster raus ... Selten so gelacht! Nur einer findet das nicht lustig: Klaus Schädel. Der führt das allen Ernstes als Beleg für Wahlfälschungen an. In der Stadt macht schon der ironische Begriff vom „Schädel-Hirn-Trauma“ die Runde. Andere Spaßvögel stöhnen, es sei so schwierig, die gefräßigen Biester für die Stichwahl noch schnell umzudressieren. Schaun wir mal, wer nach der Wahl größere Mengen Hamster zu verschenken hat. Achtung: Das war Spaß und kein Ausplappern raffinierter Fälschungstricks!
Angefressen: So kann’s kommen: Nicht alle an Deck und schon ist die Mehrheit futsch – und Entscheidungen kippen. Oder, wie bei der jüngsten Sitzung der Stadtverordneten: Es gibt Patt und dann wird eben nichts beschlossen.
In solchen Fällen zu verlangen, jemand von der „Opposition“ möge sich bitte enthalten, um dem Wählerwillen gerecht zu werden, ist zwar verständlich, aber falsch. So könnte man vielleicht argumentieren, wenn eine Fraktion eine absolute Mehrheit hätte, aber in Oldesloe ist „die Macht“ nun mal auf vier Fraktionen verteilt worden. Da war es also Wählerwille, dass es wechselnde Mehrheiten gibt. Diesmal waren sich CDU und FDP einig. Wer hätte sich auf der Gegenseite enthalten sollen, ein Roter oder ein Grüner? Da geht es doch schon los. Und wie hätte der dann gegenüber „seinen“ Wählern rechtfertigen sollen, dass ausgerechnet er mit seinem Verhalten diesen Beschluss möglich gemacht hat?
„Wir hatten einen klaren Beschluss im Ausschuss“, zählt auch nicht, denn dann bräuchten wir keine Stadtverordneten. Wer ein Mandat hat, ist verpflichtet, es wahrzunehmen. Wenn Beruf, Krankheit oder andere Verpflichtungen ihn daran hindern, ist das eben so – vielleicht merkt sich der Wähler das und entscheiden beim nächsten mal anders.
Andreas Olbertz
Stichwahl trotz Widerspruch und WM

Stormarner Tageblatt vom 26. Juni 2010
Tassilo von Bary oder Hagen von Massenbach? Knapp 20 000 Oldesloer entscheiden, wer Bürgermeister wird
Bad Oldesloe
Morgen geht es um die Wurst. 19 550 Oldesloer sind aufgerufen, ein Verwaltungsoberhaupt zu wählen. Der Termin steht, die Wahl findet statt, daran kann auch die Anfechtung durch den unterlegenen Kandidaten Klaus Schädel nichts ändern. Wie Wahlleiter Malte Schaarmann erläutert, spricht man zwar von Haupt- und Stichwahl, das seien aber zwei Abstimmungen innerhalb der Bürgermeisterwahl. Die endet offiziell mit der Bekanntgabe des Wahlergebnisses. Am Mittwoch nach der Wahl tagt der Gemeindewahlausschuss, eine Woche später wird das Wahlergebnis veröffentlicht. Erst dann beginnen die Einspruchsfristen.
Bekanntlich hatte Klaus Schädel seinen Widerspruch damit begründet, dass er Informationen habe, von Scientologen seien Hamster in die Wahlurnen geschmuggelt worden. Diese hätten dann auf ihn lautende Stimmzettel aufgefressen. Malte Schaarmann bleibt ganz gelassen: „Das nehmen wir so ernst wie jeden anderen Einspruch, der noch kommen könnte.“ In der Sache entscheide aber nicht er, sondern die Kommunalaufsicht im Innenministerium. Wenn sich der Einspruch als begründet herausstellen sollte, wird die Wahl komplett wiederholt.
Wer sich bei der Hauptwahl für Briefwahl entschieden hatte und ein entsprechendes Kreuz gemacht hat, sollte automatisch auch für die Stichwahl Briefwahlunterlagen geschickt bekommen haben – sogar an den Urlaubsort. Die Unterlagen müssen bis Sonntag wieder im Rathaus zurück sein.
Für die Stichwahl sind keine neuen Wahlbenachrichtigungskarten verschickt worden. Wer seine mittlerweile verloren hat, kann trotzdem wählen. Ein gültiger Personalausweis oder Reisepass muss dann im Wahllokal vorgelegt werden.
Bislang ist die Zahl der Briefwahlunterlagen im Vergleich zur Hauptwahl konstant. „Was das im Bezug auf die zu erwartende Wahlbeteiligung bedeutet, kann ich nicht sagen“, so der Wahlleiter. Allgemein sei die Beteiligung bei Stichwahl noch ein paar Prozentpunkte niedriger. Ausgerechnet am Sonntag spielt Deutschland gegen England. „Ab 16 Uhr werden die Wahllokale leer sein“, befürchtet Schaarmann. Wer wählen will, sollte das vorher tun, denn wenn es zu Verlängerung oder gar Elfmeterschießen kommt, haben die Wahllokale zu.
Nach dem Spiel kommt das nächste Problem. „Ich gehe davon aus, dass Deutschland gewinnt, dann wird die Stadt toben und die Straßen werden dicht sein“, so Schaarmann. Grade die Hagenstraße wird dann am Marktplatz zur Fanmeile, Wahlvorstände werden es schwer haben, mit den Urnen und den Unterlagen zum Stadthaus zu kommen. Auf die Verkündung des Ergebnisses wird das aber keine Auswirkungen haben, die Stadt veröffentlicht nämlich die Schnellmeldungen – die werden unmittelbar nach der Auszählung durchgegeben, noch bevor eine Niederschrift angefertigt wird.
Wie schon vor zwei Wochen, werden die Ergebnisse im Rathaussaal auf eine Leinwand gebeamt. Mit einer Light-Version der Homepage soll verhindert werden, dass der Server wieder zusammen bricht.
Und die Kandidaten? Trotz eines Trauerfalls in der Familie wird Tassilo von Bary wieder mit einem Stand präsent sein. Hagen von Massenbach bleibt seiner Wahlkampflinie treu. Um zu belegen, dass sich die Innenstadt mit Kleinkunst beleben lässt, hat er einen Zauberer engagiert, der mit Fabeltieren und Tricks für Stimmung sorgen soll. Wenn das mal nicht den nächsten Widerspruch provoziert. Andreas Olbertz
Hickhack um B-Plan – Patt statt Beschluss
Stormarner Tageblatt vom 24. Juni 2010
Nach Widerspruch des Bürgermeisters keine Mehrheit für Satteldächer
Bad Oldesloe
Wer in die Mühlen der Politik gerät, kann darüber schon graue Haare bekommen. Vor anderthalb Jahren hatte Volker Pries den Wunsch, auf sein Haus am Masurenweg ein Satteldach zu setzen. Eine vernünftige Dämmung wollte er damit erreichen, Dichtigkeit, eine Regenrinne und quasi nebenbei auch noch zusätzlichen Wohnraum schaffen. Dummerweise lässt der B-Plan das nicht zu.
Im Oktober 2008 hatte der Bauausschuss beschlossen, ein Änderungsverfahren einzuleiten, obwohl es auch Anlieger gibt, die gegen Satteldächer sind. Auf dem Wege sollte dann auch gleich eingefügt werden, dass von den bisherigen Baugrenzen abgewichen werden kann – maximal 50 Quadratmeter und nachbarschaftliche Belange sollten berücksichtigt werden. Das konnte im Mai gewissermaßen abgeschlossen werden. Über die eingegangenen Anregungen und Bedenken hat der Bauausschuss befunden. Bei der Gelegenheit kam der Grüne Willi Janson mit einem Antrag, im B-Plan eine Ost-West-Firstrichtung festzulegen. Damit soll die Nutzung von Solaranlagen vereinfacht werden. Die SPD wollte an den alten Baugrenzen festhalten, um jeglichem Nachbarschaftsstreit und willkürlichen Genehmigungen aus dem Weg zu gehen. FDP und CDU stimmten gegen die beiden Anträge.
In der folgenden Stadtverordnetenversammlung am 26. Mai fehlten eine Reihe von CDU-Abgeordneten. Rot-Grün hatten unverhofft eine Mehrheit und zauberten die im Bauausschuss abgelehnten Anträge spontan noch mal aus dem Hut. Die gingen natürlich durch. Doch die Freude über den Coup währte nicht lange. Bürgermeister Tassilo von Bary legte gegen den Beschluss Widerspruch ein. Begründung: Der Plan hätte nach der Auslegung nicht so gravierend geändert werden dürfen, weil die Öffentlichkeit dazu ja keine Stellung beziehen konnte.
Also mussten sich die Stadtverordneten jetzt wieder damit befassen. Sie hätten den Beschluss aufheben und das ganze noch mal in den Bauausschuss verweisen oder dem Mai-Beschlussvorschlag folgen können. Doch daraus wurde nichts: Es fehlte abermals ein CDU-Vertreter, damit herrschte Stimmengleichheit. Keine Mehrheit für gar nichts, also bleibt alles wie im Mai beschlossen. Für den Bürgermeister bedeutet das: „Ich muss erneut widersprechen. Wir kriegen das wieder auf die Tagesordnung.“
Familie Pries hat sich mittlerweile von der Idee eines Dachstuhls verabschiedet. „Wir haben für uns eine andere Lösung gefunden“, sagte Harriet Pries, „aber für nachfolgende Generationen wird das noch interessant werden.“
Andreas Olbertz
Große Mehrheit für kleines Raumprogramm
Stormarner Tageblatt vom 23. Juni 2010
Bad Oldesloe
Die Umwandlung der Stadtschule in eine gebundene Ganztagsschule – was wurde da in der Vergangenheit nicht alles diskutiert und zum Teil heftigst gestritten oder getrickst. Jetzt stand in der Stadtverordnetenversammlung der entscheidende Beschluss an – alles ging ganz seicht und fast schon zuckersüß über die Bühne.
Lediglich Marion Janssen, Vorsitzende des Behindertenbeirats, meldete sich noch mal mit einem Appell zu Wort. An der Stadtschule bestehe die Möglichkeit „alles von Anfang an richtig zu machen.“ Um Behinderte an Regelschulen zu unterrichten und ihnen damit gleichberechtigte Bildungs-Chancen zu geben, wie sie die UN-Konvention fordere, sei nun mal Raum erforderlich. Der Behindertenbeirat sieht einen „größeren Bedarf“ an den Oldesloer Schule. Da an der Stadtschule umgebaut werden müsse, könnten zusätzliche Räume gleich vorgesehen werden.
Dem erteilte Angela Fehrmann (CDU) aber eine klare Absage. Es ginge nicht um „winzige Schulräume“, sondern 25 Prozent des geforderten Raumbedarfs. Sie geht von einer sechsstellige Summe an Mehrkosten aus – zuzüglich der regelmäßigen Ausgaben für den Betrieb. Auch wenn „sich die Situation nicht entspannt zeigt“, so Fehrmann, appellierte sie angesichts rückläufiger Schülerzahlen an „Einsicht für das Machbare“. Entscheidender als Räume sei der Einsatz der Lehrer.
