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Stormarner Wochenschau

Stormarner Tageblatt vom 27. September 2008

Explosives aus der Politik

Dynamit und Knaller

Andreas Olbertz

Alle haben herzlich gelacht, nur der Bürgermeister vermutlich nicht, der hat gehofft, dass er es wirklich macht. Karl-Reinhold Wurch, der Jurist und FDP-Stadtvertreter, der sonst die Ruhe in Person ist, der hier und da mal eine launige Bemerkung macht, der aber ansonsten eher durch sachliche Redebeiträge glänzt, erzählt, dass er am liebsten eine Stange Dynamit in den Bauhof werfen würde. Aus Pappa-Wurch wird Rambo-Wurch, der Aufräumer: Erst knöpft er sich den Bauhof vor, dann das Rathaus und am Ende geht die Kreisstadt mit dem „Wurch-Klahn-Komplex“ vielleicht in die Filmgeschichte ein.

Was hat den Besonnenen zum Guerillero im Geiste werden lassen? Eine Sitzungsvorlage aus dem Rathaus. Der Bauhof hat belastetes Erdreich gesammelt. 3 000 Kubikmeter sind zusammen gekommen – ein Würfel mit dem Volumen hätte eine Kantenlänge von 14,42 Metern. Auf einem Spielplatz gelagert! Die Beseitigung kostet jetzt mal so eben 70 000 Euro. Tja, da kann man schon explodieren.

Wenn Wurch wirklich zündelte hätte die Stadt ein paar Probleme weniger: Dann wäre spontan der Weg für die Minimax-Erweiterung frei. Keine Abbruchkosten mehr, der Wert des Geländes ginge spontan hoch. Wenn Rambo Wurch auch gleich die vermuteten Fledermäuse mit wegpustet, ist auch kein Gutachten mehr nötig... Unser Zeichner Götz Wiedenroth hat mal seine Vision von Karl-Reinhold „Problemlöser“ Wurch zu Papier gebracht.

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Irgendwas läuft da schief: Der Sozialausschuss beschließt Gebührenbefreiung für die Nutzung der Bücherei „analog zur Ermäßigung für die Volkshochschulgebühren“. Aber der Verwaltungsvorschlag entspricht nicht dem, was beschlossen wurde und an der VHS gilt. Der Grüne Willi Janson weist die Stadtverordneten darauf hin, welche Auswirkungen das hat – aber es interessiert keinen.

Im Bauausschuss entwickelt sich ähnliches Eigenleben: Im Juli heißt es noch, die Pläne für einen Bebauungsplan in zweiter Reihe zwischen König- und Salinenstraße seien auf Beschluss des Ausschusses „zurück gestellt“. Nach der Sommerpause im September wird plötzlich eine Vorkaufssatzung beraten. Und auch hier wundert sich niemand, alle heben artig die Hand. Nun kann man ja sagen, Vorkaufsrecht bedeutet noch gar nichts, damit behält sich die Stadt nur alle Möglichkeiten offen. Völlig richtig. Aber die Verwaltung wurde auch beauftragt mit den Betroffenen zu verhandeln. Und in der Sitzungsvorlage wird auch gleich mit Quasi-Enteignung gedroht. Im Grundbesitzerverein werden bestimmt schon die einschlägigen Paragraphen und Urteile raus gesucht.

Tja, als Feierabend-Politiker kann man sich eben auf nichts und niemanden mehr verlassen.

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Bürgermeister Tassilo von Bary nimmt Verschwiegenheit nicht auf die leichte Schulter. Den Stadtverordneten hetzt er schon mal die Staatsanwaltschaft auf den Leib, um herauszufinden, wer da geplaudert hat. Aber für ihn selber gilt das natürlich nicht. Er kann sich hinstelle und frei von der Leber weg erzählen, dass der Bauhofleiter während der Probezeit „leider abhanden gekommen“ ist. Klasse, mal so eben geheime Personalangelegenheiten öffentlich gemacht. Und wer ist Schuld an der Misere: Natürlich die böse Presse, die darüber berichtet, wenn Politiker in aller Öffentlichkeit die Verwaltung kritisieren. Na super, haut dem Überbringer der schlechten Nachricht nur den Kopf ab. An den Zuständen im Rathaus oder dem Bauhof wird das nichts ändern und damit wird auch vermutlich die Kritik aus der Politik nicht verstummen – und wenn sie berechtigt ist, wird darüber auch weiter berichtet werden. Was nicht heißen soll, dass jemand, der mal einen Fehler gemacht hat, gleich an den Pranger gestellt werden soll.

Projekt Amtsgericht – Infos aus erster Hand

Stormarner Tageblatt vom 27. September 2008

Projekt Amtsgericht – Infos aus erster Hand

Bürgermeister hofft auf große Beteiligung bei Einwohnerversammlung am Montag

Bad Oldesloe/ol

– Jetzt läuft die Maschinerie so richtig an. Politik hatte einstimmig beschlossen, dass das Nutzungskonzept und die Raumvergabe für das im Amtsgericht geplante Kultur- und Bildungszentrum in einem Beteiligungsverfahren herausgearbeitet werden soll. Mit den Kulturschaffenden hatte es schon Runden gegeben, deren Ergebnisse sollen in das „große“ Beteiligungsverfahren einfließen.

Jetzt hat Bürgerworthalter Rainer Fehrmann zur Einwohnerversammlung ins Bürgerhaus eingeladen. Am Montag, 29. September, soll ab 19.30 Uhr die bisherige Planung zur Amtsgerichts-Umgestaltung vorgestellt werden. „Das ist der ideale Auftakt für alle interessierten Vereine, Verbände und Institutionen, die bisher noch wenig Kenntnis von dem Projekt haben“, rührt Bürgermeister Tassilo von Bary die Werbetrommel. Ausdrücklich zerstreut er Bedenken, das Thema Beteiligungsverfahren könnte mit der Versammlung bereits abgehakt werden. Dem sei bei weitem nicht so. „Die Einwohnerversammlung erleichtert allerdings den Einstieg in das Beteilungsverfahren für alle Beteiligten“, ist er sich sicher.

Das offizielle Verfahren könne noch nicht gestartet werden, da die Stadt noch keinen geeigneten Moderator gefunden habe. Der Verwaltungs-Chef geht aber fest von einem Termin im Oktober oder November aus. Nach den bisherigen Beschlüssen sollen Volkshochschule und Musikschule eine neue Heimat im Amtsgericht finden. Daneben gibt es die Idee eines Umzuges des Heimatmuseums ins Historische Rathaus. Die Frage, ob ein Saalanbau ans Amtsgericht Sinn macht, wird kontrovers diskutiert. Auch das muss im Rahmen der Beteiligung vertieft werden. Der Bürgermeister sieht in dem Gesamtprojekt viel Potenzial. „Es wäre daher schön, wenn die Vorstellung der Projektidee mit großem Interesse begleitet wird“, betont von Bary.

Welchen Saal braucht Oldesloe – und wo?

  • Ralf Denert
  • Hans-Joachim Rau
  • Maria Herrmann
  • Heinz Drenkberg

Stormarner Tageblatt vom 25. September 2008

Welchen Saal braucht Oldesloe – und wo?

Runde Zwei im Beteiligungsverfahren für den Saal am Amtsgericht. Die Meinungen über den Termin in den Räumen der VHS gehen weit auseinander.

Bad Oldesloe/ol

– Was war das bloß für eine Veranstaltung? Das Fazit der Teilnehmer reichte von „Ich bin begeistert“ bis zu „Ein völlig vertaner Abend“ nach der zweiten Beteiligungsrunde für den eventuellen Saalanbau am geplanten Kultur- und Bildungszentrum.

Die beauftragten Gutachter stellten erste Zahlen vor. Obwohl die Kulturschaffenden in der Stadt nur wenig Zeit hatten, kamen reichlich Anmeldungen für die Saalnutzung. Der Grüne Uwe Stephenson war begeistert: „Ich hätte 1000 Euro gewettet, dass maximal 100 Veranstaltungen gemeldet werden. Es sind aber 192.“ Mit Auf- und Abbauzeiten macht das 280 Tage – dann wäre der Saal quasi ausgebucht. Stephenson: „Damit ist die Frage, ob wir einen Saal brauchen, beantwortet: Ja!“ Auch die Größenfrage sei durch die Umfrage gelöst worden: Zwischen 150 und 250 Plätzen werden benötigt. „Großveranstaltungen müssen dann eben in die Festhalle gehen – ob die schön ist oder nicht“, findet Stephenson. Er plädiert dafür, auch zu investieren.

Der Schwerpunkt der zukünftigen Nutzung liegt mit 37 Prozent der Meldungen im Bereich Musik, gefolgt von Ausstellungen (24%) und Vortragsveranstaltungen (22 %). Theater kommt nur auf magere neun Prozent.

Stephenson, von Beruf Professor für Akustik, macht sich schon Gedanken über die Innenausstattung: „Das wird noch ein harter Konflikt, ob wir aufsteigendes Gestühl nehmen oder nicht.“

Andere sind da weniger euphorisch. „Was für ein vertaner Abend“, urteilt beispielsweise Maria Herrmann von der SPD: „Wir haben anschließend nur noch über ‚Unschärfe‘ gelästert. Das war das Wort des Abends.“ Sie wird konkret: „Wenn jemand anmeldet, dass er zu gewissen Veranstaltungen 30 Leute erwartet und zu anderen 800, dann kann man das doch nicht mitteln und zu der Erkenntnis kommen: Die brauchen einen Saal für 400 Leute.“ Das Thema Saal sieht sie grundsätzlich positiv: „Ja, ich will einen Saal, ich will eine schön hergerichtete alte Kornbrennerei oder schicke Silos oder sonst eine Location. Aber wir sollten das auf gar keinen Fall innerhalb von ein oder zwei Monaten übers Knie brechen. Sonst geht in einem Jahr das große Heulen los.“

In dieses Horn stößt auch Hans-Joachim Rau, technischer Direktor des Hamburger Schauspielhauses: „Ich habe ein Problem mit der Situation und fürchte, dass es nichts Halbes und nichts Ganzes wird. Ich würde alles daran setzen zu prüfen, ob der Saal nicht woanders hin kann.“ Er rät dazu, einen Neubeginn zu starten und damit alle Befürchtungen zu zerstreuen. „Was besseres kann uns doch gar nicht passieren, als das sich jetzt alles regt. Da kann es doch kein Problem sein, in Kiel zu sagen: ‚Die Idee ist klasse, aber mit dem Standort haben wir uns leider verrannt.“

Heinz Drenkberg, Sprecher der CDU, zieht ein positives Fazit: „Das war recht aufschlussreich. Menge und Größe müssen ergründet werden, dafür war dieser Schritt wichtig.“ Die CDU steht dem Projekt positiv gegenüber, mit kleinen Vorbehalten. „Ich würde sagen, wir machen es, wir können aber keinen Freifahrtschein ausstellen. Deshalb weigere ich mich, in die Kristallkugel zu schauen“, betont er. Konkret fordert Drenkberg eine schlüssige Finanzierung inklusive Zuschüsse und Betriebskosten sowie ein Raumkonzept.

„Wenn die Stadt das für billiges Geld machen kann, soll sie es tun, aber für uns hat sich das Ding erledigt.“ Ralf Denert von der Oldesloer Bühne spricht Klartext. Er habe Visionen zu Papier gebracht, was die Oldesloer Bühne benötige, um einen qualitativen Sprung nach vorne zu machen. Seine Erkenntnis aus dem Abend: „Ich sehe nicht, dass das realisiert werden kann. Eine Eier-legende-Wollmilchsau werden wir nicht hinbekommen, also machen wir uns jetzt Gedanken über Plan B.“ Der sieht so aus, dass sich die Oldesloer Bühne beispielsweise mit Klangstadt und anderen Gruppen, die ein weitgehend deckungsgleiches Anforderungsprofil an einen Saal haben, darum bemühen wird, „etwas Externes zu machen. Auch wenn das dauert“, so Denert.

Klangstadt hat klare Vorstellungen. „Wir wollen keinen Saal um jeden Preis. Er muss Sinn machen und für alle nutzbar sein. Ein Netzwerk ist uns wichtiger“, postuliert Sprecher Patrick Niemeier. Klangstadt lege wert darauf, dass wegen des Saals kein Zwist unter den Kulturschaffenden ausbricht. „Wir fordern ein Konzept für alle Spielstätten in der Stadt, um zu sehen, wo wir überhaupt stehen“, sagt Niemeier. Viele Gedanken jetzt seien „ungelegte Eier“. Als Beleg nennt er den Rathaussaal. Wenn dort das Heimatmuseum einziehe, stehe es nicht mehr für die Jazz-Konzerte zur Verfügung, das hätte wiederum Auswirkungen auf die Anforderungen an den neuen Saal. Der Musiker klagt: „Es kommt uns so vor, dass bei der Umfrage genau das Ergebnis herausgekommen ist, das man haben möchte.“ Er weist auf ein paar Unstimmigkeiten in der Aufstellung der Gutachter hin: Bei der Musikschule sind zehn zusätzliche Veranstaltungen denkbar, die in die Kalkulation mit einfließen. Die Oldesloer Bühne kann sich 36 weitere Aufführungen vorstellen, wird aber nur mit neun Terminen aufgeführt. Der VHS schweben 29 Ausstellungen im Saal zu je vier Wochen vor. Ganz abgesehen davon, dass das in einem Jahr gar nicht realisierbar wäre, wird diese Zeitspanne in der Summe nur als 29 Tage berücksichtigt.

Bad Oldesloes Bürgermeister Tassilo von Bary fordert alle auf, sich weiter in den Beteiligungsprozess einzubringen. Nächste Gelegenheit wird die Einwohnerversammlung am Montag, 29. September, ab 19.30 Uhr im Bürgerhaus sein.

Andreas Olbertz

Die Oldesloer können den neuen Saal ganz allein belegen

Lübecker Nachrichten vom 25. September 2008

Die Oldesloer können den neuen Saal ganz allein belegen

Bad Oldesloe – Theater, Musik, Ausstellungen, Vorträge – die Kulturschaffenden aus Bad Oldesloe meldeten für den angedachten Saal-Neubau im geplanten Kultur- und Bildungszentrum viele Nutzungsideen an.Das Gespräch zwischen den Vereinen und Institutionen der Stadt rund um die Nutzung für den erhofften neuen Saal am geplanten Oldesloer Kultur- und Bildungszentrum ist eröffnet. Als erstes wurde der Bedarf festgestellt, als nächstes geht es darum, wo in Bad Oldesloe was verwirklicht werden kann und ob die erwünschten Nebenräume alle unter einem Dach verwirklicht werden können.

Eines wurde schon jetzt deutlich. Ein Saal in einer Größe von 150 bis 250 Plätzen reicht für Bad Oldesloe vollkommen aus. Auf 100 bis 130 Veranstaltungen jährlich kam Michael Wesner von der Firma Contence-Management, bei dem alle Fäden zusammenlaufen. Wie er vor den Kulturschaffenden betonte, müsse man mit der gleichen Anzahl an Auf- und Abbautagen rechnen. Dies bedeute eine Saalbelegung von 280 Tagen jährlich. Zeiten für Instandsetzung, Reparaturen und Sommerpause kämen hinzu. Somit wäre nach seiner Meinung der Bedarf Oldesloe-intern abgedeckt. Nun wird als nächstes ein Nutzungskonzept erstellt. Auch eine mögliche Vermarktung und Beachtung wirtschaftlicher Aspekte muss bedacht werden. Die Beteiligungsverfahren für den Saal einerseits und das Kultur- und Bildungszentrum andererseits sollen schließlich in ein Gesamtkonzept münden.

Der Saal sollte nach den Oldesloer Bedürfnissen eher multifunktional sein, also ohne ansteigendes Gestühl. Auch über die entstehenden Kosten und die Umlegung muss noch geredet werden – falls nicht das Raumnutzungskonzept der Stadt mit der üblichen Vereinsermäßigung greifen soll.

Eines wurde bereits deutlich, stellte Bürgermeister Tassilo von Bary fest. Es gebe in Bad Oldesloe einen starken Bedarf zur Schaffung eines Netzwerkes der Kulturschaffenden. Die Oldesloer Bühne machte deutlich, dass sie „weg möchte von der Wanderbühne“. Doch für den Verein ist klar, dass er auch mit den Nebenräumen näher an die Spielstätte rücken möchte. Mit 100 bis 200 Quadratmetern käme er nicht aus. Wenn dies nicht möglich sei, will der Verein lieber auf eine nächste Chance warten.

Dringend angewiesen ist die Volkshochschule auf die Räume im Amtsgericht – oder woanders, da das alte Gebäude zerfällt. Rund 6000 Teilnehmer besuchen die jährlich 500 Kurse. Pro Tag nutzen zirka 150 Personen VHS- Kurse. Die VHS benötigt 775, die Musikschule mit ebenfalls steigenden Schülerzahlen 208 Quadratmeter. Würden beide im Amtsgericht untergebracht, verblieben etwa 230 Quadratmeter, davon die Hälfte im Keller.

Von Susanna Fofana

Der Bauhof und die Sprengladung

Stormarner Tageblatt vom 24. September 2008

Der Bauhof und die Sprengladung

Bad Oldesloe/ol

– Kritik an seinen Mitarbeitern mag Oldesloes Bürgermeister Tassilo von Bary gar nicht haben. „Wenn Sie das Bedürfnis haben, die Verwaltung zu kritisieren, kritisieren sie bitte mich“, forderte der Bürgermeister die Stadtverordneten auf. Er habe in jüngster Zeit häufiger beobachtet, dass Mitarbeiter ins Visier der Politik geraten seien. Das greife die Presse freudig auf, und schon habe niemand mehr Lust, im Oldesloer Rathaus zu arbeiten. Als Beleg führte von Bary den ausgeschiedenen Bauhofleiter an, der wegen der Darstellung der Verwaltung in der Öffentlichkeit noch während der Probezeit gekündigt habe. Eine andere Führungskraft habe den Dienst gar nicht erst angetreten wollen.

Was Bürgermeister von Bary vor den Stadtverordneten aber nicht sagte: Im Hauptausschuss war beispielsweise die Rede davon, dass der neue Mann aus der freien Wirtschaft stamme und mit den Strukturen in der Verwaltung nicht klar komme. Obwohl erst wenige Tage an Deck, musste er gleich Abmahnungen verteilen. Er sehe keine Chance, innerhalb eines halben Jahres den Bauhof so umzustrukturieren, wie er sich das vorstelle, hieß es. Weitere Gründe sollen die Erwartungshaltung der Politik gewesen sein.

Wie es um den Bauhof bestellt ist, verdeutlichte Karl-Reinhold Wurch (FDP) bei einem anderen Tagesordnungspunkt. Über Jahre hat der Bauhof Aushub aus Gräben auf einer Fläche am Anna-Heitmann-Weg und dem Spielplatz an der alten Ratzeburger Landstraße aufgehäuft. 3000 Kubikmeter zum Teil belasteter Abfall sind zusammen gekommen. Die Entsorgung schlägt jetzt mit 70 000 Euro zu Buche. Jurist Wurch schockiert: „So etwas wird mit einem Bußgeld geahndet und könnte sogar strafrechtliche Konsequenzen haben.“

Der Bauhof verfolge Wurch schon seit 20 Jahren. „Wann ist endlich ein Bürgermeister in der Lage, den in den Griff zu bekommen?“, fragte Wurch: „Ich würde am liebsten eine Stange Dynamit nehmen, in den Bauhof werfen, das alles in die Luft sprengen und privatisieren.“

Bürgermeister von Bary entschuldigend: „Wir sind ja dabei, den Bauhof auf neue Füße zu stellen. Leider ist uns dabei der Leiter abhanden gekommen.“

Bauhof lässt Erde liegen: Abfuhr kostet jetzt 70 000 Euro

Hamburger Abendblatt vom 24. September 2008

Bauhof lässt Erde liegen: Abfuhr kostet jetzt 70 000 Euro

Bad Oldesloe: Über Jahre hinweg haben sich 3000 Kubikmeter Aushub angehäuft

Bad Oldesloe -

3000 Kubikmeter. Ein Volumen, das einen Würfel mit einer Seitenlänge von knapp 15 Metern füllt. Oder 300 große Bauschuttcontainer. Eine riesige Menge Erde, mit der - und vor allem mit deren Beseitigung - sich nun die Oldesloer Stadtverordneten haben beschäftigen müssen. Die Abfuhr nämlich kostet rund 70 000 Euro. Geld, das die Politiker als "außerplanmäßige Ausgabe" bewilligen müssen.

Es geht um einen riesigen Haufen Erde, den es eigentlich gar nicht geben dürfte. Mitarbeiter des städtischen Bauhofs haben ihn über Jahre hin aufgetragen, etwa mit dem Aushub aus Entwässerungsgräben entlang der Straßen. Doch statt den Boden regelmäßig abfahren zu lassen, haben die städtischen Bediensteten ihn gehortet, einen Teil auf einem städtischen Grundstück am Anna-Heitmann-Weg, einen Teil neben einem Spielplatz an der Alten Ratzeburger Landstraße im Ortsteil Rethwischfeld.

"Wann der Aushub zum letzten Mal abgefahren worden ist, weiß kein Mensch", sagt Oldesloes Bauamtsleiter Rolf Steinhoerster. Fest steht hingegen, dass das Material wegen Reifen- und Asphaltabrieb und Salzeinlagerungen als schadstoffbelastet gilt. So erklären sich die hohen Entsorgungskosten.

Der FDP-Stadtverordnete Karl-Reinhold Wurch ist empört über diesen Vorgang. "Der Bauhof führt ein Eigenleben neben unserer Verwaltung. Es läuft eigentlich immer etwas schief", meint er. Und fragt: "Wann wird der Bürgermeister da endlich mal zwischenhauen?" Wer belasteten Abfall ablade oder das dulde, begehe genau genommen sogar eine Ordnungswidrigkeit.

Der Oldesloer Verwaltungschef Tassilo von Bary entschuldigt die Situation damit, dass der Bauhof zurzeit führungslos sei. "Der neue Leiter hat ja leider während der Probezeit gekündigt", sagt er. Zu den Gründen dafür heißt es aus dem Rathaus: Kein Kommentar.

sul

Eine Vision gewinnt Gestalt

Lübecker Nachrichten vom 24. September 2008

Eine Vision gewinnt Gestalt

Bad Oldesloe schreibt sich Kultur und Bildung auf die Fahnen. Geplant und jetzt auch auf den Weg gebracht ist ein ganzes Zentrum für diesen Bereich. Abhängig ist die Vision davon, dass auch die Fördergelder fließen.

Bad Oldesloe – Einstimmig haben Bad Oldesloes Stadtverordnete das derzeit größte Projekt der Stadt auf den Weg gebracht. Das Kultur- und Bildungszentrum wird im Rahmen des Städtebauförderungsprogramms „Stadtumbau West“ mit einem Finanzvolumen von fast vier Millionen Euro angemeldet.

„Ein spannendes Thema kommt zum Finale“, stellte Hagen von Massenbach (SPD) das Thema vor. Die Stadt Bad Oldesloe stehe kurz vor dem Ankauf des Amtsgerichtsgebäudes, das im Frühjahr leer werde. Volkshochschule und Musikschule, so die Vision, sollen aus dem maroden alten Gebäude in der Königstraße dorthin umziehen. Es soll ein neuer Veranstaltungsraum für rund 200 Personen angebaut werden und das Museum eventuell auch noch in das historische Rathaus in der Nachbarschaft umsiedeln.

Wichtig für die CDU war vor allem, dass Volkshochschule und Musikschule im alten Gericht Platz finden, sagte Horst Möller (CDU). Falls noch Räume frei bleiben, könnte frei darüber entschieden werden. Eventuell auch für die Verwaltung (die ja unter Umständen das Rathaus räumt), für das Archiv des Heimatmuseums oder auch die Fraktionen. Auch bei Kultur-Vereinen wurden bereits von Politikern Begehrlichkeiten geweckt.

Ein neuer Saal sei „schön, aber kein Muss“, stellte Möller klar. Alles stehe unter dem Vorbehalt der Finanzierbarkeit und Fördermittel. Es sei „das herausragende Projekt in den nächsten Jahren“, so Uwe Stephenson (Grüne), der der Verwaltung für die erfolgreiche Antragstellung dankte. Anita Klahn (FDP) betonte jedoch, dass der Umzug des Heimatmuseums ins Rathaus nicht beschlossen sei. „Der Star ist der Bürger“, befand von Massenbach. Bisher sei nichts festgelegt. Es solle einen offenen Beteiligungs-Prozess um den Saalbau geben. Jeder werde gefragt, ob er ihn nutzen möchten.

Stephenson wusste bereits aus den Umfragen, dass bisher kaum mehr als 50 Saalnutzungen jährlich angemeldet wurden. Oldesloer Vereine würden den Saal somit höchsten zu einem Drittel nutzen. Es müssten also auch externe Künstler angelockt werden. Klahn warnte angesichts der Bankenkrise vor zu viel Optimismus im Hinblick auf die Fördergelder: „Wir sollten schnell sein.“

Damit alle bei dem Thema mitreden können, ist nächsten Montag noch eine Einwohnerversammlung geplant. Am 29. September ab 19.30 Uhr geht es im Bürgerhaus erneut um das Thema „Amtsgericht und Rathaus auf dem Weg zu einem Kultur- und Bildungszentrum“.

Bürgermeister Tassilo von Bary stellte sich im Hinblick auf Kritik an der Verwaltung bei öffentlichen Sitzungen schützend vor seine Mitarbeiter. Wer Kritik äußern wolle, sollte sie direkt an seine Adresse richten und nicht an einzelne Mitarbeiter. Die Diskreditierungen gegen Verwaltungs-Mitarbeiter hätten auch in einem Presseorgan stattgefunden. Dieses Vorgehen wirke sich negativ auf alle Stadt-Mitarbeiter aus.

Eine neu eingestellte Führungskraft habe postwendend wieder gekündigt, eine neue Angestellte sei kurz vor der Vertragsunterzeichnung abgesprungen. Wenn es so weiter gehe, sei eine Handlungsunfähigkeit der Stadt zu befürchten, warnte der Oldesloer Bürgermeister.

Von Susanna Fofana

Arme Bürger lesen kostenlos

Lübecker Nachrichten vom 24. September 2008

Arme Bürger lesen kostenlos

BAD OLDESLOE – Eigentlich wollten die Oldesloer Grünen mit einem Antrag   erreichen, dass die Stadt gänzlich auf Ausleihgebühren (Lesegebühr von  15 Euro jährlich) in der Stadtbibliothek verzichtet. Dabei  herausgekommen ist lediglich eine Befreiung von der Jahresgebühr für  einkommensschwache Leser. Bisher galt die Befreiung nur für Schüler, Studenten, Auszubildende sowie Wehr- und Zivildienstleistende. Ab 1. Oktober werden  Leistungsempfänger nach dem Sozialgesetzbuch II und XII sowie dem Asylbewerberleistungsgesetz berücksichtigt.

Rund 70 000 Euro  zusätzlich muss die Stadt zur Unratbeseitigung aufbringen. Der Bauhof hatte Aushub aus Gräben seit Jahren zwischengelagert – unter anderem an einem Spielplatz an der Alten Ratzeburger Landstraße. Es wurde  festgestellt, dass es sich bei diesen etwa 3000 Kubikmetern um belasteten Abfall handelt.

Zähneknirschend aber einstimmig bewilligten die Stadtverordneten die Extra-Ausgabe. Er habe einen Schock gekriegt, als er gelesen habe, dass belasteter Abfall auf einem Spielplatz liegt, sagte Karl-Reinhold Wurch (FDP). Er frage sich seit 20 Jahren, wann ein Bürgermeister in der Lage sein werde, im Bauhof für Ordnung zu sorgen. „Eine Stange Dynamit und den Bauhof privatisieren“, schlug er zum Erstaunen
aller vor. sus

Stormarner Wochenschau

Stormarner Tageblatt vom 20. September 2008

Temperatursturz und gestürzte Sitzungsvorlagen

Wer bibbert hier vor wem?

Andreas Olbertz

Es war ein Tagesordnungspunkt, der trocken klang, zur Information gedacht war und dann doch ganz unterhaltsam wurde. Kurz vor Mitternacht bekam Stadtwerke Vertriebsleiter Manfred Priebsch das Wort, um im Hauptausschuss zum Gaspreis Stellung zu beziehen. Die Stadtwerke waren ins Gerede gekommen, weil sie um satte 30 Prozent erhöhen. Erstmal gab er das Motto „Mit Papier und Stift back to the roots“ aus, fischte sich ein Flip-Chart aus der Ecke und skizzierte mit wenigen Strichen die Entwicklung von Einkaufs- und Verkaufspreis. Nicht maßstabsgerecht aber so, dass es jeder verstanden hat. Als die Liberale Anita Klahn fragte, welchen Anteil der Einkaufspreis an den Gesamtkosten ausmache, holte Priebsch tief Luft: „Also, da sind schon mal 19 Prozent Mehrwertsteuer...“ Da fiel ihm Bürgermeister Tassilo von Bary ins Wort: „Das sind doch Geschäftsgeheimnisse. Ist das nicht nichtöffentlich?!“ Darauf guckte ihn der Stadtwerke-Prokurist groß an: „Was? Etwa, dass der Mehrwertsteuer-Anteil 19 Prozent beträgt?“ Wie Priebsch erklärte, macht der Einkauf etwa die Hälfte aus, was die FDP-Frau mit „teuer“ kommentierte, denn andere Unternehmen kämen nur auf 36 Prozent. Man kann die Zahl aber auch so interpretieren, dass Gewinn und andere Kosten bei den Stadtwerken niedriger sind und deshalb dieser Preisanteil geringer ausfallen kann.

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Unser schönes Amtsgericht. Nein, „unser“ ist in dem Zusammenhang dann wohl doch etwas verfrüht. Eigentlich hätte der Notartermin schon längst sein sollen, aber offensichtlich gibt es da ein paar tiefer liegende Probleme. Wie aus einer Sitzungsvorlage des Hauptausschusses hervor geht, die die Verwaltung für eine Weile ins Internet gestellt hatte, wird noch heftig verhandelt. Das Land möchte nämlich keine Ansprüche aus dem Bundesbodenschutzgesetz übernehmen. Wenn im Untergrund irgendwelche Schweinereien verbuddelt sein sollten, wäre die Stadt der Dumme. Also hat die Verwaltung noch schnell ein Bodengutachten in Auftrag gegeben. Wenn’s böse kommt, sind die Folgen nämlich nicht von Pappe. Kaum gebohrt, schon gefunden: Und jetzt haben wir den Dreck. Schau’n wir mal, was da noch so an die Oberfläche kommt.

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Die Pläne, die die Verwaltung für die Nutzung des Amtsgerichtes hatte, sind ein Fall für die Tonne. Politik hat anders entschieden. Fest steht, dass VHS und Musikschule umziehen werden. Wie die Räume im Gericht verteilt werden und wer noch im Gebäude Quartier macht, ob es einen Saal geben wird – all das hat Politik einstimmig offen gelassen. Ein Beteiligungsverfahren soll da genauere Erkenntnisse bringen. Der Ansatz ist richtig, aber ob es in der Praxis etwas bringen wird? Kultur und Vereinsleben in dieser Stadt basieren auf Ehrenamtlichkeit. Da sitzen keine Hauptamtler, die auf die Schnelle während ihrer Arbeitszeit hochtrabende Konzepte entwickeln können. Wenn die Betroffenen nicht mal eine Woche Zeit haben, ihre Bedürfnisse zu äußern, ist das eine schier unlösbare Aufgabe und das Beteiligungsverfahren könnte zur Farce geraten. Schon nächsten Dienstag soll ab 19 Uhr bei der VHS über Nutzungskonzepte diskutiert werden. Man darf gespannt sein, wer da alles kommt.

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Kaum ist die Katze aus dem Haus, schon tanzen die Mäuse auf dem Tisch. Erste Skizzen für eine Ansiedlung des Heimatmuseums im Rathaus waren so gestaltet, dass der Hauptsaal immer noch für Konzerte oder Lesungen hätte genutzt werden können. Das ist schließlich die Domäne von Kultur-Dezernentin Dr. Sylvina Zander. Mit ihrem Jazz im Rathaus hat sie die Kreisstadt in der Szene überregional bekannt gemacht. Nur irgendwie scheint sie in dem ganzen Geplane um das Kultur- und Bildungszentrum aufs Abstellgleis geraten zu sein. Kein Wunder, wenn die Federführung in der Kämmerei liegt. Nun hat das Museums-Team ein Konzept vorgestellt, wie es sich die Nutzung des Rathauses vorstellen könnte. Alles schön und überzeugend. Wer genau aufgepasst hat bei der Präsentation von Petra Maria Schark, dem wird nicht entgangen sein, dass bei ihr kein Platz mehr für Konzerte ist. Und seien wir mal ehrlich: Zur Steinzeit passt Jazz ja wohl eher weniger.

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Alle reden von globaler Erwärmung, nur das Wetter scheint da noch nichts von mitbekommen zu haben. Kalendarisch haben wir noch Sommer, aber irgendwie sind die Temperaturen plötzlich dermaßen im Keller, dass es Zeit wird, die Sandalen weg zu packen, die Heizung anzustellen und schon mal einen Werkstatt-Termin wegen der Winterreifen zu vereinbaren. Unser Karikaturist Götz Wiedenroth hat sich dazu Gedanken gemacht.

Zweite Kulturrunde – wie müsste der Saal werden ?

Stormarner Tageblatt vom 20. September 2008

Zweite Kulturrunde – wie müsste der Saal werden ?

Bad Oldesloe/ol

– Die Oldesloer Kulturszene macht sich Gedanken über die Konzeption eines möglichen Saal-Anbaus ans Amtsgericht. Nachdem in einem ersten Workshop Ende August grundlegende Anforderungen erörtert worden sind und kurzfristig jetzt bei den „Kultur schaffenden“ Vereinen und Verbänden in Bad Oldesloe eine Bedarfsabfrage für eine zukünftige Nutzung durchgeführt wurde, steht nun die Präsentation der Bedarfsmeldungen an. „Für diese zweite Betei-ligungsrunde sind alle interessierten Vereine, Verbände, Kulturschaffenden sowie Bürger herzlich eingeladen. Die Veranstaltung ist öffentlich“, freut sich Bürgermeister Tassilo von Bary. Er hofft auf rege Teilnahme und zielführende Hinweise. Die Veranstaltung findet am Dienstag, 23. September, ab 19 Uhr im Gebäude der Volkshochschule Oldesloe, Königstraße 33 statt.

Museumskonzept fürs Rathaus

Petra Maria Schark

Stormarner Tageblatt vom 19. September 2008

Museumskonzept fürs Rathaus

Das sind schon sehr konkrete Gedankenspiele,
die Petra Maria Schark da im Hauptausschuss vorstellte. Das Heimatmuseum könnte demnach ins historische Rathaus umziehen.

Bad Oldesloe/ol

– In der ganzen Debatte um das Kultur- und Bildungszentrum im Amtsgericht ist ein Apsekt etwas ins Hintertreffen geraten: Das Heimatmuseum. Als erste Überlegungen durchsickerten, das Museum solle vom Bücherei-gebäude ins historische Rathaus umziehen, brach ein Sturm der Entrüstung los. Die CDU wähnte schon einige der kostbaren Exponate im Sperrmüll. Schnell wurde ein Förderverein aus der Taufe gehoben. Der erste Gefechtsqualm hat sich verzogen, mittlerweile dominiert der nüchterne Blick auf die Realitäten und Chancen.

Im Hauptausschuss stellte Petra Maria Schark jetzt Überlegungen vor, wie das Heimatmuseum im Rathaus untergebracht werden könnte. Sie machte allerdings deutlich, dass das Museumsteam in dieser Frage neutral sei: „Beide Stand-orte haben für uns ihren Wert.“ Für das gemeinsame Quartier mit der Bücherei spreche beispielsweise eine übereinstimmende Zielgruppe und die Nähe zur Stadtschule, deren Schüler in der Pause oft spontan ins Museum kommen. Ein Umzug ins Stadtzentrum erhöhe hingegen deutlich das Prestige. Dort gebe es Fahrstuhl und WC. Das Alleinstellungsmerkmal werde dort betont – immerhin verfüge das Oldesloer Heimatmuseum über die zweitgrößte Sammlung der Steinzeit in Schleswig-Holstein.

Gruppenangebote, wie sie beispielsweise für Schulen oder Gäste der Jugendherberge gemacht würden, seien vom Standort unabhängig und könnten an beiden Orten gemacht werden. Und noch etwas verbindet alte Stadtschule und historisches Rathaus, so Petra Maria Schark: „Das Budget ist an beiden Standorten entscheidend. Bislang sind das 1500 Euro.“ Bitter wenig. An beiden Standorten muss auch investiert werden, denn auch in der alten Stadtschule könne das Museum nicht so bleiben, wie es sich momentan präsentiert. Veraltetes Beleuchtungskonzept, Vitrinen, die erneuert werden müssen, nicht mehr zeitgemäße Wandgestaltung, fehlender Brandschutz im Dachgeschoss, Sanierungsbedürftiges Treppenhaus – das sind nur einige der Stichworte, die Petra Maria Schark aufzählte. Raum für Raum ging sie im historischen Rathaus durch, um ihre Überlegungen vorzustellen. „Das Treppenhaus ist groß, raumgreifend und extrem hässlich.“ Mit großformatigen Gemälden an den Wänden lasse sich daraus allerdings etwas machen.

Runter in den Keller – ganz klar, das schreit regelrecht nach Darstellungen der Begräbniskultur. Petra Maria Schark hat da einen Baumsarg als zentrales Objekt vor Augen. Kein Original, sondern ein Nachbau. „Es ist längs nicht mehr alles echt, was in Museen gezeigt wird“, erklärt die Fachfrau. Repliken seien attraktiv und nachvollziehbar.

Das Erdgeschoss ist für die Steinzeit sowie das Mittelalter vorgesehen. Ein Büro mit Arbeitsplatz für Studenten sowie ein großer Raum für die Museumspädagogik.

Im Obergeschoss soll das Museum mit dem Standesamt kombiniert werden. Das Trauzimmer solle einsehbar sein, aber nicht begehbar für Museumsbesucher. Eine Einrichtung im wilhelminischen Stil oder wie zur Zeit Christian Friedrich Hansens. Bei Hochzeiten werde der ganze Bereich kurzerhand für Besucher gesperrt, sodass Hochzeitsgesellschaften dort unter sich seien. Die restliche Fläche werde für Traditionsvereine, Handwerk, die Salinen-Zeit, die Trave und ähnliches reserviert. Es könne nicht alles gleichzeitig gezeigt werden, aber wechselnde Ausstellungen könnten die Attraktivität steigern, so Schark.

Was für Unternehmen die Zertifizierung ist für ein Museum die „Registrierung“. Petra Maria Schark: „Das ist in der Museumslandschaft mehr und mehr ein Qualitätsmerkmal.“ Schleswig-Holstein stehe da noch am Anfang, wodurch das Heimatmuseum die Chance habe, zu den ersten registrierten Einrichtungen im Land zu gehören. Eigentlich erfülle das Museum schon jetzt alle Voraussetzungen, es fehlt lediglich ein vollklimatisierter Lagerraum. Der könnte auf dem Dachboden des historischen Rathauses entstehen.

Die Präsentation des Museumsteams wird in das Konzept des Bürgermeisters einfließen. Bei einer Sondersitzung des Hauptausschusses im Oktober könnte die Entscheidung zum Umzug fallen. A. Olbertz

Anschauliches Beispiel: Baumsarg

Bad Oldesloe bekommt ein Kultur- und Bildungszentrum

Lübecker Nachrichten vom 18. September 2008

Bad Oldesloe bekommt ein Kultur- und Bildungszentrum

Es ist vollbracht: Bad Oldesloe kauft das Gebäude, in dem sich derzeit noch das Amtsgericht befindet, und errichtet dort in Verbindung mit dem Historischen Rathaus ein Kultur- und Bildungszentrum. Das beschloss der Hauptausschuss auf seiner Sitzung am Montag – nach einer dreistündigen lebhaften Diskussion.

Bad Oldesloe – Die Kosten werden sich auf knapp vier Millionen Euro belaufen, wobei die Stadt auf Fördermittel von Land und Bund hofft und dann lediglich ein Drittel aus eigenen Mitteln bestreiten müsste. „Anders als in der Beschlussvorlage der Verwaltung hat sich die Politik für ein Beteiligungsverfahren entschieden. Und das einstimmig“, sagte Hauptausschuss-Vorsitzender Hagen von Massenbach. Das heißt, Bürgermeister Tassilo von Bary wird nun Oldesloer Vereine und Institutionen anschreiben und sie nach ihren Vorstellungen befragen. Anschließend wird ein Gesamtkonzept für das Gerichtsgebäude und den geplanten Saal-Anbau erarbeitet.

„Das ist ein Riesen-Projekt, an dem alle Kulturschaffenden beteiligt werden, zum Beispiel auch Klangstadt und die Oldesloer Bühne“, so von Massenbach. „Eine große Möglichkeit, die auch mehr Leben in die Innenstadt bringen wird.“ Welche Räume nun etwa Volkshoch- und Musikschule erhalten, wird ebenfalls noch erarbeitet. Zum April 2009 wird das Amtsgericht geschlossen, 2010 wird dann der Startschuss für das Kulturzentrum fallen. mc

Oldesloe: Amtsgericht wird Kulturzentrum

Hamburger Abendblatt vom 18. September 2008

Oldesloe: Amtsgericht wird Kulturzentrum

Bad Oldesloe -

Jetzt ist es amtlich: Die Stadt Bad Oldesloe will im Amtsgerichtsgebäude ein Kulturzentrum errichten. Die Musikschule und die Volkshochschule sollen Ende 2010 dorthin umziehen. Das hat der Hauptausschuss einstimmig beschlossen. Die Zustimmung der Stadtverordneten gilt als sicher.

Der Bürgermeister der Kreisstadt, Tassilo von Bary, erhielt den Auftrag, ein Beteiligungsverfahren einzuleiten, und ein Konzept für das Kulturzentrum mit einem Veranstaltungssaal für bis zu 250 Zuschauer zu entwickeln. Die Verwaltung soll sich um Fördermittel für das rund vier Millionen Euro teure Projekt bemühen. Es schließt die Nutzung des historischen Rathauses durch das Heimatmuseum ein (wir berichteten). Die Entscheidung, ob das Heimatmuseum ins Rathaus umziehen kann, trifft der Hauptausschuss auf einer Sondersitzung am 23. Oktober.

"Im Beteiligungsverfahren werden die Vereine und Verbände mit am Tisch sitzen", sagt Tassilo von Bary. "Es wird vor allem um die Aufteilung des Amtsgerichtsgebäudes und die künftige Raumnutzung gehen. Das ist bei einem älteren Gebäude nicht einfach." Der Veranstaltungssaal des Kulturzentrums könnte aus Sicht des Bürgermeisters auf dem Parkplatz hinter dem Amtsgerichtsgebäude errichtet werden.

