Stormarner Wochenschau
Stormarner Tageblatt vom 22. Mai 2010
Langeweile trotz Hochbetriebs
EINGENICKT: Was für ein Abend. Zweieinhalb Stunden Kandidaten-Power, Schlagabtausch, Rededuell, Wortgefechte... von wegen. Was da in der Festhalle bei der Kandidatenrunde der Stadt geboten wurde, war geballte Langeweile. Da hätte man auch Plakate aufstellen und Tonbänder laufen lassen können. Der Abend hätte spannend werden können, wenn Moderator Marc Ziertmann sich nicht darin gefallen hätte, sein eigenes Fachwissen unter Beweis zu stellen, sondern mal kritisch nachgehakt hätte: Interkommunale Kooperation – der erste Schritt zur Eingemeindung der Umlandgemeinden? Kinderhilfsfonds – wo soll das Geld denn noch herkommen? Innenstadtmagnet – etwa einer mit Fußballplatz auf dem Dach? Betriebskindergärten – nu aber mal Butter bei die Fische! Schuldenhalbierung – hat das nicht die Politik beschlossen? Es hätte jede Menge Möglichkeiten gegeben, den Kandidaten auf den Zahn zu fühlen. Leider wurde die Chance vertan, nachzuhaken, ob hinter den Worthülsen mehr steckt als heiße Luft.
AUFGEMUCKT: Jahrelang haben sich die Oldesloer Sportvereine durch Zank, Missgunst und Separation hervorgetan. Meins, meins, meins statt gemeinsamer Zielrichtung. Und dann plötzlich das: Sechs Vereine mit mehreren tausend Mitgliedern im Rücken tun sich zusammen und präsentieren den Bürgermeisterkandidaten einen abgestimmten Fragenkatalog. Respekt, die Idee ist gut! Nur leider sind die Adressaten falsch. So ein Bürgermeister hat nichts zu sagen, er muss das umsetzen, was die Politik beschließt. Wenn er gut ist, kann er Wege aufzeigen und Beschlüsse vorbereiten, aber Entscheidungen fällen die Stadtverordneten. Die Kommunalwahl wäre das richtige Umfeld gewesen. Eins ist aber deutlich geworden: An den alten Egoismen hat sich nichts geändert. Da wird kritisiert und gefordert wie eh und je, da soll Kultur gegen Sport ausgespielt werden, aber von neuen Wegen oder spritzigen Ideen war nichts zu spüren.
ABGELENKT: Weil die eine Autobahnabfahrt gesperrt ist, wird an der anderen gleich eine Ampel aufgestellt – theoretisch verdoppelt sich ja das Verkehrsaufkommen. Wenn die Stadt Bad Oldesloe eine der beiden Haupteinfallsstraßen aus Richtung Autobahn komplett dicht macht, dann erfahren die Autofahrer das erst, wenn sie kurz vor der Baustelle stehen. Vorhinweise? Andere Ampelschaltungen, damit der Verkehr auf der doppelt belasteten Route läuft? Fehlanzeige! Man kann sich sein Verkehrschaos auch selbst machen. Aber es ist ja noch Zeit. Die Industriestraße bleibt für die nächsten Monate gesperrt.
UMGELEGT: Armer Muschelläufer! Nun muss die umstrittene Ahrensburger Kunstfigur mit ihren Fehlern leben. Die Hand ist nach einem Sprengstoffanschlag seit mehreren Monaten verbunden, und das wird sie auch bleiben. Verwaltung und Politik lehnen es ab, den Muschelläufer ein weiteres Mal für viel Geld reparieren zu lassen. Da nutzte es auch nichts mehr, dass der Künstler Martin Wolke der Stadt preislich entgegen gekommen war. In Ahrensburg gilt eine neue Maxime: Nicht mehr die Unversehrtheit, sondern die Verkehrssicherheit ist ausschlaggebend für das Kunstwerk. Was natürlich nicht heißt, dass der umstrittene Muschelläufer, der schon so manches in seinem Dasein hat erdulden müssen, nun zum „Abschuss“ frei gegeben ist. Unsere Karikaturist Götz Wiedenroth hat sich trotzdem mal so seine zeichnerischen Gedanken gemacht, wie der Blaumann in ein paar Jahren daher kommen könnte.
Rolf Blase / Andreas Olbertz
Viel Interesse an Kandidaten

Stormarner Tageblatt vom 21. Mai 2010
Fragerunde förderte keine großen Unterschiede zwischen den Bewerbern zu Tage
Bad Oldesloe
Der eine sitzt stocksteif, der andere fummelt nervös mit seinen Fingern – ein Moderator, vier Kandidaten und rund 300 Zuhörer in der Festhalle, die konzentriert verfolgen, was die Bewerber für das Bürgermeister-Amt so zu sagen haben. Am 13. Juni sind die Oldesloer aufgerufen, einen neuen Verwaltungs-Leiter zu wählen, der dann am ersten Oktober seinen Dienst antritt. Vier Männer bewerben sich um den Posten. Amtsinhaber Tassilo von Bary will es für weitere sechs Jahre wissen, sein Reinfelder Amtskollege Gerhard Horn würde gerne als Chef ins Oldesloer Rathaus zurück kehren, Hagen von Massenbach ist SPD-Fraktionsvorsitzender und Hauptamtsleiter in der Amtsverwaltung – auch er wäre gerne Bürgermeister. Als Außenseiter ist da noch der Ahrensburger Unternehmer Klaus Schädel, der sein Glück in der Kreisstadt versucht.
Nach dem Seniorenbeirat und den Sportlern mussten sich die Kandidaten in dieser Woche nun auch noch bei der „offiziellen“ Vorstellungsrunde der Stadt präsentieren. Der Abend war in drei Blöcke gegliedert: Vorstellung, Fragen des Moderators, Fragen aus dem Publikum.
Es war ein Abend der leisen Töne und vieler Gemeinsamkeiten, kaum Differenzen, schon gar keine Attacken.
Vorstellung: Einigkeit statt Attacke
Konsens prägte Bürgermeister-Runde
Bad Oldesloe
Dritte Vorstellungsrunde für die Bürgermeister-Kandidaten in Folge – und das Interesse der Oldesloer ist groß. Mit rund 300 Besuchern war die Festhalle zur „offiziellen“ Vorstellung gut gefüllt.
Kein Mucks, keine Zwischenrufe, da wurde nicht mal gehustet – konzentriertes Zuhören, was die Kandidaten zu sagen haben. Und man musste teilweise schon genau hinhören, um die feinen Unterschiede zwischen den Bewerbern herauszuhören. Auf der Bühne ging es nämlich sehr sachlich zu. Keine lautstarken Parolen, kein Polemisieren und auf die Gegner wurde schon gar nicht eingedroschen. Von Schlagabtausch konnte keine Rede sein, alle sagten artig ihre Verslein auf. Moderator Marc Ziertmann musste nicht mal wegen ausufernder Statements einschreiten.
Keiner ist für Privatisierung, die Verwaltung sehen alle schon jetzt gut aufgestellt und mit Sparvorschlägen wollte keiner Wähler vergrätzen. „Da müssen wir erst mal abwarten, was wirklich auf uns zu kommt“, hieß es unisono.
In so viel Konsens ging es fast unter, dass Gerhard Horn Betriebskindergärten propagierte. Die seien zwar noch nicht konform mit den Förderrichtlinien, „aber da werden wir sicher hinkommen.“ Offene oder gebundene Ganztagsschule ist ihm egal. „Entscheidend“, so Horn, „ist doch die Verlässlichkeit“. An der Stelle gab es dann tatsächlich mal Widerspruch von Hagen von Massenbach. Der stellte klar: „Bei der gebundenen Ganztagsschule geht es nicht um Betreuung, sondern um eine gänzlich andere Lernform.“ Deshalb genieße die Stadtschule bei ihm Priorität.
Für Tassilo von Bary kommt ein Teil der Oldesloer Schulprobleme aus Reinfeld. Weil die dortige Gesamtschule nicht so gut angenommen werde, müsse das Oldesloer Gymnasium jährlich 40 Reinfelder Schüler aufnehmen. Klaus Schädel ist für Bildung, „weil es immer noch Schulabgänger gibt, die nicht wissen, wie man die Wurzel aus 257 zieht.“
Klaus Schädel kritisierte Parteieneinfluss bei der Vergabe von Posten in der Verwaltung. Auch ein Punkt, an dem es mal Widerspruch gab. „Das haben wir nicht nötig“, beteuerte Tassilo von Bary: „Wir haben ein ganz anderes Problem, nämlich zunehmende Arbeitsverdichtung und Nachwuchsmangel.“ Was wollen Sie für Migranten tun? Wie halten Sie es mit Gutachten? Was machen Sie mit Unterschriftensammlungen? Keine der Fragen aus dem Publikum im dritten Teil des Abends, vom Moderator groß als Showdown angekündigt, konnte einen der Kandidaten in Bedrängnis bringen, oder wirklich zur Erhellung beitragen. Einen kurzen Moment der Erheiterung gab es immerhin bei der letzten Frage eines Zuhörers, wie es denn mit einem Plan B der Kandidaten für den Fall aussehe, dass sie nicht gewählt würden. Für Tassilo von Bary war die Sache klar: „Wenn ich ausscheide, gehe ich in Pension. Aber ich glaube nicht, dass ich dann untätig sein werde.“ Für Hagen von Massenbach auch: „Mein Bedarf an Kandidaturen ist gedeckt, ich würde an meinen Arbeitsplatz zurückkehren.“ Klaus Schädel drückte es prosaischer aus: „Wenn man so eine Wahl verliert, ist man nicht gescheitert. Dann mache ich eben was anderes.“ Lediglich Gerhard Horn blieb etwas dunstig: „Ich habe eine Urkunde als Beamter. Die könnte ich gegen eine andere tauschen, oder auch nicht.“
Andreas Olbertz

- Tassilo von Bary

- Hagen von Massenbach

- Gerhard Horn

- Klaus Schädel
Kurz-Porträts des Amtsinhabers und der drei Bürgermeisterkandidaten
Tassilo von Bary
56 Jahre alt, in Oldesloe geboren und aufgewachsen. Seit 36 Jahren verheiratet. „Meine Frau hält es immer noch mit mir aus.“ Zwei erwachsene Töchter.
„Mit 13 Jahren habe ich das Stormarner Tageblatt ausgetragen – das war einträglicher als Erdbeerpflücken.“ Anschließend hat er sich dann aber für eine Verwaltungslaufbahn in Hamburg entschieden.
Seit 1983 wohnt die Familie in Travenbrück, wo Tassilo von Bary auch einige Jahre als Kommunalpolitiker aktiv war. 2004 wurde er Oldesloer Bürgermeister. „Die Zeit ist wie im Flug vergangen.“
Hagen v. Massenbach
40 Jahre alt, geschieden. Im Lebenslauf präsentierte er sich als Auto: „Jung, dynamisch, geländetauglich.“ Unter Zusatzausstattung rangierten die beiden Kinder, die Lebensgefährtin sowie die Hobbys Laufen und Radfahren.
Dreieinhalb Jahre als Soldat haben ihn mit der Bundeswehr nach Dänemark geführt. Über verschiedene Verwaltungsstationen ist er ins Amt Bad Oldesloe Land gekommen.
Mitte der 90er Jahre Eintritt in die SPD, seit 2003 Stadtverordneter. „Ich kenne beide Seiten. Das ist schon mal eine gute Ausstattung.“
Gerhard Horn
56 Jahre alt, zum zweiten Mal verheiratet, drei Kinder aus erster Ehe und eine fünfjährige Tochter. „Wir leben hier ausgesprochen gerne, Oldesloe ist eine liebenswerte Stadt.“
Nach diversen Verwaltungsstationen als Büroleitender Beamter im Oldesloer Rathaus, 2002 der Ruf nach Reinfeld, wo er seit acht Jahren Bürgermeister ist.
Seine Familie bezeichnete er als „kleine Ladestation“. Hobbys sind Langlauf und Malen.
Er sieht sich als Bindeglied zwischen Politik, Verwaltung, Vereinen und Verbänden.
Klaus Schädel
51-jähriger Ahrenburger. Seit 2009 verheiratet, eine 30-jährige Tochter, die seit acht Jahren im Koma liegt. Als Hobbys führte er seine Arbeit, seine Frau, Reisen und politische Literatur an.
Bei der Bundeswehr hat er mir 23 Jahren einen 40-Mann-Zug geleitet, anschließend Elektrotechnik studiert, seit 15 Jahren ist er selbstständig.
„Ich kann ein sehr unbequemer Zeitgenosse werden, wenn ich Missstände entdecke.“ In Ahrensburg war er Mitglied des Finanzausschusses. Bei der dortigen Bürgermeisterwahl bekam er knapp 13 Prozent der Stimmen.
Sachliches Werben um die Wähler
Lübecker Nachrichten vom 21. Mai 2010
Bad Oldesloe – Wer wird am 13. Juni Bürgermeister in Bad Oldesloe? Die vier Bewerber um das Amt stellten sich jetzt am Mittwoch „offiziell“ den Bürgern vor. Ein klarer Favorit ließ sich noch nicht ausmachen.
Eines war es nicht: eine Casting-Show, die die rund 300 Oldesloer Bürger im Festsaal der Stadt zu sehen bekamen. Weder kullerten Tränen, noch gab es hysterische Zusammenbrüche, noch wurde einer der vier Kandidaten für das Bürgermeisteramt von Bad Oldesloe nach alter Dieter-Bohlen-Manier fertiggemacht.
Vielmehr entpuppte sich der offizielle Vorstellungsabend der Kandidaten – moderiert von Marc Ziertmann, stellvertretender Geschäftsführer des Städteverbandes Schleswig-Holsteins – als eine sachliche, eher unaufgeregte Veranstaltung. Bis auf einen Ausreißer: Der Stadtverordnete Jürgen Schneider (SPD) stellte Gerhard Horn (parteilos), noch amtierender Bürgermeister von Reinfeld, die Vertrauensfrage. „Sie rennen weg in Reinfeld“, ereiferte er sich. Was kommt – im Falle eines Wahlsieges – nach Bad Oldesloe, „die nächste Stadt“? Es war der einzige Versuch, einen der vier Bürgermeisterkandidaten vorzuführen. Horn, der von der CDU und FDP vorgeschlagen wurde, stellte klar: „Ich habe das Interesse, da tätig zu sein, wo ich auch lebe. Einen Wechsel nach Freiburg oder Glückstadt kann ich mir nicht vorstellen.“ Das war’s. Sowohl der derzeitige Bürgermeister Tassilo von Bary (parteilos), als auch Hagen von Massenbach (SPD) sowie Klaus Helmut Schädel (parteilos) mussten keine Seitenhiebe einstecken.
Jeder von ihnen stellte sich persönlich vor, berichtete aus seinem Leben und beruflichen Werdegang. Horn, ein Verwaltungsmensch durch und durch, umgibt ein leicht intellektueller Touch. Ein Best-Ager mit 56 Jahren, ein Mensch, der unzählige kommunale Ämter bekleidet. Kraft, Kreativität und Ideenreichtum, seine drei Stärken, tankt er in seiner Familie, beim Laufen und Malen wieder auf. „Ich sehe mich als Scharnier, als Bindeglied zwischen den Bürgern, Interessenverbänden und der Selbstverwaltung.“
Hemdsärmeliger kommt Tassilo von Bary (parteilos) daher. Unterstützung durch eine Partei hat der 57-jährige nicht, „ich war auch schon 2004 Einzelbewerber“. Er setzt auf sich als Marke. Verwurzelt mit Bad Oldesloe, „möchte ich gerne Bürgermeister bleiben“. Er wirbt für sich mit der Vergangenheit, den vergangenen sechs Jahren. Der Tatsache, dass der Schuldenberg der Stadt von elf auf fünf Millionen Euro in seiner Amtszeit gesunken ist. Gleichwohl ist ihm klar: In Zeiten leerer Kassen werde er „keine hektischen Sparpläne machen“.
Mit einer, wie er selbst sagt, gut eingefahrenen und getunten Karosserie fährt der Youngster unter den Bewerbern um das Bürgermeisteramt, Hagen von Massenbach (SPD), in den Kampf um die Stimmen der Bürger. Der 40-jährige, den tatsächlich etwas Jungenhaftes umgibt, bringt als Leiter des Hauptamtes im Amt Oldesloe-Land dafür jede Menge Verwaltungserfahrung mit. „Ich kenne beide Seiten“, wirbt er um Wählerstimmen. Als Politiker, der etwas auf den Weg bringt, als Verwaltungsmann, der die Politik betreut. Die „optimale Ausstattung“. Der Mensch steht bei ihm im Fokus, „die Gesellschaft bricht auseinander“. Dagegen will er kämpfen.
Auch bei Klaus Helmut Schädel (parteilos) steht der Mensch im Mittelpunkt. „Ich kann ein unbequemer Zeitgenosse sein, wenn ich Missstände entdecke.“ Schädel, ein Außenseiterkandidat aus Ahrensburg, bringt als einziger keine Verwaltungserfahrung mit. Dafür Erfahrungen aus einem Wahlkampf: Auch in seiner Heimatstadt trat er als Bürgermeisterkandidat an und erreichte – immerhin – einen Stimmenanteil von über zwölf Prozent.
„Ich bin Autodidakt“, erklärt der Unternehmer. Er will eine Grundlinie vorgeben, die Demokratie erhalten, den Bürger und seine Rechte stärken. Und sagt klipp und klar: „Die Zeiten werden härter, wir müssen alle den Gürtel enger schnallen.“ Schädel verkauft sich als Pragmatiker, der das Alte bewahren und pflegen will, allein schon aus Kostengründen.
Von K. Kuhlmann-Schultz
Licht an – Spot aus: Für dieses Strahlen ist zurzeit kein Geld da

- In einem ganz neuen Licht präsentiert sich der Marktplatz von Bad Oldesloe – zumindest, wenn es nach dem Konzept von Hans Plegge geht. Pläne: PLEGGE PLANTENER
Lübecker Nachrichten vom 21. Mai 2010
Bad Oldesloe – Kleine Anfrage, große Wirkung: Die Stadtverordnete Tamara Thiesen (SPD) wollte den Marktplatz mit einer Beleuchtung des Gänselieselbrunnen verschönern. Zusätzlich schlug sie vor, in den Fenstern des Alten Rathauses – wahlweise auch im Stadthaus – Lampen in die Fenster zu stellen, die per Zeitschaltuhr zum Leuchten gebracht werden könnten. Diese Anregung für eine heimeligere Atmosphäre in der Innenstadt hatte ungeahnte Konsequenzen: Die Stadt ließ ein Beleuchtungskonzept für den Marktplatz erstellen. Kosten: rund 2500 Euro.
„Wir waren entsetzt, was aus dieser Anfrage wurde“, erinnert sich die Vorsitzende des Bau- und Planungsausschusses, Maria Herrmann (SPD). Obwohl sie findet: „Das Konzept ist gelungen“. Wie auch ein Blick auf die Internetseiten der Kreisstadt zeigt. Dort steht das Beleuchtungskonzept unter Aktuelles und Presse immer noch und „erleuchtet“ den Betrachter.
Aber eine Umsetzung ist erst einmal vom Tisch, wie Frank Duwe, der neue Leiter des Bad Oldesloer Bauamtes auf Anfrage der LN erklärte. In Zeiten leerer Kassen lassen sich die 80 000 bis 90 000 Euro dafür nicht aufbringen. „Wir haben es auf Eis gelegt.“ Gleichwohl könnte das Konzept wieder aufgetaut werden, wenn es zu einer Umgestaltung der Bereiche Hagenstraße und Kleiner Zob kommt. Zumal eine Umsetzung auch in kleinen Abschnitten möglich ist – entsprechend hat das Büro Plegge Plantener aus Hamburg geplant. „Wir wollen dieses Jahr in die Planung gehen“, so Duwe, und 2011 die Umgestaltung verwirklichen. Mal sehen, ob auf dem Marktplatz dann die Lichter angehen.
Von K. Kuhlmann-Schultz
Sporthallen statt Kulturzentrum

- "Viele Probleme zwischen den Vereinen werdem aus der Not geboren und wären vermeidbar." Hagen von Massenbach, Kandidat der SPD

- "In den vergangenen Jahren wurden 3,8 Millionen in die Sportanlagen investiert." Tassilo von Bary, Amtsinhaber

- Die Ganztagsschule ist Realität. Es wird da zu Veränderungen kömmen müssen." Gerhard Horn, Kandidat von FDP und CDU
Stormarner Tageblatt vom 20. Mai 2010
Drei Bürgermeisterkandidaten auf dem Prüfstand der Vereine bei Podiumsdiskussion in der Festhalle
Bad Oldesloe
Sechs Oldesloer Sportvereine, die sich an einen Tisch setzen, gemeinsam Fragen erarbeiten und zu einer Podiumsdiskussion mit den Bürgermeisterkandidaten einladen – das hätte man sich aufgrund heftiger Meinungsverschiedenheiten zwischen den Vereinen und ihren Vorständen in der Vergangenheit kaum vorstellen können. Sie haben es aber tatsächlich geschafft und machten Amtsinhaber Tassilo von Bary sowie seinen Herausforderern Hagen von Massenbach und Gerhard Horn (Klaus Schädel war nicht erschienen) mächtig Feuer. Die drei Bewerber mussten sich vor allem eine gesammelte Menge Unzufriedenheit über den Zustand der Sportstätten anhören.
Zu wenig Hallen, zu wenig Sportplätze, zu kleine und zu wenig Umkleiden, verdreckte Spielgeräte, abgeschlossene Türen sowie Parallelbelegungen waren nur einige der Missstände, die Moderator Jörg Lembke, Vorsitzender des Kreisfußballverbands Stormarn, stellvertretend für die Vereine FFC, Volleyball Club, VfL, THC, SC Union und Spiridon-Club vortrug.
„Es besteht Handlungsbedarf. Wir haben aber auch schon viel getan und auf den Weg gebracht. In den vergangenen Jahren wurden 3,8 Millionen in die Sportanlagen investiert“, sagte von Bary. „Von dem vorliegenden Sportgutachten hätte ich mir viel mehr klare Zielsetzungen erhofft. Da muss nachgearbeitet werden“, befand Horn. Er sehe aber nicht nur die Mängel, sondern auch „eine gute Struktur“.
Alle Kandidaten wiesen auf die begrenzten finanziellen Mittel und die aktuellen Probleme der Kommunen hin. „Das wird sich durch die neuen Sparpläne des Landes nicht verbessern. Da gibt es nichts zu beschönigen“, so von Bary. Hagen von Massenbach würde trotzdem gerne dafür sorgen, dass „jeder, der hier Sport treiben möchte, das auch ermöglicht bekommt. Familien, die es sich nicht leisten können, müssten dann unterstützt werden“. Gerhard Horn würde gerne über die Nutzungsentgelte für die Hallen und Plätze neu nachdenken. „Die wurden mit Steuergeldern gebaut. Dann noch mal bei den engagierten Bürgern abzukassieren, sehe ich kritisch“, so der Reinfelder Bürgermeister.
Die Sportler würden es gerne sehen, wenn die Stadt nicht in das geplante Kultur- und Bildungszentrum investieren würde, sondern in eine neue Sporthalle oder neue Plätze. Ein Vorschlag, der mehrfach vorgetragen wurde, den aber keiner der Befragten diskutieren wollte. „Unseriös“, „das zerreißt eine Stadt“, „da können wir alle nur verlieren“, waren sich die Bewerber einig. Auf Prioritäten wollte sich ebenfalls keiner festnageln lassen. „Wir haben bereits Millionen in den Sport investiert und die Sanierung der Schwimmhalle wird fünf Millionen Euro kosten. Auch das ist eine Sportstätte“, versuchte von Bary diese Debatte im Keim zu ersticken. Sie zog sich trotzdem wie ein roter Faden durch den Abend.
Sehr hitzig wurde es beim Thema „Ganztagsschule und Vereine“. Bernd Gutzeit vom Volleyballclub regte sich sehr darüber auf, dass es immer heiße, dass die „Vereine mitmachen müssen. Die Vereine müssen gar nichts!“ Tassilo von Bary entgegnete, dass die Vereine ein lebhaftes Interesse daran haben sollten, weil ihnen sonst vermutlich in Zukunft der Nachwuchs fehlen würde. „Dann können wir die Vereine zumachen“, rief jemand aus dem Publikum. Eine Einschätzung, die Gerhard Horn teilt: „Die Ganztagsschule ist Realität. Es wird da zu Veränderungen kommen müssen.“ Hagen von Massenbach hofft, dass er die Vereine „gemeinsam mitnehmen kann, wenn diese gesellschaftlichen Veränderungen eintreffen werden“.
In Sachen Förderung für Breiten- oder Leistungssport, waren sich die Kandidaten weitgehend einig: Sie tendieren in Richtung Breitensport. „Es muss aber für alle Bereiche Möglichkeiten geben“, ergänzte Massenbach. Er möchte klare Förderrichtlinien und einen Sportrat. In diesem sollen die Vereine der Stadt regelmäßig zusammenkommen und nicht nur an speziellen Veranstaltungen.
Die ausrichtenden Sportvereine zeigten sich zufrieden mit dem Verlauf. „Natürlich nicht viel Neues, aber gut“, so Dirk Hahn, Vorsitzender des SC Union. Er hätte sich gefreut, wenn auch Türkspor mit dabei gewesen wäre: „Es ist schade, dass sie sich an den Diskussionen und dem gemeinsamen Bestreben nicht beteiligen. Gerade ein Verein, der sich für Integration einsetzt, hätte dabei sein sollen“. Bernd Neppeßen vom Volleyballclub vermisste Vertreter der Schulen. „Die scheinen ihre eigenen Pläne zu haben“, bedauerte er das Fernbleiben. Detlef Rädisch, stellvertretender Vorsitzender des VfL Oldesloe, zeigte sich ebenfalls insgesamt zufrieden, wäre aber auch über eine Beteiligung von Türkspor, Postverein und Wakayama froh gewesen. „Das Fernbleiben ohne eine Antwort dieser Vereine ist schade, aber sagt mir auch etwas über deren Einstellung“, sagte Rädisch.
Patrick Niemeier
Fenster neu nach 15 Jahren
Stormarner Tageblatt vom 19. Mai 2010
Konjunkturpaket-Geld für Kitas Möhlenbecker Weg und Ehmkenberg
Bad Oldesloe
Im Konjunkturpaket II ist noch Geld, das Oldesloe bekommen könnte. Ratzfatz sind deshalb zwei Projekte ausgekramt worden: Ein Anbau an die Kita Ehmkenberg und die Fenstersanierung beim Kindergarten Möhlenbecker Weg. Beide Projekte kosten zusammen gut 120 000 Euro, von denen mehr als 80 000 als Fördermittel wieder rein kommen.
„Es war kein Juhu und auf zum nächsten Punkt“, sagt Ausschussvorsitzender Hagen von Massenbach (SPD). CDU-Fraktions-Chef Horst Möller war es, der mit kritischen Fragen die Diskussion anfachte: „Ne, wie süß. Die einen beteiligen sich mit 25 Prozent und das DRK mit einem Eigenanteil von zwei Prozent.“ 1000 Euro bei Gesamtkosten von 50 000 Euro. Außerdem kritisierte er, dass bei einem erst 15 Jahre alten Gebäude bereits die Fenster getauscht werden müssen. Möller: „Vermutlich hat man damals das billigste eingebaut und 15 Jahre nichts gemacht.“ Die Verwaltung wurde beauftragt, noch mal mit dem DRK zu verhandeln. Doch Horst Möller hat da keine großen Hoffnungen: „Wie wir Udo Finnern kennen, wird da nicht viel bei rum kommen.“
Im Sozialausschuss hatte Bürgermeister von Bary eine Erweiterung des Kindergartens Ehmkenberg noch als nicht notwendig abgelehnt. Seitens des Kirchenvorstands war angeboten worden, den städtischen Anteil, immerhin gut 15 000 Euro, in Form einer Spende quasi zu erstatten – abgetan weil angeblich nicht zulässig.
Jetzt im Hauptausschuss die Kehrtwende: Die Verwaltung begrüßt plötzlich den Anbau, aber von der „Spende“ ist keine Rede mehr. Horst Möller: „Da wird sich die Verwaltung drum kümmern müssen.“ Auch Hagen von Massenbach ist nicht zufrieden: „Es bleibt ein fahler Nachgeschmack. Am Sinn der Projekte besteht kein Zweifel, aber wir haben mit Sicherheit dringendere Probleme.“
Andreas Olbertz
Die Wünsche der Senioren