Lange Gesichter bei den Sozialdemokraten und den Grünen. „Ich bin nicht glücklich mit dem, was da im Sozialausschuss beschlossen worden ist. Wir werden dem nicht gerecht, was an der Stadtschule möglich ist“, bedauerte Hagen von Massenbach (SPD). Trotzdem stimmte die SPD-Fraktion, bis auf Jens-Pieter Friese, entgegen ihrer bisher vertretenenen Position für eine abgespeckte Variante. Die Grünen enthielten sich. Mit 21 Ja-Stimmen wurde das am Kieler Raumprogramm orientierte Konzept zuzüglich eines Raums für Sprachförderung beschlossen.ol
Stormarner Wochenschau
Stormarner Tageblatt vom 19. Juni 2010
Nach der Wahl ist vor der Wahl
Kandidatenkarussell: ... da waren’s nur noch zwei. Klaus Schädel ist erwartungsgemäß im ersten Wahlgang als Bürgermeisterkandidat rausgeflogen und versucht jetzt sein Glück anderswo in Schleswig-Holstein. 170 Stimmen, oder nach seiner Berechnungsgrundlage 0,86 Prozent, sprechen da eine klare Sprache. Dass es aber Gerhard Horn nicht in die Stichwahl schaffen würde, war nicht unbedingt zu erwarten. Parteilos, kompetent und von FDP/CDU gemeinsam nominiert: Trotzdem sind nur magere 25 Prozent dabei raus gekommen. In ihrer Analyse geht die FDP nun davon aus, dass grade die Unterstützung von zwei Parteien Gerhard Horn Stimmen gekostet hat. Komisch, in Reinfeld wurde er von drei Parteien aufgestellt und holte satte 82 Prozent. Tassilo von Bary und Hagen von Massenbach entscheiden das Rennen nächste Woche unter sich. Der Amtsinhaber macht auf den ganz Unabhängigen, verbittet sich Unterstützung von irgendwelchen Parteien, spekuliert aber gleichzeitig auf die Stimmen der Horn-Wähler. SPD-Mann von Massenbach gibt sich kämpferisch und verweist auf zurückliegende Bürgermeisterwahlen: Vor sechs Jahren hatte von Bary am Ende die Nase vorne, obwohl Philip Wrieden nach dem ersten Wahlgang schon wie der sichere Sieger aussah. Und was machen CDU und FDP? Sie wollen für die Stichwahl keine Empfehlung abgeben. Okay, kann man verstehen. Aber wie ernst ist das zu nehmen, wenn gleichzeitig beide von Massenbach die Qualifikation absprechen und die FDP obendrein am Amtsinhaber noch Positives erkennen kann? Das klingt doch eher wie eine unverhohlene Empfehlung. Oder sind sie heimlich für von Massenbach, trauen sich aber nicht, das laut zu sagen, um ihn mit ihrer Unterstützung nicht zu gefährden und legen deshalb eine falsche Fährte?
Seitenwechsel: Das hat schon einen gewissen Witz. Bei der Kandidatenvorstellung in der Festhalle hatte Tassilo von Bary erzählt, dass er damals wegen der Hartz-IV-Gesetze aus der SPD ausgetreten sei. Mit anderen Worten: Die SPD war ihm nicht mehr links genug, nicht mehr sozial genug, was auch immer. Es sind jetzt aber nicht etwa die Linken, die ihn unterstützen, sondern (indirekt) FDP und CDU.
Urlaubslaune: Es liegen wichtige Themen an, da würde die Verwaltung gerne eine Sondersitzung der Stadtverordneten anberaumen. Oha, was für ein Ansinnen. Nicht, weil die Damen und Herren sitzungsmüde wären, das spielt vielleicht auch eine Rolle, aber eher untergeordnet. Da es um die Ferienzeit geht, steht zu befürchten, dass der eine oder andere Abgeordnete Ferien macht. Wenn die eine Fraktion mehr Urlauber hat als die andere, könnte das die Machtverhältnisse ändern. Und so etwas geht natürlich nicht. Deshalb kam von Horst Möller (CDU) eine klare Ansage: „Wenn irgendwas auf der Tagesordnung steht, was kontrovers diskutiert wird, könnt ihr das knicken.“ So eine Schlappe wie Ende Mai, als etliche Christdemokraten, ein Liberaler und eine Grüne fehlten, will er nicht wieder erleben. Damals brachten SPD und Grüne prompt einen Änderungsantrag durch. Unter solchen Vorzeichen ist Terminfindung natürlich schwierig. Andreas Olbertz
Offene Spange wird geprüft

- So könnte es aussehen: Eine mögliche Variante des offenen Ateliers über der Trave. Foto: Sunder-Plassmann
Stormarner Tageblatt vom 18. Juni 2010
Hauptausschuss delegiert „Atelier-Frage“ an Experten im Umweltausschuss
Bad Oldesloe
So unterschiedlich können Wahrnehmungen sein. Bei einem Untersuchungstermin für den Umbau des Kultur- und Bildungszentrums hatten Vertreter von Umweltschutzorganisationen den Eindruck, nicht erwünscht zu sein. Architekt Gregor Sunder-Plassmann sprach jetzt im Hauptausschuss hingegen von einem „sehr fruchtbaren“ Termin. „Da haben wir viel gelernt.“
Streitpunkt zwischen Umweltverbänden und Planern ist das „offene Atelier“. Ein Glasobjekt, das über der Trave schweben soll. Dummerweise ist die Trave ein geschütztes FFH-Gebiet. Daraus ergibt sich ein Konflikt (wir berichteten). Umweltverbände haben mit Klage gedroht, was die Planungen lange blockieren könnte. Ein Gutachter, um die Verträglichkeit des Ateliers mit dem Schutzgebiet prüfen zu lassen, ist teilweise schon beauftragt. Der Hauptausschuss hätte das jetzt stoppen können, um allen eventuellen Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen.
Gregor Sunder-Plassmann stellte klar, dass es eben nicht, um einen großen Glaskasten gehe, sondern eher einen Kubus innerhalb einer offenen Spange. An deren Stirnseite ist mit waagerechten Holzlamellen eine Art „Regalsystem“ vorgesehen. Dazwischen könnten beispielsweise experimentelle Nistkästen für Fledermäuse angebracht werden. Decke und Boden dieses „Bügels“ seien aus Gittern und somit licht- und feuchtigkeitsdurchlässig. Mit kiemenartig versetzten Wänden oder speziellem reflexfreien Glas könnte verhindert werden, dass Vögel und Insekten gegen das Atelier fliegen. Auch die Frage, wie weit die Spange über die Trave reiche, sei durchaus variabel. Gregor Sunder-Plassmann stellte klar: „Das ist nicht der Entwicklung letzter Schluss, sondern erst ihr Beginn.“ Er könne architektonisch auf alle Vorgaben aus dem Gutachten reagieren.
Es wurde kurz und kontrovers diskutiert. Willi Janson (Grüne) forderte den kompletten Verzicht auf die Spange, Horst Möller (CDU), fände das „schade“, Karl Reinhold Wurch (FDP) war der Meinung, man solle nicht gleich bei den ersten Bedenken einknicken, es könne ja die geniale Lösung dabei heraus kommen und Hagen von Massenbach führte aus, dass er die Umweltprobleme zwar sehe, aber nicht bewerten könne.
Aus dieser Gemengelage heraus wurde ein Kompromiss einstimmig beschlossen. Der Umweltausschuss soll zusammen mit Vertretern von Nabu und Bund die neuen Entwürfe beraten und ausdrücklich bewerten. Anschließend wird der Hauptausschuss darüber in einer Sondersitzung beschließen. So lange ruhen alle weiteren Planungen und Vergaben. Andreas Olbertz
Behinderten-Beirat sieht größeren Raumbedarf an den Oldesloer Schulen

- Der Behinderten-Beirat wirbt um mehr Räume für die gebundene Stadtschule. Foto: STRUNK
Lübecker Nachrichten vom 18 Juni 2010
VON SUSANNA FOFANA
BAD OLDESLOE – „Der Beirat für Menschen mit Behinderungen sieht an den Schulen der Stadt Bad Oldesloe ganz klar den größeren Bedarf an Räumlichkeiten“, sagt Marion Janssen. In den nächsten Jahren werde es, sowohl durch die Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung als auch durch die Umstrukturierung der Förderschulen zu -zentren, vermehrt zu Integrationsklassen an den Regelschulen kommen. Yannick Freiling: „All diese Kinder benötigen eine besondere Form der Aufmerksamkeit und Förderung. Hierfür müssen Räume bereit gestellt und die notwendigen Kompetenzen und Ressourcen geschaffen werden.“
Die Beiratsmitglieder sind davon überzeugt: Der Um- und Anbau der Stadtschule ist die große Chance, mit der Umsetzung der UN-Konvention zu beginnen. Denn mit der Ratifizierung sind alle, Bund, Länder und Kommunen, grundsätzlich verpflichtet, innerhalb von zwei Jahren die „inklusive Bildung“, wie sie in Artikel 24 der Konvention beschrieben ist, einzurichten.
Alle Beteiligten müssten zügig und zielgerichtet Maßnahmen ergreifen, um inklusive Bildung zu verwirklichen, das heißt, (lern-)behinderte Kinder dürfen nicht ausgegrenzt, sondern von Anfang an einbezogen werden. Inklusion sei erst erreicht, wenn alle Kinder eine inklusive Schule in ihrem Wohngebiet besuchen können, unabhängig von der Form und dem Grad ihrer Beeinträchtigung.
Das gemeinsame Lernen komme allen Kindern zugute. Sie würden im gemeinsamen Umgang miteinander das Bewusstsein und die Wertschätzung von Individualität und Vielfalt entwickeln. Und sie würden Behinderung nicht mehr als Makel, sondern als Teil gesellschaftlicher Normalität erleben.
In der „Bildungsrepublik Deutschland“ müsse die finanzielle Ausstattung, um inklusive Bildung zu ermöglichen, gewährleistet sein. Janssen: „Haushalterische Überlegungen dürfen niemals einen Grund dafür liefern, einem behinderten Kind die Möglichkeit zu nehmen, eine Regelschule zu besuchen.“ Es müsse möglich sein, jederzeit Umschichtungen zugunsten der inklusiven Beschulung vorzunehmen. Der Beirat fragt sich, ob es nicht möglich ist, eine kleine Summe aus dem Topf des Kultur- und Bildungszentrums (KuB) zugunsten von vier Räumen für eine Schule umzuschichten?
Er möchte dazu beitragen, „die Politik in Bad Oldesloe und die Gesellschaft so zu verändern, dass Menschen mit Behinderung inmitten der Stadt leben und an allen gesellschaftlichen Regelorten teilhaben und dort alle Unterstützung erhalten können“. Künftig solle jeder Mensch ungehinderten Zugang zu inklusiver Bildung in Kindertagesstätten und Schulen haben.