JR

Einstimmig für Kulturzentrum im Amtsgericht

Storrmarner Tageblatt vom 17. September 2008

Einstimmig für Kulturzentrum im Amtsgericht

Lange wurde diskutiert, aber am Ende waren sich alle einig: VHS und Musikschule sollen ins Amtsgericht.

Bad Oldesloe/ol

– War das eine schwere Geburt! Nach drei Stunden ausgiebiger Diskussion fiel im Hauptausschuss die Entscheidung: VHS und Musikschule ziehen ins frei werdende Amtsgericht – mehr nicht. Die vorgelegten Pläne, wer welche Räume belegen könnten, wurden vom Tisch gewischt. Stattdessen erhielt der Bürgermeister den Auftrag, ein breit angelegtes Beteiligungsverfahren einzuleiten und daraus ein Konzept für Amtsgericht, Saal und historisches Rathaus zu entwickeln. Gleichzeitig wurde die Verwaltung in die Spur geschickt, für die erwarteten vier Millionen Euro an Kosten Fördermittel zu beantragen.

Dass Kämmerin Mandy Treetzen dieser Beschluss nicht passte, war ihrem muckschen Gesicht deutlich abzulesen. Verwaltung hätte auch gerne schon das „Raumkonzept“ für die beiden Einrichtungen abgenickt gehabt, doch das wollte Vorsitzender Hagen von Massenbach (SPD) partout nicht. „Nein, bewusst nicht ‚auf Basis des vorgelegten Konzepts‘“, wies er die Finanzexpertin zurecht. Und die anderen Fraktionen sahen das genau so. Der Beschluss wurde einstimmig gefasst; genau so wie der Auftrag, Vereine, Verbände sowie Kulturschaffende zu beteiligen und daraus ein Nutzungskonzept zu entwickeln.

Zuvor hatte Bürgermeister Tassilo von Bary in einer ausführlichen Präsentation für das Projekt geworben. Begeisterung hat er damit bei den Politikern allerdings nicht ausgelöst. „Das waren doch alles nur Worthülsen“, lästerte Uwe Rädisch (CDU) in einer Sitzungspause.

Karin Linnemann und Cornelia von der Heydt stellten ihre Vorstellung der zukünftigen Nutzung durch VHS und Musikschule vor. Auch nichts Mitreißendes – im Gegenteil. Maria Herrmann forderte für die SPD immer wieder ein Raumkonzept ein und bekam zur Antwort, dass die genutzten Räume lediglich 1:1 übertragen worden sind. Weil es aber im alten Haus an der Königstraße keine vernünftigen Büros, Besprechungszimmer und Sozialräume gibt, wurden die mit eingeplant. Ende der Durchsage. Echte Konzepte sehen wohl anders aus.

In der Anlage der Musikschule wird zwar erwähnt, dass noch drei Räume für Schlagzeugunterricht benötigt werden. Aber in den Zeichnungen der Verwaltung hat das keinen Niederschlag gefunden. Stattdessen bietet Geschäftsführerin Cornelia von der Heydt großzügig an, Räume beispielsweise mit Klangstadt zu teilen.

Anita Klahn (FDP) warf eine ganz neue Idee in den Raum: Die noch nicht verplanten 250 Quadratmeter im Amtsgericht werden vom Heimatmuseum übernommen und das Rathaus bekommt eine gänzlich andere Nutzung. Bei dem schnellen Einwurf blieb es dann aber auch.

Der Grünen Stadtvertreter Uwe Stephenson hat umfassende Überlegungen zur Gestaltung des geplanten Saals gemacht. Angedacht ist ein Rechteck von 16 mal 19,5 Metern. Stephenson rechnete allerdings vor, dass darin maximal 150 Leute untergebracht werden können. Angepeilt wird aber ein Saal für 250 Zuschauer. Er stellte einen eigenen Entwurf vor: Ein Saal, der 24 Meter lang wird und nach hinten ansteigt. Vorteil: Platz für 224 Menschen, gute akustische Bedingungen und das grundbuchlich eingetragene Wegerecht wird erfüllt.

Hans-Joachim Rau, technischer Direktor des Hamburger Schauspielhauses, sprach mahnende Worte. Einen Saal zu bauen, sei eine Sache, dabei dürfe aber der Betrieb nicht aus den Augen verloren werden. „Ein Saal für Kammerorchester funktioniert da sicher wunderbar“, erklärte der Oldesloer. Aber er verwies auf technische Hürden: Wie sollen Laster auf das Gelände kommen? Wie sollen Bühnenbilder angeliefert werden? Wo sind die Lagerkapazitäten? Rau: „Entree, Garderobe – da muss ein Umfeld geschaffen werden, wo die Leute gerne hingehen.“

Maria Herrmann bekommt da Bauchschmerzen: „Wenn wir sowas machen, dann möchte ich eine ordentliche Lösung. Im Moment habe ich den Eindruck, dass der Saal an die Gegebenheiten angepasst wird, statt ihn entsprechend der Bedürfnisse zu planen.“ Zustimmung kam von Anita Klahn: „Das ist doch kein wirklicher Ersatz für die Festhalle – da gehen 500 Leute rein. Vielleicht sollte man mal über eine Planung losgelöst vom Amtsgericht nachdenken.“ Diese Vision dürfte aber sehr schnell an fehlenden Fördermitteln scheitern. CDU-Fraktions-Chef Horst Möller sprach Klartext: „Wenn die Fachleute sagen, der Saal ist da nicht sinnvoll, dann lassen wir es!“

Der jetzt gefasste Beschluss lässt alles Türen offen. Einstimmig wurde der Weg für den Umzug von VHS und Musikschule geebnet. Das ist ein klares Signal an die beiden Einrichtungen und an die Geldgeber in Kiel. Jetzt ist aber auch noch Zeit, die Ärmel hoch zu krempeln und bis zum Frühjahr eine Planung vorzulegen, die den Kulturschaffenden gerecht wird und die deutliche Aussage enthält: Das kann eure neue Heimat werden – ihr müsst es nur wollen.

Andreas Olbertz

 

Wo ist die Kulturdezernentin?

 

Holla, da hatte sie ins Wespennest gestochen. „Wir diskutieren hier über ein Kultur- und Bildungszentrum, aber wo ist Dr. Sylvina Zander?“, wollte die Liberale Anita Klahn wissen: „Die ist schließlich die Zuständige für Kultur in dieser Stadt.“ Applaus von den anderen Politikern. „Die macht ja gute Arbeit“, kam vom Grünen Uwe Stephenson: „Aber mit dem bisschen Jazz und Frauenkultur fristet sie ein Mauerblümchendasein in einer Niesche.“

Oldesloes Bürgermeister Tassilo von Bary war sofort auf 180: „Ich verstehe nicht, was das Herumge-picke auf einer einzelnen Person soll. Ich muss das entschieden zurückweisen. Wir sind schon genug Mitarbeiter, die hier rumsitzen. Es ist immer noch meine Entscheidung, wen ich zu einer Sitzung mitnehme.“ Dabei hätte ein einfacher Satz wie: „Sie hat Urlaub“ völlig ausgereicht. Obendrein erntete er für sein „Machtwort“ reichlich Gelächter, denn in der Tat quoll der Sitzungssaal über vor Verwaltungsmitarbeitern. Kaum eine Abteilung, die nicht vertreten war. (ol)

 

Standpunkt: Chance ergreifen

Andreas Olbertz

 

Bad Oldesloe kauft das Amtsgericht und macht daraus ein Kultur- und Bildungszentrum. Vier Millionen Euro soll das kosten. Wenn überhaupt, wird das nur Dank üppiger Fördermittel möglich. Darum ist klar: So eine Chance wird die Stadt so bald nicht wieder bekommen. Deshalb heißt das auch „Impulsprojekt“. Viele sprechen von einem „Leuchtturm“.

Wer jetzt nicht visionär in die Zukunft blickt, wer jetzt nicht erkennt, welche Möglichkeiten dieses Gebäude birgt, für den wird der Zug auf lange Zeit abgefahren sein.

Um so verwunderlicher ist es, dass VHS und Musikschule so erschreckend uninspiriert an die Sache herangehen. Politik fordert einen Raumbedarfsplan und bekommt eine 1:1 Übertragung vom alten auf das neue Gebäude plus ein paar Büro- und Lagerräume. Hallo?! Ist da wirklich nicht mehr? Kein: „Wenn wir nur den Platz hätten, könnten wir dies, das und jenes auch endlich anbieten.“ An dem Punkt muss es doch sprudeln!

Aber vielleicht kommt das ja noch. In einem groß angelegten Beteiligungsverfahren soll ermittelt werden, wer wie viel Raumbedarf hat. Hoffentlich kommen dabei noch ein paar zündende Nutzungsideen auf den Tisch – auch oder hauptsächlich von anderen Vereinen und Kulturschaffenden. Nur dann haben Amtsgericht und historisches Rathaus eine Chance, mehr als ein schnödes Schulgebäude zu sein. Nur dann können sie ein echtes von Elan und Herzblut getragenes Kultur- und Bildungszentrum werden. Nur dann wird das der „Leuchtturm“, den zukünftig alle Oldesloer gerne ansteuern.

Der Müll kommt an die Straße

Storrmarner Tageblatt vom 17. September 2008

Der Müll kommt an die Straße

Wer will schon gerne eine Mülltonne auf seinem schmucken Grundstück stehen haben? Hauskäufer am Steinfelder Redder jedenfalls nicht – auch wenn das eigentlich vorgeschrieben ist.

Bad Oldesloe/ol

– Im Oldesloer Neubaugebiet Steinfelder Redder werden die kleinen Stichstraßen nicht von den Müllfahrzeugen angefahren. Die bleiben auf der Ringstraße. Also müssen die Bewohner ihre Abfalltonnen am Tag der Entleerung immer dorthin befördern. Damit das etwas geordnet aussieht, sind im B-Plan Sammelplätze vorgesehen, die jeweils aus den Eckgrundstücken herausgeschnitten werden.

Nun gibt es aber ein Problem, denn die vom Erschließungsträger SEG in Auftrag gegebene Straßenplanung sieht anders aus. Dort sind die Sammelplätze nämlich direkt an der Straße zwischen Grünstreifen und Parkplätzen vorgesehen. Prompt ging bei der Stadt ein Änderungsantrag für den B-Plan ein, der jetzt im Planungsausschuss zur Beratung stand.

Bad Oldesloes Bauamts-Chef Rolf Steinhoerster argumentierte, das Vorgehen sei im Sinne der betroffenen Bürger. Davon steht allerdings nichts in der Sitzungsvorlage. Da ist nur die Rede von neuen, modernen Müllfahrzeugen, die nur noch einen Fahrer haben. Der bediene einen Greifarm, mit dem die Tonne dann automatisch entleert wird. Das aber funktioniert nicht über parkende Autos hinweg. Ob jedoch diese so genannten Seitenlader jemals am Steinfelder Redder eingesetzt werden, ist fraglich. Sie befinden sich immer noch im Probebetrieb.

Ulrich Langenberg von der Planungsabteilung des Rathauses hatte eine ganz andere Erklärung für den Änderungsantrag parat: „Das ist ein Planungsfehler. Ich weiß nicht, wie das passieren konnte.“ Da konnte sich der eine oder andere Politiker ein Grinsen nicht verkneifen. Die CDU hatte seinerzeit dermaßen aufs Tempo gedrückt, dass sogar Pläne mit Textdummys verabschiedet worden waren.

Hans-Hermann Roden von der SPD hatte so seine eigenen Vorstellungen, warum die SEG den Plan geändert haben möchte: „Das hat Auswirkungen auf den Kaufpreis.“ Wer will schon die Müllsammelecke an seinem Garten haben?

Mit der Begründung: Gekauft wie gesehen lehnte die SPD das Änderungsgesuch ab. Unter dem Motto „für die Bürger und den technischen Fortschritt“ sprach sich die Mehrheit aus CDU, Grünen und FDP indes dafür aus. Andreas Olbertz

Meiereiweg wird komplett gesperrt

Storrmarner Tageblatt vom 16. September 2008

Meiereiweg wird komplett gesperrt

Bad Oldesloe/ol

Die Stadtverwaltung teilt mit, dass der Meiereiweg ab morgen dauerhaft und komplett gesperrt wird. „Das war Voraussetzung für die Genehmigung der Biogasanlage“, erklärt Bauamts-Chef Rolf Steinhoerster. Der Ortsteil Blumendorf kann dann zukünftig nur noch über die B 75 erreicht werden. Der Lieferverkehr zur Biogasanlage muss dann wie vereinbart durch das Gewerbegebiet Rögen fahren oder, alle die Gespanne, die aus der anderen Richtung kommen, durch die L 226 (Grabauer Straße). Fußgänger und Radfahrer werden die Poller weiterhin passieren können.

Stadt greift nach zweiten Reihen

Bad Oldesloe: Up den Pahl

Storrmarner Tageblatt vom 15. September 2008

Stadt greift nach zweiten Reihen

Nach der Königstraße kommt jetzt Up den Pahl dran – dort soll Bebauung in der zweiten Reihe ermöglicht werden. Die Suche nach möglichen Varianten hat begonnen.

Bad Oldesloe/ol

– Die Stadt nimmt das Thema Innenverdichtung ernst: Jetzt kommen die nächsten Gärten dran. Schon länger wird über den Bereich Kurparkallee, Kleine Salinenstraße, Hamburger Straße diskutiert. Für dieses Areal hat der Planungsausschuss jetzt eine Vorkaufssatzung erlassen. Sollten dort Grundstücke auf den Markt kommen, ist die Stadt am Zuge. Auch wenn es dort noch einige Ungereimtheiten gibt.

So blieb beispielsweise die Frage, wie viele Eigentümer in diesem Bereich überhaupt Interesse haben, unbeantwortet. Bauamts-Chef Rolf Steinhoerster weigerte sich, irgendwelche Zahlen zu nennen. Angeblich, um keinen Druck auszuüben.

Hans-Hermann Roden von der SPD wies auf einen anderen Punkt hin. In der Vorlage der Verwaltung ist ausführlich die Rede vom Grundstück Königstraße 21. Das darauf stehende Haus ist extrem marode, und, so die Sitzungsvorlage, „stand bisher unter Denkmalschutz“. Im nächsten Satz heißt es dann aber, die Entlassung aus dem Denkmalschutz sei lediglich zugesagt. Auf Rodens Nachfrage, räumte die Verwaltung ein, dass es bislang nur eine mündliche Zusage gebe, nichts Schriftliches. Trotzdem werde ein ehemals unverkäuflicher Flecken Land plötzlich heiß auf dem Immobilienmarkt gehandelt.

Und noch ein Punkt stieß dem Sozialdemokraten sauer auf: „Da gilt doch die Gestaltungssatzung. Also müssten wir einen Abriss genehmigen. Aber im Bauausschuss hat es dazu bislang keine Vorlage gegeben.“ Rolf Steinhoerster bestätigte den Sachverhalt. Eine Abstimmung über einen Abriss könne es noch nicht geben, weil der Stadt noch gar kein entsprechender Antrag vorliege. Trotzdem wird im Bauamt schon munter geplant, als ob das Gebäude bereits weg wäre, denn das Grundstück „besitzt eine Schlüsselstellung für die Erschließung des Blockinnenbereichs.“

Jetzt wird das nächste Areal in Angriff genommen: Zwischen Ratzeburger Straße und Up den Pahl gibt es Grundstücke mit extrem langen Gärten. Die würden sich hervorragend für eine Bebauung in zweiter Reihe eignen. Seit mehr als 30 Jahren ist die Verwaltung an diesem Thema dran. Allerdings bislang wenig erfolgreich.

Jetzt stellt sich die Situation aber anders. Viele der Parzellen waren als Erbbaugrundstücke für 75 Jahre verpachte. Diese Frist ist jetzt abgelaufen. Das eröffnet die Möglichkeit, die Grundstücke zurück zu nehmen und Pächtern nur den jeweils vorderen Teil, auf dem ihr Haus steht, zu verkaufen.

Planer Peter Scharlibbe hat drei Varianten entworfen. Zwei Vorschläge sehen Zufahrtsstraße aus südwestlicher Richtung vor. Variante drei enthält eine von Norden kommende Straße. Bautechnisch, daran ließ Peter Scharlibbe keinen Zweifel, sei Variante drei das einzig Wahre. „Diese Variante hat einen gewissen Charme, denn sie arbeitet mit den Höhenlinien“, erläuterte der Planer. Die Straße würde also ohne großes Gefälle realisiert werden können. Ist aber Eigentums- und Erschließungsrechtlich schwieriger, da eben nicht alle Fläche im Besitz der Stadt sind. Die anderen beiden Skizzen ließen sich juristisch unproblematischer umsetzen, da die Grundstücke bereits der Stadt gehören. Es tun sich aber bauliche Probleme auf: Ein großer Höhenunterschied, der mit Spundwänden gesichert werden müsste. Scharlibbe: „Eine Zufahrt durch einen drei Meter Trog? Das kann man keinem Zumuten.“

Trotzdem gehen alle drei Vorschläge ergebnisoffen in die Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung. Eventuell, so die Hoffnung von Peter Scharlibbe, kommen dabei ja Vorschläge für weitere Varianten heraus.

Andreas Olbertz

Auf Landesebene auch vertreten

Storrmarner Tageblatt vom 15. September 2008

Nachrichten

Auf Landesebene auch vertreten

Bad Oldesloe/st

Im neuen Schleswig-Holsteinischen Städtebundtag, dem kommunalen Landesverband der 59 kreisangehörigen Städte sowie Halstenbek, ist Bad Oldesloe mit drei Personen vertreten. Dr. Jürgen Lange wurde in den Ausschuss für Städtebau und Umwelt gewählt, Hagen von Massenbach in den Ausschuss für Wirtschaft und Finanzen und Rainer Fehrmann in den Ausschuss für Recht und Verfassung.

Mehr Beteiligung – weniger Frust

Hagen von Massenbach

Storrmarner Tageblatt vom 13. September 2008

Mehr Beteiligung – weniger Frust

Mit einem Antrag will die SPD verhindern, dass am Montag schon ein Nutzungskonzept für das Amtsgericht verabschiedet wird, ohne dass eines vorgelegen habe. Obendrein sollen die Vereine stärker beteiligt werden.

Bad Oldesloe/ol „Es kann doch nicht sein, dass wir mit einem solchen Projekt Frustration erzeugen.“ In Sachen Nutzung des Amtsgerichts schaltet der SPD-Fraktions-Chef jetzt einen Gang höher. Im letzten Moment, denn am Montag sollen im Hauptausschuss bereits die entscheidenden Beschlüsse gefasst werden: VHS und Musikschule ziehen an den Bürgerpark. Wie die Räume genutzt werden, die die beiden Institutionen nicht brauchen, kann später festgelegt werden.

Da will die SPD nicht mitspielen. In einer Pressemitteilung kritisiert Hagen von Massenbach: „Uns liegt weder ein Raumbedarfsplan noch ein Nutzungskonzept vor. Es wurde versäumt, Bedarfe anderer Vereine abzufragen, die eventuell Räume im Amtsgericht nutzen möchten.“ Er ist überzeugt: „Die Stadt vertut eine große Chance, wenn das jetzt ohne Konzept und ohne Beteiligung beschlossen wird.“ Deshalb beantragt die SPD, am Montag noch nichts zu beschließen und fordert den Bürgermeister auf, „den Weg der Bürgerbeteiligung konsequent weiter zu verfolgen“.

Die SPD lässt keinen Zweifel daran, dass sie die Idee eines Kultur- und Bildungszentrums im Amtsgericht begrüßt. Angesichts des enormen Sanierungsbedarfs am Gebäude in der Königstraße sei der Umzug sinnvoll. Aber das Kultur- und Bildungszentrum werde der Innenstadt auch wertvolle Impulse geben. Dann kommt allerdings das große Aber. „Der Mensabau an der Stadtschule wird abgelehnt, weil es von einer gewissen Seite noch Fragen zum Konzept gibt, und hier sollen wir 2,5 Millionen Euro allein an Umbaukosten bewilligen – da ist der Saal noch nicht mit drin – , ohne ein Konzept vernünftig beraten zu haben? Ich kann doch keine Persilscheine ausstellen.“

Massenbach sieht keinen dringenden Handlungsbedarf der Politik: „Das Grobkonzept liegt vor, damit stehen wir hervorragend da und können die Anträge stellen.“ Beschließen könne man im Oktober. Dann soll auch über den neuen Saal befunden werden. Eine erste Beteiligungsrunde hatte ergeben, dass der Saal mindestens sieben Meter hoch sein muss. Das ließe sich aber mit den vorliegenden Entwürfen nicht vereinbaren – offensichtlich habe es bezüglich der Räume im zweiten Obergeschoss bereits Versprechungen gegeben. „Das kann nicht das Ergebnis einer Beteiligung im Sinne von ‚gemeinsam gestalten‘ sein“, schimpft von Massenbach. Ideen und Anregungen müssten unvoreingenommen abgewogen werden“.

Offensichtlich ist diese Erkenntnis auch in der Verwaltung angekommen. Sie verschickte gestern einen Aufruf an die Kulturschaffenden der Stadt, dem Bürgermeister umgehend ihre Bedürfnisse möglichst detailliert zu melden, damit sie in ein Konzept einfließen können.

Andreas Olbertz

 

Stormarner Wochenschau

Storrmarner Tageblatt vom 13. September 2008

Weichenstellungen und kleine Dramen

Wer will der Depp sein?

Rolf Blase und Andreas Olbertz

Hahaha“, da lachten die Damen und Herren im Planungsausschuss fröhlich, als Bauamts-Chef Rolf Steinhoerster erläuterte, die Urheberrechtsfrage wiege für ihn bei einer eventuellen Neugestaltung des Marktplatzes deutlich mehr, als Denkmalschutzfragen. Einige scheinen noch nicht erkannt zu haben, wie wichtig Urheberrechte sind, andere haben sie schon als Waffe im Politkampf entdeckt. In Sachen Schwimmbadsanierung wurde immer noch keine Einigung mit den ehemaligen Planern erzielt. Zwischen den Forderungen der Architekten und dem Angebot der Stadt klaffen locker 100 000 Euro. Bis das ausprozessiert ist, kann das Bad schon zusammengebrochen sein.

Es gibt Überlegungen für eine Mensa in der Stadtschule – kaum geäußert, schon steht Architekt Peter Esau auf der Matte. Na, wer den wohl angespitzt hat? Als nächstes also der Marktplatz. Hat sich eigentlich schon mal jemand erkundigt, wer das Amtsgericht entworfen hat? Vielleicht darf da gar kein Saal angebaut werden. Wer hat die Ströhschen Silos geplant? Die sollen auch auch demnächst weg. Gott sei Dank gehört das Intermar nicht der Stadt. Mit den Rechten daran dürfen sich andere rumärgern. Der Bauhof sieht allerdings nach Design aus? Dürfen die bunten Häuschen einfach wegen eines schnöden Parkplatzes abgerissen werden?

Bald werden Architektennamen genau so gefürchtet sein wie damals, als Umweltaspekte noch zählten, die Haselmaus.

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Die Stadt möchte im Dreieck König-, Hamburger, Kleine Salinenstraße mit einem B-Plan für geordnete Bebauung in der zweiten Reihe sorgen. Im Verfahren haben sich allerdings eine ganze Reihe von Anliegern dagegen ausgesprochen, und Befürworter gab es offenbar keine. Aber das schreckt das Oldesloer Bauamt nicht. Aus „anders gewonnen Informationen“ sei bekannt geworden, dass sich „mehrere Grundeigentümer“ für Bebauung ausgesprochen hätten. Auf Nachfrage weigerte sich die Verwaltung jedoch, eine Zahl zu nennen.

Gleiches Problem, offensichtlich ganz andere Rechtslage: Auch zwischen Ratzeburger Straße und Up den Pahl soll in zweiter Reihe gebaut werden. Da wird kurzerhand ein Luftbild mit Grundstücksgrenzen sowie Hausnummern an die Wand geworfen, das Bauamt erläutert frei von der Leber weg, welche Grundstücke ihr gehören, welche Besitzer Zustimmung signalisiert hätten und wo mit Problemen zu rechnen sei. Das ist doch irgendwie merkwürdig.

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Beim Stadtumbau West gibt es eine Lenkungsgruppe. Boah, was für ein mächtiges Wort. Da sitzen die Wichtigsten der Stadt an den Steuerhebeln der Macht und stellen die Weichen. Naja, weit gefehlt. Ganz abgesehen davon, dass jeder vermutlich seine ganz eigenen Vorstellung davon hat, wo es für die Stadt lang gehen könnte, die Richtung bestimmt momentan nur eine: Kämmerin Mandy Treetzen. Unterlagen lässt sie erst in der Sitzung verteilen, enge Fristen und ein bisschen Drama – da wagt keiner mehr, was dagegen zu sagen, denn wer will schon der Depp sein, der wegen zu viel Fragerei und Diskussion das wichtige Impulsprojekt Kultur- und Bildungszentrum zu Fall gebracht hat. Bürgerbeteiligung? Anregungen von Fachleuten? Wünsche von zukünftigen Nutzern. Alles Tüdelkram. Die Konzepte liegen vermutlich längst fertig in der Schublade, alles, was da nicht ins Schema passt, ist kontraproduktiv. Hoffentlich ereilt den neuen Saal nicht ein ähnliches Schicksal wie die Kurparkbühne. Unser Zeichner Götz Wiedenroth hat sich in bewährter Manier des Themas mit spitzer Feder angenommen.

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Das hatte man sich so schön gedacht im Kreishaus. Billigeren Strom wollte man haben, wenn möglich Öko-Strom. Eine Firma wurde mit der Ausschreibung beauftragt, und dann wollte man dem günstigsten Anbieter den Zuschlag geben. In der freien Wirtschaft gang und gäbe, aber nicht im Stromsektor. Ein einziges Angebot war eingetrudelt, unverbindlich und noch nicht mal besonders günstig. Natürlich von der Eon. Die versorgt den Norden und ist auch der Vorlieferant für die Vereinigten Stadtwerke: Die großen Energieschwestern haben sich das Land aufgeteilt und denken offenbar nicht ansatzweise daran, sich gegenseitig die Preise kaputt zu machen. Auch wenn es um einige Kilowattstunden geht, weil nicht nur Stormarn, sondern auch andere Kreise die Ausschreibung bei der Firma in Auftrag gaben.

Bei den Stadtwerken ahnte man wohl, dass das Risiko, einen Großkunden zu verlieren, so groß nicht war und hielt sich mit einem eigenen Angebot zurück. Keine schlechte Strategie. Nach dieser Ausschreibung darf der Kreis zwar frei verhandeln, aber erster Ansprechpartner ist natürlich der bisherige Lieferant – die Vereinigten Stadtwerke.

Nun muss man mit dem Kreis kein allzugroßes Mitleid haben. Schließlich bekommt der als Großkunde ohnehin bessere Bedingungen als die Normalbürger, aber es zeigt, wie schlecht marktbeherrschende Konzerne für einen Markt sind.

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Dass sich die Kleinen wehren, ist also durchaus legitim. Allerdings sollte man auch schauen, wen man damit trifft. In Barsbüttel hatten es Eltern mit ihrer Trickserei übertrieben. Die Gemeinde gewährt eine Geschwisterermäßigung für das zweite Kind in Betreuung – auch bei privaten Einrichtungen oder Tagesmüttern. Also gaben einige Eltern ihr Kind Nummer eins an einem Tag in der Woche weg (vielleicht auch nur pro forma), das Geschwisterchen für den ermäßigten Satz aber fünf Wochentage in die Betreuung. Dem hat die Gemeinde – aus deren Mitteln der Zuschuss gezahlt wird – einen Riegel vorgeschoben: Der volle Satz wird nun beim teureren Platz fällig.

Auch Oldesloer Vereine möchten das Kulturzentrum nutzen

Lübecker Nachrichten vom 13. September 2008

Auch Oldesloer Vereine möchten das Kulturzentrum nutzent

Erst nach einer Sondersitzung im Oktober beschließt der Hauptausschuss der Stadt Bad Oldesloe über das Konzept für den geplanten neuen Oldesloer Saal am alten Amtsgerichtsgebäude. Doch auch schon kommenden Montag geht es im Hauptausschuss (19 Uhr, Sitzungszimmer Stadtverwaltung) um das künftige Kultur- und Bildungszentrum.

Dabei dreht es sich um den Umzug von Volkshochschule und Musikschule ins Amtsgericht. Beide sollen das stark sanierungsbedürftige und zu kleine alte VHS-Haus verlassen. Die SPD möchte auch diesen Tagesordnungspunkt am liebsten noch weiter verschieben. SDP-Chef Hagen von Massenbach: „Uns liegt weder ein Raumbedarfsplan noch ein Nutzungskonzept vor. Es wurde versäumt, den Bedarf anderer Vereine abzufragen, die eventuell ebenfalls Räume im Amtsgericht nutzen möchten oder könnten.“ Der Anbau eines Saales macht nach Ansicht der Oldesloer Sozialdemokraten nur dann Sinn, wenn auch das zweite Obergeschoss des alten Amtsgerichtes dafür zur Verfügung steht. Um Zeit für weitere Beratungen zu gewinnen beantragt sie, den abschließenden Beschluss über die Nutzung des Gebäudes ebenfalls erst im Oktober zu fassen. Zudem solle der Weg der Bürgerbeteiligung konsequent weiterverfolgt werden. Es bestehe eine einzigartige Chance für die Entwicklung und vor allem Belebung der Innenstadt.

Beim jüngsten Klangstadt-Treffen haben sich auch die Mitglieder in dieser Musiker-Initiative Gedanken zu dem Themenkomplex gemacht. Sie sehen nun wieder ein Kulturzentrum als Ort der Begegnung für Oldesloer Künstler, Musiker und Schauspieler, als gemeinsames Kulturzentrum der Oldesloer Vereine und Initiativen aus dem gesamten Kulturbereich. Sie stellen sich dort einen Versammlungsraum für Kulturschaffende, Büros für die Vereine und Initiativen, eine Medienwerkstatt und Proberäume für Bands vor.

Optimal wäre nach Ansicht der Klangstadt-Vertreter ein multifunktionaler Saal mit flexibler Bühne, flexibler, ausreichender Bestuhlung, attraktivem Foyer sowie Gastronomie nach Bedarf. Die Initiative äußerte nach einem Workshop zum Kultur- und Bildungszentrum, dass sie die Befürchtung habe, dass es bereits Vorabsprachen zur Aufteilung und Vergabe der frei werdenden Räume im Amtsgericht geben könnte. Für sie gehe es zunächst um ein Kulturzentrum als Ganzes und nicht um technische Detailfragen des Saales.

Susanna Fofana

 

Nun doch weniger Bauplätze

Storrmarner Tageblatt vom 11. September 2008

Nun doch weniger Bauplätze 

Statt sieben Häuser sollen an der Wolkenweher Dorfstraße auf dem Gelände des ehemaligen Gemüsehofs nun doch nur vier entstehen. Die FDP ließ die bisherige Planung überraschend platzen.

Bad Oldesloe/ol

– Alles noch mal zurück – zwar nicht ganz auf Null, aber doch einen gehörigen Schritt – heißt es für das geplante Baugebiet an der Wolkenweher Dorfstraße zwischen der Mühle und dem ehemaligen Gemüsehof Adam.

Dort, wo früher die Folientunnel des Gemüsebauers standen, sollen Eigenheime hin. Im November vergangenen Jahres hatten CDU und FDP noch gemeinsam für eine intensive Bebauung gestimmt. Gegen den Rat des Planers, der hatte eine Variante mit nur vier Häusern bevorzugt, doch auf Vorschlag von Christine Bischoff-Magos (CDU) war für einen Entwurf mit sieben Häusern gestimmt worden.

Also hat Planer Detlev Stolzenberg den Entwurf „Wohnanlage – vier Stadtvillen und zwei Einzelhäuser“ weiter voran getrieben. Jetzt sollte der Planungs-Ausschuss über die eingegangen Anregungen und Bedenken befinden. Doch daraus wurde nichts. Frank Fiedler kündigte an, dass er nicht für diesen Vorschlag stimmen werde. Das Argument des Liberalen: „Grundsätzlich kann man da bauen, aber wir würden eine kleinere Variante bevorzugen.“

Zuvor hatten schon Hans Hermann Roden für die SPD und der Grüne Uwe Stephenson dargelegt, warum sie eine Bebauung ablehnen. Für die SPD ist das „quasi schon Außenbereich“, zu dicht am Naturschutzgebiet. Es gebe genügend Baugrundstücke in der Stadt und wenn doch welche benötigt würden, präferiert die SPD Innenverdichtung. Uwe Stephenson brachte es kurz und schmerzlos auf den Punkt: „Es gibt Probleme von beiden Seiten. Auf der Einen ist das FFH -Gebiet und auf der anderen der Straßenlärm. Diese Gründe verbieten in der Kombination eine Bebauung.“

Laut Flächennutzungsplan ist in dem Bereich Wohnbebauung vorgesehen. Ausschuss-Vorsitzende Maria Herrmann wieß aber auf einen Widerspruch hin. Im Februar hatte das Innenministerium zu den Oldesloer Absichten allerdings geschrieben: „Ich empfehle dringend, die Planung aufzuheben.“ Bauamts-Chef Rolf Steinhoerster gab im Bezug auf den F-Plan zu: „Wir waren alle überrascht, dass das Ministerium uns das genehmigt hat.“ Eine Bebauung über den Gemüsehof hinaus in Richtung Wolkenwehe werde es aber nicht geben. Maria Herrmann möchte das in einem Städtebaulichen Vertrag festgeschrieben haben.

Damit war die „Wohnanlage“ schlagartig erledigt – eine kurzfristige Jamaika-Koalition stimmte dagegen. Die CDU sah ihre Felle davon schwimmen, weshalb Uwe Rädisch auf einen Kompromiss drängte. Der entsprechende Vorschlag kam von Frank Fiedler. Die seinerzeit vom Planer favorisierte Variante 1 mit vier treppenartig angeordneten Häusern werde er mittragen. Da fackelten die Christdemokraten nicht lange und stimmten zu.

Dieses Konzept verlangt lediglich minimierte Eingriffe in die Natur und geringen Erschließungsaufwand. Gleichzeitig hätten die Grundstücke eine exponierte Lage und seien optimal abgeschirmt. SPD und Grüne überzeugte das trotzdem nicht, sie blieben bei ihrem Nein – trotz der kleineren Variante.

Andreas Olbertz

Nicht attraktiv genug – bleibt alles beim Alten ?

Storrmarner Tageblatt vom 10. September 2008

Nicht attraktiv genug – bleibt alles beim Alten ?

Neue Bänke, Blumenkübel und Fahrradständer für die Innenstadt – alles gestrichen. Alle Fraktionen haben das Konzept einstimmig vertagt. Lediglich die ungeliebte Mittelrinne soll erneuert werden.

Bad Oldesloe/ol

– Das nennt man wohl den klassischen Domino-Effekt: Einer kommt ins Grübeln, dann fangen auch die anderen an zu wackeln und plötzlich kippen sie einer nach dem anderen um. Und das war es dann vorerst mit der Attraktivierung der Innenstadt. Einstimmig im Planungsausschuss gestoppt!

Das Projekt ist ja bereits ein Dauerbrenner. Schon lange wird in der Politik diskutiert. Mehrere Beteiligungsrunden für die Öffentlichkeit wurden bereits abgehalten. Als Sofortmaßnahmen sind bereits ein paar neue Kinderspielgeräte installiert worden. Für Hundehalter stehen Spender bereit, aus denen sie sich Plastiktüten ziehen können, um die Hinterlassenschaften ihrer vierbeinigen Freunde einzusammeln. Aber das große Maßnahmenkonzept steht noch aus.

In den öffentlichen Diskussionsrunden wird immer wieder ein und die selbe Kritik vorgebracht: Das Pflaster auf dem Marktplatz und die im Volksmund „Pissrinne“ genannte Pflasterung in der Fußgängerzone – für ältere und behinderte Menschen kaum zu begehen, ein Killer für hochhackige Schuhe. Thoma Wilken, Sprecher der Marktbeschicker wurde im Bau- und Planungsausschuss (BPA) deutlich: „Wir erleben das Desaster zwei Mal wöchentlich.“ Als Lösung könnten die Fugen auf dem Marktplatz ausgekratzt und neu gefüllt werden. Wie Bauamts-Chef Rolf Steinhoerster ausführte, ist der Erfolg zweifelhaft. Ebener werde es, „aber bei weitem nicht glatt“. Frank Fiedler (FDP) meldete Zweifel an, ob man dafür wirklich 75 000 Euro ausgeben solle: „Ich will doch nicht nur ein Pflaster aufs Pflaster kleben.“ Vom Grünen Uwe Stephenson kam Kritik, warum gute, funktionstüchtige Lampen ausgetauscht werden sollen. „45 000 Euro - das sind zwei Jahres-Etats für Kulturförderung.“, bemängelte er.

Rolf Steinhoerster hielt dagegen. Lampe, Bank, Papierkorb – das stellt sich die Verwaltung als Ensemble vor. Da passe eine moderne Edelstahlbank nicht zu den historisierenden Lampen. Das rief Hans-Hermann Roden von der SPD auf den Plan: „Wer sagt denn, dass wir die Fußgängerzone auf Edelstahl trimmen müssen?“ Zustimmung von CDU-Seite. Uwe Rädisch: „Die Oldesloer haben sich seinerzeit mit großer Mehrheit für genau diese Lampen ausgesprochen.“

Es gibt noch ein Problem: Im Bereich Besttorstraße ist die Pflasterung falsch verlegt worden. Die Konsequenz ist jetzt sichtbar, der Boden ist buckelig und wackelig. Der andere Teil der Fußgängerzone wird mehr und mehr zum Mosaik in Grau. Die Betonplatten waren eine Sonderanfertigung. Die gibt es nicht mehr. Wenn der Boden aufgerissen wird, werden die Platten durch deutlich dünnere Exemplare ersetzt. Das hat Auswirkungen – sie brechen ständig. Steinhoerster: „In ein paar Jahren wird man da mal drüber nachdenken müssen.“

Und dann verwieß Ausschussvorsitzende Maria Herrmann (SPD) noch auf ein Schreiben von Kaufhausbetreiber Michael Hänchen. Der hatte in einem Brief an Bürgermeister Tassilo von Bary die Dringlichkeit von Maßnahmen herausgestellt. Es sei nicht mehr fünf vor 12, sondern bereits fünf Minuten danach. Daran hatte er einen Bericht der Financial Times Deutschland geheftet, in dem er viele Parallelen zur Oldesloer Situation ausmachen konnte. Maria Herrmann interpretierte den Text etwas anders: „Sanierungsstau bei den Immobilien, schlechtes Management und verändertes Käuferverhalten – das sind die wahren Probleme.“ Zustimmendes Nicken von CDU-Fraktions-Chef Horst Möller: „Damit hat er sich nur selber ins Knie geschossen.“

Das Thema Innenstadt Attraktivierung, alles zusammen hätte 257 000 Euro gekostet, war somit erst mal erledigt. Alle Fraktionen waren sich einig, dass sie intern beraten wollten, in welche Richtung – modern oder historisch – die Reise überhaupt gehen soll. Auch die Verfugung des Marktplatzes wird vorerst zu den Akten gelegt. Frank Fiedler wollte vom Bauamt aufgelistet haben, welche Alternativen es gibt – bis hin zur kompletten Neupflasterung, inklusive Kosten und rechtlicher Bewertung in Hinblick auf Denkmalschutz und Urheberrecht.

Was blieb über? Im Haushalt stehen 37 000 Euro bereit. Das ist ziemlich genau die Summe, die die Erneuerung der Mittelrinne kosten soll. Auf Antrag von Horst Möller werden die Steine aufgenommen und durch ebene Platten ersetzt.

Andreas Olbertz

Einigkeit und Stehvermögen

Die Entfernung der Rinne wird viele Passanten sicher freuen“, ist GOK-Vorsitzende Ilona Rehme überzeugt. Dass es mit den anderen Maßnahmen nichts wird, enttäuscht sie allerdings. Wobei die Buchhändlerin zugibt, dass auch sie sich nicht sicher ist, ob Edelstahl die richtige Variante wäre. Auch für die Rückstellung des Marktplatzes zeigt sie Verständnis: „Bevor Geld ausgegeben wird und man in zwei Jahren alles noch mal machen muss, sollten die Politiker lieber vorher gründlich überlegen“, sagt Rehme.

Mit der „Hardware“ von Seiten der Stadt wird es nichts, aber auch mit der „Software“ von der GOK sieht es nicht sonderlich gut aus. Das von Rainer Jürs angeregte Aktionspaket zur Belebung der Hude finden die Kaufleute zwar gut, lehnen es aber dankend ab. Ilona Rehme: „Wir haben auch viele Mitglieder, die nicht an der Hude liegen. Deshalb können wir das nicht machen. Auf Dauer wäre das nicht zu finanzieren.“

Einheitliche Öffnungszeiten, die von Experten immer wieder angemahnt werden, wird es ebenfalls nicht geben, bedauert Vorsitzende Rehme: „Jetzt sind Einigkeit und Durchhaltevermögen gefragt.“ Aber das sehe sie bei den Oldesloer Kaufleuten leider bislang nicht. „Wir müssen in Vorleistung treten, auch wenn die Kunden uns nicht gleich die Geldsäcke in den Laden tragen. Das braucht einen gewissen Atem“, sagt sie.

Der endlose Kampf gegen die Krähen

Hamburger Abendblatt vom 10. September 2008

Bad Oldesloe: Zehn Jahre Vogelvergrämung - eine gramvolle Geschichte

Die Zahl der Nester im Kurpark steigt wieder an - trotz jahrelanger Versuche, die Tiere zu vertreiben. Ein Rückblick.

Von Matthias Popien

Bad Oldesloe -

Es ist ein Kampf auf Biegen und Brechen: Hier die Saatkrähen, dort die Politiker. Seit zehn Jahren versuchen die Oldesloer, den im Kurpark lebenden Vögeln eben dieses Leben schwer zu machen. Und seit noch mehr Jahren machen die Krähen mit ihren Schreien und ihrem Kot den Anwohnern das Leben schwer (wir berichteten). Ein Ende ist nicht abzusehen. Die Krähen spielen mittlerweile sogar schon bei den Haushaltsberatungen eine Rolle. In Bad Oldesloe gibt es einen eigenen Etatposten für die Bekämpfung der Vögel.

Wieviel Geld die Stadt bislang ausgegeben hat, konnte im Rathaus gestern niemand beantworten. Der Betrag dürfte die 50 000-Euro-Grenze übersteigen. Ziel: Die Vögel sollen in den Kern des Parks verdrängt werden, damit die Menschen am Rand ihre Ruhe haben. Erreicht worden ist dieses Ziel bis heute nicht. Die Krähen wechselten nur von einem Randbereich in den nächsten. Die Zahl der Nester hat sich zuletzt sogar wieder erhöht - von 403 im Jahr 2005 auf 490 in diesem Jahr.