- Ein Stuhl blieb leer: Die Bürgermeisterkandidaten Hagen von Massenbach, Gerhard Horn und Tassilo von Bary diskutierten im Bürgerhaus mit den Senioren. Foto: meier
Stormarner Tageblatt vom 19. Mai 2010
Bei Podiumsdiskussion für Café am Markt, attraktivere Innenstadt und bezahlbaren Wohnraum votiert
Bad Oldesloe
Wieder ein Café auf dem Marktplatz, mehr Sauberkeit der Straßen, eine attraktivere Innenstadt und bezahlbaren Wohnraum – das sind die Wünsche der Senioren in Bad Oldesloe. Das wurde bei einer Podiumsdiskussion im Bürgerhaus deutlich. Auf dem Podium waren drei Kandidaten fürs Bürgermeisteramt: Amtsinhaber Tassilo von Bary, die Bewerber Gerhard Horn und Hagen von Massenbach und Vertreter des Seniorenbeirats.
Der vierte Kandidat, Klaus-Helmut Schädel, vergibt sich die Chance, mehr über die Interessen der Senioren zu erfahren. Er ist nicht erschienen. „Er hat sich nicht mehr gemeldet“, bedauert Hannelore Diercks vom Seniorenbeirat. Sie leitete eine Diskussion ohne große Kontroversen. Nach einer Vorstellungsrunde können die Besucher Fragen stellen. Welcher Magnet könne die Innenstadt wieder beleben?, fragt ein Teilnehmer in Anspielung auf den Internetauftritt von Gerhard Horn. „Durch einen Vollsortimenter oder Supermarkt“, antwortet der. Drumherum könnten kleinere Geschäfte erfolgreich bestehen. Von Bary verweist auf das Kultur- und Bildungszentrum mit dem Veranstaltungssaal, von Massenbach auf das Kaufhaus und den benachbarten Peters-Markt.
Das Pflaster auf dem Marktplatz wird von vielen als schlecht begehbar kritisiert. „Für 700 000 Euro könnten wir ein neues Pflaster verlegen“, schlug von Bary vor. Der Denkmalschutz sei damit einverstanden. Auch Horn und Massenbach treten dafür ein, den Platz ohne Barrieren umzugestalten. Letztlich müsse die Politik darüber entscheiden, so Horn. Wie auch von Massenbach befürwortet er diese Pläne.
Das Café auf dem Marktplatz wird schmerzlich vermisst. Er sei in Verhandlungen mit einem Gastronom, so von Bary. Zunächst müssten die Räume umgebaut werden, denn Backen oder die Zubereitung von Speisen erlaube das Gesundheitsamt dort zurzeit nicht. Geplant sei eine Mischung aus Bistro, Café und Restaurant mit Erlebnisgastronomie. Auch hier herrscht Konsens.
Bezahlbare Wohnungen für Senioren sind ebenfalls ein wichtiges Thema. „Die Altersarmut wird auch hier anwachsen“, sagt von Massenbach und erntet Zustimmung. „Die Überalterung schreitet weiter fort, die Pflegeheime sind damit überfordert“, sagt Horn, „es müssen neue Lebensformen entwickelt werden.“ Wohnraum für schmale Brieftaschen könnte auf dem Grundstück neben der „Oase“ entstehen. „Es gibt nur einen Investor dafür“, sagt von Bary, „doch der ist zurzeit noch mit anderen Projekten ausgelastet.“
Auf den wenig einladenden Parkplatz an der Lübecker Straße weist Eva Bendrien vom Beirat hin. „Das ist ein Schandfleck, der das ganze Quartier herunterzieht“, stimmt von Massenbach zu. „Mein Vorgänger hat schlechte Verträge unterschrieben“, so von Bary. Er tritt wie Horn dafür ein, das Grundstück zurückzukaufen. Verschmutzte Straßen bemängelt Ilse Riechers-Hartmann vom Beirat: „Vor allem die Bangert-, Brunnen- und Bahnhofstraße sind kein Aushängeschild.“ Es seien auch die Bürger der Stadt, die ihren Abfall wegwerfen, gibt Hannelore Diercks zu Bedenken. „Sie haben recht, das gilt auch für die Ausfallstraßen“, bestätigt von Massenbach, „die Stadt braucht ein Beschwerde-Management.“
Ein Teilnehmer plädiert dafür, auch Pizza-Kartons mit Pfand zu belegen. „Das Wir-Gefühl hat uns verlassen“, bedauert von Bary.
Für die Umgestaltung der Reimer-Hansen- und Bahnhofstraße gebe es konkrete Pläne, sagt von Bary mit dem Wissensvorteil des Amtsinhabers. Die Bürgersteige würden dort zurückgebaut, aber Autos nicht ganz verbannt. „Die Fußgängerzone ist jetzt schon zu lang“, stimmt Horn zu.
Schließlich werden auch zum Teil schlecht geräumte Gehwege und Straßen zum Thema. „Wir haben einige Eigentümer deshalb angeschrieben“, sagt von Bary. Doch alle sprechen auch von einer Ausnahmesituation in diesem Winter, die nur alle 30 Jahre vorkomme.
Jens Peter Meier
Salinen-Wohnpark: Anlieger kämpfen um ihre Idylle

- Volker Gräpel sitzt noch entspannt auf seiner Terrasse (links). Geht es nach dem Investor, soll hinter ihm (an den Tannen) bald ein vierstöckiges Mehrfamilienhaus stehen. Foto: Kerstin Kuhlmann-Schultz
Lübecker Nachrichten vom 18. Mai 2010
Bad Oldesloe - Gegen den geplanten Bau von Mehrfamilienhäusern zwischen Salinen-, König- und Kleiner Salinenstraße in Bad Oldesloe formiert sich Widerstand.
„Die grüne Lunge in der Innenstadt wird kaputt gemacht“, klagt Michael Struck, Anwohner der Salinenstraße in Bad Oldesloe. Wie andere Anlieger auch, wehrt er sich gegen die Planungen zum Salinen-Wohnpark. Ein 14 Millionen Euro teures Projekt, das den Bau von mehreren Mehrfamilienhäusern zwischen Königstraße, Salinenstraße und Kleiner Salinenstraße vorsieht. Investor Markus Stolte will hier zusammen mit zwei Partnern bauen – für Jung und Alt. Ganz im Sinne der Stadtverordneten, die sich eine Innenstadtverdichtung wünschen.
„Überall wird versucht, die Verdichtung aus den Innenstädten herauszunehmen, bei uns wird es zugebaut, gegen den Willen der Anwohner“, so Struck. Ihm wird unwohl bei dem Gedanken, dass hier Häuser entstehen sollen, die genauso hoch sind wie die Mehrfamilienhäuser an den drei Straßen. Ihm ist klar, von seinem Grundstück wird er nicht einen Quadratmeter abgeben. Andere Eigentümer haben aber bereits an den Investor verkauft.
Stark betroffen von einer etwaigen Bebauung – einen Bebauungsplan gibt es noch nicht – ist die Familie Gräpel. Ihr Grundstück an der Königstraße 23 liegt mitten in der grünen Lunge, von der Struck redet. „Es spricht ja nichts gegen eine Bebauung“, sagen Volker und Gerda Gräpel. Maßvoll bedeutet in diesem Fall eine Bebauung, die nicht höher als eineinhalb Stockwerke ist. In ihrer Nähe ist eines von mehreren Mehrfamilienhäusern geplant sowie die Einfahrt zur Tiefgarage. Die würde fast direkt an ihrer Terrasse vorbeiführen. Aus dem Haus könnten die Bewohner auf Gräpels Rückzugsplatz blicken. „Wenn dann alle von oben gucken, hat man doch keine Lust mehr, im Garten zu arbeiten. Jetzt haben wir noch Privatsphäre, dann sind wir in allem eingeschränkt.“ Sie wollen gegen den Salinen-Wohnpark kämpfen, im Zweifel auch mit einem Anwalt.
Sie vermuten, dass „im Hintergrund jede Menge läuft“. Sie glauben, dass absichtlich mit vier Stockwerken geplant wird, dann auf Anwohnerdruck eins weggenommen wird und „dann wird geklatscht“. Sie fragen sich, „warum hat niemals ein Gespräch mit uns stattgefunden“, und fordern die Politiker auf, auf die Anlieger zu hören, die den Salinen-Wohnpark in der geplanten Form ablehnen.
Jörg Noack, der in der Kleinen Salinenstraße wohnt, will ebenfalls für den Erhalt der Grünzone kämpfen. „Es ist ruhig hier, zur Erholung gut geeignet.“ Die massive Bauweise, „die Häuser werden zwölf Meter hoch, das ist erschreckend“, füge sich nicht ein. „Die Gärten sollen Gärten bleiben.“ Durchaus vorstellbar für ihn: Einfamilienhäuser oder Doppelhaushälften.
Wenn es nicht zur Aufstellung eine Bebauungsplanes kommt, muss – auf Grund des städtebaulichen Vertrages – die Stadt dem Investor die erworbenen Grundstücke abkaufen. Das bestätigte der stellvertretende Bürgermeister Horst Möller (CDU). Maria Herrmann (SPD), Vorsitzende des Bau- und Planungsaussschusses der Stadt, geht davon aus, dass es dazu nicht kommt. „Der Plan wird aufgestellt.“ Und sie vermutet, dass es in dem neuen Wohnquartier höchstens eine Zweistöckigkeit geben wird.
Von K. Kuhlmann-Schultz
Stormarner Wochenschau
Stormarner Tageblatt vom 15. Mai 2010
Bloß nichts sehen, sagen oder hören
ABGEMELDET: Nazis demonstrieren in der Stadt und die Polizei schaut seelenruhig zu. Auf Nachfrage wird heftig dementiert. Nein, da war nichts. Aber als dann Fotos auftauchen, spielt Polizeisprecherin Sonja Kurz die Angelegenheit runter: Alles rechtens, nichts zu beanstanden. Auch für Neo-Nazis gilt selbstverständlich das Recht auf freie Meinungsäußerung – allerdings wie für jeden anderen auch mit gewissen Einschränkungen, zum Beispiel durch das Versammlungsrecht. Sonja Kurz konnte allerdings keinen Verstoß dagegen erkennen. Andere Polizisten sehen das anders: Ein gemeinsamer Aufmarsch, alle in szenetypischer Kleidung, die eine politische Gesinnung zum Ausdruck bringt, und obendrein noch die alte Reichsflagge – das fällt unter das Versammlungsrecht. Von einer Spontandemo könne keine Rede sein. Bürgermeister Tassilo von Bary als Chef der Ordnungsbehörde schätzt das ähnlich ein: „Gegen eine Gedenkminute kann man nichts machen. Mit Reichsflagge ist die Sache jedoch klar, das hätte genehmigt werden müssen.“ Aber die Oldesloer Polizei guckt zu und versucht, das Mäntelchen des Schweigensdrüber zuhüllen.
ABSERVIERT: Im Zweifel ist die EU Schuld. Das macht sich immer gut, die wehrt sich nicht, das glaubt jeder unbesehen. Der Haltepunkt Gartenholz ist so ein Fall.
Was wird da über die EU-Vorschriften abgeledert. Dumm nur, dass das Eisenbahnbundesamt jetzt klar gestellt hat, dass die EU damit nichts zu tun hat. Bei einer Überprüfung seien eine ganze Reihe von Bau- und Verfahrensmängeln festgestellt worden: Bau nach ungenehmigten Plänen, Abweichungen von genehmigten Plänen, fehlende Kontrollen, unzulässige Bauteile ...das riecht nach Bananenrepublik. Bahn und Stadt ergehen sich in einen Wust bürokratischer Ausflüchte. Streicht man das aus der Pressemitteilung raus, bleibt als Kern: Wir haben Mist gebaut und bemühen uns jetzt, das grade zu rücken. Da tauchen dann so nette Sätze auf wie: „Die DB hat ein externes Büro zur Qualitätssicherung und Prozessoptimierung zusätzlich zu dem städtischen Projektleiter und dem von der Stadt beauftragten Projektsteuerer beauftragt.“ Auf gut Deutsch: Drei vermutlich hoch bezahlte Spezialisten und trotzdem haben sie es nicht hinbekommen, einen genehmigungsfähigen Bahnhof zu bauen. Supi. Unser Zeichner Götz Wiedenroth empfiehlt der Stadt etwas Nachhilfe in Sachen Bahnhofsbau.
ABGEHÖRT: Am Montag war Oldesloes Bürgermeister nicht erreichbar. Da half es auch nichts, auf Band zu sprechen – es kam kein Rückruf. Seine Vorzimmerdame habe in München festgesessen, entschuldigte sich von Bary abends im Ausschuss, und deren PIN fürs Abhören des Anrufbeantworters habe er nicht. „Aber sie sind noch Bürgermeister?“, kam prompt die launige Nachfrage von Uwe Rädisch. Der große Lacher im Bauausschuss.
Andreas Olbertz
Die „Mängelliste“ der Oldesloer Vereine: Sportler Fragen, Kandidaten antworten
Stormarner Tageblatt vom 15. Mai 2010
Bad Oldesloe
Die Kreisstadt ist in den vergangenen zehn Jahren um mehrere tausend Einwohner gewachsen, die Zahl der Sportanlagen nicht. Vergleichbare Städte wie beispielsweise Eckernförde besitzen weit mehr Sportanlagen als Bad Oldesloe. Noch vor 40 Jahren verfügte Oldesloe über mehr Sportplätze als heute.
Und die „Mängelliste“ der Oldesloer Vereine ist damit noch lange nicht am Ende. Seit Jahren klagen Sportvereine und Schulen über fehlende Sportanlagen, katastrophale Zustände der bestehenden Anlagen und einen Mangel an Ansprechpartnern in der Verwaltung.
Auch das, was in jüngster Zeit angestoßen worden ist, findet nur wenig Gnade. Durch die Renovierung der alten Anlagen Travestadion und der geplanten Renovierung am Kurparkstadion, sowie am Wendum, sei nur das Mindestmaß an Erhaltung geschehen, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von sechs Oldesloer Vereinen. Nur eine kleine Schulsporthalle an der IGS, die für Wettkämpfe ungeeignet sei, sei neu gebaut worden. Im Jahr 2008 hatte die Stadt beschlossen, ein Sportgutachten erstellen zu lassen. Die Sportler sehen sich durch die Ergebnisse der Studie in ihrer Kritik gestärkt. Aber die Abschaffung der Mängel falle jetzt den Finanzproblemen zum Opfer. „Alle Politiker wollen Sport und Bewegung für Schüler und Erwachsene, aber bitte ohne Kosten“, kritisieren die Vereine. Dass es auch anders gehe, zeige das Kultur- und Bildungszentrum. Ohne Gutachten und mit Millionenaufwand werde das Amtsgericht umgebaut. „Wird hier richtig gewichtet?“, lautet die Frage der Sportler.
Zur bevorstehenden Bürgermeisterwahl haben sich erstmals VfL, Union, FFC, Spiridon, THC und Volleyball-Club zusammengetan, um die Bürgermeister-Kandidaten zu ihren Meinungen und Vorstellungen zum Thema „Sport in Bad Oldesloe“ in einer Podiumsveranstaltung zu befragen. Am Dienstag, 18. Mai, heißt es ab 19 Uhr in der Festhalle: Sportler fragen – Kandidaten antworten. Die Moderation übernimmt Jörg Lembke, Vorsitzender der Kreisfußballverbands. Er wird die Fragen, die die Vereinsvertreter formuliert haben, den Kandidaten präsentieren.
Die einladenden Vereine vertreten 4 300 Mitglieder und sind sehr gespannt auf die Antworten der Bürgermeisterkandidaten. ol
Mehr Licht am Schulweg
Stormarner Tageblatt vom 14. Mai 2010
Bauausschuss will Lampenstandorte besichtigen
Bad Oldesloe
Alle Jahre wieder gerne im Bauausschuss diskutiert: Wo müssen zusätzliche Straßenlampen hin? Die Ausgangslage ist relativ einfach: Im Haushalt stehen 10 000 Euro bereit, eine Lampe kostet im Schnitt 2 000 Euro, also können jährlich fünf realisiert werden. Dummerweise stehen auf der Liste der Verwaltung aber 16 kritische Stellen – teilweise gehen die Kosten pro Standort weit über 2 000 Euro hinaus.
Es ist also an den Politikern, Prioritäten zu setzen. Ausschussvorsitzende Maria Herrmann (SPD) tat sich mit der Situation schwer: „Ich habe den Eindruck, wer am lautesten schreit, bekommt seine Lampe.“ Zustimmendes „So isses“ von Uwe Rädisch (CDU). Der Grüne Willi Janson bezweifelte, dass es objektive Kriterien geben könne. Er führte an, dass es Ortsteile gebe, in denen noch nie eine Lampe gestanden habe, auch nie gefordert worden sei, es gebe Wirtschaftswege, an denen weit und breit kein Haus stehe, aber eine Lampe leuchte und zu allem Überfluss noch Lampen an ehemaligen Freileitungsmasten. Anstelle über neue Standorte nachzudenken, sollten die vorhandenen Lampen besser gepflegt werden. Straßenlaternen sind keine Vorbeugung gegen Einbrüche. CDU-Abgeordneter Tim Höschler, Polizist von Beruf: „Einbrecher kommen in der Dämmerung. Wenn da eine Lampe steht, freuen die sich und sagen: Danke, dann kann ich meine Taschenlampe ja zu Hause lassen.“
Bürgermeister Tassilo von Bary stellte klar, dass für die Verwaltung Schulwegsicherung und Verkehrssicherungspflicht Priorität hätten. Deshalb beschlossen die Ausschussmitglieder einstimmig, an der Einmündung Schulredder, am Spielplatz Erlenkamp/Meddelskamp und am Verbindungsweg Neue Wiese/Grabauer Straße je eine sowie im Tulpenweg zwei Lampen aufstellen zu lassen.
Im Oktober wollen die Mitglieder des Bauausschusses die Standorte mit dem Fahrrad anfahren und sich vor Ort jeweils ein Bild machen.
Andreas Olbertz
2,6 Millionen für Umbau des Museums
Stormarner Tageblatt vom 10. Mai 2010
Sozialausschuss hält an Flügel-Konzept fest
Bad Oldesloe
Das dürfte so manchem Politiker erst mal die Sprache verschlagen haben: 2,6 Millionen Euro soll der Umbau der alten Stadtschule mit Bücherei und Heimatmuseum kosten. Eine stolze Summe.
Bücherei und Heimatmuseum haben Zukunftspläne und wollen expandieren, beide äußern Kritik an den bisherigen Räumen. Mit den Stimmen von CDU und FDP war aber beschlossen worden, dass beide in dem Gebäude bleiben müssen. Im ersten Stock soll der linke Flügel bis zum Treppenaufgang dem Museum zugeschlagen werden, für das Dachgeschoss sollten Vorschläge für eine gemeinsame Nutzung erarbeitet werden. Im Sozialausschuss stellte Architektin Brigitte Schulz ihre Planungen vor – nach Gesprächen mit Verwaltung und Nutzern hat sie die politischen Vorgaben umgesetzt und die Kosten dargestellt.
„2,6 Millionen – die Summe erschlägt einen“, räumt Vorsitzende Angela Fehrmann (CDU) ein. Aber es lohnt ein Blick auf die Details. Mit 216 000 Euro steht der Fahrstuhl in der Aufschlüsselung. Ein halbrunde Konstruktion. „Optisch sicherlich ganz toll“, so Fehrmann, „aber ein normaler Fahrstuhl kostet nur ein Drittel. Den Luxus muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.“ Für Planerin Schulz ist das allerdings kein Luxus, sondern quasi eine Notwendigkeit, schließlich könne man nicht gleich im Eingangsbereich eine „Blechkiste“ aufstellen.
Auch andere Punkte wurden kritisch angesprochen: Starkstromanlagen für 277 000 Euro oder eine Telefonanlage für 116 000 Euro. Die Verwaltung soll jetzt genauer darlegen, wie hoch die „Sowieso-Kosten“ sind – also jene Summe, die für die energetische Sanierung ohnehin bereits vorgesehen war. Und was quasi zu Lasten des Beschlusses geht. Grob geschätzt, geht Brigitte Schulz davon aus, dass die Sowieso-Kosten etwa eine Million Euro ausmachen. Die Beratung dieser spezifischen Punkte soll zukünftig im Bauausschuss stattfinden.
Die SPD meldete grundlegende Zweifel am Konzept an. Der Raumbedarf des Heimatmuseums wird mit 1 200 Quadratmetern beziffert. Tatsächlich bekommt es aber nur 500. Selbst wenn noch 100 bis 200 Quadratmeter externe Lagerflächen angemietet werden, ist das weit entfernt von der ursprünglichen Forderung. Gut 1 000 Quadratmeter behält die Bibliothek. In einer Tabelle machte die Verwaltung deutlich, dass die Umgestaltung für das Personal zu einer Mehrbelastung führen wird, das Dienstleistungsangebot, besonders die Klassenführungen, eingeschränkt werden müssen und es keine Potenziale für die künftige Entwicklung mehr gibt.
Für Jens-Pieter Friese (SPD) ist die Sache damit klar: „Wir beschneiden zwei Einrichtungen in ihren Möglichkeiten.“ Er regte an, angesichts von vermutlich 1,6 Millionen Euro Mehrkosten doch lieber nach einer externen Lösung für das Museum zu suchen, die dann maßgeschneidert sei. Doch das wurde mehrheitlich abgelehnt.
Andreas Olbertz
Krähen-K(r)ampf geht weiter

- Ich seh dich – Der Uhu ist ein Nachtjäger und raubt Saatkrähen im Dunkeln ihre Jungtiere aus den Nestern. Foto: ARCHIV
Lübecker Nachrichten vom 9. Mai 2010
Bad Oldesloe – Vergrämung und natürliche Feinde: Die Stadt Bad Oldesloe setzt im Feldzug gegen die geschützten Saatkrähen weiter auf diese beiden Maßnahmen.
Immer wieder die Saatkrähen. Seit fast 15 Jahren beschäftigen sie die Stadt und ihre Bürger. Die Anwohner des Bad Oldesloer Meisenweges haben sich jetzt bei der Stadt über Krähenkolonien in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft beklagt. Nachbarschaft ist ja was Nettes, aber nicht, wenn sie aus Saatkrähen besteht. Denn die glänzen mit unangenehmen Hinterlassenschaften und mit einem aufdringlichen „Krah-Krah“-Singsang, der nicht unbedingt so schön ist wie der einer Nachtigall.
Der Bestand an Nestern im Bereich Meisenweg und Drosselweg hat sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. In anderen Bereichen des Kurparks sind die Bestände konstant geblieben, aber im Bereich der Uhu-Voliere sind sie zurückgegangen. Denn der Uhu ist als Nachtjäger der Feind der unter Naturschutz stehenden Saatkrähe. Die Kolonietiere, die tagsüber keinen Uhu an sich und ihre Nester lassen würden, „sind nachts hilflos“, erklärt Dr. Kurt Soeffing vom Umweltamt der Stadt. Schlichtweg weil sie nichts sehen. Der Uhu bedient sich, holt sich Junge aus den Nestern. Was bleibt, ist die Flucht, beispielsweise in den Meisen- oder Drosselweg – wie passend.
Die Krähe liebt siedlungsnahe Gebiete, wird dafür aber nicht von den Anwohnern geliebt – auch wenn der Vogel unter Schutz steht. 361 Nester hat die Stadt 2009 gezählt, kein Vergleich zu den 680 Nestern, die Ende der Neunziger Jahre im Stadtgebiet entdeckt wurden. Die Verwaltung trotzt den Krähen seitdem immer wieder durch so genannte Vergrämungsmaßnahmen: durch Entfernen von Astgabeln und Ausstoßen von Nestern. Ganz vertreiben lässt sich die Saatkrähe dadurch im Kurpark nicht, aber die Bestände werden immerhin reduziert.
Und der Uhu tut sein Übriges. Seit 2003 ist er mit seiner Partnerin „Bediensteter“ der Stadt. Das Paar lebt in der Uhu-Voliere im Kurpark, sorgt für Nachwuchs, der für Unruhe bei den Krähen sorgt. Denn die Jungtiere werden ausgewildert und ziehen natürlich auch nachts ihre Kreise. „Neun statt 100“, freut sich Soeffing über die Reduzierung der Krähennester in Volieren-Nähe. Und ein weiterer Helfer hat sich vor ein paar Jahren von allein im Kurpark angesiedelt: Der Kolkrabe, auch er ein Feind der Saatkrähe.
Das nutzt den Anwohnern im Meisenweg nicht viel. Ihnen soll deshalb – das hat jetzt der Energie- und Umweltausschuss der Stadt beschlossen – auf andere Art und Weise geholfen werden. Kommendes Jahr soll wieder „vergrämt“ werden. 6000 Euro müssen reichen, um 350 Nester zu entfernen.
Und eine Knall- oder Schussanlage, die von morgens um 7 bis abends um 18 Uhr in Betrieb ist, soll für Unruhe bei den Saatkrähen sorgen. „Die knallt in unregelmäßigen Abständen und soll verhindern, dass die Krähen zu einem richtigen Nestbau kommen“, erklärt Soeffing.
Die Problematik, dass die Uhu-Voliere vielleicht abgebaut werden muss – was den Bestand an Saatkrähen im Kurpark wieder erhöhen würde – scheint vom Tisch. Gespräche mit dem neuen Mieter des Hauses, auf dessen Grundstück die Voliere steht – die Tiere müssten auch von ihm betreut werden –, verlaufen bisher positiv, das Uhupaar muss wohl nicht ins Tierheim. Zudem wird auch eine Idee der Oldesloer SPD verfolgt, nach der die Stormarner Werkstätten in die Betreuung miteinbezogen werden könnten. Deren Leiter Stefan Bruhns hat bereits signalisiert, dass sie diese Aufgabe gerne übernehmen würden.
Vielleicht können sich ja auch die Anlieger der „Vogelsiedlung“ zusammentun und ein weiteres Uhupaar ansiedeln – dann sind sie die Saatkrähen los.
Stormarner Wochenschau
Stormarner Tageblatt vom 8. Mai 2010
Was vorher feststeht und was nicht
Gemaule: Es ging wieder hoch her im Oldesloer Sozialausschuss. "Bürgerverarschung" und ähnliche Schimpfwörter fielen, als die vielen Zuschauer den Saal verließen. Die Debatte um den Kindergarten Luftballon war nicht gut angekommen. Nun muss man ja deutlich sagen, es ist nicht die Aufgabe von Volksvertretern, es ihrem Wahlvolk immer recht zu machen. Im Gegenteil: Man darf von Politikern erwarten, dass sie Unbequemes auch gegen Widerstände durchsetzen, weil sie das große Ganze im Blick haben und nicht nur Einzelinteressen. Das setzt aber zwingend voraus, dass Entscheidungen nach einer intensiven Auseinandersetzung mit allen Fakten, nach nachvollziehbaren Kriterien gefasst werden. Und genau das ist im Sozialausschuss mal wieder nicht passiert. Dass Fragen nicht aus dem Stegreif beantwortet werden können, ist nicht schlimm. Aber wenn vor einer Antwort bereits durch FDP und CDU Fakten geschaffen werden .. ja, dann kann man sich doch nur verschaukelt vorkommen. Das Ergebnis stand schon fest; komme was wolle. Das erinnert an Zeiten, als der Steinfelder Redder mit aller CDU-Macht durchgepeitscht wurde. Da stehen Text-Dummys im B-Plan? Macht nichts, beschließen wir trotzdem.
Gequengel: Es hat Zeiten gegeben, da hat FDP-Frau Anita Klahn alle mit ihrer Fragerei genervt. "Ich will das jetzt wissen", war ihr Motto - egal ob alle anderen mit den Augen gerollt haben. Und sie hatte Recht! Ein Politiker muss wissen, wofür er die Hand hebt, etwas nicht verstanden zu haben, ist da fahrlässig. Jetzt kommt Peter Stoltenberg von der SPD. Lass ihn in Kindergartenfragen befangen sein oder nicht - weil seine Frau Leiterin des Luftballon ist - , aber er hat sich mit der Materie befasst. Die eine Einrichtung braucht 8000 Euro Defizitausgleich, die andere 50 000 - wie kann das sein? Für den Brummkreisel standen in den Vorlagen immer andere Angaben zu den Betrienbskosten. Das hat er hinterfragt. Was macht Anita Klahn? Vor nicht all zu langer Zeit hätte sie diese Fragen gestellt, jetzt regt sie sich auf, derartige Fragen seien ja wohl unmöglich und entschuldigt sich bei den Befragten für den Kollegen der anderen Partei. Befriedigende Antworten hat es übrigens nicht gegegeben.
Ausgleich: Hätte man es vorher wissen müssen, wie teuer der neue Bürgermeister Ahrensburg kommt? Fast eine halbe Million Euro soll die Stadt zahlen, damit der Verwaltungschef später eine Pension bekommt. Beamte sind eben andere Menschen. Die bekommen kein Gehalt, sondern Alimente vom Staat. Und der hält sich auf Bundes- und Länderebene frei von Rückstellungen, wie sie Kreise und Kommunen für die Pension ihrer Beamten bilden müssen. Und anders als bei Renten, muss später auch nicht der zahlen, bei dem der Beamte gearbeit hat, sondern der letzte Dienstherr. Das wusste man sicherlich bei der Stadt, aber es gibt ja noch viel mehr Gesetze, Paragrafen, Verträge und Satzungen. Kurz: Mecklenburg-Vorpommern, wo Michael Sarach vorher im Dienst war, hat keine Rücklagen gebildet, die kommunale Versorgungsausgleichskasse nimmt ihn nicht auf, weil er zu alt ist, ein Ausgleichsgesetz aus den 90er Jahren greift nicht, weil ein Bürgermeister "nur" Wahlbeamter ist, und ein Staatsvertrag, der die absurde Situation beseitigen soll, ist noch kein Gesetz. Da hat es der Kreis Stormarn mit seinem Betrüger doch einfacher. Die Schadenssumme entspricht ungefähr der Ausgleichsforderung, nur ist ein Teil des Geldes bereits sichergestellt, und der Rest dürfte durch die Versicherung wieder reinkomme. Aber die Unterschlagung beim Kreis war ja auch illegal. Schon ein Treppenwitz - oder ein "Nachrüstsatz Altersversorgnung" wie es unser Karikaturist Götz Wiedenroth sieht. ol/rob
Zwangshort für Luftballon