„Mit tiefem Bedauern und großer Enttäuschung“ hätten sie die Entscheidung des Bildungs-, Sozial- und Kulturausschusses zum Thema Raumerweiterung der Stadtschule zur Kenntnis genommen, sagt Janssen. Bad Oldesloe verpasse eine Chance, diverse Wahl- und Regierungsversprechen zum Thema Bildung einzulösen und sich als Vorreiter auf diesem Gebiet zu profilieren. Dem Beirat bleibe noch eine kleine Hoffnung auf die Stadtverordnetenversammlungamkommenden Montag. Der Beirat: „Wir appellieren an die politischen Vertreter aller Oldesloer Bürger sich der großen Chance noch einmal bewusst zu werden und entsprechend zu entscheiden.“
Kein Ja – aber klares Nein
Stormarner Tageblatt vom 17. Juni 2010
CDU und FDP geben keine Empfehlung für die Stichwahl, sprechen sich aber gegen von Massenbach aus
Bad Oldesloe
War das eine „Klatsche für das bürgerliche Lager von CDU und FDP? Deren gemeinsamer Bürgermeisterkandidat Gerhard Horn ist im ersten Wahlgang nur auf 25,7 Prozent der Stimmen gekommen. Zum Vergleich: Bei der Kommunalwahl vor zwei Jahren haben beide Parteien zusammen noch knapp 52 Prozent erhalten. Auch wenn es nicht direkt vergleichbar ist: Das ist ein Absturz von mehr als 50 Prozent.
Beide Parteien haben den Wahlausgang analysiert und kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. „Die Unterstützung für Gerhard Horn durch zwei politische Parteien hat ihm wohl eher geschadet als genützt“, findet FDP-Frak-tionschef Karl-Reinhold Wurch. Angesichts einer gewissen Anti-Politik-Stimmung hätten viele Wähler für den parteilosen Einzelkämpfer gestimmt.
Die CDU kommt zu einer anderen Einschätzung. Ein „Dreigestirn“ aus CDU, FDP und Gerhard Horn hätte einen Wahlkampf führen müssen, der den ganze Einsatz aller erfordert hätte. CDU-Ortsvorsitzender Heinz Drenkberg: „Offensichtlich gab es hierzu aber unterschiedliche Vorstellungen.“ Im Klartext, so erfährt man hinter vorgehaltener Hand, habe sich Gerhard Horn zu wenig in seiner Heimatstadt gezeigt. Es reiche eben nicht, als Verwaltungsfachmann anerkannt zu sein. Diese Sichtweise teilt FDP-Sprecher Heiko Vosgerau nicht: „Das Ergebnis von Tassilo von Bary zeigt doch, dass ein anderer Wahlkampf an der Tendenz nichts geändert hätte. Der hat doch auch kaum Wahlkampf gemacht.“
In der Konsequenz sind sich beide Parteien dann doch wieder einig: Sie geben keine Kandidaten-Empfehlung für die Stichwahl am Sonntag, 27. Juni ab. Heinz Drenkberg ist da resolut: „Sonst hätten wir uns ja gleich die eigene Nominierung sparen können.“
Daraus darf nun aber mitnichten gefolgert werden, dass sich CDU und FDP „neutral“ verhalten. Aus ihrer Ablehnung des SPD-Kandidaten Hagen von Massenbach machen sie keinen Hehl. FDP-Vorsitzender Klaus Schröder wägt noch ab. Für Amtsinhaber von Bary spreche, dass er bürgernah und eingearbeitet sei. „Aber die Fähigkeit, über die tägliche Verwaltungsarbeit hinaus Perspektiven für die Stadtentwicklung aufzuzeigen, haben wir in den vergangenen sechs Jahren vermisst“, so Schröder. Die SPD habe zwar „einen unterhaltsamen Wahlkampf geführt“, aber Hagen von Massenbach konnte als Hauptausschuss- und Fraktionsvorsitzender nicht mit strategischen Fähigkeiten, Führungsqualität oder überparteilichem Handeln überzeugen. Die CDU legt noch einen drauf. Der SPD-Frontmann stehe „in der Mitverantwortung für das politische Klima in der Kreisstadt“, meint Drenkberg.
Der erste Wahlgang hat gezeigt, dass die Wähler sich von „ihrer“ Partei nichts sagen lassen. Und Dr. Philip Wrieden (CDU) hat vor sechs Jahren die Erfahrung machen müssen, dass 47 Prozent keine Sieg-garantie für den zweiten Wahlgang bedeuten.
Andreas Olbertz
Aus Café soll „Markthalle“ werden

Stormarner Tageblatt vom 16. Juni 2010
Betreiber stellt Konzept im Hauptausschuss vor – „klein, fein, einfach und frisch“ / Seit Februar steht das Lokal leer
Bad Oldesloe
Café am Markt war gestern – aus der städtischen Immobilie soll eine Markthalle werden. Das ist jedenfalls die Vision von Oke Käselau, die er jetzt im Hauptausschuss vorstellte. Seit Februar steht das Lokal leer, weil die Stadt die Pächter wegen Unregelmäßigkeiten vor die Tür gesetzt hatten, was vor allem bei älteren Oldesloern eine Welle der Empörung auslöste.
Oke Käselau kommt aus der Region, lebt in Schlamersdorf, ist Vertriebsdirektor eines Unternehmens, das mit hochpreisigen Wurstwaren handelt, und Pächter der HEM-Tankstelle an der Ratzeburger Straße. Er hat ein dreigliedriges Konzept für die Markthalle entwickelt: Restaurant, Café und Bar. „Große Sachen kann man dort wegen der Enge nicht machen“, erklärt er. „Klein, fein, einfach und frisch“, lautet deshalb das Credo des 35-Jährigen für den Restaurantbereich. Geplant ist eine „Showküche“, in der Waren, möglichst frisch vom Markt, zubereitet werden. Käselau: „Die Karte wird übersichtlich und sich schnell ändern, weil wir eben saisonale und regionale Sachen anbieten wollen.“
In Richtung Hindenburgstraße ist vor dem ehemaligen Eisausgabefenster ein Cafégarten geplant. Der Kuchen soll von Landfrauen stammen oder nach deren Rezepten gebacken werden. Auf dem Marktplatz plant Käselau zwischen den Bäumen einen Biergarten Als Clou könnte die Grönwohlder Brauerei Gänseliesel-Pils herstellen.
Oke Käselau macht keinen Hehl daraus, er ist Kaufmann. „Für mich muss ein Geschäft auch ohne mich laufen“, stellte er klar: „Nur mit dem richtigen Team, mit den richtigen Mitarbeitern und dem passenden Umfeld kann man sowas machen.“ Da sei für ihn durchaus dankbar einen Geschäftspartner mit Gastro-Erfahrung ins Boot zu nehmen.
Das „Umfeld“ ist so eine Sache. Dazu gehört ein Umbau der Räumlichkeiten, der auf 123 000 Euro geschätzt wird. 54 000 Euro fallen ohnehin an, aber gut 68 000 sind durch das Konzept bedingt. Bürgermeister Tassilo von Bary machte Andeutungen, dass die Stadt diese Kosten übernimmt und mit der Pacht wieder herein bekommt. Das soll aber im Finanzausschuss beraten werden. Bauliche Veränderungen wiederum, beispielsweise eine zusätzliche Treppe, sollen vom Bauausschuss diskutiert werden. Wenn alles glatt geht, könnte frühestens im November eröffnet werden.
Vorsitzender Hagen von Massenbach (SDP) ist über dieses Vorgehen nicht erfreut: „Das Konzept ist gut, jetzt muss verhandelt werden, was uns das ganze kostet, wie es finanziert werden soll. Wir hätten das gerne intensiver beraten, aber das war von der Verwaltung nicht gewollt.“
Auch Oke Käselau ist vom Verlauf der Sitzung etwas enttäuscht. „Kritische Fragen sind ja okay, aber das ist so trocken behandelt worden. Es ist überhaupt nicht gewürdigt worden, dass es Ideen gibt. Das motiviert mich nicht unbedingt.“
Andreas Olbertz
Neue Pläne für das „offene Atelier“ des Oldesloer KuB
Lübecker Nachrichten vom 16. Juni 2010
Bad Oldesloe – Es muss weiter nachgedacht werden: Die Planungen für das Kultur- und Bildungszentrum (KuB) in Bad Oldesloe – aus dem früheren Amtsgericht soll dieses Zentrum entstehen – beinhalten immer noch den Bau des offenen Ateliers ein Stück weit über die Trave und damit direkt in das FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) hinein. Damit steht es rechtlich auf wackeligen Beinen.
Das wird von Seiten des Naturschutzbundes Deutschland, Kreisverband Stormarn, weiter kritisiert.
Diese Kritik beschäftigte auch den Hauptausschuss. Dort einigten sich die Politiker jetzt darauf, über den neuen Vorschlag des Architektenbüros Sunder-Plassmann – er sieht einen veränderten Baukörper vor, mit Durchflugmöglichkeiten für die Vögel und Fledermäuse – nachzudenken. Gemeinsam mit dem Naturschutzbund und dem Bund für Umwelt und Naturschutz soll diese neue Planung im Umweltausschuss beraten werden. Für Hagen von Massenbach (SPD), Vorsitzender des Hauptausschusses, ist klar, „wenn es nicht geht, geht es nicht“. Aber er wolle jetzt nicht noch ein neues Gutachten erstellen lassen. Das würde mindestens 25 000 Euro kosten. Die sonstigen Planungen für das KuB liefen weiter, „wir verlieren keine Zeit“.
Im Zweifel, so Oldesloes Bauamtsleiter Frank Duwe, müsse das „offene Atelier“ verkürzt werden. Dass dieser Bau riskant sei, habe man aber vorher gewusst. kks
Neue Ideen fürs Markt-Café

- Erlebnisgastronomie für Oldesloe: Von morgens bis abends soll die „Markthalle“ geöffnet sein. Das Restaurant bietet regionale Spezialitäten, im Café gibt’s nicht nur Frühstück und an der Bar „Gänseliesel-Bier“. Foto: Kerstin Kuhlmann-Schultz
Lübecker Nachrichten vom 16. Juni 2010
Bad Oldesloe - Mit einem modernen Konzept will Oke Käselau das „Café am Markt“ in eine lebendige „Markthalle“ umwandeln. Mit Restaurant, Bar, Lounge und Bühne.
Von K. Kuhlmann-Schultz
Bad Oldesloe – Markthalle statt Café am Markt in Bad Oldesloe: Der gebürtige Oldesloer Oke Käselau, der mit seiner Familie in Schlamersdorf lebt, hat am Montagabend sein Konzept für eine Belebung des seit Januar geschlossenen Cafés vorgestellt.
Mit der „Markthalle“ will er „für Bad Oldesloe einen zentralen Mittelpunkt schaffen, der eine Einheit aus Marktleben und der Innenstadt bildet“, so sein Entwurf. Es soll ein „authentischer Mix aus moderner Gastronomie und traditionellem Marktflair“ entstehen. Mit „Gänseliesel-Bier“ aus der Grönwohlder Brauerei. Käselau plant im Erdgeschoss ein Restaurant mit Marktküche, ein Café und Eiscafé, einen Bar-, Bistro- und Loungebereich sowie einen so genannten Eventbereich mit kleiner Bühne. Im Obergeschoss entstehen ein zweiter Loungebereich sowie ein Gesellschaftsraum. Auch vor der Tür der „Markthalle“, so Käselaus Planungen, soll sich alles ändern: Mit einem Biergarten – auf der Marktplatzseite – und einem Cafégarten auf der Seite zur Hindenburgstraße sollen die Gäste die Möglichkeit bekommen, im Freien zu verweilen. Mit seinen Ideen will Oke Käselau die Innenstadt beleben, sie attraktiver machen. „Es gibt in Bad Oldesloe kaum Möglichkeiten auszugehen“, erklärt der leidenschaftliche Koch, der als Vertriebsmann in der Lebensmittelbranche arbeitet. Erfahrungen aus der Gastronomie bringt er nicht mit, aber er hat nebenbei noch ein mobiles Café, die Café Lounge, das auch beim Stadtfest in Betrieb war. Vier Monate hat er für die Entwicklung seines Konzeptes gebraucht, im Februar hat er sich dann mit seiner Idee an die Stadt gewandt. Er würde seine „Markthalle“gerne im November eröffnen – derzeit sucht er noch einen Partner, der aus der Gastronomie kommt.