Das Problem: Die Vögel dürfen nicht bejagt werden. Sie stehen unter Schutz. Erlaubt ist nur die "Vergrämung", also die Vertreibung der Tiere. Und da steht menschlicher Erfindungsreichtum gegen Krähen-Intelligenz. Nach zehn Jahren lässt sich sagen: Die Krähe triumphiert.

Was hat die Stadtverwaltung, was haben die Anwohner nicht alles versucht. 1992 schrieben sie in ihrer Not sogar an den damaligen Ministerpräsidenten Björn Engholm. 1997 durfte dann endlich zumindest vergrämt werden. Die Politiker lernten "Krähen

klatschen" kennen, deren Lärm die Vögel vertreiben sollten. Sie kamen nicht zum Einsatz.

Ein Jahr später wurden Bekämpfungsinstrumente selbst gebastelt. Mitarbeiter des Bauhofes sägten 50 Holz-Krähen aus, malten sie schwarz an und hängten sie zur Abschreckung in die Wipfel. Bald darauf hatte der Wind die Attrappen von den Bäumen gerissen. 734 Nester gab es damals im Kurpark.

1999 zog man den Falkner Frieder Eisenschmidt zu Rate. Seine Idee: Grelles Disco-Licht sollte die Vögel vertreiben, begleitet von Habichtschreien, Uhu- und Waldkauzrufen vom Tonbandgerät. Doch die Krähen machten offenbar die Augen zu und hörten weg - in ihren immer noch 680 Nestern.

Der Falkner zog prompt eine neue Idee aus dem Hut. Im Jahr 2000 (631 Nester) rückte er mit einer echten Habicht-Dame an und ließ sie über dem Park kreisen. "Krähen sind schlau. Sie merken genau, in welchem Gebiet ihre Feinde lauern", sagte Eisenschmidt damals. "Sie meiden es dann." Die Kurparkkrähen waren schlauer. Sie merkten genau, dass Falkner und Habicht nur zu bestimmten Zeiten vor Ort war.

Die Politiker ließen die Flügel hängen. Jahrelang geschah nichts. Im November 2003 griff man auf einen weiteren natürlichen Feind der Krähen zurück - den Uhu. Für 5000 Euro wurde ein Pärchen eingekauft und in einer Voliere im Park untergebracht. Die Hoffnung für 2004: Sobald sie Nachwuchs bekommen, werden sie auf Krähenjagd gehen.

Auch das klappte nicht. Der junge Uhu wurde nur drei Wochen alt. Und die Alt-Uhus hatte man gar nicht aus der Voliere herausgelassen - aus Furcht, sie könnten nicht zurückkommen. 637 Krähennester wurden im Todesjahr des kleinen Uhus gezählt.

Die Zahl der Nester im Kurpark steigt wieder an - trotz jahrelanger Versuche, die Tiere zu vertreiben. Ein Rückblick.

Der nächste Nachwuchskrähenjäger, der 2006 auf die Welt kam, suchte gleich das Weite. Ursache unbekannt. Mittlerweile leben zwei Uhus im Park. Und die Krähen? Die haben sich daran gewöhnt.

Dennoch: Die Politiker geben nicht auf.

Jetzt sollen am Drosselweg Bäume gefällt werden, damit die Vögel nicht mehr so nahe an den Häusern brüten können. 13 000 Euro wird das kosten. Michael Klahn (FDP), Vorsitzender des Umweltausschusses, bleibt optimistisch: "Man muss ihnen das Leben unangenehm machen, dann ziehen sie weiter."

Uhus, bitte übernehmen!

Es ist ja auch mal ganz schön, wenn uns Menschen die Grenzen aufgezeigt werden. Die Krähen haben das geschafft. Zehn Jahre unermüdlichen und erfolglosen Engagements für krähenfreie Zonen im Kurpark liegen hinter uns. Liebe Anwohner, seid mir nicht böse: Ich plädiere jetzt mal für eine Kapitulation. Es macht doch keinen Sinn, zur Axt zu greifen und kerngesunde Kurpark-Bäume am Drosselweg zu fällen. Die Krähen ziehen nur ein paar Wipfel weiter und krächzen dort. Würde man diese Holzfällermethode fortsetzen, wäre eines Tages der gesamte Stadtwald verschwunden. Auf störende Natur reagieren wir mit Naturzerstörung - das kann es nicht sein. Was bleibt? Die Einsicht, dass wir Menschen mit dem Ausräumen der Landschaft mit dazu beigetragen haben, dass die Krähen nicht mehr so viele Lebensräume haben - und die Hoffnung, dass die Uhus ihrem Ruf als Krähenjäger endlich Ehre machen. Matthias Popien

Lesermeinung

Storrmarner Tageblatt vom 9. September 2008

Lesermeinung

Entscheidungen konspirativ gefällt
Zur Diskussion Kulturzentrum und Amtsgericht

Hieß es nicht vor der letzten Bürgermeisterwahl "Ich will das Ehrenamt stärken" und "Der Bürger soll stärker an Entscheidungen beteiligt werden". Was ist nun damit? Waren die Aussagen selektiv gemeint? Macht es für uns Mitglieder von FIT (Für Integration und Toleranz) überhaupt noch Sinn, sich weiter an der ISEK-Stadt-planung zu beteiligen? Hat die Verwaltung bereits verbindliche Entscheidungen gefällt? Wurde deshalb meine Mailanfrage vom 5. August nach Räumlichkeiten nicht beantwortet?

Wenn schon nicht der politische Anstand, so müsste doch wenigstens die ökonomische Vernunft gebieten, dass alle Kulturformen und Kulturen ihren Platz im ehemaligen Amtsgericht haben. Eine weltoffene Stadt, die interkulturelle Fähigkeiten fördert, hat in unserer globalisierten Welt einen wertvollen Standortvorteil. Internationale Kultur- und Bildungsangebote, verbunden mit bürgerschaftlichem Ehrenamt, können innovative Impulse geben und sind Motor für eine nachhaltige Integration.

Mit dieser Dialektik, von gleichberechtigter Teilhabe reden, aber Entscheidungen konspirativ fällen, ist schon die DDR gescheitert. Hier bleibt die Hoffnung, dass verantwortungsvolle FDP- und SPD-Politiker diesen Geisterzug noch stoppen können.

GERD GÜNTER FINCK,
Bad Oldesloe

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Gab es da Vorabsprachen?

Wir, die Vertreter der Klangstadt, haben uns gefreut, zum Workshop im Bezug auf das Kultur- und Bildungszentrum eingeladen worden zu sein. Mit großem Interesse haben wir an der Diskussion teilgenommen. In unserer Nachbereitung sind allerdings neue Fragen aufgetreten. Auch hat uns der Verlauf der Veranstaltung insgesamt ein wenig überrascht. Das begann schon bei der inhaltlichen Ausrichtung, die aus unserer Sicht im Vorlauf nicht zu 100 Prozent geklärt gewesen zu sein schien. Für uns ging es in dem Workshop um ein Kulturzentrum als Ganzes und nicht um technische Detailfragen des Saales.

Wir hatten uns eine allgemeinere und auch ergebnisoffene Diskussion über ein noch zu entstehendes Kulturzentrum der Oldesloer Vereine und Initiativen aus dem gesamten Kulturbereich gewünscht. Dieses grundsätzlich wichtige Thema kam leider nur am Rande zur Sprache, obwohl es aus unserer Sicht als Kulturschaffende eine zentrale Bedeutung für den weiteren Verlauf der Diskussion gehabt hätte. Dies ergab sich auch aus den Gesprächen mit den Vertretern anderer Vereine. Der Abend zeigte im Endeffekt vor allem, dass es eine Menge Menschen in Oldesloe gibt, die Interesse an einem Kulturzentrum auch unabhängig von einem neu zu bauenden Saal haben. Wir wünschen uns eine Möglichkeit, uns mit den anderen Kulturschaffenden der Stadt an einem zentralen Ort auch lokal zu vernetzen, und dass das Gericht zu einem Ort der Begegnung für Oldesloer Künstler, Musiker und Schauspieler werden kann.

Es ist schade, dass der Eindruck besteht, dass unsere Gedanken zur Aufteilung der Räumlichkeiten und der ganzheitlichen Nutzung des Kulturzentrums im Prinzip vergebens waren. Wir haben die Befürchtung, dass es bereits Vorabsprachen zur Aufteilung und Vergabe der frei werdenden Räume im Amtsgericht gibt.

Wir hatten uns einen zentralen Treffpunkt für Kulturschaffende in unserer Stadt vorgestellt mit einem Versammlungsraum, Büros für die Vereine und Initiativen, eine Medienwerkstatt, einen Gestaltungsraum für audiovisuelle Medien, Proberäume für Bands, Chöre und Theater sowie optional einen multifunktionalen Saal. Wir als Vertreter der Klangstadtinitiative sympathisieren mit den Vorschlägen von Herrn Rau, dem technischen Direktor des Schauspielhauses Hamburg, die er beim Workshop äußerte. Der Saal sollte sowohl für aktuelle als auch zukünftige kulturelle Veranstaltungen für Oldesloe ausgelegt sein.

CHRISTIAN BERNARDY, AXEL HARTKOPF, BRITTA REIN, TILL WEBER, MARIE VON DER HEYDT, PATRICK NIEMEIER

Platzt der Stadtumbau in Reinfeld und Oldesloe?

Hamburger Abendblatt vom 6. September 2008

Sparkurs: Land schränkt Städtebauförderung ein

Kürzungspläne für 2009 und 2010 angekündigt. Beide Kommunen wollen eine Protestresolution verabschieden.

Von Mathias Popien

Reinfeld/Bad Oldesloe -

Mehr Leben in der Innenstadt: Unter diesem Motto werden derzeit in Reinfeld und Bad Oldesloe millionenschwere Umbauten geplant. Ein Brief aus Kiel könnte diesen Plänen nun ein plötzliches Ende setzen. Das Land will aus Geldmangel die Städtebauförderung in den kommenden beiden Jahren einschränken. Da derzeit die Etatberatungen für 2009 und 2010 noch laufen, lassen sich genauere Angaben noch nicht machen. Doch bei den Städten regt sich Protest. Sowohl in Reinfeld als auch in Bald Oldesloe wollen die Politiker eine Resolution verabschieden, mit der sie sich gegen die Kürzungen wenden.

"Endlich geht es bei uns los, dass wir die Innenstadt attraktiver machen, und dann dreht das Land den Geldhahn zu. Dagegen opponieren wir wie wild", sagt Hans-Peter Lipphardt (CDU), der Reinfelder Bürgervorsteher. Die Städtebauförderung wird zu gleichen Teil vom Land, Bund und der jeweiligen Kommune bezahlt. Fällt das Landesdrittel weg, zahlt auch der Bund nicht mehr. Folge: Die gesamte Förderung bricht zusammen.

In der Karpfenstadt läuft gerade der erste Teil eines Erneuerungsprogramms, das in der Geschichte des Ortes einmalig ist. Die alte Claudius-Mühle ist bereits abgerissen. Dafür ist Reinfeld ein Zuschuss von 180 000 Euro bewilligt worden. Auf dem Gelände soll ein Seniorenquartier mit 117 Wohneinheiten entstehen. Doch damit nicht genug: Die benachbarte Müllerwiese soll umgestaltet werden, ebenso der Karpfenplatz mit einem Teil der Matthias-Claudius-Straße und die Paul-von-Schoenaich-Straße.

In Bad Oldesloe steht das "Integrierte Stadtentwicklungskonzept" auf dem Spiel. Hinter diesem hochtrabenden Begriff steht die Absicht, die Innenstadt zu verschönern. Im März 2007 wurde die Stadt in das Förderprogramm "Stadtumbau West" aufgenommen, für dieses Jahr wurden 560 000 Euro bewilligt. Insgesamt rechneten die Politiker mit vier Millionen Euro. Und was soll mit dem Geld geschehen? Bislang wurde davon nur ein Planungsbüro bezahlt, das ein Gutachten erstellt und eine Veranstaltung mit Bürgern organisiert hatte, die Verschönerungsvorschläge machen sollte.

Eine der Ideen: Das Gebäude des Amtsgerichts, das im kommenden Jahr schließt, könnte mit einem großen Saal als Anbau eine Art Kulturzentrum werden. Fällt die Förderung weg, wäre ein solches Projekt nicht zu verwirklichen. Maria Herrmann, Pressesprecherin der SPD, sagt: "Ich fürchte fast, am Ende heißt es: 'Außer Gutachten ist nichts gewesen'."

 

Stadt sucht Betreiber für Schulmensa

Hamburger Abendblatt vom 6. September 2008

Stadt sucht Betreiber für Schulmensa

Bad Oldesloe -

Die Stadt Bad Oldesloe sucht einen neuen Betreiber für die Schulmensa an der Olivet-Allee. Nach nicht einmal zwei Jahren Laufzeit hat die Stadt den Vertrag fristgerecht zum Jahresende gekündigt. Ursache: Der Betreiber war mit dem vorher vertraglich vereinbarten Essenspreis nicht ausgekommen und hatte eine Erhöhung verlangt. Außerdem hatte die Qualität des Essens zuletzt offenbar stark nachgelassen.

In der Mensa, die im Januar 2007 eröffnet worden war, werden täglich zwischen 450 bis 600 Mahlzeiten ausgegeben. Das Stammessen kostet 2,80 Euro, ein einfaches Essen 1,80 Euro. Dieser Preis soll möglichst beibehalten werden. Ob sich dieser Wunsch erfüllt, muss das Ergebnis der Ausschreibung zeigen. Der neue Bewirtschaftungsvertrag soll zunächst für ein Jahr gelten. Danach kann er jährlich verlängert werden.

pop

Kampfansage an die Krähen

Krähennester im Kurpark

Lübecker Nachrichten vom 6. September 2008

Kampfansage an die Krähen

Bad Oldesloe – Für Oldesloes Kurparkkrähen wird es jetzt ungemütlich. Wegen der scharfen Proteste ihrer menschlichen Nachbarn werden die Wohnungen der Saatkrähen bald zerstört.

Der Umwelt- und Energieausschuss beschloss vorerst drei Vergrämungsmaßnahmen: das Ausstoßen von Krähennestern, Zurückschneiden von Astgabeln und das Fällen von Bäumen.

Die geplagten Anlieger des Drossel- und Meisenwegs verfolgten die Diskussion mit Interesse. Sie sind es leid, noch länger unter den Krähen zu leiden. Wegen einer erfolgreichen Vergrämungsmaßnahme durch ein Uhu-Pärchen waren immer mehr Krähenfamilien in ihre Nähe gezogen.

Verwaltungsmitarbeiter und Vertreter der Forstbehörde sahen sich die Situation vor Ort an. Sie stellten fest: Die Aufforstungen aus den 50er-Jahren reichen bis an die Grundstücke heran. Gepflanzt wurden seinerzeit Buchen, Eichen und Ahorn.

Was allerdings dort fehlt ist ein Waldrandstreifen. Der Abstand zwischen den Kurparkbäumen und den Häusern beträgt lediglich zehn bis 15 Meter. Dabei sieht das Landeswaldgesetz hierfür 30 Meter vor.

Nun soll entlang der Grundstücke eine Waldschneise von zehn Metern Breite geschlagen werden. In diesem Bereich werden Buschgehölze gepflanzt, denn diese werden von den Krähen nicht als Nistplätze genutzt.

Um die Nistmöglichkeiten der krächzenden gefiederten Nachbarn noch weiter zu reduzieren, werden sämtliche Nester aus den Nistbäumen entfernt sowie die Astgabeln herausgeschnitten. Die Maßnahmen kosten 13 500 Euro und sollen nächstes Jahr durchgeführt werden.

Zusätzlich wird es im Bereich der Vogelsiedlung vielleicht noch eine zweite Voliere mit einem weiteren Uhu-Pärchen geben. Doch bevor darüber abgestimmt wird, soll in der Oktober-Sitzung noch ein weiterer Uhu- Experte zu Rate gezogen werden. Die bisherigen Fachleute vertreten gegensätzliche Auffassungen. Der eine will die Eltern in der Voliere lassen, der andere die Jungvögel. Von der Installierung einer Schussanlage nahm Bad Oldesloe Abstand.

Von Susanna Fofana

Oldesloe will ein Klimaschutzkonzept

Lübecker Nachrichten vom 6. September 2008

Oldesloe will ein Klimaschutzkonzept

BAD OLDESLOE – Bekommt Bad Oldesloe ein eigenes Klimaschutzkonzept?
Der Umwelt-und Energieausschuss hat bereits mit Mehrheit einem entsprechenden Antrag der Grünen zugestimmt. Nun hat am 22. September die  Stadtverordnetenversammlung das letzte Wort.

Eile tut Not. Denn das vom Bundesumweltministerium aufgelegte Förderprogramm für den Klimaschutz von Kommunen könnte vielleicht schon Ende Dezember auslaufen. Dabei gibt es das Programm, das eine 80-prozentige Bezuschussung vorsieht, erst seit diesem Juni.

„Der Fokus der Stadt Bad Oldesloe sollte insbesondere auf der Sanierung des Hallenbades und den Umbau des Amtsgerichtes zum Kulturzentrum liegen,“ heißt es im Grünen-Antrag. Vermutlich kann jedoch nur eine der Maßnahmen als Oldesloer Modellprojekt gefördert werden. Vor der Antragstellung muss jedoch das Konzept stehen.  sus

Schulhof und Sportplatz in einem Jahr

Lübecker Nachrichten vom 5. September 2008

Bad Oldesloe – Auch wenn es teuer ist (1,225 Millionen Euro) und die Personalkapazitäten fehlen: Die Politiker im Oldesloer Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss beharren darauf, den Schulhof-Umbau der Integrierten Gesamtschule und die zweite Ausbaustufe des Sportplatzes der Theodor-Mommsen-Schule beides im nächsten Jahr zu realisieren.

Die Verwaltung hatte vergeblich versucht, die Politiker zu einer Prioritätenentscheidung zu bewegen. Eine der Maßnahmen möge auf das Jahr 2010 verschoben werden. Doch der Ausschuss bestand auf der zeitgleichen Umsetzung beider Vorhaben im Schulzentrum. Genauso, wie es bereits am 2. Juli beschlossen wurde. Damals hatte der Ausschuss den Sportplatzbau in der Prioritätenliste nach vorn gerückt. Die Verwaltung sollte darstellen, wie dies bewerkstelligt werden kann.

Doch schon die Schulhofmaßnahmen an der IGS und die Treppe an der Mensa schlagen mit 541 000 Euro zu Buche. Sportplatz- und Schulhofbau, sowie Sanierung der Zuwegung kosten weitere 684 000 Euro.

Gescheitert sind die Oldesloer Grünen erneut mit ihrem Antrag auf kostenloses Mensaessen für alle Schüler. Er war bereits von der Stadtverordnetenversammlung abgelehnt worden. Um eine Kostendeckung zu erzielen, hatte der jetzige Mensa-Betreiber einen Zuschuss bei der Stadt beantragt. Dieser wurde abgelehnt, der Vertrag endet zum 31. Dezember. Nun sucht Bad Oldesloe einen neuen Mensa-Betreiber. Für die Ausschreibung wurde das Anforderungsprofil festgelegt. Ein Mittagsgericht soll 2,80 Euro kosten. Die Stadt wartet jetzt auf Angebote.

Die Stadtschule soll als letzte Oldesloer Schule mit Offenem Ganztagsbetrieb nun auch eine Mensa bekommen. Bisher essen die 90 bis 100 Kinder täglich im kombinierten Küchen- und Werkraum der Schule. Möglich wäre, die Mensa in der bisherigen Hausmeisterwohnung nebst neuem Anbau zu verwirklichen. Darüber entstände dann Raum für die Erweiterung des zu engen Lehrerzimmers. Die Kosten betragen rund 600 000 Euro, in der Mensa würde es 70 Sitzplätze geben. Ein Beschluss wurde noch nicht gefasst, da die politischen Parteien noch Beratungsbedarf haben.

Die Grundschule West will den Zufallsnamen nun auch offiziell nutzen. Der Oldesloer Ehrenfriedhof soll durch ein kunstvolles Tor für 22 000 Euro künftig vor Vandalismus geschützt werden. Die Stadt unterstützt die Initiative „Rein in den Verein“ und trägt für Kinder und Jugendliche aus Familien mit geringem Einkommen 20 Prozent des Vereinsbeitrages. sus

Langer Beifall am „Italienischen Abend“

Storrmarner Tageblatt vom 5. September 2008

Langer Beifall am „Italienischen Abend“

Björn Engholm rezitierte, Martina Doehring sang

Bad Oldesloe/st

– Die Lesung von Björn Engholm, kombiniert mit dem Konzert der Sopranistin Martina Doehring, war der bisherige Höhepunkt aller Veranstaltungen des Bad Oldesloer Kulturforums: Rund 230 Besucher erlebten in der Peter-Paul-Kirche einen wundervollen „Italienischen Abend“ – minutenlanger Beifall, Zugabe und Eintragszeremonie ins Goldene Buch der Stadt Oldesloe.

Nach der Begrüßung durch „Mr. Kirchenmusik“ Henning Münther und „Mr. Kulturforum“ Christian P. Schlichte las Björn Engholm mit wundervoll warmer sonorer Stimme Gedichte von Hans-Magnus Enzensberger, Peter Rühmkopf und Wolfgang Hildesheimer.

Der ehemalige Ministerpräsident hatte sofort zugesagt, nach Oldesloe zu kommen, als Christian P. Schlichte ihn als Vorleser und Rezitator für den Abend präsentieren wollte. Dabei hat vielleicht auch eine Rolle gespielt, dass Engholm wie auch Schlichte auf das Gymnasium „Johanneum zu Lübeck“ zur Schule gegangen ist und zudem schon Kontakt bestand über das Kulturforum Schleswig-Holstein, dessen Vorsitzender Engholm ist.

Der eigentliche „Italienische Abend“ begann dann mit dem Konzert der Sopranistin Martina Doehring, die begleitet durch das Ensemble floreat um Martin Karl-Wagner die Besucher zu einer musikalischen Reise durch Italien des 18. Jahrhunderts mitnahm. Doehring, die solistisch im In- und Ausland singt (Paris, Rom, Venedig, Danzig, Vilnius, Lübeck, SHMF), bezauberte die Konzertbesucher mit ihrer Stimme.

Die Texte, die Björn Engholm zwischen den Musikstücken (Mozart, Verdi, Mendelsohn-Bartholdy und Rossini) rezitierte, hatte Martina Doehring in monatelanger Recherche aus Tagebüchern, Briefen und anderen Textquellen zusammengestellt. Nach einer Zugabe durften Doehring und Engholm sich zum Abschluss des Abends noch in das Goldene Buch der Stadt Bad Oldesloe eintragen, dass Bürgerworthalter (Stadtpräsident) Rainer Fehrmann eigens in die Peter-Paul-Kirche mitgebracht hatte. Der Abend wurde abgerundet durch eine Bilderausstellung mit Gemälden von Renée-Claire Roy, Kristin Deutsch, Christel Werner-Zeiss sowie Impressionen aus Venedig von Christian P. Schlichte vom Kulturforum. Den Weinverkauf übernahm das Eiscafé San Remo.

Oldesloer „Kulturzentrum“: Frust über mangelnde Mitsprache

Lübecker Nachrichten vom 2. September 2008

BAD OLDESLOE – Die Tage des Amtsgerichts in der Stormarner Kreisstadt sind gezählt, im nächsten April schließen sich die Pforten der Justiz. Und was wird dann aus dem Gebäude?

Zu einem ersten Gedankenaustausch oder Brain-Storming kamen der vergangenen Woche einige Vertreter der Oldesloer Parteien sowie externe Fachleute zusammen. Das Ganze unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Dennoch drang einiges nach außen: Die Veranstaltung sei frustrierend“, „undiszipliniert“, dilettantisch“ und „unprofessionell“ gewesen, so der mehr als enttäuschte Kommentar von Maria Herrmann, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten. Sie stellte die nicht ganz unberechtigte Frage, warum die gesamte Oldesloer Öffentlichkeit an einer solchen Veranstaltung nicht beteiligt werde.

Ähnlich äußerten sich Anita Klahn und Frank Fiedler von der FDP, die sich vor allem darüber empörten, dass es oftmals den Anschein habe, als ob die Verwaltung solchen Angelegenheiten bereits Entschlüsse gefasst habe, an denen anschließend kaum gerüttelt werden könne.

Als „externe“ Fachleute kamen Volker Gundelach vom Veranstaltungsservice
„Meddewader“ sowie Hans-Joachim Rau, technischer Direktor des Hamburger Schauspielhauses, zu Wort. Beide sprachen sich für eine Vernetzung der Nutzer aus. Rau kann sich „als Vision“ einen Blickfang in Form eines 20 mal 30 Meter großen Kubus vorstellen, in den eine flexible Bühne, Backstage- Flächen und eine begehbare Technikdecke über dem Saal integriert sind.

Die Stadt Bad Oldesloe möchte das Amtsgerichtsgebäude vom Land erwerben und ein Kulturzentrum errichten – Ideen gibt es einige. So schwebt Bürgermeister Tassilo von Bary ein Bildungs- und Kulturzentrum vor, in dem die Volkshochschule (VHS) untergebracht wird, die städtische Jugendarbeit und die Musikschule.

Das Standesamt soll ebenfalls aus der Verwaltung am Markt ins Gerichtsgebäude umziehen. Das Trauzimmer hingegen soll im historischen Rathaus bleiben. Hier soll zudem das Heimatmuseum (bisher im Obergeschoss der Stadtbibliothek) untergebracht werden. Außerdem plant die Verwaltung einen Anbau ans Gerichtsgebäude, das den Festsaal im Schulzentrum an der Olivet- Allee ablösen soll. unk

Stormarner Wochenschau

Storrmarner Tageblatt vom 30. August 2008

Großes Kino ohne Happy-End

Das Oldesloer Sommertheater

Rolf Blase

Es war großes Kino, was die Oldesloer in der letzten Ferienwoche geboten haben, nur leider ohne Happy-End. Erst die Minimax-Krisen-Runde, dann eine Kulturzentrums-Runde, die statt offener Diskussion fertige Konzepte brachte.

Ins Zentrum der Kritik beförderte den Grünen Uwe Stephenson vor allem sein Satz, wenn Arbeitsplätze bei Minimax verloren gingen, würden sie ja anderswo wieder entstehen. Das, sagt Stephenson, sei ja gar nicht so gemeint gewesen. Natürlich wäre es „bitter“, wenn in Bad Oldesloe Arbeitsplätze verloren gehen. Dass anderorts welche entstehen, sei nur als „wenn auch schwacher“ Trost“ gemeint gewesen.

Wurde er nur falsch verstanden? Nicht unbedingt. „Nicht ich habe mich zu rechtfertigen für meine Kritik an der Subventionierung eines einzelnen Unternehmens, sondern diejenigen, die offenbar Recht und Gesetz brechen wollen“, legt Stephenson nach. Das Anti-Begün-stigungsgesetz der EU sei so sinnvoll, dass man es erfinden müsste, wenn es es nicht schon geben würde. Kommunen dürften sich nicht erpressen lassen, außerdem müsse man eher global als lokal denken und handeln.

Als Oldesloer Stadtverordneter? Als jemand, der dafür gewählt wurde, die Bürger zu vertreten und das Beste für seine Stadt zu erreichen? Hat man schon mal aus Mecklenburg gehört, dass man auf die EU-Förderung verzichtet, weil es ja wenig Sinn macht, dass eine Firma mit Steuergeldern 50 Kilometer weiter gelotst wird? Und würde Uwe Stephenson zum Gutachterpreis ein Grundstück kaufen, mit dem er in angebotenen Form nicht viel anfangen kann? Und wieso soll es Geldwäsche sein, wenn die WAS es für die Stadt abwickelt? Wirtschaftsförderung ist schließlich die Aufgabe der WAS.

Bei Minimax selbst war man erst von den immer neuen Auflagen und Hindernissen genervt, mittlerweile auch von der politischen Debatte. Deshalb hat sich das Unternehmen jetzt an seine Mitarbeiter gewandt. Inhalt der Botschaft: In 106 Jahren ist Minimax ohne Subventionen ausgekommen und werde das auch weiter so handhaben. Man wolle in Oldesloe keine Arbeitsplätze abbauen, sondern benötige noch Fachkräfte. Wegen der Erweiterung stehe man im Kontakt mit der WAS. Aber solange kein politische Konsens in der Stadt besteht, werde man das Grundstück nicht kaufen.

In einem Punkt hat Stephenson allerdings Recht: Die Stadtverwaltung hätte schon vorher um die Problematik wissen und anders handeln können.

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16 Wochen allein für Aufführungen der Oldesloer Bühne und dazu Probenzeiten? Ein Saal für 150 Leute, weil die Festhalle zur groß für die Bühne ist? Das kann doch wohl nicht Sinn und Zweck eines Kulturzentrums sein. Und wer braucht das? Die TMS-Aula hat einen ansprechenden Saal mit einer Bühne und Platz für 200 Besucher. Was fehlt, ist ein Raum für Konzerte und größere Veranstaltungen. Und ohne der Oldesloer Bühne zu nahe treten zu wollen: Einen Alleinvertretungsanspruch für Kultur in der Kreisstadt gibt es nicht. Die Niederdeutsche Bühne Ahrensburg ist auch nicht schlechter – und hat keine Probleme damit, in Schulaulen aufzutreten.

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Das mehrere DIN- A 4-Seiten lange Papier der Bühne war aber beileibe nicht der einzige Kritikpunkt im Workshop für Kulturschaffende und Politiker. „Alibi-Veranstaltung“, „niveaulos“, „frustrierend“ waren nur einige Vokabeln. Irgendwie scheint die Verwaltung zurzeit ja ein Händchen dafür zu haben, die richtig-falschen Leute zu beauftragen und es sich mit möglichst vielen zu verderben. Was soll man von einem Beteiligungsverfahren halten, in dem die Stadt Konzepte vorlegt, die vorab mit einigen wenigen abgesprochen wurden, und in der eingekaufte Workshop-Moderator der Meinung ist, dass man froh sein könne, dass man überhaupt seine Meinung äußern dürfe. Und was von einer gut bezahlten Firma, die als Diskussionsgrundlage einfach die vorhandenen Kulturveranstaltungen nimmt? Zählen können die Oldesloer selbst. Sollte es in dem Workshop nicht darum gehen auszuloten, was nicht da ist, was gebraucht wird und was möglich ist? Fantasie scheint man im Stadthaus nur zu entwickeln, wenn es darum geht, die eigenen Ziele und Vorstellungen durchzusetzen.

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Hat jemand den Wetterbericht in den letzten acht Tagen verfolgt? Hochwissenschaftlich und doch täglich gleich: Morgen ist es etwas besser, übermorgen kommt der Sommer zurück. Seit mehr als einer Woche wurde es täglich verkündet und war jeden Tag falsch. Wollten uns die Meteorologen in der letzten Ferienwoche nicht ohne Hoffnung lassen? Waren sie sich der Lüge bewusst, dass der Sommer erst mit dem Ende der Ferien zurückkehrt? Trösten sie uns mit der Prognose, dass der Sommer nur ein kurzes Gastspiel gibt, weil wir die Wahrheit nicht ertragen könnten? Verregnete Ferientage mit Ersatz-Fernsehen hatten wir genug, meint jedenfalls auch unser Karikaturist Götz Wiedenroth.

Basta statt Bürgerbeteiligung beim Kulturzentrum?

Storrmarner Tageblatt vom 29. August 2008

Basta statt Bürgerbeteiligung beim Kulturzentrum?

Es sollte eine offene Runde mit den Vorstellungen der Kulturschaffenden werden. Aber auch ohne Beschlüsse der Politik hat die Verwaltung die Nutzung der Räume im Noch-Amtsgericht schon mal festgezurrt.

Bad Oldesloe/rob

– Bei Kulturzentrum-Workshop der Firma Contence verloren einige Politiker die Contenance. „Frustrierend und enttäuschend, dilettantisch und unprofessionell“, sei der Workshop verlaufen, sagt Maria Herrmann von der SPD. „Erbost“ war der FDP-Stadtverordnete Frank Fiedler über die Darstellung der Kämmerin, dass die Nutzung des zweiten Obergeschosses im Amtsgericht bereits geregelt sei und eine Veränderung der Deckenhöhe nicht mehr zur Diskussion stünde.

Und vielen Kulturschaffenden stieß überaus sauer auf, dass die Contence-Moderatoren ein mehrseitiges Papier der Oldesloer Bühne verteilten, in dem die Vereinsmitglieder eine „Komplettlösung“ forderten: Einen Saal für 150 Personen, eine feste Bühne, Material-, Proben-, Umkleide- und Requisitenräume sowie eine Geschäftsstelle und natürlich umfangreiche Nutzungszeiten.

Von der Idee eines Kulturzentrums für alle, eines Veranstaltungs- und Konzertsaals als Anbau an das Amtsgericht wäre dabei nichts mehr übrig. Uwe Stephenson, Stadtverordneter der Grünen und Akustik-Experte, hatte zuvor darauf hingewiesen, dass die Raumhöhe für die spätere Nutzung sehr wichtig ist: mindestens fünf Meter Deckenhöhe für sprachliche Veranstaltungen, zehn Meter für vorrangig musikalische Darbietungen. Nach Ansicht der Veranstalter „Meddewader“ müsse ein Saal mindestens 500 Quadratmeter groß sein. Hans-Joachim Rau, technischer Direktor am Schauspielhaus in Hamburg, regte an über Veranstaltungen nachzudenken, die man in Bad Oldesloe eben noch nicht habe. Die Contence-Gutachter hatten einfach die Kultur-Termine des letzten Jahres als Basis genommen.

Der naheliegenden Idee, die Decke zum zweiten Obergeschoss zu öffnen, erklärte Kämmerin Mandy Treetzen eine Abfuhr: „Die Nutzung der Räume haben wir bereits festgelegt.“ – Die Deckenhöhe des alten Gebäudes liegt aber nur bei 3,75 Meter. „Stellen Sie die Verwaltungsplanung bitte nicht immer als beschlossene Tatsache dar“, empörte sich die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Anita Klahn. Die Stadtverordneten hätten die Verwaltung zwar damit beauftragt, sich um den Kauf des Gebäudes und um Fördermitteln zu kümmern. Die Nutzung sollte erst nach breiter, öffentlicher Beteiligung festgelegt werden.

Frank Fiedler: „Selbstverständlich können wir diskutieren, ob die Musikschule und die VHS dort eine neue, Heimat finden. Aber dazu liegt kein Beschluss vor.“ Es könne nicht angehen, dass man im Beteiligungsverfahren von der Verwaltung gesagt bekomme, dass dieses oder jenes nicht geht, weil man schon anders geplant habe.

„Da wurde der zweite Schritt vor dem ersten gemacht“, kritisiert Maria Herrmann. Obwohl die Kulturschaffenden und Fachleute hervorragende Anregungen und Ideen eingebracht hätten, sei völlig unklar geblieben, in welcher Größenordnung überhaupt geplant werden dürfe und welche Art von Veranstaltungen man anbieten wolle. Und wenn die erforderlichen Saalhöhe nicht erreicht werde, würden alle weiteren Planungen sowieso wenig Sinn machen.

Dass man froh sein müsse, überhaupt mitdiskutieren zu dürfen, wie der Workshop-Leiter von Contence meinte, trug ebenfalls nicht zur besseren Stimmung der Teilnehmer bei. Und auf die Frage, warum das Treffen nicht-öffentlich war, „wusste der Bürgermeister leider keine Antwort“, so Maria Herrmann. Für sie „bleibt der Verdacht, dass das Ganze nur eine Alibiveranstaltung war. Vielleicht muss man sich überlegen, ob man sich vom Projekt Saalbau verabschiedet, wenn er keine anderen Möglichkeiten bietet als die derzeit schon in Oldesloe vorhandenen Räumlichkeiten.“

Rolf Blase

Minimax-Gelände: „Den Aufgaben nicht gewachsen“

Lübecker Nachrichten vom 28. August 2008

Minimax-Gelände: „Den Aufgaben nicht gewachsen“

Bad Oldesloe – Im Hickhack um die Erweiterung des Minimax-Geländes an der Industriestraße schlagen die lokalpolitischen Wogen hoch. Höhepunkt ist eine Aussage des Grünen-Stadtverordneten Professor Uwe Stephenson, der sich in einer Pressemitteilung gegen ungehemmte „Subventionitis“ von Städten und Gemeinden ausspricht. Was für sich genommen durchaus anerkennenswert ist. Allein seine Begründung stößt vielen sauer auf: „Gewiss, zöge Minimax weg, würden Arbeitsplätze in Oldesloe wegfallen, aber ja auch woanders entstehen. Man sollte nicht provinziell denken.“

Zum Sachstand: Minimax möchte das angrenzende Bauhofgelände der Stadt an der Industriestraße kaufen, hat auch schon ein (Dumping-)Angebot abgegeben, zog aber vergangene Woche wieder zurück. Grund: Zum einen wäre ein Verkauf seitens der Stadt zum Preis von 250 000 Euro bei einem zuvor gutachterlich festgestellten Wert von knapp 700 000 Euro als „verdeckte Beihilfe“ zu erachten und nach EU-Recht schlicht verboten. Zum anderen stört sich die Minimax-Geschäftsführung an der Auflage, ein zusätzliches Umweltgutachten (in dem unter anderem die Zahl von möglicherweise dort lebenden Fledermäusen festgestellt werden soll) erstellen zu lassen.

Stephensons Begründung in der Sache ist nachvollziehbar. So rechnet er vor, dass bei einem Angebot von 250 000 Euro für die Fläche von 12 700 Quadratmetern „läppische 20 Euro pro Quadratmeter“ herauskämen – „weit unter dem Standardpreis für die Industrie von 50 Euro pro qm, der bereits nur ein Drittel der für Privatleute üblichen 150 Euro pro qm beträgt“. In der Tat ein eklatantes Ungleichgewicht. Allerdings können in solch einem Fall – Minimax ist Bad Oldesloes größter Arbeitgeber – nicht solche Maßstäbe angelegt werden. Hier muss zum Wohle der Stadt und der auf Lohn und Brot angewiesenen Mitbürger anders gemessen werden.

Das sehen jedenfalls die anderen Parteien der Kreisstadt so und artikulieren ihre Kritik in zum Teil scharfem Ton. So zeigt sich Horst Möller, Fraktionsvorsitzender der CDU, „erschüttert“ über Stephensons Argumentation und erklärt: „Da werden einige Politiker ihrer Verantwortung gegenüber der Stadt und ihren Wählern nicht gerecht. Offenbar sind sie ihren Aufgaben nicht gewachsen.“ Seine Befürchtung: „Mit solchen Äußerungen ekelt man Firmen aus der Stadt.“ Auch die FDP zeigt sich „schockiert“ von dem „starken Tobak“. Sprecher Heiko Vosgerau sagt, solche „verbalen Kraftmeiereien, die an Bismarck oder Kaiser Wilhelm erinnern“ tragen nicht zu einer sachlichen Problemlösung bei. Man müsse zwischen den Interessen der Firma Minimax und der Stadt Bad Oldesloe zu einem fairen, demokratischen Ausgleich gelangen. „Die FDP stellt sich dieser Verantwortung.“

SPD-Vizefraktionschefin Maria Herrmann will ebenfalls dazu beitragen, dass man die Firma am Ort behalte. Allerdings nicht um jeden Preis. „Ist das jetzt Poker oder Erpressung von Minimax oder eine realistische Gefahr, wenn sie mit dem Abzug drohen?“ Stephensons Argumentation sei „sein Standpunkt, den ich nicht bewerten will“.

Von Joachim Strunk

Meinung Partielle Amnesie?

VON JÖRG SCHIFFMANN

Politische Standpunkte sind eine ehrenwerte Sache und von jedermann zu respektieren. Und in ihnen dürfen auch Fledermäuse, Ausgleichsflächen und dergleichen eine große Rolle spielen. Nur wenn ein politischer Vertreter grüner Couleur derart die Orientierung verliert, dass er offenbar nicht mehr so genau weiß, wo er wen und was vertritt, dann wird es langsam unheimlich. Die These, dass es ja nicht unbedingt schlimm sei, wenn eine Firma wieMinimax Bad Oldesloe verließe, dann entstünden ja schließlich anderswo Arbeitsplätze, muss den Verdacht auf partielle Amnesie nahe legen. Eine Prise Humor in der Politik mag ja ganz nett sein, aber das ist, mit Verlaub gesagt, ein mehr als schlechter Witz. P.S. Ein Zusammentreffen des Grünen- Stadtverordneten mit der Belegschaft von Minimax dürfte jedenfalls ziemlich interessant verlaufen . . .

Grüne: Minimax soll voll zahlen

Hamburger Abendblatt vom 28. August 2008

Grüne: Minimax soll voll zahlen

Bad Oldesloe -

Die Oldesloer Grünen haben den von Bürgermeister Tassilo von Bary unterbreiteten Lösungsvorschlag für eine Minimax-Erweiterung scharf kritisiert. "Der Plan sieht vor, dass die Stadt das Bauhofgrundstück zum Gutachterpreis an die Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn verkauft, die es danach für 250 000 Euro an Minimax verschachert", sagt Grünen-Fraktionsmitglied Uwe Stephenson. Und weiter: "Mit diesem Trick zu Lasten der Steuerzahler soll das Anti-Begünstigungs-Gesetz der EU umgangen werden. Wir fordern, dass Minimax den vollen Gutachterpreis von 700 000 Euro zahlt."

WAS-Chef Norbert Leinius hält dagegen: "Es geht um viele Arbeitsplätze für Oldesloe. Minimax will ein baureifes Grundstück. Es gibt die Überlegung, dass die WAS das Bauhofgrundstück übernimmt, herrichtet und an Minimax verkauft." Wenn sich die Politik nicht einige, werde die WAS die Finger von dem Plan lassen. Leinius: "Es gibt auch andere Modelle, die wir mit Minimax diskutieren."

JR

 

„Schluss mit dem Minimax-Sommertheater“

Storrmarner Tageblatt vom 28. August 2008

„Schluss mit dem Minimax-Sommertheater“

Bad Oldesloe/rob

– Die FDP-Stadtverordneten kritisieren das Verhalten von SPD und Grünen in der Frage der Minimax-Erweiterung. Fraktionsvorsitzender Karl-R. Wurch: „Anstatt sich ihrer Verantwortung für den Erhalt von mehreren hundert Arbeitsplätzen bei Minimax und dessen Zuliefererfirmen in Bad Oldesloe bewusst zu sein, inszenieren Sozialdemokraten und Grüne ein absurdes Sommertheater.“

Interfraktionelle Informationsgespräche mit der Verwaltung gebe es seit Jahr und Tag, deshalb sei der Boykott vollkommen unverständlich. „Die SPD macht sich politikunfähig, wenn sie Informationen der Verwaltung nur noch bei offiziellen Gremiensitzungen entgegennehmen will, deshalb empfehle ich den Genossen das alte Herbert-Wehner-Zitat zur besonderen Beachtung: 'Wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen'“, so Wurch.