- "Man braucht doch die Kosten für einen Neubau, um sie mit dem Umbau vergleichen zu können" Jens-Pieter Friese, SPD-Fraktion
Stormarner Tageblatt vom 7. Mai 2010
Umzug in den Kurpark vom Tisch, stattdessen Umbau der KGS / Kitaleiterin und SPD gegen Hort
Bad Oldesloe
„Ich fühle mich heute wie ein geplatzter Luftballon.“ Von Erleichterung oder gar Freude ist bei Gisela Stoltenberg, Leiterin des Kindergartens Luftballon, nichts zu spüren. Bekanntlich ist die Baracke des Luftballon marode. Die Verwaltung hatte einen Umzug in freie Räume der Kurparkschule vorgeschlagen (wir berichteten).
In einer sehr emotionalen Sitzung des Sozialausschusses wurde jetzt über die Zukunft des Luftballon beraten. Der Andrang war groß, die Sitzplätze reichten bei weitem nicht aus. Zahlreiche Eltern und Mitarbeiter machten sich für den Kindergarten stark, stellten Fragen, die teilweise nicht beantwortet werden konnten. Innerhalb weniger Tage waren weit mehr als 500 Unterschriften gesammelt worden. Ramona Boettger überreichte die Listen – doch keiner wollte sie haben, weder Ausschuss-Vorsitzende Angela Fehrmann (CDU), noch Thomas Sobczak von der Verwaltung. Am Ende übernahm Bürgermeister Tassilo von Bary den Packen.
Das Thema Umzug in den Kurpark hatte sich schnell erledigt. „Eine Verlagerung der Kita Luftballon in die Kurparkschule lehnen wir aus denselben Gründen ab, wie wir seinerzeit die Verlagerung des Kindergartens Moordamm in die Kurparkschule abgelehnt haben“, erklärte Anita Klahn von der FDP. Der Wunsch nach Wohnortnähe wurde respektiert. Thema durch. Das hieß aber noch lange nicht, dass der Luftballon seinen gewünschten Neubau am Steinfelder Redder bekommt. In unmittelbarer Nähe zum jetzigen Standort werden in der Klaus-Groth-Schule Räume frei. Einen Aspekt, den die FDP vor allem im Hinblick auf die Verzahnung Kindergarten - Grundschule interessant fand. Auch die CDU sympathisierte mit dieser Variante. Angela Fehrmann: „Die Grundschule begrüßt diese Verknüpfung ausdrücklich.“
Gisela Stoltenberg ist wenig begeistert. „Die Standards können dort nicht eingehalten werden“, klagt sie: „Viele Kompromisse für vermutlich viel Geld. Das macht doch keinen Sinn.“ Sie führte an, dass der Luftballon der älteste Kindergarten der Stadt sei. „Wir haben nie großartig Zuschüsse bekommen, weil wir das, was zu machen war, in Eigenleistung gemacht haben. Andere bekommen nach 15 Jahren neue Fenster, während man bei uns die Hand durchstecken kann.“
Sie stellte eine abgespeckte Neubauvariante zur Diskussion und machte deutlich, dass es durchaus Möglichkeiten gäbe, die Kosten zu senken, indem beispielsweise eine Frühförderpraxis mit ins Gebäude genommen werde oder Firmen teilweise Kita-Plätze für Mitarbeiter „kaufen“. Auch eine Kooperation mit Tagesmüttern sei denkbar. Doch eine Debatte darüber war nicht gewünscht, ausdrücklich wurde sogar die von der SPD geforderte alternative Kalkulation eines Neubaus aus dem Beschlussvorschlag gestrichen. Angela Fehrmann: „Wir haben doch eine Duftmarke bereits bekommen. Ein Neubau soll 1,4 Millionen kosten.“ Sie bezweifelt, dass die 600 000 Euro günstigere, abgespeckte Variante umsetzbar sei. Anstelle von Krippenplätzen, die an der KGS nur mit hohem finanziellen Aufwand zu realisieren wären, soll der Luftballon zukünftig eine Hortgruppe anbieten. Gegen die Stimmen der SPD wurde das durchgesetzt. Leiterin Stoltenberg ist fast schon entsetzt: „Wir werden uns noch mal mit dem Vorstand zusammensetzen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die Antwort nein sein wird. Wir wollten zumindest eine altersgemischte Gruppe, stattdessen werden uns Steine in den Weg gelegt und wird uns die Zukunft verbaut.“
Das sieht Angela Fehrmann ganz anders: „Man kann nicht immer Wunschkonzert machen. Ich hätte mir da mehr Kompromissbereitschaft gewünscht.“ Angesichts der mit jeweils 15 Kindern angeblich ausgebuchten Hortgruppen im Brummkreisel und am Möhlenbecker Weg, sei durchaus Bedarf vorhanden. Fehrmann: „Nicht nur der Einstieg, sondern auch der Ausstieg aus dem Kindergarten bietet Chancen. Wenn sich am Redder Bedarf ergeben sollte, können wir da immer noch bauen.“ Aber wohl nicht für den Luftballon.
Beobachter der Sitzung zogen unter Protest ab.
Andreas Olbertz
„Der Ausschuss ist eine Farce“

- Rund 550 Unterschriften hatte der „Luftballon“ in nur vier Tagen für sein Neubau-Anliegen gesammelt. Ramona Boettger übergab die Listen im BSK-Ausschuss an Bürgermeister Tassilo von Bary (li.). Foto: FOFANA
Lübecker Nachrichten vom 7. Mai 2010
Bad Oldesloe – Es gibt keinen Neubau für den Kindergarten Luftballon. Der Bildungsausschuss sprach sich mit Mehrheit für einen Umzug in freie Schulräume aus.
„So eine Veranstaltung ist eine Farce“, schimpfte eine Oldesloer Kindergartenvertreterin in der Sitzung des Bildungs-, Sozial- und Kulturausschusses. Es sei „Bürgerverarschung“, machte sie ihrer Empörung weiter Luft. Andere Kitas hätten viel Geld für Neubauten bekommen. Der Kindergarten Luftballon jedoch solle in alte Klassenräume umziehen, bemängelte sie die fehlende Gleichbehandlung.
Die Eltern hatten zuvor alles versucht. In schwarzer Trauerkleidung mit einem angesteckten Ballon, dem die Luft ausgegangen ist, füllten sie den Sitzungssaal und mussten weitgehend mit Stehplätzen vorlieb nehmen. Dann informierten sie die Politiker ausführlich über ihre Pläne – zum Beispiel eine abgespeckte Neubau-Variante am Steinfelder Redder. Sie würde später per Baukastensystem den Anbau von Krippenplätzen ermöglichen.
Vehement sprachen die Eltern sich zudem gegen Verwaltungspläne aus, die einen Umzug in die Schule am Kurpark vorsahen. Sie wollten im jetzigen Stadtteil nördlich der Trave bleiben. Die bereits jetzt gute Zusammenarbeit des „Luftballons“ mit der Klaus-Groth-Schule veranlasste den Ausschuss schließlich zum Umdenken. Jetzt soll auf Mehrheitsbeschluss von FDP und CDU der Umzug der Kita aus der maroden ehemaligen Musterbaracke des Kreiswehrersatzamtes in der Lübecker Straße in leerstehende Klassenräume der KGS erfolgen. Und statt der Krippe solle die Kita dort einen Hort anbieten (was sie gar nicht will).
Sowohl der Kindergarten selbst, als auch die SPD-Vertreter hatten sich zuvor dafür stark gemacht, dass zumindest beide Alternativen – Umzug in die KGS und Neubau – geprüft werden. Ohne Krippengruppe sei die Zukunft des Kindergartens langfristig gefährdet, hatte Heike Kunst vom Elternvorstand zu bedenken gegeben. In rund vier Tagen hatten die Kindergarteneltern rund 550 Unterschriften gegen einen Umzug in die Kurparkschule und für einen Neubau am Steinfelder Redder an Bürgermeister Tassilo von Bary (parteilos) übergeben.
Auf der Tagesordnung des BSKA standen weitere Kindergartenthemen. Es ging um den Ausbau der Kindertagesbetreuung für unter Dreijährige. Die Kindertagesstätte Stoppelhopser plant die Einrichtung von zwei Krippengruppen im alten Kurbad an der Schwimmhalle. Den Umbau wollen die Stadtwerke übernehmen, es fallen Mietkosten an. Der Ausschuss unterstützte dieses Vorhaben mit acht Ja-Stimmen.
Ferner beschlossen die Politiker einstimmig, dass noch in diesem Jahr 20 Krippenplätze in der Kita Ehmkenberg geschaffen werden sollen. Mit fünf Ja-Stimmen bei drei Nein-Stimmen wurde das Neubauvorhaben für die Kindertagesstätte Brummkreisel auf den Weg gebracht. Über weitere Krippen-Angebote des DRK-Kindergartens Wichtelhausen und des Kindergartens St. Vicelin soll erst im Herbst beraten werden.
Weil einige Städte nicht genutzte Mittel aus dem Konjunkturprogramm II zurückgegeben haben, könnten in Bad Oldesloe noch zwei kleine Maßnahmen realisiert werden. Dies ist zum einen eine Fenstersanierung im DRK-Kindergarten Möhlenbecker Weg, zum zweiten ein Anbau an den Kindergarten Ehmkenberg. Die Entscheidung darüber soll im Finanzausschuss gefällt werden.
Von Susanna Fofana
Umbau der Bibliothek kostet 2,6 Millionen
Lübecker Nachrichten vom 7. Mai 2010
Bad Oldesloe – „Es ist ein Luxusproblem, das Geld da reinzustecken“, findet Maria Herrmann (SPD).
Mehr als eine Million Euro kosten die Pläne von CDU und FDP, die Alte Stadtschule komplett umzubauen, damit das Heimatmuseum mehr Ausstellungsfläche im ersten Stock bekommt und der Veranstaltungssaal der Bibliothek als künftig gemeinsam zu nutzender Saal in das Dachgeschoss wandert.
Im Bildungs-, Sozial und Kulturausschuss stellte Architektin Brigitte Schulz dar, wie sich die beiden Einrichtungen wunschgemäß weiterhin miteinander verweben lassen. Der Eingang für Bibliothek und Museum soll danach künftig zentral von der Königstraße aus erfolgen. Beide Einrichtungen erhalten ein gemeinsames Treppenhaus. Anstelle der rechten Treppe soll ein Fahrstuhl gesetzt werden, der für Barrierefreiheit sorgt. Das Museum soll mehr Ausstellungsplatz bis zur jetzigen Treppe von der Bibliothek erhalten.
Der der Bücherei dann fehlende Platz soll durch Nutzung des bisherigen Veranstaltungsraumes aufgefangen werden. Denn der soll ins Dachgeschoss kommen und dort von beiden Einrichtungen genutzt werden. „Eine Verzahnung der Nutzung“, so die Architektin.
Dort oben werden auch Büroräume für die Bibliothek untergebracht. Sie sollen – in Abstimmung mit dem Denkmalschutz – Veluxfenster erhalten. Ansonsten sind im Dachgeschoss Lichtspots geplant, die das Gefühl von Tageslicht vermitteln. Die Dach-Gauben werden zurückgebaut, denn sie sind nicht historisch. Weniger als eine Million Euro würde es kosten, dass Gebäude nur zu sanieren, sowie energetisch und technisch auf den neuesten Stand zu bringen. Mitsamt allen Umbauwünschen kommen 2,6 Millionen Euro Gesamtkosten dabei heraus.
Jens-Pieter Friese (SPD) fragte Vertreter des Heimatmuseums, ob sie für das Geld nicht lieber woanders bauen möchten. Denn der Platz reiche weder der einen noch der anderen Einrichtung. Die Bibliothek kann sich nicht weiterentwickeln, das Heimatmuseum sucht Lagerräume außerhalb der Alten Stadtschule.
Nun sollen noch einmal differenzierte Zahlen vorgelegt werden. Die Verwaltung der Stadt Bad Oldesloe warnte vehement davor, die Maßnahme zeitgleich mit dem Umbau der Stadtschule zu realisieren. Denn während der Umbauarbeiten müssen Museum und Bibliothek für ein halbes Jahr in Container umziehen. Und die können auf keinen Fall auf dem Parkplatz der Stadtschule aufgestellt werden, während es über den Platz gleichzeitig zu einer Großbaustelle geht.
Von Susanna Fofana
Oldesloer Musikschule kämpft weiter um höhere Förderung
Lübecker Nachrichten vom 5. Mai 2010
Bad Oldesloe – „Wenn ich Politiker wäre, würde ich aus Bad Oldesloe eine Musikstadt machen“, sagt Cornelia von der Heydt, Geschäftsführerin der Musikschule. Sie wünscht sich eine Aufnahme in den Verband deutscher Musikschulen (VdM), um so Fördermittel vom Land zu bekommen. Doch das scheitert bisher an einer „angemessenen“ kommunalen Förderung.
Alle anderen Kriterien würden von der Oldesloer Musikschule bereits erfüllt werden. Zwar sei sie dankbar dafür, dass der Stadt-Zuschuss von jährlich 20 000 auf 25 000 Euro erhöht wurde. Doch diese Festschreibung auf fünf Jahre bedeute eine Stagnation für die Musikschule. Von der Heydt: „Wir können uns nicht weiterentwickeln.“
In dieser Summe, die einer kommunalen Beteiligung von rund sechs Prozent entspreche, sehe der VdM noch keine klare Absichtserklärung für eine professionelle Musikschule. Von der Heydt: „Das Optimum wäre 35 Prozent.“ Doch auch mit 15 Prozent Beteiligung an den Gesamtkosten durch Bad Oldesloe, Reinfeld und das Amt Bad Oldesloe- Land könnte die Mitgliedschaft gelingen. Bisher laufe die Musikschule nur so gut, weil die Mitarbeiter viele Überstunden und Engagement hineinsteckten.
Um weiter einen vernünftigen Service bieten zu können, müsste eigentlich die Schülerzahl (rund 900) abgebaut werden, so von der Heydt. Doch tatsächlich gebe es sogar eine Warteliste von weiteren 85 Schülern, die gern Musikunterricht haben möchten.
An FDP-Politikerin Anita Klahn, die befürchtete, dass zusätzlich investiertes Geld nicht wirklich bei den Schülern ankommt, will die Musikschule jetzt einen Brief schicken. Denn just die Liberalen haben sich des Themas „Kultur“ angenommen, in dem sie den „Motor für Gesellschaft, Menschen und Wirtschaft“ sehen. Diese Rahmenbedingungen wünscht sich die Musikschule nun auch von der Oldesloer FDP.
„Weil wir Mitglied im Büchereiverein sind, müssen Standards erfüllt werden, die unterm Strich teuer sind“, sah Klahn eine weitere Problematik für eine Mitgliedschaft der Musikschule in einem Verband.
„Wir finden, eine Mitgliedschaft im Büchereiverein lohnt sich“, kontert Birgit Weißmann (SPD). Schließlich erhalte Bad Oldesloe in diesem Jahr durch die Mitgliedschaft 63 500 Euro. Der Vergleich sei „unredlich“.
Die Musikschule wundert sich zudem über die Raumplanung. Da im künftigen Kultur- und Bildungszentrum nicht genug Platz ist, wurden der Musikschule fünf Räume in der Kurparkschule zugesagt, in der schon jetzt fünfmal die Woche Trommelunterricht stattfindet. Die Räume wurden jetzt jedoch auch dem Kindergarten „Spatzennest“ angeboten, auch die Stadtschule solle während des Umbaus dorthin ausweichen. Von der Heydt: „Wie soll das gehen?“ sus
Schluss mit Selbstausbeutung

Stormarner Tageblatt vom 5. Mai 2010
Leitung der Musikschule befürchtet Stagnation der Schülerzahlen – wenn nicht stärker gefördert wird
Bad Oldesloe
„Wir sind sehr dankbar für die Aufstockung des Zuschusses auf 25 000 Euro für das Jahr 2010“, beginnt die Geschäftsführerin der Musikschule, Cornelia von der Heydt, das Pressegespräch. Einen entsprechenden Beschluss hatten die Stadtverordneten gegen die Stimmen von SPD und Grünen gefasst. Aber das war es dann auch schon mit den Nettigkeiten, denn eigentlich hatte die Musikschule ein Konzept vorgelegt, dass eine stufenweise Anhebung des Zuschusses bis auf 50 000 Euro vorsah. „Wenn es bei 25 000 Euro bleibt, bedeutet das Stagnation, dann müssten wir Schülerzahlen abbauen, um den Service halten zu können“, warnt von der Heydt: „Wir möchten aus der Selbstausbeutung der Mitarbeiter raus.“
FDP Frau Anita Klahn hatte in der Stadtverordnetenversammlung das Wort gegen den Antrag geführt. Sie schätze zwar die Arbeit der Musikschule sehr, aber hinter dem Konzept stehe die Absicht, Mitglied im Verband deutscher Musikschulen zu werden, was zu steigenden Standards im Verwaltungsbereich führe. Anita Klahn: „Das heißt, dass das zusätzliche Geld, das wir investieren müssen, nicht wirklich bei den Kindern ankommt.“ Ähnlich schlechte Erfahrungen habe die Stadt mit der Verbandsmitgliedschaft der Bücherei gemacht.
Dem widerspricht Schulleiter Alireza Zare: „Was wir an Mitarbeiterzeit investieren, kommt unmittelbar bei den Schülern an.“ Außerdem sei es nur so möglich, an Landeszuschüsse zu kommen.
Der FPD-Vergleich mit dem Büchereiverein missfällt der SPD. 63 500 Euro bekomme die Stadt dieses Jahr vom Büchereiverein. „Ich finde, die Mitgliedschaft lohnt sich“, sagt die SPD-Stadtverordnete Birgit Weißmann. Entgegen der Darstellung der FDP stehe der Verein den Umbauplänen, die heute Abend im Ausschuss diskutiert werden sollen, nicht im Wege, obwohl diese die Entwicklungsmöglichkeiten der Bücherei massiv einschränkten. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Maria Herrmann: „Wir befürchten, dass die Weiterentwicklung der Musikschule auf ähnliche Art verhindert wird.“
Andreas Olbertz
Kita Luftballon will kämpfen

- "Die Verwaltung will eine schnelle, billige Lösung, die nicht unbedingt kinderfreundlich ist." Gisela Stoltenberg, Kindergartenleiterin
Stormarner Tageblatt vom 5. Mai 2010
Umzug in die Kurparkschule – Widerstand gegen Verwaltungsvorschlag angekündigt
Bad Oldesloe
Das verspricht mal wieder, eine Mammut-Sitzung zu werden. Heute Abend kommen die Mitglieder des Sozialausschusses um 19 Uhr im Sitzungszimmer des Stadthauses zusammen. Die Vorlage umfasst mehr als 100 Seiten. Einer der Tagesordnungspunkte betrifft die Zukunft des Kindergartens Luftballon. Der mobilisiert seine Anhängerschaft, es könnte voll werden. Der Luftballon zählt zu den ältesten Kindergärten in der Stadt. Doch die Baracke an der Lübecker Straße ist baufällig. Es muss dringend Ersatz her (wir berichteten). Wirklich?
Bislang wurden bei der Planung Zahlen zugrunde gelegt, nach denen in Oldesloe mit ziemlicher Konstanz 200 Kinder jährlich auf die Welt kommen. Ein Abflachen der Kurve war nicht in Sicht. Der Kreis hat jetzt aber eine Software für die Schulentwicklungsplanung angeschafft, und die sagt plötzlich einen Rückgang der Geburtenzahlen auf unter 150 voraus. Außerdem rückt die Verwaltung von der Vermutung ab, dass besonders in Metropolregionen mehr Krippenplätze als die geschätzten 35 Prozent nachgefragt werden. Es werden also nicht mehr 140, sondern angeblich nur noch 110 Plätze für unter Dreijährige benötigt. Analog wird auch die Zahl der Kindergartenplätze zurück gehen. Für die Verwaltung bedeutet das: Ein teurer Neubau des Luftballons am Steinfelder Redder ist nicht nötig – erst recht nicht mit Krippenplätzen. „Die Nachhaltigkeit muss sehr genau betrachtet werden“, heißt das im Verwaltungsdeutsch.
Während der Neubau am Redder nach bisherigen Schätzungen 1,5 Millionen Euro kosten würde, könnte der Luftballon auch kurzerhand in leere Räume der Kurparkschule einziehen. Im Zuge der Moordamm-Diskussion war der Standort zwar schon als ungeeignet verworfen worden, aber das muss ja kein Hinderungsgrund sein.
Luftballon-Leiterin Gisela Stoltenberg ist verärgert: „Die Verwaltung will eine schnelle, billige Lösung, die nicht unbedingt kinderfreundlich ist.“ Sie befürchtet, dass das für ihre Einrichtung mittelfristig das Aus bedeuten könnte. Denn trotz unterschiedlichster pädagogischer Ansätze sei das wichtigste Kriterium immer noch die Wohnortnähe. Rund um den Kurpark gebe es ein auffälliges Überangebot, während das komplette Stadtgebiet nördlich der Trave zukünftig mit einem einzigen Kindergarten auskommen solle. Kann es da Zufall sein, dass im Stadtplan, auf dem die Verwaltung die Verteilung der Kitas optisch deutlich macht, der Steinfelder Redder noch gar nicht eingezeichnet ist?
Gisela Stoltenberg macht deutlich: „Wir haben eine abgespeckte Planung, wir können uns Kooperationen mit Tagesmüttern oder einer Frühförderpraxis vorstellen – wir brauchen nur grünes Licht für weitere Überlegungen.“ Mit Elternpräsenz und eine Unterschriftensammlung soll verhindert werden, dass im Ausschuss schon Fakten in die andere Richtung geschaffen werden.
Andreas Olbertz
Lesermeinung: Ist Frau Klahn überfordert?
Stormarner Tageblatt vom 4. Mai 2010
Zu: „Erneut Gerangel um das Raumprogramm“, Stormarner Tageblatt, 30. April
Nach vier Jahren wird unser Tim im Sommer die Stadtschule Richtung weiterführende Schule verlassen, aber dann wird auch schon sein Bruder Ole in der Stadtschule eingeschult werden. Damit ist er einer von vielen Schülern, die auf eine gebundene Ganztagsschule gehen werden – oder doch nicht? Also Ole wird auf die Stadtschule gehen, aber wird sie nun eine gebundene Ganztagsschule?
Das Thema „Raumproblematik“ ist nicht neu, Frau Klahn. Die Stadtschule hatte sehr kurzfristig, nachdem sich herausstellte, dass es wohl doch mit der gebundenen Ganztagsschule klappen könnte, zu einem Elternabend für die betroffenen Eltern eingeladen. Leider fehlte hier die Politik! Schade, dass Sie nicht dabei waren, Frau Klahn, denn hier wurde frühzeitig auch von den Eltern erkannt, dass Umbaumaßnahmen stattfinden müssen. Seitdem ist viel Zeit vergangen, in der Sie sich vielleicht mal hätten Gedanken über die Umbaumaßnahmen machen können.
Ihr Wunsch, es mal in Ruhe zu beraten wollen, zeigt Ihre Realitätsferne zu diesem Thema. Wollen wir die sechs Wochen Sommerferien ungenutzt verstreichen lassen? Sollen Ole und seine Klassenkameraden das Lesen und Schreiben wirklich auf einer Baustelle lernen? Und alles nur, weil Frau Klahn ja auch noch im Kieler Landtag sitzt und daher keine Zeit findet, dringende Probleme in Bad Oldesloe zu lösen?
Politisches Engagement in Ehren, aber bitte nicht auf dem Rücken unserer Kinder!
Lars Cornehl, Bad Oldesloe
Kindergarten Luftballon: Aufstand der Eltern
Lübecker Nachrichten vom 4. Mai 2010
Bad Oldesloe - In Bad Oldesloe streiten Eltern und Kommunalpolitik über die Frage, wo der Kindergarten Luftballon künftig sein Domizil haben soll.
Aufregung und Ärger unter den Eltern eines der ältesten Oldesloer Kindergärten: Die Sitzungsvorlage für den morgigen Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss (19 Uhr, Stadthaus) sieht vor, dass der Kindergarten Luftballon aus seinem maroden Gebäude in der Lübecker Straße nicht in einen im gleichen Stadtteil (Steinfelder Redder) erhofften Neubau, sondern in freie Räume in der Förderschule am Kurpark umziehen soll.
Dagegen wehrt sich der Elternverein. In einem Brief an die Fraktionen macht er auf seine Nöte aufmerksam und rechnet vor, wie teuer eine Kindergartennutzung in den Schulräumen werden würde. „Eine Kita gehört – wie auch eine Grundschule – in die direkte Nachbarschaft – also auch dorthin, wo neue Baugebiete entstehen“, so die Eltern.
Außerdem müssten mindestens 400 000 Euro in den Umbau der Kurparkschule investiert werden, damit eine Nutzung durch den Kindergarten möglich ist, haben die Eltern ausgerechnet. Sie betonen: „Wir sind der Meinung, dass diese Investition familienfreundlich in eine wohnortnahe Kindertagesstätte fließen sollte.“
Lieber plädieren sie für eine kleinere, eingeschossige und dadurch kostengünstigere Variante mit nur einer Krippengruppe auf dem städtischen Grundstück hinter dem „Penny“-Markt am Steinfelder Redder. „Geben Sie diesem engagierten Elternverein auch in der Zukunft eine Chance“, fordern die Eltern die Politiker auf. 28 Jahre habe der Verein ehrenamtlich für die Stadt und die Eltern ein kostengünstiges, attraktives Angebot vorgehalten. Insgesamt ist der Verein in Bad Oldesloe seit 39 Jahren tätig – und stark nachgefragt.
In der Sitzung geht es zudem um das Gesamtpaket Ausbau der Kindertagesbetreuung für unter dreijährige Kinder.
Weiteres großes Thema im BSKA sind die Planungen und Kostenschätzungen für die gemeinsame Nutzung des Gebäudes Königstraße 32 durch Bibliothek und Heimatmuseum. Die Baukosten belaufen sich auf 2,6 Millionen Euro. Die Kreditaufnahme würde sich dadurch für 2011 um 2,2 Millionen Euro erhöhen. Vorgesehen ist laut Dezember-Beschluss der Verbleib der Bibliothek im gesamten Erdgeschoss, die Ausdehnung des Heimatmuseums bis zur jetzigen Treppe, die Verlagerung des Veranstaltungsraums und von Büroräumen ins Dachgeschoss. Der Büchereiverein weist darauf hin, dass es in Zukunft Probleme für die Weiterentwicklung der Bibliothek geben könnte. Das Museum fordert als Ausgleich Lagerfläche von 100 bis 200 Quadratmetern.
Von Susanna Fofana
Erneut Gerangel um das Raumprogramm
Stormarner Tageblatt vom 30. April 2010
Umwandlung der Stadtschule in gebundene Ganztagsschule macht Probleme
Bad Oldesloe
Die Umwandlung der Stadtschule in eine gebundene Ganztagsschule – langsam aber sicher wird das Ganze zur großen Lachnummer. Eigentlich hätten die Stadtverordneten das Raumprogramm beschließen sollen, dann hätte die benötigte Bauleistungsbeschreibung vorbereitet können. Doch die FDP zog die Notbremse – wie schon bei der Frage der Finanzierung blockierte sie mal wieder die Umwandlung. Da zudem aus dem Kieler Bildungsministerium immer noch keine schriftliche Genehmigung zur Umwandlung vorliegt, ist offener denn je, wann mit dem auf vier Millionen Euro geschätzten Umbau begonnen werden kann.
Das Thema war Ende März im Sozialausschuss beraten worden. Kernpunkt ist die Frage, was eine gebundene Ganztagsgrundschule an Räumen braucht. Das Land stiehlt sich aus der Verantwortung und macht keine Vorgaben mehr. Schulleiterin Sabine Prinz hat mit dem Architekten ein Konzept entwickelt. Später wurde das Musterraumprogramm der Stadt Kiel bekannt. Das legt die Verwaltung zu Grunde, denn es sieht weniger Räume vor.
Woran soll sich die Stadt orientieren? Die Ausschussmitglieder hatten lange und breit diskutiert. Die CDU, ohnehin gegen die Umwandlung, plädierte für die „Minimallösung“ nach Kieler Berechnungen. FDP-Politikerin Anita Klahn forderte zwar eine Grundsatzentscheidung, aber sie war es, die schließlich zu vorgerückter Stunde die Diskussion beendete und einen Antrag präsentierte: Das von der Schule und dem Architekturbüro nach objektiven Gesichtspunkten selbst entwickelte Raumprogramm sei zu Grunde zu legen. SPD und Grüne freuten sich, das entsprach ganz ihrer Linie, sie stimmten dafür.
Jetzt kam dieser FDP-Beschluss aus dem Ausschuss also in die Stadtverordnetenversammlung. Eigentlich hätten die Mehrheitsverhältnisse klar sein müssen. Doch kaum hatte Bürgerworthalter Rainer Fehrmann den Tagesordnungspunkt aufgerufen, überraschte ausgerechnet Anita Klahn mit einem Geschäftsordnungsantrag. Sie forderte, die Vorlage in den Ausschuss zurück zu verweisen. Erst müsse es einen Grundsatzbeschluss geben, welches Raumprogramm die Kreisstadt zukünftig für ihre Schulen anwenden will. „Ich wünsche mir, dass wir das in Ruhe beraten“, argumentierte die FDP-Frau.
Weil es sich um einen Geschäftsordnungsantrag handelte, wurde nicht diskutiert, lediglich eine Gegenrede war zugelassen. Das übernahm SPD-Fraktionsvorsitzender Hagen von Massenbach: „Wir haben im Ausschuss Ihrem Antrag zugestimmt, Frau Klahn, haben Sie jetzt Angst vor der eigenen Courage oder die Sitzungsvorlage nicht gelesen?“ Es half natürlich alles nichts, die Verhältnisse in umgekehrter Richtung waren klar: CDU und FDP verhinderten mit Ein-Stimmen-Mehrheit einen Beschluss zur Sache.
Der Sitzungsbeginn hatte sich verzögert, weil Patricia Rohde von der CDU noch fehlte, nach der Abstimmung ging sie dann sofort wieder.
Andreas Olbertz
Politische Stadtführung in Bad Oldesloe
Stormarner Tageblatt vom 29. April 2010
Bad Oldesloe
Nur wer die historische Entwicklung einer Stadt kennt und versteht, kann sinnvoll ihre Zukunft gestalten. Deswegen lädt Hagen von Massenbach zu einer politisch-historischen Stadtführung an diesem Sonnabend ab 14 Uhr ein. Treffpunkt: Stadtplan am Exer vor der Awo-Wohnanlage. „Ich möchte, dass dabei neben der Stadtgeschichte und ihren erhaltenen steinernen Zeugnissen möglichst viel über die Auswirkungen der großen Politik auf die Menschen in unserer kleinen Stadt deutlich wird“, so der SPD-Bürgermeisterkandidat. Die Führung übernimmt der Stadtverordnete Jürgen Schneider. Er wurde bei seinen Recherchen tatkräftig durch das Stadtarchiv, das Kreisarchiv, das Heimatmuseum und die städtische Stadtführerin unterstützt. Hagen von Massenbach wird an einigen Punkten zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten erläutern.
Im Anschluss daran lädt er zu Kaffee und Kuchen ins Bürgerhaus ein und stellt sich gerne der Diskussion über die zukünftige Entwicklung der Stadt. st
Bad Oldesloe