Grundsätzlich kommt die „Markthalle“ gut an. „Das sieht auf den ersten Blick gut aus“, kommentiert Hagen von Massenbach (SPD), Vorsitzender des Hauptausschusses, die Planungen. „Wir müssen schauen, ob das funktioniert.“ Jetzt geht es um die Finanzierung – die Stadt als Vermieterin muss sich an den Kosten beteiligen, es stehen Investitionen an. „Es gibt noch ganz viel zu beraten“, erklärt von Massenbach. Sowohl im Finanzausschuss als auch im Bau- und Planungsausschuss. Im Juli kommt es zu einer Sondersitzung des Hauptausschusses, auf der die Pläne dann noch einmal auf der Tagesordnung stehen.
Horst Möller (CDU) findet „das Konzept sehr interessant für Bad Oldesloe“. Käselau sei mit seinen Ideen „auf einem neuen Weg“. Der „Marktplatz“ wäre eine echte Bereicherung, auch wegen des „Draußen-Konzeptes“ und natürlich weil von morgens bis abends geöffnet sei. Möller weiß, dass die Ausschüsse Käselaus Pläne erst einmal auf Herz und Nieren prüfen müssen. Aber „wir dürfen es nicht scheitern lassen“.
Auch Karl-Reinhold Wurch (FDP) sieht die „Markthalle“ als Möglichkeit, die Innenstadt zu beleben. „Die Stadt muss in die Räumlichkeiten investieren“, so der Politiker. Das müsse geregelt werden, „wir müssen schauen, was sind sowieso anfallende Kosten und was sind projektbezogene Kosten“. Schließlich die Frage, ob die Investitionen „wiederverwendbar“ sind, falls das Projekt scheitern sollte. Das müsse genau untersucht werden. Wenn alles okay sei, dann könne es grünes Licht geben.
„Das ist ein Konzept, das sich die Grünen für Bad Oldesloe schon lange gewünscht haben“, bewertet deren Fraktionschef Wilfried Janson die Pläne.
Von Kerstin Kuhlmann-Schultz
Stichwahl mit Bary und Massenbach

- Jubel im Rathaussaal über das Ergebnis. Die endgültige Entscheidung fällt in zwei Wochen. Olbertz
Stormarner Tageblatt vom 13. Juni 2010
Stichwahl mit Bary und Massenbach
39,9 Prozent für Tassilo von Bary, Hagen von Massenbach kommt auf 32,5
Bad Oldesloe
Vorher mochte keiner so wirklich eine Prognose abgeben. Um 19.20 Uhr stand das Ergebnis dann fest: Amtsinhaber Tassilo von Bary und SPD-Herausforder Hagen von Massenbach werden sich in zwei Wochen in der Stichwahl um das Bürgermeisteramt gegenüber stehen.
Um 18.12 Uhr erscheint das erste Ergebnis auf der Leinwand: Wahlkreis zehn von 19, Schule am Masurenweg, 73 Stimmen für von Bary, 50 für Gerhard Horn, 34 für Hagen von Massenbach und drei für Klaus Schädel. Innerhalb weniger Minuten folgen die Schule am Kurpark und das Gerätehaus in Seefeld. Dort holt von Bary 59 Prozent, steht in der Gesamtwertung bei 48,6 Prozent. Die Kandidaten von CDU/ FDP und SPD krebsen bei jeweils 25. Wird das ein glatter Durchmarsch für den Amtsinhaber? Allgemeines Gebrabbel im Rathaussaal. Diese Zahlen rufen noch keine Reaktionen hervor. In Poggensee kommt der Bürgermeister auf satte 63 Prozent – keine Reaktion im „Wahlstudio“. Auch von Bary bleibt ganz entspannt: „Das ist nicht repräsentativ, das sind nur die kleinen Wahlbezirke.“
Gegen 19.30 Uhr ruft er aus dem Hintergrund: „Können alle mal ein bisschen nach vorne gehen. Hier draußen stehen noch so vielen, die auch rein wollen.“ Es wird richtig voll, 300 Oldesloer möchten den Wahlausgang live verfolgen. Eine andere Chance haben sie auch nicht. Unter der Masse von Anfragen ist der Internet-Server der Stadt zusammengebrochen, die Seiten können nicht mehr aufgerufen werden.
Tassilo von Bary liegt deutlich vorne, Klaus Schädel weit abgeschlagen hinten. Von Massenbach und Horn dümpeln lange Kopf an Kopf. Erst im weiteren Verlauf kann sich der SPD-Fraktionsvorsitzende ein paar Prozentpunkte absetzen. Um 18.41 Uhr jubeln seine Anhänger: Er knackt die 30-Prozent Marke, legt kontinuierlich zu, Tassilo von Bary verliert etwas, Horn klebt bei 25 Prozent.
Am Ende trennen die beiden „vons“ knapp 650 Stimmen, 39,9 zu 32,5 Prozent. Gerhard Horn deutlich dahinter bei 25,7.
Die beiden vorläufigen Gewinner strahlen. „Ich hätte gerne ein paar Stimmen mehr gehabt, aber jetzt hoffe ich auf die von den Hornwählern“, kommentiert Tassilo von Bary den Ausgang. Er will jetzt ein paar verblichene Plakate austauschen, sonnabends in der Fußgängerzone stehen ... „Ich muss kein Geld für Aktionen verbrennen. Da spende ich lieber was für kulturelle Sachen“, erklärt er. Nach feiern ist ihm nicht zumute, da seine Tochter nach einem Sturz mit Verdacht auf Wirbelbruch ins Krankenhaus musste.
Hagen von Massenbach ist glücklich, lädt zur Party in die Bierquelle. „Alles ist gut“, freut er sich: „Ich bin im Finale. Die Karten werden jetzt neu gemischt und dann sehen wir mal, wie es in zwei Wochen steht. Ich bin ganz optimistisch.“ Seine Strategie für den weiteren Wahlkampf stehe noch nicht fest.
Die Wahlbeteiligung lag bei mageren 44,81 Prozent. „Das ist ja ein Debakel“, bedauert Walter Albrecht. CDU-Fraktions-Chef Horst Möller ironisch: „Alle, die gewählt haben, waren also auch hier im Rathaus.“
Andreas Olbertz
Kandidaten-Test: biegen, grübeln, lachen

- Es wurde viel gelacht: Die Stimmung von (v. li.) Gerhard Horn, Hagen von Massenbach, Andreas Olbertz und Tassilo von Bary beim Tageblatt Kandidaten-Test war sehr gelöst.
Stormarner Tageblatt vom 12. Juni 2010
Bad Oldesloe
Vier Kandidaten – ein Posten. Morgen haben die Oldesloer die Qual der Wahl. Ist der Rückhalt einer Partei gut oder schlecht, wer kann mit dem besten Sparpaket punkten oder den visionärsten Ideen überzeugen? Auf diese Fragen kann auch das Stormarner Tageblatt keine Antworten geben. Die Redaktion hat die Kandidaten eingeladen und Tassilo von Bary, Gerhard Horn und Hagen von Massenbach haben sich trotz voller Terminkalender einem umfassenden Test gestellt. Klaus Schädel hat abgesagt.
Unternehmen, aber auch die Oldesloer Verwaltung verlassen sich bei der Vergabe von Führungspositionen nicht mehr allein auf Bewerbungsmappe und Vorstellungsgespräch. Kandidaten werden zum Assessment-Center gebeten und dabei auf Herz und Nieren geprüft. Der Tageblatt-Test ist natürlich nicht so umfangreich und komplex, hat eher den Charakter eines Quizes, ist aber vielleicht doch ein kleiner Indikator für die Fähigkeiten und Kenntnisse in völlig unterschiedlichen Bereichen.
Der erste Test ist als solcher gar nicht vorgesehen. Im lockeren Gespräch vor dem Einstieg in die eigentliche Prüfphase beweisen die Kandidaten gewissermaßen Kompetenz auf dem gesellschaftlichen Parkett. Es herrscht Konsens bei der „Schnittchenfrage“: Finger weg von denen mit dem Geflügelsalat! Höchste Kleckergefahr und das Risiko muss ja nicht sein, egal wie lecker sie sind.
Die Sparkasse hat für den Test zwei Kniffelfragen beigesteuert. In einer Familie hat jeder Sohn dieselbe Anzahl von Schwestern wie Brüdern, und jede Tochter hat doppelt so viele Brüder wie Schwestern. Wie viele Töchter hat die Familie? Tiefe Grübelfalten in den Gesichtern der Kandidaten, leise Flüche werden ausgestoßen. Amtsinhaber Tassilo von Bary gibt sich lösungsgewiss. „Das kann ich. Ich habe selber zwei Schwestern und zwei Töchter.“ Er gibt eins als Lösung an, was aber falsch ist. Hagen von Massenbach ermittelt zwei – knapp vorbei, aber auch daneben. Gerhard Horn kapituliert.
Nächste Frage: Welcher Tag war vorgestern, wenn der Tag nach übermorgen zwei Tage vor Samstag liegt? Hagen von Massenbach versucht der Lösung mit einer Zeichnung auf die Spur zu kommen. Er schreibt sich alle Wochentage auf, zählt ab, kommt aber in Tüdel und liegt mit dem vorgeschlagenen Dienstag weit entfernt. Er versucht, mit seiner Zeichnung Gerhard Horn zu überzeugen, was aber nicht gelingt. Sein angebotener Sonnabend ist richtig, während von Bary mit dem Sonntag knapp daneben liegt.
Wer sich bei Hako um eine Lehrstelle bewirbt, muss praktische Fertigkeiten vorweisen. Aus einem 50 cm langen Schweißdraht soll nach einer Vorlage ein Pilz geformt werden. Tassilo von Bary legt als erster ein Exemplar vor. Das Urteil des Hako-Ausbildungsleiters Reinhold Stapelfeldt: „Ein bisschen krumm, aber noch ganz gut.“ Sieben von zehn möglichen Punkten. Hagen von Massenbach fühlt sich bei der Aufgabe an seine Jugend erinnert. „Ich habe mich mal bei der Telekom als Elektroniker beworben. Da mussten wir auch so was machen. ... Das ist der Grund, warum ich in der Verwaltung gelandet bin.“ Am Ende findet er sein Exemplar trotzdem „ganz toll“. Vor Stapelfeldts kritischen Augen reicht es immerhin noch zu einem „der Bogen ist gut geworden, insgesamt ganz okay“. Weil aber die Öffnung an der falschen Stelle liegt, gibt es nur acht Punkte. Zwischen den beiden Männern entwickelt sich dann ein Gespräch über die Qualität verschiedener Akkuschrauber. Gerhard Horn kämpft noch mit dem Draht. „Der macht wohl nicht viel mit Hammer und Zange?“, vermutet der Hako-Experte. Fünf Punkte für den Reinfelder Verwaltung-Chef.