Schockiert zeigt sich die FDP über die Äußerung von Uwe Stephenson (Grüne), dass bei einen Wegzug von Minimax Arbeitsplätze in Oldesloe wegfallen, aber auch woanders entstehen würden. „Solche Äußerungen eines gewählten Stadtverordneten sind schon starker Tobak“, so der finanzpolitische Sprecher Heiko Vosgerau: „Grüne Formulierungen, dass es darum gehe, nicht zu Kreuze kriechen und zu demonstrieren, wer Herr im Staate ist, sind verbale Kraftmeiereien, die an Bismarck oder Kaiser Wilhelm erinnern. Zu einer sachlichen Problemlösung tragen sie nichts bei.“ In einer Demokratie sei es normal, dass ein UNternehmen und die Stadt verschiedene Interessen hätten. „Unsere Aufgabe als Stadtverordnete ist es, einen fairen Ausgleich zwischen Menschen, Natur und Wirtschaftsinteressen herbeiführen“, so Vosgerau.

Auch bei Norbert Leinius, Geschäftsführer der WAS, sind die Äußerungen der Grünen auf Verwunderung gestoßen. „Wirtschaftspolitik ist für mich auch Sozialpolitik. Minimax besteht ja nicht nur aus der Geschäftsführung, sondern auch aus 900 Arbeitsplätzen“, so Norbert Leinius. Er habe mit dem Unternehmen über mögliche Lösungswege gesprochen, „aber wenn die Oldesloer Politiker sich nicht einig werden, lasse ich mir nicht den Schwarzen Peter zuschieben.“

RolF Blase

Minimax - Streit im Oldesloer Rathaus

Hamburger Abendblatt vom 27. August 2008

Minimax - Streit im Oldesloer Rathaus

Bad Oldesloe -

Ob die Firma Minimax in Bad Oldesloe (900 Mitarbeiter) erweitern wird, steht auch nach dem Treffen der Fraktionsspitzen mit dem Oldesloer Bürgermeister Tassilo von Bary in den Sternen. "Ich habe die Fraktionen am Montag umfassend über den Sachstand und die neuen Ideen in Sachen Minimax-Erweiterung informiert", sagt von Bary. "Jetzt müssen sich die politischen Gremien mit der Sache befassen. Die entscheiden."

SPD und Grüne waren der Einladung des Bürgermeisters zu dem Gespräch nicht gefolgt. Sie werfen dem Bürgermeister einen Alleingang vor. "Der Bürgermeister hat in Sachen Minimax von den Stadtverordneten einen klaren Auftrag bekommen", sagt Maria Herrmann, stellvertretende Fraktionschefin der SPD. "Alle Fraktionen haben zugestimmt, dass Minimax auf dem Bauhofgelände expandieren kann. Wenn der Beschluss, aus welchen Gründen auch immer, aufgehoben werden soll, kann dies nur der zuständige Fachausschuss beziehungsweise die Stadtverordnetenversammlung tun." Außerdem wirft die Politikerin dem Verwaltungschef vor, "interfraktionelle Runden zu missbrauchen, um selbst Politik zu machen."

Bary weist die Vorwürfe zurück: "Die Sache liegt selbstverständlich in den Händen der Politiker. Es ging darum, alle Fraktionen rechtzeitig über die Pläne zu informieren, da ich in den Urlaub gehe. Am 10. September befasst sich der Finanzausschuss mit dem Thema Minimax-Erweiterung, am 22. September die Stadtverordneten."

Unterdessen hat Norbert Leinius, Chef der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn, erneut mit der Minimax-Geschäftsführung über die Erweiterungspläne gesprochen: "Ziel ist, dass Minimax in Oldesloe erweitert. Es war ein gutes Gespräch. Minimax hat Ideen, wir haben Ideen. Wir bleiben im Gespräch." Die Chancen, dass Minimax doch noch in Oldesloe erweitert, stünden 50 zu 50. Leinius: "Oldesloes Politiker sollten sich in Sachen Minimax ihrer Verantwortung für die Stadt bewusst sein."

JR

Erweiterung wird zum Politikum

Storrmarner Tageblatt vom 27. August 2008

Erweiterung wird zum Politikum

Bürgermeister Tassilo von Bary weist die „Klüngelrunden“-Kritik der SPD zurück, die Grünen kritisieren angedachte Minimax-Lösung.

Bad Oldesloe/rob

– „Ich wollte die Politik unbedingt noch informieren, bevor ich in den Urlaub gehe“, sagt Bürgermeister Tassilo von Bary nach der interfraktionellen Gesprächsrunde am Montag. Die „Klüngelrunden“-Kritik der SPD und der Grünen, die dann doch vertreten waren, weist der Verwaltungschef zurück.

Es sei bewährte Praxis, die politischen Vertreter bei wichtigen Prozessen außerhalb der turnusmäßigen Sitzungen zu informieren, besonders in der Sommerpause. Wenn neue Informationsstände eintreten, würden sich interfraktionelle Runden zum Gedankenaustausch anbieten, zumal dort keine Beschlüsse gefasst würden.

Über den Inhalt der Gespräche möchte von Bary nicht viel sagen. „WAS-Chef Norbert Leinius und ich arbeiten weiter an dem Thema Minimax-Erweiterung. Machbar ist vieles. Wir sind daran interessiert, das Unternehmen hier zu halten.“

Zum Beispiel, indem die Stadt das Bauhof-Grundstück zu einem Preis nach dem Gutachten an die Wirtschaftsaufbaugesellschaft abgibt, und die WAS es an Minimax weiterverkauft und die Umsiedlung des Bauhofs regelt.

Uwe Stephenson von den Grünen kann zwar den Ärger von Minimax wegen der Verzögerungen nachvollziehen, kritisiert so eine Lösung aber als einen „besonders üblen Trick zu Lasten der Steuerzahler“. Minimax solle wie andere auch den vollen Preis zahlen. Die Kosten für Abriss und Herrichtung sowie Bach-Verlegung und Öko-Ausgleich vom Kaufpreis abzuziehen, sei „reines Gepokere und einer Weltfirma unwürdig“, so Stephenson. Städte und Gemeinden dürften nicht zugunsten einzelner Unternehmen zu Kreuze kriechen, sondern müssten zeigen, wer Herr im Staate ist“. Wenn Minimax wegzöge, würden zwar Arbeitsplätze in Bad Oldesloe wegfallen, aber woanders auch welche entstehen.

Relativ unstrittig dürfte dagegen eine Resolution gegen eine Einstellung der Städtebauförderung in Schleswig-Holstein sein, die der Städteverband ausgearbeitet hat und die in die nächste Stadtverordneten-Sitzung geht. In der ISEK-Arbeitsgruppe hatten die Politiker von den Absichten des Landes erfahren. Das Schreiben aus dem Ministerium datiert vom 23. Juli.

„Mir liegt es am Herzen, über die Verwaltung gemeinsam mit der Politik wichtige Prozesse für die Zukunft unserer Stadt auf den Weg zu bringen. Im Interesse von Bad Oldesloe sollten alle politischen Vertreter zu einem sachorientierten und angemessenen Umgang Miteinander zurückkehren“, so der Appell Tassilo von Bary, der bei Maria Herrmann (SPD) nicht auf offene Ohren trifft. Sie sah sich gestern eher darin bestätigt, dass Politik an den Gremien vorbei gemacht werde. Man hätte auch in den Ferien ordentliche Sitzungen einberufen können. Rolf Blase

„Verdeckte Beihilfe“: Hilft ein Trick beim Minimax-Deal?

Lübecker Nachrichten vom 27. August 2008

„Verdeckte Beihilfe“: Hilft ein Trick beim Minimax-Deal?

Bad Oldesloe – Mit einem kleinen Umweg soll die Firma Minimax doch noch das gewünschte Gelände des alten Bauhofes von der Stadt Bad Oldesloe erhalten. Als "Zwischenhändler" ist die Wirtschafts- und Ausbaugesellschaft Stormarn (WAS) vorgesehen.

Bürgermeister Tassilo von Bary versucht offenbar zu retten, was zu retten ist. Denn der fast schon gescheiterte Verkauf des Bauhof-Betriebsgeländes an der Industriestraße in Bad Oldesloe an das benachbarte Brandschutzunternehmen Minimax geht klar auf die Kappe der Verwaltung. „Unprofessionell“ war noch die am sympathischsten formulierte Kritik seitens einiger Politiker.

Das Problem: Für das Bauhof-Gelände, das Minimax für neue Firmen-Parkplätze haben will, hat das Unternehmen ein Angebot von unter 300 000 Euro gemacht. Ein Gutachten des Stormarner Grundstückswert-Ausschusses von 2007 hat aber einen Wert von fast 700 000 Euro festgestellt.

Ein Verkauf der Stadt zu dem Minimax-Angebotspreis wäre nach EU-Recht eine „verdeckte Beihilfe“ und für eine Kommune verboten. Also hat sich die Verwaltung einen Trick ausgedacht: Das Bauhof-Grundstück soll zum Gutachter-Preis an die Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS) verkauft werden. Jener ist Wirtschaftsförderung natürlich erlaubt. Sie könnte auf den Minimax-Preis eingehen.

WAS-Chef Norbert Leinius bestreitet einen Vollzug. „Das wäre nur eine von mehreren Varianten. Auch Minimax hat einen neuen Weg vorgeschlagen. Kommende Woche habe ich mit dem Unternehmen weitere Gespräche vereinbart.“ Leinius ist optimistisch, gemeinsam mit der Stadt und Minimax eine einvernehmliche Lösung zu erzielen.

Minimax argumentierte vordem bezüglich des geringen Preisangebots, man müsse Abrisskosten und Verlegung des Baches von der Grundstücksmitte an den Rand gegenrechnen.

Dieser Meinung sind SPD und Grüne nicht. Uwe Stephenson (Grüne): „Die Stadt selbst hat Kosten von rund einer Million Euro für den Umzug des Bauhofs und der Errichtung neuer Gebäude am Sandkamp.“

Die Sozialdemokraten nahmen gar nicht an der Runde beim Bürgermeister am Montagabend teil. Fraktionsvize Maria Herrmann: „Interfraktionelle Runden sind keine legitimen Beschlussrunden. Sie bilden keine politischen Mehrheitsverhältnisse ab.“ Am Ende aber müsse man sich vom Bürgermeister sagen lassen: „Wieso? Die Politik hat doch Bescheid gewusst.“ Herrmann: „Das ist eine Masche, auf die wir uns nicht mehr einlassen werden.“ Zum Thema Minimax selbst ist sie daher auch der Meinung, „das gehört in den Fachausschuss“.

Stephenson, der im Gegensatz zu Herrmann an der Montagrunde teilnahm: „Ich würde das nicht als Klüngelrunde bezeichnen. Gleichwohl war es aber auch keine Beschlussrunde. Der Bürgermeister hat lediglich informiert.“

Die FDP zeigte sich mit der Information zufrieden. Heiko Vosgerau erklärte, dass mit dem Dreiecksgeschäft „die Kuh hoffentlich vom Eis kommt“. Die Abwesenheit der SPD kritisierte er: „Das ist eine Demonstration am falschen Objekt. Schließlich geht es auch um Arbeitsplätze.“ Für die CDU erklärte Heinz Drenkberg: „Sondierungsgespräche haben nur dann einen Sinn, wenn sie nicht öffentlich ausgetragen werden. Wenn daraus Vorlagen für Beratungen erarbeitet worden sind, wird die CDU darüber informieren.“

Den Zeitpunkt für die „interfraktionelle Runde“ hatte von Bary übrigens nur deshalb gewählt, weil er selbst ab nächsten Montag für zwei Wochen im Urlaub ist. Er verteidigte sein Vorgehen. Es sei parteiübergreifend ausdrücklicher Wunsch gewesen, die Ferienzeit von Sondersitzungen freizuhalten. Wenn aber gerade bei wichtigen Prozessen neue Informationsstände einträten, biete sich aus seiner Sicht das Instrument der „interfraktionellen Gesprächsrunde“ als Möglichkeit zum Informations- und Gedankenaustausch an. „Natürlich werden dort keine Beschlüsse gefasst. Die abschließende Beratung und konkrete Beschlussfassung bleibt ausschließlich den städtischen Gremien vorbehalten“, so Tassilo von Bary.

Von Joachim Strunk

Maria Herrmann: „Wir brauchen keine Klüngelrunden“

Storrmarner Tageblatt vom 26. August 2008

Maria Herrmann: „Wir brauchen keine Klüngelrunden“

Die Sozialdemokraten in Bad Oldesloe werfen Bürgermeister und der Verwaltung vor, nicht rechtzeitig informiert zu haben

Bad Oldesloe/rob

– „Für den Stadtumbau will das Land kein Geld mehr zahlen, bei Minimax brennt die Hütte, weil die geplante Erweiterung zu scheitern droht, und in Sachen Bauhof stehen wichtige Entscheidungen an. Darüber will Bürgermeister Tassilo von Bary mit der Politik in interfraktionellen Runden beraten. Da sagt die SPD ,nein’“, betont die sozialdemokratische Stadtverordnete Maria Herrmann.

Die Fachausschüsse hätten klare Zuständigkeiten. Zu den Sitzungen werde mit Tagesordnung und Vorlage eingeladen, die Bürger könnten Fragen stellen und Anregungen vorbringen, Beschlüsse würden in einem Protokoll festgehalten. Diesen Weg, so Maria Herrmann, sehe die Gemeindeordnung vor. Die SPD sei, wenn es dringend ist, auch jederzeit zu Sondersitzungen, aber nicht zu solchen Inforunden bereit.

Dass die Förderung für den Stadtumbau West umgestellt werde, habe das Innenministerium bereits Ende Juli mitgeteilt. Wenn das so wichtig sei, wie Bürgermeister Tassilo von Bary jetzt behauptet, hätte die Politik darüber längst informiert werden müssen, so die SPD-Politikerin. Stattdessen habe er mehrere Wochen verstreichen lassen, und nun solle es auf einmal so dringend sein, dass ein Beteiligungsverfahren zur Gestaltung und zur Nutzung eines Saal am Amtsgericht unbedingt in den Ferien stattfinden müsse. Maria Herrmann: „Wenn es eilt, hätte schon längst die Initiative ergriffen werden müssen. Aber urplötzlich ist der Handlungsbedarf so groß, dass nicht eine Woche gewartet werden kann, bis alle Beteiligten aus dem Urlaub zurück sind? Das ist wenig glaubwürdig.“

Im Fall der Minimax-Erweiterung habe der Bürgermeister einen eindeutigen Auftrag von der Politik bekommen. Wenn die Erweiterung „aus welchen Gründen auch immer“ nicht machbar sei, können nur der Fachausschuss oder die Stadtverordneten den Beschluss wieder aufheben. Maria Herrmann: „Niemand sonst ist dazu legitimiert, und deshalb muss auch keine interfraktionelle Runde dazu tagen.“

Verwaltung müsste Politik klar und unmissverständlich sagen, was sie wolle. Sonst bestehe die Gefahr, „dass gute Projekte zerrieben werden“, so die SPD-Politikerin. Die Sozialdemokraten seien bereit, unkonventionelle Wege zu gehen, wenn es die Situation erfordert, an Klüngelrunden nehme man aber nicht teil.

Minimax: SPD und Grüne nicht bei interfraktioneller Runde

Lübecker Nachrichten vom 26. August 2008

Minimax: SPD und Grüne nicht bei interfraktioneller Runde

BAD OLDESLOE – „Unser Motto lautet: Gemeinsam gestalten.“ Mit diesen Worten sagte die Oldesloer SPD nach den Grünen eine interfraktionelle Runde ab, zu der Bürgermeister Tassilo von Bary gestern geladen hatte.
Grund: Die Firmenerweiterung beim Brandschutzunternehmen Minimax droht aufgrund rechtlicher Gründe (Verdacht auf verdeckte Beihilfe) sowie der Erstellung eines biologischen Gutachtens zu scheitern.

Von Bary wollte am Nachmittag zunächst mit WAS-Geschäftsführer Norbert Leinius Möglichkeiten erörtern, ob und wo  Ausweichflächen für das Minimax-Projekt (die firmeneigenen Parkplätze sollen einem Schulungszentrum weichen) in der Kreisstadt vorhanden wären. Anschließend wollte sich der Verwaltungschef mit den Parteien austauschen. Maria Herrmann, Fraktionsvize der SPD, zum Minimax-Problem: „Wenn das nicht machbar ist, können nur der zuständige Fachausschuss beziehungsweise die Stadtverordnetenversammlung den Beschluss wieder aufheben. Niemand sonst ist dazu legitimiert, und deshalb muss auch keine interfraktionelle Runde dazu tagen.“
Heinz Drenkberg, Sprecher derCDU,sieht das anders: „Von Seiten der Verwaltung ist das tollpatschig gelaufen. Aber dann ist es doch nicht schlecht, wenn man sich zusammen setzt und miteinanderredet.“ unk

Minimax-Erweiterung: Wird sie jetzt zum Politikum ?

Storrmarner Tageblatt vom 23. August 2008

Minimax-Erweiterung: Wird sie jetzt zum Politikum ?

Stadt sowie Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS) wollen doch noch versuchen, Minimax die Erweiterung vor Ort zu ermöglichen.

Bad Oldesloe/rob

– Am Montag setzen sich WAS-Geschäftsführer Norbert Lei-nius und Oldesloe Bürgermeister Tassilo von Bary zusammen, anschließend hat der Verwaltungschef die Politik zum interfraktionellen Gespräch zur Minimax-Erweiterung eingeladen.

Die geplante Investition von 6,5 Millionen Euro droht aus Zeitgründen zu scheitern. Die Stadt ist zwar bereit, das Gelände des benachbarten Bauhofs zu verkaufen, allerdings müssen dafür ein Mini-Bach umgelegt und auch noch Fledermäuse gesucht und gezählt werden. Weiteres Problem ist das EU-Recht: Der Kaufpreis, auf den sich Stadt und Minimax geeinigt haben, liegt so weit unter dem Gutachten, dass er als versteckte Förderung bewertet werden könnte.

Ein Ausweg aus dem Dilemma könnte eine komplette Abwicklung über die WAS sein. Zumindest die EU-Problematik dürfte damit vom Tisch zu bekommen sein: Der Stadt ist Wirtschaftsförderung verboten ist, für die WAS ist sie eine Kernaufgabe.

Aber selbst wenn Stadt und WAS mit der Geschäftsführung einig werden sollten, haben die Oldesloer Politiker dabei noch ein Wörtchen mitzureden. Die Sozialdemokraten haben die Einladung zu dem interfraktionellen Gespräch schon mal ausgeschlagen. Sie wollen ihrer Linie treu bleiben, nicht an solchen „Kungelrunden“ teilzunehmen.

Das sehen die Grünen genauso. Es wäre zwar schade, so Gerold Rahmann, wenn Oldesloe die mit der Erweiterung verbundenen Arbeitsplätze verliert, aber „undemokratische Klüngelrunden“ werde man weiterhin boykottieren. „Mini-Max-Strategie“ der Grünen: Minimale Schwierigkeiten für diese wichtige wirtschaftspolitische Erweiterung, wenn es zu einem maximalen Gewinn für die Natur komme. Auch der Bach mit seinen pflanzlichen und tierischen Lebewesen hätte ein Recht auf Erweiterung. Wenn es dort geschützte Fledermäuse gebe, könne der Bach eben nicht verändert werden. Und wenn nicht, dann müsse für die Natur mehr rausspringen als nur ein Ersatz an anderer Stelle. Rahmann: „Das wird als win-win-Situation bezeichnet.“ Rolf Blase

Stormarner Wochenschau

Storrmarner Tageblatt vom 23. August 2008

Von Fledermäusen und anderen Prioritäten

Die Lust am Untergang

Von Rolf Blase, Volker Stolten

Weltmarktführer – das klingt doch nach was. 27 Firmen, die in ihrem Segment ganz vorne liegen, hatte Ministerpräsident Peter Harry Carstensen nach Ahrensburg eingeladen. Ein passender Ort, denn ein Blick in die Liste offenbart, dass Stormarn ganz vorn dabei ist. Hier sind acht der 27 Weltmarktführer zu Hause, weitere sieben kommen aus den anderen Hamburg-Randkreisen und drei aus Lübeck. Für den großen Rest des Landes bleibt da nicht mehr viel. Und was noch auffällt: Von den drei Weltmarktführern aus Lübeck wurden zwei im 19. Jahrhundert gegründet, einer 1919. Von den neun „sonstigen“ haben sechs Unternehmen eine lange Geschichte – während von den acht Weltmarktführern aus Stormarn sieben nach dem Krieg gegründet wurden und eines erst dann in den Kreis gekommen ist. Das zeugt von einem guten wirtschaftlichen Klima und Umfeld. Das es aber nicht mehr überall gibt.

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Sind Fledermäuse wichtiger als Arbeitsplätze? Nein, möchte man rufen, aber vielleicht sollte man die Frage erst anders stellen. Minimax muss dringend erweitern und will das in Bad Oldesloe tut, fühlt sich dabei aber so behindert, dass man die Pläne aufgegeben hat. Ein Grund: Es müssen eventuell dort lebende Fledermäuse gezählt werden, und das geht dieses Jahr nicht mehr. Eine normale Auflage des Kreises im Rahmen eine B-Planänderung, aber hätte man das nicht eher deutlich machen können? Der nächste Punkt ist das EU-Recht. Zu billig verkaufte Grundstücke kann Brüssel als versteckte und unerlaubte Förderung werten und das Ganze kippen. Wenn Stadt und Minimax beteuern, dass der Preis weit unter der Gutachter-Empfehlung aus verschiedenen Gründen angemessen ist, wieso ist das dann nicht gleich in die Expertise eingeflossen?

Selbst wenn WAS und Bürgermeister noch einen Ausweg finden, ist es fraglich, ob die Oldesloer Politik mitspielt. SPD und Grüne frönen lieber der Prinzipienreiterei und wollen der innerfraktionellen Runde fernbleiben, zu der Bürgermeister von Bary eingeladen hat. Irgendwann wird man sich entscheiden müssen, ob einem die Arbeitsplätze wichtiger sind oder (eventuell dort vorkommende) Fledermäuse und ein Rinnsal, das kaum den Namen Bach verdient und von dem niemand weiß, wie es seinerzeit überhaupt in den B-Plan gekommen ist.

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Lange herrschte rauhe See, der Kulturring Bargteheide musste so manche Klippe umschiffen, um in seichteres Fahrwasser zu gelangen. Doch das ist geglückt. Auch dank der Stadt, die den jährlichen Zuschuss von 14 600 auf 16 000 Euro rauf schraubte, geht es der wichtigen Einrichtung finanziell etwas besser. So kann Vorsitzender Manfred Kutsche viel entspannter die 42. Theatersaison einläuten, von der er sagt, dass es die beste sei. Schaun mer mal! Zumindest stimmt die Mischung: Tolles Theater trifft auf brillantes Ballett, mordsmäßiges Musical und klasse Kleinkunst. Die insgesamt zwölf Darbietungen haben natürlich ihren Preis: Hohes Niveau bekommt man halt nicht zum Billigtarif. Deshalb sind die Karten auch geringfügig teurer geworden. Die Mehrkosten könnten Theaterfreunde mit einer Mitgliedschaft im Kulturring kompensieren. Das garantiert erheblich günstigere Kartenpreise und trägt zum Erhalt der Kult-Institution bei. Platte Formate und Programme gibt es eh schon mehr als genug.

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Wirklich neu war das meiste nicht, was die ISEK-Gutachter für Bad Oldesloe herausgefunden haben. An einer Attraktivierung der Innenstadt arbeitet sich Bad Oldesloe schon seit Jahren ziemlich erfolglos ab. Die Debatte, ob Läden an der Peripherie Kunden aus den Fußgängerzone abziehen, wurde bereits vor zig Jahren geführt. Mit der Erkenntnis, dass eine Kleinstadt bundesweit agierenden Ketten kaum das Sortiment vorschreiben kann und mit der Erfindung des „bipolaren Modells“: Wer den „Last-Kauf“ bei den Einkaufsmärkten auf der grünen Wiese erledigt, kommt anschließend zum „Lust-Kauf“ in die Innenstadt.

Hat leider nicht geklappt, und die Rolle rückwärts ist nicht mehr möglich. Man mag vom großen Verbrauchermarkt in den Innenstadt träumen, kommen wird er nicht. Platz genug für Geschäft und Autos gäbe es nur auf dem M&H-Parkplatz. Das Projekt ist aber mausetot. Nun kann es nur noch darum gehen, die Fußgängerzone so aufzuwerten, dass sie für Filialisten attraktiv wird, die Publikum anziehen. Was die brauchen, kann Oldesloe zurzeit aber nicht bieten: Platz. Die Läden sind genauso kleinteilig wie die Besitzverhältnisse, und der große Investor, der daraus ein Ganzes macht, ist nicht in Sicht. Vielleicht könnte ein professionelles City-Management etwas bewegen. Aber die Sache eilt: Weil das Land finanziell klamm ist, wird an der Städtebauförderung gespart. So könnte es sein, dass es am Ende wieder heißt: Außer Spesen (und Gutachten) nichts gewesen.

Mit dem Problem von plötzlich versiegenden Finanzquellen für den Städtebau hat sich auch unser Karikaturist Götz Wiedenroth kritisch auseinander gesetzt hat. Bleibt zu hoffen, dass uns seine Vision der Potemkinschen Fassaden mit nichts dahinter erspart bleibt.

Erweiterung bei Minimax ist gescheitert

Lübecker Nachrichten vom 22. August 2008

Erweiterung bei Minimax ist gescheitert

Bad Oldesloe – Schwerer Schlag für Stadt und Unternehmen: Die geplante Erweiterung des Brandschutzunternehmens Minimax um die Fläche des jetzigen Bauhofs ist vom Tisch. Europäisches Recht sieht im geringen Kaufpreis von 300 000 Euro eine verdeckte Beihilfe.

Bürgermeister Tassilo von Bary überbrachte die Nachricht persönlich an den Chef von Minimax. Aber Geschäftsführer Klaus Hofmann war nicht sehr erfreut. Hatte er sich doch bereits vergangene Woche geärgert, dass sein Zeitplan ausgehebelt wurde. Denn für die Erweiterung des Minimax-Betriebsgeländes um die Fläche des städtischen Bauhofs muss ein biologisches und wasserrechtliches Gutachten erstellt werden.

In diesem, so von Bary, muss unter anderem festgestellt werden, ob auf dem Gelände möglicherweise Fledermäuse oder andere schützenswerte Tier- und Pflanzenarten beheimatet sind. Das Problem: Die Erstellung des Gutachtens kann wegen der erforderlichen Zählungen erst im Laufe des nächsten Jahres vollendet werden.

Viel zu spät für Minimax. Das Unternehmen wollte bereits zum 1. Januar 2009 mit den Arbeiten für neue Autostellflächen beginnen. Auf dem jetzigen Minimax-Parkplatz ist ein neues Schulungszentrum geplant. Gesamtinvestitionsvolumen: 6,5 Millionen Euro. Rund 50 neue Arbeitsplätze sollten zudem entstehen. Ist das alles hinfällig?

Denn nun kommt erschwerend hinzu, dass der Kaufpreis von knapp 300 000 Euro, den Minimax zahlen will, viel zu weit entfernt ist von dem Preis, den der Gutachterausschuss für Grundstückswerte im Kreis Stormarn im vergangenen Oktober ermittelt hatte. Der lag nämlich bei rund 700 000 Euro. Das EU-Recht erlaubt aber nur eine Differenz von höchstens 200 000 Euro, ansonsten handelt es sich um „verdeckte Beihilfe“. „Wir dürfen als Stadt keine Wirtschaftsförderung leisten“, erklärt Tassilo von Bary, der Verständnis für das geringe Angebot von Minimax hat: „Die haben ja durch die notwendige Verlegung des Baches von der Grundstücksmitte an die Seite erhöhte Kosten.“

Dieses Argument Maria Herrmann, stellvertretende Fraktionschefin der SPD, nicht gelten: „In dem Gutachterpreis ist doch bereits der Abschlag für die Verlegung des Baches sowie für die Straßenfrontreduzierung durch die Erdgastankstelle enthalten.“ Außerdem müssten Recht und Gesetz auch für Firmen wie Minimax gelten. Der landschaftsplanerische Begleitplan sei gesetzlich vorgeschrieben. Wenn dann aber mit dem Abzug von Unternehmensteilen oder gar Abbau von Stellen gedroht werde, handele es sich um Erpressung. „Das sind immer die gleichen Spielchen, das hat Dräger in Lübeck auch schon gemacht.“

Jedenfalls wird bei Minimax nun an einem Plan B gearbeitet. „Verschiedene Alternativen“, so Sprecherin Katja Flenker, seien im Gespräch. Unter anderem auch in Mecklenburg-Vorpommern. „Spruchreif ist aber noch gar nichts.“

Für Tassilo von Bary ist die Angelegenheit „sehr ärgerlich und schmerzlich“, doch ist er froh, dass Minimax „am Standort festhält und wohl auch das Schulungszentrum hier bauen wird“. In der kommenden Woche will er mit den Oldesloer Parteien und Norbert Leinius (Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn) Alternativen erarbeiten, um Minimax doch noch ein Angebot machen zu können. 

Von Joachim Strunk

Krisengipfel zu Minimax in Oldesloe

Hamburger Abendblatt vom 22. August 2008

Plan: Politik und Wirtschaft tagen

Krisengipfel zu Minimax in Oldesloe

Nach der geplatzten Erweiterung: Kann die Stadt dem Feuerlöschgerätehersteller doch noch helfen?

Von Jörg Riefenstahl

Bad Oldesloe -

Nachdem sich der Oldesloer Löschanlagenspezialist Minimax überraschend gegen die geplante Erweiterung auf dem Bauhofgelände an der Industriestraße in Bad Oldesloe entschieden hat (wir berichteten), ist es gestern in der Kreisstadt zum Krisengespräch gekommen: Mit Hochdruck arbeiten Norbert Leinius, der Chef der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS), und Oldesloes Bürgermeister Tassilo von Bary an einer neuen Lösung für Minimax. Sie soll es dem Unternehmen ermöglichen, zeitnah an einer anderen Stelle in Bad Oldesloe zu erweitern.

"Wir arbeiten an Plan B", sagt Oldesloes Bürgermeister Tassilo von Bary. "Minimax gehört nach Bad Oldesloe. Ich will, dass die Erweiterung in Bad Oldesloe stattfindet. Dafür habe ich, wie wir glauben, eine gute, neue Lösung parat", ergänzt WAS-Chef Norbert Leinius. Einzelheiten darüber, welche Fläche in der Kreisstadt denn für eine Minimax-Erweiterung infrage komme, wollen beide noch nicht verraten.

Bürgermeister von Bary hat die Fraktionsspitzen der Kreisstadt für kommenden Montag zum Gespräch eingeladen. "Dann werden wir den neuen Plan vorstellen, der es Minimax ermöglichen wird, zeitnah in Bad Oldesloe zu erweitern. Und anschließend werden wir mit der Minimax-Geschäftsführung sprechen", sagt der Verwaltungschef.

Minimax (weltweit 5500 Mitarbeiter) beschäftigt am Hauptsitz in Bad Oldesloe 900 Menschen. Anderthalb Jahre lang hatte sich das Unternehmen um eine Erweiterung auf dem Nachbargrundstück bemüht. 6,5 Millionen Euro wollte Minimax dort investieren. Ein internationales Schulungszentrum und eine neue Logistikhalle sollten gebaut werden.

Doch es gab immer wieder Probleme. Minimax-Geschäftsführer Klaus Hofmann: "Erst sollten wir auf Wunsch der Naturschutzbehörde den Bach, der über das Bauhofgelände fließt, verlegen. Wir waren einverstanden. Dann sollten wir mit einem Gutachten klären lassen, ob auf dem Gelände Fledermäuse nisten. Das kostet Zeit. Und jetzt bekommt die Stadt kalte Füße, wenn sie uns das Grundstück für 300 000 Euro überlässt. Das alles lässt sich nicht in Kürze klären. Wir können aber nicht warten. Uns rennt die Zeit davon. Wir schauen uns woanders um."

Tassilo von Bary zeigt Verständnis: "Minimax ist voll ausgelastet. Das weltweit erfolgreiche Unternehmen ist mit seinen Lieferungen heute schon zehn Tage hinterher. Da muss dringend etwas im Logistikbereich geschehen", sagt der Bürgermeister.

Ursprünglich sollte das Bauhofgrundstück bis 30. September verkauft werden. Von Bary: "Es ist aber nicht möglich, die behördlichen und EU-rechtlichen Hemmnisse für das Bauhofgrundstück bis zum anvisierten Zeitpunkt auszuräumen."

Der geplante Umzug des Bauhofs ins Gewerbegebiet West ist für von Bary damit aber nicht vom Tisch: Zwar sei das Bauhofgrundstück für die aktuelle Erweiterung von Minimax passé.

Wenn die Verkaufshemmnisse beseitigt seien, könne das Grundstück aber durchaus für eine weitere Erweiterung von Minimax infrage kommen. Tassilo von Bary: "Minimax wird auch in den kommenden Jahren weiter wachsen. Da macht es Sinn, dass wir dafür das Nachbargrundstück vorhalten."

 

Oldesloe: Aus Fehlern der Gegenwart lernen

Storrmarner Tageblatt vom 22. August 2008

Netto-Markt in der Ratzeburger Straße
Innenstadt Bad Oldesloe

Innenstadtentwicklung statt neuer Baugebiete, Vorrang für Rad- und Fußwege, ein besseres Stadtbussystem und eine attraktivere Innenstadt zum Einkaufen – das sind Wünsche aus der Lenkungsgruppe Stadtentwicklungskonzept.

Bad Oldesloe/rob

– Fast vier Stunden haben Stadtverordnete, Gutachter, Bad Oldesloes Bürgermeister Tassilo von Bary, Mitarbeiter der Stadtverwaltung sowie zwei Ministerialbeamte des Innenministeriums in der städtischen Lenkungsgruppe für das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) über die Entwicklung der Kreisstadt diskutiert.

Eher ungewohnte Einigkeit herrschte unter den Stadtverordneten darüber, dass bei der Ausweisung neuer Wohnungsbauflächen verstärkt die Innenentwicklung vorangetrieben und der große Gebäudebestand aus den 50er und 60er Jahren energetisch verbessert werden soll. Wenn Bad Oldesloe seine Einwohnerzahl halten wolle, müsse man allerdings bis 2020 weitere 15 bis 25 Hektar Bauland ausweisen.

Insgesamt stuften die Gutachter den städtischen Wohnungsmarkt als ausgeglichen ein. Aufgrund des demographischen Wandels werde sich die Nachfrage mittelfristig aber verändern: Weniger junge Familien- und mehr Seniorenhaushalte bräuchten weniger große und mehr kleine Wohnungen. Nach 2020 werde die Nachfrage nach Häusern in Randlage deshalb tendenziell ab-, die nach Wohnraum in der Stadt zunehmen.

Beim Straßenverkehr ist die Entwicklung laut Gutachter in den vergangenen Jahren sehr unterschiedliche verlaufen. Insgesamt würde der Verkehr noch flüssig ablaufen, punktuell gebe es zu Spitzenzeiten aber bereits Überlastungen des Straßennetzes. Die Parkplatzsituation wurde als allgemein gut beurteilt, Ausnahme seien die Hagen- und die Bahnhofstraße, wo es viel Suchverkehr gebe.

Weniger positiv beurteilten die Experten das Stadtbussystem sowie die Fuß- und Radwege. Die Radwege seien von „sehr unterschiedlicher Qualität“, es gebe „gravierende Lücken“ im Netz, Mängel auf wichtigen Schulwegen und teilweise „sehr ungünstige Führungen von Fußgängern und Radfahrern an Knotenpunkten“. Das Stadtbussystem sei „unübersichtlich und wenig transparent“, die Linienführung in Schleifen mit langen Umwegfahrten „unattraktiv“. Der Empfehlung, dass Fußgänger, Radfahrer und der ÖPNV künftig gleichberechtigt neben den Pkw-Verkehr treten sollen, konnten sich die Politiker fraktionsübergreifend anschließen.

Dauerthema nicht nur bei ISEK sind die Belebung der Innenstadt und die Weiterentwicklung des Einzelhandels. Katharina Steiger von Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) hielt das nur für möglich, wenn weitere Ansiedlungen von Läden in Gewerbegebieten und an Achsen wie Ratzeburger, Hamburger oder Industriestraße künftig unterblieben und „Innenstadt relevante Sortimente“ aus den Regalen verbannt werden.

Oldesloe habe einen Einpendler-Überschuss, das durchaus vorhandene Kundenpotenzial könne der innerstädtische Einzelhandel zurzeit aber nicht ausschöpfen. Um Geschäfte und Filialisten in die Fußgängerzone zu holen, die ihrerseits Kunden anlocken, müsse man ihnen geeignete und ausreichend große Flächen in 1a-Lage bieten. Konkret: Hinter den alten Fassaden sollen Einheiten in einer Größe entstehen, die der heutigen Nachfrage entsprechen. Das Problem ist die kleingliedrige Eigentums- und Gebäudestruktur in der Oldesloer Innenstadt. Frank Fiedler (FDP): „Die Gutachterin hat klar gemacht, dass es nicht ausreicht, weiter einfach abzuwarten, dass sich die privaten Eigentümer zusammen raufen. Die Stadt muss selbst handeln“. Das war Konsens im Lenkungsausschuss, der sich für ein aktives City-Management aus sprach. Ein Kulturzentrum, so Uwe Stephenson von den Grünen, könne die Innenstadt zusätzlich aufwerten.

Rolf Blase

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Förderungsende


Auf Grund der Haushaltslage des Landes wird es wohl keine Beteiligung an weiteren Förderprogrammen geben. Diese „unangenehme Mitteilung“ machte ein Vertreter des Kieler Innenministeriums in der Sitzung der Oldesloer ISEK-Lenkungsgruppe. Laufende Programme würden voraussichtlich weiter mitfinanziert, so der Ministerialbeamte. Die Förderzusagen für den Stadtumbau West beziehen sich aber vor allem auf die Gutachten, noch nicht auf die Umsetzung. Nur Projekte, die bis Oktober 2010 angemeldet werden, haben überhaupt noch Chancen.

„Damit verschenkt das Land Fördermittel des Bundes und blockiert öffentliche und private Investitionen, die ein Vielfaches der Fördermittel ausmachen können. Das ist ein echtes Armutszeugnis, das sich die schwarz-rote Landesregierung hier selbst ausstellt“, so Frank Fiedler, FDP-Sprecher für Stadtentwicklung.

„Voll daneben“, urteilt auch Hans-Hermann Roden (SPD). Er hofft, dass Bad Oldesloe gemeinsam mit anderen Städten noch etwas gegen diese „kurzsichtige“ Entscheidung des Landes ausrichten kann. Die Städtebauförderung ist eine klassische Drittelfinanzierung mit dem Bund, dem Land und der Kommune. Ohne Kieler Beteiligung fließt auch vom Bund kein Geld, und Bad Oldesloe allein kann es sich nicht leisten.

Land: Oldesloe darf Gericht kaufen

Hamburger Abendblatt vom 21. August 2008

Land: Oldesloe darf Gericht kaufen

Bad Oldesloe -

Stormarns Kreisstadt kann seine ehrgeizige Stadtplanung vorerst fortsetzen. Bei einer vier Stunden dauernden Sitzung am Dienstagabend haben Bürgermeister und Politiker aus den vier Rathausfraktionen von Beamten des Innenministeriums die Zusage erhalten, das Land fördere den Ankauf des Amtsgerichtsgebäudes.

Grünes Licht erwartet Bürgermeister Tassilo von Bary auch für Unterstützungszahlungen, wenn Oldesloe einen Veranstaltungssaal an das Gebäude anbaut.

Wie mehrfach berichtet, möchte die Stadt das Gebäude übernehmen, wenn die Justiz im Herbst kommenden Jahres auszieht. Nach den derzeitigen Planungen soll daraus ein Bürgerzentrum werden.. "Wir müssen nun in die Pötte kommen", sagt Bürgermeister von Bary. Bis Anfang Oktober sollten die politischen Entscheidungen für dieses Projekt fallen. Ende des Jahres möchte Tassilo von Bary auch für andere Projekte der Oldesloer Stadtentwicklung Förderanträge stellen.

Der Grund für die Eile: Ministerialbeamte äußern , dass das Land sich ganz aus der Förderung städtebaulicher Projekte zurückziehen will. Für den Oldesloer FDP-Stadtverordneten Frank Fiedler ist das ein völlig falsches Signal: "Ich war schon angefressen, als am Ende unserer Sitzung dieser Hinweis gemacht wurde." Oldesloe habe seine Planung breit angelegt, um auch Privatleute zu Investitionen anzuregen. Wenn die bisher zu erwartenden Zuschüsse von Land und Bund nicht gezahlt würden, werde das ganze Konzept gefährdet.

cv

Minimax-Erweiterung in Bad Oldesloe geplatzt

Hamburger Abendblatt vom 21. August 2008

Minimax-Erweiterung in Bad Oldesloe geplatzt

Bad Oldesloe -

Die Oldesloer Firma Minimax wird ihren Betrieb in der Industriestraße (900 Mitarbeiter) nun doch nicht erweitern. Das teilte die Geschäftsleitung des Feuerlöschgeräteherstellers gestern überraschend mit.

"Es ist vorbei. Wir werden das Nachbargrundstück nicht erwerben. Die Voraussetzungen sind dort leider in absehbarer Zeit nicht gegeben", sagte der vorstehende Minimax Geschäftführer Klaus Hofmann.

Minimax wollte auf dem Gelände, das der Bauhof nutzt, ein internationales Schulungszentrum und einen Parkplatz bauen. 200 neue Arbeitsplätze sollten dort entstehen. Nachdem sich Minimax bereit erklärt hatte, den über das Grundstück verlaufenden Bach zu verlegen, und die Stadtverordneten dem Verkauf zugestimmt hatten, schien der Weg für Minimax frei. "Jetzt fordert die Naturschutzbehörde ein Gutachten, weil es auf dem Gelände angeblich Nistplätze für Fledermäuse geben soll. Und die Stadt rudert zurück, weil der Verkaufspreis von 300 000 Euro für das Grundstück als verdeckte Beihilfe ausgelegt werden könnte, da er in einem früheren Gutachten auf 700 000 Euro taxiert worden ist", sagt Hofmann.

Er schaut sich für die dringend nötige Erweiterung von Minimax nach einem neuen Standort um. Hofmann: "Dem Bürgermeister mache ich keinen Vorwurf. Aber wir haben keine Zeit. Das Wachstum von Minimax wird woanders stattfinden. Vielleicht in Schwerin."

JR

Land stellt Städtebauförderung ein

Lübecker Nachrichten vom 21. August 2008

Land stellt Städtebauförderung ein

Bad Oldesloe – Mitte Juli hatte das Innenministerium die Kommunen bereits informiert, doch erst jetzt kam es an die Öffentlichkeit: Das Land spart an der Städtebauförderung.

„Ich muss Ihnen leider eine unangenehme Mitteilung machen“ – mit diesen Worten sorgte ein Beamter des Kieler Innenministeriums für einen Schock bei den beteiligten Kommunalpolitikern und Verwaltungsmitarbeitern, als am Dienstagabend die städtische ISEK-Lenkungsgruppe in Bad Oldesloe tagte. ISEK steht für Integriertes Stadtentwicklungskonzept und ist Teil des Bundesprogramms „Stadtumbau West“.