- Die Farben, die Linienführung - das wird doch wohl nicht ein Wenzel Hablik sein? Olbertz Stormarner Tageblatt vom 29. April 2010
Decke frei für Hablik

- Dr. Hartmut Jokisch: "Unten ist beschlossen, obwohl es nie einen Beschluss gegeben hat"
Stormarner Tageblatt vom 28. April 2010
110 000 Euro Mehrkosten und Oldesloer Ausschuss bewilligt 25 000 Euro
Bad Oldesloe
Kunstfans werden vor Freude an die Decke gehen: Die Wenzel Hablik-Malereien im Obergeschoss von Haus 18 der Theodor-Storm-Schule sollen freigelegt und restauriert werden. Architekt Frank van Wely geht davon aus, dass 110 000 Euro an Mehrkosten anfallen.
Bei der Zahl stockte den Bauausschuss-Mitgliedern der Atem. Sehr schnell stellte sich dann heraus, dass diese Zahl auch Mehrkosten für das Erdgeschoss beinhaltet. Dafür war Anfang März als Kompromiss zwischen Denkmalpflegern und Verwaltung ausgehandelt worden, die Decke abgehängt zu lassen, lediglich im Treppenhaus wird ein Feld restauriert. Die Kosten – immerhin gute 30 000 Euro – sollte die Stadt übernehmen. Einen Beschluss der politischen Gremien dazu gibt es bislang nicht, die Summe wurde den Ausschussmitgliedern jetzt erstmals präsentiert und relativ emotionslos zur Kenntnis genommen. Vorsitzende Maria Herrmann: „Der Bürgermeister hat uns nicht beteiligt, jetzt soll er zusehen, woher er das Geld bekommt.“ Thema durch.
Im Obergeschoss schlägt die Restaurierung mit 50 000 Euro zu Buche. „Für diese Summe werde ich mich einsetzen“, versprach Landeskonservator Dr. Michael Paarmann: „Dazu müssen wir losgehen und Klinken putzen.“ Ob es ihm noch in diesem Jahr gelingt, das Geld aufzutreiben, ist allerdings fraglich. Rein technisch wäre eine Restaurierung auch im kommenden Jahr möglich.
Hinzu kommen aber noch Gebäudekosten. So muss ein Schienensystem an der Decke installiert werden, Akustikmatten an den Wänden sind teurer als für die Decke, die Elektroinstallation ist aufwendiger und eine Putzdecke muss erneuert werden. Sollte nicht in diesem Jahr restauriert werden, entstehen zusätzliche Kosten.
Für diese Zahlen sah sich Architekt van Wely scharfer Kritik ausgesetzt. Besonders vom CDU-Politiker und Architekt Siegfried Wobig: „Mit 110 000 Euro pauschal können Sie alles erschlagen. Die Summe halte ich für überzogen.“ Aber der Planer konnte Punkt für Punkt belegen, gestand allerdings ein, die Ansätze nicht knapp kalkuliert zu haben. „Wenn am Ende 90 000 reichen, beglückwünschen wir uns gegenseitig. Die Stadt zahlt nur, was letztlich ausgeführt wird“, so Frank van Wely.
Albrecht Barthel und Dr. Michael Paarmann vom Denkmalschutz machten sich für die Kunstwerke stark. Siegfried Wobig und Dr. Tamara Thiessen (SPD) plädierten ebenfalls vehement für die Restaurierung. Alle anderen hielten sich auffallend bedeckt. Verwaltung und Architekt standen mit dem Rücken zur Wand und mussten sich rechtfertigen, aber eine echte pro und contra Diskussion gab es nicht. Nur kurz warf Maria Herrmann ein, dass es auch die Variante gebe, alles abzuhängen und die Malereien erst in einige Jahren zu restaurieren. Doch darauf sprang niemand an.
Am Ende wurde einstimmig beschlossen, dass die Decke offen bleibt und 25 000 Euro Mehrkosten bewilligt werden sollen. Die Sanierungskosten für das Obergeschoss muss die Denkmalpflege tragen. Aus welchem Topf die 32 000 Euro Mehrkosten für das Erdgeschoss gedeckt werden sollen, ist auch nach dem Beschluss noch völlig offen.
Andreas Olbertz
Freiheit für Wenzel Habliks Deckenmalerei im Dachgeschoss
Lübecker Nachrichten vom 28. April 2010
Bad Oldesloe – Die Decke eines der drei Räume im Obergeschoss des ehemaligen Bölckschen Kontors – Haus 18 der Theodor-Storm-Schule (TSS) – bleibt frei, so dass die jüngst entdeckten Wandmalereien des Künstlers Wenzel Hablik hier sichtbar bleiben.
Auf diesen Kompromiss einigten sich die vier Oldesloer Parteien CDU, SPD, FDP und Grüne nach einer Ortsbegehung des Bau- und Planungsausschusses am Montagabend und anschließender Diskussion in der Mensa des Schulzentrums an der Olivet-Allee.
„Ich denke, wir haben eine gute Lösung gefunden, die vor allem sicherstellt, dass es keine Verzögerung bei der Sanierung gibt und die Schule schnellstmöglich die dringend benötigten Räume wieder nutzen kann“, sagte die Ausschussvorsitzende Maria Herrmann (SPD) erfreut.
Zuvor hatte Architekt Frank Prick van Wely erläutert, wie teuer das Ganze voraussichtlich wird. Die Gesamtherstellungskosten inklusive Gebäude-, Bauneben- und Restaurierungskosten belaufen sich auf 110 000 Euro. Für die Restaurierung der Malereien im Obergeschoss veranschlagt er zum augenblicklichen Zeitpunkt 50 000 Euro. Im Erdgeschoss kommen noch einmal 15 500 Euro dazu.
Landeskonservator Michael Paarmann vom Landesamt für Denkmalpflege zeigte sich zuversichtlich, dieses Geld für die Erhaltung der Kunstwerke beim Land einwerben zu können. Bürgermeister Tassilo von Bary (parteilos) hatte zuvor schon deutlich gemacht, dass die Stadt kein Geld habe.
Bis es zur Restaurierung kommt, können Jahre vergehen. Möglicherweise erst zu dem Zeitpunkt, an dem die Schülerzahlen signifikant zurückgegangen sind und die TSS das Haus nicht mehr benötigt. Aktuell soll das Haus vor allem für den Musik- und Werkunterricht genutzt werden. Die Kosten für die Mehrarbeiten, die durch das Freilassen der Decke entstehen – 25 000 Euro – will dagegen die Stadt tragen.
Die bereits vor drei Jahren gefundenen Deckenmalereien im Erdgeschoss werden weitgehend wieder zugehängt – vor allem aus Schallschutzgründen. Lediglich im Treppenhaus bleibt ein Teil sichtbar. Wandmalereien werden entweder verkleidet oder aber mit Leimfarbe überstrichen.
Die Sanierungsarbeiten am Gebäude sollen bis spätestens zum Ende der Sommerferien beendet sein. Bezahlt werden die 1,25 Millionen Euro teuren Maßnahmen überwiegend aus dem Konjunkturpaket II .
Von Joachim Strunk
Vier Kandidaten!
Stormarner Tageblatt vom 28. April 2010
Bad Oldesloe
Bei der Bürgermeisterwahl in Bad Oldesloe am Sonntag, 13. Juni, treten vier Kandidaten an. Amtsinhaber Tassilo von Bary will es noch mal wissen und kandidiert für eine zweite Amtszeit. Er war auch der erste, der sich klar zu einer Kandidatur bekannte. Die SPD schickt ihren Fraktionsvorsitzenden Hagen von Massenbach ins Rennen. Der war zwar in Mölln als nominiert gewesen, musste dann aber erkennen, dass das nichts für ihn dort sei. FDP und CDU haben den Reinfelder Bürgermeister Gerhard Horn als Kandidaten für die Kreisstadt gewinnen können. Er wurde im Rahmen der Neujahrsempfänge auf den Schild gehoben.
Mit Klaus Schädel tritt ein Einzelkämpfer an. Der Umzugsunternehmer und Privatdetektiv war einst aus der CDU Ahrensburg ausgetreten. Bei der Bürgermeisterwahl in der Schlossstadt war er im ersten Wahlgang abgeschlagen gescheitert. Jetzt will er es in Bad Oldesloe wissen.
Wahlleiter ist Hauptamtsleiter Malte Schaarmann. Er bestätigte, dass alle vier Kandidaten die benötigten Unterlagen pünktlich vor Bewerbungsschluss am Montag abgegeben haben. Die schwierigste Hürde hatte Klaus Schädel zu überwinden, er musste 140 Unterstützer-Unterschriften beibringen – das hat er geschafft. Am Freitag tagt der Gemeindewahlausschuss, um über die Zulassung der Kandidaten zu entscheiden. Gestern Abend gab es bereits einen ersten Vorstellungstermin: Der DGB fühlte den Kandidaten auf den Zahn. Danach geht es munter weiter. Am 18. Mai gibt es eine große Runde der Sportvereine mit den Bewerbern, einen Tag später den offiziellen und vorgeschriebenen Termin der Stadt. Die Gleichstellungsbeauftragte hat eine Kandidatenrunde angekündigt und der Moscheeverein bittet zu Einzelgesprächen.
Wahlberechtigt sind Deutsche sowie EU-Bürger, die mindestens 16 Jahre alt und seit drei Monaten in Oldesloe gemeldet sind. Sollte keiner der Kandidaten am 13. Juni die absolute Mehrheit erringen, ist am 27. Juni Stichwahl. ol
Stormarner Wochenschau
Stormarner Tageblatt vom 23. April 2010
Das sind ja „reizende“ Aussichten
GESTÜCKELT: Nun mal ehrlich, wer kennt Wenzel Hablik? „Das ist ein Künstler“ ...aber dann hört es meistens auch schon auf. Insider sagen, er war einer der ganz großen Expressionisten. Na gut, glauben wir das mal. Eigentlich ein Grund zur Freude, dass so einer in den 20er Jahren in Oldesloe ein Gebäude gestaltet hat, nur dummerweise wird das Haus heute von der TSS genutzt – und das bringt noch mehr Probleme mit sich, als es so ein Altbau ohnehin schon tut. Wenzel Habliks Frau Elisabeth Hablik-Lindemann, selbst erfolgreiche Künstlerin, gestandi hren Kindern, dass sie nach der sachlichen Umgestaltung des Esszimmers durch ihren Mann 1933, weg vom grellen Angriff auf die Netzhaut, endlich keine Kopfschmerzen mehr habe. Und das soll eine positive Lernumgebung für die Kinder sein? Albrecht Barthel vom Denkmalamt räumte beim Ortstermin ein, dass den Angestellten im Bölckschen Kontor seinerzeit einiges zugemutet worden sei. Und das soll mit Schülern jetzt wiederholt werden? Unsere Karikatur lässt grüßen. Kein Geld für optimale Ausstattung, Kompromisse an allen Ecken und Enden, aber Geld für einen Hablik an derDecke? Wäre es da nicht sinnvoller zu sagen, wir konzentrieren uns jetzt auf die schulische Nutzung, packen den Kunstschatz an der Decke wieder gut ein und holen ihn in ein paar Jahren hervor? Dann sind die Schülerzahlen zurückgegangen, dann könnte das Gebäude für eine neue Nutzung frei werden, dann besteht nicht nur die Möglichkeit, diese Arbeiten einer breiten Öffentlichkeit zu zeigen, sondern auch die herausragende Statik zur Geltung zu bringen. Bau und Malerei bilden nämlich eine Einheit, beides wirkt nur in der originalen Größe und nich tin der Zerstückelung in kleinen Klassen.
GEMILDERT: Der von der schwarz-gelben Regierung in Kiel geplante neue Landesentwicklungsplan erregt vor Ort die Gemüter. „Es tut schon weh, wenn die CDU in der Verantwortung ist und solchen Unsinn verzapft“, empörte sich CDU-Grande Siegfried Wobig. Klar, SPD und Grüne sind auch dagegen – damit war eine breite Mehrheit für eine Resolution gegen die Kieler Pläne sicher. Nur Frank Fiedler von der FDP zuppelte einen eigenen Formulierungsvorschlag aus der Tasche – deutlich milder und differenzierter. Logisch, denn mit Stadtvertreterin Anita Klahn haben die Oldesloer Liberalen eine Landtagsabgeordnete in ihren Reihen. Die könnte in die missliche Situation kommen, sich gegen Oldesloer Interessen und für die dünne Koalitionsmehrheit in Kiel aussprechen zu müssen.
GEREIZT: Der Ton macht die Musik. Das Sprichwort findet beim„BargteheiderPolit-Orchester“ viel Anklang, aber nicht immer. Im Ausschuss für Stadtplanung, Grünordnung und Verkehr gab es kleine Disharmonien, war das Klima leicht gereizt, obwohl es um selbiges ging. Nicht nur, dass sich das Gremium beim Thema Biogasanlage in Randbereiche verlor und darüber stritt, ob der Planungs- oder der neue Energie-Ausschuss für die mögliche Ansiedlung der regenerativen Energiequelle zuständig ist. Ein junger Zuhörer, der etwas polternd und zwangsläufig „Hofprotokoll“-unerfahren argumentierte, wurde kurzerhand abgekanzelt. Die Art und Weise ärgerte im Anschluss der Sitzung weitere
„Zaungäste“. Da darf man sich über Politikverdrossenheit nicht wundern. Hier wäre
ein Klima-Konzept wünschenswert, so wie es die Grünen für die Umwelt fordern.
A. Olbertz/V. Stolten
Ideen für den Marktplatz

Stormarner Tageblatt vom 24. April 2010
Bürgermeister von Bary stellt Erlebnisgastronomie im ehemaligen Café in Aussicht
Bad Oldesloe
Bürgerworthalter Rainer Fehrmann (CDU) hatte zur Einwohnerversammlung geladen und der Saal im Bürgerhaus war ansehnlich gefüllt. Gut 20 Minuten referierte Bürgermeister Tassilo von Bary sehr theoretisch über Stadtmarketing und die bereits gefassten Beschlüsse, dann ging es zur Sache.
Wie erwartet wurde das Thema Café am Markt angesprochen und die Emotionswellen schlugen gleich hoch. Die Miete sei viel zu hoch gewesen, das habe niemand erwirtschaften können, Penny müsse einen geringeren Quadratmeterpreis bezahlen als das Café, das doch ein Hort der Kommunikation und Kultur gewesen sei, kam aus dem Zirkel ehemaliger Kunden und des Betreibers. Bürgermeister von Bary blieb gelassen. „Ein anderer Eigentümer hätte sich das nicht so lange angesehen“, rechtfertigte er die Kündigung. Eine Überprüfung habe ergeben, dass in den Räumen eklatanter Sanierungsstau herrsche und investiert werden müsse. Eigentlich hätte das Geld dafür vom Mieter erwirtschaftet werden sollen. Der Verwaltungs-Chef richtete den Blick nach vorne: „Wir brauchen an der Stelle etwas Attraktives, etwas das ausstrahlt. Dann können wir punkten.“ Anfragen eines Ein-Euro-Ladens und eines Backshops habe er deshalb gleich abgelehnt. Zwei interessante Konzepte lägen auf dem Tisch – zum einen eine Erlebnisgastronomie mit einem Mix aus Café am Nachmittag und Brauhaus mit eigenem Bier am Abend sowie ein zweiter Bewerber, der ein italienisches Bistro wolle. An der zentralen Stelle scheint also etwas möglich zu sein.
Alle andere Ausführungen zum Thema Stadtmarketing blieben wage, die altbekannten Floskeln der vergangenen Jahre wurden wiederholt. Silvia Siebel, Vorsitzende der Senioren Union, brachte es auf den Punkt: „Ich erlebe jetzt schon den dritten Versuch, die Innenstadt zu beleben – ich glaube nicht, dass es mit einem neuen Slogan oder Logo klappt. Allein in der Hindenburgstraße haben wir fünf Frisöre. Da fasse ich mich an den Kopf, aber das ist doch nicht Sache der Verwaltung.“
Im Rathaus soll demnächst die Stelle des Stadtmarketings neu besetzt werden. Dann sollen Arbeitskreise gegründet werden, in denen Slogan und Marke der Kreisstadt mit interessierten Bürgern entwickelt werden. Eine Vergabe für das Citymanagement wird vorbereitet, um damit eine Agentur beauftragen zu können.
Auch das Thema Kultur- und Bildungszentrum wurde angesprochen. Tassilo von Bary äußerte Zweifel, dass der Zeitplan eingehalten werden könne. „Ohne Fördermittel wird es nicht gehen“, machte er deutlich.
Andreas Olbertz
Abhängen oder auf den Putz hauen

- Kleine Streifen, große Wirkung: Restauratorin Marion Eifinger erläutert Tassilo von Bary, Karin Schmidt, Anke Sieberns und Maria Herrmann anhand ihrer Freilegungen die ehemalige Gestaltung der Decke.
Stormarner Tageblatt vom 23. April 2010
In Sachen Hablik-Malerei könnte sich ein Kompromiss abzeichnen: Decke offen lassen und später über Restaurierung beraten
Bad Oldesloe
Zu machen, offen lassen oder gar restaurieren? Das ist die große Frage. Ein Teil der Hablik-Deckenmalereien im Haus 18 der Theodor-Storm-Schule waren bereits bekannt, deshalb steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Aber im Zuge der Sanierungsarbeiten tauchten unvermutet weitere Arbeiten des Expressionisten aus Itzehoe auf. Diese Kunstwerke stellen jetzt vor erhebliche Probleme: Der Bauausschuss soll sie lösen.
Bei einem Ortstermin mit Schleswig-Holsteins oberstem Denkmalschützer, Dr. Michael Paarmann, stellte Bürgermeister Tassilo von Bary klar: „Wenn ich hier eine andere Nutzung hätte, würde ich hurra schreien.“ Aber die Raumprobleme im Schulzentrum seien einfach zu groß. Und der Verwaltungs-Chef schob gleich hinterher: „So eine Restaurierung können wir uns als Stadt nicht leisten.“ Und es kommt noch dicker. Der Umbau wird mit Bundesmitteln aus dem Konjunkturprogramm gefördert. Das ist für „energetische Sanierung“ bestimmt, eine Umwidmung nicht so einfach möglich. „Da müssen wir bös aufpassen, sonst wird das richtig teuer für uns“, riss von Bary diesen Punkt an.
Restauratorin Marion Eifinger erläuterte anhand kleiner freigelegter Farbstreifen, wie der Raum seinerzeit gestaltet war – kanariengelb, blau, rot, ocker, gold in Feldern und Linien. Dr. Hartmut Jokisch (Grüne) formulierte es salopp: „Die Quadratur des Regenbogens.“
Die Echtheit steht für Marion Eifinger außer Frage. „Das ist nicht der erste Hablik, an dem ich arbeite. Der Farbauftrag ist identisch, teilweise sogar die Farbe gleich“, erläutert sie.
Landeskonservator Paarmann ist begeistert, spricht von einem „ungeheuren Glücksfall“, findet die Funde „wunderbar“. Ihn freut besonders, dass der Raum zukünftig für textiles Werken genutzt werden soll. Habliks Frau war nämlich eine berühmte Weberin, die ihre Stoffe nach seinen Entwürfen fertigte. Verbindungen zum Bauhaus und Gropius werden erwähnt.
Während die einen Vandalismus befürchten und in Frage stellen ob die Malerei der Lernatmosphäre förderlich ist, findet Michael Paarmann, dass „künstlerische Ausstattung durchaus einen pädagogischen Zweck haben kann.“
Fakt ist: Die Bauarbeiten kommen ins Stocken, weil nicht klar ist, wie weiter vorgegangen werden soll. Eine Entscheidung ist schwierig, denn Ausschussvorsitzende Maria Herrmann (SPD) will Fakten haben – vor was die Kosten angeht. Aber Dr. Michael Paarmann will sich erst um Fördermittel bemühen, wenn es ein klares Votum der Politik gibt.
Als Kompromiss deutete sich an, dass der Bauausschuss am Montag auf seiner Sondersitzung lediglich darüber berät, ob die Decke offen bleibt oder abgehängt wird. Diese Entscheidung würde dem Architekten reichen, um weiter arbeiten zu können. Leitungen müssten über den Dachboden verlegt werden, andere Lampen zum Einsatz kommen, Steckdosen in den Boden integriert werden und auch Rauchmelder können nicht einfach so angeschraubt werden, ganz zu schweigen von der Akustik – sollte die Decke offen bleiben, rechnet der Planer mit Mehrkosten von 20 bis 30 000 Euro. Und dann ist trotzdem noch nichts von Habliks Arbeiten zu sehen. Über die Restaurierung beziehungsweise Rekonstruktion könnte dann zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.
A. Olbertz
Parkplätze wichtiger als Platz für Fußgänger

- Dr. Hartmut Jokisch, Grüne: Das ist aber doch eine ausgesprochene Fußgängerplanung

- Siegfried Wobig, CDU: Parkplätze sind wichtiger als der Gehweg.
Stormarner Tageblatt vom 22. April 2010
Beim Umbau der Bahnhofstraße wird den Rufen der Geschäftsleute gefolgt
Bad Oldesloe
Das Ziel ist klar: Die Innenstadt soll attraktiver werden, Fußgänger sollen vom Bahnhof geschickt Richtung Fußgängerzone geleitet werden. Um das zu erreichen, ist der Bereich vom Bahnhof, Reimer-Hansen-Straße, Bahnhofstraße bis zur Brunnenstraße im Sanierungsgebiet des Stadtumbaus. Dieses wahrlich nicht schöne Areal der Stadt soll gehörig aufgehübscht werden. Dafür fließen stattliche Fördermittel.
Die Vorstellungen der Planer sind mit den Anliegern diskutiert worden. Die Mitglieder des Bauausschusses mussten jetzt festlegen, welche Varianten umgesetzt werden sollen.
Der „obere“ Bereich vom Bahnhof durch die Reimer-Hansen-Straße ist unstrittig. Die Fußgängerführung soll auf der Seite der Kreisverwaltung erfolgen, ein schöner breiter Fußweg mit einem Leitband. Dafür soll vom Kreis ein schmaler Streifen gekauft werden, um auf der anderen Seite nicht die Vorgärten angreifen zu müssen.
Auch in Sachen Mewesstraße sind sich alle einig: Die Stadt soll sich bemühen, die Trägerschaft der Straße zu bekommen, um bei der Planung freie Hand zu haben. Die Ampel soll von der rechten auf die linke Seite verlegt werden, eine durchgängige Pflasterung den Leitgedanken betonen, und die Radfahrer sollen auf einem Streifen auf der Fahrbahn geführt werden.
Die Fortsetzung der Reimer-Hansen-Straße weist starkes Gefälle auf. Klarer Fall: Kleine Terrassen sollen diesen Bereich auch für Behinderte passierbar machen.
Strittig ist die Bahnhofstraße. Sie sollte eigentlich ein verkehrsberuhigter Bereich werden. Dafür ist aber angeblich zu viel Autoverkehr in der Bahnhofstraße. Parkplätze sollen auf die linke Seite verlegt werden. Einige Häuser stehen allerdings sehr weit vor. In der Verwaltung geht man davon aus, dass in den kommenden Jahren an etlichen Fassaden noch eine Wärmedämmung angebracht wird. Dadurch gingen nochmals jeweils 20 Zentimeter verloren. Würde man an diesen Stellen auf Parkplätze verzichten, wäre für Fußgänger viel gewonnen. Doch dagegen laufen einige Geschäftsleute Sturm. Da wird um jeden Stellplatz vor der Tür gekämpft.
Für die CDU ist die Sache klar. „Parkplätze spielen eine besondere Rolle. Sie sind wichtiger als der Gehweg“, stellte Siegfried Wobig dar. Für die Gegenseite argumentierte der Grüne Hartmut Jokisch: „Das ist aber doch eine ausgesprochene Fußgängerplanung. Und jetzt doch wieder Vorrang für Parkplätze?“ Der Meinung schloss sich auch die SPD an, doch da Frank Fiedler für die Liberalen ebenfalls für Parkplätze stimmte, war die Sache für den Abschnitt klar.
Ein paar Meter weiter jedoch votierte Siegfried Wobig nicht mehr nur für Parkplätze. Er wollen den Platz-Charakter an der Einmündung der Besttorstraße hervorheben Deswegen sprach er sich gegen Stellplätze im Kreuzungsbereich aus. An dem Punkt waren sich dann wieder alle einig. Strittig war allerdings, wie in der Brunnenstraße weiter verfahren wird. Die CDU plädierte für vier schräge Stellplätze, alle anderen Fraktionen sprachen sich für lediglich zwei in Längsrichtung aus.
Andreas Olbertz
Schulterschluss für den Hablik-Kunstschatz?

- Marion Eifinger zeigt die Hablik-Malerei. Foto: SUS
Lübecker Nachrichten vom 22. April 2010
Bad Oldesloe – „Das ist mein Favorit“ strahlt Siegried Wobig (CDU) und schaut zur Decke des künftigen Handarbeitsraums der Theodor-Storm-Schule, an der feine, bunte Farbstreifen einen kleinen Einblick auf ein großes Kunstwerk geben: Die Malerei des international bekannten Künstlers Wenzel Hablik.
Wobig gefällt die Idee der Denkmalpfleger, die ganz große Kunst in einem Raum freizulegen, der auch den Schülern künstlerische Betätigung abverlangt. Landeskonservator Dr. Michael Paarmann war ebenfalls begeistert: „Wir haben eine sehr wertvolle Ausgestaltung vor Augen, wie es sie nur an wenigen Orten in der Bundesrepublik gibt.“ Noch dankbarer war er, dass er auch in Bad Oldesloe auf Aufgeschlossenheit stieß, die nicht überall selbstverständlich ist.
Im Rahmen der Begehung des denkmalgeschützten Gebäudes Olivet-Allee 18 konnten auch viele Bedenken der Schule vom Tisch gewischt werden. Denn die will in ihren Räumen vor allem die Schulnutzung gesichert wissen. Aber ein Museum wollte ohnehin keiner der Anwesenden aus dem Haus machen. Gern hörte Anke Sieberns, das die Sicherung des Kunstwerkes an der Decke und eventuell den Pfeilern, keine bauliche Verzögerung bedeuten würde. Der werde selbst mit Erhaltung des Oldesloer Kunstschatzes zum Ende der Herbstferien fertig. Auch wäre möglich, die Malereien erst in den Sommerferien des kommenden Jahres freizulegen, so Restauratorin Marion Eifinger.
Ihr Part ist es nun, bis zur Sondersitzung des Bauausschusses am Montag, 19 Uhr, vor Ort, die Kosten zu ermitteln. „Wir brauchen Fakten“, so Maria Hermann (SPD). Von der Politik wird die Entscheidung benötigt, ob die Decke abgehängt wird oder nicht. Die Denkmalpflege hilft danach dabei, Fördermittel zu bekommen. Denn die Stadt, so machte Bürgermeister Tassilo von Bary klar, hat kein Geld.
Von Susanna Fofana
Kunstschätze an der Schuldecke

Stormarner Tageblatt vom 21. April 2010
Bei TSS-Sanierung tauchen seltene Wenzel-Hablik-Malereien auf
Bad Oldesloe
Wenn man einen Altbau saniert, ist man vor Überraschungen nie gefeit. So ergeht es jetzt auch der Stadt mit dem Haus 18 der Theodor-Storm-Schule. Mit Mitteln aus dem Konjunkturprogramm soll es saniert werden. Seit einem Jahr steht das Haus unter Denkmalschutz, weil unter einer abgehängten Decke im Erdgeschoss wertvolle Malereien sind.
Am 11. März wurde mit dem Denkmalschutz eine Vereinbarung getroffen: Die Malereien im Erdgeschoss werden sorgsam wieder „weggepackt“, im Treppenhaus werden sie saniert. Wenige Tage später dann der große Paukenschlag. Auch im Obergeschoss befinden sich unter dem weißen Anstrich die farbigen Linien. Nicht nur an der Decke, auch an Pfeilern, ja sogar an den alten Fensterrahmen zeugen kleine bunte Rechtecke davon, dass unter dem Anstrich die wertvollen Originalfarben noch vorhanden sind.
Die Malereien stammen von Wenzel Hablik – Textildesigner, Architekt und Maler aus Itzehoe. Einer der bedeutendsten expressionistischen Künstler Deutschlands. Und ausgerechnet der hat das ehemalige Bölcksche Kontorhaus von innen gestaltet.
Und wie geht die Stadt jetzt mit dem Schatz um? Diese Frage wurde im Bauausschuss kontrovers diskutiert. Über die Fraktionsgrenzen hinweg fanden sich mit Architekt Siegfried Wobig (CDU) und Kunsthistorikerin Dr. Tamara Thiesen (SPD) engagierte Fürsprecher für eine größtmögliche Sichtbarmachung der Malerei – das klang schon fast nach der Umwandlung in ein Museum. „Was wir an Kunst haben, sollten wir hegen und pflegen“, argumentierte Dr. Thiesen. Sie und Siegfried Wobig wollten ein klares Votum des Ausschusses.
Maria Herrmann von der SPD trat auf die Bremse: „Denkmalschutz ist das eine, Schulraumnot das andere. Hier müssen auch Kosten und andere Fakten auf den Tisch.“ CDU-Vertreter Hauke Heesch sah das ähnlich: „Die Kunst ist doch nicht weg, bloß weil wir jetzt eine Wand davor machen.“
Freilegung und Schulbetrieb zugleich harmoniert nicht. Wie Andreas-Joachim Weich vom Bauamt darlegte, seien die Schallschutz-Richtlinien bei einer Freilegung der Malereien nicht einzuhalten. Aufwändige Verkleidungen seien aus statischen Gründen auch nicht möglich.
Heute Nachmittag findet ein Ortstermin von Politik, Verwaltung und Fachleuten statt. Dabei sollen alle Möglichkeiten ausgelotet werden. Am Montag ist eine Sondersitzung des Bauausschusses geplant.
Andreas Olbertz
„Picasso des Nordens“: Politiker fordern Kompromiss