Nächste Runde. Im Schnitt fällt ein Drittel derjenigen, die sich dem Einbürgerungstest stellen, im ersten Anlauf durch. Wie sieht es mit unseren Kandidaten aus? Beantworten sie die Fragen spielend? Nein, denn der ist gar nicht so einfach. Wer weiß denn schon, dass die EU heute 27 Mitglieder hat, dass die erste Gesamtdeutsche Bundestagswahl 1990 statt fand? Hagen von Massenbach schlägt sich tapfer, beantwortet alles richtig, Horn macht einen Fehler und von Bary zwei, weil er versucht, die Zahl der EU-Staaten anhand der Grand-Prix-Teilnehmer zu ermitteln.
Wenn’s mal wieder ganz dicke kommt, hilft vielleicht eine Portion Humor. Auch so etwas könnte einem Rathaus-Chef also ganz gut stehen. In dieser Fragerunde gibt Tassilo von Bary den „Anarcho“. Was liegt am Strand und redet undeutlich? „Westerwelle“ schreibt er da kurzerhand hin. Was ist gelb und hüpft über die Straße? Für den Amtsinhaber kann es da nur eine Antwort geben: „Guido“. Als er dann die Frage „Was ist grün und trägt meistens Kopftuch“ mit „Claudia Roth“ beantwortet, entfleucht Hagen von Massenbach ein: „Das kann ich nicht bringen, dann verscherze ich es mir mit den Grünen.“ Gerhard Horn tippt auf den „verkappten Froschkönig“. Für Staunen sorgt von Bary, als er einen finnischen Satz aufsagen kann. „Den habe ich mir gemerkt. Das heißt: ‚Ich liebe dich, kleines Mädchen‘ “, verkündet er mit seligem Grinsen. „Kleines Mädchen? Das finde ich aber fast schon bedenklich“, merkt da der SPD-Kandidat an, was von Bary nicht weiter anficht. „Der Satz stammt noch aus der Zeit weit vor meiner Ehe“, erklärt er. Quasi intime Enthüllung bei der humorigen Frage nach Sonnenuntergang auf finnisch. „Schlappe Lappe“, „suomi“ oder „Sol untergangla“ wurden angeboten, Helsinki wäre „richtig“ gewesen. Den Witz vom Chinesen, der mit zwei Blondinen im Arm aus der Bäckerei kommt ... okay, ein alter Hut. Gerhard Horn grinst: „Da haben wir ja wohl alle Blödchen stehen.“ Auch von Bary kann sich das Grinsen nicht verkneifen: „Wenn ich das da hinschreibe, kriege ich Ärger mit meiner Gleichstellungsbeauftragten.“ Nur Hagen von Massenbach scheint ihn noch nicht zu kennen: „Ich habe ‚zwei Goldstückchen‘ hingeschrieben.“
Da Hagen von Massenbach zwischenzeitlich schon zwei Mal die Toilette aufsuchen musste, keimt in den Mitbewerber ein leiser Verdacht. Gerhard Horn ergeht sich in humorigen Andeutungen: „Ich muss gleich auch mal, aber ich lasse mein iPhone hier liegen.“
Genug gelacht. Zeit, das Niveau anzuheben. Der Aufnahmetest für die Henry-Nannen-Schule gilt als extrem harte Prüfung. Weil ein Bürgermeister auch kommunikative Fähigkeiten haben sollte, auch ein paar Fragen aus diesem Bereich. Zumindest der erste Teil ist die Domäne von Gerhard Horn. Zuständigkeiten von Gerichten, Staatsschulden und Pendlerpauschale – das schüttelt der Kandidat von CDU und FDP in Windeseile aus dem Ärmel. Hagen von Massenbach muss eingestehen: „Da habe ich gar keinen Plan.“ Aber dann ...: Popsongs. Da muss Horn passen. Aber er gibt sich nicht kampflos geschlagen: „Egal wie es Sonntag ausgeht, wir müssen zukünftig eh zusammenarbeiten, da können wir doch jetzt schon ein Team bilden“, schlägt er vor und tauscht den Wimbledon-Gewinner gegen Lady Gaga. Tassilo von Bary kommt partout nicht auf Peter Fox als Sänger von „Haus am See“. „Ich habe das Gesicht vor mir, die Melodie, den Refrain ... “, jammert er. Bei der Frage nach Edward Cullen liegen alle drei mit Tipps wie „Borat“ oder „General Motors“ grandios daneben – keiner kennt die Twilight-Saga mit dem Vampir.
Ein Bürgermeister darf vieles sein, aber auf keinen Fall ein Geisterfahrer. Deshalb sollte er im Straßenverkehr fit sein. Um es kurz zu machen: Fragen aus den aktuellen Prüfbögen beantworten alle drei durchweg gut.
Auch wenn es so mancher zu denken scheint, der Bürgermeister ist nicht König von Oldesloe und muss sich auch den Regeln beugen. Mehr noch, er hat darauf zu achten, dass sich alle an die Regeln halten. Aber die Qualitäten der Bewerber als „Schiedsrichter“ sind durchwachsen. Dass mit einem Abschlag direkt ein Tor erzielt werden kann, weiß jeder. Aber wenn beim Elfmeter der Ball platzt, ist das eben kein Tor und der Strafstoß wird auch nicht wiederholt – Schiedsrichterball! Wenn ein Spieler den Schuh verliert, den Ball aber trotzdem passt, ist das mitnichten zulässig, es gibt aber auch keine Gelbe Karte (Massenbach). „Als wir Fußball gespielt haben, gab’s das noch nicht“, behauptet von Bary, das hilft ihm aber auch nicht.
Und wen soll man nun wählen? Die Frage will der Tageblatt-Test natürlich nicht beantworten, aber vielleicht kann er eine unterhaltsame Entscheidungshilfe sein.
Andreas Olbertz
Stormarner Wochenschau
Stormarner Tageblatt vom 11. Juni 2010
Rein und raus oder hin und weg
ABSTRUS: Als die Oldesloer Ortsteile an die Kanalisation angeschlossen wurden, übernahm die Stadt selbstverständlich die Gewässerpflege- Beiträge für die Hausbesitzer, so wie sie es im innerstädtischen Bereich schon immer gemacht hatte. Dann kameine „Klarstellung“,dass laut Gesetz Einzelmitgliedschaften vonnöten seien. In Ammersbek-Hunnau sind Land und Kreis damit grandios gescheitert. Dort geht es nun genau anders rum: Die Kommunen sind Mitglieder oder sollen es werden. Das spart mehr als 60000 Euro Verwaltungskosten pro Jahr. So genannte kooperative Mitglieder – Kommunen, die einen Verband mitgegründet haben – dürfen und sollen für die Bürger zahlen. Für Bad Oldesloe hat das abstruseFolgen. Der Norderbeste-Verband und die Stadt stellen sich auf die Position, dass Oldesloe nur für den Bereich kooperativ ist, der seinerzeit genehmigt worden war. Folge: Für einen Teil der Bürger übernimmt die Stadt die Gebühren, die anderen – vor allem in den Ortsteilen – sollen selbst zahlen. Mag sein, dass das juristisch so betrachtet werden kann, sinnvoll und gerecht ist es auf keinen Fall. Erschwerend kommt hinzu: Verband und Bürgermeister haben das hinter verschlossenen Türen verhandelt und es nicht für nötig gehalten, das Thema in die Politik zu bringen. Ganz zu schweigen davon, dass man auch die Bürger hätte fragen können.
ABGEBAUT: Junge, da geht ja die Post so richtig ab. Und das wegen einer Tischtennisplatte. Eigentlich hätte die Verwaltung da ein Lob verdient. Der Standort auf dem Spielplatz Kolberg-Körlin-Straße ist geschickt gewählt, die Bodenplatten sind schön verlegt – da kann gut gespielt werden! Doch bevor der Beweis angetreten werden kann, ist die Platte schon wieder weg. Kein Witz: Das ist jetzt zum zweiten Mal passiert. An anderen Stellen in der Stadt werden bei Beteiligungsrunden immer ausschließlich Kinder eingeladen, um herauszufinden, was sie auf „ihrem“ Spielplatz haben möchten. In der Ecke hat Bürgermeister Tassilo von Bary jetzt zwei Straßenzüge komplett angeschrieben. Prompt gibt es eine Reaktion: Im Viertel werden Flugblätter verteilt. in denen Angst vor Scherben, Spritzen und Kondomen geschürt wird. Der Spielplatz könne zum Brennpunkt wegen der „sozial Schwächeren“ vom Poggenbreden/ Hölk werden. Schlimmer geht’s nimmer. Aber selbst wenn es so kommen sollte und es nicht nur um die Ruhe vor dem Gartenzaun geht, wären das Alarmsignale. Darauf mit dem Abbau der
Platte zu reagieren, ist die falscheste aller Varianten.
Rolf Blase, Andreas Olbertz
Erst Ping, dann Pong ...

Stormarner Tageblatt vom 11. Mai 2010
Schon zweimal: Verwaltung stellt eine Tischtennisplatte auf und lässt sie wieder abbauen
Bad Oldesloe
Das hat schon was von einem Schildbürgerstreich: Zwei Tage steht die neue Tischtennisplatte, dann ist sie wieder weg. Und zwei Jahre später wiederholt sich das Spiel: Neue Platte, Fundament und Bodenfliesen, aber schwups ist sie verschwunden – nicht gestohlen, sondern auf Anweisung abgebaut.
Wippe, Rutsche, ein Drehteil – „da ist doch wirklich nur Kleinkinderkram“, sind sich Anlieger der Kolberg-Körlin-Straße einig. Deshalb starteten sie eine Initiative für eine Tischtennisplatte. Die Truppe stieß im Rathaus auf einen verständnisvollen Mitarbeiter – Mittel besorgt, Platte aufgestellt, fertig. „Unsere Kinder sind gleich los, Schläger und Bälle kaufen“, erinnert sich eine Mutter. Doch aus dem Spielspaß wurde nichts, die Neuanschaffung verschwand nämlich genau so schnell wie sie aufgestellt war. Daraufhin sammelten die Eltern Unterschriften. „Es haben auch viele Großeltern für ihre Enkel unterschrieben“, erinnert sich Annette Aick.
Das Schreiben an die Verwaltung brachte allerdings nichts, denn die Platte war mittlerweile an einen anderen Spielplatz vergeben. 2009 kam unverhofft ein Anruf aus dem Rathaus: „Besteht der Wunsch nach einer Tischtennisplatte noch?“ Annette Aick: „Klar haben wir ja gesagt. Es gibt hier im Viertel die großen Kinder, die raus gewachsen sind, und es wachsen kleine nach; für unsere so zwischen acht und zwölf Jahren gibt es nichts.“
Jetzt wurde aufwändig gebaut. Die Platte soll noch nicht gestanden haben, da sei bereits interveniert worden. Abends war das Spielgerät mit einer Plane abgedeckt und tags drauf verschwunden. „Wir hatten nicht mal die Möglichkeit zu spielen“, klagt Katja Nassat. Den Eltern wurde vom Bauamt mitgeteilt, dass es „massiven Druck“ von Anliegern gab.
Bürgermeister Tassilo von Bary stellt die Entwicklung etwas anders dar. „Das hatte eine neue Sachberarbeiterin veranlasst, die den Altvorgang nicht kannte“, erläutert von Bary. Er könne sich durchaus vorstellen, dass eine Tischtennisplatte in besagter Altersgruppe gut ankomme, aber, so der Verwaltungschef: „Es hat auch andere Stimmen gegeben. Da möchte ich Klarheit haben.“ Deshalb habe er eine schriftliche Umfrage veranlasst. Auch, um gegenüber Anwohnern, die sich beschweren, den Bedarf nachweisen zu können.