Das Land werde zwar laufende Programme voraussichtlich weiter mitfinanzieren – die Förderzusagen im Rahmen des Stadtumbauwest also einhalten. Doch aufgrund der aktuellen Haushaltslage habe das Land „größte Schwierigkeiten, zusätzliche Programme mit zu finanzieren“. Und auch in den kommenden Jahren sei mit „deutlichen Einschränkungen bei den bestehenden Programmen“ zu rechnen, heißt es in einem Schreiben vom 23. Juli aus dem Landesinnenministerium an die Bürgermeister der (Stormarner) Kommunen. Oberste Prämisse sei die „nachhaltige Konsolidierung des Landeshaushaltes“ sowie die Finanzierung eines beitragsfreien Kita-Jahres.

Für Bad Oldesloes Bürgermeister Tassilo von Bary kam diese Entscheidung „sehr überraschend, das war so nicht absehbar“. Glücklicherweise sei man in der Kreisstadt schon sehr weit im Genehmigungsverfahren im Programm Stadtumbau West. „Wir müssen jetzt stramm arbeiten, um die vielen angedachten Maßnahmen für 2010 bis zum 1. Oktober anzumelden.“

Mit Grauen erinnert sich der Bürgermeister an die Situation Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre, als Oldesloe schon einmal aus dem Stadtsanierungsprogramm gefallen war – zugunsten des Aufbau Ost. Fußgängerzone und Heiliggeistviertel kamen noch in den Genuss der Förderung, die Planungen für die Bahnhofstraße dagegen fielen dem Rotstift zum Opfer. „So etwas könnte uns jetzt wieder passieren, wenn wir nicht Gas geben“, so von Bary.

Die Ahrensburger Verwaltungschefin Ursula Pepper ist mit ihrer Stadt zwar nicht direkt von einer Mittelstreichung betroffen, „doch der Rückzug des Landes ist eine Katastrophe“. Denn die Gemeinden könnten 6,9 Millionen Euro an Bundesmitteln im Pakt für energetische Sanierungsmaßnahmen nicht abrufen, weil das Land seine erforderlichen Komplementärmittel nicht bereitstellt. Auch Bargteheides Bürgermeister Werner Mitsch ist erbost: „Auf diese Weise sparen kann ich auch. Das ist effektiv, aber nicht gerade phantasievoll.“

Das Land wälze die Probleme wieder einmal auf die unterste Ebene, auf die Kommunen ab. Diese Streichungen würden schlimmstenfalls zum Abbruch oder gar zur Aufgabe von wichtigen städtebaulichen Maßnahmen führen.

Frank Fiedler, Stadtverordneter und Fraktionssprecher für Stadtentwicklung der Oldesloer FDP-Fraktion, stellt der schwarz-roten Landesregierung ein Armutszeugnis aus. „Damit verschenkt das Land Fördermittel des Bundes und blockiert öffentliche und private Investitionen, die ein Vielfaches der Fördermittel ausmachen.“

Von Joachim Strunk

Minimax: Pläne für Erweiterung liegen auf Eis

Stormarner Tageblatt vom 21. August 2008

Minimax: Pläne für Erweiterung liegen auf Eis

Weil der Zeitplan nicht mehr zu halten ist, will Minimax nun doch nicht mehr am Standort Bad Oldesloe erweitern. Es gibt Probleme mit dem EU-Recht und einer Fledermaus-Zählung.

Bad Oldesloe/rob

– Minimax-Geschäftsführer Klaus Hofmann reicht es: „Den Bach würden wir ja verlegen, aber dann kamen auch noch die Fledermäuse dazu und nun Probleme mit dem EU-Recht. Wir brauchen jetzt eine Lösung und nicht in zwei Jahren“. Damit scheint die geplante Erweiterung von Minimax in Bad Oldesloe vom Tisch zu sein.

Weil das weltweit tätige Unternehmen Platz braucht, wollte man das Nachbargrundstück mit dem städtischen Bauhof kaufen, um dort Stellplätze schaffen. Auf dem bisherigen Firmenparkplatz sollte unter anderem ein internationales Schulungszentrum gebaut werden, das pro Jahr mehrere tausend Gäste besuchen sollten. Sind die Investitionen von gut sechs Millionen Euro sowie die zusätzlichen 40 bis 50 Arbeitsplätze für Bad Oldesloe verloren?

„Wir lassen es und orientieren uns anders“, sagt Hofmann und kritisiert, dass sich bis auf den Oldesloer Bürgermeister Tassilo von Bary niemand wirklich bemüht habe. Was Norbert Leinius, Geschäftsführer der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn nicht gelten lassen will: „Ich war mit IHK-Geschäftsführer Dr. Bernd Rohwer bei Herrn Hofmann, und wir haben ihn ausdrücklich gebeten, uns zu informieren, wenn es irgendwo hakt oder Probleme gibt. Mehr können wir nicht tun.“

Gestern morgen überbrachte von Bary die Mitteilung, dass es beim Kauf den Grundstücks ein weiteres Problem gebe. Der Preis, auf den sich Stadt und Minimax geeinigt haben, liegt weit unter dem, was in einem Gutachten steht. Das wurde im Vorgriff Anfang 2007 erstellt, berücksichtigt aber nicht die Kosten für die Verlegung des Baches und die Herstellung des abfallenden Grundstücks. Dennoch könnte der Vertrag von der EU als versteckte – unerlaubte – Beihilfe gewertet werden.

Laut Hofmann bemüht sich Minimax schon seit gut anderthalb Jahren um die Erweiterung, von Bary nennt den November 2007 als konkreten Termin. Als erstes Problem tauchte dann der Bach an der Grundstücksgrenze auf, ein Nebengewässer des Glindhorst-Bachs. Man einigte sich darauf, das laut B-Plan „erhaltenswerte Gewässer mit Grünstreifen“ umzulegen. Für die Planänderung muss Minimax zudem einen landschaftspflegerischen Begleitplan erstellen lassen. Dafür müssen auch Fledermäuse gezählt werden – das geht erst 2009, weil dieses Jahr schon zu weit fortgeschritten ist. Der Abriss-Termin für den Bauhof im Januar ist damit auch hinfällig.

Zwar hofft Bürgermeister von Bary, dass die Erweiterungspläne nur „vorerst ausgesetzt“, sind, Klaus Hofmann macht sich allerdings schon Gedanken, welche Unternehmensteile aus der Logistik, der Verwaltung oder der Fertigung er aus Bad Oldesloe abzieht. Um – so die einzig gute Nachricht – das Schulungszentrum vielleicht doch in Bad Oldesloe bauen zu können.

Rolf Blase

Polizeinotruf verlässt Oldesloe

Hamburger Abendblatt vom 15. August 2008

Rückzug: Streifenwagen werden ab Oktober 2009 von Lübeck aus geführt

Stormarns Kreisstadt verliert damit schon wieder eine wichtige Dienststelle. Die Gewerkschaft der Polizei warnt.

Von Cornelia Büddig

Bad Oldesloe -

Die 110-Notrufe sollen in Schleswig-Holstein spätestens ab 2010 in vier zentralen Leitstellen der Polizei auflaufen. Die neuen Funkzentralen entstehen in Harrislee, Elmshorn, Kiel und Lübeck. Die übrigen Leitstellen im Land - sie sind derzeit in jedem Kreis und jeder kreisfreien Stadt angesiedelt - werden aufgelöst. Stormarn wird dann von Lübeck aus betreut. Die 13 Mitarbeiter in der Stormarner Dienststelle in Bad Oldesloe wechseln auf einen neuen Arbeitsplatz.

Die Lübecker Regionalleitstelle der Polizei - sie wird außer für Stormarn auch für die Kreise Ostholstein und Herzogtum Lauenburg zuständig - soll nach den Plänen des Innenministeriums bereits im Oktober 2009 ihren Betrieb aufnehmen. Die Bauarbeiten für einen Neubau neben dem Behördenhochhaus an der Possehlstraße haben begonnen. Von der Zentralisierung verspricht sich das Innenministerium mehr Wirtschaftlichkeit, aber auch mehr Sicherheit für die Bürger - vor allem bei Kooperativen Leitstellen, in denen Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst zusammengefasst sind. Solche Leitstellen entstehen in Harrislee und Elmshorn. 58,4 Millionen Euro kostet der Aufbau der vier Zentralen inklusive Digitalfunk. 17,8 Millionen Euro sind für die Leitstellentechnik veranschlagt.

Die neue Lübecker Regionalleitstelle der Polizei bearbeitet ausschließlich die 110-Notrufe und führt die Streifenwagen. Die für den Rettungsdienst und die Feuerwehr in den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg zuständige Regionalleitstelle-Süd (Notruf 112) bleibt in Bad Oldesloe erhalten. Sie ist hochmodern und existiert erst seit März 2006. Der Kreis Stormarn hat daher kein Interesse an einer Kooperation mit Lübeck.

In der künftigen Regionalleitstelle der Polizei in Lübeck sollen 46 Mitarbeiter tätig sein. Die Zentrale wird mit Technik der Firma Eurofunk Kappacher ausgerüstet. Den Disponenten stehen unter anderem interaktive Lagekarten zur Verfügung, auf denen sich die aktuelle Position jedes Streifenwagens genau erkennen lässt. Auch der abhörsichere Digitalfunk, dessen Einführung ursprünglich schon zur Fußballweltmeisterschaft 2006 geplant war, soll bis Ende 2009 kommen.

Die Schließung der Polizeileitstelle in Bad Oldesloe stellt für die Kreisstadt einen weiteren herben Verlust dar: Bereits vier Behörden und die Telekom haben ihre Büros dort aufgegeben. "Die Polizeileitstelle ist jetzt die nächste kleine Katastrophe", sagt Bürgermeister Tassilo von Bary.

Beispielsweise fehlten die Mitarbeiter dieser Dienststellen als Kunden. "Die Gebäude müssen möglichst schnell wieder vermietet werden", so von Bary weiter. Landrat Klaus Plöger sieht die Entwicklung ebenfalls mit Sorge. Doch Jammern nütze nichts. "Wir sollten überlegen, wie wir neue Einwohner gewinnen und Unternehmen ansiedeln können", sagt er.

Ob die Regionalleitstelle in Lübeck mehr Sicherheit für die Bürger bringt, ist umstritten. Bedenken hat unter anderem die Gewerkschaft der Polizei (GdP). "Die Qualität der Einsatzleitung darf sich nicht verschlechtern", warnt Manfred Börner, der Vorsitzende der Regionalgruppe Lauenburg/Stormarn, die knapp 450 Mitglieder hat. Die GdP befürchtet nämlich, dass die Mitarbeiter der Funkzentralen sich für so große Gebiete nicht genügend Ortskenntnisse aneignen können.

Regionalschule ist gescheitert

Hamburger Abendblatt vom 13. August 2008

Elternvotum: Nur zwei Anmeldungen von Viertklässlern in Stormarn

Das Aus kommt schon vor dem Start: Ministerium widerruft Genehmigungen für Bargteheide und Bad Oldesloe.

Von Alexander Sulanke

Bad Oldesloe -

Sie hat per Gesetz den Anspruch, die weiterführende Regelschule zu sein. Tatsächlich ist sie das ungeliebte Kind der Schulreform: die Regionalschule. In Stormarn will sie offensichtlich niemand. Deshalb wird es mit Beginn des neuen Schuljahrs am 1. September im Kreis auch gar keine geben. Das Kultusministerium in Kiel hat die Genehmigungen für die Oldesloer Klaus-Groth-Schule und die Bargteheider Emil-Nolde-Schule widerrufen. Die weiterführenden Zweige laufen nun aus, beide Einrichtungen sollen mittelfristig reine Grundschulen werden.

Laut Ministerium sind in Stormarn nur zwei Viertklässler von ihren Eltern an Regionalschulen angemeldet worden. Zwei von kreisweit 2298 Kindern, die auf eine weiterführende Schule wechseln. Stormarns Schulrätin Kirsten Blohm-Leu (46) hat in ihrer Behörde zwar von ein wenig mehr Interessenten erfahren. Sie spricht von 15 Kindern - zehn in Bad Oldesloe und fünf in Bargteheide. Das Ergebnis ist jedoch dasselbe: "Es gab nicht genug Anmeldungen für die Regionalschulen." Mindestens 120 wären notwendig gewesen - je 60 für Bargteheide und Oldesloe.

Das zweite Kind der Schulreform, die Gemeinschaftsschule mit dem Gesamtschulcharakter, gedeiht dagegen prächtig. Für die bislang fünf in Stormarn genehmigten Standorte in Ahrensburg (Haupt- und Realschule am Heimgarten), Bargteheide (Dietrich-Bonhoeffer-Realschule), Trittau (Hahnheide-Schule) und Bad Oldesloe (Schule am Masurenweg und Theodor-Storm-Schule) sind laut Ministerium 452 Anmeldungen eingegangen.

Die Genehmigung weiterer Schulumwandlungen, etwa die der Großhansdorfer Friedrich-Junge-Realschule, steht noch aus. Sie werden erst 2009/2010 wirksam. In Reinbek ist die Zukunft der Haupt- und Realschule noch ganz offen - auf dem Papier zumindest.

Schulrätin Blohm-Leu ist sich denn auch schon heute ziemlich sicher, dass es in Stormarn auf lange Sicht keine einzige Regionalschule geben wird. "Es macht einfach keinen Sinn, eine einzurichten, wenn sie nicht gewollt wird", sagt sie. Dennoch ist es die Regionalschule, die als Regelschule alle Kinder aufnehmen muss, während Gemeinschaftsschulen Bewerber ablehnen können. Rein theoretisch jedenfalls.

Kirsten Blohm-Leu: "Das Ministerium hat schon angedeutet, dass die Gemeinschaftsschulen in Stormarn keine Jugendlichen ablehnen dürfen."

Gymnasium vorn

 

1023 von 2298 Stormarner Viertklässlern sind von ihren Eltern an Gymnasien angemeldet worden. 597 Anmeldungen entfallen auf die Gesamtschulen, die spätestens zum Schuljahr 2010/2011 zu Gemeinschaftsschulen werden. Für die nach den Sommerferien startenden neuen Gemeinschaftsschulen liegen 452 Anmeldungen vor. 199 Kinder sollen auf eine der noch nach altem Muster fortbestehenden Realschulen gehen. 14 Eltern wollten ihr Kind auf einer Hauptschule anmelden; diese Möglichkeit besteht mit dem neuen Schuljahr in Stormarn allerdings nicht mehr. Elf Viertklässler wechseln an ein Förderzentrum. Den letzten Platz in der Beliebtheitsskala belegt mit zwei Anmeldungen die Regionalschule, die nun doch nicht kommt.

sul
 

Die Eltern haben entschieden

 

Von Alexander Sulanke

Regionalschule oder Gemeinschaftsschule? Das konservativere Modell, dem alten Schulsystem verwandt, oder das modernere, das Gesamtschulcharakter hat? Vor dreieinhalb Jahren hätte die Frage genauso gut lauten können: Setzt sich die CDU durch mit ihrer Ideologie oder die SPD? Doch bei den Kieler Koalitionsverhandlungen im Frühjahr 2005 drückten sich die Regierungspartner vor einer eindeutigen Antwort, indem sie ihre favorisierten Schulmodelle parallel zuließen. Das mag eine Schwäche gewesen sein. Aber letztendlich konnten die Eltern selbst entscheiden. Statt gleich auf die Eltern zu hören, wurde die politische Debatte in den Ortsparlamenten fortgeführt. Unvergessen ist die Härte, mit der die CDU in Großhansdorf und in Bad Oldesloe für die Regionalschule gekämpft hat. Ein sinnloser, überflüssiger Kampf, wie sich jetzt zeigt. Denn schlussendlich haben die Eltern entschieden. Ihr Votum ist eindeutiger als viele politische Entscheidungen.

 

B 75: Warum immer ein paar Meter Radweg fehlen

  • Gefährliche Ecke: Der Radweg endet im Nirwana.
  • Kurz hinter Bad Oldesloe: Quer über die B 75

Stormarner Tageblatt vom 11. August 2008

B 75: Warum immer ein paar Meter Radweg fehlen

Geredet wird über den Radweg nach Reinfeld schon viele Jahre. Einige Abschnitte wurden gebaut, aber es gibt immer noch gefährliche Lücken.

Bad Oldesloe/ol

– Der ADFC in der Kreisstadt, das sind nicht nur die schönen, geführten Radtouren durch Stormarn, das ist auch harte Lobbyarbeit für Radfahrer. Immer wieder mischen sich die Vereinsmitglieder in die Politik ein. Im November 2006 sorgte Vorsitzender Rainer Hinsch mit der Drohung, der ADFC werde eine Wählerinitiative maßgeblich im Kommunalwahlkampf unterstützen, für Verstimmung. Er forderte damals deutlich mehr Geld für Fahrradprojekte.

Daraus ist zwar nichts geworden, aber der ADFC lässt trotzdem nicht locker. Aktuell im Visier der Radler: Die B 75 zwischen Oldesloe und Reinfeld. Der Ärger fängt schon in der Lübecker Straße an. Ein Pedalist ist auf dem Radweg unterwegs, ein Kind kommt fröhlich hinter der Hecke auf den Gehweg gehüpft. „Das kann nur schief gehen“, sagt Tourenleiter Peter Sommer angesichts des viel zu schmalen Radwegs. „Vorgeschrieben sind 1,5 Meter. Aber der hier ist ja nicht mal breit genug für ein Fahrrad mit Anhänger“, kritisiert Sommer. Problem: Weil der Radweg per Schild ausgewiesen ist, besteht Benutzungszwang. Radfahrer dürfen nicht auf die Fahrbahn ausweichen.

Wenige Meter weiter das nächste Ärgernis. Der Asphalt ist aufgerissen und mit Schotter verfüllt. Sommer: „Jedes Mal, wenn die mit der Kehrmaschine kommen, wird ein bisschen mehr weg gefegt. Zurück bleiben spitze Steinchen.“

Noch ein Stück weiter, wird Sommers Mine ernst. „Nebeneinander fahren geht gar nicht“ schärft er seiner Truppe ein. Abstand halten, rechts fahren, Hände an den Lenker, und Anja Yüksel muss nach vorne, weil der Kinderanhänger an ihren Rad gern von Autofahrern übersehen wird. Grund für die Ansprache: Der Radweg auf der rechten Seite hört einfach auf. Auf der anderen Straßenseite gibt es keinen. Dort ist zwar einer geplant, aber mehr noch nicht. Bis zum Ende des B 75 Ausbaus bleibt den Pedalisten nichts anderes übrig, als auf die viel befahrene Bundesstraße auszuweichen. Es sind nur ein paar hundert Meter, aber immerhin.

Ein weit schwierigeres Unterfangen folgt kurz hinter der Einfahrt zum Hof Wilken. Da müssen alle in einer ruhigen Sekunde beide Fahrbahnen queren, dann ab dort gibt es wieder einen Radweg. Gemütlich geht es weiter. Allerdings nicht wirklich weit. Etwa in Höhe des Fischzuchtbetriebs ist schon wieder Schluss. Ein Schild weist darauf hin, dass dort der Radweg endet – direkt in einer Kurve. Wer weiter nach Reinfeld möchte, muss zurück auf die Straße. Autofahrer haben an der Stelle allerdings kaum eine Chance, Radfahrer frühzeitig zu erkennen. Sie kommen einfach angerast. Peter Sommer wundert sich: „Es ist erstaunlich, dass hier noch nichts passiert ist.“

Immerhin: Die Oldesloer Kommunalpolitiker haben das Problem erkannt, sind aber nicht zuständig. Trotzdem haben alle Fraktionen gemeinsam gefordert, diese Lücke zu schließen. Die Gemeinde Feldhorst, in deren Gebiet der Weg fällt, hat sich der Forderung angeschlossen. Das Amt Nordstormarn hat den Antrag ans Straßenbauamt weiter geleitet.

Es sind nur etwa 600 Meter, dann geht es wieder retour – nochmals quer über die B 75 auf den Radweg. „Natürlich wäre der Radweg auf ganzer Strecke wünschenswert“, findet der Chef des Lübecker Straßenbauamts, Gerhard Diedrichs: „Aber man kann nicht alles auf ein mal haben.“ Das Straßenbauamt führt eine Prioritätenliste. Der Anschluss des Baugebiets Steinfelder Redder erschien den Planer wichtig. Auch das Stück zwischen Reinfeld und dem Abzweig nach Barnitz. „Der Lückenschluss hat sich nicht als erforderlich herausgestellt“, erklärt Diederichs lapidar. Diese Strecke werde weder von Schülern genutzt, noch von Berufspendlern auf dem Rad, sondern nur von Radwanderen. Damit rutscht das Projekt in der mittelfristigen Finanzplanung nach hinten … 2011 … 2012 …

„Da muss schon ein bisschen Schriftverkehr erzeugt werden, um das Stück nach vorne zu bekommen“, befürchtet Planer Diedrichs. Obendrein wird die B 75 zur Landesstraße 330 herabgestuft. Also müsste das Geld für den Radweg aus Kiel kommen, denn der Bund fühlt sich dafür nicht zuständig. Das ist Sache der Politik. Beschlüsse in Oldesloe oder Feldhorst reichten da allerdings nicht aus. Wie der Zufall es so will, ist der zuständige Landtagsabgeordnete aber gleichzeitig Finanzminister – Rainer Wiegard aus Bargteheide.

Peter Sommer will nicht nur kritisieren. Die letzten Meter bis zum Kalkgraben sind so ganz nach seinem Geschmack. „Das ist eine optimale Lösung. So stellen wir uns das vor“, schwärmt das ADFC-Vorstandsmitglied. Dabei ist der Weg nichts Besonderes. Ein paar Meter von der Straße weg schlängelt er sich da hin.

Andreas Olbertz

 

Stormarner Wochenschau

Stormarner Tageblatt vom 9. August 2008

Geheimniskrämerei und Gedankenspiele

Lösungsmittel, die niemand braucht

Rolf Blase und Andreas Olbertz

Informieren, öffentliche Beratung, Nutzungskonzept, Architektenwettbewerb – auf diese simple Formel lässt sich ein gemeinsamer Antrag von Grünen und SPD in Bezug auf den geplanten Veranstaltungssaal beim Amtsgericht bringen. Hat was für sich. Das Ganze soll auf der nächsten Sitzung des Hauptausschusses beraten werden – im September und anschließend auf der Stadtverordnetenversammlung. Überschrift: „Schluss mit der Geheimniskrämerei“.

Offensichtlich scheint die Verwaltung aber an ihrem Kurs festhalten zu wollen. Wie durchsickerte, ist für den 27. August eine Runde geplant. Der Termin war zwar schon im Arbeitskreis Kultur kritisiert worden, aber vielleicht steckt da ja System hinter. Wir verschicken die Einladung in den Ferien, dann findet sie keiner und kann dumm dazwischenquatschen. Wenn sich hinterher jemand beschwert, wird der Kritik-Killer aus der Tasche gezogen: „Es hat doch ein Beteiligungsverfahren gegeben.“ Super Taktik.

Uwe Stephenson weißt darauf hin, dass die Betroffenen zum Großteil im Arbeitskreis Kultur schon angefangen haben zu diskutieren. Aber was dort erarbeitet worden ist, soll offensichtlich nicht die Basis der weiteren Diskussion werden. Das habe nichts miteinander zu tun, zitiert er den Bürgermeister. Sollten die Sitzungen etwa für die Katz gewesen sein? Wäre ja nicht das erste Mal, dass mit großem Tamtam zur Zukunftswerkstatt eingeladen wird, die Ideen in der Schublade verschwinden aber anschließend teure Gutachter eingekauft werden, um dicke Konzepte zu schreiben. Vielleicht kommt es aber auch ganz anders …

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Es kommt doch immer darauf an, von welcher Warte aus man die Dinge betrachtet. Die Trittauer Bücherei meldet für den Juli Rekordzahlen bei der Ausleihe, obwohl in dem Ferienmonat die komplette Schulausleihe wegfällt. Auf den ersten Blick wird also wieder mehr gelesen. Stimmt aber nicht ganz, weil neben Urlaubsliteratur vor allem Hörbücher und Edutainment-Software gefragt sind. Aber auch das kann man positiv sehen und sich über die verstärkte Mediennutzung freuen. Wenn es sie denn gibt. Vielleicht sind die hohen Ausleihzahlen ja auch nur ein Zeichen dafür, dass sich immer weniger Familien die Urlaubsreise leisten können und lieber zu Hause bleiben? Böse Armut statt guter Mediennutzung? Und was sagt die Stormarner SPD dazu, die ohne finanzielle Beteiligung des Kreises den Untergang der Büchereien befürchtet? Gehen die Ausleihzahlen dank Hartz IV nach oben – oder wird andersherum ein Schuh daraus?

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Eine echte Spur hat die Polizei im Fall der „Giftfässer“, die an der B 75 gefunden wurden, noch nicht. Aber Hinweise: Weil bei den Fässern an der Bahnunterführung sowie am selben Tag im Reinfeld-Stubbendorfer Gewerbegebiet auch kleinere Behälter mit Farben Lacken und Mixturen gefunden wurden, steht sozusagen die Kunst im Verdacht. Sollten die sieben Fässer und der Rest aus der Auflösung eines Ateliers stammen? Wer war der fleißige Kunstmaler, der Reinigungs- und Lösungsmittel über Jahre in Metallfässern gesammelt hat? Vielleicht zu einer Zeit, bevor die ersten Recycling-Höfe eingerichtet wurden, die so etwas (in kleinen Chargen) kostenlos annehmen? Und war dem illegalen „Entsorger“ der Sprit zu teuer, um die Fässer nach und nach bei verschiedenen Recyclinghöfen abzugeben? Das würde darauf hindeuten, dass der Täter zumindest kein Sprit-Dieb ist, eher ein Grünen-Wähler mit Kleinlastwagen. Zeit für eine Sonderkommission – das hat sich auch unser Maler Götz Wiedenroth gedacht, der seine spitzen Bleistifte immer umweltgerecht bis zum bitteren Ende runterratscht.

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Da haben wir den Salat: Die Baufirma für die B 75 ist pleite und wird abgewickelt – das teilte der Insolvenzverwalter diese Woche mit. „Beauftragen wir doch einfach den zweitgünstigsten Bieter und schon kann’s weiter gehen.“ Weit gefehlt. Das wäre das Oldesloer Unternehmen Schoer & Bollow gewesen, und die mussten mittlerweile ebenfalls Insolvenz anmelden. Der dritte auf der Liste ist schon satte 140 000 Euro teurer als der günstigste Anbieter – wer weiß, ob es den noch gibt. Blicken wir noch mal zurück in den November vergangenen Jahres: Da war der billigste Bieter bereits 370 000 Euro teurer als ursprünglich kalkuliert. Billiger dürfte es in der Zwischenzeit nicht geworden sein. Eine „kleine Ausschreibung“ läuft bereits. Die Zeche zahlt die Stadt. Ganz abgesehen vom Baustopp dürfte da also noch Ungemach ins Haus stehen.

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Welche Besuchermassen hätten ins Heimatmuseum strömen können, wenn, ja wenn nicht böse Handwerker den Hintereingang mit einem Zaun verriegelt hätten. Ne, wie ärgerlich. Auch wenn es kein Einzelfall gewesen sein soll, wollen wir mal nicht von Absicht ausgehen. Ob gewisse Leute das Heimatmuseum im Geiste bereits ins Rathaus verlegt haben? Das könnten verfrühte Gedankenspiele sein.

Italienischer Abend mit Verdi und Co.

Stormarner Tageblatt vom 8. August 2008

Zur Person

Italienischer Abend mit Verdi und Co.

MARTINA DOEHRING, Oldesloer Sopranistin, tritt am Mittwoch, 3. September, zusammen mit dem Ensemble „floreat“ (KARL-MARTIN WAGNER, HANS-PETER NAUK, UWE PETERSEN) beim „Italienischen Abend“ des Kulturforums in der Peter-Paul-Kirche auf. Es werden Werke von Rossini, Verdi, Liszt und anderen geboten. Den literarischen Teil der Veranstaltung bestreitet BJÖRN ENGHOLM, ehemaliger Ministerpräsident und SPD-Bundesvorsitzender. Er liest Werke von Peter Rühmkorf, Wolfgang Hildesheimer und eventuell noch frühe Gedichte von Enzensberger. Das Konzert wird ergänzt durch eine Ausstellung mit Gemälden von RENEE-CLAIRE ROY, KRISTIN DEUTSCH, CHRISTEL-WERNER-ZEISS sowie schöne Impressionen aus Venedig von CHRISTIAN P. SCHLICHTE. Der Vorverkauf ist gestartet: Karten sind ab sofort in der Buchhandlung Willfang zum Preis von 9 Euro (Schüler ermäßigt 6, Abendkasse 11 Euro) erhältlich.

„Schluss mit der Geheimniskrämerei“

  • Dr. Uwe Stephenson
  • Maria Herrmann

Stormarner Tageblatt vom 7. August 2008

„Schluss mit der Geheimniskrämerei“

Grüne und SPD wollen mit einem gemeinsamen Antrag Druck machen: Die Nutzung des Veranstaltungssaals, der an das Amtsgericht angebaut werden soll, müsse frühzeitig und ausgiebig diskutiert werden.

Bad Oldesloe/ol

– Das ist sein Terrain, da macht ihm keiner was vor: Uwe Stephenson – Professor für Akustik, Musiker und Grüner Stadtverordneter – fordert Klarheit bei den weiteren Planungen für den Veranstaltungssaal, der ans Amtsgericht angebaut werden soll (wir berichteten). Der Grüne und Maria Herrmann von der SPD wollen in einem gemeinsamen Antrag das weitere Vorgehen festlegen.

Ganz oben auf der rot-grünen Forderungsliste steht: „Schluss mit der Geheimniskrämerei.“ Das Projekt müsse öffentlich und vor allem gründlich diskutiert werden. „In Mails gibt mir der Bürgermeister zu erkennen, dass er das eigentlich nicht diskutieren will“, bedauert Stephenson. Für ihn ist ganz klar, dass der Arbeitskreis Kultur der ISEK dafür erster Ansprechpartner sein muss. „Es ist doch ein schlechter Witz, dass der nicht mehr tagen soll. Es kann nicht nach zwei Bla-Bla-Runden, wenn es konkret werden soll, alles vorbei sein“, kritisiert er.

Die Wünsche und Belange der Oldesloer-Kulturszene sind eine Sache. Stephenson will aber noch mehr wissen: „Welcher Raum wurde bislang für welche Nutzung gebucht.“ Außerdem verlangt der Grüne von der Verwaltung eine Auflistung der unbefriedigten Anfragen – also all jene Veranstaltungen, die in Oldesloe nicht stattfinden konnten, weil es keinen passenden Saal gibt. Die Forderung sei nicht neu, aber in der Vergangenheit nicht befriedigend beantwortet worden.

Maria Herrmann, Vorsitzende des Planungsausschusses, hat nicht nur die Akteure auf der Bühne im Blick: „Wir haben hier lokale Kompetenz vor Ort, die unbedingt eingebunden werden muss.“ Als Beispiel nennt sie unter anderem „Meddewader“. „Die haben hier mit ihrer Technik und ihrem Know-How das Klangstadtfestival aus dem Boden gestampft – solche Leute muss man doch einbinden.“

Die Gutachter von Contence hätten zudem deutlich gemacht, dass ein Saal ein professionelles Management benötige, um Veranstalter zu überzeugen. Auch darüber müsse nachgedacht werden, ebenso wie über den Umfang des zukünftigen Kulturangebots. „Die Gutachter haben mehrmals betont, dass es ausschließlich eine politische Entscheidung sei, wie viel Kultur wir zukünftig haben wollen“, so die Sozialdemokratin.

„Der Hauptzweck muss festgelegt werden, denn danach richtet sich die Akustik“, betont Fachmann Stephenson, der bereits beim Umbau der Peter-Paul-Kirche die Akustik berechnet hat. Sprache benötige einen Nachhall von einer Sekunde, Musik aber zwei Sekunden – entsprechend nur die Hälfte an Schallabsorbern. Von einer „Multifunktionslösung“ hält er nur wenig. Um das qualitativ hochwertig hinzubekommen, seien beispielsweise aufwändige elektronische Verhallungssysteme oder Lautsprecher notwendig.

Stephenson und Herrmann sind sich einig: Erst wenn das Nutzungskonzept steht, kann geplant werden. „Dann haben wir die klaren Rahmenbedingungen für einen Architektenwettbewerb. Und nicht wieder so etwas Dilletantisches wie beim Hallenbad“, ist Stephenson überzeugt. Maria Herrmann ergänzt: „Es sind die kleinen Änderungen, die nachher ein Bauprojekt unnötig verteuern oder die Nutzung einschränken.“ Beispielhaft führt sie das historische Rathaus an: „Dort fehlt eine Verdunkelung. Deshalb kann der Saal tagsüber fast nicht genutzt werden.“

Andreas Olbertz

Amtsgericht: Auch die CDU ist irritiert

Hamburger Abendblatt vom 7. August 2008

Amtsgericht: Auch die CDU ist irritiert

Bad Oldesloe -

"Wir waren schon ein bisschen verärgert, als wir in der Zeitung über die bisher nur hinter verschlossenen Türen diskutierten Pläne zum Kauf des Amtsgerichts gelesen haben", sagt Heinz Drenkberg. Der neue Sprecher der Oldesloer CDU-Fraktion schlägt damit in die gleiche Kerbe wie Hagen von Massenbach von der SPD. Er wünsche sich, dass über die Fraktionsgrenzen hinweg vor Abstimmungen oder öffentlichen Diskussion über geplante Projekte gesprochen werde, so Heinz Drenkberg.

Oldesloes Politiker sind darüber verwundert, dass es in der Verwaltung offenbar schon konkrete Vorstellungen über die städtischen Pläne zur Umgestaltung des heutigen Amtsgerichtsgebäudes in ein Kultur- und Bildungszentrum gibt (wir berichteten). Die Ideen seien der CDU aber bisher nicht bekannt gemacht worden, moniert Drenkberg. Und er ergänzt: "Ich möchte meinen Betrag zur Verbesserung des Gesprächsklimas zwischen den Fraktionen leisten." In der Stadtverordnetenversammlung werde nicht "große Politik" gemacht. Es gehe vielmehr darum, das Beste für die Bürger in Bad Oldesloe zu erreichen - und zwar möglichst gemeinsam.

Eines ist für den CDU-Sprecher jedoch auch wichtig: "Wir haben bisher lediglich nur einen Grundsatzbeschluss über den Kauf des Gerichtsgebäudes und die Umgestaltung zum Kulturzentrum gefasst. Das Projekt muss aber finanzierbar sein." Es sei in den vergangenen Jahren geschafft worden, die städtischen Schulden zu halbieren, nun durften keine neuen aufgehäuft werden.

cv

Oldesloe: Zwei Monate Baustopp an B 75

Stormarner Tageblatt vom 6. August 2008

Oldesloe: Zwei Monate Baustopp an B 75

Bad Oldesloe/ol

– Still ruht der Asphalt. Auf der Baustelle der Bundesstraße 75 geht gar nichts mehr. Die Baufirma IHB aus Wismar ist pleite (wir berichteten). Wie die auf Insolvenzen spezialisierte Kanzlei Kübler jetzt mitteilte, ist Anwalt Sebastian Laboga zum Insolvenzverwalter bestimmt worden. Zwei Monate hatte er den Betreib mit der Geschäftsleitung noch fortgeführt. Jetzt ist es dem Verwalter gelungen, für mehr als 100 Arbeitnehmer eine Transfergesellschaft einzurichten. Aus der sind bereits mehr als die Hälfte der Mitarbeiter in neue Beschäftigungsverhältnisse vermittelt worden.

Vor dem Hintergrund der Insolvenz sei nicht mit weiteren Zuschlagserteilungen zu rechnen gewesen, teilte der Anwalt mit. Im Gegenteil: Im Insolvenzfall sind Auftraggeber berechtigt, Verträge fristlos zu kündigen. Trotzdem, so freut sich Laboga, sei es gelungen, mehr als die Hälfte der laufenden Bauvorhaben fortzuführen beziehungsweise erfolgreich abzuschließen.

Die B75 ist ein Mittelding. Die Arbeiten wurden bis zu einem gewissen Punkt fortgesetzt und dann eingestellt. Ein andere Firma muss übernehmen. Für den Laien sieht die Straße schon relativ komplett aus, doch der Eindruck täuscht. „Die Bundesstraße ist noch lange nicht fertig. 70 Prozent stehen noch aus“, schätzt Bauamts-Chef Rolf Steinhoerster: „Der Baustopp wirft uns zurück.“ Die Stadt Oldesloe als Auftraggeber kann allerdings nicht einfach den nächstgünstigsten Bieter mit den weiteren Arbeiten betrauen. Steinhoerster: „Das wäre Schoer&Bollow gewesen, aber die befinden sich ja leider auch in Insolvenz.“ Deshalb hat sich die Stadt anwaltlich beraten lassen und steigt sicherheitshalber erneut in die Ausschreibung ein – allerdings „nur“ in ein offenes Verfahren, bei dem fünf Firmen aufgefordert werden, ein Angebot einzureichen. Das hat Konsequenzen. „Ich gehe nicht davon aus, dass es billiger wird“, orakelt Rolf Steinhoerster vorsichtig. Zudem rechnet er mit zwei Monaten Baustopp. Voraussichtlich werde ab Anfang Oktober wieder weiter gearbeitet.

Kultur braucht Raum – wie wär’s mit dem Amtsgericht?

Parkplatz Amtsgericht

Stormarner Tageblatt vom 4. August 2008

Kultur braucht Raum – wie wär’s mit dem Amtsgericht?

Bad Oldesloe hat eine lebendige Kulturszene!
So lautet das eindeutige Ergebnis einer Erhebung, die der Arbeitskreis Kultur im Rahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) vorlegte. Doch es herrscht nicht nur Sonnenschein.

Bad Oldesloe/ol

– Theaterensembles, Chöre, Rockbands, Orchester an den Schulen sowie der altStadt-Verein mit seinen Festen auf der Seite der Aktiven, aber auch Kurparkkonzerte, Jazz im Rathaus, Schleswig-Holstein Musikfestival, Lesungen, Frauenkulturtage oder Kino auf der Veranstaltungsseite – diese Vielfalt kann allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass zahlreiche Gruppen massive Probleme habe. „Viele Bands werden nicht gegründet, weil sie ja keine Probenräume finden“, berichtet Patrick Niemeier vom Band-Netzwerk Klangstadt. Schüler könnten anfangs noch an den Schulen unterschlüpfen, doch früher oder später sei dort Schluss. Jugendliche hätte keine Möglichkeit, sich einen Probenraum zu mieten, weil es am Geld fehlt.

Den Chören geht es nicht viel besser. Eine Vertreterin der Singakademie weist darauf hin, dass Möglichkeiten fehlen, das umfangreiche Notenmaterial zu lagern. Für die wöchentlichen Probenabende seien die Musikräume in den Schulen ideal, doch wehe ein Chor will wegen eines bevorstehenden Auftritts kurzfristig Sonderproben einschieben. Oftmals sei das im angestammten Raum nicht möglich, weil der bereits anderweitig belegt ist.

Die Theaterleute plagen ähnliche Probleme: Der Probenraum der Oldesloer Bühne ist feucht und muffig. Für etwas Besseres reicht der schmale Etat nicht. Keine optimalen Bedingungen für kostbare Kostüme oder aufwändige Kulissen. Bei Bad Oldesloe macht Theater, so die Schilderung von Ulf Schwinum, stellt sich die Situation nicht viel anders dar.

Ganz düster wird es bei den Auftrittsmöglichkeiten. Bei der Oldesloer Festhalle reichen die Kritikpunkte von maroder Technik über fehlende Parkplätze bis hin zur schlechten Akustik und dem mangelhaften Ambiente. Die Kurparkbühne gilt, obwohl erst kürzlich mit großem finanziellen Aufwand gebaut, als quasi unbespielbar, da der Aufwand dafür zu groß sei und der ständige Verkehrslärm massiv störe.

Auch alle anderen Spielstätten erhielten mehr oder weniger schlechte Noten:

[] die Stormarnhalle ist für durchreisende Musical-Ensembles wohl noch okay, bietet aber kein Ambiente bei mäßiger Akustik

[] die Peter-Paul-Kirche ist vom Klang her perfekt, aber in der Nutzung eingeschränkt

[] der Rathaussaal liegt zentral ist für Kleinkunst gut geeignet, stilvoll, hat aber eine schlechte Akustik und ist miserabel gegen Lärm von außen abgeschirmt.

Fazit: Den optimalen – oder sei es auch nur einen guten – Spielort gibt es in Bad Oldesloe derzeit nicht. Klaus Kuhlke von der Oldesloer Bühne erhob deshalb die Forderung nach einem regelrechten Kulturzentrum, ein ganzes Areal für Kulturschaffende. Das hätte in seinen Augen den Vorteil, dass es so ganz nebenbei auch als Anlaufstelle und Knotenpunkt für eine bessere Vernetzung der einzelnen Gruppen dienen könnte. Denn bislang fehlt es komplett an Absprachen und Erfahrungsaustausch zwischen den Vereinen, ganz zu schweigen von einem gemeinsam genutzten Materialpool.

An das Amtsgericht soll ein Saal angebaut werden – so die Stadt denn den Zuschlag für das Gebäude erhält. Zentrale Forderung der „Kulturvertreter“ im Rahmen des ISEK-Arbeitskreises ist in diesem Zusammenhang „Flexibilität“. Der Zuschauerraum muss durch Trennwände in der Größe variabel sein und die Akustik sollte sich von Sprache auf Musik „umstellen“ lassen. Wenn bezahlbar, wäre auch eine bei Bedarf ausfahrbare aufsteigende Bestuhlung wünschenswert. Eventuell – aber vermutlich eher unrealistisch – ein absenkbarer Orchestergraben.

Kämmerin Mandy Treetzen, die das Projekt Amtsgericht federführend betreut, kündigte einen öffentlichen Termin mit den Kulturschaffenden an. Ende August sollen die Anforderungen an den Saal und seine Nutzungsmöglichkeiten diskutiert werden. Die Idee wurde von allen Vertretern grundsätzlich begrüßt, der Termin stieß aber wegen der Ferien auf Kritik.

Andreas olbertz

Fünf Jahre Bella Donna Haus in Bad Oldesloe

Bella Donna-Haus

Stormarner Tageblatt vom 4. August 2008

Fünf Jahre Bella Donna Haus in Bad Oldesloe

„Wir waren schon etwas verrückt.“ Bärbel Nemitz schmunzelt. Etwas versonnen blickt sie zurück. Fast scheint es, als könne sie es selber kaum fassen: Das Bella Donna Haus wird fünf Jahre alt.