- Denkmalpfleger Albrecht Barthel, Katrin Maibaum vom Wenzel-Hablik-Museum und Architekt Frank van Wely (v. li.) begutachten die Kunst im Erdgeschoss. *Foto: KKS
Spagat zwischen Kunst und Schule: Können Wenzel Habliks Malereien in den Alltag der TSS integriert werden? Oder müssen sie hinter Schutzwänden verschwinden?
Bad Oldesloe – Wo sollen die Prioritäten liegen? Kann es ein Zusammenspiel zwischen Schulalltag und Kunstschatz geben? Wenn ja, wie sieht diese Gemeinschaft aus? Seit der Entdeckung der Malereien des Künstlers Wenzel Hablik aus dem Jahre 1927 bei der Sanierung des ehemaligen Kontorhauses der Firma Bölck – heute nutzt die Theodor-Storm-Schule (TSS) das Gebäude – steht die Frage im Raum: Wie geht es weiter?
Darüber diskutierten jetzt erstmals die Mitglieder des Bau- und Planungsausschusses der Stadt. Sie müssen mit der Nachricht leben, dass im Rahmen der Sanierungsarbeiten auch im Obergeschosses Malereien von Hablik gefunden wurden (die LN berichteten). Für die Denkmalpfleger eine weitere Sensation. Für die Stadt ein weiteres Problem. Denn, „wir geraten ins Stocken“, erklärte Andreas-Joachim Weich vom Oldesloer Bauamt. Das Bölck-Haus wird gerade – unter anderem mit Fördergeldern aus dem Konjunkturprogramm II – saniert, damit die Schüler der TSS eine Schulaula bekommen sowie im Obergeschoss unter anderem Technikräume. Eine Lösung für das Erdgeschoss gibt es bereits: Ein Teil der Deckenmalereien werden nicht aus Schallschutzgründen abgehängt, sondern bleiben im Treppenhaus sichtbar. Wie es im Obergeschoss weitergeht, könnte sich heute entscheiden, wenn es zum Gespräch zwischen Stadt und Denkmalpflege kommt.
Für Dr. Tamara Thiesen (SPD) gibt es nur eins: Die Malereien von Hablik sind „ein wertvolles Kulturbeispiel. Sie dürfen keinen Sachzwängen unterstellt werden“, plädierte die Kunsthistorikerin Thiesen für ein Zusammenspiel zwischen Kunst und Schule. Plädiert für eine Offenlegung und Präsentation der Malereien, für eine Integration in den Unterricht, in die Schule. „In Bad Oldesloe sind wir nicht gesegnet mit Kunst. Was wir haben, sollten wir hegen und pflegen.“ Sie zeigte sich erstaunt, dass die Ausschussmitglieder aus den Lübecker Nachrichten von den Malereien erfahren mussten. „Wir hätten früher informiert werden müssen.“
Das sieht auch Siegfried Wobig (CDU) so. Er sprach sich für die Erhaltung eines Raumes im Dachgeschoss aus. Schließlich gelte es, eine Vielzahl von Interessen zu berücksichtigen. „Die der Bürger dieser Stadt, denen das Gebäude gehört, die der Schule, die die Räume optimal nutzen möchte und die der Denkmalpflege, die die Dinge einem interessierten Publikum zugänglich machen will.“ Alle Beteiligten müssten kompromissbereit sein, forderte Wobig.
Die Wertigkeit der Hablikschen Kunst steht für Bauamtsleiter Frank Duwe außer Frage. Knackpunkt sei aber die vorgesehene Nutzung durch die Schule. Er kann sich vorstellen, die Kunst zu sichern, um dann zu warten, „bis man sie im vernünftigen Rahmen zeigen kann“. Die Vorsitzende des Bau- und Planungsausschusses, Maria Herrmann (SPD), möchte eine Lösung finden, die beidem gerecht wird. „Ein Erhalt wäre schön, aber Denkmalschutz ist das eine, Schulraumnot das andere.“ Für Hartmut Jokisch (Grüne) geht die schulische Nutzung vor, auch wenn Wenzel Hablik der „Picasso des Nordens“ ist. Jokisch regte an, auch die beiden anderen Gebäude – in einem ist das Deutsche Rote Kreuz untergebracht, das andere nutzt die TSS –, die an der Lorentzenstraße stehen, auf Malereien von Hablik zu untersuchen.
Von K. Kuhlmann-Schultz
Großer Andrang bei Fahrt zur Menschenkette
Stormarner Tageblatt vom 2. April 2010
Bad Oldesloe Die Buchung von Bussen, die am Sonnabend zur Menschenkette gegen Atomkraft fahren, ist im Internet nicht mehr möglich, denn alle Busse sind bereits belegt. Von den Stormarner Grünen ist jetzt ein zweiter Bus gechartert worden, der ebenfalls um 11 Uhr vom Bahnhof Bad Oldesloe abfährt und über Bargteheide (11.15 Uhr bei Rewe) und Ahrensburg (11.30 Uhr S-Bahnhof) zum Abschnitt Uetersen fährt. „Der Oldesloer Bürgermeisterkandidat Hagen von Massenbach ist auch dabei“, so Grünen-Geschäftsführer Hartmut Jokisch. Bus-Karten gibt es weiterhin für 10, ermäßigt 6 Euro, im Weltladen in der Bahnhofstraße, telefonisch unter (04531) 181801 sowie per Internet bei den Grünen: kv.stormarn(at)gruene.de. st
Stormarner Wochenschau
Stormarner Tageblatt vom 17. April 2010
Vertrauen ist der Anfang von allem
SPRICHWÖRTLICH: "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser" - In der vergangenen Woche passte das Lenin zugeordnete Zitat zum (fehlenden) Vertrauen in die Wehrführer, in dieser Woche fällt einem dazu die Kreisverwaltung ein. Mit umgekehrten Vorzeichen: Über vier Jahre hat ein Angestellter mindestens 440000 Euro abgezweigt. Da hätte man sich doch ausnahmsweise etwas mehr Lenin beim SPD-Landrat gewünscht, zumal der Diktator sich in Wahrheit eines anderen russischen Sprichworts bedient hat: "Vertraue, aber prüfe nach". Aber gut, wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Das dachte sich auch unser Karikaturist Götz Wiedenroth und griff zur spitzen Feder. Nach drei ähnlich gelagerten Betrugsfällen in zehn Jahren in der Kreisverwaltung könnten schon mal die Nerven blank liegen. Auf der Suche nach der Wahrheit werden Aktenberge durchforstet, eine Arbeit, auf die noch nicht mal das Rechnungsprüfungsamt Lust hat. Obwohl man sich auch wundert. Wenn bei der Überprüfung kleiner Amtsverwaltungen falsch abgerechnete Quittungen für eine Tasse Kaffe oder eine Taxifahrt auffallen, wie können im eigenen Haus dann solche Dinger durchrutschen? Irren ist halt menschlich, womit wir wieder bei den Zitaten wären. Vielleicht passt die Abwandlung eines Spruchs von Curt Goetz: Kann man Vertrauen zu einer Verwaltung haben, die einen selbst einstellt".
BAUERNSCHLAU: Wenn der Bürgermeister zur Pressekonferenz zum nächsten verkaufsoffenen Sonntag lädt, und die SPD mit den Grünen zum Gespräch über ein Energie-autarkes Bad Oldesloe, ahnt man es: So langsam geht der Bürgermeister-Wahlkampf los. Wurde auch Zeit. Bis auf Hagen von Massenbach halten sich die Bewerber arg zurück. Von Tassilo von Bary weiß man bislang nur, dass er Amtsinhaber ist, und Gerhard Horn wurde von CDU und FDP vorgestellt Wer wofür steht, was und wie er es erreichen will, liegt im Dunkeln. "Sieben Wochen ohne" sind vorbei, nun könnte es mal sieben Wochen mit Inhalten geben. Die FDP hat schon mal einen Versuchsballon gestartet und sich der öffentlichen Krirtik an den Pollern vor dem Bahnhof angeschlossen. Um bauernschlau zu sagen: "Wir können nur Anregungen geben. Die Verkehrsaufsicht ist Sache des Bürgermeisters". Der schweigt aber - ebenso wie seine Herausforderer. Das lässt ja auf einen spannenden Wahlkampf hoffen.
...
Großer Andrang bei Fahrt zur Menschenkette
Bad Oldesloe. Die Buchung von Bussen, die am Sonnabend zur Menschenkette gegen Atomkraft fahren, ist im Internet nicht mehr möglich, denn alle Busse sind bereits belegt. Von den Stormarner Grünen ist jetzt ein zweiter Bus gechartert worden, der ebenfalls um 11 Uhr vom Bahnhof Bad Oldesloe abfährt und über Bargteheide (11.15 Uhr bei Rewe) und Ahrensburg (11.30 Uhr S-Bahnhof) zum Abschnitt Uetersen fährt. „Der Oldesloer Bürgermeisterkandidat Hagen von Massenbach ist auch dabei“, so Grünen-Geschäftsführer Hartmut Jokisch. Bus-Karten gibt es weiterhin für 10, ermäßigt 6 Euro, im Weltladen in der Bahnhofstraße, telefonisch unter (04531) 181801 sowie per Internet bei den Grünen: kv.stormarn(at)gruene.de. st
Bürgerprotest gegen Wohnpark

- Die Anwohner der Kleinen Salinenstraße, der Salinen- und Königstraße lehnen eine Bebauung mit Mehrfamilienhäusern ab. Sie befürchten, dass ihr Quartier „kaputt gemacht wird“. Fotos: KKS
Lübecker Nachrichten vom 17. April 2010
Die Verdichtung der Innenstadt hat sich die Bad Oldesloer Politik als Aufgabe gestellt – um sich für die Zukunft zu rüsten. Doch die Planungen für das Gebiet rund um die Salinenstraße stoßen auf Kritik.
Bad Oldesloe – Die Stimmung ist gereizt: Die Anwohner der Kleinen Salinenstraße, der Salinen- und der Königstraße wehren sich gegen die Planungen zum Bau des Salinen-Wohnparks in ihrem Quartier. Dies bekräftigten sie auf der jüngsten Sitzung zur Bürgerbeteiligung, zu der die Stadt jetzt eingeladen hatte.
So wie Karl-Reinhold Wurch: „Sie zerstören ein gewachsenes Quartier in der Innenstadt“, warf der FDP-Politiker, der Anwohner in der Salinenstraße ist, der Stadt vor. Die möchte einen Bebauungsplan (B-Plan 108) in seinem Quartier aufstellen – mit sehr konkreten Planungen. Ein Investor möchte dort den Salinen-Wohnpark erstellen, mit Mehrfamilienhäusern, die dreigeschossig gebaut werden sollen (die LN berichteten). Insgesamt 14 Millionen Euro will der Ingenieur Markus Stolte zusammen mit zwei Partnern investieren. Und das, um der von den Stadtverordneten geforderten Innenstadtverdichtung nachzukommen. „1300 Wohnungen“, so Bürgermeister Tassilo von Bary (parteilos), „werden in den kommenden Jahren in Bad Oldesloe fehlen“. Dies sei das Ergebnis eines Gutachtens, das im Rahmen der Entwicklung des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK) in Auftrag gegeben worden sei. Die Innenstadtverdichtung habe in den Augen der Politik deshalb eine besondere Bedeutung. Maria Herrmann (SPD) betonte, dass zwei Parteien der Stadtvertretung – CDU und FDP – sogar entschieden hätten, dass Bad Oldesloe über den Trend hinaus wachsen sollte.
Die günstige Lage in dem Gebiet, so der planende Architekt Bernd Wessling, soll mehr Bewohner in die Innenstadt bringen, soll die Gegend beleben. Das passt den Anwohnern nicht. „Urbanität passt in diese Gegend nicht hinein. Sie machen die soziale Struktur kaputt“, unterstrich Wurch. Und nicht nur das: „Die Werte der Grundstücke werden herabgesetzt.“ Von Zerstörung der Idylle ist die Rede, der Zerstörung der Ruheräume in den Gärten. Und das alles nur, damit ein Investor Profit machen könne.
Stolte hat bereits Grundstücke erworben. Um den Salinen-Wohnpark in seiner Gänze verwirklichen zu können, braucht er aber noch mehr. Für Inge Behrens aus der Königstraße gibt es da einen ganz einfachen Weg. „Wenn wir uns einig sind, dass wir nicht verkaufen, dann ist doch alles erledigt“, erklärte sie. Michael Struck empörte sich darüber, dass die Stadt das Verfahren zur Erstellung des B-Planes überhaupt weiter verfolgt. In seinen Augen setzen sich die Stadtvertreter über den Bürgerwillen hinweg, denn „keiner ist daran interessiert, dass dort gebaut wird“.
Nicole Rowe, Stadtplanerin in Bad Oldesloe, verwies darauf, dass es sich bei den Planungen für die Gestaltung des B-Plans 108 erst einmal um „Visionen“ handele. Und der neue Bauamtsleiter Frank Duwe erklärte den anwesenden Anwohnern, dass es gelte, alle drei Interessen (die der Stadt, der Anwohner und des Investors) „in Abgleich zu bringen“. Die Bedenken und Anregungen der Anwohner werden protokolliert und in der Politik diskutiert. Um ihre Anliegen zu unterstreichen, sollten die Anwohner noch schriftliche Eingaben machen.
Von K. Kuhlmann-Schultz
A1-Autohof in Bad Oldesloe?

- Auf dieser freien (Acker-)Fläche neben dem Max-Bahr-Baumarkt an der B208, Ortsteingang Bad Oldesloe, überlegt eine Hamburger Investorengruppe, einen Autohof anzulegen. Foto: STRUNK
Lübecker Nachrichten vom 13. April 2010
Bad Oldesloe/Reinfeld – Durch die Diskussion um fehlende Lkw-Stellplätze an der A 1 wird die Chance einer Investorengruppe, in Bad Oldesloe einen Autohof einzurichten, immer größer.
Vor gut einem Jahr war es schon einmal ein großes Thema für Reinfeld beziehungsweise das angrenzende Gewerbegebiet Stubbendorf an der Reinfelder Autobahnabfahrt. Nachdem vor allem die Autobahnpolizei über zu wenig Stellplätze geklagt hatte, wurden Pläne diskutiert, ebendort einen Autohof mit rund 60 Lkw-Stellplätzen einzurichten.
Ein mögliches Gelände ist im Besitz der Bochumer Aral, die entsprechende Pläne bereits vor einigen Jahren konkret verfolgt hatte. Nach der Übernahme durch die BP wurden diese jedoch fallen gelassen. Stormarns Chef-Wirtschaftsförderer Norbert Leinius, Geschäftsführer der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS), erklärte gestern: „Der Autohof in Reinfeld ist derzeit nicht umsetzbar.“ Schon eher machbar scheint da ein Ansinnen einer Hamburger Investorengruppe zu sein, die das Bad Oldesloer Gewerbegebiet Südost – hinter dem Baumarkt Max Bahr auf dem freien Feld – ins Visier genommen hat. Hier stünden knapp zehn Hektar Fläche zur Verfügung.
Einen entsprechenden Vorstoß hatten die Planer der Investorengruppe bereits im Oldesloer Bauausschuss gemacht. Maria Herrmann (SPD), Vorsitzende des Bau- und Planungsausschusses, sieht eine grundsätzliche Bereitschaft der Politik. Allerdings: „Wir wollen erst einmal die konkreten Pläne kennen lernen.“ Wenn die Ansiedlung weiteren Lkw-Verkehr durch die Stadt nach sich ziehe, „ist es ein No-Go für mich“. In jedem Fall müsse „die Zielrichtung sein, eine anwohnerverträgliche Lösung hinzubekommen“.
Die Befürchtungen der SPD-Stadtverordneten, dass durch den Autohof ein verstärkter Lkw-Verkehr von der A 21 durch die Stadt zur A 1 entstünde, scheinen aber unbegründet zu sein. Denn dem Vernehmen nach plant die Investorengruppe auch noch ein zusätzliches Autohofprojekt an der A 21 im Bereich Trappenkamp.
An der Autobahnanschlussstelle Bad Oldesloe sind – vorerst und „grob“ – eine Tankstelle mit Shop und Restaurant, eine Werkstatt mit Reifen- und Reparaturservice, ein Wasch- und Servicecenter, ein Motel, Stellplätze nicht nur für Lkw, sondern auch für Personenkraftwagen und vor allem Wohnmobile geplant. Außerdem kann sich Leinius eine Touristen-Info vorstellen. „Keinesfalls aber wird es hier zentrenrelevante Angebote geben“, verspricht der WAS-Chef.
Übernächste Woche sei ein Gespräch mit den Investoren geplant, „bei dem wir die Bonität, das Kapital und die Verlässlichkeit der Interessenten unter die Lupe nehmen“. Auch sei der Fortgang der Gespräche abhängig davon, inwieweit es sich um eine „vernünftige Konzeption“ handele.
Sollte es zu einem Durchbruch kommen, rechnet Leinius mit einer Investition auf dem ehemals für die Großbäckerei Kamps vorgesehenen Gelände in zweistelliger Millionenhöhe: „zwischen 20 und 25 Millionen Euro“. Nötig seien dann allerdings noch Änderungen im Bebauungsplan. Die Landesplanung, so Leinius, habe bereits signalisiert, gegen ein solches Projekt keine Einwände zu haben. Auf Seiten der Stadt dürfte es wohl auch kein Problem geben. Maria Herrmann: „Dazu sind die politischen Mehrheiten nicht gegeben“. Auch wenn sie selbst wünsche, dass der Güterverkehr mehr über die Schiene erfolge: „Wir wollen alle günstig in Supermärkten einkaufen“. Für eine endgültige Entscheidung seien aber noch mehr Informationen vonnöten.
Von Joachim Strunk
„ProKlangstadt“: Fördertopf auch für uns öffnen
Stormarner Tageblatt vom 12. April 2010
Bad Oldesloe Es geht ums Geld, genauer gesagt um das Oldesloer Klangstadt-Festival in diesem Sommer. „Wir sind enttäuscht, dass es in Oldesloe einen Kulturfördertopf gibt und wir daraus kein Geld bekommen können, obwohl wir als förderungswürdig eingestuft werden. Schließlich sind wir ein anerkannter gemeinnütziger Verein, der die Kultur in Bad Oldesloe fördert“, weisen Christian Bernardy, Till Weber, Masha Krause, Patrick Niemeier, Sandra Riewerts und Birte Thelen im Auftrag „ProKlangstadt“ Äußerungen der FDP-Stadtverordneten Anita Klahn zurück (wir berichteten), die sich für einen Defizitausgleich anstelle eines Zuschusses ausgesprochen hatte. „Wir sehen ein Festival für Rock- und Popkultur mit 1000 Zuschauern ebenbürtig mit klassischen oder Gospel-Konzerten in der Kirche. Deswegen fragen wir uns natürlich, warum eine Förderung in unserem Bereich nicht möglich sein sollte. Die Kirche könnte ohne Förderung keine ’großen’ Künstler für erfolgreiche Konzerte bezahlen, die das kulturelle Leben der Stadt bereichern. Genauso geht es uns aber auch.“ st
„Zwei-Klassen-Kultur“ in Oldesloe
Lübecker Nachrichten vom 10. April 2010
VON SUSANNA FOFANA
BAD OLDESLOE – Die Äußerungen der Oldesloer FDP-Frau Anita Klahn im Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss haben den Verein ProKlangstadt so bestürzt, dass dieser jetzt mit einem offenen Brief an die Kommunalpolitikerin reagiert und von einer „Zwei-Klassen-Kultur“ spricht.
Klahns Darstellung sei „über lange Strecken schlichtweg falsch“ und „in größten und unnötigsten Maße rufschädigend.“ Im Ausschuss war es zum einen um einen Kultur-Zuschuss an den gemeinnützigen Verein in Höhe von 2000 Euro gegangen, zum anderen um eine Defizit-Deckung für das Klangstadt-Open-Air-Festival am 10.und 11. Juni.
Während der Ausschuss einem eventuellen Defizit-Ausgleich zustimmte, wurde ein fester Zuschuss nicht bewilligt. „Wir sind enttäuscht, dass es in Oldesloe einen Kulturfördertopf gibt und wir daraus kein Geld bekommen können, obwohl wir als förderungswürdig eingestuft werden“, so Christian Bernardy, Till Weber, Masha Krause, Patrick Niemeier, Sandra Riewerts und Birte Thelen vom Verein ProKlangstadt.
Sie betonen, dass sie sich ausschließlich ehrenamtlich engagieren. Ein bei vielen Klangstadt-Veranstaltungen dennoch entstandenes Defizit sei von den Vereinsmitgliedern aus privater Tasche ausgeglichen worden. Wenn Gewinne erwirtschaftet wurden, seien diese an das Kinderhaus Blauer Elefant, das Inihaus oder für das Bandprojekt der Stormarner Werkstätten gespendet worden. Ganz so, wie es in der Satzung auch vorgesehen sei. Es werde also auf keinen Fall mit einem Zuschuss „der Gewinn aufgestockt“, wie auf der Sitzung vermutet worden sei.
Genau wie auch die Kirchenmusik würde ProKlangstadt gerne namhafte Künstler nach Bad Oldesloe holen. Dies könne sich der Verein jedoch ohne die Unterstützung der Stadt ebenso wenig leisten wie die Kirchengemeinde. Bisher spielen die Musiker bei Klangstadt-Festivals sogar ohne Gage. Weil sie wissen, dass die Überschüsse an einen guten Zweck gehen und eben nicht in die Taschen der Veranstalter. Mit einem Zuschuss könnte das Programm noch besser werden.
Breiter Raum für Debatten
Stormarner Tageblatt vom 6. April 2010
Auf dem Weg zur gebundenen Ganztagsschule: Noch ist kein Handschlag getan
Bad Oldesloe
Noch vier Monate bis zum Beginn des neuen Schuljahrs - und an der Stadtschule ist noch kein Handschlag zur baulichen Umwandlung in eine gebundene Ganztagsschule gemacht worden. Im Gegenteil. Im Kieler Bildungsministerium lässt man sich Zeit, ein schriftlicher Bescheid, dass die Umwandlung bewilligt wird, gibt es noch nicht. Warme Worte und eine mündliche Zusicherung, aber bevor nicht etwas Schriftliches auf dem Tisch liegt, wird in Oldesloe wohl nicht gebaut werden. Immerhin hat der Sozialausschuss jetzt die Weichen gestellt.
Wenn irgendwann der Bescheid kommt, sollte wenigstens klar sein, was gebaut werden soll. Bislang gibt es für die Stadtschule den Entwurf eines Architektenbüros, den die Planer zusammen mit Schulleiterin Sabine Prinz erstellt haben. Geschätzte Kosten: Vier Millionen Euro. Jetzt ging es im Sozialausschuss um die Konkretisierung des Raumbedarfs. Der Umbau soll im Rahmen eines PPP-Projekts finanziert werden. Dafür muss die Stadt festlegen, was gebaut werden soll, es werden keine konkreten Pläne vorgegeben, sondern lediglich eine Bauleistungsbeschreibung. In ihr wird definiert, wie viele Räume in welcher Größe und mit welcher Ausstattung benötigt werden. Dabei spielen auch die „Raumbeziehungen“ eine besondere Rolle.
Rektorin Prinz hat den Raumbedarf bislang immer als „Minimalforderung“ bezeichnet. Inzwischen hat sich die Stadt Kiel die Mühe gemacht, ein Musterraumprogramm zu erstellen. Der Maßstab, an dem sich landesweit Mittelstädte ausrichten. Fachbereichsleiter Thomas Sobczak attestierte: „Ohne das Raumprogramm zu kennen, haben Schule und Architekt quasi schon eine Punktlandung hingelegt.“ Aber eben nur fast und deshalb war das der große Diskussionspunkt, um den politisch gerungen wurde.
Für Gudrun Möllnitz (CDU) war die Sache damit klar. Bei den weiterführenden Schulen habe sich der Ausschuss auch am Kieler Musterraumprogramm orientiert. „Wenn wir davon jetzt abweichen, machen wir ein großes Fass auf“, sagte sie. In diese Richtung argumentierte auch die Liberale Anita Klahn: „ Ohne Grundsatzbeschluss kriegen wir ganz viel Unruhe.“
Zwischen dem Kieler Programm und der Schulforderung gibt es eine Differenz von etwa 100 Quadratmetern. Zusätzlich ist die Verwendung von fünf „alten“ Räumen offen. Aus Sicht der Verwaltung könnten diese Räume genutzt werden, um den Bedarf laut Kieler Programm zu decken - dann würde der Neubaubedarf um weitere 278 Quadratmeter sinken. An dem Punkt kommen die Raumbeziehungen ins Spiel. Nach Ansicht der Stadtschule ist zum Beispiel ein Differenzierungsraum am anderen Ende des Flurs nicht nutzbar. Darum drehte sich die Kontroverse.
Anita Klahn pochte auf eine Grundsatzentscheidung, die CDU wollte nicht vom Kieler Konzept abweichen und Peter Stoltenberg argumentierte für die SPD: „Das Musterprogramm ist eine Basis, wir müssen gucken, was so gut begründet ist, dass wir davon abweichen.“ Aber so tief wollte dann doch keiner ins Detail einsteigen. Sabine Prinz hatte eine ganze Reihe von Argumenten: Die unberücksichtigte DaZ-Klasse (Deutsch als Zielsprache), der höhere Bedarf an Ruheräumen oder ein dringend benötigter zusätzlicher Musikraum.
Die Debatte dreht sich geraume Zeit im Kreis bis ausgerechnet Anita Klahn den Vorschlag macht, dem auch die SPD und Grüne zustimmen können: Grundlage der Bauleistungsbeschreibung wird jenes Raumprogramm, dass Schule und Architekturbüro ausgearbeitet haben. Alles andere als ein Grundsatzbeschluss, sondern ein pauschales Ja zu den Forderungen der Stadtschule.
Andreas Olbertz
Kommentar
Fragwürdig
Beschluss für Stadtschule
Andreas Olbertz
Die Stadtschule in Bad Oldesloe soll also genau das an Räumen bekommen, was Schulleiterin Sabine Prinz mit einem Architekten bereits vor einem Jahr ausgearbeitet hat. In der Sache eine richtige, maßvolle Entscheidung , die immer noch weit hinter dem zurück bleibt, was pädagogisch wünschenswert wäre - auch wenn es trotzdem auch so teuer genug wird. Aber die Art, wie dieser Beschluss zustande gekommen ist, ist fragwürdig.
Muss es wirklich ein großes Lehrerzimmer sein, oder können es nicht auch zwei kleine sein? Nicht diskutiert. Müssen es wirklich so viele Differenzierungsräume sein, oder tun es auch ein paar weniger? Nicht diskutiert. Zu vorgerückter Stunde pauschal durchgewunken. Das ist genau so gefährlich wie eine pauschale Ablehnung und wird in Zukunft vermutlich noch zu einigen Forderungen anderer Schulen führen. Mit Argumenten wird man dann kaum kommen können.
Riskante und wertvolle Kultur
Stormarner Tageblatt vom 3. April 2010
Nicht jeder bekommt aus dem Fördertopf Zuschüsse
Bad Oldesloe
Wird da etwas mit zweierlei Maß gemessen? Oldesloe stellt sich gerne als die „Bildungsstadt mit kultureller Identität“ dar. Zur Förderung der Kultur gibt es einen Topf mit 16 900 Euro. Dieses Geld steht Jahr für Jahr zur Verfügung – und wird nie aufgebraucht.
Klangstadt plant im Sommer wieder ein Open-Air-Festival am Freibad Poggensee. Ein launiges Wochenende mit guter Live-Musik, hoffentlich schönem Wetter, Frühstück mit Shanty-Chor, Fußballübertragung am Poggensee-„Beach“ – dieses Bad Oldesloe Open Air war im vergangenen Jahr ein Erfolg. Am 10. und 11. Juni soll daran wieder angeknüpft werden. Zur Finanzierung hat der Verein einen Zuschussantrag gestellt. 2 000 Euro möchten die Musiker haben.
„Ein echtes Schäppchen“, tönten einige Politiker noch gut gelaunt. Bis sich dann herausstellte, dass Klangstadt zwei Anträge gestellt hatte, es aber nur einer auf die Tagesordnung geschafft hatte. Im zweiten Antrag bitten die Musiker um einen Defizitausgleich für den Fall, dass das Festival ein Flop werden sollte. Damit ging das große Diskutieren los.
Dass Klangstadt ein kultureller Pfeiler in der Stadt ist, stand außer Frage. Dass der Zuschussantrag den Förderrichtlinien entspricht, wurde nicht angezweifelt. Und doch wollte Anita Klahn (FDP) kein Geld bewilligen – sie sprach sich für einen Defizitausgleich anstelle eines Zuschusses aus. Gudrun Möllnitz von der CDU brachte es auf die einfache Formel: „Wenn ihr etwas wagt, übernehmen wir das Risiko.“ SPD und Grüne werteten die Lage anders, sie sahen die Anträge unabhängig voneinander. „Wir sind dabei, den Fördertopf zu schließen. Das ist nicht Sinn des Topfes“, kritisierte Peter Stoltenberg (SPD). Er sprach sich für den Zuschuss als „Anerkennung für die ehrenamtliche Leistung“ aus. Über den Defizitantrag könne dann auf der nächsten Sitzung beschlossen werden.
Die Mehrheit war aber anderer Auffassung. Die Stadt übernimmt bis zu 10 000 Euro Defizit. Davon werden dem Verein vorab 5 000 Euro als Kredit bewilligt.
Ganz anders verlief die Diskussion bei Henning Münthers Antrag für die Kirchenmusik. Es gab keine. „Das ist einfach schön“, „ein Aushängeschild für die Stadt“ und schon waren 8 490 Euro für drei Konzerte und eine Broschüre bewilligt – mehr als die Hälfte des Fördertopfes. Andreas Olbertz
Endlich Hallenzeiten für Herbergsgäste
Stormarner Tageblatt vom 3. April 2010
Bad Oldesloe
Manchmal fallen Entscheidungen im Sozialausschuss auch mal schnell und einvernehmlich – die Sporthallennutzung durch Gäste der Jugendherberge war so ein Fall. „Ich bin enttäuscht. Wir wollten Möglichkeiten aufgezeigt bekommen, wie es geht und nicht, dass es nicht geht“, machte Vorsitzende Angela Fehrmann (CDU) deutlich und erntete zustimmendes Kopfnicken bei den anderen Ausschussmitgliedern.
Herbergsvater Christian Sorgatz hatte sich an den Ausschuss gewandt, da er die Jugendherberge gerne als Sportherberge etablieren möchte. Das Problem ist allerdings, dass seine Gäste in den Ferien überhaupt nicht in die städtischen Hallen dürfen und während des Jahres trotz Reservierung Vereine ihm Hallenzeiten noch drei Wochen vorher wegschnappen können (wir berichteten).
Günter Spey von der städtischen Immobilienabteilung rechtfertige die „negative“ Vorlage mit den Beschlüssen der Vergangenheit. 2005 sei festgelegt worden, nur Vereinen eine Feriennutzung zu ermöglichen. „Damals herrschte die Meinung vor, dass es nicht sein könne, dass ein Reiseveranstalter auf Kosten der Stadt die Hallen nutzt“, erklärte er.
Das sehen die Ausschussmitglieder inzwischen anders. Peter Stoltenberg führte für die SPD aus: „Ich weiß als Lehrer, dass viele Organisationen Fahrten anbieten – das ist oft billiger und einfacher als wenn der Lehrer das selber organisiert.“ Wieder allgemeines Kopfnicken. Gudrun Möllnitz (CDU) machte deutlich, dass über die Gebührenordnung eine Kostendeckung erzielt werden müsse.
Auch wenn eine neue Satzung erst in einige Monaten verabschiedet werden kann, soll diese Regelung ab sofort gelten. ol
Stormarner Wochenschau
Stormarner Tageblatt vom 3. April 2010
Dissonanzen statt Harmonien
SCHWEIGERUNDE: Was war das denn? Mit Gerhard Horn hat der Gewerbeverein den Geschäftsführer des Einzelhandelsforums als Redner zu Gast - der ist zwar auch Bürgermeisterkandidat in 0ldesloe, aber ob das nun Wahlkampf ist oder nicht, müssen die Kaufleute unter sich klären. Und mit der Ikea-Ansiedlung in Lübeck auch ein heißes Eisen zu diskutieren. Die Hütte ist voll bei der GOK Versammlung. Horn redet und redet und dann ... hoppala ... nächster Tagesordnungspunkt. Ganze zwei Diskussionsbeiträge - bei einem Thema, das der GOK zuvor eine ganzseitige Zeitungsanzeige wert war. Berühren die Mega-Ansiedlungen im Umfeld die Oldesloer Kaufleute nicht oder ist ihnen alles egal geworden?
HOCHKARÄTIG: Es ist schon genial. Da werden Reden geschwungen, wie toll und wie wichtig Kultur ist, da gibt es einen Topf mit Fördermitteln, aber wehe, wenn jemand Geld haben will. 2000 Euro für Klangstadt lösen eine Diskussion aus, als würde die Summe ein Rekorddefizit verursachen. "Gut, dass unsere Politiker mit unseren Steuergroschen verantwortungsvoll umgehen", könnte man ja argumentieren. In dieses Bild passt allerdings nicht, dass Henning Münther für die Kirchenmusik quasi im Vorbeigehen 8500 Euro abholt. Mehr als die Hälfte dessen, was im Topf ist. Der Zuschuss mag gerechtfertigt sein, aber es muss auch die Frage erlaubt sein: Warum der, aber die nicht? Klangstadt wollten nur SPD und Grüne Geld geben. Nach welchen Maßstäben wird da gemessen? Die Klangstädter arbeiten ehrenamtlich, haben keine mächtige Organisation im Rücken, sondern haften im Ernstfall mit ihrem Privatvermögen. Gönnerhaft werden 10000 Euro für den Notfall bereitgestellt, aber das ist nicht mehr als ein Gnadenbrot und hat nichts mit echter Förderung zu tun.
AUCH DAS NOCH: Als hätten die Städte und Gemeinden nicht schon genug unter dem sich immer weiter zuschnürenden Finanz-Korsett zu leiden, setzt der Bund den Kommunen die Pistole auf die Brust: Erfüllung des Rechtsanspruchs auf Krippenplätze 2013. Beim Zubrot für einen Platz - 15 500 Euro bei einem Kita-Neubau - hält der Bund das Geld aber zurück. Geiz-ist-geil in Berlin? Der Kreis Stormarn darf knapp 5,6 Millionen verteilen. Die sind weg, die Förderanfragen viel höher. Bargteheide gehen 90000 Euro durch die Lappen. Statt 260000 gibt's nur 170000 Euro für die Kita Mühlentor. Da musste Bürgermeister Görtz schlucken, auch wenn die Stadt finanziell vergleichsweise gut dasteht. Das heißt aber nur, dass es andere Kommunen noch härter treffen wird. Wieder mal müssen die Kleinen die Suppe auslöffeln, die die Großen serviert haben.
EKLAT: Es war schon langweilig geworden im Kreistag, aber zum Glück gibt es ja Otto Kiehl. Der CDU-Mann schaffte den "Eklat" ganz leicht: Ein Porträt von Walter Ulbricht für die Linken, die ja schließlich die Nachfolgepartei der SED seien. Da machte sich "Entsetzen" und "Beschämung" breit, zumal es im (viel zu langen) Antrag der Linken um eine Resolution gegen den Nazi-Aufmarsch in Lübeck ging: Dissonanzen statt Harmonie, "große" Debatte statt "Stormarner Modell". Unserem Karikaturisten Götz Wiedenroth fiel dazu ein anderes Ereignis aus der innerdeutsehen Vergangenheit ein. Völker der Welt: "schaut auf diesen Kreis".
Rolf Blase
Andreas Olbertz
Volker Stolten
Stadtschule entwickelt Raumkonzept
Lübecker Nachrichten vom 2. April 2010
VON K. KUHLMANN-SCHULTZ
BAD OLDESLOE – Die Vorbereitungen für den Umbau der Oldesloer Stadtschule in die gebundene Ganztagsschule laufen weiter auf Hochtouren. Jetzt entschied der Bildungs-, Sozial und Kulturausschuss, dass die Schule zusammen mit dem Architektenbüro ein Raumprogramm entwickeln und dieses wieder präsentieren solle.
Damit scheiterte die CDU mit ihrer Idee, das Musterraumprogramm der Stadt Kiel für die Umwandlung der Stadtschule zu nutzen. Stattdessen werden jetzt erst einmal die Planungen der Schule weiter verfolgt, die über das Musterraumprogramm hinausgehen. Für die Ausschussvorsitzende Angela Fehrmann (CDU) und ihre Parteikollegen zwar eine Niederlage, aber „die werden schon verantwortlich damit umgehen“, glaubt sie.
Vor einer endgültigen Entscheidung – die Schulbauerweiterung soll rund vier Millionen Euro kosten, eine Förderung von 1,026 Millionen Euro soll dafür fließen – müssen die Planungen zudem noch einmal im Bildungsausschuss vorgelegt und dann beraten werden.
Das Geld spielte an diesem langen Abend – bis Mitternacht saßen die ehrenamtlich tätigen Politiker zusammen – eine große Rolle: Über Zuwendungen in Höhe von 10 000 Euro kann sich der Verein „ProKlangstadt“ freuen. Damit sollen eventuelle Defizite beim Oldesloer Open-Air-Festival am Poggensee in diesem Jahr aufgefangen werden. „Schon im Vorfeld“, so Fehrmann, „bekommt der Verein 5000 Euro“. Weiter abgerechnet werde später.
Der Verein Feste Grundschulzeiten, der um finanzielle Unterstützung gebeten hatte, wird erst einmal kein Geld aus der Stadtkasse erhalten. „Wir wollen den Verein nicht im Regen stehen lassen, aber er hat jetzt noch ein Guthaben“, erklärte die Ausschussvorsitzende. „Auf jeden Fall bekommt der Verein Unterstützung, wenn es eng wird“, versprach sie.
8490 Euro bekommt dafür die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde. Damit sollen kirchenmusikalische Veranstaltungen gefördert werden. „Solche hochwertigen Angebote muss man unterstützen“, begründet Angela Fehrmann die Entscheidung des Ausschusses.
Einen ersten Erfolg kann der Leiter der Jugendherberge in Bad Oldesloe, Christian Sorgatz, verbuchen. Auf seinen Antrag hin wird jetzt geprüft, ob es Möglichkeiten gibt, die Sporthallen auch während der Ferienzeiten –besonders in den Sommerferien – zu nutzen.
Das ist für ihn als Herbergsleiter wichtig, damit er weiter daran arbeiten kann, eine Sportjugendherberge einzurichten. „Die Lage der Herberge ist sehr wichtig für unsere Besucher. Die Sportgruppen sind wirtschaftlich sehr wichtig für Bad Oldesloe“, heißt es in seinem Antrag.
Die Mitglieder des Ausschusses waren sich in einem einig: „Das mussman individuell sehen, jetzt muss man erst einmal eine Übergangslösung finden“, so Angela Fehrmann. Die Frage sei nun, wie das grundsätzlich funktioniere. Denn auch den Politikern ist die Sogwirkung für die Innenstadt durch die Nutzer der Jugendherberge klar. Die Verwaltung soll die Umsetzungsfrage jetzt klären.
Keine Sportzeiten für Gäste