„Es ist doch unfair, dass da Ältere und Kinderlose ebenfalls angeschrieben wurden. Die haben daran doch gar kein Interesse“, ärgert sich eine Betroffene. Sie befürchtet, dass vor allem direkte Nachbarn einen attraktiven Spielplatz verhindern wollen, denn wo keine Kinder hingehen, machen sie auch keinen Lärm.
Andreas Olbertz
Wahlergebnisse am Wahlabend im Rathaussaal Bad Oldesloe
Stormarner Tageblatt vom 11. Juni 2010
Am Sonntag findet die Bürgermeisterwahl in Bad Oldesloe statt. Die Wahlberechtigten entscheiden, wer ab 1. Oktober für sechs Jahre an der Spitze der Oldesloer Stadtverwaltung steht: Amtsinhaber Tassilo von Bary, Gerhard Horn, Freiherr Hagen von Massenbach oder Klaus Helmut Schädel. Gemeindewahlleiter Malte Schaarmann erwartet Ergebnisse aus den ersten der insgesamt 19 Wahllokale gegen 18.30 Uhr.
Die jeweils aktuellen Meldungen und die fortlaufende Stimmenverteilung werden nicht wie sonst üblich im Stadthaus, sondern im benachbarten Rathaussaal multimedial präsentiert. Eine Projektion im Stadthaus lässt sich wegen der Helligkeit nicht realisieren – deshalb der Umzug. Das Rathaus öffnet seinen Haupteingang zum Marktplatz, um allen Interessierten Gelegenheit zu geben, die Ergebnisentwicklung am Wahlabend hautnah mitzuerleben. Das Rathaus wird ab 18 Uhr geöffnet. st
Sparplanung bei Bücherei und Museum
Stormarner Tageblatt vom 9. Juni 2010
Bad Oldesloe
Das ist ein dicker Brocken: Der nächste Sanierungsabschnitt der alten Stadtschule mit Bücherei und Heimatmuseum soll knapp 2,5 Millionen Euro kosten – davon sind 579 000 Euro der Tatsache geschuldet, dass der Sozialausschuss im Dezember mit CDU/FDP-Mehrheit beschlossen hatte, dass dem Museum im ersten Stock der Bereich bis zur Treppe zur Verfügung gestellt wird und das Dachgeschoss gemeinsam genutzt wird. Jetzt wurde das Thema in den Bauausschuss delegiert, um Sparpotenziale auszuloten.
Architektin Brigitte Schulz erläuterte die Grundzüge ihrer Planung. Ziel sei es, Arbeits- und Brandschutz, die jeweiligen Einzelinteressen zu berücksichtigen und darüber hinaus dafür zu sorgen, dass Besucher ins Museum könnten, auch wenn die Bücherei geschlossen ist – alles barrierefrei für Behinderte. Das wird über sogenannte „Verteilpunkte“ im bisherigen Treppenhaus erreicht. Die rechte Treppe soll durch einen Fahrstuhl ersetzt werden, das Ganze wird vergittert, kann von vorne oder hinten betreten werden und für jede Einrichtung separat betreten werden.
Der Fahrstuhl gehört mit 214 000 Euro zu den großen Kostenpunkten. Der Planerin schwebt ein verglaster Panorama-Aufzug vor. Siegfried Wobig hat sich klar positioniert: Das ist der CDU zu viel. Es gibt auch eine Variante für „nur“ 95 000 Euro. Eine zum Teil gebogene Glastrennwand zwischen Bücherei und Museum „muss nicht sein“, so Wobig. Das spart weitere 35 000 Euro. Das Edelstahlgewebe um das Treppenhaus – „da gefällt mir die ganze Lösung nicht“. Da half es auch nicht, dass Andreas Weich vom Oldesloer Bauamt darauf hinwies, dass die Glaswand ein dringender Wunsch des Heimatmuseums war, um „sichtbar zu sein“. „Klar will ich auch das Beste und Schönste haben – erst recht, wenn ich es nicht zahlen muss“, meinte Tim Höschler (CDU) zu dem Ansinnen.
Um während der Bauphase einen ausgelagerten Betrieb aufrecht zu halten, werden 182 000 Euro fällig. Diese Summe erscheint Siegfried Wobig ebenfalls zu hoch. „Das geht auch anders“, ist er überzeugt. Die anderen Parteien äußerten sich nicht weiter. Die Politiker nahmen die Vorlage zur Kenntnis und werden sie in den Fraktionen beraten.
Andreas Olbertz
Hohe Hürden vor der Integration

- Aygün Caglar (CDU) ist engagiert im Fit e.V.. Er legte in Sachen Intergations-Beauftragter einen Kompromissvorschlag vor. Foto: st
Stormarner Tageblatt vom 9. Juni 2010
Bad Oldesloe streitet über Einführung eines Beauftragten, Beirats oder doch eines Runden Tischs
Bad Oldesloe
Alle sind für Integration – aber wie nur? Im Oldesloer Sozialausschuss ist über dieses Thema wieder heftig diskutiert worden. Benötigt die Kreisstadt einen Beauftragten, einen Beirat oder ist ein Runder Tisch die beste Lösung?
Zwei Diskussionsrunden hat es zu diesem Thema bereits gegeben. Zur jüngsten wurde jetzt das Protokoll im Sozialausschuss vorgelegt. Aygün Caglar (CDU) ging gleich zur Attacke über. „Ich finde die Dokumentation miserabel.“ Er habe den Eindruck, dass das Protokoll „bewusst gegen uns“ geschrieben sei. Mit „uns“ meint der Vertreter der Christdemokraten den Fit-Verein (Für Integration und Toleranz), in dem er engagiert ist. Und Fit propagiert nun mal den Integrationsbeauftragten. Das Diakonische Werk ist dagegen Befürworter eines Runden Tisches beziehungsweise eines Beirats. Zwischen den beiden Gruppen verläuft eine deutliche Trennlinie.
In besagter Dokumentation wurde ein „Ahrensburger Modell“ erwähnt. Doch das, so die Kritik vom Fit-Vorsitzenden Gerd-Günter Finck, gebe es eigentlich gar nicht. In Ahrensburg habe man nicht mehr hinbekommen als das Frauenschwimmen nach Oldesloer Vorbild. Bürgermeister Tassilo von Bary stellte klar, dass das Ahrensburger Modell erwähnt werden müsse. Es sei aber nicht Aufgabe der Verwaltung zu prüfen, was qualitativ dahinter stecke.
Seitens des Runden Tischs gibt es kein eindeutiges Votum, also soll Politik es richten. Aber zwischen den Parteien gibt es unterschiedliche Ansichten. Für die SPD stellte Jens-Pieter Freise den Antrag, dass bis Ende des Jahres ein Beirat auszuschreiben sei. Er sieht darin die Chance, eine breite Basis für die Migrationsarbeit zu legen. Ein Beirat sei gegenüber einem Runden Tisch ein gesetzlich genau definiertes Gremium, mit klaren Aufgabe und Rechten. Dazu zählt beispielsweise Rede- und Antragsrecht.
Aygün Caglar machte einen Kompromissvorschlag. Vertreter von Vereinen bildeten einen Runden Tisch, wählten einen ehrenamtlichen Beauftragten und legten ihren Arbeitsrahmen fest. „Wieso nur Vertreter von Vereinen?“, fragte Birgit Weißmann (SPD): „Was ist mit der engagierten Einzelperson?“ Weil Gerd-Günter Finck vorher stolz verkündete hatte, dass Fit nach Politik und Verwaltung die mit Abstand größte Gruppe bei der zweiten Runde gestellt hatte, entwickelte sich eine Diskussion, wie denn geregelt werde, welcher Verein wie viele Stimmen bekomme? Gudrun Möllnitz (CDU) brachte es auf den Punkt: „Es steht doch noch gar nicht fest, dass der Vorsitzende von Fit kommt.“ Das hatte zwar niemand behauptet, aber der Verdacht lag in der Luft. Es gehe doch nur darum, dass „nicht wieder die üblichen Hauptamtlichen“ alles übernähmen, versuchte Anita Klahn (FDP) klar zustellen, lieferte damit aber Peter Stoltenberg (SPD) eine Steilvorlage: „Es geht also nur darum, die Diakonie raus zu halten!“
Am Ende kam ein Kompromiss heraus: Es wird bis Ende August zu einem Runden Tisch für Migration eingeladen. Dessen „Mitglieder“ wählen einen ehrenamtlichen Sprecher und einen Vertreter, bestimmen ihren Aufgabenbereich und den Turnus der zukünftigen Sitzungen. Dazu gibt es eine exemplarische Liste mit Vereinen und Verbänden, die einzuladen sind. Den SPD-Vertretern ging auch das noch nicht weit genug, sie enthielten sich beziehungsweise stimmten dagegen. FDP, CDU und Grüne waren dafür.
Andreas Olbertz
Lesermeinung
Stormarner Tageblatt vom 9. Juni 2010
Zukunft geben
Zu: „Weniger Raum als gefordert“, Tageblatt, 4. JuniWenn man Politiker fragt, warum wir Schulden abbauen wollen, heißt es unisono: „Wir können den nachfolgenden Generationen doch keine Schulden hinterlassen!“ Aber heißt es dann gleich, dass wir sie um ihre Chancen bringen müssen? Nun werden Räume bei der Stadtschule gestrichen und ein paar hundert Meter weiter sieht man, was es bringt: Container auf dem Schulhof. Die Zukunft auch für die Stadtschule?
Dass die CDU die Stadtschule nicht mag, sollte inzwischen jedem klar geworden sein. Nein zu den FSJ-lern, nein zur gebundenen Ganztagsschule und nun die „Schmalspurlösung“ bei der Raumplanung entgegen den Expertenmeinungen aus den anderen Schulen. Warum hat die Stadtschule mit 140 Mittagessen pro Tag als einzige Schule in Oldesloe noch keine Mensa? Sicherlich hätte die CDU-Mehrheit diese auch weiterhin verhindern können, wäre da nicht der Umbau zur gebundenen Ganztagsschule gekommen. Aber eine ständige Blockade der Stadtschule verstößt gegen den Artikel 2 des Grundgesetzes, nach dem jeder ein Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit hat. Dies gilt auch für die Schüler der Stadtschule. Und Artikel 21 des Grundgesetzes bestimmt, dass die Parteien bei der politischen Willensbildung des Volkes mitwirken – mitwirken bedeutet jedoch nicht hinter den Türen durchzupauken.
Aber auch Frau Klahn konnte sich nach ihrem mutigen Vorpreschen für die gebundene Ganztagsschule jetzt nicht gerade mit Ruhm bekleckern. Sie hat sich selbst zum „Satellite“ von Bildungsminister Klug degradiert. Aber eine Anita macht noch lang keine Lena!