Bad Oldesloe/ol

– Der Start war alles andere als einfach. „Es fing mit einer Idee vor mehr als 20 Jahren an“, erinnert sich die zweite Vorsitzende des Bella Donna Vereins: „Es hieß immer: Wir müssten mal … wir müssten … ja gut, macht mal.“ So mehr oder weniger unkonkret ging es die ersten zehn Jahre. „Dann haben wir Frauen gesucht, die Lust haben, an der Idee weiter zu spinnen“, erzählt Bärbel Nemitz. Vor zehn Jahren konnte endlich der Trägerverein gegründet werden.

Nur ein Prozent des Weltbesitzes ist in Frauenhand. „Das fanden wir ein bisschen wenig“, beschreibt sie die Motivation der Frauen: „Wir wollen für die positiven weiblichen Anteile von Fürsorge, Achtsamkeit, Selbstbestimmung und Füreinander einstehen und sie voran bringen.“ Aber die Besitzzahlen in Deutschland sehen garantiert anders aus, oder? „Naja, bestimmt“, sagt Bärbel Nemitz, „aber versuchen sie hier doch mal eine Wohnung oder einen Laden zu mieten. Da werden sie es nicht mit einer Frau zu tun haben.“ Darüber hinaus versteht der Verein das Haus in Bad Oldesloe als ein sichtbares Stück gelebter Frauenpolitik.

Der Verein nahm seine Arbeit auf. Konzept schreiben, Objekte aussuchen, Geldgeber auftreiben, zukünftige Mieterinnen ins Boot holen – und dann schien der Durchbruch ganz nah. Am Pferdemarkt wollte ein Investor das Mühlengelände umgestalten. Bärbel Nemitz strahlt: „Der wollte uns im Boot haben, da hatten wir es fast geschaft.“ Doch der Investor sprang ab, der neue wollte von Bella Donna nichts wissen, und der Verein stand 2001 plötzlich wieder bei Null. „Hören wir auf, oder machen wir weiter? Die Mehrheit sagte: Die Idee ist so gut, die muss weiter verfolgt werden.“

Also machten die Frauen weiter. Und spürten das Gebäude in der Bahnhofstraße auf. Ein ehemaliges Autohaus, dass bereits zwei Jahre leer stand. „Ein hoher Direktkredit, zinslos und unbefristet, von einer Familie, die uns sehr wohl gesonnen ist, versetzte uns in die Lage, das Gebäude zu kaufen.“ Die Lübecker Architektin Marianne Herion entwickelte die Umbaupläne. Bärbel Nemitz: „Wir haben die Ärmel hoch gekrempelt und neun Monate lang geschuftet. Wie bei einem Baby. Aus einem hässlichen Entlein ist ein Schwan geworden.“ Am 23. August 2003 wurde die Einweihung gefeiert.

Nach fünf Jahren gibt es für die stellvertretende Vorsitzende keine Zweifel: „Das Konzept geht auf – auch die Refinanzierung.“ Bis auf einen Laden seien alle Mieterinnen der ersten Stunde noch an Bord. Einzig das Restaurant – Bellas Kochsalon – bereitet Sorgen. „Als einziges Objekt im Haus hätten wir dafür gerne Fördermittel gehabt. Die sind uns nicht bewilligt worden“, bedauert die Gründungsfrau. Das Integrationsprojekt musste wieder eingestellt werden. „Wir waren einfach ausgepowert, weil wir nebenbei den Kochsalon auch noch gemacht haben. Das Abendgeschäft konnten wir nicht mitnehmen, weil wir dafür keine Leute hatten“, so Nemitz. Der Verein ist auf der Suche nach einer Pächterin.

Am 23. August wird Geburtstag gefeiert – und was für einer. Zurzeit läuft im Bella Donna Haus eine Ausstellung mit sehr unterschiedlichen Arbeiten von Künstlern, die bereits im Bella Donna Haus ausgestellt haben, die das Haus unterstützen wollen oder von denen Arbeiten gestiftet wurden. Von Anna Anderson über Klaus W. Hasenblieber, Walther Kunau bis zu Edith Scholz-Ziegenfuß reicht das Spektrum. Die Arbeiten – Fotos, Gemälde, Radierungen – werden am Sonnabend, 23. August, ab 17 Uhr versteigert. Höhepunkt der Auktion dürften sicherlich Originale von Horst Janssen sein, die Silke Streckmann dem Bella Donna Haus gespendet hat.

Andreas Olbertz

Anke Kleesiek, Claudia Loose und Bärbel Nemitz mit Kunstwerken

Stormarner Wochenschau

Stormarner Tageblatt vom 2. August 2008

Von Müttern, Bikern und Bürgermeistern

Etwas verkalkuliert

Rolf Blase und Andreas Olbertz

Betreuung von Kindern unter drei Jahren – ein unerfreuliches Thema. Man kann es drehen oder wenden wie mal will: Es bleibt ein erheblicher Kopfschüttelfaktor. Warum gibt es beispielsweise so wenig Krippenplätze? Weil deren Einrichtung so teuer ist. Und warum ist die so teuer? Weil der Gesetzgeber so hohe Auflagen macht. Für die Eltern ist die Krippe aber günstig – wegen der Subventionen. Tagesmütter werden sehr viel weniger gefördert und sind deshalb teurer. In der Endabrechnung aber nicht, weil Eltern dort weniger Stunden bezahlen – nämlich nur die, die sie tatsächlich brauchen, und nicht für die Öffnungszeiten einer Krippe. Und wer einen Platz während der Nachtschicht sucht, wird den kaum in Stormarn finden. Und wenn überhaupt, dann allenfalls bei einer Tagesmutter. Damit zukünftig mehr Leute einen Platz abbekommen, organisiert Bad Oldesloe Gleichstellungsbeauftragte Marion Gurlit neuerdings Ausbildungskurse für Tagesmütter in der Kreisstadt. Sehr schön. Aber es hat sich auch gleich einer zu Wort gemeldet und auf die gravierenden Unterschiede in der Ausbildung von Tagespflegepersonen und Erzieherinnen in Krippen hingewiesen. Marion Gurlit und andere lässt diese Kritik kalt. Sie sorge nur für ein Angebot. Jeder müsse für sich selber entscheiden, ob er das annehmen wolle. Absolut richtig – eigentlich. Nur, solange ein großes Defizit an qualifizierten Plätzen herrscht, werden viele Eltern aus schierer Not nach fast jedem Strohhalm greifen und nicht lange über vielleicht fehlende Qualifikation diskutieren. Da liegt doch das Übel. Eine echte, fruchtbare Konkurrenz kann sich erst entwickeln, wenn Eltern wirklich die Wahl haben.

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Unser Bürgermeister – da sagt er endlich mal was zum Thema Zukunft des Amtsgerichts und es ist doch nicht richtig. Inhaltlich wohl schon, aber formal nicht, behaupten jedenfalls alle Fraktionen. Und wenn die sich mal einig sind – das will was heißen! Damit hat sich Tassilo von Bary nicht zum ersten Mal unbeliebt gemacht. Bereits beim Nachtragshaushalt hatte er munter drauf los geredet, wofür die zusätzlichen Millionen verwendet werden sollten. Nur: Er hat das aber gar nicht zu entscheiden. Das ist Sache der Stadtverordneten. Jetzt wieder: Er erläutert, welche Institution wann wohin zieht, träumt bereits von einem Eröffnungstermin ... Die Fraktionssprecher gucken verdutzt aus der Wäsche und beeilen sich klarzustellen, dass immer noch sie es sind, die die Beschlüsse fassen und die Gelder bewilligen müssen. Das sei, da sind sich auch alle ziemlich einig, bislang nicht geschehen. Ergo sei noch alles offen.

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Wirklich gefallen hatte es den Stormarner Politikern nicht, dass die Zentrale der neuen gemeinsamen Abfallwirtschaftsgesellschaft mit dem Herzogtum Lauenburg in den Nachbarkreis sollte. Aber eine Kosten-Vergleichsrechnung ließ ihnen keine andere Wahl. Drei Millionen Euro könnten bis 2014 gespart werden. Eine Million Euro sollte der Umbau eines ehemaligen Bundeswehrgebäudes in Lanken hinter der A 24 kosten. Eine Milchmädchenrechnung: Durch die allgemeine Preissteigerung und übersehene Gebäudeschäden drohte es plötzlich, doppelt so teuer zu werden. Zwar zog man die Notbremse und strich einiges bei der Ausstattung, aber 600 000 Euro Mehrkosten sind auch kein Pappenstiel. Kann man nur hoffen, dass die anderen Kalkulationen der AWSH wirklichkeitsnäher ausfallen.

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Bei 30 Grad in Leder auf dem Motorrad – da kann es auch einem verbeamteten Kradfahrer heiß werden. Drei Wochen waren die Präven-tionspolizisten in Stormarn und dem Kreis Herzogtum Lauenburg unterwegs, um an Treffs mit Bikern über sicheres Fahren und sichere Kleidung zu sprechen. Tageblatt-Karikaturist Götz Wiedenroth hat die Aktion auf seine Art interpretiert – natürlich völlig unrealistisch: Die Polizisten kamen nicht auf alten Boxern, sondern mit schnellen Vierzylinder-Maschinen als Hingucker. Und Biker-Damen fahren im allgemeinen keine Guzzi. Dafür nahmen sie aber besonders gern den Sticker der Aktion für ihre Ehemänner mit: „Komm nicht zu früh ...“

Kulturzentrum Amtsgericht: SPD rüffelt die Verwaltung

Hamburger Abendblatt vom 1. August 2008

Kulturzentrum Amtsgericht: SPD rüffelt die Verwaltung

Bad Oldesloe -

Einig sind sich alle über die Idee, über das richtige Vorgehen gibt es nun aber Streit: Soll über den Kauf des Amtsgerichts und dessen Umbau zum Kulturzentrum öffentlich diskutiert werden? Oder hilft Zurückhaltung dem Projekt? "Seit Monaten werden die Pläne für ein Kultur- und Bildungszentrum hinter verschlossenen Türen verhandelt - allen unseren Bemühungen zum Trotz, die Pläne öffentlich zu diskutieren", sagt SPD-Fraktionschef Hagen von Massenbach. Jetzt kommentiere der Bürgermeister detailliert die Planungen in der Presse, ohne seine Äußerungen vorher mit den Politikern abzustimmen. "Vertrauensvolle Zusammenarbeit sieht anders aus", sagt Hagen von Massenbach. Er sei für den Kauf, verstehe aber nicht, weshalb die Politik zur Geheimhaltung vergattere, statt eine Diskussion mit allen betroffenen Institutionen und Vereinen zu führen. Ähnlich unzufrieden sind auch CDU, Grüne und FDP. Sie möchten bei Thema der Stadtentwicklung stärker beteiligt werden, statt mit fertigen Konzepten konfrontiert zu werden.

Klar wird beim zweiten Hinschauen: Nicht umstritten ist, das Gericht nach dem Auszug der Juriste zu kaufen und daraus ein Zentrum für die Bürger zu machen. Die Politiker formulieren ihr Unbehagen über planerische Alleingänge der Verwaltung.

cv

Der Druck auf Frauen steigt – Tagesmütter fehlen

Petra Niquet und Marion Gurlit

Stormarner Tageblatt vom 1. August 2008

Der Druck auf Frauen steigt – Tagesmütter fehlen

Zwei Jahre hat Marion Gurlit sich bemüht, jetzt hat es endlich geklappt: In Bad Oldesloe läuft der erste Ausbildungskurs für angehende Tagesmütter.

Bad Oldesloe/ol

– Streng genommen werden natürlich nicht nur Mütter ausgebildet. Deshalb heißt es offiziell auch „Tagespflegepersonen“ – aber in Oldesloe sind die 16 Lehrgangsteilnehmer ausschließlich weiblich. „Wir hatten die Maßnahme relativ schnell voll“, freut sich Marion Gurlit. Die Hälfte der Teilnehmerinnen kommt aus Bad Oldesloe, der Rest aus den umliegenden Orten.

Bislang laufen entsprechende Kurse über den Verein „Tagesmütter und -väter“ und die Ahrensburger Volkshochschule. Marion Gurlit ist es nun gelungen, einen entsprechenden Ausbildungsgang in die Kreisstadt zu holen – seit zehn Jahren mal wieder. Der Kurs kostet den Teilnehmern dank Zuschüssen von Kreis und Land nur 195 Euro.

Noch bis Februar kommenden Jahres erhalten die Frauen 160 Stunden Unterricht. Nach den Sommerferien stehen beispielsweise Medienpädagogik, Spielorte in der Natur oder Kinderkrankheiten auf dem Stundenplan. Nur wer regelmäßig am Unterricht teilnimmt und am Ende eine Prüfung besteht, erhält das Zertifikat des Bundesverbands der Tagesmütter und -väter.

Tagesmütter kommen überwiegend bei kleinen, unter dreijährigen Kindern zum Einsatz. „Für die Altersgruppe haben wir eindeutig zu wenig Plätze“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte: „Es sind unter zehn Prozent.“ Die Stadt verfügt zurzeit über zwölf qualifizierte Tagespflegepersonen, zehn Krippenplätze bei den Stoppelhopsern und 20 Krippen ähnliche Plätze in der Oase. Weitere Krippenplätze haben die Stadtverordneten bereits beschlossen, aber wegen juristischer Probleme kann noch nicht mit den nötigen Umbauten begonnen werden.

Marion Grulit: „Der Druck auf Frauen steigt. Entweder sie kommen schnell wieder zurück oder der Arbeitsplatz ist weg.“ Deshalb geht sie von dem immer wieder beschworenen Szenario, dass der Region die Fachkräfte ausgehen könnten, von einem weiter steigenden Bedarf aus. Die Gleichstellungsbeauftragte weiß von Fällen zu berichten, dass Eltern ihre Kinder mit nach Hamburg nehmen, weil dort ein besseres Betreuungsangebot gemacht werde.

Kommunen müssen in den kommenden Jahre ihr Angebot an Plätze für unter dreijährige Kinder weiter ausbauen, bis hin zum Rechtsanspruch – so sieht es eine gesetzliche Regelung vor. 70 Prozent der Plätze sollten über Krippen abgedeckt werden, der Rest über Tagespflege.

Petra Niquet vertritt die 120 organisierten Tagespflegepersonen im Kreis. Sie ist der Überzeugung, dass über Tagespflege eine wesentlich individuellere Betreuung gewährleistet werden kann. Als Stichworte nennt die Kreisvorsitzende beispielsweise Schichtarbeit oder Jobs in den besonders ungünstigen Arbeitszeiten. Krippen müssen da oftmals passen. Wochenenddienste können ebenfalls in der Regel nur über Tagesmütter abgedeckt werden. Niquet: „Die Kosten halten sich im Rahmen, weil die Eltern nur die wirklich benötigten Stunden bezahlen.“

Allen Vorteilen zum Trotz, regt sich auch erster Widerstand. Peter Stoltenberg (SPD) hatte unlängst in der Sitzung des Oldesloer Sozialausschusses auf das Qualifikationsgefälle zwischen Tagesmüttern und Erzieherinnen hingewiesen – 160 Stunden gegenüber einem mehrjährigen quasi Studium. Er fragte deshalb kritisch an, ob Politik und Stadt wirklich auf diesen Weg setzen wollten.

Das ficht Marion Gurluit nicht an: „Ich denke, dass Tagespflege für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sinnvoll ist.“ Sie wolle lediglich ein Angebot schaffen. Jeder müsste selber entscheiden, ob er das haben wolle.

Andreas Olbertz

Bildung und Kultur im Amtsgericht ? Politik skeptisch

Historisches Rathaus und Amtsgericht
  • Hagen von Massenbach
  • Heinz Drenkberg

Stormarner Tageblatt vom 30. Juli 2008

Bildung und Kultur im Amtsgericht ? Politik skeptisch

Hagen von Massenbach spricht von „der großen Sommerveräppelung“. Politik werde zum Schweigen verdonnert, aber der Bürgermeister dürfe seine Pläne für das Amtsgericht verbreiten.

Bad Oldesloe/ol

– „Ich träume ja von einem Einweihungstermin am 10. 10.2010. Aber das kriegen wir nicht hin“, schwadroniert Bürgermeister Tassilo von Bary frei von der Leber weg. Gemeint sind die Pläne für Amtsgericht und historisches Rathaus mit VHS und Heimatmuseum. Realistisch sei vielmehr eine Einweihung im Frühjahr 2011.

Doch ob es so weit überhaupt kommt, ist fraglich. Fest steht: Das Amtsgericht schließt im April kommenden Jahres. Die Stadt will sich dieses Filetgrundstück sichern und hat für die Immobilie ein verbindliches Kaufangebot unterbreitet. Um auf Nummer sicher zu gehen, wurde zusätzlich eine Satzung für ein Vorkaufsrecht erlassen. Selbst wenn das Land also einem anderen Bieter den Zuschlag erteilen würde, hätte die Stadt die Möglichkeit, gleich zu ziehen. Es könnte also nur noch am Preis scheitern. Ob es für das Amtsgericht noch weitere Bieter gibt, kann und will von Bary nicht sagen. Aus Politik-Kreisen sickerte durch, dass es angeblich drei Interessenten geben soll. Trotzdem ist Bauamts-Chef Rolf Steinhoerster zuversichtlich: „Wir sind guten Mutes, dass wir Eigentümer des Amtsgerichts werden.“ Die Verwaltung rechnet mit einer Entscheidung im August. Finanziell muss sich die Stadt in dem Punkt keine großen Gedanken machen, denn der Ankauf wird vom Land gefördert – das Geld geht aus der einen Tasche raus und in die andere wandert ein Scheck aus Kiel.

Bereits im Vorgriff auf eine vermutlich positive Verkaufs-Entscheidung haben die Stadtverordneten die Verwaltung einstimmig beauftragt, in Kiel Fördermittel für ein „Kultur- und Bildungszentrum“ einzuwerben. „Da wird selbstverständlich auch ein Saalanbau beantragt“, erklärt Rolf Steinhoerster: „Das ist doch mit der Politik schon abgestimmt.“ Der sei die Voraussetzung, um überhaupt Gelder zu bekommen.

Kultur- und Bildungszentrum – das ist ein umfangreicher Verschiebebahnhof. Wenn die Juristen aus dem Gebäude raus sind, kann der Umbau beginnen. Anschließend könnte die Stadtjugendpflege vom Rathaus ins Gericht ziehen. Das Standesamt kommt ins Bürgerbüro. Dann wäre das Rathaus frei und müsste umgebaut werden, damit dort das Heimatmuseum eine neue Bleibe findet. Wenn das aus der Bücherei raus ist, hätte die Platz für Expansionspläne. Und zu guter Letzt soll die Volkshochschule von der Königstraße ins Gerichtsgebäude ziehen. Tassilo von Bary: „Es sind verschiedene Interessen, die wir unter einen Hut bringen müssen.“ Von fertigen Konzepten will der Verwaltungs-Chef zumindest offiziell nichts wissen: „Es gibt erste Ideen. Wir müssen mal bekakeln, wie das genutzt werden soll.“

Langsam wird die Zeit für eine öffentliche Diskussion allerdings eng. „Das wird ein Impulsprojekt im Rahmen des Stadtumbaus. Die Anträge müssen bis 1. Oktober gestellt sein“, sagt der Bauamtsleiter. Einen direkten Architektenwettbewerb solle es nicht geben, aber die Stadt werde verschiedene Büros auffordern, „eine Idee abzugeben“, so Steinhoerster.

Politik ist, vorsichtig formuliert, verstimmt. „Wir bekommen eine Geheimhaltungsakte nach der nächsten auf den Tisch, aber der Bürgermeister darf da offen drüber reden? Ich finde das den Hammer“, mokiert sich Hagen von Massenbach, SPD-Fraktionsvorsitzender und Chef des zuständigen Hauptausschusses. „Ich halte das Projekt für gut, bin aber enttäuscht, welche Bahnen das momentan zieht. Vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Politik und Verwaltung sieht anders aus“, kritisiert er. Und damit steht der Sozialdemokrat nicht alleine da. Aus allen anderen Fraktionen kommen gleichlautende Aussagen. Karl-Reinhold Wurch, FDP-Fraktionsvorsitzender: „Fakten schaffen – ich vermute, dass das der Grund ist, warum der Bürgermeister damit jetzt an die Öffentlichkeit geht.“ Das Heimatmuseum im Rathaus sieht er skeptisch: „Das stelle ich mir etwas publikums- und öffentlichkeitswirksameres vor. Aber da fehlt mir noch die zündende Idee. Wir werden uns die Planung jedenfalls sehr kritisch ansehen.“

Der Grüne Willi Janson schlägt in die selbe Kerbe: „Die Verwaltung hat eigene Ideen und ist in der Sommerpause vorgeprescht. Aber das beruht nicht auf beschlossenen Konzepten. Was Verwaltung vorstellt, muss nicht identisch mit dem sein, was Politik will. Wir wollen das alles transparent und öffentlich aufgearbeitet haben.“ Klare Worte.

Selbst CDU-Sprecher Heinz Drenkberg ist unwirsch: „Die Verwaltung klammert die Politik ein bisschen aus. Es gibt zwar einen Grundsatzbeschluss, aber die ganzen Wenns und Abers sind noch nicht ausdiskutiert.“ Die Christdemokraten finden die Idee reizvoll, ihre Zustimmung ist aber von den Kosten abhängig. Drenkberg: „Es ergibt doch keinen Sinn, jetzt wieder neue Schulden aufzuhäufen.“

Andreas Olbertz

Rathaus soll Museum werden

Hamburger Abendblatt vom 28. Juli 2008

Stadtplanung: Oldesloe will Amtsgericht kaufen und als Kulturzentrum nutzen

Rathaus soll Museum werden

Nach Schließung des Gerichtes im April 2009 soll ein Großer Veranstaltungssaal an das Gebäude angebaut werden

Von Jörg Riefenstahl und Petra Sonntag

Bad Oldesloe -

Das Heimatmuseum in Bad Oldesloe bekommt einen prominenten Platz: Es zieht - sofern es nach Bürgermeister Tassilo von Bary geht - ins historische Rathaus am Markt. Der Verwaltungschef will das Museum für Vor- und Frühgeschichte, das unter Fachleuten über die schleswig-holsteinischen Landesgrenzen hinaus einen hervorragenden Ruf genießt, stärker ins Blickfeld der Menschen rücken. Damit das klappt, hat er den geplanten Umzug zur Chefsache erklärt.

"Wir wollen das Heimatmuseum aus seinem Dornröschenschlaf wecken und dorthin bringen, wo es die Menschen wahrnehmen: ins Zentrum unserer Stadt. Da gehört es hin!", sagt der Bürgermeister.

Bisher versteckt sich das Museum in Räumen im Obergeschoss der Oldesloer Stadtbücherei an der Königstraße. Besucher betreten es durch einen Seiteneingang. "Das ist unwürdig und inakzeptabel", meint von Bary. Er ist fest davon überzeugt, dass sich die wertvolle Sammlung im Rathaus viel besser präsentieren lässt. Und die Stadtbücherei erhielte mit den alten Räumen des Museums auf einen Schlag genug Platz.

Gemeinsam mit den ehrenamtlichen Betreibern des Museums ist der Verwaltungschef dabei, ein Konzept für den neuen Standort zu erarbeiten. Voraussetzung für Barys Idee ist, dass die Stadt das Amtsgerichtsgebäude erwirbt. Dort soll ein Bildungs- und Kulturzentrum entstehen. Die Stadtverordneten haben dem Plan zugestimmt. "Wir haben ein Kaufgebot gestellt", sagt von Bary. Die Stadt hat das Vorkaufsrecht für das Gebäude. Das Land wolle den Ankauf finanziell fördern und habe der Stadt zudem Geld für den Umbau in Aussicht gestellt. Den Zuschlag für das Haus am Rande des Trave-Stadtarms, knapp 50 Meter hinter dem Historischen Rathaus, erwarten Politiker und Verwaltung in den kommenden Tagen.

Und so sieht der Zeitplan aus: Sobald das Gericht am 1. April kommenden Jahres geschlossen hat, soll das Gebäude umgebaut werden. Wenn das geschehen ist, kann die städtische Jugendarbeit das Rathaus räumen und ins ehemalige Amtsgerichtsgebäude umziehen. Auch die Volkshochschule, die Musikschule und weitere kulturelle Initiativen sollen in dem neuen Bildungs- und Kulturzentrum untergebracht werden. Das Standesamt soll dann ins Bürgerbüro im Verwaltungsgebäude am Markt umziehen. Lediglich das Trauzimmer soll im historischen Rathaus bleiben.

Ganz neu bauen möchte die Stadt einen Veranstaltungssaal mit rund 250 Plätzen. "Er soll hinten an das Gerichtsgebäude angefügt werden", sagt Rolf Steinhoerster, der Chef des städtischen Bauamts. An dieser Stelle erstrecken sich jetzt Stellplätze für Autos bis an die Sohlgleite der Trave. Mit dem Anbau eines Saales müsste die Festhalle an der Olivet-Allee nicht mit Millionenaufwand modernisiert werden. Sie würde zur reinen Aula der Integrierten Gesamtschule.

Mit dem Ankauf des Amtsgerichtes wäre der Weg für das Museum im Rathaus voraussichtlich Ende 2010 frei. In dem historischen Gemäuer habe das Museum jede Menge Platz und komme im Rathaussaal und darüber hervorragend zur Geltung, meint von Bary. Er wünscht sich außerdem längere Öffnungszeiten für das Museum.

Pastor Diethelm Schark, Vorsitzender des neuen "Fördervereins Heimatmuseum Bad Oldesloe", freut sich über die Vorteile des Hauses wie den Fahrstuhl und mehr Wände als Ausstellungsfläche. Bei einem Umzug müsse man aber nicht nur die räumlichen Gegebenheiten sehen, sondern auch ans Marketing denken.
 

Oldesloe plant Umzug des Heimatmuseums ins Rathaus

"Bisher profitierte das Heimatmuseum von der Nähe zur Stadtschule und von der Laufkundschaft durch die Stadtbibliothek. Der Weg ins Rathaus wird für manchen Besucher weiter. Da muss geworben werden", sagt Friedhelm Schark.

Der frühere Kreisveterinär Klaus Christoph Baumgarten leitet das Museum seit 1978 ehrenamtlich. Er hat sich um die Vor- und Frühgeschichtliche Sammlung und ihre öffentliche Darstellung besonders verdient gemacht. Im vergangenen Jahr stieg die Besucherzahl um ein Drittel auf 2500 an. Museumschef Baumgarten: "Immer mehr Schulklassen schauen sich bei uns um." Gemeinsam mit seinem Team und dem neu gegründeten Förderverein will er im Austausch mit der Stadt das Optimum fürs Heimatmuseum erreichen. Der Zuspruch in Stormarns Kreisstadt dafür wächst. Im Mai waren es nur ein Dutzend Oldesloer, die sich für das Schicksal des Museums engagierten. Heute zählt der Anfang Juli gegründete Förderverein schon 35 Mitglieder, Tendenz steigend.

JR, hpps

Stormarner Wochenschau

Stormarner Tageblatt vom 26. Juli 2008

Funken, leiten, lenken
Es bleibt im Verborgenen

Rolf Blase und Andreas Olbertz

Das ist doch was: Bücher aufs Lesegerät legen, Ausweis zücken, und schon ist die Ausleihe registriert. Die Rückgabe erfolgt genau so einfach – wie beim Leergutautomaten im Discounter. RFID-Funkchips machen es möglich. Ganz ohne Personal. Kein Supermarkt kommt mehr ohne aus, Stormarns Mülltonnen sind auch schon „verwanzt“, und wenn es nach der Verwaltung ginge, käme als nächstes die Bücherei dran. Da könnte man ja mal drüber diskutieren. Theoretisch schon, aber da wird nichts mehr draus. Ein kleiner Geheimzirkel hat das Projekt bereits beerdigt. CDU, FDP und Grüne saßen mit Vertretern der Verwaltung zusammen. Die SPD hat dankend abgelehnt: „Das gehört in den Ausschuss.“

Da wird das Thema aber nicht landen, weil die, die dabei waren, alle den Daumen nach unten gedreht haben. 170 000 Euro würde die Umrüstung kosten. In fünf Jahren soll sie sich amortisiert haben. Vor- und Nachteile könnten abgewogen werden, aber denkste. Die Grünen befürchten Stellenstreichungen, und sind per se dagegen. CDU und FDP haben rausgefunden, dass man für die RFID-Einführung nicht nur Geld, sondern auch Platz bräuchte. Den hat die Bücherei allerdings nicht. Das würde also zu Lasten des Heimatmuseums gehen: Rausschmiss durch die Hintertür. Fein eingefädelt, aber leider aufgeflogen.

Damit ist die Geheimakte RFID wieder geschlossen. So werden also möglicherweise zukunftsweisende Projekte in Oldesloe an allen demokratisch legitimierten Gremien vorbei behandelt. Und da wundert sich noch jemand über Politikverdrossenheit?

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Und noch so eine Mauschelei ist diese Woche ans Licht gekommen. Hartmut Kühn, der Rektor der TSS ist krank. Und schwupps sitzt eine neue Rektorin auf seinem Sessel. Sie ist in Moisling über und muss mit einer Stelle versorgt werden. Schön, dass das Ministerium zackig handelt, aber noch schöner wäre gewesen, wenn der Schulleiterwahlausschuss dazu auch sein Votum abgegeben hätte. Schulrätin Katrin Thomas argumentiert mit gleichwertiger Umsetzung. In solchen Fällen gebe es weder Ausschreibung noch Bewerbung, da entscheidet das Ministerium im Alleingang.

Aber ist die Leitung einer kleinen Grund- und Hauptschule mit gut 300 Kindern identisch mit einer Gemeinschaftsschule an der rund 800 Kinder unterrichtet werden? Gefühlsmäßig nicht und gehaltsmäßig auch nicht. Das eine ist A14, das andere mindestens A15. Das würde doch eher nach einer Ausschreibung riechen, wenn die Landesregierung nicht vorgesorgt hätte. Solche Lehrer behalten kurzerhand ihre Besoldungsstufe. Würde Barbara Richter-Conrad als Konrektorin an ihrer fusionierten Schule bleiben, wäre sie überbezahlt und müsste wieder mehr unterrichten. Kommt sie an die TSS spart das Land eine Gehaltsstufe ein und die Pädagogin bleibt Schulleiterin. So einfach kann’s laufen. Wieder so ein Fall, bei welchem man sich anschließend nicht wundern darf, wenn das Wahlvolk zu der Erkenntnis kommt: Die machen doch eh was ihnen passt.

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Nun ist es also amtlich bestätigt: Oldesloe hat reichlich Kundenparkplätze in der Innenstadt. Nicht direkt vor den Türen der Geschäfte, wie es viele gerne hätten, aber doch in akzeptabler Entfernung. Welche Auswirkungen das hat – unser Zeichner Götz Wiedenroth hat es mal wieder gekonnt-ironisch zu Papier gebracht.

Die Gutachter haben noch etwas heraus gefunden: Die Kunden sind auch bereit, dafür zu bezahlen. Aber gerecht soll es sein und ohne Zeitdruck. Da muss sich doch eine Lösung finden lassen.

Ein anderes Problem ist zwar nicht untersucht worden, muss aber ebenfalls gelöst werden: Wo parken eigentlich die Innenstadtbewohner? Die berichten nämlich von haarsträubenden Zuständen: Um 4 Uhr morgens werden Strafzettel von städtischen Bediensteten verteilt, weil man über Nacht eine Parkbucht am Kirchberg belegt hat. Super. Wehe dem, der abends zu früh nach Hause kommt. Wer nicht bis 18 Uhr ein Ticket löst, wird abkassiert. Auch dieser Komplex trägt zur Attraktivierung der Innenstadt bei.

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Ein zweistündiges juristisches Seminar erlebten die Vertreter von Kreis und Asklepios-Klinik vor dem Lübecker Arbeitsgericht. Um die Frage zu klären, ob Asklepios die vor gut sechs Jahren unterschrieben Verträge mit quasi unbegrenzter Laufzeit nicht doch kündigen darf, hangelte sich Richter Ulf Kortstock nicht nur durch viele Gesetzesbücher, sondern auch durch die Rechtsgeschichte bis zurück ins Römische Reich. Pech, dass der Asklepios-Anwalt ausgerechnet diese Vorlesungen geschwänzt hatte, aber das ganze Verfahren ist so kompliziert und berührt so viele Rechtsbereiche, dass noch nicht einmal klar ist, ob das Arbeits- tatsächlich das zuständige Gericht ist. Kortstock entschied jedenfalls grundsätzlich nach Privatvertragsrecht. Und da kann man eben so einiges vereinbaren, wenn man sich einig ist. In den nächsten Instanzen wird sich Asklepios wohl darauf berufen müssen, dass man 2001 gar nicht wusste, was man da unterschrieb. Oder ist man als Privatunternehmen wirklich zurechnungsfähig, wenn man sich Jahrzehnte an das Goodwill von Gewerkschaft und Betriebsrat und einen Tarifvertrag bindet, den man nie wollte. Aber soll das ein Gericht entschieden?

Mehr Publicity fürs Heimatmuseum

Lübecker Nachrichten vom 25. Juli 2008

Mehr Publicity fürs Heimatmuseum

Den Bekanntheitsgrad des Oldesloer Heimatmuseum wollen Dietmar Schark, Dr. Tamara Thiesen und Henning Peters vom Vorstand des Fördervereins erhöhen.

Bad Oldesloe – Mit Ideen wie Workshops für den HSU-Unterricht und Führungen zu den Themen Steinzeit oder Stadtgeschichte, einer neuen Homepage (www.heimatmuseum-oldesloe.de) und Flyern, die Touristen auf das Oldesloer Heimatmuseum aufmerksam machen, ist ein Förderverein angetreten, „um die Arbeit des Museums nach außen zu transportieren“.

Insbesondere Kinder sollen an die Oldesloer Tradition herangeführt werden. Dazu wird eine verstärkte Zusammenarbeit mit Schulen angeboten. Derzeit profitieren hauptsächlich neugierige Schüler der Stadtschule vom Oldesloer Heimatmuseum. Das Museum hat seinen Zugang vom Hof der ältesten Oldesloer Schule aus, in dessen einstigem Gebäude es untergebracht ist.

Schon seit Jahren bekommt Museumsleiter Dr. Klaus Christoph Baumgarten in den Pausen Besuch von Schülern, denen er gern und geduldig spannende Geschichten aus seinem schier unerschöpflichen Fundus erzählt. Im Nu sitzen sie auf dem Boden, mahlen Getreide mit der Steinmühle oder fragen, welche Bewandtnis es mit uralten Pfeilspitzen, Renntierknochen, der Oldesloer Burg, Handwerksmaterial aus dem Mittelalter oder gar dem eigenen Oldesloer Geld hat. Wann immer er ins Erzählen gerät, bekommt Geschichte Leben.

Der Förderverein sieht seine Aufgabe in der Unterstützung des Museumsteams um Dr. Baumgarten, zu dem unter anderem auch Petra-Maria Schark und Helmut Müller gehören. Das erklärte Vereins-Ziel: „Das Grundkonzept zu erhalten.“

Dies bedeutet unter anderem, den Schwerpunkt des Oldesloer Heimatmuseum bei der Vor- und Frühgeschichte zu belassen. Denn mit dieser Sammlung sei das Museum einmalig. „Die Vor- und Frühgeschichte ist ein Alleinstellungsmerkmal unter den Heimatmuseen“, sagt Kunsthistorikerin Dr. Tamara Thiesen vom Vorstand des neuen Fördervereins. Gemeinsam mit Henning Peters ist sie Stellvertreterin des Vorsitzenden Diethelm Schark. Die Stadtgeschichte hingegen, so sind sich die drei einig, werde in vielen anderen Museen auch vermittelt.

Der erste Vorsitzende Diethelm Schark arbeitet als Pastor in Bad Oldesloe und hat Historie schon lange als Hobby. Unter anderem wohnt er mit seiner Familie im Gemeindehaus am Kirchberg auf historischen Boden der einstigen Oldesloer Burg. Seine Frau gehört zum Mitarbeiterteam im Museum. Schon während des Theologiestudiums habe er „rasend gern Kirchengeschichte gemacht“.

Henning Peters, mit 27 Jahren der Jüngste im Bunde, ist Offizier bei der Bundeswehr und studiert Geschichtswissenschaften in Hamburg. Im Rahmen seines Studiums forschte er im Oldesloer Museum zum Thema „Mittelalter“ und hat sich dort „vom Enthusiasmus der anderen anstecken lassen.“

Dr. Tamara Thiesen ist als freiberufliche Kunsthistorikerin, Kunstsachverständige und Dozentin in der Erwachsenenbildung tätig. Sie wohnt in einem historischen Oldesloer Fachwerkhaus.

Die Idee vom Förderverein hätten Dr. Baumgarten und seine Frau immer mal wieder diskutiert, so Schark. Als dann befürchtet wurde, das Museum könnte räumlich verkleinert werden, kam es zur Gründung. Ein Arbeitskreis aus Mitarbeitern von Stadtverwaltung und Museum prüft jetzt die Idee, das Heimatmuseum ins historische Rathaus umzulagern. Nach Auskunft des Stadtbauamts steht dort eine Nettogeschossfläche von rund 900 Quadratmetern zur Verfügung. Derzeit sind es 420 Quadratmeter. In den Zahlen sind Nebenräume, Flure und Dachgeschosse enthalten, die nicht aus Ausstellungsflächen genutzt werden können.

Von Susanna Fofana

Kühn nicht mehr Rektor der TSS

Rektor Hartmut Kühn

Stormarner Tageblatt vom 24. Juli 2008

Kühn nicht mehr Rektor der TSS

Sommerferien – da passiert an den Schulen nicht viel. Doch hinter den Kulissen wird kräftig gedreht und geschoben – Hartmut Kühn ist offensichtlich nicht mehr Rektor der Theodor-Storm-Schule.

Bad Oldesloe/ol

– Birgit Jakubeit ist eine von denen, die es als Schul-Elternbeiratsvorsitzende wissen sollte: „Offiziell weiß ja keiner was. Ich habe nur gehört, dass er krank sein soll.“ Auch in der Politik ist die Ratlosigkeit groß. Unisono immer diese Antwort: „Das kann nicht sein, denn die Stelle müsste ausgeschrieben werden. Die Besetzung wäre dann Sache des Schulleiterwahl-ausschusses – und der hat definitiv nicht getagt.“

Im Kieler Bildungsministerium weiß man natürlich, was Sache ist, sagt aber fast nichts und zündet stattdessen lieber Nebelkerzen. „Das ist eine Personalangelegenheit, die nicht ganz unheikel ist. Deshalb sagen wir dazu nur einen Satz: Der derzeitige Schulleiter ist erkrankt, das Ministerium sorgt dafür, dass der Schulbetrieb zum neuen Schuljahr reibungslos beginnen kann“, teilt Pressesprecherin Patricia Zimnik mit. Ende der Durchsage. Sie will weder dementieren noch bestätigen, dass es eine neue Schulleiterin gibt, und schon gar nicht näher erläutern, wie denn das Ministerium den reibungslosen Start sicher stellen will.

Der Beginn des neuen Schuljahrs wird ein Wendepunkt in der TSS-Geschichte, denn die ist dann nicht mehr Real-, sondern Gemeinschaftsschule. Der „Realschulzweig“ läuft aus. Hartmut Kühn war ein vehementer Kämpfer für eine zügige Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule – auch über Widerstände im Kollegium hinweg.

Elternsprecherin Birgit Jakubeit: „Die Vorbereitung ist gut gelaufen. Jetzt muss man sehen, ob es so klappt wie in den Gremien erhofft. Es herrscht Aufbruchstimmung.“

Angeblich sollen sich Eltern in Kiel über Hartmut Kühn wegen häufigen Unterrichtsausfalls an der Theodor-Storm-Schule beschwert haben. Das kann Birgit Jakubeit nicht bestätigen: „Wenn das so sein sollte, ist es nicht über den Schul-Elternbeirat gelaufen.“ Sie hat eine andere Vermutung: „Die Umstellung der Schule und obendrein noch die Vertretung als Schulrat – zwei anspruchsvolle Jobs. Ich denke, das wird nicht ohne gewesen sein.“

Schulrätin Katrin Thomas bringt Licht in das Dunkel. Auf Nachfrage bestätigte sie gestern, dass Barbara Richter-Conrad, bislang Rektorin der Brüder-Grimm-Schule in Lübeck-Moisling, ab August die Schulleitung übernehmen wird. Diese Grund- und Hauptschule fusioniert nämlich mit der benachbarten Realschule. „Ich kenne sie und weiß, dass sie eine hochqualifizierte Kollegin ist“, sagt Schulrätin Thomas.

Ausnahmen im Schulgesetz und das Beamtenrecht machen es möglich, dass die Stelle am Schulleiterwahlausschuss vorbei besetzt wird. Thomas: „Man kann sich nur auf höhere Stellen bewerben.“ Beamten bekommen ihre Posten auf Lebenszeit und müssten ihrer Qualifikation entsprechend beschäftigt werden. „Im Moment sind Einsetzungen ein übliches Verfahren. Die finden überall im Land statt“, erklärt die Schulrätin.

Wenn der Gesundheitszustand von Hartmut Kühn es zulasse, so Katrin Thomas, sei im nächsten Halbjahr eine würdevolle Verabschiedung geplant.

Andreas Olbertz

„Kein elementares Parkplatzproblem!“

Ilona Rehme

Stormarner Tageblatt vom 23. Juli 2008

„Kein elementares Parkplatzproblem!“

Kunden sind mit Stellflächenangebot durchweg zufrieden und auch bereit, dafür zu zahlen

Bad Oldesloe/ol

– Innenstadt-Attraktivierung – das war in der Vergangenheit die lautstarke Forderung aus der Kaufmannschaft nach kostenlosen Parkplätze. Doch mit der Mär, dass dies ein Allheilmittel sei, dürfte nun Schluss sein. Gutachterin Katharina Staiger präsentierte in der Sitzung des Wirtschafts-Arbeitskreises aktuelle Zahlen aus ihrer Untersuchung des Einzelhandels in Oldesloe.

Rein rechnerisch müsste die Stadt 630 Parkplätze für Einzelhandelskunden vorhalten. Es gibt aber 2000. Logische Folgerung der Expertin: „Sie haben kein elementares Parkplatzproblem!“ Verkehrsgutachter Jens Rümenapp untermauerte diese Aussage. Ohne Umwege fahren zu müssen, sei es in Oldesloe möglich, einen Parkplatz zu finden. Die stärkste Auslastung hätte die teuersten Flächen in der Innenstadt.

Aber es gibt auch Probleme. Auf der Suche nach einem Stellplatz ließen viele Autofahrer freie Flächen unbeachtet, weil sie hofften, einen Parkplatz zu finden, der ein paar Meter dichter am Zentrum sei. Die Bahnhofstraße ist Einbahnstraße – wer merkt, dass keine leere Buchten mehr kommen, hat ein Problem.„Damit produzieren sie erheblichen Park--Suchverkehr“, bemängelte Rümenapp. Und noch etwas bemängelte der Verkehrsexperte: „Die Erreichbarkeit der Innenstadt mit Bus oder Rad ist dramatisch schlechter. Da besteht erheblicher Handlungsbedarf.“

Kaufhaus-Chef Michael Hähnchen sprach ein anderes Problem an: Wer aus Richtung Lübecker Straße kommt, kann nicht nach links auf den Exer abbiegen. Bauamts-Chef Rolf Steinhoerster machte deutlich, dass die Stadt in dem Bereich keine Einflussmöglichkeiten habe. Er sagte aber zu, einen neuen Vorstoß beim Straßenbauamt starten zu wollen.