Stormarner Tageblatt vom 31. März 2010
Jugendherberge würde gerne häufiger Trainingscamps anbieten, bekommt aber keine Hallenzeiten
Bad Oldesloe
Christian Sorgatz strahlt. „14 500 Übernachtungen – das ist eine Zahl, mit der wir zufrieden sein können. Das ist die Hälfte aller Übernachtungen in Oldesloe. Bei uns bleiben die Gäste am längsten und sie gehen in ihrer Freizeit in die Innenstadt“, ist der Herbergsvater überzeugt.
Stormarn ist touristisch nicht sonderlich attraktiv. Trotzdem brummt die Jugendherberge. Sorgatz schmunzelt: „Wir verkaufen dieses Nichts.“ Viele seiner Gäste kommen wegen der guten Verkehrsanbindung: In weniger als 30 Minuten in der Hamburger City. Lübeck, Segeberg, Hansapark, Ostsee vor der Haustür – das sind Argumente. „Das ist zu kurz gedacht“, findet der 33-Jährige: „Oldesloe ist doch gar nicht so schlecht, wie immer gesagt wird. Man kann hier was machen, man muss es nur gestatten, dass die Leute kommen.“ Ein anderes Argument wiegt für den Herbergsvater nämlich fast noch mehr: Sein Haus ist von Sportanlagen quasi umzingelt. Exer, Schwimmhalle, Travestadion, Stormarnhalle, Skateland. Aber diese Möglichkeiten dürfen seine Gäste weitestgehend nicht nutzen. Wenn sich ein auswärtiger Verein bei ihm für ein Trainingslager ein halbes Jahr im Voraus anmeldet, reserviert Sorgatz Hallenzeiten. „Aber wenn drei Wochen vorher ein Oldesloer Verein kommt, fliegen meine Gäste raus. So kann ich doch nicht professionell arbeiten“, klagt er. Eine denkbar schlechte Basis, um sich als Sport-Jugendherberge zu positionieren. In den Ferien sieht es ganz schlecht aus, da sind die Hallen nämlich gesperrt, Ausnahmen gibt es nur für Oldesloer Vereine.
Um diese Situation zu ändern, hatte er eine Änderung der Hallennutzungssatzung beantragt. Heute Abend wird sich der Sozialausschuss mit der Thematik befassen. In der Sitzungsvorlage macht die Verwaltung deutlich, dass sie eine Änderung ablehnt. Von den elf städtischen Hallen würden auf Antrag nur drei für eine Feriennutzung freigegeben, weil die Hausmeister in dieser Zeit ihren Urlaub nehmen müssten, die Hallen gereinigt und Baumaßnahmen durchgeführt würden. Christian Sorgatz schüttelt ungläubig den Kopf: „In anderen Städten funktioniert das doch auch. Da muss kein Hausmeister hinkommen.“ Stattdessen schlägt er vor, dass er eine Einweisung bekommt, die Haftungsfrage vertraglich geklärt wird und er sich zu den betreffenden Zeiten den Schlüssel bei der Verwaltung abholt. Sorgatz: „Die Hausmeister sollen ihren Urlaub bekommen, aber es kann mir keiner erzählen, dass jedes Jahr alle elf Hallen umgebaut werden.“
In der Sitzungsvorlage der Stadt wird das Ansinnen der Jugendherberge auch aus einem anderen Grund abgelehnt – kommerzielle Reiseanbieter. Herbergsvater Sorgatz schüttelt wieder den Kopf: „Ich weiß nicht, wie die darauf kommen. Der weit überwiegende Teil unserer Gäste sind Schulklassen und Vereine.“ Ein kommerzieller Anbieter sei allerdings auch dabei.
Wenn seine Gäste in Oldesloe keinen Sport treiben können, vermittelt das Jugendherbergs-Team sie an auswärtige Hallen im Umland. Das habe Folgen, so Sorgatz: „Dann fahren sie morgens nach dem Frühstück weg und kommen erst abends wieder. In Oldesloe haben sie dann keine Freizeit und können hier auch kein Geld ausgeben.“ Theoretisch ist auch denkbar, dass ein Oldesloer Verein einen fremden Verein zu einem Trainingscamp „einlädt“, die Sportler in der Jugendherberge übernachten und sie so zu Hallenzeiten kommen. Das lehnt Sorgatz ab: „Wir wollen den offiziellen Weg gehen – nicht, dass sich ein Verein betrogen fühlt.“ Andreas Olbertz
Stormarner Wochenschau
Stormarner Tageblatt vom 27. März 2010
Von Metall-Klau und „Müll-Terror“
UNAPPETITLICH: Es ist schon sonderbar: Kaum macht in der Stadt ein neuer Pizzabäcker auf, schon ist es deutlich zu sehen. Nicht etwa, weil das Gebäude so markant wäre, auch nicht weil so viel Werbung gemacht wird, sondern schlicht und ergreifend, weil überall in der Stadt schlagartig die leeren Pizza-Kartons herumfliegen. Unbegreiflich, obwohl es in Oldesloe nun wirklich genügend Mülleimer überall gibt.Wie wird die Stadt erst aussehen, wenn wir tatsächlich mal einen Mc Donald’s oder Burgerking bekommen sollten..?
LEBENSMÜDE: Mein Gott, was für Armleuchter. Irgendwelche Deppen haben irgendwelche Metallteile geklaut und damit die Oberleitung der Bahnstrecke Hamburg-Lübeck stillgelegt. Entweder waren es Profis, die wussten, was sie taten oder Diebe, denen es im Leben etwas an Spannung mangelt –anders kann man es wohl nicht erklären, dass Menschen tatsächlich an einer Leitung rumfummeln, durch die tausende Volt fließen. Die Leidtragenden waren unzählige Pendler, die zu spät kamen und dann natürlich prompt in Oldesloe ihre Anschlüsse verpassten. Das ist der eigentliche Skandal an der Geschichte – es kann immer passieren, dass etwas kaputt geht oder geklaut wird, aber dass die Bahn es bis abends immer noch nicht hinbekommen hat, an den Anschlussstellen für Ersatz zu sorgen, Busse oder Großraumtaxen zur Verfügung zustellen, ist ein Armutszeugnis. Unser Zeichner Götz Wiedenroth hat das Thema mal aufgegriffen.
ABSTELLGLEIS: Und noch ein Ding, bei dem es mit der Bahn nicht geklappt hat. Das Industriegleis im Oldesloer Gewerbegebiet Sandkamp kann man wohl getrost als Flop bezeichnen. Kein Unternehmen wollte in all den Jahren ein Grundstück mit Gleisanschluss kaufen. Jetzt haben sich die Oldesloer Stadtverordneten vom Dogma des zwingend zu nutzen den Gleisanschlusses verabschiedet – nicht zuletzt, weil es nur nach einer Änderung des B-Plans zulässig ist, dort den Bauhof anzusiedeln. Für die Stadt selber gelten die einstmals aufgestellten Prinzipien halt nicht. Das erlebt man ja leider immer wieder.
SCHATTENSEITE: Bargteheide wirbt munter mit dem Slogan „Stormarns lebendige Stadt“. Und in der Tat ist sie auf vielen Gebieten überaus lebendig. Leider ist sie das auch beim Vandalismus. Damacht sie in Bezug auf andere Städte keine Ausnahme. Immer wieder toben sich irgendwelche Hirnis am Schulzentrum und im Stadtpark aus, zerdeppern Fensterscheiben und Lampen, beschmieren Wände und betreiben „Müll-Terror“. Dem soll nun mit einem privaten Sicherheitsdienst, der im Finanzausschuss am 31. März grünes Licht erhalten soll, Einhalt geboten werden. Billig sind solche Aufpasser freilich nicht. Aber wenn’s hilft, ist das Geld gut angelegt – zumindest solange, bis die Rabauken sicher ein anderes Betätigungsfeld suchen. Was dann? Der 2. Sicherheitsdienst?
Andreas Olbertz, Volker Stolten
Neuer Wohnpark im Herzen Oldesloes

- Die Tage der ehemaligen Mädchenschule in der Königstraße 21 in Bad Oldesloe sind gezählt. Können die Planungen zum Salinen-Wohnpark umgesetzt werden, entsteht hier die Zufahrt.

- Der Diplom Ingenieur Markus Stolte plant den Salinen-Wohnpark zusammen mit dem Bad Oldesloer Gordon Nagel. Im Frühjahr 2011 wollen sie starten. Fotos: KKS
Lübecker Nachrichten vom 26. März 2010
Von wegen Stadtflucht: Jetzt heißt es hinein in die City! Für bis zu 14 Millionen Euro plant ein Investor den Bau des Salinen-Wohnparks in Oldesloe.
Bad Oldesloe – Innenstadtverdichtung in Bad Oldesloe ist das Schlüsselwort für die Planungen zum Salinen-Wohnpark, der zwischen Königstraße, Salinenstraße und Kleiner Salinenstraße entstehen soll. Gemeinsam mit seinen beiden Kompagnons Gordon Nagel und Jacob Field möchte der Investor Markus Stolte Mehrfamilienhäuser bauen. Bis zu 50 Eigentumswohnungen könnten dort entstehen, die Zuwegung zum Salinen-Wohnpark, so die Planungen, erfolgt von der Königstraße aus. Genauer gesagt von der Hausnummer 21. Dafür muss die Alte Mädchenschule, ein mittlerweile marodes Gebäude, weichen.
Mitten im Herzen von Bad Oldesloe könnte ein Wohnquartier entstehen, dass sich sowohl für alte Menschen als auch für Familien empfiehlt. „Wir bauen barrierefrei“, wirbt der Projektentwickler Stolte für den Wohnpark. Die ersten Grundstücke hat Stolte schon gekauft – knapp 4000 Quadratmeter. Wenn es nach ihm und seinen Partnern ginge, erfolgt der erste Spatenstich bereits im Frühjahr kommenden Jahres. Es soll kein Luxus-Quartier werden, dennoch: Mit rund 2000 bis 2200 Euro pro Quadratmeter ist dabei, wer sich für eine Penthousewohnung entscheidet. „Wir haben den Markt genau analysiert“, so Stolte. Die dreigeschossigen Bauten, „vielleicht auch drei Geschosse mit einem ausgebauten Dachgeschoss“ sorgen nicht überall für Freude. „Wir sind prinzipiell für diese Innenstadtverdichtung“, erklärt die Vorsitzende des Bau- und Planungsausschusses der Stadt, Maria Herrmann (SPD). Aber „die Höhe der Häuser bereitet uns Bauchschmerzen“. Der Knackpunkt ist jedoch die Wirtschaftlichkeit des Projektes. Allein die Umsetzung der Planungen – die Salinen-Wohnpark-Entwicklungsgesellschaft erschließt auch das Gebiet – auf den bereits gekauften Grundstücken kostet rund sieben Millionen Euro. Kann die Gesellschaft noch mehr Grundstücke erwerben, steigen die Kosten auf insgesamt 14 Millionen Euro. Dabei ist auch ein Grundstück, das sich derzeit noch im Besitz der Stadt befindet: Hier steht eines der Unterkünfte für die Obdachlosen. Bad Oldesloes Bürgermeister Tassilo von Bary (parteilos) würde das Gelände gerne verkaufen, die Bewohner in normalen Wohnungen unterbringen („Das sind ruhige Leute.“). Und wäre auch glücklich über eine Veränderung des städtebaulichen Missstandes auf Höhe Königstraße 21. „Die Politiker haben eine Innenstadtverdichtung im Rahmen des Isek (Integriertes Stadtentwicklungskonzept) beschlossen.“ Der „überwiegende Teil steht den Planungen positiv gegenüber“, glaubt der Bürgermeister. Die FDP hat sich allerdings dagegen ausgesprochen. Mit der Begründung „zu hoch, zu breit, zu klotzig“ lehnen die Liberalen das Projekt ab. Die CDU, so Fraktionsvorsitzender Horst Möller, befürwortet die Innenstadtverdichtung an dieser Stelle. „Die Gelegenheit ist gegeben, dort etwas zu tun.“ Aber „moderat“, wie Möller betont, sprich mit einer Häuserhöhe, die in etwa der der Randbebauung entspricht.
Die Anwohner haben die Möglichkeit, sich die Planungen genau anzusehen – ab 1. April liegen sie im Foyer des Rathauses aus. Wer Genaueres hören möchte, sollte sich den Termin der Bürgeranhörung vormerken: Am Donnerstag, 15. April, beginnt um 10 Uhr im Bürgerhaus, Mühlenstraße 22, die Informationsveranstaltung.
Von K. Kuhlmann-Schultz
Der Zug ist abgefahren: Weg mit dem Gleis am Sandkamp

- Das Industriegleis am Sandkamp in Bad Oldesloe wurde Anfang der 1990er Jahre gelegt. Die Hoffnung, dass die Wirtschaftsaufbaugesellschaft
Lübecker Nachrichten vom 26. März 2010
BAD OLDESLOE – „Wir beerdigen ein typisch ideologisches Projekt“, kommentierte Uwe Rädisch (CDU) den von der Stadt Bad Oldesloe geplanten Rückbau der Gleisanlagen im Gewerbegebiet Sandkamp. 150 000 Euro soll der Rückbau kosten. Mit dieser Maßnahme will die Stadt die Ansiedlung von Unternehmen in diesem Gebiet – hier soll auch der städtische Bauhof entstehen –wieder attraktiver machen. Denn die Grundstücke ließen sich – gerade wegen des vorhandenen Stammgleises –nicht an Gewerbetreibende bringen. Für Rädisch ist auch klar warum: Viele Mittelständler könnten die Bahn für ihre Transporte überhaupt nicht gebrauchen, da ihre Kunden selbst nicht über einen entsprechenden Gleisanschluss verfügten. So bedauert der Politiker den teuren Rückbau besonders, denn auch die Installation habe damals ja viel Geld gekostet. Das bedeute ein „wirtschaftliches Versagen der Politik“. kks
Oldesloer Penny-Markt im Angebot – bei Ebay

Lübecker Nachrichten vom 25. März 2010
Bad Oldesloe – Für die Fläche des Penny-Ladens in der Bad Oldesloer Innenstadt wird ein neuer Mieter gesucht – und zwar beim Internet-Auktionshaus Ebay. Die Stadt und das Handelsunternehmen Penny wussten bislang davon gar nichts.
Maria Herrman, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, hatte darüber in der Stadtverordnetenversammlung am Montagabend berichtet. Über eine automatische Google-Abfrage mit dem Stichwort „Bad Oldesloe“ war sie am selben Tag darauf gestoßen. Ihr eigentlicher Ansatzpunkt war die Frage des Stadtmarketings. Mit einem professionellen City-Manager für Bad Oldesloe würde man hoffentlich nicht von solchen stadtprägenden Ereignissen überrascht, sondern könne angemessen und frühzeitig zum Wohle der Stadt reagieren.
Überrascht war man auch beim aktuellen Ladenbetreiber Penny. Die Discounter-Kette gehört zum Kölner Rewe-Konzern. Auf LN-Anfrage hieß es zuerst – etwas irritiert –, man könne dazu noch keine Angaben machen, weil man selbst über die Angelegenheit nicht informiert sei. Eine Nachfrage beim Immobilienmakler-Unternehmen Otto Stöben in Lübeck, der als Ansprechpartner auf der Web-Seite genannt ist, ergab, dass es sich um eine Initiative des Vermieters – „das ist nicht die Stadt und auch kein Privatmann“ – handele, der ausloten wolle, inwiefern anderweitig Interesse an dem Laden in der Besttorstraße bestehe.
Stöben-Mitarbeiter Mario Drews erklärte: „Mit einer Nettokaltmiete von 8500 Euro und Nebenkosten von 1970 Euro, insgesamt also 10 470 Euro für 1116 Quadratmeter Fläche, ist die Miete relativ gering für diese Lage. Es ist nur legitim, dass ein Vermieter sich gelegentlich erkundigt, wie hoch der aktuelle Marktwert sein könnte.“
Offensichtlich stehen Verhandlungen über eine Mietvertragsverlängerung mit Penny kurz bevor. Der – vermutlich institutionelle – Vermieter hätte gern mehr Mieteinnahmen. Der Discounter selbst möchte gern am Standort bleiben. Zwar leide man unter fehlenden oder kaum Parkmöglichkeiten, doch damit müsse man seit Jahren leben. Insofern sei der Mietpreis zumindest angemessen.
Bei Ebay sei die Anzeige über eine Kooperationsvereinbarung mit dem Interne-Portal „immobilien.de“ gelandet, sagte Drews. Die Anzeige bei „immo“ sei bereits Ende Februar eingestellt worden. Bislang habe er auch schon einige Anfragen erhalten, wenn auch keine konkreten, berichtet Drews. Vor allem seien es Betreiber von Glücksspielautomaten gewesen. Deren Ansiedlung sei aber schon bebauungsrechtlich gar nicht möglich.
Bad Oldesloes Bürgermeister Tassilo von Bary (parteilos) hatte von der Angelegenheit vor der Stadtverordnetenversammlung auch nur „gerüchteweise“ etwas gehört. Penny sei schon daran gelegen, in der Innenstadt zu bleiben, doch die fehlenden Parkplätze am Standort seien ein Manko.
Gibt man den Suchbegriff „Bad Oldesloe“ bei Ebay ein, erscheinen vier Objekte: neben dem Penny-Laden noch zwei Einfamilienhäuser sowie das Eckgrundstück an der Einmündung der Grabauer Straße auf die B 75 (Konrad-Adenauer-Ring).
Die Stadtverordnetenversammlung hat sich übrigens am Ende für einen Kompromiss bezüglich des Stadtmarketings entschieden. So soll es künftig einen Experten für Stadtmarketing in der Verwaltung geben, der sich ums Image und die Außendarstellung der Stadt kümmert. Des weiteren soll ein „City-Manager“ einer Agentur Immobilienbesitzer mit potenziellen Mietern oder Interessenten zusammenbringen.
Von Joachim Strunk
Aus für das Industriegleis

Stormarner Tageblatt vom 25. März 2010
Hoffen auf Ansiedlungen: Nutzungszwang für Schienen im Gewerbegebiet Sandkamp aufgehoben
Bad Oldesloe
Ein kurzes verbales Scharmützel, Sitzungsunterbrechung und Beratung in einer Ecke der Festhalle – dann fiel eine ziemlich einmütige Entscheidung: Zukünftig sollen sich am Sandkamp auch Betriebe ansiedeln dürfen, die nicht das Industriegleis nutzen wollen.
Das Gewerbegebiet gehört der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS). Sie hat das knapp acht Hektar große Areal am Ortseingang Anfang der 90er Jahre erschlossen. Leider bis heute erfolglos. Autobahnmaut und steigenden Kraftstoffpreisen zum Trotz fand sich bis heute kein Betrieb, der sich dort ansiedeln und das Industriegleis nutzen wollte.
Für Uwe Rädisch von der CDU muss es fast eine Feierstunde gewesen sein: „Wir beerdigen heute ein typisch ideologisches Projekt.“ Die Bahn sei nicht nur unzuverlässig, der Mittelstand, für den das Gebiet gedacht sei, komme mit ihr überhaupt nicht klar. Er geißelte das Ganze als „politisches Versagen“, das jetzt 150 000 Euro allein für den Rückbau der Gleise verschlinge – was längst nicht alles an Kosten sei.
Weil es so viel Geld kostet, die ungeliebten Schienen los zu werden, stellte Rädisch für die Christdemokraten den Antrag, das mit einem Sperrvermerk zu versehen und nur diejenigen Gleise zu demontieren, die definitiv nicht mehr benötigt würden.
Die Ursprungsidee, die Gleisbindung aufzuheben, liegt schon einige Jahre zurück – als es die Vision eines Thermalbads am Sandkamp gab. Weil die aber wie eine Seifenblase am Bürgerentscheid platzte, wurde das Verfahren nicht weiter voran getrieben. Aber jetzt soll der Bauhof dort angesiedelt werden. Da auch der die Gleise nicht nutzen wird, dürfte er dort eigentlich nicht hin. Also wird die Sache akut.
Karl-Reinhold Wurch von der FDP warf in den Raum, der CDU-Antrag sei nicht konform mit EU-Recht, wo-raufhin es eine kurze Besprechung im kleinen Kreis ohne Öffentlichkeit gab. Die CDU zog anschließend ihren Antrag zurück, die B-Plan-Änderung wurde bei zwei Enthaltungen beschlossen.
Andreas Olbertz
Innenstadt-Immobilie bei ebay zu mieten