Bei der Offenen Podiumsdiskussion der Kreiselternvertretung am 28. Mai hatten wir (inkl. Frau Klahn und Herr Potzahr) doch ausgerechnet, dass sich das Land mit insgesamt 25 Mrd. und einem Zinssatz von 4 Prozent verschuldet hat. Gleichzeitig bringt uns die Investition in Bildung eine Rendite von 8 Prozent bei gleichzeitiger Entfaltung der Persönlichkeit unserer Kinder. Soll ich meinen vier Kindern mal eines Tages erklären müssen, dass engstirnige Politiker ihre fundierte Ausbildung zugunsten von Bilanzkosmetik geopfert haben? Denn jeder Kaufmann weiß, dass eine Bilanz zwei Seiten hat und eine Verschuldung erst dann kritisch ist, wenn es keine Aktiva mehr gibt (die ja nun alle über Bord geworfen werden). Sparen wir also nicht an unseren Aktiva der nächsten Generation, denn die müssen ja mal unsere Rente verdienen! Lars Cornehl, Bad Oldesloe
Stormarner Wochenschau
Stormarner Tageblatt vom 4. Juni 2010
Vordergründiges und Rückseiten
GOTTVERTRAUEN: „Oh Gott, Herr Pastor“ – wenn das mal gut geht!? Denn bei der Herkules-Aufgabe, die sich die Ev. Kirchengemeinde Bargteheide auferlegt hat, ist schon eine Extraportion Gottvertrauen vonnöten. Im Rahmen des städtischen Millionen-Projektes Um- und Neubau der Kita „Am Mühlentor“ hat sich die Kirche bereit erklärt, für die neue Küche und Teile des Inventars satte 150000 Euro beizusteuern. Geld, das sie nicht hat. Dennoch sind die Pastoren Jan Roßmanek und Andreas Feldten nicht bange, vertrauen auf Gott und speziell auf ihre „Schäflein“. Wie schon bei der erfolgreichen 50000-Euro-Operation der Bensmann-Orgel hofft die Kirchenzunft erneut auf ein großes „Spenderherz“ der Bürger, Firmen und Co. Schließlich sei es eine lohnenswerte Investition in die Zukunft unserer Kinder und die nachfolgenden Generationen, so die Pastoren im Gleichklang. Und bislang konnte sich die Kirche auf ihre Bürger verlassen. Doch bei allem Optimismus. Das ist eine verdammt große Summe. Damit das Kirchenprojekt am Endenicht in Teufels Küche kommt, könnte ein Extra-Stoßgebet gen Himmel wohl nicht schaden.
KEIN VERTRAUEN: Das war mal wieder eine beeindruckende Diskussion
im Sozialausschuss. Eine Allianz von FDP und CDU gegen die Stadtschule. Wäre über die Notwendigkeit von Räumen wirklich ernsthaft diskutiert worden – das hätte man ja noch verstehen können, erst Recht, wenn am Ende eine Erkenntnis gestanden hätte. Stattdessen wurde alles pauschal angezweifelt. So liest sich dann auch der Beschluss: Wir streichen vier Räume. Punkt aus. Von wegen Grundsatz
– einfach weg. Man kann natürlich auch andersrum argumentieren: Ein Raum mehr als das Kieler Musterprogramm vorgesehen hätte. Okay. Aber warum
diese Großzügigkeit? Auch dafür gibt es keine Begründung. Das Ganze wird stattdessen unter das Deckmäntelchen von Multifunktionalität und Mehrfachnutzung gesteckt. Es fehlte eigentlich nur noch der Vorschlag, bitteschön auch die Toiletten
mehrfach zu nutzen. Unisex ist en vogue, und seien wir mal ehrlich: Auf dem Topf liest es sich doch immer noch am gemütlichsten. Dann kann doch die Schülerbibliothek auch gleich im Lokus integriert werden – was die
Möglichkeit eröffnen würde, das als innovative Leseförderung zu verkaufen. Unser Karikaturist Götz Wiedenroth hat dazu auch ein Konzept entwickelt.
BLIND VERTRAUT: Schlagerbernd hat es wieder getan. Wie schon zur Kommunalwahl hat er die Plakate der Kandidaten zur Bürgermeisterwahl gekonnt auf die Schippe genommen. Manchmal kann auch eine Plakatrückseite ganz aussagekräftig sein. Mit Gerhard Horn- Konterfei gibt es beispielsweise Aufsteller, auf denen hinten Lionsclub Stormarn steht. Aber warum sollen die den nicht unterstützen? Tassilo von Bary hat tatsächlich einzelne Plakathalter im Stadtbild, die rückwärtig mit O.B. gekennzeichnet sind. Auch die Oldesloer Bühne darf selbstverständlich unterstützen, wen sie will, wäre da nicht jener denkwürdige Auftritt vor gar nicht allzulanger Zeit im Hauptausschuss gewesen, bei dem der Vorsitzende Vorwürfe des FDP-Fraktionsvorsitzenden Karl-Reinhold Wurch, die Oldesloer Bühne würde Wahlkampf für von Bary machen, aufs heftigste von sich gewiesen hat – man sei durch die Satzung schließlich zu Neutralität verpflichtet. Ausrufezeichen! Aber vielleicht strebt von Bary ja auch zu Höherem. O.B. – das steht bestimmt für Ober-Bürgermeister.
Andreas Olbertz, Volker Stolten
Atelier gefährdet Eisvögel

Stormarner Tageblatt vom 5. Juni 2010
Schwebender Fortsatz über der Trave greift in Naturschutzgebiet ein
Bad Oldesloe
So kennt man Klaus Graeber sonst gar nicht. Mit deutlichen Worten kritisierte der Naturschutzbund-Mann, der auf SPD-Ticket im Umweltausschuss sitzt, die Planungen für das Kultur- und Bildungszentrum. Unverhohlen drohte er mit einer Klage gegen das Prestige-Projekt.
Bauamtsleiter Frank Duwe hatte im Umweltausschuss mitgeteilt, dass ein erster Scopingtermin „recht angeregt und in positivem Miteinander“ verlaufen sei. Da hatte Graeber allerdings einen ganz anderen Eindruck. Seine Frau, Dr. Ulrike Graeber, hatte nämlich als offizielle Bund-Vertreterin daran teil genommen. Sie sei eher ignoriert worden und habe den Eindruck gehabt, nicht erwünscht zu sein. Graeber bemängelt, dass kritische Aussagen von Planern nicht ins Protokoll aufgenommen worden seien. „Ich habe starke Bauchschmerzen, ob das Verfahren wirklich fair abläuft“, sagte er im Ausschuss.
Der große Knackpunkt ist das „offene Atelier“. Ein Gebäudeteil, das in Verlängerung des ehemaligen Amtsgerichts frei über der Trave schweben soll – eines der herausragenden optischen Elemente des Architekten-Entwurfs. Doch die Trave ist FFH-Gebiet. Und dort gelte, so Graeber, ein „Verschlechterungsverbot“. Er kritisierte: „Die Stadt hatte mehrere Entwürfe und hat sich ausgerechnet für den entschieden, der sich nicht an die Spielregeln gehalten hat. Der Architekt geht über die Grundstücksgrenze hinaus rein ins FFH-Gebiet. Ein gläsernes Atelier muss nicht über der Trave hängen.“ Da es Alternativen gebe, sieht er keine Chance für eine Genehmigung. Ergo könne sich die Stadt das Geld für aufwändige Gutachten gleich sparen. Wilfried Janson von den Grünen pflichtete ihm bei: „Ich habe sehr frühzeitig gesagt, dass es nicht genehmigungsfähig ist. Aber erster Preis heißt ja nicht, dass es auch so gebaut werden muss.“
Da hatte Kurt Söffing von der städtischen Umweltabteilung allerdings eine andere Auffassung: „Es geht hauptsächlich um Wasserorganismen und die sind durch die Planung sicherlich nicht betroffen. “ Außerdem sei das FFH-Gebiet etliche Kilometer lang, wenn davon zehn Meter überbaut würden, sei fraglich, ob das negative Effekte habe. Bauamtsleiter Frank Duwe machte deutlich, dass es über die tatsächliche Genehmigungsfähigkeit nur Klarheit gebe, wenn das Verfahren durchlaufen werde.
Klaus Graeber hat eine ganze Reihe von Befürchtungen: Bäume müssen unnötig gefällt werden, Eisvögel könnten gegen den Glaskasten fliegen, Fledermäuse ihren angestammten Flugkorridor verlieren, Insekten könnten von dem beleuchteten Atelier in die Irre geleitet werden und an Entkräftung sterben. Sein Fazit: „Ohne diesen Klotz am Bein könnte die Stadt wesentlich zügiger planen.“
Graeber ließ keinen Zweifel daran, er werde entweder die Zuschussgeber über die Unrechtmäßigkeit der Planung informieren, was vermutlich den Verlust von Fördergeldern zur Folge hätte, oder der Nabu werde klagen. „Unser Anwalt ist gut, der hat in den letzten Jahren alle vergleichbaren Prozesse gewonnen“, so Graeber.
Einen Beschluss konnte der Umweltausschuss nicht fassen, aber eigentlich waren sich alle einig, dass das schwebende Atelier nicht notwendig ist. Über die Fraktionen soll nun ein entsprechender Vorstoß gestartet werden, der Hauptausschuss könnte die Planung dann stoppen.
Andreas Olbertz
Klares „Nein“ zum Autohof

Stormarner Tageblatt vom 5. Juni 2010
Diskussion in Rethwischfeld mit Bürgermeisterkandidat Hagen von Massenbach
Bad Oldesloe
Die Rethwischfelder, vor allem die, die in der Nähe der B 208 wohnen, sind gegen einen Autohof im Gewerbegebiet Süd-Ost. Das wurde bei einem Treffen in der Gaststätte Mäcki schnell klar. Hagen von Massenbach hatte zu dem Stammtisch eingeladen – genau genommen war der SPD-Bürgermeisterkandidat von Emmer Häbe und Jens Lorenz eingeladen worden. Sie ärgern sich ebenso wie andere Rethwischfelder darüber, dass in der Politik zwar über, aber nicht mit dem Stadtteil gesprochen wird.
Eine Kritik, die Hagen von Massenbach verstehen kann. Er arbeitet im Amt Bad Oldesloe-Land, zu dem auch Rethwischfeld vor seiner Eingemeindung gehörte. „Wenn Rethwischfeld noch selbstständig wäre, würde über einen Autohof in der Gemeindevertretung ausführlich diskutiert werden“, so der SPD-Politiker.
Vorteile für die Stadt durch einen Autohof sah niemand der rund 30 Besucher – wenn man einmal davon absieht, dass die WAS ein großes Grundstück verkauft. Umso größer sind die Befürchtungen vor weiterer Verkehrsbelastung, vor Lärm und weiteren Ansiedlungen. Gastwirt Bernd Drews befürchtet, dass der Autohof der Anfang für eine verfehlte Entwicklung ist: „Ich glaube, die Politiker kennen überhaupt keine Autohöfe. Sie sollten sich mal welche anschauen, bevor sie entscheiden.“ Wo es einen Autohof gebe, würden sich auch Kasinos und anderes „Gewerbe“ ansiedeln. Bislang liegt der WAS und der Stadt nur eine Anfrage vor: Für 5 bis 7 Hektar mit Restaurants, Stellplätzen für Lkw, Wohnmobile und Pkw, Waschanlage, Motel, Reifen- und Reparaturservice. „Bis eine Beherbergung gibt der Bebauungsplan das alles her“, erläuterte Maria Herrmann, Mitglied im Bauausschuss, auf Nachfrage. „Wir haben Hagen von Massenbach eingeladen, weil wir uns vorgenommen haben, etwas gegen einen Autohof zu unternehmen. Was haben wir für Möglichkeiten?“, fragten Emmer Häbe und Jens Lorenz. Antwort: „Kommen Sie in den Ausschuss und stellen Fragen“, sagt Maria Herrmann – und schlug vor, dass der Ausschuss das Thema Autohof bei einer Sitzung in Rethwischfeld behandeln solle. Rolf Blase
Weniger Raum als gefordert

- "Ich habe den Eindruck, wir kaufen ein Auto, sparen aber die Reifen ein", Birgit Weißmann, SPD
Stormarner Tageblatt vom 4. Juni 2010
Pauschale Streichung des Platzbedarfs an der Stadtschule durch FDP-CDU-Mehrheit
Bad Oldesloe
Seit Monaten ist es das beherrschende Thema im Bildungsausschuss: Wie viele Räume braucht die Stadtschule zukünftig als gebundene Ganztagsschule?