Auf Kritik stößt immer wieder die Art, wie die Parkgebühren abgerechnet werden. Entweder ist man zeitlich unter Druck oder bucht absichtlich üppig und lässt die ungenutzte Zeit verfallen. Ein extrem hoher Anteil an Auswärtigen kommt für einen Café- oder Restaurantbesuch nach Oldesloe, erst danach wurde Einkaufen genannt. Arztbesuche rangieren auf Platz drei.

Eine „gerechtere“ Abrechnung muss her. Eine Variante könnte die Bezahlung der Parkgebühren per Handy sein. Auch wenn viele ältere Kunden das vermutlich nicht nutzen werden, sei es ein Instrument, das positiv vermarktet werden könne.

Der Einzelhandel in der Innenstadt hat aber weitere Probleme. Wie Gutachterin Staiger ausführte, wandern immer mehr Kunden nach Bargteheide, Lübeck oder Hamburg ab. Spielwaren, Bekleidung, Elektroartikel kaufen nur noch ein Drittel der Oldesloer vor Ort. Auswärtige kommen gar nicht erst in die Stadt. Michael Hähnchen hat die Ursache längst ausgemacht: Mediamarkt im Lübeck. Der habe Magnetwirkung, und im City Center würden dann auch gleich alle anderen Einkäufe erledigt. Abhilfe könnte ein namhafter Elektromarkt für die Innenstadt schaffen.

Katharina Staiger hat da so ihre Zweifel ob es gelingen könnte, beispielsweise Mediamarkt nach Oldesloe zu holen. 3 000 Quadratmeter Verkaufsfläche, 18 bis 20 Millionen Euro Umsatz und ein Einzugsgebiet von 70 000 Menschen – das könne Oldesloe wohl nicht bieten. Ob das für die Innenstadt sinnvoll wäre, bezweifelte sie.

Ein guter Lebensmittelmarkt – ein so genannter Vollversorger – könnte ebenfalls Anziehungskraft ausüben. Da Oldesloe aber in dem Segment fast überversorgt ist, würde eine Neuansiedlung einen Verdrängungswettbewerb auslösen.

Zu einem Schlüsselthema könnten einheitliche Öffnungszeiten werden. Ilona Rehme treibt es zur Verzweiflung: „Wenn ich die Reaktionen der Kollegen höre, kann einem jeder Mut abhanden kommen.“ Kollege Hähnchen klang auch nicht grade euphorisch: „Der Kunde hat sich an die Öffnungszeiten der Lebensmittelmärkte gewöhnt.“ Entsprechend hätten sich die Einkaufszeiten geändert – nach hinten. „Die Leute wollen sonnabends in Ruhe frühstücken, wenn das Wetter schlecht ist, warten sie ab, und wenn sie dann einkaufen wollen, heißt es: Nicht nach Oldesloe, da ist gleich alles zu“, erläutert der Kaufhaus-Chef.

Ein Lösungsansatz konnte an dem Abend nicht gefunden werden, leider auch keine Perspektive, das Thema zu vertiefen.

Andreas Olbertz

Stormarner Wochenschau

Stormarner Tageblatt vom 19. Juli 2008

In der Politik wird gerne getrickst und gemauschelt

Vor verschlossenen Türen

Andreas Olbertz und Rolf Blase

Rrrrumms, die Tür ist zu. Hatte der Wind ihr etwas Schwung verliehen oder sollte Kämmerin Mandy Treetzen etwa schlechte Laune gehabt haben, als die Oldesloer Hauptausschuss-Mitglieder zu fortgeschrittener Stunde ihren mündlichen Bericht zum Kultur- und Bildungszentrum kurzerhand strichen? Wie auch immer, nach eintägiger Sitzungsunterbrechung lief die Finanzexpertin zu Hochform auf: Zack, zack, zack holte sie die Protokolle hervor. Wollen wir überhaupt einen Saal? Längst beschlossen. Muss die VHS dahin umziehen? Einstimmig abgesegnet. Aber wenigstens beim Heimatmuseum wird noch ergebnisoffen über einen Umzug diskutiert? Bereits vor langer Zeit abgenickt.

Gab es nicht Visionen eines Vereinshauses im Gericht, oder vom Seniorenbeirat Überlegungen zur Nutzung durch die Alten? In der Öffentlichkeit ist nicht mal ansatzweise darüber diskutiert worden. Vielleicht wären bei einem Ideenwettbewerb noch ganz andere Vorschläge auf den Tisch gekommen. Egal, der Zug scheint abgefahren zu sein. Aber ehrlich: Die Idee, die VHS dort anzusiedeln, hat sehr viel Charme. Nur, dann wäre es vielleicht langsam an der Zeit, dass sich alle mal eindeutig äußern: Wir wollen das und stehen uneingeschränkt dahinter! Dieses Rummgeeiere mit „haben wir noch nicht beschlossen“; „das werden wir mal kritisch hinterfragen“; „für uns ist das noch lange nicht klar“, schwächt nur die Position der Stadt und könnte in der Konsequenz dazu führen, dass ein gutes Vorhaben völlig unnötig zerrieben wird. Aber so ist das eben, wenn solche Projekte hinter verschlossenen Türen ausgemauschelt werden.

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West-Wanderweg die 250. – aber diesmal scheint es endgültig zu sein. Grüne, SPD und FDP Stadtverordnete waren sich einig: Der Weg ist unsinnig. Er wird nicht gebaut. Und die CDU jammert ihrer verflossenen Mehrheit hinterher. Ja, Politik ist hart und grausam. In einem Punkt hat CDU-Fraktionsvorsitzender Horst Möller allerdings Recht. Es ist schon auffällig, wie viel Zeit sich die Verwaltung mit der Umsetzung des Bau-Beschlusses gelassen hat. Möller spekulierte in der Stadtverordnetenversammlung darüber, dass mit Anita Klahn und Gerold Rahmann ausgerechnet die beiden kleinen Fraktionen an den richtigen Fäden beim Bürgermeister gezogen hätten. Uiuiui, Tassilo von Bary eine Marionette? Streng genommen schon, er muss ja schließlich das umsetzen, was Politik beschließt. Bedenklich wird es nur, wenn Parteien schon vor Diskussionen und Beschlüssen an den Fäden ziehen. Das hat es vor der Wahl gegeben, und das gibt es nach der Wahl. Jetzt sitzen allerdings andere an den Strippen. Karikaturist Götz Wiedenroth hat mit spitzem Stift skizziert, wohin es führt, wenn ein Verwaltungs-Chef leichtfertig seine Unabhängigkeit aufs Spiel setzt.

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Haushaltsberatungen ... oh Gott, was für ein langweiliger Kram. Dabei sind ja die Finanzen das Herz der Politik. Ohne Moos nix los. Und da auf Oldesloe ein paar Milliönchen niedergegangen sind, kann man hier ordentlich einen los machen. Da lohnt schon mal eine Blick auf den Nachtragshaushalt. Was steht denn da? 40 000 Euro Zuschuss für die Mensa? War die Botschaft bislang nicht, der Betreiber kommt ohne Zuschüsse aus? Über den Antrag der Grünen, das Mensa-Essen kostenlos auszugeben, wurde verdächtig viel um den heißen Brei herum diskutiert – alles nicht-öffentlich. Es sind ja bloß unsere Steuergelder, die im Geheimen verputzt werden. Wer etwas stochert, erfährt, dass das Essen schon immer subventioniert worden ist - indirekt, durch die Übernahme von Gebäude-, Strom- und Reinigungskosten. Aber der „Caterer“ wollte mehr Geld haben, auch wenn vertraglich etwas anderes vereinbart worden war. Deshalb tauchten die 40 000 Euro im Nachtragshaushaltsentwurf auf. Es wurde heiß debattiert, kalkuliert und frittiert. Am Ende kommt heraus: Die 40 000 Euro werden gar nicht benötigt. Muss wohl alles ein großer Irrtum gewesen sein. Der Mensabetreiber steht zum Vertrag, will weiter kochen wie bisher und freut sich schon auf die neue Ausschreibung im nächsten Jahr. Hallo, hatte der nicht eben noch vorgerechnet, dass ein Subventionsbedarf von 7 000 Euro monatlich besteht? Na, dann mal guten Appetit.

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Ein Termin als Retourkutsche? Ausgerechnet am Tag des Bad Oldesloer Vogelschießens tagte der Zweckverband der Sparkasse Holstein. Und Oldesloes Bürgermeister Tassilo von Bary musste dabei sein, wenn der Verwaltungsrat bestimmt wird. Schließlich kämpft die Stadt seit drei Jahren um ihren Sitz in diesem Gremium. 2005, nach der Fusion mit Ostholstein, wollte der Kreis die Stadt rauskicken. Anfang 2007 erstritt Bad Oldesloe vor dem Oberverwaltungsgericht Schleswig eine Einstweilige Verfügung. Und weil das Hauptverfahren immer noch schwelt, ist die Kreisstadt auch im neuen Verwaltungsrat vertreten. Nun wollen wir annehmen, dass der Termin nicht absichtlich auf den „höchsten Oldesloer Feiertag“ gelegt wurde, sondern dass man in Ostholstein einfach nicht vom Oldesloer Vogelschießen wusste. Aber es belegt auf jeden Fall die geringere Bedeutung der Kreisstadt für und in dem Gremium.

Ist es ein Trost, dass es im Nachbarkreis Segeberg noch ganz anders zur Sache geht. Dort hat die CDU die Landratswahl verloren und mit taktischen Winkelzügen verhindert, dass die neue SPD-Landrätin einen Sitz im Verwaltungsrat der Sparkasse Südholstein erhält. Aber nur weil es noch schlimmer geht, muss es hier nicht gut sein.

Ade du schöner Wanderweg

Stormarner Tageblatt vom 18. Juli 2008

Ade du schöner Wanderweg

Bad Oldelsoe/ol

– Da stockte einigen Politiker doch der Atem als Frank Fiedler ans Rednerpult der Stadtverordnetenversammlung trat. „Über den Punkt lohnt es, einen Moment nachzudenken“, erklärte der Liberale zum Thema Baustopp für den West-Wanderweg. „Sie sind umgekippt“, befürchteten die Einen und frohlockten die Anderen. Doch die FDP blieb bei ihrer ablehnenden Haltung, nachdem Fiedler Vor- und Nachteile nochmals gegeneinander abgewogen hatte.

Die CDU wechselte für diese Sitzung ihre Taktik. Sachargumente sind hinlänglich ausgetauscht, also führte Uwe Rädisch moralische Bedenken an. „Ein Stück Glaubwürdigkeit von Politik und Verwaltung steht auf dem Spiel. So geht man mit Betrieben nicht um“, mahnte der Christdemokrat, schließlich seien die Aufträge bereits im Mai vergeben worden. Fraktions-Chef Horst Möller ging auf die geplatze Absprache mit den Grünen ein. In dem Punkt sei jedes Vertrauen verspielt. Tassilo von Bary warf er vor, „eine kleine Klientel habe beim Bürgermeister an den richtigen Fäden gezogen.“ Damit hätten sie die Umsetzung eines demokratisch gefassten Beschlusses verhindert.

Das brachte den Vorsitzenden der SPD-Fraktion, Hagen von Massenbach, auf die Palme: „Thema Exer-Schranken. Ich möchte nicht erwähnen, welche Rolle Bürgermeister Wrieden seinerzeit gespielt hat.“ Der habe die Anschaffung bewusst bis zur Kommunalwahl verzögert und die CDU anschließend den Beschluss rückgängig gemacht. Für von Massenbach folgt daraus: „Nehmen Sie zur Kenntnis, dass es neue Mehrheiten gibt. Der Wanderweg ist Blödsinn.“

Mit den Stimmen von Grünen, FDP und SPD wurde das 20 000 Euro teure Vorhaben beerdigt.

Wechselnde Mehrheiten: CDU verliert Wanderweg

Lübecker Nachrichten vom 18. Juli 2008

Wechselnde Mehrheiten: CDU verliert Wanderweg

BAD OLDESLOE – Geschäftig und sachlich verlief die Oldesloer Stadtverordnetenversammlung – jedenfalls bis es zum Tagesordnungspunkt 16 kam. Hier hatten die Grünen beantragt, den Ausbau des Wanderweges West im Ortsteil Wolkenwehe sofort zu stoppen und die dafür frei werdenden Mittel in Höhe von rund 25 000 Euro an den Fachausschuss für Finanzen zurück zu geben.

Wie bereits im Bauausschuss stimmten die drei Fraktionen der Grünen, der SPDund der FDP für den Antrag. Für die CDU, die den Weg zum Ende der vergangenen Wahlzeit noch schnell durchgepeitscht hatte, war dies Anlass, an Anstand und Moral zu appellieren. Uwe Rädisch erklärte, dass die CDU selbstverständlich neue Mehrheitsverhältnisse und demokratische Entscheidungen akzeptiere. Allerdings findet er es fraglich, „wenn wir jetzt Unternehmen einen Auftrag wieder entziehen“.

CDU-Fraktionschef Horst Möller zeigte sich vor allem enttäuscht vom Verhalten der Grünen, mit denen die CDU verabredet hatte, dass diese nicht gegen den Wanderweg stimmen würden, wenn sie dafür die Zustimmung für die Bewässerung der Wolkenweher Niederung erhielten. Nun jedoch waren die Grünen umgeschwenkt. Anlass für Möller, das Geklüngel „einer kleinen Klientel“ zu geißeln, die zum Erreichen ihres Ziels „an den Fäden des Bürgermeisters gezogen“ hätte.

Dies wiederum brachte SPD-Chef Hagen von Massenbach in Rage, der daran erinnerte, dass die CDU selbst, nachdem sie bei der vorletzten Wahl die Mehrheit erhalten hatte, vorherige Entscheidungen wieder gekippt hatte. Als Beispiel nannte er den Exer, den SPD und Grüne zuvor als kostenpflichtigen Parkraum nutzen wollten. Ironischerweise fiel jene Entscheidung zu Beginn der vorletzten Wahlperiode genauso wie die vom Mittwochabend mit 15:10-Stimmen aus.

Die übrigen Themen auf der Tagesordnung waren ohne „Zündstoff“ und wurden meist einstimmig durch die 25 Kommunalpolitiker abgenickt: der Jahresabschluss 2007 der Stadtwerke mit Gewinnverwendungsbeschluss und Nachtragswirtschaftsplan, außerplanmäßige Ausgaben des Bürgermeisters und der erste Nachtragshaushalt der Stadt: Durch Mehreinnahmen bei den Gewerbesteuern sinkt der Schuldenstand der Kreisstadt auf 5,3 Millionen Euro. unk

Ehrenmal bald vergittert?

Maria Herrmann

Stormarner Tageblatt vom 15. Juli 2008

Ehrenmal bald vergittert?

Um die „Trauernde“ am Oldesloer Ehrenmal besser vor Vandalismus zu schützen, soll die Rotunde mit einem Schmiedetor verschlossen werden.

Bad Oldesloe/ol

– Der alte Ehrenfriedhof verkommt mehr und mehr. Der Rückwärtige Aufgang aus dem Heiliggeist ist weggegammelt, Spaziergänger mit Hunden lassen ihre Vierbeiner unkontrolliert ihre Geschäft erledigen, Gedenktafeln fallen aus Altersschwäche von der Wand und zu allem Überfluss nutzen zwielichtige Gestalten die Abgeschiedenheit, um zu randalieren – Tendenz steigend.

„Ich warte auf den Tag, wo es der ‚Trauernden‘ so ergeht wie der kleinen Meerjungfrau – eines morgens wird sie ohne Kopf da stehen“, warnte Bauamtsleiter Rolf Steinhoerster. Bislang war die Figur, die den Toten des Zweiten Weltkriegs gewidmet ist, „nur“ Ziel von Farbattacken. Wobei in den vergangenen fünf Jahren eine deutliche Nähe der Anschläge zu den Gedenktagen zu erkennen war. Erst kürzlich wurden wieder 20 Grabplatten zerstört. Momentan müssten 60 der Steinplatten ersetzt werden.

Die Verwaltung arbeitet an einem Konzept zur Neugestaltung des alten Friedhofs. Das soll im September zur nächsten Sitzung des Planungsausschusses fertig sein und vorgestellt werden. Trotzdem beantragte die Verwaltung bereit jetzt die Freigabe von Haushaltsmitteln – für 46 000 Euro soll die Rotunde saniert und durch ein schmiedeeisernes Tor geschützt werden. Die Argumentation ist einfach und überzeugend: In der Anlage ist die Gefahr, entdeckt zu werden ziemlich gering. Ein massives Tor, dass nur noch zu den offiziellen Gedenktage geöffnet wird, könnten Vandalen den Zugang erheblich erschweren. In der Politik stieß dieser Vorschlag allerdings auf geteilte Sympathien.

Der Grüne Uwe Stephenson fragte sich, warum ausgerechnet dieser eine Künstler ausgewählt worden sei. Er erwarte eigentlich, dass mehrere Entwürfe vorgestellt würden, die dann vom Kulturausschuss beraten werden könnten. Da hatte er ja was gefordert. „Ohne Aufwandsentschädigung kriegen wir keine Angebote – das ist so bei Künstlern“, erläuterte Rolf Steinhoerster. Mit anderen Worten: Für einen Künstlerwettbewerb müsste auch Geld bereit gestellt werden, sonst wird das nichts. Klaus Bösselmann sei in der Stadt allerdings schon bekannt, da er bereits einige Tore entworfen habe. Trotzdem habe sich die Stadt im Vorwege nach einer Alternative umgesehen und bei einem Handwerker aus Trappenkamp ein zweites Angebot eingeholt. „Gute handwerkliche Arbeit“, so Steinhoerster: „Aber eben kein künstlerischer Entwurf.“ Was dieses Tor kosten würde, konnte er nicht sagen. Die Ausschussvorsitzende Maria Herrmann (SPD) veranlasste das zu der Bemerkung: „Ein bisschen Liebe zum Detail würde mir schon reichen.“

Als sich dann im Laufe der Diskussion herausstellte, dass Künstler Bösselmann diverse Entwürfe gezeichnet hatte, dem Ausschuss aber nur einer vorgelegt wurde, ging Rainer Fehrmann der Hut hoch: „Da werden wir hier ja wohl zum Abnickverein, wenn andere schon die Vorauswahl treffen.“ Sein Fraktionskollege Siegfried Wobig wollte den Antrag um eine Videoüberwachung erweitern. Dem stand wiederum die Verwaltung skeptisch gegenüber. Eine Direktleitung zur Polizei auf der anderen Straßenseite mache keinen Sinn, denn die Station sei teilweise nicht besetzt. Und Rolf Steinhoerster wies darauf hin, dass es mit den Aufnahmen in der Regel nicht möglich sei, Personen zu identifizieren. Als die Christdemokraten dann hörten, dass eine entsprechende Anlage vermutlich 8 000 Euro kosten werde, zogen sie den Antrag zurück.

Die SPD meldete generellere Bedenken an. Dr. Tamara Thiessen: „Warum muss es grade jetzt sein? Warum warten wir nicht das Gesamtkonzept ab?“ Sie befürchtet, dass ein Tor überflüssig sein könnte, wenn das Gesamtkonzept erst auf dem Tisch liege. Diese Befürchtung teilt man in der Verwaltung allerdings nicht.

Lediglich Frank Fiedler von der FDP wollte Nägel mit Köpfen machen: „Die Vorlage ist gut, ich sehe keinen Bedarf, das Verfahren weiter in die Länge zu ziehen.“ Er drängte auf Abstimmung. Die Mehrheit sprach sich allerdings dafür aus, die weiteren Entwürfe von Klaus Bösselmann im Kulturausschuss zu beraten. Andreas Olbertz

Förderverein für Heimatmuseum in Bad Oldesloe

Vorstand Förderverein Heimatmuseum

Stormarner Tageblatt vom 15. Juli 2008

Förderverein für Heimatmuseum in Bad Oldesloe

„Jeder, der Interesse und Fachverstand mitbringt, kann gerne kommen und mitarbeiten.“ Das hat Diethelm Schark betont, der als frisch gekürter Vorsitzender des „Fördervereins Heimatmuseum Bad Oldesloe“ optimistisch in die Zukunft blickt.

Bad Oldesloe/srp

– Die Turbulenzen um das Oldesloer Heimatmuseum haben sich gelegt, die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Museums und die Stadtverwaltung haben sich inzwischen auf einen Konsens geeinigt. „Zwischenzeitlich gab es einen Knall in den Gesprächen mit der Stadt, und nun entwickeln wir gemeinsam mit der Verwaltung ein Konzept. Wir sind auf einem guten Weg“, freut sich Diethelm Schark als Vorsitzender des „Fördervereins Heimatmuseum Bad Oldesloe“.

Nach Bekanntwerden von Plänen der Verwaltung, das Heimatmuseum in den Räumen der Stadtbibliothek dicht zu machen und unter neuer, hauptamtlicher Leitung auszulagern, gab es Proteste von Seiten ehrenamtlicher Mitarbeiter und der Politik. Daraufhin gründete sich ein Förderverein, der das Museum in allen seinen Belangen unterstützen möchte.

Der neue Verein hat inzwischen eine Satzung und auch ein dreiköpfiger Vorstand wurde kürzlich gewählt. Pastor Diethelm Schark ist nun Vorsitzender, ihm zur Seite stehen Henning Peters, Geschichtsstudent der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg, sowie die Oldesloer Kunsthistorikerin Dr. Tamara Thiesen.

Bisher hat der Förderverein etwa 25 Mitglieder, doch der Kreis der Interessierten soll noch erweitert werden. Der bisherige ehrenamtliche Leiter Dr. Klaus-Christoph Baumgarten wird dem Museum auch weiterhin als Experte und Koryphäe auf dem Gebiet der Ur- und Frühgeschichte erhalten bleiben. Zwischenzeitlich gab es auch Gespräche mit dem Museumsverband, um ein neues Konzept und frische Ideen für das Museum zu entwickeln.

Einige konkrete Vorhaben und Projekte stehen schon fest. So werde die Jugendherberge stärker als bisher miteingebunden, um Schulklassen und Jugendgruppen in das Museum zu locken, betont Petra-Maria Schark. Außerdem würden Workhops für Lehrer der Stadtschule angeboten. Die jährliche Besucherzahl von rund 2500 Kindern und Erwachsenen solle gesteigert werden. Außerdem gebe es verstärkte Kontakte zu Universitäten und Forschern, die zu Ausgrabungen im Ahrensburger Stellmoortal und im Brenner Moor kommen, so die Museumsmitarbeiterin. Für Ende des Jahres ist eine Ausstellung mit dem Schwerpunkt „Regionales Mittelalter“ geplant. Ein besonderer Clou sei auch der neue Internet-Auftritt des Heimatmuseums, meint Diethelm Schark. So werde die Arbeit im Museum fortlaufend auf der Homepage (www.heimatmuseum-oldesloe.de) dokumentiert, um allen Interessierten einen Einblick zu geben.

Nun wird noch überlegt, ob der geplante Standort im Historischen Rathaus wirklich geeignet ist. „Es ist noch keine Entscheidung gefallen. Wir werden Konzepte für beide Standorte erarbeiten“, so der frisch gebackene Vorsitzende. Der Schwerpunkt des Museums werde aber auf alle Fälle die Ur- und Frühgeschichte bleiben und durch die Abteilung Oldesloer Stadtgeschichte sowie eine Mittelalter-Sammlung aufgewertet.

Susanne Rohde

Stormarner Wochenschau

Stormarner Tageblatt vom 12. Juli 2008

Container und Dixi-Klo machen jeden Schüler froh

Wasserspiele & Stuhlgang

Andreas Olbertz und Volker Stolten

Unsere Kommunalpolitiker und die Verwaltung haben sich im Planungsausschuss viel Mühe gegeben, um Spielhöllen in der Innenstadt zu verhindern. Verbieten kann man die Etablissements zwar nicht, aber kanalisieren, wo sie weniger Schaden anrichten. Dazu gibt es von der Verwaltung eine bunte Karte, damit jeder sofort erkennt, was wo zukünftig erlaubt ist. Es lohnt sich, genau hinzuschauen. Im Hallenbad beispielsweise, wären Spielhallen uneingeschränkt genehmigungsfähig. Da bekommt der Begriff Pool-Billard doch eine ganz neue Bedeutung. Wenn da eh umgebaut werden muss ... warum nicht gleich das erste Unterwasser-Zockerparadies einrichten und mit den Einnahmen das Defizit verringern? Statt eines Münzeinwurfs, um an der Dusche Warmwasser zu bekommen, gleich einen „Einarmigen Banditen“ aufhängen! Das wäre vielleicht auch eine Möglichkeit, Reinlichkeitsmuffeln Wasser und Seife näher zu bringen. Unser Zeichner Götz Wiedenroth hat schon mal einen prophetischen Blick in die Zukunft geworfen, wie das im Schwimmbad demnächst aussehen könnte.

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Anlieger des Anna-Heitmann-Wegs machen sich Sorgen, sie wohnen nur 40 Meter vom geplanten Klärschlamm-Lagerplatz der Stadtwerke entfernt. Da das Gesetz keine Bürgerbeteiligung vorsieht, muss die ja auch keiner informieren. Und stinken wird es ja auch nicht ... Für FDP Mann Heiko Vosgerau stand deshalb – und wegen anderern Gründe –, im Finanzausschuss sofort fest: Kein Lagerplatz am Heitmann-Weg. Das provozierte CDU-Fraktions-Chef Horst Möller zu der spitzen Bemerkung: „Ich möchte meine Schwermetalle nicht haben, aber sie dürfen gerne zu den anderen.“ Wie Recht er doch hat – man nennt das auch St.-Florians-Prinzip. Auf die Forderung nach Verbrennung des Schlamms reagierte er mit der Bemerkung: „Dann beteiligt sich Oldesloe also auch am Mülltourismus.“ Auch dieser Satz ist richtig – zumindest für sich genommen. Nimmt man allerdings beide Sätze zusammen, ergibt sich eine relativ ausweglose Situation, da bleibt nichts, aber irgendwo muss der Sch... trotzdem hin. Also doch den Nachbarn vor die Füße kippen?

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Was für eine elendige Geschichte: Mal soll der Wanderweg im Westen kommen, dann wieder nicht, dann ist er endlich beschlossen, wird aber trotzdem nicht gebaut. Jetzt ist offiziell sanktioniert, dass nicht gebaut wird, da meldet sich plötzlich ein einzelner Anwohner zu Wort und am Mittwoch steht das ganze erneut auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung.

Da könnte es noch mal spannend werden. In einer Pressemitteilung hatte CDU-Sprecher Heinz Drenkberg verraten, dass es einen Deal mit den Grünen gebe: Ihr lasst uns unseren West-Weg und wir stimmen für die Vernässung der Wolkenweher Niederung. Schau an, so wird also Politik in Oldesloe gemacht. Obwohl, die Absprache scheint ja geplatzt zu sein. Aber wer weiß, wer alles in Urlaub oder verhindert ist, wer seine Meinung zwischenzeitlich geändert hat – und schon werden die Karten neu gemischt. Als ob wir nicht wichtigere Themen hätten, die auf Lösung warten.

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Im Bad und WC ist alles okay – denkste! An der Anne-Frank-Schule wird der Stuhlgang gar zum Politikum. Lehrer und Schüler finden es nicht nur aus Zeitgründen unzumutbar, dass sie aufgrund des 250 Meter entfernten Schulcontainer-Provisoriums (ohne Toiletten) am Luise-Zietz-Weg ab dem neuen Schuljahr ihre Notdurft zum Beispiel in der Dietrich-Bonhoeffer-Schule verrichten sollen. Bei einem Protestzug am Mittwoch ließen sie ihrem Unmut freien Lauf. Auf einem Transparent stand provokativ: „Herr Bürgermeister – Gehen Sie auch beim Nachbarn aufs Klo?“ Werner Mitsch konterte: „Wenn ich beim Nachbarn eingeladen bin, gehe ich dort auch aufs Klo.“ Der Verwaltungschef kann die dicke Luft gar nicht recht verstehen. Zumal der Standort der drei Klassenraum-Container mit der Schulleitung abgesprochen sei. Um dem Sturm der Entrüstung etwas den Wind aus den Segeln zu nehmen, könnte man doch kurzerhand ein paar Dixi-Klos an die Container stellen. Dann klappt‘s vielleicht immer noch nicht mit dem Nachbarn, aber zumindest mit der Notdurft.

 

Kein ZOB-Ausbau – Warten auf Gutachten

Stormarner Tageblatt vom 12. Juli 2008

Kein ZOB-Ausbau – Warten auf Gutachten

Bäume oder Busspur? / Einigkeit über Sanierungsbedarf an der Hagenstraße

Bad Oldesloe/ol

– Zwei Busse stehen in den Wartespuren, ein dritter quetscht sich daran vorbei und rumpelt gnadenlos über den Bürgersteig – ein Momentaufnahme, die deutlich macht: Die Situation am ZOB in der Hagenstraße ist alles andere als optimal. Obendrein weist die Fahrbahn tiefe Spurrinnen auf – Indizien dafür, dass eine Sanierung dringend angeraten ist.

Dessen sind sich Politik und Verwaltung auch bewusst. Geld steht im Haushalt bereit, aber es passiert nichts. Jetzt stand das Thema ZOB auf der Tagesordnung des Planungsausschusses, sollte auf Wunsch der Verwaltung herunter genommen werden, blieb dann aber doch drauf, weil CDU und Grüne darüber diskutieren wollten.

Die Verwaltung argumentiert mit dem Stadtumbau West. In diesem Zusammenhang wird ein neuer Generalverkehrsplan erstellt, ein Arbeitskreis beschäftigt sich mit dem Thema Öffentlicher Personen-Nahverkehr. Es gebe bereits erste Indizien, argumentierte Bauamtsleiter Rolf Steinhoerster, dass sich daraus Erkenntnisse für die Ausschreibung des ÖPNV im kommenden Jahr ergeben könnten. Deshalb wollte die Verwaltung diese Gutachten abwarten, ehe weitere Schritte eingeleitet werden.

Die CDU sieht das ganz anders. Siegfried Wobig: „Nicht lange warten, bis alle Gutachten da sind. Wir wollen, dass möglichst bald angefangen wird.“ Bei der CDU steht eine öffentliche Toilettenanlange oben auf dem Zettel, behindertengerechter Ausbau und die Berücksichtigung von Radfahrerinteressen. Der Wegfall von 20 Parkplätzen für eine dritte Busspur und das Abholzen der Baumreihe wie von der Verwaltung vorgeschlagen, werden hingegen skeptisch gesehen.

Für die SPD plädierte Hans-Hermann Roden dafür, die Gutachten auf jeden Fall abzuwarten. Inhaltlich könne er sich ansonsten mit den Wünschen der CDU anfreunden.

Lediglich Uwe Stephenson ging für die Grünen einen Schritt weiter. Baumfällungen erteilte er eine strikte Absage. Stattdessen forderte er, die Busspur auf Kosten der Autofahrbahn zu verbreitern und die Hagenstraße notfalls für Privatwagen zu sperren.

Steinhoerster stellte klar, dass es Fördermittel nur geben werde, wenn behindertengerecht ausgebaut wird. Zur Entzerrung der Situation in der Hagenstraße sei denkbar, die Überlandbusse wieder in der Lübecker Straße beim ehemaligen Teppich-Fachmarkt halten zu lassen.

 

Lesermeinung

Stormarner Tageblatt vom 12. Juli 2008

West-Wanderweg – was steckt dahinter?

Zum Artikel „Wende: West-Weg wieder weg“ vom 9. Juli

Wie viele meiner Nachbarn hatte ich mich auf den neuen Wanderweg im Westen gefreut. Dass er nun doch nicht gebaut werden soll, verstehe ich nicht, denn der Bedarf nach diesem Weg ist groß. Der Auftrag war doch sogar schon an einen Bauunternehmer vergeben.

Leider konnte ich mir wegen anderer Terminverpflichtungen die Begründung für diese eigentümliche Entscheidung im Bauausschuss nicht mehr anhören. Aber alles, was vorher von den Personen gesagt wurde, die der Meinung sind, der Weg wird nicht gebraucht, war schon so widersprüchlich, dass eigentlich nur der Rückschluss bleibt, dass da ganz andere Interessen hinter stehen.

Die Fläche östlich des Wanderweges ist ökologische Ausgleichsfläche, ein Biotop. Da sollen nun nach Meinung der SPD und der FDP die Leute einen Trampelpfad nutzen. Die gleichen Politiker sagen auch, es gebe keinen Bedarf für den Weg. Hier erwarte ich, dass genau diese Politiker noch einmal in sich gehen und überlegen ob ihre Aussagen so zusammenpassen.

Bei logischem Denken ist dem vermutlich nicht ganz so, denn wo ein Trampelpfad ist, sollte auch ein Bedarf für einen Weg sein!

Punktum, der Weg wird gebraucht, viel mehr als andere! Bei keinem der Oldesloeer Wanderwege, hat es so ein Hin und Her gegeben wie bei diesem. Darum soll mir jetzt mal endlich jemand sagen, was Politiker wirklich bewegt, eine bereits demokratisch getroffene Entscheidung zurückzunehmen

REINER HINSCH

ADFC Bad Oldesloe,

Anlieger in West IV

 

Schnittchen Vertilgerinnen

Zum Artikel über den Zuschussantrag von Frauen helfen Frauen vom 4. Juli.

Seit der Sitzung des Ausschusses für Bildung, Soziales und Kultur am 2. Juli ist es allen bewusst: der Verein Frauen helfen Frauen Stormarn ist zu einem Zusammenschluss von sich selbst feiernden, Schnittchen vertilgenden Frauen mutiert. Keine Rede von einer seit zwanzig Jahren geleisteten wertvollen, sozialen Arbeit von großer gesellschaftlicher Bedeutung, die vielen Frauen und ihren Kindern hilft, nach Gewalterfahrungen wieder ins normale Leben zu finden. Die Aufforderung an uns, lieber mit den ehrenamtlich tätigen Frauen von dem Geld gut essen zu gehen, damit diese „mal was Gutes bekommen“, ist mehr als zynisch, denn auch die beim Verein angestellten Frauen müssen zusätzlich ehrenamtlich mitarbeiten, da der Arbeitsanfall sonst nicht zu bewältigen ist: es haben im vergangenen Jahr 2 214 Beratungen stattgefunden, 316 Frauen wurden, teilweise über einen längeren Zeitraum, begleitet.

Es ist sehr schwierig, für diese Antigewaltarbeit in der Öffentlichkeit zu werben, da sexuelle Gewalt immer noch ein Tabuthema ist. Der Umgang einiger Ausschussmitglieder mit dem Antrag spiegelt die Angst vor dem Thema wider. Seit Veröffentlichung der repräsentativen Untersuchung des Bundesfamilienministeriums ist das Ausmaß der Gewalt gegen Frauen deutlich geworden: fast jede zweite der 10 000 befragten Frauen (40 %) hat seit dem 16. Lebensjahr körperliche oder sexuelle Gewalt oder beides erfahren, der Missbrauch als Kind ist hier nicht mit erfasst. Gerade deshalb ist es so wichtig für uns, eine Plattform zu haben, um auf unsere Arbeit aufmerksam zu machen.

Seit 20 Jahren kämpft der Verein jedes Jahr aufs Neue um die Finanzierung seines Haushalts auf kommunaler, Kreis- und Landesebene, ist aber landesweit als Frauenfachberatungsstelle anerkannt. Nach dieser langen Zeit haben wir den Wunsch, unsere Arbeit möglichst vielen Gästen aus den verschiedensten Bereichen vorzustellen und uns auch für die Jahre guter Zusammenarbeit zu bedanken – und das in einem würdigen, angemessenen Rahmen. Deshalb haben wir angenommen, die Stadt, in der diese Einrichtung zu Hause ist und in der die Hälfte aller Klientinnen wohnt, würde uns gern dabei unterstützen, diese Feier auszurichten. ASTRID DÜNNES Ehrenamtliche Mitarbeiterin

 

Vorerst kein Klärschlamm-Lager

Stormarner Tageblatt vom 11. Juli 2008

Vorerst kein Klärschlamm-Lager

Das ist immer ein anrüchiges Thema: Klärschlammentsorgung und im Oldesloer Finanzausschuss wird es gerade heiß ventiliert.

Bad Oldesloe/ol

– Vorne geht schmutziges Wasser rein, hinten kommt sauberes raus – so funktioniert eine Kläranlage. Der Prozess ist allerdings deutlich komplizierter, und obendrein kommt nicht nur sauberes Wasser raus, sondern auch Klärschlamm. Ein sehr umstrittenes Produkt, da Klärschlamm mit Schwermetallen belastet ist.

Im Oldesloer Klärwerk fallen jährlich 2 000 Tonnen Schlamm an. Die werden regelmäßig von einem Unternehmen nach Sierksdorf gekarrt. Von dort wird das Material an Landwirte verteilt und als Dünger auf Felder gestreut. Der Vertrag der Stadtwerke mit dem Entsorger endet; jetzt muss europaweit ausgeschrieben werden.

Da aber die Abfallwirtschaftsgesellschaft den Recyclinghof verlegt, wird im Anna-Heitmann-Weg eine Fläche frei. Und die, so die Überlegungen bei den Stadtwerken, könnten eventuell zur Zwischenlagerung von Klärschlamm genutzt werden. Der Schlamm fällt kontinuierlich an. Drei bis vier Container mit einem Fassungsvermögen von jeweils 15 Kubikmetern müssen pro Woche abtransportiert werden. Der Abfall darf aber nur im Frühjahr und im Herbst auf die Felder. In der Zeit dazwischen muss der Dreck gelagert werden.

Wie Christoph Tiebel, der die Ausschreibung für die Stadtwerke betreut, erläuterte, gibt es Alternativen. Klärschlamm kann auch in entsprechenden Anlagen verbrannt werden. Dann könnte auf ein Zwischenlager quasi verzichtet werden.

Verbrennen und landwirtschaftliche Nutzung haben beide Anhänger und Gegner. Die einen sprechen von Klärschlamm als guten Dünger, andere sehen in ihm einen gefährlichen Schadstoffcocktail. Aber auch die Verbrennung ist nicht unumstritten.

Wie Experte Tiebel ausführte, sieht der aktuelle Gesetzentwurf eine Obergrenze von 700 Milligramm (mg) Kupfer pro Kilo Klärschlamm vor. Im Oldesloer Klärschlamm pendelt dieser Wert um 630 mg. „Das kann eng werden“, befürchtet Tiebel. Mittelfristig, räumte er ein, könnte die Verwertung in der Landwirtschaft verboten werden.

Zwischen Verbrennen und Ausstreuen gibt es eine ganz Reihe von Abstufungen. So muss der Klärschlamm mit Kalk vermengt werden, um ihn als Dünger nutzen zu können. Erledigen die Stadtwerke diese Aufgabe oder der Auftragnehmer? Wer übernimmt die Zwischenlagerung? Oder ist Verbrennung vielleicht doch günstiger?

Auch wenn Christoph Tiebel dringend dazu riet, auf Umweltargumente nicht zu hören („Ich traue keiner Ökobilanz, die ich nicht selber gefälscht habe.“), sondern sich ausschließlich am Preis zu orientieren, war der Ausschuss sofort in einer Ökodebatte.

Die Argumente gingen sachlich hin und her. Den Finanzausschuss-Mitgliedern war auch klar, dass sie eine Debatte führen, die eigentlich in den Umweltausschuss gehört. Anfangs zeichnete sich eine Mehrheit für den Vorschlag von CDU-Fraktions-Chef Horst Möller ab: Nur für zwei Jahre zur Verbrennung ausschreiben. Die Zeit soll der Umweltausschuss nutzen, um eine Lösung zu erarbeiten. Dem hätte die SPD zugestimmt. Nach einer Beratungspause sprachen sich die Christdemokraten aber für eine Ausschreibung für drei Jahre mit allen Optionen aus. Daraufhin forderten SPD und Grüne fünf Jahre Verbrennung. Den Ausschlag gab der Vorschlag von FDP-Mann Heiko Vosgerau: Er wollte für drei Jahre ausschreiben, aber den Anna-Heitmann-Weg als Lagerfläche ausschließen. Dem stimmte die CDU zu.

Andreas Olbertz

Steuermehreinnahmen kommen Oldesloer Bürgern zu Gute

Lübecker Nachrichten vom 11. Juli 2008

Steuermehreinnahmen kommen Oldesloer Bürgern zu Gute

Bad Oldesloe – Das war ein schöner Anfang. Nicht, dass die Auftakt-Sitzung des Bad Oldesloer Finanzausschusses nach der Wahl erst nach 23 Uhr zu Ende war, sondern dass Kämmerin Mandy Treetzen gleich von Steuermehreinnahmen berichten konnte.

Bereits vor einigen Wochen freute man sich über eine Verdoppelung des Gewerbesteueraufkommens auf 19 Millionen Euro. Jetzt kamen weitere 500 000 Euro dazu. „Wobei es sich aber bei beiden Summen um einmalige Effekte handelt“, betonte die Ausschuss-Vorsitzende Birgit Reichardt-Mewes. Zudem müsse auch jeweils die Hälfte des Geldes in Rücklagen gesteckt werden.Trotzdem stellte die SPD den Antrag, dass zumindest etwas von dem unverhofften „Reichtum“ an die Bürger der Stadt weitergegeben wird. So sollen in diesem Jahr 100 000 Euro und im nächsten Jahr sogar 300 000 Euro für Sondermaßnahmen bereit gestellt werden, die auf einen entsprechend begründeten Antrag hin ausgeschüttet werden.„Wir haben das Geld bewusst nur für einmalige Zwecke bereit gestellt, da wir nicht wissen, wie sich die finanzielle Lage in den kommenden Jahren weiter entwickelt“, argumentierte Reichardt-Mewes. So wurde in diesem Zusammenhang auch der Antrag der Grünen abgelehnt, die für alle Schüler im Schulzentrum an der Olivet-Allee ein kostenfreies Mensa-Essen gefordert hatten. Ein weiterer wichtiger Punkt auf der Tagesordnung war die Neuausschreibung der Klärschlammentsorgung. Bislang wurde der in der Oldesloer Kläranlage anfallende Klärschlamm landwirtschaftlich verwertet, das heißt, auf Felder ausgebracht. Ein entsprechender Vertrag mit einem privaten Entsorgungsbetrieb läuft zum Ende dieses Jahres aus. Somit muss die Entsorgung neu ausgeschrieben werden, und zwar europaweit.Als Alternativen kommen zwei Entsorgungsmöglichkeiten in Frage: wie bisher die landwirtschaftliche Verwertung oder aber eine thermische, sprich: Verbrennung. Diese könnte jedoch bis zu 50 Prozent teurer werden. „Wir wollen uns erst mal alle Wege offen halten und haben keine Vorgabe für die Entsorgung gemacht“, erklärte Reichardt-Mewes die Entscheidung von CDU und FDP. Grüne und SPD wollten lieber die Verbrennung des Schlamms. Verzichten wird man allerdings auf die Einrichtung eines Klärschlamm-Zwischenlagers auf dem ehemaligen Kompostplatz des Recyclinghofes am Anna-Heitmann-Weg, sehr zur Erleichterung der anwesenden Anwohner dieser Straße.