Stormarner Tageblatt vom 24. März 2010
Bad Oldesloe
Wer etwas erbt, wer Spielzeugbestände ausmistet oder den Keller aufräumt – alle benutzen heutzutage einen Weg, um die ausrangierten Sachen möglichst gewinnbringend loszuwerden: Man versteigert sie bei ebay. „Drei, zwei, eins – meins“, lautet der Slogan des Unternehmens.
Wer tief genug gräbt, findet auf diesem virtuellen Trödelmarkt neuerdings auch Gewerbeflächen in der Oldesloer Innenstadt. Mit dieser Nachricht überraschte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, Maria Herrmann, jetzt in der Sitzung der Stadtverordneten. Es ging um das Thema Stadtmarketing und Citymagement. Mario Mensing von der CIMA hatte der Stadt ein Konzept erarbeitet und dargelegt, was für Fachkräfte in Zukunft benötigt werden, welche Qualifikation sie haben müssen und was ihre Aufgaben sind.
Mensing hatte empfohlen, sowohl einen Marketingexperten als auch einen Citymanager in der Verwaltung anzusiedeln. Beides will die FDP nicht. Karl-Reinhold Wurch legte dar, warum die Liberalen für eine Agenturlösung sind; „Die Verwaltungslösung ist in den vergangenen Jahren gescheitert. Marketing ist etwas ganz anderes als Verwaltungsarbeit.“ Wenn die Politik die Zügel nicht aus der Hand geben wolle, werde dabei nur kleinkarierter Kram rauskommen. Horst Möller (CDU) plädierte für einen Mittelweg: Marketing in der Verwaltung, Citymanagement an eine Agentur. „Solche Kenntnisse wird ein Verwaltungsmann nie haben“, argumentierte er.
Für die SPD ist die Sache klar. Sie will den Empfehlungen des Experten folgen. „Dass Penny über ebay angeboten wird, passiert uns mit einer Agentur, die gewinnorientiert arbeiten soll“, legte Maria Herrmann dar: „Wir brauchen einen Klinkenputzer, der Überzeugungsarbeit leistet und nicht Provisionen im Hinterkopf hat.“ Damit waren die Verhältnisse klar: Marketing bleibt bei der Verwaltung, Citymanagement soll an eine Agentur gehen.
Und was hat es mit dem ebay-Angebot auf sich? Mario Drews ist der dafür zuständige Makler bei Otto Stöben Immobilien. „Es geht um die Gewerbefläche, wo Penny drin ist“, erklärt er. Da es noch „Diskrepanzen“ zwischen Eigentümer und Rewe als Mieter über die Höhe der Miete gebe, habe sich der Besitzer entschlossen, vorsorglich einen Makler einzuschalten. Es geht um 10 470 Euro monatlich zuzüglich Nebenkosten. „Wir haben das aber nicht bei ebay eingestellt“, so Drews: „Das ergibt keinen Sinn, denn es würde kein rechtsgültiger Vertrag wie bei anderen Versteigerungen zustande kommen. Das geht im Immobilienbereich gar nicht.“ Sein Unternehmen biete Immobilien auf Internetportalen an. Eines davon kooperiere mit dem Auktionshaus und „spiegele“ die Angebote dorthin. Mario Drews: „Von uns ist das nicht so gesteuert.“ Unangenehm ist es ihm nicht. „Hauptsache, die Leute reden drüber“, so seine Devise. A. Olbertz
Stormarner Wochenschau
Stormarner Tageblatt vom 20. März 2010
Bühnenreif und haarsträubend
GESICHERT: Der Käufer, der aus der Kälte kam – das ehemalige Kreiswehrersatzamt hat also den Besitzer gewechselt. Um korrekt zu sein ... so gut wie. Getreu dem alten Motto der Friedensbewegung Schwerter zu Pflugscharen sollen aus den Militärbüros Wohnungen werden – Atombunker inklusive. Zwei Jahre hat der Büroklotz leer gestanden. Die Stadt hatte sich das Objekt angeguckt und abgewunken. Zu groß. So dürfte es vielen Interessenten gegangen sein. Die Nachfrage nach Büros hält sich zurzeit arg in Grenzen. Verwunderlich ist allerdings, warum ausgerechnet als die Vertragsverhandlungen mit dem Kaufinteressenten auf der Zielgeraden sind, Überlegungen in den Ring ge- worfen werden, die Stadt könnte die Immobilie übernehmen. Zufall oder sollte da mehr hinterstecken? Welche besonderen Herausforderungen mit dem Leben in einem atombombensicheren Appartement verbunden sind, beleuchtet unser Zeichner Götz Wiedenroth.
GESALZEN: Die Oldesloer Bühne macht sich Sorgen um ihren Ruf. Im Zusammenhang mit der Raumvergabe im Amtsgericht, hatte der FDP-Fraktionsvorsitzende einen Zusammenhang zum Bürgermeisterwahlkampf hergestellt und gesagt, die Bühne würde Tassilo von Bary den Gefallen tun, „100 Jahre Bad“ zu inszenieren. Das wollte der Vorsitzende Rainer Wilken so nicht stehen lassen. Die Bühne sei kein politischer Verein und mache auch keinen Wahlkampf, stellte er im Hauptausschuss klar. „100 Jahre Bad“ sei keine Aktion der Bühne, sondern des Kulturnetzwerks. Die Raumvergabe sei transparent verlaufen, denn die entsprechenden Mails seien an 60 Netzwerker gegangen. In dem Punkt irrt der große Vorsitzende allerdings. Nicht, was die gigantische Namensmenge im Verteiler angeht, sondern inhaltlich. In den Mails war nie von Raumvergabe die Rede, sondern immer nur von „Möglichkeiten einer Zwischennutzung“. Wer also nicht regelmäßig bei den Treffen war, wusste nicht, worum es ging. Die Diskussion geht munter weiter. Obwohl nie jemand behauptet hat, das Kulturnetzwerk sei politisch, wollen sich einige Mitglieder gegen die „Unterstellungen in der Presse“ wehren. Andere sind strikt dagegen, Mails gehen hin und her. Kultur bleibt auf der Strecke. Aus mal angedachten 100 Veranstaltungen zu „100 Jahre Bad“ sind nicht mal ein Dutzend geworden. Und selbst davon ziehen einige Anbieter jetzt die Notbremse und sagen deutlich, dass sie in dem Umfeld auf keinen Fall genannt werden wollen.
GEFLOPPT: Gute Idee, schlechtes Echo. So könnte Bargteheides Kinochef Hans- Peter Jansen schon das eine oder andere Haar verloren haben. Denn leider nur eine Bargteheiderin hatte genügend Frauenpower und beteiligte sich selbstbewusst Dienstagabend am 1. Hochfrisuren-Contest im „Cinema Paradiso“. Niemand sonst hatte anlässlich der Filmvorstellung von Doris Dörries „Friseuse“ Schneid und trug eine fesche Hochsteckfrisur zu Markte. War ihnen der Wettbewerb zu haarig, die Aufgabe zu haarsträubend? Beim nächsten Mal bitte mehr Mut, meine Damen! Und das nächste Mal wird kommen. Ungeachtet der bescheidenen Resonanz hält der Kinomogul am Konzept fest und will demnächst erneut einen zum Film passenden Contest anbieten. Vielleicht zu „Der bewegte Mann 2“. Dann könnten zur Abwechslung mal die Kerle zeigen, ob sie mannsgenug sind – mit dem nötigen Bierernst ...
Andreas Olbertz Volker Stolten
Autohof – acht Hektar für Lkw
Stormarner Tageblatt vom 19. März 2010
Investoren wollen Rastplatz, Tankstelle und Motel auf dem Grundstück gegenüber Max Bahr bauen
Bad Oldesloe
Da könnte sich ein ganz dickes Ding im Gewerbegebiet Süd-Ost, also in Richtung Autobahn 1, andeuten. „Es gibt eine konkrete Anfrage einer Unternehmensgruppe, die dort einen Autohof bauen möchte“, sagt Norbert Leinius, Chef der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS).
„Das sind vermutlich schon die ersten Auswirkungen der geplanten festen Belt-Querung. Außerdem klagen ja jetzt schon alle, Autobahnpolizei und Verkehrsverbände, dass der Rastplatz Buddikate nicht ausreicht“, erläutert Leinius. Also muss ein Ausweichquartier her, und das könnte in Oldesloe entstehen. Im Kreisverkehr Richtung Max Bahr abbiegen und dann grade vor.
Leinius: „Die Flächen sind ja tatsächlich vorhanden. Das wäre ein interessantes, größeres Stück von acht bis zehn Hektar.“ Eigentlich war das Areal mal für Großbäcker Kamps vorgesehen, doch der hat sich bekanntlich anders entschieden.
Der große Vorteil ist, dass das Gelände von der Autobahn aus direkt einsehbar wäre. Es darf allerdings nicht bis an die A 1 reichen, da dazwischen geschützte Ausgleichsflächen liegen. Eine Tankstelle mit Shop, Restauration, bewachte Wohnmobilplätze, Reifen- und Reparaturservice, ein Touristen- und Regionalschaufenster, Waschmöglichkeiten für die Trucker und sogar ein Motel sind geplant.
Konkret liegt allerdings noch nichts auf dem Tisch, so Leinius: „Ich weiß nicht, ob Bad Oldesloe damit endlich seinen Mc Donald’s bekäme. Innenstadtrelevantes Sortiment wird es definitiv nicht geben. Wenn dahinter der Versuch stecken sollte, dort heimlich einen Supermarkt anzusiedeln, klappen wir die Bücher gleich wieder zu.“
Die Reaktionen im Bauausschuss waren verhalten positiv. „Wir sollten uns da nicht sperren“, forderte Siegfried Wobig für die CDU. Tamara Thiesen äußerte für die SPD die Befürchtung, der Hof könnte auch Brummis von der A 21 quer durch die Stadt anlocken. Diese Gefahr sieht Leinius nicht: „Das macht keiner, die fahren dann eher weiter.“ Es gebe zudem bereits konkrete Überlegungen, auch an der A 21 einen Autohof zu bauen. Einen Ortsnamen wollte der Wirtschaftsförderer allerdings nicht nennen. Grundsätzlich stelle der Bereich Bargteheide/Hammoor aber durchaus eine Alternative dar. Die Autohofpläne in Reinfeld hätten sich zerschlagen, weil Aral, die bereits eine Baugenehmigung hatte, an BP verkauft worden und dann ein Investitionsstopp verhängt worden sei.
Von den Grünen erkannte Hartmut Jokisch zwar die Notwendigkeit an: „Die Brummifahrer brauchen ihre Ruhephasen. Aber doch nicht an der Stelle.“ Die Zufahrt auf das Gelände sei ungeeignet, weil die modernen Superlaster sowie Schwertransporter mit Mühlenteilen oder ähnlichem gar nicht durch den Kreisverkehr kämen. Ein Argument, dem sich auch Leinius nicht verschließen kann: „Das müssen wir prüfen. Den Kreisel anzufassen, halte ich für problematisch.“
Der Grundtenor im Bauausschuss war dann allerdings doch einigermaßen zustimmend, die Investoren sollen konkrete Pläne vorstellen. Vorsitzende Maria Herrmann: „Jetzt kann ich zustimmen. Aber je nachdem wie die Pläne ausfallen, behalte ich mir vor, anders zu stimmen.“
Andreas Olbertz
Kreiswehrersatzamt: Büros zu Wohnungen

Stormarner Tageblatt vom 18. März 2010
Gebäude am Berliner Ring wechselt den Eigentümer
Bad Oldesloe
Fast genau zwei Jahre hat es leer gestanden, jetzt scheint es so gut wie verkauft: das ehemalige Kreiswehrersatzamt am Berliner Ring. Ein Oldesloer Unternehmer, dem schon einige andere Immobilien in der Stadt gehören, soll es erworben haben. Kurt Renken von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben will keinen Namen nennen, er bestätigt lediglich: „Der Kaufvertragsabschluss steht unmittelbar bevor.“ Die Behörde sei sich mit dem Kaufinteressenten einig, jetzt gehe es nur noch um den Notartermin.
Die ersten Gerüchte tauchten im Sozialausschuss auf, als Patricia Rohde (CDU) anregte, die Stadt könnte dort doch Kindergarten- und Krippenplätze anbieten. Da hieß es, der Büroklotz sei so gut wie verkauft. Zu dem Zeitpunkt wurde aber wohl noch intensiv verhandelt.
Auf Rohdes Anregung, die Stadt könnte doch ein Vorkaufsrecht ausüben, sprang kein weiterer Politiker an – die Stadt hat an der Stelle allerdings keine Möglichkeit, sich die Immobilie auf diesem Weg zu sichern. Bislang bestanden aber auch nicht wirklich Absichten, das Gebäude zu übernehmen. „Es ist ja alles tadellos in Schuss, super Atombunker. Wir hatten es uns mal angesehen, ob wir da die VHS unterbringen könnten“, erklärt Bürgermeister Tassilo von Bary. „Aber es ist viel zu groß. Außerdem hatten die damals noch andere Preisvorstellungen. Die wollten mehr als zwei Millionen Euro dafür haben.“
Mittlerweile ist der Kurs deutlich gesunken. In einem Verkaufsexposé ist nur noch von 600 000 Euro Mindestkaufpreis die Rede. Dem Vernehmen nach soll der Kaufpreis allerdings „erheblich“ darüber liegen.
Das Kreiswehrersatzamt wurde 1962 gebaut und hat eine Nutzfläche von mehr als 2 600 Quadratmetern. Das Grundstück ist sogar gut 5 500 Quadratmeter groß , direkt an der Trave gelegen.
„Der Käufer will Wohnungen draus machen“, verrät Bürgermeister von Bary: „Büros und Arbeitsplätze wären für die Stadt natürlich positiver, aber den Bedarf sehe ich zurzeit absolut nicht.“ Das Areal ist bislang als Gemeinbedarfsfläche deklariert. Einer Nutzungsänderung stehe aber wohl nichts im Wege. „Was sollte dagegen sprechen?“, so der Verwaltungs-Chef auf Nachfrage: „B-Plan-mäßig muss nichts geändert werden. Es sei denn, da soll noch was gebaut werden.“
Andreas Olbertz
Agentur soll City beleben
Stormarner Tageblatt vom 17. März 2010
Beschlüsse in Sachen Marketing gefasst / Honorar soll erfolgsabhängig gezahlt werden
Bad Oldesloe
Noch ein Gutachten, noch ein Vortrag, noch mal Beratungsbedarf – man konnte schon den Eindruck gewinnen, das wird nichts mehr mit dem Stadtmarketing in Bad Oldesloe. Aber jetzt hat der Hauptausschuss dann doch noch Beschlüsse gefasst.
In den vergangenen Monaten hatte sich die Stadt von Mario Mensing von der CIMA beraten lassen. Der hat die Situation analysiert und sehr konkrete Vorschläge gemacht, wie es zukünftig weiter gehen sollte. Die seit dem Wechsel von Andreas Thomaschewski verwaiste Marketing-Stelle soll mit einer Fachkraft neu besetzt werden – allerdings mit klarem Fokus auf Stadtmarketing, keine Veranstaltungsorganisation, kein Citymanagement. Das sind jeweils zwei eigene Standbeine im Mensing-Vorschlag. Da nicht absehbar sei, dass sich Außenstehende an den Kosten beteiligten, sollten die Stellen in der Verwaltung angesiedelt sein und befristet ausgeschrieben werden – „damit die auch den Hintern hoch bekommen“, so Mensing im Ausschuss.
Die Beschlussvorschläge der Verwaltung sahen jetzt allerdings etwas anders aus. Demnach sollte die Marketing-Stelle unbefristet ausgeschrieben werden und das Citymanagement an eine Agentur vergeben werden. Die „Veranstaltungs-Stelle“ gibt es bereits und soll vorübergehend im Sachbereich Kultur angesiedelt werden.
Doch damit war die Politik nicht einverstanden. Agenturlösung oder selber machen? Darüber wurde angeregt diskutiert. Für Maria Herrmann war die Sache ganz klar: „Die Autorität eines Verwaltungsmitarbeiters ist eher höher und nur bei einem Verwaltungsmitarbeiter haben wir den direkten Zugriff der Politik.“
Birgit Reichardt-Mewes hat da eine ganz andere Sichtweise: „Es ist nicht originäre Aufgabe der Stadt, dafür zu sorgen, dass die Geschäfte vor Ort gut laufen.“ Deshalb schlug sie vor, dass es von er Stadt eine Anschubfinanzierung geben soll, nach einem Jahr müssten dann aber Einnahmen oder Provisionen generiert werden. Das sei einem Verwaltungsmitarbeiter nicht zuzumuten. Deshalb plädiert die CDU für die Agenturlösung. Auch Anita Klahn (FDP) sprach sich für die externe Vergabe aus – allerdings mit anderer Begründung. Sie will bewusst keinen Einfluss der Politik auf den Citymanager haben – das sei bei einem Verwaltungsmitarbeiter aber nicht gewährleistet. Klahn würde am liebsten auch das Marketing extern vergeben, doch damit stand sie auf einsamem Posten. Die Argumente gingen noch munter hin und her, doch an den Positionen änderte sich nichts.
Die Marketing-Stelle soll ausgeschrieben und für zwei Jahre besetzt werden. Außer bei der FDP war das Konsens. Eine Agentur wird Citymanager, das Honorar soll allerdings erfolgsabhängig gezahlt werden. Die Ausschreibung und Aufgabenbeschreibung sollen vor Veröffentlichung nochmals im Ausschuss beraten werden.
Andreas Olbertz
Steigerung der Attraktivität: Stadt setzt auf externes Wissen
Lübecker Nachrichten vom 17. März 2010
VON K. KUHLMANN-SCHULTZ
BAD OLDESLOE – Bad Oldesloe weiterbringen, die Innenstadt beleben ,attraktiv machen. Mit Hilfe einer Agentur soll das jetzt in der Kreisstadt umgesetzt werden. Das beschlossen die Mitglieder des Bad Oldesloer Hauptausschusses auf ihrer jüngsten Sitzung. Ein Projektmanagement zur Innenstadtentwicklung soll eingerichtet werden. Dieses Management ,so beschlossen CDU und FDP mit ihrer Stimmenmehrheit, soll einer Agentur übertragen werden, befristet für drei Jahre. Pro Jahr sind dafür 110 000 Euro fällig.
Auch wenn er und seine Parteikollegen mit dieser Variante nicht einverstanden sind, so sagt Hagen von Massenbach (SPD), Vorsitzender des Hauptausschusses, doch: „Das ist ein deutliches Signal, wir stärken die Innenstadt. Wir müssen sehen, dass wir mit den Möglichkeiten das Optimale bekommen“. Er hätte zur Ideenschmiede eine Person – nach den Ideen von Stadtentwickler Mario Mensing vom Beratungsbüro Cima aus Lübeck – in der Verwaltung installiert. „Wir müssen jemanden haben, der zu uns gehört, eine Person, die mit der Stadt verbunden ist.“ Von Massenbach ist klar, dass die Bürger ihre „Klamotten in Hamburg oder Lübeck kaufen“. Er setzt auf „Lustkauf“ in BadOldesloe, „wir müssen sehen, wie wir uns positionieren“.
Horst Möller, Fraktionsvorsitzender der CDU, ist hingegen strikt gegen die Schaffung einer Stelle für das Stadtmarketing in der Verwaltung. Zum einen, weil das Land diese zusätzliche und zudem hochdotierte Stelle wohl kaum in den Stellenplan einbauen würde – zum anderen aber auch, weil die CDU – zusammen mit der FDP – auf den Blick von außen setzt, auf den Blick eines Profis von außen.
„Die Verwaltung hat bei der Bevölkerung keinen guten Namen, auch wenn die Verwaltung in den meisten Fällen gut arbeitet.“ Eine glatte Trennung zwischen Verwaltung und Stadtmarketing hält Möller deshalb für sinnvoll und hofft, „dass diese glatte Trennung hilft“.
Die Ausschreibung wird vorbereitet, spätestens im Sommer könnte die Agentur ihre Arbeit aufnehmen. Eine erste Erfolgskontrolle erfolgt, so der Beschluss, nach zwölf Monaten. „Dann muss erkennbar sein, ob die Agentur schon Firmen an der Hand, ob sie gute Kontakte aufgebaut hat“, so Möller.
Stormarner Wochenschau
Stormarner Tageblatt vom 13. März 2010
Wer weiß schon, wie’s weiter geht
GROSSKLOTZ: Seit Jahren steht das ehemalige Kreiswehrersatzamt zum Verkauf. Nie hat sich jemand so richtig für den Büroklotz interessiert. Jetzt regte Patricia Rohde (CDU) im Sozialausschuss an, die Stadt könne das Gebäude doch kaufen und darin Kindergärten und Krippen unterbringen. Maria Herrmann (SPD) ging allerdings davon aus, dass es bereits verkauft sei, weil man ihr schon vor geraumer Zeit mitgeteilt habe, dass die Vertragsunterzeichnung unmittelbar bevorstehe. Wenige Tage später teilte Bauamts-Leiter Rolf Steinhörster im Bauausschuss hinter verschlossenen Türen mit, ein Oldesloer Unternehmer, dem schon etliche Immobilien in der Stadt gehören, habe nun auch dieses Objekt erworben, um daraus Wohnungen zu machen. Bei der Bundesanstalt für Immobilien, zuständig für den Verkauf, weiß man davon nichts. „Wir stehen in Verhandlungen“, teilt Kurt Renken mit. Wer weiß schon, wann und wie die abgeschlossen werden.
VERSPÄTUNG: Mal wieder die Brücke im Steinfelder Redder. Da von der CDU beim Bauausschuss diesmal alle an Deck waren, konnte der geplatzte Beschluss der vorherigen Sitzung wiederholt werden. Aber gebaut wird trotzdem nicht – zumindest nicht in diesem Jahr. Da ist sich Bauamts-Chef Rolf Steinhörster zu 90 Prozent sicher. Das liegt diesmal aber nicht an der Politik, sondern an der Bahn. Zügig geht da nämlich gar nichts. Die Stadt muss für die Brücke ein Grundstückchen von der Bahn kaufen. Die Verhandlungen, habe man der Stadt mitgeteilt, könnten durchaus ein Jahr dauern. Rechnet man dazu, was üblicherweise an Verspätungen dazu kommt, kann sich jeder ausmalen, wann es weiter geht.
INITIATIVE: Seit Jahren wird über Stadtmarketing in der Kreisstadt palavert, seit einigen Monaten intensiver – noch ein Gutachten, noch ein weiteres Referat, die nächsten Fraktions-Beratungen. Aber jetzt springt Rainer Fehrmann wie „Kai aus der Kiste“ und lädt zur Einwohnerversammlung mit just diesem Dauerthema ein. Ratzfatz hat einer, der politisch eigentlich abgeschoben war, das Heft in die Hand genommen und treibt alle vor sich her. Da werden sich einige hoffentlich verwundert die Augen reiben.
IDEEN: Bei den Kaufleuten in Bad Oldesloe, aber nicht nur dort, herrscht helle Aufregung. Ikea will in Lübeck-Dänischburg nicht nur ein Möbelhaus bauen, sondern gleich ein Einkaufszentrum dazu. Den Tod für die Einzelhändler in der Innenstadt befürchtet man von Neustadt bis Stormarn. Wenn Ikea nicht zu verhindern ist, hat unser Karikaturist Götz Wiedenroth eine Idee, wie man Kunden nach Bad Oldesloe locken könnte. Vielleicht nicht ganz legal, aber egal.
DAS ENDE: Tipp- und Schreibfehler machen alle, wir „von der Zeitung“ wissen das leider nur zu genau. Manchmal sind diese kleinen Fehler aber auch verräterisch schöne Freudsche Fehlleistungen. Zweimal kam in der Rede des Kreisbauern-Vorsitzenden Entbürokratisierung vor. Nur dass in der schriftlichen Version Endbürokratisierung stand. Vermutlich war der Schreiber innerlich überzeugt, dass wir diesen Zustand bald erreichen.
R. Blase, A. Olbertz
In Gärten soll gebaut werden