Bereits Ende März hatte der Ausschuss auf Antrag der FDP beschlossen, das „nach objektiven Gesichtspunkten selbst entwickelte Raumprogramm zu Grunde zu legen“. SPD und Grüne waren ebenfalls für den Antrag von Anita Klahn. Kurz drauf in der Stadtverordnetenversammlung dann die große Wende. Anita Klahn überraschte mit einem Geschäftsordnungsantrag, das Thema erneut in den Ausschuss zu verweisen.
Also alles noch mal von vorne. Thomas Sobczak hatte das Thema jetzt haarklein für die Politiker aufbereitet. Wie viele Klassenräume mit wie vielen Quadratmetern werden benötigt, wie viele Quadratmeter in der Mensa für wie viele Kinder, wie viel Platz im Lehrerzimmer bis hin zur Butze für den Hausmeister oder Kammern für den Kopierer. All das und noch vieles mehr ist im Kieler Musterraumprogramm geregelt. Die Verwaltung hält es für sinnvoll, sich daran zu orientieren. Die Schule hatte zuvor mit einem Architekten ein eigenes Raumprogramm entwickelt und siehe da, der Unterschied ist gar nicht groß. Es sind lediglich fünf Räume, deren Nutzung strittig ist. Für Schulleiterin Sabine Prinz ist klar, diese Räume können für eine Sprachförderklasse, für Differenzierung oder freie Lernzeiten verwendet werden. Die Verwaltung argumentiert: Die Räume müssen nicht sein, intern umschichten, dann muss weniger neu gebaut werden – es wird billiger.
Gudrun Möllnitz (CDU) wehrte sich gegen die Koppelung einzelner Räume an Funktionen. Als Beispiel nannte sie den Kopierraum. Der Kopierer könne doch auch „irgendwo mit rein gestellt werden“. Sie verlangte, dass Räume „doppelt und dreifach genutzt werden“. Widerspruch von Thomas Sobczak: „Der Kopierer darf eben nicht im Krankenzimmer stehen.“
Aygün Caglar (CDU) trug die Forderung vor, die Schülerbibliothek in die benachbarte Bücherei zu integrieren. Veto vom Bürgermeister: „Wir unterhalten uns grade über die Enge in der alten Stadtschule. Für Auslagerungen ist da kein Platz.“
Der Klahnschen Idee, die Mensa doch ins Schulfoyer zu verlegen, erteilte Thomas Sobczak eine Absage. Der laut Raumprogramm benötigten Platz sei ohnehin nicht zu realisieren. Eine Erweiterung des Foyers hätte eine Verkleinerung des Schulhofs zur Folge, das sei kritisch.
IGS-Rektor Andreas Bielke warb ausdrücklich für eine großzügige Planung an der Stadtschule: „Rückzugsmöglichkeiten sind entscheidend für das Wohlbefinden. Das ist unser großes Problem, weil das nicht angemessen berücksichtigt worden ist.“ Hildegard Pontow, Leiterin der Klaus-Groth-Schule, sprach sich entschieden dafür aus, die Sprachförderung an der Stadtschule zu belassen.
CDU und FDP waren anderer Meinung. Sie setzten nach einer Sitzungsunterbrechung durch, dass die Stadtschule von den fünf strittigen Räumen nur einen behalten darf.
Sabine Prinz nimmt es mit Ironie: „Hauptsache es geht weiter. Aber mit Bildungspolitik hatte das nichts zu tun. CDU und FDP haben sich nicht gemüßigt gefühlt, sich die Situation hier anzugucken. Stattdessen wurden einfallslose und dummerhafte Fragen gestellt.“
Andreas Olbertz
Ohne Sinn
Schule wird kaputtgespart
Andreas Olbertz
Wenn man mit Argumenten nicht weiter kommt, um sein vorher gestecktes Ziel zu erreichen, dann muss es eben ohne gehen.
Dass sich vorher drei Schulleiter quasi unisono für das Raumkonzept der Stadtschule ausgesprochen haben – egal, CDU und FDP wollen das nicht. Eine inhaltliche Auseinandersetzung, an deren Ende die Erkenntnis steht: Das ist nun aber wirklich purer Luxus, das brauchen wir nicht, hat es nicht gegeben. Im Gegenteil. Der Beschlussvorschlag von CDU und FDP wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf dem Flur ausgekaspert. Sollte es Argumente gegeben haben, niemand hat sie erfahren.
Sicher müssen auch Bildungspolitiker die Finanzen im Auge behalten. Aber statt diese herausragende Chance für unsere Kinder und den Bildungsstandort zu ergreifen, soll sie ohne Sinn und Verstand kaputt gespart werden. Bei der Stadtschule kennen wir es ja nicht anders.
Geld statt Eschen und Orchideen

- Da steht nicht mehr viel: Klaus Graeber (re.) zeigt Hagen von Massenbach die schlimmsten Stellen im Kneeden. Foto: Olbertz
Stormarner Tageblatt vom 3. Juni 2010
Umweltschützer kritisieren „Waldfrevel“ im Kneeden während der Brutzeit
Bad Oldesloe
Hat da die berüchtigte Axt im Walde gewütet? „Das soll ordnungsgemäße Waldwirtschaft sein, wo jetzt kein Gartenbesitzer mehr seine Hecke schneiden darf? Selbst wenn das rechtens ist, haben wir als Stadt ja wohl eine Vorbildfunktion.“ Ungläubig schaut SPD-Fraktionsvorsitzender Hagen von Massenbach im Kneeden über eine Kahlschlagfläche. Es sieht aus, als wären Panzer durchs Gehölz gebrettert – tiefe Reifenspuren, herumliegende, armdicke Äste, beschädigte Rinden.
Das Schlimme ist das, was man nicht mehr sieht. Klaus Graeber, Vorsitzender des Nabu und Mitglied des Umweltausschusses, erläutert, dass auf dem feuchten, nährstoffreichen Boden gefährdete Orchideen wuchsen. „Ich weiß nicht, ob die das überleben“, äußert er Zweifel. Zahlreiche Gelbspötter, Zilpzalps und Nachtigallen hätten mit den gefällten Bäumen ihre Nester und damit den Nachwuchs verloren. Mit Blick auf den Holzlagerplatz kritisiert der Öko-Experte: „Ich möchte nicht wissen, wie viele Zaunkönige da drunter liegen.“
Dass gefällt werden sollte, dagegen hat selbst Klaus Graeber keine Einwände. Was ihn stört, ist der Zeitpunkt: „Man versucht jetzt, solange es sich noch einigermaßen lohnt, das Holz zu Geld zu machen“, klagt er an. Auf Vegetationsperiode und Brutzeit werde keine Rücksicht genommen.
„Das sieht zwar wüst aus, aber forstwirtschaftlich ist das normal“, betont hingegen Dr. Kurt Soeffing von der städtischen Umweltabteilung. Joachim Schulz vom Kreis-Umweltamt stimmt ihm zu: „Mit dem Knüppel ‚Recht und Gesetz‘ ist da nichts zu regeln. Das ist eine Frage des Augenmaßes.“ Nach seiner Aussage gelten die Fällverbote nämlich in der Forstwirtschaft nicht.
Reinhard Schulte von der Bezirksförsterei der Landwirtschaftskammer wehrt sich: „Das ist dem Umweltausschuss alles nicht neu, das ist 2009 mit dem Wirtschaftsplan vorgestellt worden.“ Das wiederum bestreitet Ausschussvorsitzender Michael Klahn (FDP): „Es mag sein, dass die Fällungen ganz allgemein angesprochen wurden, aber mit Sicherheit nicht das Wann. Das ist doch das Pikante an der Geschichte.“ Heute Abend tagt der Umweltausschuss. Klahn kündigt an: „Das werden wir alles ganz genau hinterfragen und prüfen.“
Beim Baumfrevel im Kneeden geht es unter anderem um Geld. Eschen leiden unter einem Pilz. „Wenn die Nährstoffversorgung nicht mehr gewährleistet ist, verfault das Holz ganz schnell“, erklärt Schulte. Das hat Auswirkungen: „Statt 100 Euro pro Festmeter für Möbelholz gibt es dann nur noch 20 Euro für Brennholz“, so der Förster. In der Summe mache das einige Tausend Euro aus.
Verfaultes Holz bedeutet aber auch mangelnde Standsicherheit. Förster Schulte: „Hier geht es um die Verkehrssicherungspflicht der Bahntrasse.“ Dabei ist problematisch, dass man den Tod einer Esche erst erkennt, wenn sie keine Blätter mehr austreibt – also zu Beginn der Vegetationsperiode.
Andreas Olbertz
Genau zur Brutzeit: Kahlschlag im Forst Kneeden

- SPD und Grüne aus Bad Oldesloe prangern die Maßnahmen im Kneeden an: Dort wurden jetzt Eschen (vom Pilz befallen), Erlen und Buchen gefällt. Foto: Kerstin Kuhlmann-Schultz
Lübecker Nachrichten vom 2. Juni 2010
Bad Oldesloe – „Es ist wirklich ein heftiger Verlust“, bedauert Klaus Graeber, Vorsitzender der Kreisgruppe des Naturschutzbundes Deutschland, den „Kahlschlag“ im Forst Kneeden.
Auch wenn es sich um „eine ordnungsgemäße Waldwirtschaft handelt“, kann er das Fällen der von einem Pilz befallenen Eschen nicht gutheißen. Zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt, wo die Vögel – Zaunkönig, Gelbspötter oder Zilp-Zalp – noch brüten. Zu Fall gebracht wurden auch Buchen und Erlen, nicht zu vergessen die Orchideenarten, die in diesem Feuchtwald ihr Zuhause hatten. „Hier gab es die grünliche Waldhyazinthe, ich weiß nicht, ob wir davon noch viele wiederfinden“, so Graeber.
Der Forst Kneeden gehört der Stadt, bewirtschaftetet wird er von der Fortsbetriebsgemeinschaft Stormarn. Für Hagen von Massenbach (SPD) und die Grünen ist klar: „Wir haben als Stadt eine Vorbildfunktion.“ Den Bürgern könne man nicht sagen, während der Brutzeit dürften keine Bäume und Hecken geschnitten werden, und im Kneeden passiert es. Das Thema soll noch einmal im Umweltausschuss am Donnerstag auf den Tisch. Allerdings: Die Rodung erfolgte mit Zustimmung der Stadt, wie Kurt Söffing vom Umweltamt der Stadt vor Ort erklärte. kks
