Von Joachim Strunk

Hagenstraße: Sanierung des ZOB gestoppt

Hamburger Abendblatt vom 11. Juni 2008

Hagenstraße: Sanierung des ZOB gestoppt

Bad Oldesloe -

Risse im Fahrbahnasphalt und bis zu fünf Zentimeter tiefe Spurrillen - so sieht die Hagenstraße im Bereich der Bussteige aus. Das Oldesloer Bauamt möchte deshalb die Fahrbahn erneuern lassen. 286 000 Euro sind dafür im Haushalt der Stadt vorgesehen. Der neue Bau- und Planungsausschuss stoppte die ZOB-Planungen aber vorerst. Die Politiker wollen vor einer Entscheidung klären lassen, ob der Bereich im Zuge des Projekts "Stadtumbau West" nicht ganz anders gestaltet werden kann. "Wir möchten wissen, ob es nicht eine bessere Lösung für diesen Innenstadtbereich gibt", sagt Maria Herrmann (SPD), die Ausschussvorsitzende.

Schon jetzt hatten die Bauexperten zwei Lösungen angeboten. Die "kleine" sah nur eine neue Asphaltfahrbahn und Beton im Bereich der beiden Bussteige vor. Bei der zweiten Variante sollte eine dritte Busspur angelegt werden. Dazu hätten die Bäume zwischen Straße und öffentlichem Parkplatz gefällt und mindestens 20 öffentliche Stellplätze wegfallen müssen. Außerdem hatte Baufachbereichsleiter Rolf Steinhoerster vorgeschlagen, die Bussteige behindertengerecht auszubauen und zu verbreitern, um darauf eventuell überdachte Warteanlagen unterzubringen. Vorerst sollten aber - so die Planer - drei Wartehäuschen sowie Toiletten am Rand des Busbahnhofs entstehen.

cv

Wohin damit ? Politik gegen Spielhöllen

Leerstand auf der ganzen Linie

Stormarner Tageblatt vom 10. Juli 2008

Wohin damit ? Politik gegen Spielhöllen

Spielhallen sind kaum zu verhindern, deshalb machten sich die Oldesloer Politiker Gedanken, wie sie wenigstens die Ansiedlung steuern können.

Bad Oldesloe/ol

– Das stinkt den Oldesloer Kommunalpolitikern ganz gewaltig: Das ehemalige Restaurant Pinocchio steht leer. Dort wollen Spielhallen rein – Innenstadtlage und Schulweg, in dem Punkt sind sich alle Fraktionen einig, dass sie das nicht wollen. Aber wie kann die Ansiedlung verhindert werden?

Diese Frage beschäftigt die Mitglieder des Planungsausschusses schon länger, auch im Zusammenhang mit anderen Standorten. Jetzt besteht allerdings akuter Handlungsbedarf, da Bauvoranfragen für den Bereich Hamburger Straße Nummer 6 zurückgestellt wurden. Solche Rückstellungen wirken maximal ein Jahr – in diesem Fall läuft die Frist am 31. Juli aus. Es muss also etwas passieren.

Bereits in der Mai-Sitzung des Planungsausschusses stand das Thema auf der Tagesordnung. Damals machten alle Politiker lange Gesichter, weil sie mit der Sitzungsvorlage nicht einverstanden waren. Anita Klahn sagte seinerzeit: „Ich verlange, dass die Verwaltung uns aufzeigt, wie wir Spielhallen verhindern können und nicht, dass wir sie nicht verhindern können.“

Jetzt gab es eine neue Vorlage. Über weite Teile lieferte die Verwaltung den wortgleichen Text nochmals. Die Unterschiede steckten in den Details. Siegfried Wobig von der CDU sprach eine deutliche Warnung aus: „Die Spielhallenbetreiber verfügen über eine perfekte Organisation und Spitzenanwälte, die sich im ganzen Bundesgebiet auskennen.“ Die Stadt habe sich bereits ein Mal auf einen Rechtsstreit eingelassen – und teuer verloren. Auch wenn die CDU am liebsten gar keine Spielhallen hätte, sei diese Haltung wohl nicht durchzustehen. Zustimmendes Bedauern von den anderen Ausschussmitgliedern.

Spielhallen sind kaum zu verhindern, denn sie gelten grundsätzlich als zulässiges Gewerbe. Jugendschutzargumente dürften beispielsweise nicht angeführt werden. Der „Trick“ besteht darin, Flächen auszuweisen, in denen sich Spielhallen ansiedeln könnten. Zum Teil sind das Möglichkeiten, beispielsweise in den Obergeschossen – da wollen die Betreiber aber in der Regel nicht hin, entsprechende Leerstände gibt es zudem so gut wie nicht. Ulrich Langenberg machte deutlich, das „Scheinangebote“ juristisch zweifelhaft seien, deshalb müssten auch echte Ansiedlungsmöglichkeiten geboten werden. Das wird mit der „Leitlinie zur Standortsteuerung von Spielhalle“ in den Gewerbegebieten möglich sein.

An der Hamburger Straße wird es voraussichtlich keine Spielhalle geben. Dort beruft sich die Stadt auf den „Trading-Down-Effekt“: Spielhallen ziehen den Handel runter, führen zu Leerständen in der Nachbarschaft weil sie die Mieten hoch treiben und ein negatives Image haben – das ist in der Fachwelt und vor Gericht unstrittig. In der Hamburger Straße steht mittlerweile eine komplette Zeile leer. Die Verwaltung argumentiert, dass es bei Ansiedlung einer Spielhalle dort, kaum noch Chance gebe, die anderen freien Geschäfte zu belegen.

Andreas Olbertz

Wende: West-Weg wieder weg

Wolkenweher Wanderweg gekippt

Stormarner Tageblatt vom 9. Juli 2008

Wende: West-Weg wieder weg

Neue Mehrheit, neuer Anlauf. Grüne, SPD und FDP haben im Planungsausschuss den umstrittenen Wanderweg im Westen gekippt.

Bad Oldesloe/ol

– Das Projekt hat eine lange Vorgeschichte. Seit Jahren wird über den Weg aus dem West-Baugebiet zur Wolkenweher Dorfstraße immer mal wieder diskutiert. Mal gibt es keine Mehrheit im Ausschuss, dann stellt sich raus, dass der B-Plan extra geändert werden muss, dann wird der Weg plötzlich doppelt so teuer wie ursprünglich geschätzt. Aber kurz vor der Kommunalwahl ist dann doch alles in trockenen Tüchern - scheinbar. Gegen die anderen Fraktionen drückte die CDU den Wanderweg mit ihrer Mehrheit durch.

Für die Maßnahme wurde eine Preisumfrage gestartet, Schoer & Bollow ist der günstigste Anbieter und wird beauftragt. Eigentlich, so argumentiert die CDU, müsste der Weg schon lange fertig sein. Ist er aber nicht. Bürgermeister Tassilo von Bary hat die Arbeiten stoppen lassen (wir berichteten).

Erwartungsgemäß ist das Thema jetzt wieder auf der Tagesordnung des Planungsausschusses. Der Ausschuss beginnt mit einer Überraschung. Rainer Hinsch, bekannt als Vorsitzender des ADFC, meldet sich zu Wort. Er habe gehört, dass der Weg nun doch nicht gebaut werden soll. Er habe in der Nachbarschaft im Westen herumgefragt, die neuen Bestrebungen werden dort mit einigem Unverständnis aufgenommen, denn der Weg sei im Westen positiv angekommen. Doch noch bevor ihm jemand vernünftig antworten kann, haben Hintsch und andere Bürger den Saal auch schon wieder verlassen. Da schauen sich die Politiker doch einigermaßen verdutzt an. Das Wort vom „bestellten Redner“ macht die Runde.

Inhaltlich gibt es wenig Neues. Die Grünen hatten beantragt, die Bauarbeiten ersatzlos zu streichen. Doch Uwe Stephenson will den Vorstoß nicht mal begründen: „Der Weg ist sowas von überflüssig, da erübrigt sich alles.“ Das sehen die Christdemokraten naturgemäß ganz anders. Siegfried Wobig argumentiert, der Weg sei ein wichtiges Teilstück eines Ringwanderwegs. Die Stadt leiste sich ein großes Biotop als Ausgleich zur Bebauung. Das müsse geschützt werden und der Weg diene dazu, die Spaziergänger zu kanalisieren. Gleichzeitig stelle er eine Abkürzung von 700 Metern dar. Ein demokratisch gefasster Beschluss, „hätte bei seriöser Bearbeitung in der Verwaltung längst fertig sein müssen“, grantelt Wobig: „Sind unsere Beschlüsse denn nichts wert?“

Unbeleckt von allem Vorgeplänkel bringt Ausschuss-Neuling Frank Fiedler von der FDP die Gegenargumente auf den Tisch. Der gesetzlich vorgeschriebene Mindestabstand vom Knickfuß könne nicht eingehalten werden, die Überwindung des Gefälles am Wegende sei noch gar nicht geplant, der Weg bringe nur Unruhe in das Gelände und außerdem sei es völlig legitim, wenn neue Mehrheiten alte Beschlüsse aufheben.

Mit Fiedlers klarer Positionierung ist klar, dass es eine Mehrheit gegen den Weg gibt. CDU-Altmeister Siegfried Wobig hatte zwar noch gemahnt, nicht in die alte, unsachliche Diskussion zurückzufallen. Doch Rainer Fehrmann hält jetzt nichts mehr. „Es gibt eigentlich nur einen, der gegen den Weg ist.“ Das sei ja nun hinlänglich bekannt. Und dieser „Wanderweg-Bekämpfer“ habe ja auch beste Beziehungen zur Fraktionsspitze der SPD.

In einer Pressemitteilung hatte die CDU vor der Sitzung auch Bürgermeister Tassilo von Bary eins mitgegeben, dem ebenfalls „guter privater Kontakt zu dem Wanderweg-Bekämpfer“ nachgesagt wird. Scheinheilig sagte CDU-Sprecher Heinz Drenkberg allerdings, dass er sich nicht vorstellen könne, dass der „eine Rolle für sein fragwürdiges Verhalten gespielt habe“.

Für die SPD weist Hans-Hermann Roden die Anschuldigungen zurück und Frank Fiedler fordert den Bürgerworthalter auf, nicht bei Andeutungen zu bleiben, sondern Ross und Reiter zu nennen. Doch Fehrmann kneift, vertröstete stattdessen auf den nichtöffentlichen Teil. Dabei ist längst bekannt, um wen es geht: Kay Gladigau wohnt genau gegenüber vom Weg und will ihn nicht haben. Gladigau war einige Jahre politisch im Planungsausschuss aktiv. Von daher könnte das Gerücht, der Weg sei Rache der CDU für unbequemes Verhalten, wahr sein.

Verärgerung auf CDU-Seite, Freude bei den „Ampel-Koalitionären“. Sie sei sehr erfreut, dass die Sachargumente gesiegt hätten und der Stadt 20 000 Euro unnütze Ausgabe erspart werde, kommentiert Ausschussvorsitzende Maria Herrmann (SDP) den Beschluss: „Ich bin allerdings sehr erstaunt über die unsachlichen Äußerungen unseres neuen Bürgerworthalters, der mit Verdächtigungen und Andeutungen in den alten Politikstil der CDU zurückgefallen ist.“

Andreas Olbertz

Wolkenweher Wanderweg gekippt

Lübecker Nachrichten vom 9. Juli 2008

Wolkenweher Wanderweg gekippt

Bad Oldesloe - In der ersten Sitzung des Bad Oldesloer Bau- und Planungsausschusses bewiesen die Vertreter der vier Parteien zunächst Gemeinsamkeit. Doch am Wanderweg im Westen schieden sich die Geister.

Rund 150 Minuten demonstrierten die Bad Oldesloer Lokalpolitiker von CDU, SPD, FDP und den Grünen im Bau- und Planungsausschuss (BPA), dass es ihnen ernst ist mit einem politischen Neuanfang, mit dem Willen zur Kooperation und Sachlichkeit im Umgang miteinander – zum Wohle der Stadt. Doch beim Tagesordnungspunkt 14 war es vorbei mit der Einigkeit. Die Grünen hatten einen Dringlichkeitsantrag gestellt, wonach der Ausbau des umstrittenen Wanderweges West umgehend gestoppt werden sollte.

Dieser Weg war sozusagen eine Herzensangelegenheit der CDU, die ihn mit ihrer absoluten Mehrheit der vergangenen Wahlperiode ganz zum Schluss durchgesetzt hatte. Auf Kritik war er gestoßen, weil der Ausbau für rund 25 000 Euro den anderen Fraktionen als zu hoch erschien und angesichts eines vorhandenen „Trampelpfades“ nicht unweit des geplanten Weges auch nicht nötig sei.

Siegfried Wobig, als bürgerliches Mitglied von der CDU in den Ausschuss gesandt, versuchte nochmals alle Argumente für den Weg zusammenzufassen. Vorab trat sogar ein Anwohner in der Einwohnerfragestunde auf, der im Namen anderer Anwohner für den „CDU-Weg“ warb. Allerdings interessierte ihn die Diskussion herzlich wenig: Er verließ zum Erstaunen fast aller die Versammlung gleich nach der Fragestunde.

Das alles nützte nichts. Grüne und SPD beharrten auf ihrer Meinung. Und der neu in den Ausschuss und in die Stadtverordnetenversammlung gewählte Frank Fiedler (FDP) argumentierte sachlich und unvoreingenommen gegen den Weg. Der Raum sei für einen asphaltierten Weg zu schmal und die Überwindung eines Erdbuckels am Ende des Weges ließen weitere Probleme vermuten, die das Projekt noch teurer machen könnten. Auf die Mahnung Wobigs, das Ansehen der Politik und der Stadt durch das Einkassieren der CDU-Entscheidung nicht zu beschädigen, reagierte Fiedler, der von Beruf Rechtsanwalt ist, unaufgeregt: Es sei genauso legitim, einen ehemaligen Beschluss angesichts neuer Mehrheiten zu kippen, wie den Beschluss vorher mit absoluter Mehrheit durchzudrücken. Am Ende wurde der Antrag der Grünen mit fünf Stimmen zu vier (der CDU) angenommen und damit der Wanderweg gekippt.

Angesichts der ständigen Schändungen an den Ehrenfriedhöfen der Stadt einigten sich die Ausschussmitglieder darauf, Mittel in Höhe von 46 000 Euro freizugeben. Damit sollen zum einen rund 60 zerstörte Grabplatten ersetzt, die durch Farbanschläge in Mitleidenschaft gezogene Mauern und Denkmäler restauriert und die Rotunde des Ehrenmals mit einem eisernen Gittertor versehen werden. Auf den Vorschlag der Verwaltung, die einen Entwurf des Kunstschmieds Klaus Bösselmann favorisierte, wollten sich die Politiker allerdings nicht einlassen. Hier sollen mehrere Vorschläge zur Abstimmung – auch im Bildungs-, Sozial- und Kultur-Ausschuss (BSKA) – vorgelegt werden.

Da auch im vergangenen Jahr wieder einige Anträge eingereicht wurden, um Spielhallen in der Oldesloer Innenstadt einzurichten, sollen nun neue „Leitlinien zur Standortsteuerung von Spielhallen“ helfen. Spielhallen haftet ein Negativ-Image an, das zu einem Niveauverlust der benachbarten Gebiete und damit verbundenen Geschäftseinbußen („Trading-Down-Effekt“) führt. Aus diesen städtebaulichen Gründen kann Spielhallenbetreibern eine Ansiedlung verwehrt werden. Allerdings muss die Stadt aus Gründen der allgemeinen Gewerbefreiheit, die auch für Spielhallen gilt, Ersatzgebiete zur Verfügung stellen.

Auf Antrag von Dr. Tamara Thiesen (SPD) beauftragte der BPA die Verwaltung, einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan für den nördlichen Teil der Lübecker Straße sowie die Königstraße vorzubereiten, der dort den Betrieb von Spielhallen ausschließt. Zudem beschloss der Ausschuss einstimmig eine Veränderungssperre für die Hamburger Straße Nr. 2 bis 6, um dort ebenfalls eine Ansiedlung der Glücksspielgeschäfte zu verhindern.

Grünes Licht vom Ausschuss erhält das Unternehmen Minimax, welches ihr Gelände um die Fläche des städtischen Bauhofs erweitern will. Einer Umlegung des Baches (LN berichteten) hat die Brandschutzfirma bereits zugestimmt. Während sich der Grüne Dr. Uwe Stephenson enthielt, stimmten alle übrigen acht Ausschussmitglieder für die Änderung des Bebauungsplans Nr. 10 N.

Einstimmigkeit erzielte man auch bei der Entwidmung des Kirchsteigs parallel zur Bahnstrecke nach Bad Segeberg vom Ortsteil Poggensee bis Schadehorn. Allerdings soll die Stadt Bad Oldesloe Eigentümerin dieser ehemaligen Straße bleiben.

Von Joachim Strunk

Oldesloe: Neue Mehrheit kippt Wanderwegbau

Hamburger Abendblatt vom 9. Juni 2008

Oldesloe: Neue Mehrheit kippt Wanderwegbau

Bad Oldesloe -

Lange stritten die Politiker über den Sinn eines rund 400 Meter langen Wanderweges im Westen von Bad Oldesloe. Dann walzte die CDU mit ihrer klaren Mehrheit die Kritik nieder und beschloss den Bau. Nach der Kommunalwahl hat nun eine neue Mehrheit korrigiert, was sie vorher nicht verhindern konnte: Der Wanderweg wird nicht gebaut. "SPD, Grüne und FDP haben gemeinsam den früheren Beschluss aufgehoben", berichtet die Sozialdemokratin Maria Herrmann, die neue Vorsitzende des Bau- und Planungsausschusses. Mit fünf Stimmen gegen die vier Mitglieder der CDU hat der Ausschuss das Projekt endgültig gekippt. Die Stadt spart nun die mit mindestens 20 000 Euro veranschlagten Baukosten.

Ob ein schmiedeeisernes Tor die Rotunde mit den Namen vieler Kriegs- und Bombenopfer sowie einer Gedenkstatue vor Vandalismus schützen soll, diese Entscheidung hat der Bau- und Planungsausschuss an die Kulturpolitiker übertragen. "Wir haben das an die richtige Adresse weitergereicht", sagt Herrmann. Wie berichtet, hatte die Verwaltung nach den jüngsten Verwüstungen auf dem Ehrenfriedhof den Einbau einer Pforte vorgeschlagen. 22 000 Euro veranschlagt dafür der Kunstschmied Klaus Bösselmann. Sein Entwurf sieht ein 2,20 Meter hohes Tor mit einem Lebensbaum als Motiv vor.

Es ist nicht nur die richtige Adresse, die die Ausschussmitglieder veranlasst hat, eine Entscheidung über das Tor zu vertagen: Weil das städtische Bauamt schon im Herbst einen Plan für die Neugestaltung des ganzen Ehrenfriedhofs vorlegen will, möchten sie Zeit gewinnen. "Es könnte sein, dass dann die Umzäunung des gesamten Geländes vorgeschlagen wird. Ein Tor für das Ehrenmal wäre dann vielleicht überflüssig", sagt Maria Herrmann.

Stormarner Wochenschau

Stormarner Tageblatt vom 5. Juli 2008

Schule, Sport und „Leitungsstunden“

Prima „Betriebsklima“?

Von Andreas Olbertz

Das hat ja eine gewisse Komik. Da sitzen neun Politiker im Sozialausschuss und debattieren engagiert darüber, ob es wirklich nötig ist, bei der Einstellung neuer Sozialpädagogen der Sachbereichsleiterin Karin Heinzen zusätzliche „Leitungsstunden“ zu bewilligen. Wer seinen Blick mal durch die Runde hat schleifen lassen, wird sich vermutlich verwundert die Augen gerieben haben. Den neun Politikern saßen doch tatsächlich acht Verwaltungsmitarbeiter gegenüber – und da sind die Schulleiter und die Leiterin der VHS noch mitgerechnet. Sicher, da waren ein, zwei dabei, die tatsächlich, na, sind wir mal großzügig, ein gutes Dutzend Sätze gesprochen haben. Aber andere brachten es auf zwei, drei Aussagen. Was da an Lebens- und vermutlich auch kostbarer Arbeitszeit verbrannt worden ist – holla. Vielleicht sollte man mal darüber nachdenken, ob wirklich immer alle dabei sein müssen, aber ob die meisten ihre Arbeitszeit nicht sinnvoller verbringen können, wenn sich jeweils einer aus der Verwaltung vorher umfassend informiert und dann die Stunden da absitzt.

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Was war das denn? Im März fand ein Workshop zum Thema offene Ganztagsschule statt – Verwaltung, Schulleiter und Politik. Alle Parteien? Nein, die SPD hatte ihre Teilnahme unter großem Getöse abgesagt, weil Schüler, Lehrer und Eltern nicht beteiligt werden. „Alles Quatsch“, hatte Bürgermeister Tassilo von Bary damals dementiert. Die würden selbstverständlich im Zuge des Verfahrens noch beteiligt. Und was ist jetzt? Im Workshop waren die Grundzüge festgelegt worden. Die Verwaltung hat das im stillen Kämmerlein ausgefeilt und der Ausschuss hat es einstimmig durchgewunken. Das war dann wohl eher ein Fall von „einsam gestalten“. Und die SPD hat einfach mitgestimmt. Peter Stoltenberg hatte zwar noch den zaghaften Versuch unternommen, mal auf das Bargteheider Bildungsnetz zu verweisen, ist aber sofort mit einem Geschäftsordnungsantrag der CDU abgebügelt worden, und das Thema war durch.

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Na super: Oldesloe braucht Krippenplätze, Oldesloe will Krippenplätze schaffen, aber Eltern, die einen Platz brauchen, werden trotzdem in die Röhre gucken. Schuld sind diesmal aber weder die Kommunalpolitiker noch die Verwaltung. Die haben alles richtig gemacht! Die Kosten für Krippenplätze übernimmt zu einem Drittel die Stadt. Der Rest kommt als Zuschuss. Allerdings nicht direkt aus Berlin, das wäre zu einfach, sondern über Kiel und den Kreis zur Stadt. Kiel und Kreis sind sich dummerweise noch nicht einig, es hapert an einem öffentlich-rechtlichen Vertrag, der muss erst noch ausgehandelt und anschließend vom Kreistag genehmigt werden. Und bis die so weit sind, wird noch viel Wasser die Trave hinunter fließen. „Das wird September, Oktober“, schätzt Fachbereichsleiter Thomas Sobczak. Da kann man sich lebhaft ausmalen, wann gebaut und eröffnet werden kann. Da freuen wir uns doch, dass die Bundestagsabgeordneten so bürgernahe Gesetze verabschieden.

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Während der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses übertrumpften sie sich gewissermaßen. Anita Klahn (FDP) behauptete, schon seit sie in der Politik sei, gebe es zu wenig freie Kapazitäten für den Schulsport – sprich Hallen und Plätze. Patricia Rohde (CDU) legte einen drauf: „Das war schon zu meiner Schulzeit so, und das ist noch länger her.“ Wie auch immer, das Problem ist bekannt und nicht neu, nur getan wird nichts. Die Verwaltung wartet auf das Sportgutachten.

Als wäre die Situation nicht schon eng genug, soll jetzt noch einer drauf gelegt werden. Experten der Uni Hamburg wollen die Oldesloer im großen Stil zum Betriebssport bewegen. Eigentlich eine gute Idee, wenn da nicht die knappen Sport-Ressourcen wären. Unser Zeichner Götz Wiedenroth hat da so eine eigene Vision und Version: Die Betriebssportler lassen den anstrengenden Teil weg und kommen gleich zum gemütlichen. Ein gutes Betriebsklima ist ja auch nicht zu verachten.

Neue Prioritäten für Schulhöfe

Das Schulzentrum und die geplanten Maßnahmen

Stormarner Tageblatt vom 4. Juli 2008

Neue Prioritäten für Schulhöfe

Nächstes Jahr sollen der IGS-Schulhof und der TMS-Sportplatz gebaut werden. So haben es die Sozialpolitiker beschlossen.

Bad Oldesloe/ol

– War das nun ein Erfolg für die IGS-Schüler oder sind sie doch nur taktisch klug vertröstet worden?

Die Schüler hatten sich bereits 2005 in einem Beteiligungsverfahren eingebracht und ihre Vorstellungen zur Schulhofgestaltung dargelegt. Daraus ist eine Prioritätenliste erstellt worden. Doch wie es so ist: Papier ist geduldig. Es gab häufiger Gründe, von der ursprünglich festgelegten Reihenfolge abzuweichen. In der Konsequenz wurde hier und da zwar was gemacht, aber die IGS hat immer noch keinen vernünftigen Schulhof. Deshalb protestierten die Jugendlichen neulich, als abermals von der Liste abgewichen werden sollte, um Fahrradständer und eine Rettungszufahrt an der Mommsen-Schule sowie den Vorplatz der Mensa zu bauen. Die Integrierte Gesamtschule geht entgegen der Prioritätenliste wieder leer aus.

Die Stadtverordneten hatten den Schüler versprochen, sich der Sache anzunehmen. Jetzt stand das Thema wieder auf der Tagesordnung des Sozialausschusses – und der Schwarze Peter wurde munter hin und her gereicht. Fakt ist, in diesem Jahr kann der so genannte „Aldi-Platz“, den die Schüler unbedingt verändert haben wollen, nicht mehr gemacht werden. Selbst wenn Geld zur Verfügung gestellt werden würde. Obwohl das Projekt seit 2006 ziemlich weit oben auf der Liste steht, gibt es noch keine konkrete Planung. Und in diesem Jahr sei die auch nicht mehr machbar. Thema durch.

Aber nächstes Jahr soll das Areal auf jeden Fall angefasst werden – zumindest nach dem Willen der Sozialpolitiker. Bauamtsleiter Rolf Steinhoerster lehnte sich zurück und grinste entspannt. „Die Verschiebung von 2007 auf 08 war kein Vorschlag der Verwaltung“, stellte er klar und ergänzte auch gleich: „Ich kann Ihnen zusichern, dass wir keine Gründe finden werden, es erneut zu schieben.“

Der Beschluss, den Schulhof doch nicht zu bauen, kam damals aus dem Finanzausschuss. Und der könnte auch diesmal wieder einen Strich durch die Rechnung machen. Das ficht Vorsitzende Angela Fehrmann erstmal nicht an. Energisch sagte sie: „Wir beschließen, dass wir das so wollen!“ Und der Sozialausschuss hat sogar noch mehr beschlossen. 30 Prozent des Sportunterrichts am Gymnasium fallen aus, weil es einfach keine Hallenkapazitäten gibt. Rektor Dr. Rolf Kuhl lobte zwar das Travestadion, aber „da können wir für eine Stunde gar nicht hingehen, das lohnt nicht.“ Die Situation ist seit Jahren bekannt und nicht nur aufs Gymnasium beschränkt. Deshalb sprachen die Ausschussmitglieder in diesem Punkt einstimmig Klartext: Sie wollen den Sportplatzbau und die Gestaltung des TMS-Schulhofs auf das kommende Jahr vorgezogen haben. Dafür müsste der Finanzausschuss 460 000 Euro bewilligen.

Andreas Olbertz

Kein Geld für Schnittchen beim Jubiläum

Stormarner Tageblatt vom 4. Juli 2008

Kein Geld für Schnittchen beim Jubiläum

Das nennt man wohl eine klassische Abfuhr: Der Verein „Frauen helfen Frauen“ wollte 2 700 Euro für eine Jubiläumsfeier - bekommt aber nur 500.

Bad Oldesloe/ol

– Kleine Summe – große Debatte, die alte Weisheit bestätigte sich jetzt mal wieder im Sozialausschuss. Über vergleichsweise unbedeutende 2 700 Euro haben die Ausschussmitglieder in aller Ausführlichkeit debattiert.

Der Verein „Frauen helfen Frauen“ wird 20 Jahre alt. Das soll im September mit einem Festakt für 100 geladene Gäste gefeiert werden. Kostenpunkt: 3 000 Euro. Das Geld hat der Verein aber nicht und wollte deshalb von der Stadt 2 700 Euro Zuschuss haben. Damit ging das große Hacken los. Für die SPD stellte Jens-Pieter Friese klar: „Es würde uns gut zu Gesicht stehen, das zu unterstützen.“ Fraktionskollegin Birgit Weißmann ergänzte: „Die haben ja gar kein eigenes Geld.“

Ausschussvorsitzende Angela Fehrmann gab für die CDU zu bedenken: „Für einen Tag, für eine Veranstaltung wird ganz schön viel Geld angesetzt.“ Betretene Miene bei Giesela Bojer, Mitarbeiterin von „Frauen helfen Frauen“: „Wir waren eigentlich davon ausgegangen, dass der Dachverband uns unter die Arme greift, aber ausgerechnet in diesem Jahr haben die beschlossen, keine Jubiläen mehr zu fördern.“ Pech für die Oldesloerinnen.

Wie die Frauen ausführten, muss der Verein stark kämpfen, um seine hauptamtlichen Mitarbeiterinnen überhaupt bezahlen zu können. 22 000 Euro werden in diesem Jahr an Spenden benötigt, um den Haushalt auszugleichen. 9 000 fehlen noch.

Eine Steilvorlage für Anita Klahn von der FDP, um die Antragstellerinnen regelrecht zu exekutieren. „Der Verein hat ein großes Loch und will auch noch ein großes Fest feiern?!“, kritisierte sie: „Wenn man kein Geld hat, muss man sich von gewissen Sachen verabschieden.“ Dann ging sie so richtig in die Vollen: Eingeladen sei ein großer Kreis von Insidern, die müssten nicht mit einem Büfett versorgt werden. Eine Festschrift sei gut und schön, aber es sei üblich, sowas über Anzeigen zu finanzieren. Und auch das Argument, die Feier sei für die vielen ehrenamtlich im Verein Tätigen mal ganz schön, ließ sie ebenfalls nicht gelten, schließlich würde auch in anderen Vereinen und der Kommunalpolitik viele Stunden ehrenamtlich gearbeitet. Ihr Vorschlag: „Wir bewilligen Ihnen 500 Euro. Damit können Sie machen was Sie wollen. Von mir aus gehen Sie mit Ihren Frauen nett essen, aber politische Vertreter brauchen keine Häppchen.“ Zusammen mit den Stimmen der CDU ging dieser Vorschlag durch.

„Unglaublich“, ärgerte sich Zuhörerin Cornelia von der Heydt: „Ich finde, wir sollten einen Hut rumgehen lassen und Spenden sammeln.“ Sie zückte gleich ihre Geldbörse.

andreas Olbertz

Oldesloe wird Träger für die Ganztagsangebote

Lübecker Nachrichten vom 4. Juli 2008

 

Oldesloe wird Träger für die Ganztagsangebote

Stadt erarbeitet jetzt Rahmenverträge

Entspannung als Mittagsaktivität, Musik, Basteln oder Sport am Nachmittag. Doch wer ist eigentlich Träger der vielen Angebote an den offenen Oldesloer Ganztagsschulen? Da es vom Land dafür keine Regelung gibt, machte sich die Stadt Gedanken.

VON SUSANNA FOFANA
BAD OLDESLOE – Eines ist klar: Eine solche Trägerschaft muss festgelegt werden. In einem Workshop mit Vertretern von Politik, Schulen und Verwaltung zum Thema Ganztagsschule im März wurde dies erneut deutlich. Wenn Vereine oder Organisationen eine solche Trägerschaft übernehmen, entstehen jedoch zusätzliche Kosten für die Ganztagsangebote. Deshalb suchte Bad Oldesloe nach einer Lösung, in der die Schulen ihre Eigenständigkeit behalten.

Denkbar ist, dass die Stadt Bad Oldesloe als Schulverband die Trägerschaft übernimmt. Denn die Schulleitungen verfügen nicht über eine Rechtsfähigkeit. Das bedeutet: sie können keine Kooperations- oder Honorarverträge abschließen. Hier sollen nun entsprechende Rahmenverträge erarbeitet werden. Mit einem entsprechenden Modell können die Kursangebote an an den vier offenen und einer gebundenen Ganztagsschule geregelt werden. Unterstützung sollen die Schulen zudem vom Sachbereich Kinder und Jugend erhalten.

Jede der Oldesloer Schulen hat auch noch ihre Besonderheit. An der Stadtschule werden montags bis donnerstags 40 offene Angebote von etwa 280 Schülern besucht. Dort sind 14 Absolventen des Freiwilligen Sozialen Jahres im Einsatz. Finanziert wird die Maßnahme überwiegend über das Ministeriums-Projekt „Geld statt Stellen“. Schulen können damit freie Lehrerstellen in Geld umwandeln und damit selbst Lehr- oder Fachkräfte anstellen.

Die Integrierte Gesamtschule bietet als gebundene Ganztagsschule an vier Tagen insgesamt 90 Angebote als Mittagsaktivitäten an. Schulen mit gebundenem Ganztagsbetrieb erhalten drei zusätzliche Lehrerwochenstunden. Der Elternverein hat zudem mit zehn Wochenstunden einen Ganztags- Koordinator eingestellt.

22 offene Angebote gibt es von Dienstag bis Donnerstag an der Grundschule West. Für die Koordination der Angebote erhält die Schule zwei zusätzliche Wochenstunden. Die Theodor-Mommsen- Schule ist zwar keine offene oder gebundene Ganztagsschule. Doch mit der Einführung des Abiturs in zwölf Jahren (G 8) findet auch an der TMS Nachmittagsunterricht statt. Die TMS bekommt keine weitere Unterstützung dafür. Oldesloes Ganztagsschulen erhalten seit diesem Jahr pro Schüler 40 Euro zusätzlich für die Extra- Angebote. Der Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss beauftragte die Verwaltung bei seiner ersten Sitzung, entsprechende Rahmenvereinbarungen für die Trägerschaft zu erarbeiten.

Zwar hätten viele Oldesloer Schulen gern Sozialpädagogen für die Schulsozialarbeit an ihrer eigenen Schule. Doch vorerst bleibt es bei den beiden Vollzeitstellen im Schulzentrum, beschloss der Oldesloer Fach-Ausschuss. Mit den beiden Sozialpädagogen will die Stadt nun erst einmal Erfahrungen sammeln.

 

9,5 Millionen mehr für die Stadt – wohin damit?

Stormarner Tageblatt vom 2. Juli 2008

9,5 Millionen mehr für die Stadt – wohin damit?

Die Stadt erhält unverhoffte Steuereinnahmen. Einmalig flattern 9,5 Millionen Euro zusätzlich in die Kasse. Die Grünen fordern, mit einem Teil der Einnahmen kostenlose Mensa-Essen zu bezahlen.

Bad Oldesloe/ol

Für die Kreisstadt ist dieser Tage schon Weihnachten: Knapp zehn Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen sprudeln zusätzlich in die Stadtkasse, ein Plus von sage und schreibe 100 Prozent – allerdings nur einmalig, da es sich um Nachzahlungen handelt.

Wer viel bekommt, muss auch viel weiterreichen. Der Kreis hält seine Hand auf, es müssen Pflicht-, Verfahrens- und Sonderrücklagen gebildet und Pensionsrückstellungen getätigt werden – unterm Strich bleiben 5,2 Millionen wirklich bei der Stadt. Das Geld muss in einem Nachtragshaushalt verbucht werden und steht auch nicht wirklich zur freien Verfügung. Rücklagen für Bahnhof und Bauhof, weniger Kreditaufnahme, Sondertilgung und Gewerbesteuerumlage zählt der Bürgermeister auf: "Am Ende bleiben 50000 wenn die Politik nicht anders entscheidet."

Wenn es nach den Grünen geht, wird anders entschieden. Sie wollen mit einem Teil des Geldes kostenlose Mensa-Essen finanzieren. "Bildung fängt im Bauch an, und unsere Schüler sollen ordentlich lernen", argumentiert Fraktions-Chef Gerold Rahmann. Zudem könne mit einem gesunden Mensa-Essen auch Problemen wie Übergewicht und Fehlernährung entgegen gewirkt werden. Er rechnet vor: 300 verkaufte Essen täglich zum Preis von 2,80 Euro ergibt eine Summe von 90000 Euro jährlich. "Diesen Betrag kann die Stadt auch noch leisten", findet der Grüne und rundet sogar auf 100000 Euro auf.

 

Rahmann: "Die SPD ist dabei, wir brauchen nur eine Stimme von der FDP – und Anita Klahn hat in der Vergangenheit immer in dieses Horn geblasen. Die Zeit der Sprüche ist jetzt vorbei."

Ist die SPD wirklich dabei? "Der Ansatz der Grünen ist gut", bestätigt SPD Fraktions-Vorsitzender Hagen von Massenbach, aber festlegen will er sich noch nicht. Er kritisiert: "Das Tempo ist schwierig. Wir haben Freitag erst von dem Geld erfahren und sollen jetzt schon einen Nachtragshaushalt beschließen? Die Zeit reicht vielleicht, um eine Wunschliste abzuarbeiten, aber nicht, um vernünftige Konzepte zu entwickeln." Er macht deutlich, dass Oldesloe in schlechten Jahre einen "starken sozialen Rückbau" erleben musste. Jetzt gehe es der Stadt besser. Deshalb müsse zumindest ein Teil des Geldes auch wieder bei den Bürgern ankommen. Er regt deshalb erneut an, Fonds für beispielsweise soziale oder ökologische Projekte anzulegen. Die sollen jeweils mit einem festen Prozentsatz des Haushaltes ausgestattet werden. Aus diesen Sondertöpfen könnte dann beispielsweise das Mensa-Essen bezahlt werden.

Die Liberale Anita Klahn steht nicht auf der Seite der Grünen: "Mein Mann verdient gut, ich möchte das Essen meiner Kinder gerne weiter bezahlen. Kostenloses Essen nach dem Gießkannenprinzip ist falsch." Sie fordert stattdessen eine zielgerichtete Förderung, die die Kinder nicht stigmatisiert. Als Vorbild führt sie Wedel an. Dort bezahlen die Kinder mit ihrem Schülerausweis, quasi wie mit einer Geldkarte. Ob dahinter das Konto der Eltern oder ein städtischer Zuschuss stehe, bekomme niemand mit. Klahn bemängelt: "Was die Grünen machen, ist Populismus. Das muss man vernünftig durchrechnen, damit es Bestand für die nächsten Jahre hat."

Nicht ganz unerwartet spricht sich die CDU-Finanzexpertin und Vorsitzende des Finanzausschusses, Birgit Reichardt-Mewes, für Sondertilgungen aus: „Wenn man keine Schulden hat, hat man eine Menge Freiheiten, dann hat man den kompletten Nutzen seines Geldes.“ Sie schränkt allerdings ein: „Wir haben vor der Wahl gesagt, im Bereich Essens-Kosten muss was passieren, das gilt selbstverständlich auch nach der Wahl.“ Die Fraktion habe über das Thema zwar noch nicht beraten, der Zeitpunkt sei jetzt aber günstig so Reichardt-Mewes: „Es muss sowieso ein Zuschuss an den Betreiber gezahlt werden, da kann man sich auch mal generell über die Sache unterhalten.“

Andreas Olbertz

Zehn Millionen mehr für Oldesloe

Lübecker Nachrichten vom 1. Juli 2008

Zehn Millionen mehr für Oldesloe

Nachtragshaushalte müssen nicht immer schlecht sein: Der ursprüngliche Oldesloer Haushaltsplan muss jetzt geändert werden, weil die Stadt fast zehn Millionen Euro mehr an Gewerbesteuern einnimmt.

VON JOACHIM STRUNK
BAD OLDESLOE – „Über den Entwurf des Ersten Nachtragshaushalts 2008 konnten hohe Gewerbesteuernachzahlungen verbucht werden“, verkündet der  Bürgermeister der Kreisstadt, Tassilo von Bary. Einen derartigen Geldsegen würde man sich gerne öfter wünschen: „Der Gewerbesteueransatz stieg um 100 Prozent von 9,5 auf 19 Millionen Euro.“

Allerdings handelt es sich hierbei nur um eine einmalige „Aktion“. Die hohe Summe resultiert aus Nachzahlungen aus den Vorjahren. Und so hochwie die  besagten 9,5 Millionen Euro sind die Nettomehreinnahmen der Stadt leider auchnicht, da sie aufgrund der Systematik des Finanzausgleichs für das nächste Jahr gleichzeitig deutliche Mehrbelastungen bringen werden.

„Von diesen Mehreinnahmen müssen mehr als vier Millionen Euro ins nächste Jahr verlagert werden,umdie entsprechenden Belastungen in 2009 aufzufangen“, erklärt von Bary. So muss die Stadt Bad Oldesloe diverse Pflichtrücklagen – unter anderem für Pensionen und Altersteilzeit – sowie Sonderrücklagen für die Abrechnung verschiedener Maßnahmen bilden.

Sehr angenehm sei es natürlich, dass „unterm Strich die Kreditaufnahme von ursprünglich rund 2,4 Millionen auf rund 1,4 Millionen Euro reduziert werden“ könne. Außerdem freut sich der Verwaltungschef über eine somit möglich gewordene Sondertilgung von 1,6 Millionen Euro. Der Schuldenstand von Bad Oldesloe sinkt damit bis zum Jahresende 2008 auf 5,3 Millionen Euro. „Das bedeutet gegenüber dem im Ursprungshaushalt prognostizierten Schuldenstand eine Reduzierung um 4,5 Millionen Euro“, sieht sich von Bary auf seinem Konsolidierungsweg bestätigt. Das Gesamtvolumen der Stadt Bad Oldesloe beträgt damit knapp 60 Millionen Euro, davon 45 Millionen für den Verwaltungshaushalt (laufender Betrieb) und 15 Millionen Euro für den Vermögenshaushalt (Investitionen).

Dieser Geldsegen weckt logischer Weise auch Begehrlichkeiten. So stellte die Fraktion der Grünen gleich einen Antrag für die nächste Stadtverordnetenversammlung, das Mittagessen in der Mensa der IGS/TSS für alle Schüler/innen kostenlos anzubieten. Es sollten in diesem Jahr 50 000 und im Haushalt 2009 dafür 100 000 Euro zusätzlich eingeplant werden. Während die SPD sich diesem Ansinnen anschließt – Fraktionsvize Maria Herrmann: „Die Bürger sollen auch etwas von den Mehreinnahmen haben“ – lehnen CDU und FDP dies rundweg ab. CDU-Chef Horst Möller: „Das ist nur ein Einmaleffekt. Was nächstes Jahr kommt, wissen wir doch gar nicht.“ Und Heiko Vosgerau von der FDP: „Wir warnen vor Schnellschüssen. Das ist hier kein Anlass für Leichtfertigkeit.“