Stormarner Tageblatt vom 12. März 2010
Pläne für Innenverdichtung zwischen König- und Salinenstraße vorgestellt
Bad Oldesloe
Jetzt ist es also öffentlich: Die großen Gärten hinter den Häusern an König- und Salinenstraße sollen bebaut werden können. Innenverdichtung nennt sich dieses Vorhaben. Das ganze Verfahren zieht sich schon eine Weile hin: Im Januar 2008 wurden Entwürfe vorgestellt. Erste Bedenken kamen auf, beispielsweise, dass es dort Mohrlinsen geben soll. Trotzdem wurde ein B-Plan-Verfahren eingeleitet. Die Träger öffentlicher Belange wurden befragt und im April eine Bürgeranhörung angeboten. Bei der Gelegenheit sprach sich nur ein Interessent für Planung aus, knapp 40 waren dagegen. Trotzdem wurde das Projekt weiter verfolgt.
Im September erließ die Stadt eine Vorkaufsrechtssatzung für das Gebiet. Es geht vor allem um ein Grundstück: Königstraße 21. Ihm kommt eine Schlüsselfunktion zu, da darüber das Gebiet erschlossen werden könnte. Bis dato galt es als unverkäuflich, da darauf ein denkmalgeschütztes Haus steht. Doch weil der Kreis signalisierte, das Gebäude aus dem Denkmalschutz zu entlassen, wurde das Grundstück interessant. Seitdem ist, zumindest öffentlich, Ruhe. Aber im Hintergrund wurden Aktivitäten entfaltet. Die Oldesloer Salinen Wohnpark Gesellschaft hat Grundstücke angekauft. Unter anderem Königstraße 21 und dahinter liegende Parzellen.
Jetzt stellten die Investoren ihre Pläne öffentlich im Bauausschuss vor. Demnach gibt es drei Varianten. Mit einer Straße quer durch den Innenbereich, die auf dem Parkplatz der Stadtschule münden könnte, bekämen eine Vielzahl von Grundstücken Bebauungsmöglichkeiten. Erst Recht, wenn zusätzlich noch Pfeifenstilzufahrten genutzt würden. Alternativ könnte aber auch lediglich über das Grundstück Königstraße 21 gefahren werden. Dann müsste ein zentraler Wendehammer angelegt werden, der in Plänen als „Piazza“ bezeichnet wird.
Architekt Lars Walkenhorst stellte erste schematische Entwürfe vor, nach denen die Investoren im Innenbereich dreigeschossige Häuser bauen möchten, auf denen oben noch ein Staffelgeschoss drauf sitzt. Angeblich sollen die Abstände groß genug sein, dass es trotz der Höhe nicht zu Verschattung kommt. Alle Fraktionen hatten bei diesen Dimensionen Bauchschmerzen. Markus Stolte, einer der Investoren, signalisierte Kompromissbereitschaft, machte aber auch deutlich, dass größere Häuser die Kalkulation einfacher gestalteten. „Wir haben noch keinen Gemeinnützigkeitsantrag gestellt“, scherzte er.
Mit der zusätzlichen Einmündung über den Parkplatz an der Stadtschule konnte sich niemand anfreunden. „Da sehe ich Probleme auf uns zukommen“, warnte Hans-Hermann Roden (SPD). Bereits im Januar 2008 war einstimmig klar geäußert worden, dass eine Erschließung über das Schulgelände (einschließlich Parkplatz) nicht gewünscht ist. In der Diskussion kam jetzt heraus, dass diese Straßenführung ausdrücklicher Wunsch der Verwaltung gewesen sei. Den Investoren reiche die Piazza-Variante, da sie ohnehin nur in diesem zentralen Bereich Grundstücke besäßen. Sollten sich später noch andere Verkaufswillige finden, könnten deren Flächen mit kleinen Stichstraßen angesteuert werden.
Auch wenn die Durchgangsstraße extrem unwahrscheinlich ist, sollen alle drei Planungsvarianten ausgelegt werden.
Einstimmig bei Enthaltung von Frank Fiedler (FDP) wurde darüber hinaus beschlossen, dass in der ersten Hälfte der Auslegung eine Bürgeranhörung anzuberaumen ist. Andreas Olbertz
Mehr Container gegen Raumnot
Stormarner Tageblatt vom 9. März 2010
Sozialausschuss beschließt Anschaffung von Behelfsklassenräumen um Situation am Schulzentrum zu entspannen
Bad Oldesloe
Zu viele Schüler, zu wenig Räume und weder Platz, noch Geld um anzubauen – obendrein gehen Prognosen davon aus, dass in Zukunft mit deutlich rückläufigen Schülerzahlen zu rechnen ist. Eine Krux, für die es irgendwie keine Lösung gibt.
Natürlich schlagen vor allem die Eltern Alarm. Für ihre Kinder, die hier und heute eine weiterführende Schule besuchen, fehlen massiv Räume – vor allem am Gymnasium. In der Sitzungsvorlage für den Sozialausschuss wird es alles sauber aufgelistet: An der TMS fehlen Klassen- und Differenzierungsräume und drei Fachräume sowie jede Menge Verwaltungsräume. Zudem sind die Zustände in einigen Containern unzumutbar. An der Storm-Schule sieht es nicht viel besser aus: Es gibt zwar ausreichend Klassenräume, doch die sind zum größten Teil (41,6 Prozent) zu klein. Außerdem wird bemängelt, dass sechs Differenzierungsräume fehlten und jede Menge Verwaltungszimmer. In anderen Bereichen gebe es dafür Überhänge.
Weil der Ausschuss es seinerzeit nicht explizit beschlossen hatte, fehlt in der Übersicht jetzt die Raumbilanz der IGS. Das kritisierte Anita Klahn von der FDP. Eine ganzheitliche Betrachtung des Schulzentrums ist so natürlich nicht möglich, denn es ist bekannt, dass auch an der IGS Räume fehlen.
Die Ursachen für die Enge an der Olivet-Allee sind vielfältig. Ein Auslöser ist die Klaus-Groth-Schule. Sie sollte Regionalschule werden, bekam die Mindestzahl an Anmeldungen nicht zusammen und wurde deshalb nicht genehmigt. Zwei Klassen mussten kurzfristig an anderen Schulen untergebracht werden. Ein weiterer Grund: Immer mehr Integrationskinder werden an Regelschulen unterrichtet. In den Fällen sinkt der Klassenteiler auf 20 und die Zügigkeit der Schule steigt. Obendrein werden immer noch viele Kinder aus Reinfeld und Nordstormarn in Oldesloe angemeldet – die dürfen bislang nicht abgewiesen werden. Also müssen die Kapazitätsgrenzen überschritten werden, weil man Oldesloer Kindern nicht zumuten will, nach Trittau fahren zu müssen.
Da die Probleme schon viele Jahre schwelen, müsste die Ursachenforschung vermutlich auch noch weiter in die Vergangenheit gehen: Falsche Einschätzung der Entwicklung des Gymnasiums in Kiel, zu schnelle Bebauung des Westens und sicher auch die Weigerung der Stadtverordneten, eine Schule auszugliedern.
Für die Zukunft prognostiziert der Schulentwicklungsplan des Kreises deutliche Rückgänge. In den vergangenen fünf Jahren ist die Schülerzahl bereits um 350 gesunken. In den kommenden zehn Jahren sollen es weitere 1 000 weniger sein. 2016 verlassen zwei Abi-Jahrgänge (der erste G8 und der letzte G9-Jahrgang) gleichzeitig das Gymnasium. Dann soll es zu einer Entspannung kommen. Für die Verwaltung ist deshalb klar, dass es keine Erfordernisse für Schulbaumaßnahmen gibt. Diese Aussage hat auch keine Fraktion kritisiert.
Peter Stoltenberg äußerte für die SPD allerdings grundlegende Zweifel an den Zahlen des Schulentwicklungsplans. „Wenn da drin steht, die IGS wird dreizügig, ist das ein frommer Wunsch. Mit einer dreizügigen TSS stimmen wir eventuell gegen den Elternwillen“, gab er zu bedenken. Seitens der Verwaltung wurde ihm zugestimmt, dass die Zahlen zwar in der Summe „mit hoher Treffsicherheit landen“ werden, aber die Verteilung auf die einzelnen Schulen nicht vorhergesagt werden kann.
Alle Fraktionen zeigten sich sehr homogen. Ein kurzer Vorstoß von Patricia Rohde (CDU), die „ein klares Signal für das Gymnasium“ forderte, wurde schnell im Keim erstickt. Am Ende stand ein gemeinsamer Beschlussvorschlag, der einstimmig angenommen wurde. Kernpunkt ist die Anmietung von sechs Klassen-Containern. Sie werden jeweils 10 000 Euro jährlich kosten. Zwei verrottete Container am Gymnasium werden ersetzt, die vier anderen vergibt und postiert die Verwaltung in enger Abstimmung mit den Schulen. Sie sollen zu Beginn des nächsten Schuljahres stehen. Das sei ausreichend, um die größte Raumnot zu lindern.
Darüber hinaus sollen Bedarf und Bestand für alle weiterführenden Schulen in Oldesloe dargelegt werden. Räume im Schulzentrum sollen ausdrücklich gemeinsam genutzt werden.
Andreas Olbertz
Blick aufs Zentrum
Keine Schule bevorzugt oder benachteiligt
Andreas Olbertz
Man muss es deutlich sagen: In diesem Fall gibt es vermutlich nur schlechte Lösungen, aber die Politiker haben einmütig wohl die am wenigsten schlechte gefunden.
Für Eltern, die ihr Kind jetzt am Schulzentrum haben, kann es nur unbefriedigend sein, zu hören, dass sich die Situation vermutlich 2016 entspannen könnte. Ganz toll, dann werden sie vermutlich keine Kinder mehr auf einer der Schulen an der Olivet-Allee haben. Container als vorübergehender Ersatz können auch niemanden froh machen. Sie sind gesundheitlich höchst umstritten und weit davon entfernt, gute Schulräume zu sein.
Aber es gibt keine Alternative. Für Anbauten ist im Schulzentrum nicht wirklich Platz. Geld hätte die Stadt ohnehin nicht und die Schülerzahlen sollen ja zurück gehen. Davor darf man nicht die Augen verschließen.
Die Beschlüsse haben trotzdem eine wegweisende Komponente. Die Fraktionen ließen sich nicht von einzelnen Eltern oder Schulleitern instrumentalisieren, alle haben das Ganze im Blick: Das Schulzentrum. Die Zeiten von „meine Räume, deine Räume“ sind vorbei. Das ist klar gesagt worden!
Lesermeinung
Kleingeistig
Zu: Initiative im Ausschuss zerrieben ( Tageblatt, 5. März)
Auf der Tagesordnung im Oldesloer Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss stand im TOP 5 der Antrag des Kinder- und Jugendbeirats auf Errichtung eines öffentlichen Treffpunkts für Jugendliche; Standortbestimmung und weitere Planung. Mit viel Engagement berichtete Frau Kastrati vom Kinder und Jugendbeirat, warum sie den Kinderspielplatz an der Loge für einen geeigneten Ort halten. In einer Umfrage bei Kindern und Jugendlichen in Bad Oldesloe kam es zu diesem Ergebnis. Wer nun glaubte, dass der Einsatz des Kinder- und Jugendbeirats belohnt wurde, der wurde bitter enttäuscht. Zunächst gab es, wie auch bei ehrenamtlichen Politikern üblich, viel Lob für die Arbeit des Beirats. Was dann folgte durch Teile der Politik, war ein Lehrfilm, wie man Politikverdrossenheit in Vollendung betreibt. Da wurden Argumente wie Vandalismus oder Lärmbelästigung ins Feld geführt (durchaus nachdenkenswert), aber dies an die erste Stelle zu führen, hat bei mir nur noch Wut und Trauer ausgelöst. Nach langer, zum Teil kleingeistiger Diskussion wurde der Antrag des Kinder- und Jugendbeirats abgelehnt. Beschlossen wurde mit der Mehrheit im Ausschuss ein Antrag der CDU/FDP, den am Ende viele, so auch ich, nicht verstanden haben. Den Jugendlichen wünsche ich, dass sie auch in Zukunft ein entscheidendes Wort mitreden, zum Wohle der jungen Menschen in Bad Oldesloe. Ihr seid die Generation, auf der unsere Hoffnungen ruhen. Abschließend möchte ich den Damen und Herren von der CDU/FDP ein Bibelwort in Erinnerung rufen: „Herr vergib Ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun“.
Walter Albrecht, Oldesloe
Stormarner Wochenschau
Stormarner Tageblatt vom 6. März 2010
Guter (Bei-)Rat ist nicht teuer
UMGANGSFORMEN: Ja, mit dem, was an Anträgen und Anregungen aus dem Bereich „junge Politik“ kommt, haben es die Etablierten nicht so. Gehen die Kinder, die damals den Pausenhof der IGS geplant haben, noch zur Schule oder sind die längst weg? Immer und immer wieder wurde da geschoben. Auf der anderen Seite des Schulzentrums genau so. Wenn Klangstadt mit einem Antrag kommt, wird ebenfalls nur gemäkelt und gekrittelt, statt mal zu sagen „Klasse Idee, was können wir tun, um euch zu helfen.“ Der Dirtpark –mein Gott, wurde da intrigiert bis hin zum angeblichen Rechtsbruch. Der Spielplatz Hebbelstraße würde auch nicht gemacht werden, wenn es nach FDP-Frau Anita Klahn geht. Und jetzt eben der Kinder- und Jugendbeirat mit seinem Treffpunkt –bekrittelt, befürwortet, vertagt. FDP und CDU waren sich da einig: Bloß nichts konkret beschließen. In Oldesloe gibt es einfach keine Beteiligungskultur – am Kinder-und Jugendbeirat wird es besonders deutlich, denn dessen Mitglieder bekommen per se schon mal nur die Hälfte an Sitzungsgeld oder Aufwandsentschädigung. Das sagt doch wohl alles: Sind ja nur Kinder, die sollen froh sein, dass sie überhaupt was kriegen. Dann geht es in einer Todesspirale weiter: Was soll ich mich da engagieren, der Beirat hat ja eh nichts zu sagen. Auf der politischen Seite sieht es genau so aus: Hat das Hand und Fuß, was von denen kommt, haben die überhaupt Ahnung, können wir das durchwinken? Und dann ist da ja auch noch die generelle Frage, wie miteinander umgegangen wird. Partnerschaftliches Miteinander sieht jedenfalls anders aus als die Abfertigung des Jugendbeirats im Ausschuss – aber das gilt für die „Großen“ untereinander auch.
UNTERRICHTSFORMEN: Die Lage im Oldesloer Schulzentrum ist ernst. Das ist nicht wirklich neu. Schon seit Jahren fehlen Räume und das wird auch in Zukunft nicht wesentlich besser. Jetzt war das Thema mal wieder im Sozialausschuss. Eltern und Schulleiter übertrumpften sich quasi mit Schilderungen, wo die Situation am schlimmsten sei. Rein statistisch mögen die Rufe nach mehr Fachräumen ja richtig sein, aber man sollte doch mal hinterfragen, wie es denn mit der Relevanz im Alltag aussieht. Im Klartext: Haben die Schulen überhaupt genügend Fachlehrer, um die teuren Räume auch bespielen zu können? Denn dass es einen Mangel an Fachlehrern gibt, ist doch genau so bekannt wie der Mangel an Räumen.
KOOPERATIONSFORMEN: Alle reden immer groß vom „Schulzentrum“, von Kooperationen und gemeinsamer Nutzung. In der Praxis hört man aber immer wieder, dass Gymnasiasten nicht in die Mensa können, weil es wegen des Stundenplans nicht passt. Und auch an einem anderen Punkt hakt es. Warum hat immer noch jede Schule ihren eigenen Unterrichts- und Pausentakt? Warum wird das nicht synchronisiert? Im Ernstfall bedeutet das nämlich, dass ein Fachraum nicht genutzt werden kann, weil die Schule vorher fünf Minuten länger Unterricht hat und die Schüler nachher fünf Minuten früher aus der Pause kommen. Schon steht teure Infrastruktur leer. Andreas Olbertz
Initiative im Ausschuss zerrieben
Stormarner Tageblatt vom 5. März 2010
Kinderbeirat mit Antrag auf Jugendtreff im Sozialausschuss – viel Kritik und ein Beschluss, der nichts voran bringt
Bad Oldesloe
„Das ist genau die Ecke, wo ich meine Tochter, wenn ich eine hätte, nicht hinlassen würde.“ Doch die FDP-Stadtverordnete Anita Klahn störte nicht nur die angeblich schlechte Einsehbarkeit, sie legte noch nach: „Es kann doch nicht sein, dass wir rund um den Exer Aufenthaltsmöglichkeiten für Gruppen von Jugendlichen schaffen müssen, die nicht miteinander reden.“ Auch Gudrun Möllnitz von der CDU meldete schwerste Bedenken an: „Auf der andere Seite der Trave sind Seniorenwohnungen, da ist massiver Ärger vorprogrammiert.“ Schon jetzt kämen Beschwerden wegen Lärmbelästigung, obwohl es gar keinen Krach gebe.
Es geht nicht um einen Autohof, auch nicht um eine Spielhölle oder etwas ähnlich Umstrittenes. Im Sozialausschuss wurde lediglich über den vom Kinder- und Jugendbeirat (KJBR) beantragten Jugendtreff diskutiert.
Das Gremium um die Vorsitzende Aurora Kastrati hatte im vergangenen September einen entsprechenden Antrag gestellt. Eine Umfrage hatte ergeben, dass Freizeitmöglichkeiten fehlen. Deshalb sollte ein Raum geschaffen werden, wo sich Jugendliche zwanglos treffen können. Der Ausschuss hätte jetzt einen Standort festlegen und Gelder bewilligen sollen – dann hätte mit der konkreten Planung begonnen werden können.
Drei Varianten sind im Gespräch: Der Spielplatz neben der Loge, eine Grünfläche am Konrad-Adenauer-Ring und der Spielplatz beim Finanzamt. Die KJBR-Mitglieder haben klare Vorstellungen, was sie möchten: Zentral, offen und einladend soll es sein, andere Angebote sollen in der Nähe liegen und verschiedene Höhen im Gelände sollen unterschiedliche Aufenthaltsbereiche ermöglichen. Das alles trifft auf den Spielplatz neben der Loge zu. Die Kosten werden auf 40 000 Euro geschätzt. Ein erster Teil der Arbeiten könnte im Rahmen eines Handwerkerprojekts während Stormini erledigt werden. „Die Chance sollten wir unbedingt nutzen“, warb Peter Stoltenberg (SPD): „So billig kriegen wir das nie wieder.“ Doch innerhalb seiner Fraktion ist das wohl nicht unbedingt einhellige Meinung. Kollegin Birgit Weißmann: „Im ersten Antrag war von einer Hütte die Rede. 40 000 Euro sprengen ja wohl völlig den Rahmen.“ Anita Klahn schlug vor, den Treffpunkt beim Skateland zu bauen.
Aurora Kastrati argumentierte eloquent für „ihren“ Antrag. Das Skateland sei vom Beirat verworfen worden, weil zu befürchten sei, dass der Treff einseitig nur von Skatern genutzt werde. Das Thema Lärmschutz nahm sie nicht auf die leichte Schulter. „Da müssen wir eben rum gehen und mit den Betroffenen reden“, kündigte sie an. Notfalls werde eine Schutzwand gebaut, die dann, so ein Vorschlag der Verwaltung, für Graffiti genutzt werden könnte. Doch den Antrag der Jugendlichen konnte das nicht retten.
Es könne doch nicht sein, dass sechs Jugendliche so etwas alleine entscheiden, bemängelte Anita Klahn. Es sei Vandalismus zu befürchten und die Gesamtkosten seien nicht abzusehen.
Am Ende wurde mit den Stimmen von CDU und FDP beschlossen, dass sowohl eine Kooperation mit Stormini befürwortet wird, als auch ein Treff auf dem Exer, der offen einsehbar ist, keine Störungsquelle darstellt und von den Jugendlichen angenommen wird. Zur Juni-Sitzung soll die Verwaltung eine Planung vorlegen, Kosten ermitteln und Folgekosten darlegen. Die Jugendbeiratsvorsitzende verließ weinend den Saal.
Andreas Olbertz
Hick-Hack um den Jugend-Treffpunkt
Lübecker Nachrichten vom 5. März 2010
BAD OLDESLOE – Im Herbst hatten die Mitglieder im Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss den jungen Mitgliedern aus dem Kinder und Jugendbeirat noch wohlwollend Unterstützung für den Ausbau eines Jugendtreffs vermittelt. Bei der jetzigen Sitzung wäre jedoch fast wieder alles auf den St. Nimmerleinstag verschoben worden. Die sechs Jugendlichen aus dem Beirat unter Leitung von Aurora Kastrati hatten sich ausgiebig mit den anderen Jugendlichen der Stadt auseinandergesetzt. In einer Umfrage erfuhren sie, dass ein großer Wunsch nach einem Treffpunkt zum Chillen in Bad Oldesloe besteht. Da nun bald die Kinderstadt „Stormini“ nach Bad Oldesloe kommt, ist dies eine gute Gelegenheit, beim Aufbau Kosten zu sparen. Denn Handwerker der Kreishandwerkerschaft unterstützen das Projekt. Nach vielem Hin und Her – zwischenzeitlich sollte erst stattdessen eine Kletterwand am Dirt-Park errichtet werden – sollen nun allerdings doch10 000 Euro für Planung und Material eines ersten Bauabschnitts zur Verfügung gestellt werden. So weit, so gut. Nur der Platz wird nicht der sein, den sich die Jugendlichen ausgeguckt hatten. Sie favorisierten –mit Unterstützung der SPD – den ungenutzten Spielplatz neben der Loge alsTreffpunkt. „Massiver Ärger ist dort vorprogrammiert“, verwies Gudrun Möllnitz (CDU) auf die Seniorenwohnanlage auf der anderen Flussseite. Auf Beschluss von CDU und FDP soll die Verwaltung jetzt jedoch prüfen, ob der öffentliche Treffpunkt in der Nähe der Skateranlage von den Jugendlichen akzeptiert werden könnte. Der Beirat vertrat den Standpunkt, dass der Treffpunkt dann den Skatern zugerechnet werde. sus
Zu viele Schüler: Containerklassen statt Neubauten
Lübecker Nachrichten vom 5. März 2010
Bad Oldesloe - Raumenge im Schulzentrum Olivet-Allee in Bad Oldesloe: Ab Sommer sollen vier zusätzliche Container für einige Jahre Abhilfe schaffen.
Nach einer langen Diskussion über die Schulnöte und Klagen der jeweiligen Elternvertreter, die sich während der zum Teil hitzigen Debatte vehement für „ihre“ Schule einsetzten, kam es schließlich zu einem einstimmigen Beschluss des Bildungs-, Sozial- und Kulturausschusses (BSKA). Formuliert hatte ihn Anita Klahn (FDP), alle anderen Stadtpolitiker schlossen sich an.
Welche Schule die Container letztendlich bekommt und wo sie aufgestellt werden, muss die Verwaltung gemeinsam mit den Schulen aushandeln. Der zusätzliche Auftrag an die Politik: „Zwischen den Schulen im Schulzentrum ist eine ausgeglichene Nutzung der vorhandenen Schulräume sicherzustellen.“ Zwei marode Container des Gymnasiums sollen so schnell wie möglich ersetzt werden. Pro Container fallen etwa 10 000 Euro Miete pro Jahr an.
Peter Stoltenberg (SPD) brachte die Aufstockung der Mensa für Schülerbibliothek, Medien-, Verwaltungs- und Freizeiträume wieder ins Gespräch. Nun soll ein Konzept von Schulen und Verwaltung erarbeitet werden. Patricia Rohde (CDU) warnte: „Wir haben definitiv kein Geld und sollten nicht irgendwelche Hoffnungen wecken.“
Allein vier Klassen mehr als geplant gibt es im Schulzentrum, weil erstens an der Klaus-Groth-Schule keine zweizügige Regionalschule entstand und zweitens sich die Hoffnungen zerschlagen haben, dass Reinfelds Schüler auch in der dortigen Schule angemeldet werden. Zwei Klassen mit Reinfelder gehen erneut in Bad Oldesloe zur Schule.
Auf drei Räume in der Königin-Luise-Schule, die der TSS zugeteilt wurde, nachdem das Gymnasium den für die damalige Realschule genehmigten Neubau bekam, hatte es Anke Kühl vom TMS–Elternbeirat abgesehen. Sie will Entlastung für die TMS schaffen. Die TSS solle als Ausgleich Container erhalten. Die Elternvertreterin der TSS, Karin Schmidt, hielt vehement dagegen. Ihrer Schule fehlen unter anderem Räume für das DAZ-Zentrum (Deutsch als Zielsprache) und für die Integrationsklassen. Schmidt: „Wir können die Kinder nicht auf dem Flur unterrichten.“
Man müsse „aufpassen, die Schulen nicht auseinander zu dividieren“, bedankte sich Bürgermeister Tassilo von Bary (parteilos) für die „konstruktive Kritik“. Thomas Sobczak, bei der Stadt für den Schulbereich zuständig, machte deutlich, dass es sich nur um vorübergehende Engpässe, etwa für sechs Jahre, handele. Er war „überzeugt von einer hohen Treffsicherheit der Prognosen“. Es gebe „keine Notwendigkeit für klassische Schulbauten Stein auf Stein im Schulzentrum“. Um den Schulen unter die Arme zu greifen, könnten „vier bis sechs Container aufgestellt werden“.
Freigegeben wurden rund 400 000 Euro für die Schulhofumgestaltung. Davon entsteht ein gemeinsamer Bewegungsschulhof für TSS und TMS hinter der Heinrich-Vogler-Halle. Zudem wird die steile Böschung an der neuen Turnhalle der Integrierten Gesamtschule angepasst.
Von Susanna Fofana
Enteignungsbehörde soll es richten

Stormarner Tageblatt vom 2. März 2010
Zentrale Zufahrt zum Innenbereich am Birkenkamp / Jahrelanger Streit um einen schmalen Grundstücksstreifen wird morgen in Kiel verhandelt
Bad Oldesloe
Kaum ein Schlagwort ist in der lokalpolitische Diskussion der vergangenen Jahren so sehr diskutiert worden wie der Begriff „Innenverdichtung“ – also gewissermaßen das Bauen in zweiter Reihe. Alle Politiker sind sich einig, das muss gemacht werden; das ist die Zukunft. Aber in der konkreten Umsetzung hapert es oftmals. Sobald der Vorschlag für einen bestimmten Bereich auftaucht, türmen sich schier unüberwindbare Hindernisse auf.
Ein Paradebeispiel ist der Bereich zwischen Birkenkamp und Rümpeler Weg. Dort gibt es schmale, aber extrem lange Grundstücke. 46 Wohneinheiten könnten dort laut Verwaltungsvorlage im Innenbereich entstehen – wenn die Erschließung gesichert wäre. Und genau darum wird seit Ende der 90 Jahre gefeilscht.
Bereits 1996 hat die Stadt das Gebäude des Waldorfkindergartens gekauft. Über dieses Grundstück soll eine Zufahrt entstehen, eine weitere gegenüber den Moordamm und eine dritte auf der hinteren Seite.
Birkenkamp 8 – da schrillen in der Stadtverwaltung alle Alarmglocken. Seit nunmehr zwölf Jahren wird verhandelt und gestritten. Bislang ohne Ergebnis. Morgen treffen sich beide Seiten vor der Enteignungskommission im Kieler Innenministerium – mal wieder muss man sagen. Die Eigentümer, eine Erbengemeinschaft, hat nämlich einen Antrag auf Übernahme des Grundstücks gestellt. Damit soll die Stadt gezwungen werden, nicht nur den für den Straßenbau benötigten Streifen zu kaufen, sondern die komplette Parzelle.
René Richter gehören fünf Achtel, den Rest des Grundstücks teilen sich zehn andere Personen, teilweise gehört ihnen nur ein 256tel. Der Meddewader hat die Vollmachten aller anderen Erben, die Verhandlungen bezüglich des knapp 1 000 Quadratmeter großen Grundstücks zu führen.
Gut 300 Quadratmeter will die Stadt für die Zufahrt kaufen. Mehr nicht. Darum dreht sich der jahrelange Streit. Eines der ersten Schriftstücke stammt aus dem Oktober 1998. Damals wurde der B-Plan 45 ausgelegt. René Richter machte Bedenken geltend. Er regte an, auf die Straße zu verzichten und stattdessen im hinteren Bereich des Grundstücks einen Wendehammer zu bauen. Das lehnten die Stadtverordneten im Februar 99 ab, erteilten der Verwaltung aber den Auftrag, ein Übernahmeangebot zu machen, da das Grundstück eine starke Wertminderung erfahren würde.
2001 hatte der damalige Bauamts-Chef Bernd A. Blanck für den Finanzausschuss eine Sitzungsvorlage vorbereitet. Darin spricht er davon, dass es ein „Glücksfall“ sei, das Grundstück für 230 000 Mark kaufen zu können. Der Preis entspricht dem Wertgutachten. Der Anteil für die Straße fließe in die Erschließungskosten mit ein, der verbleibende Teil könne vermarktet werden – obwohl auch Dr. Blanck damals bereits von einem „unglücklichen Gebäudezuschnitt“ sprach. „Da sah es noch erfreulich aus“, erinnert sich René Richter.
Der Verwaltungsvorschlag wurde aber nicht angenommen, sondern ein Fragenkatalog formuliert. Unter anderem wollte Politik wissen, wie die Rechtssituation sei. Richter: „Ab da war es vorbei. Seitdem haben sie sich dermaßen sperrig angestellt.“ Die Rechtsabteilung kam nämlich zu der Auffassung, dass ein Kauf des kompletten Grundstücks nicht verlangt werden könne. Der Rechtsanspruch bestehe nur, wenn der Rest weder bebaubar noch anderweitig nutzbar wäre.
Auf diese Position zieht sich die Stadt bis heute zurück und versucht zu beweisen, dass der Rest durchaus bebaubar ist – auch wenn das Haus laut B-Plan nur sechs Meter breit werden dürfte. René Richter hat ein Planungsbüro, ist vom Fach, er ist überzeugt: „Es ist so schmal, dass es mit einem Haus von der Stange nichts wird. Man müsste einen Architekten beauftragen, aufwändige Bauweise und hätte am Ende trotzdem nur einen Kompromiss.“ Richters Fazit: „Alle anderen hätten Vorteile, nur ich nicht.“ So ein Grundstück bekomme man, wenn überhaupt, nur mit kräftigen Abschlägen verkauft.
Die Stadt kam auf einen findigen Trick. Am 25. August 2005 beantragte die Immobilienabteilung des Bauamtes beim Bauamt – untere Bauaufsicht – eine Baugrenzenüberschreitung von zwei Metern. Die wurde auch noch am selben Tag genehmigt. Das Grundstück gehört der Stadt nicht, es gibt keinen Bauantrag, aber das bewilligt man sich gegenseitig mal so eben. Damit wäre dann ein immerhin acht Meter breites Haus möglich. Aber auch das halten Immobilienexperten in der Stadt für nicht vermarktbar. Einige sagen das nur hinter vorgehaltener Hand, das Lübecker Bauunternehmen Schütt hat es schriftlich geäußert. Die Experten sehen keine Möglichkeit zum Bau zweier marktgängiger Einfamilienhäuser auf diesem Grundstück.
Zwischenzeitlich stellte der Haupteigentümer eine Bauvoranfrage, um auszuloten, welche Möglichkeiten über den B-Plan hinaus am Birkenkamp bestehen. Das war der Rat seines Anwalts. „Wenn wir nicht mal fragen, haben wir keine schlüssigen Argumente, war seine Argumentation damals. Aber die Anfrage ist nie beantwortet worden“, so Richter.
Mittlerweile gab es verschiedene Termine im Innenministerium. Unter anderem war ein Grundstückstausch angeregt worden. Das kann sich Richter durchaus vorstellen. In der Praxis scheiterte es aber. „Das waren ja nur Eckgrundstücke oder Hanglagen, die mir da angeboten wurden. Die wollte ich nicht“, sagt der Ingenieur. Ein anderer Vergleich Ende vergangenen Jahres sah vor, dass die Stadt für knapp 40 000 Euro nur den Straßenstreifen kauft und zusätzlich Richters Anwaltskosten übernimmt. Damit hätte sich die Erbengemeinschaft anfreunden können, wenn zugesichert worden wäre, dass zukünftig keine Anliegerbeiträge gezahlt werden müssten. Richters Argumentation erscheint nachvollziehbar: „Die planen da was und ich soll auf den Gebühren sitzen bleiben? Wenn das umgesetzt wird, ist mein Grundstück an drei Seiten von Straße umgeben.“ Da würden hohe Ausbau- und Anliegerzahlungen fällig, also kaufe das Grundstück niemand.
Auf städtischer Seite sah es so aus, also könnte sich ein Kompromiss anbahnen, doch kurz vorher überraschte der Eigentümer mit neuen Forderungen. Er stellte massive Forderungen zur Befreiung vom B-Plan. Die waren schon aus rechtlicher Sicht teilweise nicht zu genehmigen. Stattdessen wurde die Verwaltung beauftragt, ein Enteignungsverfahren einzuleiten.
René Richter befürchtet, morgen vor der Enteignungsbehörde den kürzeren zu ziehen. „Dann geht das ganze eben vor Gericht“, kündigt er schon mal an.
Andreas Olbertz
„Wir haben nun wirklich andere Probleme“
Eine Planung, die vor zwölf Jahren begonnen wurde, mittlerweile hat es mehrere Wahlen gegeben, die Zusammensetzung und die Mehrheitsverhältnisse in der Stadtverordnetenversammlung haben hin und her gewechselt. Da fällt es schwer, jemanden in der Politik zu finden, der mit der Materie vertraut ist.
Grünen-Urgestein Willi Janson kann sich an gar nichts erinnern. „Für uns saß damals Kay Gladigau im Ausschuss, vielleicht weiß der noch was.“
Hans-Hermann Roden stöhnt auf: „Ich habe die Akten nicht mehr im Kopf, aber seine Forderungen waren inakzeptabel. Es ging um Ausnahmen vom B-Plan, Überschreitung von Baugrenzen bis hin zur Geschossigkeit. Ein paar Zugeständnisse hätten wir ja gemacht, aber das war nicht akzeptabel. Wir wollen uns nicht erpressen lassen und nur den Teil kaufen, den wir für die Straße brauchen.“
Karl-Reinhold Wurch von der FDP: „Wir haben da hin und wieder Vorkaufsrechte ausgeübt. Das ist ein Mosaik da hinten. Wenn wir ihm für einen überhöhten Preis das Grundstück abkaufen, holen wir uns doch das nächste Problem ins Nest. Dann gehen die Anlieger auf die Barrikaden und sagen, das habt ihr zu teuer gekauft.“
Finanzausschuss-Vorsitzende Birgit Reichardt-Mewes (CDU): „Das ist auf beiden Seiten eine verfahrene Kiste. Wir können das Grundstück nicht komplett kaufen. Das bedeutet Arbeit für die Verwaltung, wir müssen in Vorleistung treten, Zinsen zahlen. Das Geld haben wir einfach nicht. Und seien wir mal ehrlich: Wenn es schon zwölf Jahre läuft, kann es auch noch ein paar Jahre weiter gehen. Wir haben nun wirklich andere Probleme.“
Siegfried Wobig hat jahrelang für die CDU im Bauausschuss sowie der Stadtverordnetenversammlung gesessen. Als Architekt ist er sogar vom Fach. „Ich sage seit Jahren: Wir haben ein kommunalpolitisches Ziel, nämlich Innenverdichtung, also kauft das Grundstück, damit wir das Thema vom Tisch kriegen. Ist ja kein kleines Areal. Aber die Finanzleute und Rechtsexperten haben das verhindert. Ich konnte mich in der Fraktion nicht durchsetzen. Den Erben bleibt die Möglichkeit der Klage, das kann noch mal zehn Jahre dauern.“ ol
Standpunkt
Keine Lösung
Streiten und enteignen
Andreas Olbertz
Das ist ja klasse: Alle wollen angeblich Innenverdichtung aber wenn es konkret wird, zieht man sich auf Rechtspositionen zurück. Jahrzehntelange Streitigkeiten sind die Folge – es geht einfach nicht voran.
In diesem Fall scheint es sogar noch etwas spezieller gelagert. Vermutlich ist vielen in Verwaltung und Politik klar, dass das Restgrundstück nicht oder nur mit großen Mühen verkauft werden kann. Deswegen wehrt sich die Stadt mit Händen und Füßen, es zu kaufen.
So kann es nicht laufen, so ist Innenverdichtung zum Scheitern verurteilt. Erst recht, wenn der Eindruck entsteht, am Birkenkamp soll einer über den Tisch gezogen werden, damit andere Vorteile haben. Ein verheerendes Vorbild für andere Bereiche in der Stadt.































